| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  |
TheFab  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2006 Beiträge: 261 Nachricht senden | Erstellt am 15.08.2007 - 00:14 |  |
26. Kapitel:
Max schrieb den Bericht für seinen Direktor und ließ ihn auch von Peter unterschreiben. Die Schulwoche im Juni ging vorüber. Am Samstag Nachmittag fand das letzte Turnierspiel vom Schuljahr statt. Im Moment lagen Westgrün und Ostrot Punktemäßig an der Spitze.
Während sich die Mannschaften in den Umkleidekabinen für das Spiel fertig machten, sagte Hannes zu seinen Mitspielern: „Westgrün liegt mit sechzig Punkten vor uns. Max, du wartest bis wir die sechzig Punkte aufgeholt haben. Dann suchst du den Flatter und fängst ihn vor dem anderen Fänger. Wenn uns das gelingt, Leute, gehört der Pokal dieses Mal uns.“
Bereits zehn Minuten später waren die Spieler auf ihren Positionen vom Spielfeld. Professor Arsenauer ließ die verzauberten Bälle frei. Dann warf er den Wurfball in die Luft und das Spiel konnte beginnen. Beide Mannschaften wurden so gut, dass es schwer war, einen Punktevorsprung zu holen.
In der Tat wurde es ein sehr spannendes und ereignisreiches Spiel. Die Spieler von Westgrün waren für ihre listigen Taktiken berüchtigt. Obwohl sich die Spieler von Ostrot vorsahen, versuchten die Spieler von Westgrün zu tricksen. Schon in der ersten halben Stunde des Spiels gelang es beiden Mannschaften Tore zu erzielen. Ostrot machte zwei Tore und Westgrün ein Tor. Als Ostrot es schaffte ein weiteres Tor zu erzielen stand es 45:15 Punkte für Ostrot. Max musste trotzdem warten, bis seine Mannschaft mit sechzig Punkten im Endstand gleichauf mit Westgrün lag.
Nun machte es ihnen Westgrün schwer, dieses Punkteziel zu erreichen. Ein paar Spieler von Westgrün begannen nun sehr stark zu foulen. Zunächst setzten sie zwei Werfer außer Gefecht, indem sie diese gegen die Tribünen rammten. Die Mitschüler von Ostrot ließen laute Buhrufe erklingen. Doch das nutzte so gut wie gar nichts.
Max erkannte den nächsten Foulangriff von Westgrün sehr schnell. Einer der Schläger von Westgrün wollte den Stoßer direkt auf Hannes ihren Torwart schießen. Max steuerte mit seinem Besen ruckartig vor Hannes und brachte es mit seiner unsichtbaren Schutzmauer dazu, dass der Stoßer einen Meter vor ihm abprallte.
„Wie hast du das gemacht?“ fragte Hannes überrascht.
„Angeborenes Talent.“ erwiderte Max lächelnd. Ostrot gelang es in den nächsten fünfzehn Minuten gleich zwei Tore zu erzielen.
„Das ist deine Chance Max.“ sagte Hannes laut zu Max.
Max nutzte die Gelegenheit um den Flatter ausfindig zu machen. Dann machte er sich daran diesen einzufangen. Er stellte dem Flatter eine Falle, indem er dem Ball den Weg abschnitt. Der Fänger von Westgrün hatte seine Taktik bemerkt und versuchte Max an dem Fang zu hindern. Darauf hin ging alles sehr schnell. Max wich dem Spieler aus und verlor dadurch den Flatter für einen kurzen Moment aus den Augen.
Max steuerte hoch in die Luft und erriet schnell, wohin der Flatter nun fliegen würde. Erneut schnitt der dem geflügelten Ball den Weg ab. Der Fänger von Westgrün jedoch war nicht dumm. Erneut versuchte er Max daran zu hindern. Max bekam den Flatter schnell zu fassen, doch bei dem Versuch dem anderen Spieler auszuweichen, steuerte einer der Stoßer direkt auf sie zu. Max versuchte mit seinem Besen eine andere Richtung einzuschlagen. Bei diesem Versuch stieß nicht nur der Fänger der anderen Mannschaft bei ihm an. Auch der Stoßer prallte hart auf Max´ noch immer ausgestreckten Arm.
