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Das Boot - Albertcamus

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Gudrun 

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...   Erstellt am 17.03.2007 - 09:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Diesmal ist Marie besonders spät dran auf ihrem Weg zur Schülerbeglückung. Das merkt man nicht nur an ihrem raschen Schritt, der ein bisschen so aussieht, als wollte sie mehr, als ihre und überhaupt irgendwelche Beine hergeben, sondern auch an den Liedern. Menschen, die an diesem warmen Frühlingsnachmittag unvorsichtigerweise das Fenster geöffnet haben, vernehmen nur abwechselnd schrill-tiefe Sangesfetzen, ohne jedoch ein Wort zu verstehen.
Wir, die wir etwas näher dran sind, als Leser hat man ja alle Freiheiten, genießen natürlich ihr verstümmeltes Englisch.

„Don’t be cruel … hmmmhmhm …. You’re such a fool …. Hmhmhmmmmm …“

Hach, Gott sei Lob und Dank, den Rest des Textes dürfte sie sich mal wieder nicht gemerkt haben! Warum singt sie das? Autosuggestion? Wahrscheinlich.

„Die Gedanken sind frei, kein Mensch will heut niesen, ein Jäger mich schießen …“

Wenn sie meint. Aber das Stehen bleiben vor der Buchhandlung sollte sie besser unterlassen. Und auch das Gemurmel: „Nein, nein, nein, heute gehen wir da nicht rein …“
Ein Ruck, sie eilt weiter, direkt auf die nächste Versuchung zu. Das Cafe.
„Hallo Marie! Letzte Woche habe ich dich an der Kreuzung gegrüßt. Hast du mich nicht gesehen?“
Hat sie natürlich nicht. Dafür hört sie solche und ähnliche Sätze beinahe täglich. Soviel sei erlaubt, zu verraten. Nicht, dass sie nicht interessiert wäre an den Menschen. Nur sind es ihr zu viele. Alleine die, die hier im Gastgarten rum hängen und dösig vor sich hin lächeln. Würde der alte Mann nicht jedes Mal am gleichen Tisch sitzen, sie hätte diesmal keinen Blick für ihn. Denn die Uhr am Platz, die alle halben Stunden loslärmt, hat soeben begonnen mit ihrem bösen Mahnwerk. Zur ganzen Stunde spielt sie ein Lied. Irgendeins vom Kaiser.
„Wartet gefälligst auf mich!“
Der alte Mann und die Sonne ernten ein belustigtes Zwinkern und schon entfleucht Marie in das Dunkel der Mathematik und das Chaos pubertären Widerstandes.
„Ja, ja, manchmal muss man sich halt zusammen reißen.“, sinniert sie vor sich hin, als sie, Steinstufe für Steinstufe betrachtend, auf der Suche nach, hm, was sucht sie denn eigentlich? Doch nicht die Spuren der Leute vor ihr? Fußstapfen zum Reintreten? In einem hundert Jahre alten Haus?
Egal. Das mit dem Zusammenreißen hat sie mal in einem Philoforum gelesen. Das hat ihr gefallen. Klar stand das nicht exakt so dort. Das „manchmal“ fehlte. Genau genommen auch das „Ja, ja.“ Eine Marie dreht sich eben alles, wie sie’s braucht.
Ganz genau betrachtet ist es sowieso eher müßig, über sein Tun nach zu denken. Solange man liebt, was man tut. Oder tut, was man zu tun hat. Oder will, was man will. Ob man will oder nicht.
Nein, Blödsinn! Solange man. Das muss genügen. Vorerst.




Daggi ...

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...   Erstellt am 17.03.2007 - 22:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hi liebste Gudrun,

nun ja... vielleicht sollte die leicht durch den Wind erscheinende Mathelehrerin bei ihren pubertären Schülern für Stimmung sorgen (eventuell mit ner musikalischen Showeinlage)? Dann schafft sie es bestimmt auch, wenigstens ansatzweise Licht ins Dunkel der mathematischen Wissenschaft zu bringen. Mit Musik geht alles leichter... das weiß man doch! Vielleicht mutieren die pubertären Geschöpfe dann zu fröhlich lachenden Wesen?

Liebe Grüße zu dir geschickt!

Daggi-Wirbelwind

[Dieser Beitrag wurde am 17.03.2007 - 22:38 von Daggi aktualisiert]





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Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...

Gudrun 

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...   Erstellt am 18.03.2007 - 18:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wirbelwind-Daggi schrieb
    ...die leicht durch den Wind erscheinende Mathelehrerin ...


Lieber Wirbelwind, Du bist einfach nur herrlich und ich sehr froh, dass Du mit im Boot sitzt!


Ich hätte den Text als "schwer durch den Wind bezeichnet". Gut, dass ich nicht alles beurteilen muss.

Wirbelwind schrieb
    Vielleicht mutieren die pubertären Geschöpfe dann zu fröhlich lachenden Wesen?


Sind sie ja auch. Sobald sie von mir weggehen.


Nein, zumindest sind sie seeehr unterhaltsam. Ich würde sie nicht missen wollen, ehrlich gesagt. Das "Problem" ist höchstens, dass man oft nicht mehr weiß, wer da von wem lernt.



[Dieser Beitrag wurde am 18.03.2007 - 19:12 von Gudrun aktualisiert]





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