Demon  Karen
       

Status: Offline Registriert seit: 06.06.2005 Beiträge: 192 Nachricht senden | Erstellt am 18.06.2005 - 11:53 |  |
In Deutschland grassiert das Manga-Fieber. Jugendliche verschlingen die Comics aus Japan, bundesweit sprießen Fan-Klubs aus dem Boden, Manga-Börsen und Homepages locken. Bei "Cos-Play"-Treffen spielen kostümierte Fans Szenen aus ihren Lieblingscomics nach, ein Manga-Wettbewerb jagt den nächsten. Für die Verlage ist die Manga-Manie ein riesiges Geschäft. "Die Fangemeinde in Deutschland wächst kräftig, wir haben es mit einer absoluten Wachstumsbranche zu tun", sagt Manga-Expertin und Japanologin Ruth Jäschke. "Es sind nicht nur die fantasievollen Figuren und die schlüssigen Geschichten, die faszinieren", weiß Jäschke, die beim Japanischen Generalkonsulat in Düsseldorf beschäftigt ist.
Die meisten Hefte sind in Schwarz-Weiß gehalten und sind Übersetzungen des japanischen Originals. Sie werden in japanischer Lesefolge von hinten nach vorne und rechts nach links gelesen. Manga-Fan Kai aus Köln erklärt seine Leidenschaft: "Die Zeichnungen haben eine brillante Qualität, und die Geschichten sind viel interessanter und actionreicher als andere Comics", meint der 18-Jährige. Fan-Treffen gibt es regelmäßig etwa bei der "Konnichi" in Kassel oder beim Münchner Comicfest. Auch bei den Buchmessen wird Manga groß geschrieben, zuletzt im März in Leipzig mit 70 in- und ausländischen Manga-Verlagen.
Während in Japan praktisch alle Alters- und Gesellschaftsgruppen Manga lesen, sind es in Deutschland vor allem die acht- bis 25-Jährigen, sagt Friederike Strüber vom Carlsen Verlag. Der Hamburger Verlag teilt sich bei den Mangas die Marktführerschaft mit dem Egmont Verlag. "Unsere Titel sind so angelegt, dass wir die verschiedenen Zielgruppen innerhalb dieser Altersgruppe erreichen, etwa mit Schulthemen oder erster Liebe für die weiblichen Leser oder Abenteuern und Science-Fiction für die Jungen."
"Die Faszination hat ganz klar auch etwas mit Abgrenzung zu tun, also etwas zu lesen, was die Eltern nicht kennen und verstehen", erklärt Strüber. Wer mit hoher Konzentration lese, vor dessen Auge laufe ein regelrechter Film ab. Das Ende des Booms sei noch lange nicht in Sicht.
In der Verlagswelt wollen immer mehr Anbieter ein Stück vom dicken Kuchen abhaben. "In Deutschland wird mit Mangas inzwischen ein Umsatz von 50 Millionen Euro jährlich gemacht", schätzt Strüber. Immer mehr Konkurrenten drängen auf den lukrativen Markt. Neben den großen haben weitere rund 20 Verlage die populären Comics mit im Programm. Jeden Monat kommen im Durchschnitt 16 Manga im Taschenbuch-Format hinzu. Stetig wächst die Anhängerschaft. Allein die Homepage www.animexx.de hat 65 000 Mitglieder. In Fan-Zeitschriften wie "MangasZene" werden Comics und Anime-Zeichentrickfilme vorgestellt, Kids tauschen dort Hefte aus oder bestellen T-Shirts, Actionfiguren, Poster und Videos.
17.06.2005 Von Yuriko Wahl, dpa
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