Der Fänger von Westgrün versuchte die Chance zu ergreifen und Max den Flatter aus der Hand zu reißen. Aber genau in diesem Moment kam Professor Arsenauer bei ihnen an und sagte scharf zu dem Fänger von Westgrün: „Unterstehen Sie sich.“
Darauf hin huschte der andere Fänger davon. Ein weiterer Stoßer machte sich auf dem Weg zu Max. Dieser war immer noch von dem Aufprall des ersten Stoßers benommen. Der zweite Stoßer erwischte Max auf der linken Seite seines Oberkörpers. Das ließ Max zur Seite gleiten. Max war von der Wucht des zweiten Stoßers so sehr angeschlagen, dass er vor Schreck seinen Sportbesen los ließ und abrutschte.
Professor Arsenauer war vor Schreck dem Stoßer ausgewichen und pfiff eilig das Spiel aus. Doch bevor er den Sieger verkünden konnte, stellte er erschrocken fest, dass sich Max dem Boden rasend näherte. Zunächst fing er geschickt Max Besen ein, damit dieser nicht beschädigt wurde. Dann eilte er dem herabfallenden Max hinterher.
Herr Thornberger appartierte auf das Spielfeld und zauberte ein schwebendes Auffangnetz herbei. Max landete sicher in dem Auffangnetz, das Peter darauf hin langsam zu Boden gleiten lies. Herr Thalenberg kam apparierend hinzu. Professor Arsenauer landete neben Max und sah sich dessen rechte Hand noch einmal an.
„Ostrot hat gewonnen. Das Spiel ist aus.“ verkündete er darauf hin mit verstärkter Stimme. Hannes und die anderen übrig gebliebenen Spieler landeten mit ihren Besen auf dem Spielfeld und eilten auf Max und die Erwachsenen zu.
„Er muss in die Krankenstation.“ sagte Herr Thalenberg entschieden.
„Ich bringe ihn hin.“ sagte Peter entschieden und verwandelte das Auffangnetz in eine Trage, die er darauf hin seitlich neben sich schweben ließ. Die Mitschüler von Ostrot jubelten über den Sieg.
Trotzdem würde der Pokal erst am letzten Abend des Schuljahres vergeben werden. Nur langsam machten sich die Schüler auf dem Weg zum Schulgebäude zurück. Hannes nahm Max Besen von Professor Arsenauer entgegen und steuerte mit seiner Mannschaft auf die Umkleideräume zu.
Einige Zeit später kam die ganze Mannschaft von Ostrot, sowie Con, Julian, Nicole und Herr Thalenberg in die Krankenstation. Max lag bereits in einem der großen Krankensäle. Peter saß auf einem Stuhl neben seinem Bett und wartete darauf, dass er aufwachte. Es dauerte noch ein paar Augenblicke, doch dann öffnete Max langsam und immer noch benommen die Augen.
„Hey Max.“ sagte Con strahlend.
„Was...?“ wollte Max fragen, doch Peter unterbrach ihn: „Der Schularzt hat dich schon behandelt. In ein paar Tagen bist du wieder fit.“
„Ich dachte ich wäre...“ sagte Max immer noch angeschlagen.
„Du bist von zwei Stoßern fast zermatscht worden.“ meinte Hannes anerkennend und legte Max Sportbesen zu ihm auf das Bett.
„Professor Arsenauer hat ihn eingefangen und verhindert, dass er von den Stoßern in tausend Stücke gehauen wird.“ fügte er hinzu.
„Oh, und deinen Fang vom Flatter hat er natürlich gelten lassen.“ sagte Hannes nun grinsend.
„Wir haben...?“ wollte Max fragen.
