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Anwarien ...





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...   Erstellt am 20.08.2005 - 19:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


das hab ich gestern abend geschrieben, eigentlich fast ganz ohne konzept, ich wollte einfach was drüber schreiben und war so hastig, dass ich nicht waren konnte. ^^
man hätte eindeutig einige sachen viel besser machen können, aber um es nochmal zu überarbeiten fehlt mir ehrlich gesagt irgendwas (sei es nun zeit, geduld, ideen oder sonst was).
hoffentlich ist es trotzdem nicht ganz sooo schlecht.



Mara

Ich wurde geboren am 31.7.1985, irgendwo in der Nähe von Dresden, irgendwann zwischen morgens und abends.
Gefunden wurde ich am Abend des 31.7.1985 vor dem Städtischen Krankenhaus Dresden-Neustadt, ungefähr um 21 Uhr. Damit begann mein eigentliches Leben, dort gab man mir auch meinen Namen. Zumindest erst einmal meinen Vornamen, einen Nachnamen hatte ich nicht, denn ich hatte ja keine Identität.
Alles, was man von mir wusste, war, dass ich ein kleines gesundes Mädchen mit dichten schwarzen Haaren war, abgelegt in einer dunkelblauen Sporttasche vor einem Krankenhaus, zur Welt gebracht von einer Frau, die mich aus irgendwelchen Gründen nicht haben wollte oder konnte.
Sechs Wochen lang gingen Aufrufe an meine Mutter durch die Presse, dass sie sich doch melden sollte, aber sie tat es nicht.
Damals war ich noch sehr klein, mein Tag bestand aus schlafen und essen und hin und wieder schreien, alles in allem war ich noch nicht in der Lage zu verstehen, was um mich rum los war. Eine Pflegefamilie nahm mich auf für die Zeit, in der die Mutter noch die Chance hatte, sich zu melden. Meine ersten Bezugspersonen waren also eine Frau Mitte 30 und ihr Mann, kaum älter, aber an sie erinnere ich mich nicht mehr. Ich schreibe ihnen noch manchmal Briefe, oder wir telefonieren, oder ich gehe zu ihnen auf einen Schluck Kaffee, aber es ist nicht mehr als eine gute Freundschaft. Sie haben jetzt auch eigene Kinder, zwei Stück, Matilda und Frederick, die mich manchmal ihre Schwester nennen.
Nach den ersten sechs Wochen, in denen sich niemand als meine Mutter oder Familie zu erkennen gab, wurde ich zur Adoption freigegeben.
Freigegeben. Mehrere kinderlose Paare bemühten sich um mich. Zu einem kam ich, aber auch nicht für lange, denn sie taten mir weh. Ich wurde von ihnen weg genommen und das war auch gut so.
In dem ersten halben Jahr meines Lebens trudelte ich also orientierungslos und blind durch diese Welt. Dieses Fehlen fester Verhältnisse machte mich selbstständig und unabhängig, denke ich jetzt, im Nachhinein. Ob es gut war, weiß ich nicht.
Schließlich kam ich in eine neue Familie, die schon ein Kind adoptiert hatte. Juana, ein Mädchen aus Kolumbien, zwei Jahre älter als ich.
Diese Familie waren die Maurers. Monika und Martin Maurer wohnten in einer schicken Neubausiedlung bei Dresden, in einem hübschen Reihenhaus und hier wuchs ich auch auf. Es war eine unbeschwerte Jugend, Juana wurde mir zu einer richtigen Schwester und meine Eltern kannte ich nicht anders als dass es meine Eltern waren.
Wir wurden von vorneherein im Bewusstsein erzogen, dass sie nicht unsere leiblichen Eltern waren, aber ich liebte sie. Ich schätze, ich liebte sie wie Eltern, obwohl ich nicht weiß, wie sich das so richtig anfühlt. Sicher, aufgrund dessen gab es kleinere Barrieren, doch die überstanden wir zu unserem besten, wie ich heute denke.
Zum Beispiel sagte mir einmal ein gemeines Mädchen im Kindergarten, dass Juana gar nicht meine Schwester sei, sie würde ja ganz anders aussehen. Daraufhin wurde ich wütend auf sie und schlug und kratzte sie so lange, bis sie heulte und mir schwor, dass sie das nie wieder sagte.
Ein anderes Mal sprach eine ältere Frau aus der Siedlung Mama im Supermarkt darauf an, dass sie ihre Bälger wohl doch besser in der Gosse gelassen hätte, denn wir hatten ihr einen Streich gespielt. Mama wurde daraufhin genauso wütend wie ich gewesen war, nur hatte sie dir Frau weder gekratzt noch geschlagen, aber dafür war Mama so ausgerastet und hatte uns verteidigt, dass es der ganze Supermarkt es mitbekommen hatte.
Ich war richtig stolz auf sie gewesen und Papa und Juana auch.
Es war also kein Problem, weder für sie noch für uns, dass wir wussten, dass sie nicht unsere leiblichen Eltern waren. Nicht einen Moment schienen sie zu denken, dass wir sie deshalb nicht so lieben würden. Ich merkte erst später im Vergleich, wie bewundernswert das war.

