<LiteraTour> unregistriert
| Erstellt am 15.10.2008 - 08:25 |  |
(...) Nach dem Hauptgericht gab es oft einen großen, eiergelben Reispudding, reich gespickt mit Rosinen, Sultaninen und würzigem Zimt und mit duftend braunem Muskat bestreut. Manchmal grub Oma ein paar letztjährige Äpfel aus ihrem Strohbett im Dachboden aus und machte daraus Knödel.
Großmamas Apfelknödel mit geschmolzener Butter bildeten eine Mahlzeit für sich, so üppig und nahrhaft waren sie. Der zarte Teig, in den die nach Nelken und braunem Zucker duftenden Äpfel gewickelt waren, mundete herrlich.
Sie nahm fünf bis sechs frisch gekochte Kartoffeln, zerdrückte sie mit dem Boden eines großen irdenen Kruges auf dem Teigbrett, goß eine Tasse geschmolzener Butter darüber und gab eine Prise Salz hinzu. Dann knetete sie soviel Mehl hinein, wie der Teig aufnahm, und wallte ihn aus. Wenn die feingehackten Äpfel, Nelken, der braune Zucker und die But-terflöckchen in den rund ausgestochenen Teig gewickelt waren, band Großmutter die Knödel in Stoffvierecke, zurechtgeschnitten aus einem Mehlsack, den sie ausgekocht und mit Mehl bestreut hatte, und legte die Knödel in siedendes Wasser.
Nach dem Abendessen saßen die Männer um das Feuer in der Küche. Schläfrig vom vielen Essen und der schweren Arbeit im Moor, schwiegen sie am liebsten vor sich hin. War einer der Reddins da, so zog er eine Mundharmonika aus der Tasche und spielte leise die wehmütigen alten Melodien von Carolan, Rose Mooney und anderen irischen Musikanten. (...)
aus Irische Kindheit von Maura Laverty
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