„Oh ja. Du hättest die Spieler von Westgrün sehen sollen. Die sind richtig wütend geworden.“ meinte einer der Werfer nun.
„Aber dein Sturz nach unten war auch nicht schlecht.“ versuchte Julian zu erklären.
„Das hätte dich zwar fast das Leben gekostet, aber...“ meinte Julian weiter.
„Damit ist nicht zu spaßen.“ mischte sich Peter ein. „Und denkt ja nicht daran, es ihm nach zu machen.“ fügte er hinzu.
„Ihr solltet jetzt gehen. Max braucht Ruhe.“ sagte der Schularzt, der eben zu ihnen kamen. Die Schüler und Max Freunde machten sich auf dem Weg. Peter und Herr Thalenberg blieben bei Max und dem Schularzt.
„Wie kommt es, dass mir sonst nichts passiert ist?“ fragte Max auf einmal.
Peter senkte seinen Kopf. Herr Thalenberg dachte scharf nach.
„Ihr schweigt.“ stellte Max fest.
„Es ist alles so schnell gegangen. Ich wollte ausweichen, aber...“ sagte Max weiter.
„Eine Vernetzung unglücklicher Zustände. Du wirst wieder gesund, auch wenn du die letzten Schultage in der Krankenstation bleiben musst.“ sagte Peter langsam.
„Tetrigusball ist nun mal ein gefährlicher Sport. Und Verletzungen lassen sich nicht verhindern.“ sagte Herr Thalenberg nun und lächelte Max belustigt an.
„Ich gehe dann mal.“ fügte er hinzu und ließ Peter mit Max allein.
„Frank hat damals auch mitgespielt. Zum Fänger war er zwar nicht geeignet, weil er nicht solche Augen hatte, wie du. Aber er war der beste Torwart, den Ostrot je hatte.“ sagte Peter um die Stimmung etwas zu lockern.
„Torwart ja?“ meinte Max nun selbst lächelnd.
„Er hätte auch einen grandiosen Werfer abgegeben. Darin bin ich mir sicher.“ sagte Peter schmunzelnd.
Die letzten Tage des Schuljahres gingen vorüber. Max konnte erst am Donnerstag Nachmittag der letzten Juniwoche die Krankenstation verlassen. Als er den Aufenthaltsraum seines Wohnturms betrat, kam sein Kater Merlin auf ihn zu und sprang Max auf die Schulter.
„Hallo Merl.“ Sein Kater schnurrte liebevoll und wedelte mit seinem Schwanz.
„Du hast mich wohl vermisst, was?“ meinte Max und kraulte Merlin mit der Hand den Kopf.
Max nahm seinen Kater von der Schulter und setzte ihn auf dem Boden ab. Dann ging er in den Aufenthaltsraum und die Treppe zu den Schlafetagen hoch. Schließlich betrat er seinen Schlafsaal. Max ging zu seinem Bett, neben dem auch sein Schrank stand und öffnete diesen. Er seufzte schwer, denn nun würde ein weiteres Schuljahr zu Ende gehen. Max verließ seinen Schlafsaal wieder, um seinen Reisetrolley zu holen.
Während der nächsten Stunde machte sich Max daran sein Gepäck für die Abreise zu packen. Zwar würde die Abreise erst am Samstag nach dem Frühstück statt finden, doch trotzdem mussten alle Schüler Adularbergs langsam ihre Koffer und Taschen zusammen packen.
Am folgenden Tag wurden in der zweiten Unterrichtsstunde in den meisten Klassen die Jahreszeugnisse ausgeteilt. Max und Con sahen ihre Zeugnisse erstaunt an. Sie waren ebenso gut, wie im letzten Schuljahr ausgefallen.
„In Verwandlung haben wieder eine Zwei.“ sagte Max, als er einen kurzen Blick auf das Zeugnis seines Bruders warf.
„Dafür haben wir in Astronomie und Astrologie eine Eins.“ stellte Con erfreut fest.