Durch Juana, die ja zwei Jahre früher als ich zu fragen anfing, bekam ich viele Antworten mit, aber alle konnten sie uns beiden nicht geben. Juana immer noch mehr als mir. So erfuhren wir, dass ihre Mutter eine Hure gewesen war (natürlich sagten sie uns das nicht so) und dass Juanas Vater ein Geschäftsmann aus Bogotá war, der sich aber nicht zu seiner Vaterschaft bekennen wollte. So blieb ihrer Mutter nichts weiter, als das Kind zur Adoption frei zu geben, denn allein konnte sie es nicht ernähren. Moni und Martin waren auf einem Urlaub in Südamerika, als sie beschlossen, ein Kind von dort zu adoptieren. Wenn Juana wollte, konnte sie ihrer leiblichen Mutter jederzeit schreiben.
Dann fragte ich. Moni sah zu Martin, Martin blickte zurück zu seiner Frau. Ich schaute gebannt zwischen beiden hin und her, genau wie Juana, die auch neugierig war. „Mara...“, begann Mama, „wir können dir nicht sagen, wer deine leiblichen Eltern sind.“ Und sie erzählten mir meine Geschichte, oder besser gesagt alles, was sie davon wussten. Es war recht schnell erzählt und in diesem Alter störte es mich noch nicht besonders.
Später aber, etwa als ich zehn war, begann ich, mir Gedanken zu machen, wer meine ‚richtigen’ Eltern waren. Ich malte mir aus, dass mein Vater Kapitän auf einem riesigen Schiff war und meine Mutter eine berühmte Schauspielerin. Sie waren sehr beschäftigt, deshalb konnten sie sich nicht um mich kümmern, das war klar!
Ohne es zu merken begann ich, meine Eltern fast zu vergöttern. Sie waren für mich perfekt, hatten eben nur keine Zeit für mich. Wer auch immer etwas gegen sie sagte, dem nahm ich es übel.
Simone war meine beste Freundin und ein halbes Jahr älter als ich. Mit elf oder zwölf redeten wir zum ersten Mal darüber, wie es zu meiner Adoption kam. Dass die Maurers nicht meine leiblichen Eltern waren, wusste sie längst.
Wir hockten uns in ein Loch in einer Hecke, die zur Begrenzung am Spielplatz der Siedlung gepflanzt worden war. Das war schon immer unser geheimer Platz gewesen, seit dem Kindergarten. Ich erzählte ihr, wie ich mir immer vorstellte, wie toll und mutig und berühmt meine Eltern waren. „War deine Mutter nicht zu feige, zu dir zu stehen?“, fragte sie auf einmal ganz schonungslos. Ich starrte Simone an. Wie konnte sie so etwas fragen? Wie kam sie denn darauf, dass meine Mutter feige war? „Nein!“, rief ich heftig. „Sie ist einfach nur beschäftigt! Wenn sie will, kann sie mich abholen und dann zeigt sie mir ihre Villa und ich darf über die Ferien zu ihr und alle mitnehmen, die ich will!“
„Sie wollte dich aber nicht, hast du das denn nicht kapiert?“, sagte Simone etwas garstig, denn es passte ihr nicht, wenn ich so mit ihr redete.
„Sie hat einfach keine Zeit“; erwiderte ich trotzig.
„Und dein Vater? Warum wollte er dich nicht haben?“
Ohne, dass ich es beabsichtigte, bildete sich ein fetter Kloß in meinem Hals und Tränen stiegen mir in die Augen.
„Wie kannst du es wagen, meine Eltern zu beleidigen?“, schrie ich Simone an, kroch schleunigst aus unserem Gebüsch heraus und lief weinend und schluchzend davon.
Bevor ich klingelte, trocknete ich meine Tränen, denn ich wollte nicht, dass jemand sah, dass ich geweint hatte. Ich war relativ hart im Nehmen, was mit meiner Selbstständigkeit und meinem besonderen Leben sicher ein wenig zu tun hatte.
An diesem Abend dachte ich noch lange nach. ‚Feige’ und ‚wollten dich nicht haben’ gingen mir noch lange im Kopf herum. Es war das erste Mal, dass das so sorgsam aufgebaute Bild meiner Eltern in meinem Kopf ernsthaft ins Wanken geriet.
Mit Mama und Papa wollte ich jedoch nicht darüber sprechen, ich behielt meine Sorgen für mich.