„Nur in Geometrisch Zeichnen haben wir noch eine Zwei.“ erklärte Max lächelnd.
„Und was ist mit Zaubertranklehre und den anderen Fächern?“ wollte Nicole nun von ihnen wissen.
„Darin haben wir Einser. Bis auf Französisch. Dort haben wir immer noch eine Zwei.“ sagte Max ehrlich und versuchte zu erkennen, was auf Nicoles Zeugnis stand.
„Ich habe wie letztes Jahr eine Zwei in Zaubertranklehre. Dafür habe ich eine Zwei in Französisch und eine Eins in Kräuterkunde. Nur scheint mir Astrologie nicht wirklich zu liegen. Darin ist es auch nur eine Zwei geworden.“ mischte sich nun Julian in das Gespräch ein.
„Unsere Noten sind sich also sehr ähnlich.“ stellte Max fest und sah seine Freunde an.
„Auf nächstes Jahr bin ich schon gespannt. Dann dürfen wir erstmals ein neues Fach wählen. Wer mag, darf ab dem dritten Jahrgang Latein als zusätzliches Fach belegen.“ sagte Nicole auf einmal.
„Als Pflichtfach?“ fragte Julian und zog seine Augenbraun hoch.
„Ja. Die Entscheidung muss bereits in den Ferien getroffen werden.“ stimmte Nicole nickend zu.
Professor Eisenauer hatte nun alle Zeugnisse in seiner Klasse verteilt.
„Bevor Sie den Klassenraum verlassen, habe ich Ihnen allen noch etwas auszuteilen. Ich gebe jeden von Ihnen einen Zettel mit. Darin steht, dass Sie ab nächstem Schuljahr die Möglichkeit haben das Wahlfach Latein zu belegen. Wer sich entschließt, dieses Fach im nächsten Jahr als Pflichtfach zu besuchen, muss den Zettel ausgefüllt in einem Kuvert an die Schule zurück schicken. Wenn Sie sich dafür angemeldet haben, werden Sie am Anreisetag zu Beginn des Schuljahres bei Ihren Schulbüchern ein Lehrbuch für Latein vorfinden. Für dieses Fach ist selbstverständlich zusätzlich Hefte zu kaufen.“
Kaum hatte ihr Lehrer ausgesprochen, wurden die Schüler verabschiedet und hatten darauf hin keinen Unterricht mehr.
Der restliche Tag verging darauf hin sehr schnell. Wie im letzten Jahr fand an diesem Abend eine Jahresabschlussfeier statt. Zu diesem Ereignis versammelten sich alle Schüler im großen Speisesaal. Die Schüler aus dem vierten Jahrgang erhielten vor allen Schülern ihre Unterstufenabschlusszeugnisse. Danach bekamen die Abiturenten ihre Abiturzeugnisse feierlich überreicht. Doch bevor die eigentliche Feier los gehen konnte, hatte Professor Thalenberg die Aufgabe die Gewinner des Turmpokals und des Klassenpreises bekannt zu geben.
„Liebe Schüler, verehrtes Kollegium. Ich möchte unseren Abiturenten noch einmal zu ihrem Erfolg gratulieren und die Schüler des vierten Jahrgangs zu ihrem erfolgreichen Bestehen der Unterstufenabschlussprüfung beglückwünschen. Das Schuljahr geht heute zu Ende. Und wie jedes Jahr, werden die Turmpokale und Klassenpreise vergeben. Doch bevor ich die Ergebnisse bekannt gebe, möchte ich zunächst einmal den Pokal von Tetrigusball an die diesjährige Siegermannschaft überreichen. In der Tat war dieses Turnier das bislang spannendste, wie es seit mehr als zehn Jahren nicht gewesen ist. Umso erfreulicher finde ich es, dass der Pokal dafür heuer nicht an Westgrün geht. Denn heuer geht der Pokal von Tetrigusball wohlverdient an die Mannschaft von Ostrot. Ich bitte den Kapitän der Mannschaft sich den Pokal abzuholen.“
Kaum hatte Direktor Thalenberg ausgesprochen brach erfreuter Jubel im Speisesaal los. Die Schüler aus Südgelb und Nordblau applaudierten und jubelten mit den Schülern aus Ostrot mit. In Westgrün beteiligten sich nur wenige Schüler an den Freudentaumel. Hannes freute sich über den Pokal und wurde von vielen Schülern beglückwünscht. Als sich der Tumult langsam legte, begann Herr Thalenberg wieder zu sprechen.
„Und nun zu den Gewinnern des diesjährigen Turmpokals.“ Die Schüler beruhigten sich und hörten ihren Schulleiter wieder aufmerksam zu. Dieser entfaltete einen kleinen Zettel auf dem die Ergebnisse verzeichnet waren. „An vierter Stelle findest sich Südgelb mit 457 Punkten. An dritter Stelle haben wir Nordblau mit 485 Punkten. Den zweiten Platz belegt Westgrün mit 518 Punkten. Und mit 535 Punkten geht der Turmpokal heuer an Ostrot.“
Erneut brach tobender Jubel aus. Die Schüler aus Westgrün ärgerten sich sehr darüber. Doch die Schüler aus Südgelb und Nordblau freuten sich für ihre Mitschüler aus Ostrot. Der diesjährige Schulsprecher nahm den Pokal für seinen Turm entgegen. Es dauerte etwas länger das sich der Tumult wieder legte und Professor Thalenberg den Klassenpreis vergeben konnte.
„Heuer fiel es dem Kollegium nicht leicht, darüber zu entscheiden, welche Klasse den diesjährigen Klassenpreis erhalten sollte. Aber letztendlich entschieden wir, den Klassenpreis an die Klasse zu vergeben, die in diesem Schuljahr die meisten Punkte gemacht hatte. Zwar kommt es nicht wirklich auf die Punkte an, sondern vielmehr auf die Leistungen der Schüler in einer Klasse. Aber zu entscheiden, welche Klasse sich den Preis nun verdient hatte, war heuer besonders schwierig. Das diesjährige Schuljahr verlief, wie wir alle hier wissen, sehr ruhig und ohne große Zwischenfälle, worüber wir uns alle freuen sollten. Dennoch hat uns dieses Schuljahr auf die eine oder andere Weise gezeigt, wie wichtig es ist, seine Mitmenschen zu kennen. Der äußere Schein einer Person kann sich gravierend von dem unterscheiden, was sich im inneren eines Menschen abspielt. Und dennoch sollten wir uns immer fragen: Kennen wir unsere Mitmenschen wirklich? Was wissen wir von jene Personen, mit denen wir die meiste Zeit des Schuljahres verbringen? Sind unsere Freunde wirklich die für die wir sie halten, oder geben sie einem nur vor etwas zu sein? Ich möchte damit niemanden hier misstrauen wecken. Ich möchte nur, dass ihr eure Mitschüler anseht und euch klar zu werden versucht, mit wem ihr hier zusammen seid. Menschen können sich verändern, ob gewollt oder ungewollt. Aber der Zustand dieser Veränderung muss nicht von Dauer sein. Jede Veränderung hat seinen Grund, seinen Ursprung. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist es nicht nur wichtig, seine Mitmenschen genau zu betrachten. Es ist ebenso wichtig auf sich selbst zu hören. Achtet auf eure innere Stimme, auf euer innerstes Gefühl und überlegt genau, ob euer Kopf genauso denkt und fühlt. Achtet darauf, dass eure Handlungen sich mit eurem inneren Gefühl vertragen. Sonst könnte es passieren, dass ihr innerlich zerrissen werdet und eure Mitschüler das Gefühl bekommen, dass ihr euch nicht so verhaltet, wie ihr es sonst getan habt. Ihr fragt euch wahrscheinlich, warum ich euch das sage. Warum ich euch darauf aufmerksam mache. Der Grund ist ganz einfach. Zu Beginn des Schuljahres konnten wir diesen Dingen Zeuge sein und das ist eines von den wenigen Dingen, die das vergangene Schuljahr zu etwas einzigartigem hat werden lassen. Ich brauche den Schüler, dem