Mit Simone hatte ich mich schnell ausgesöhnt. Sie war auch diejenige, mit der ich am meisten über meine leiblichen Eltern redete. Trotz der engen Verbindung zu meiner Familie brachte ich es nie fertig, mit ihnen darüber zu reden.
Allmählich vollzog sich eine Wende in mir. Zwar war ich zufrieden mit meinem Leben, wie es nun war, doch ich fand immer mehr Fragen und immer weniger Antworten.
Am Grab meiner Oma wurde ich das Gefühl nicht los, dass es da noch jemanden gab, der etwas ‚mehr Oma’ führ mich war. Zwar wurde die beerdigt, die ich geliebt hatte (und noch immer liebte), doch sie war nicht ‚die richtige’...
Eine Unrast stellte sich bei mir ein, die mich nur selten losließ.
Immer öfter musste ich daran denken, wie mein Leben gewesen wäre, wenn ich nicht verstoßen worden wäre, wie ich es nun für mich nannte. Ich bemühte mich, nicht allzu oft zu vergleichen, denn ich hatte es wirklich gut.
Dennoch träumte ich nun viel öfter wie früher. Das Zusammenleben in meiner Familie veränderte sich nicht, aber immer wieder gingen meine Gedanken zurück zu dem Tag meiner Geburt.
Hatte meine Mutter gezögert, ehe sie die Sporttasche mit mir abstellte? War die Geburt einfach gewesen? Hatte überhaupt jemand gewusst, dass sie schwanger war? Mein Vater, was war er für ein Mensch? Hatte ich eventuell Geschwister? Sah ich meinen Eltern ähnlich? Dachten sie manchmal noch an mich?
Solche Fragen quälten mich, ließen mich manchmal nächtelang nicht schlafen. Ich wälzte mich hin und her, dachte über eine Möglichkeit nach, etwas über meine Identität herauszufinden und weinte mich in den Schlaf. Wer war ich eigentlich? Alle Antworten, die ich finden konnte, fand ich einzig und allein an mir. Ich war praktisch die einzige Informationsquelle, aber ich gab nicht sehr viel her. Ich hatte keine besonderes Merkmale, durch die man auf jemanden schließen konnte, nichts, kein bisschen.

Meine Familie blieb natürlich nicht verborgen, dass ich mich veränderte und öfter abwesend war. Ich, die ich früher immer ein kleiner Wildfang gewesen war.
Eines Abends grillten wir im Garten, nur wir vier. Als es dunkler wurde, zündeten Juana und ich überall Kerzen an, sodass es wunderschön leuchtete.
Wir lachten eine Menge, bis Papa mich schließlich ansprach: „Mara, mein Schatz, geht es dir gut? Wir haben in letzter Zeit das Gefühl, dass dich irgendetwas beschäftigt.“ Er lächelte mich väterlich an und alle Blicke hefteten sich (liebevoll) auf mich.
Ich wollte es noch verhindern, doch die Tränen schossen aus meinen Augen. Auf einmal konnte ich nicht anders. Zu lange hatte ich ihnen nichts erzählt, diese plötzliche Frage brach alle meine Dämme. Ich machte mir auch ein wenig selbst Vorwürfe, dass ich ihnen nichts gesagt hatte. Sie, die mir doch so nahe standen, die ich so über alles liebte, meine Familie.
An diesem Abend erzählte ich ihnen alles auf einmal. Alle meine Gefühle brachen aus mir heraus und ich redete und redete. Wir saßen noch ewig da draußen auf der Terrasse, auch noch, als die Kerzen längst abgebrannt waren und es tat wirklich gut da zu sitzen und zu reden.
Nachdem ich endlich geendet hatte, herrschte Schweigen, bis mein Vater die Stille durchbrach: „Du klammerst dich mit deinen Fragen zu sehr an die Vergangenheit, Mara, mein Herz.“ Ich blickte ihn aus verheulten Augen an und presste das Taschentuch, das mir Mama vorher gegeben hatte, an mich.
„Aber was soll ich denn tun?“, fragte ich fast flüsternd. „Ich kann mich doch nur an die Vergangenheit klammern, wenn mir die Gegenwart keine Antworten mehr gibt...“
Sie alle wirkten sehr betroffen.

In der folgenden Zeit versuchte ich, meine wahre Identität zu entdecken und meine Eltern sowie meine Schwester und Simone unterstützen mich nach Kräfte. Doch was immer ich tat, es blieb erfolglos. Jeder Brief, den ich schrieb, blieb unbeantwortet.
Ich fand bald andere adoptierte Kinder, denen es ebenso ging und gemeinsam versuchten wir etwas über unsere leiblichen Eltern zu finden. Doch die Recherchen gestalteten sich als extrem schwierig. Dazu kam noch, dass nicht alle so von ihren Familien unterstützt wurden wie es bei mir der Fall war und die Behörden gaben meistens keine Informationen heraus. Zum Schutz der Mütter, sagten sie. Doch was war mit uns? Waren wir nicht die, die es nötig hatten, dass man ihnen half?

Jahr für Jahr, das ich durchlebt hatte, ohne einen Erfolg zu erzielen, fand ich mich ein klein wenig mehr damit ab, dass ich meiner wahren Identität nicht auf die Schliche kommen konnte. In gewisser Hinsicht resignierte ich. Oder ich fand mich einfach damit ab, dass mein Leben am 31.7.1985 im Städtischen Krankenhaus Dresden-Neustadt um etwa 21 Uhr begann.






Signatur
Power can be held in the smallest of things.


O.o (ich bin keine signatur, ich putze hier)



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