das betrifft nicht namentlich zu erwähnen. Denn nicht nur diese kurzweilige Veränderung seiner Persönlichkeit hat dieses Jahr heuer ausgezeichnet. Es sind auch seine Leistungen, die er in diesjährigem Tetrigusballturnier gezeigt hat. Er hat seiner Mannschaft nicht nur zum Sieg über die Spiele verholfen, sondern auch dazu beigetragen, dass der Pokal an seine Hausmannschaft gegangen ist. Er hat Mut, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft gezeigt und bewiesen, dass Sport gefährlich sein kann. Aber er hat auch Stärke erwiesen, indem er sein Leben für das Leben eines Mitschülers riskiert hat. Und das liebe Schüler ist genau der Moment an dem jeder von uns dem anderen zeigt, wer wir wirklich sind. Es kommt nicht darauf an, was wir können, welche Fähigkeiten wir haben. Es kommt darauf an, welche Entscheidungen wir treffen. Denn erst unsere Entscheidungen in den Momenten, bei denen wir die Wahl treffen müssen, was wir tun wollen, zeigen uns unsere wahren Charaktereigenschaften. Und der Charakter eines Menschen ist viel mehr wert, als die Fähigkeiten, die einer besitzt.“ sprach Herr Thalenberg seine Worte aus.
Jeder Schüler hörte ihm interessiert zu. Herr Thalenberg hatte nach dem letzten Satz eine kurze Pause eingelegt.
„Deshalb bin ich stolz darauf sagen zu können, dass der Klassenpreis an die Klasse 2aO geht. Jener Klasse, die der Schüler angehört, von dem ich vorhin gesprochen habe. Und ich wünsche, dass nicht der Klassensprecher, sondern der betreffende Schüler den Preis für seine Klasse abholt. Maximilian Riedberg, bitte komme zu mir.“
Ein leises murmeln machte sich im ganzen Speisesaal breit. Max war sprachlos und sein Gesicht verriet, dass er damit überhaupt nicht gerechnet hatte.
„Nun geh schon.“ ermutigte ihn Julian.
„Ja Max, geh.“ stimmte Con zu und stieß Max leicht an. Nur zögernd stand Max auf und ging zu dem Podest in der Halle.
Er wusste immer noch nicht, was er davon halten sollte. Professor Thalenberg übergab ihm den kleinen Klassenpreis, der aus einer Urkunde und einem kleinen Pokal bestand.
„Deine Klasse hat es verdient Max.“ sagte Herr Thalenberg aufmunternd. Max schwieg und sah seinen Direktor immer noch ungläubig an. Ihm fielen keine erwidernden Worte ein.
Aber als er mit seinem Klassenpreis zu seinem Tisch zurück gehen wollte, kam ihm auf einmal der Fänger von Südgelb entgegen.
„Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, dir zu danken.“ sagte dieser zu Max. Max war im ersten Moment irritiert. Der Fänger von Südgelb streckte Max die Hand entgegen. Langsam reichte Max ihm die eigene.
„Danke. Vielen Dank. Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen kann.“ sagte der Fänger von Südgelb aufrichtig und ehrlich. Max war sprachlos. Er wollte etwas sagen, aber ihm fiel nichts ein. Con kam zu ihm und nahm Max den Klassenpreis ab. Schließlich fand Max seine Worte wieder.
„Schon in Ordnung.“
Der Fänger von Südgelb sah Max lächelnd an.
„Vielleicht ergibt sich irgendwann die Möglichkeit, mich zu revanchieren.“ meinte er nun mild.
„Ja vielleicht.“ sagte Max und ließ die Hand des Schülers los. Beide gingen zu ihren Tischen zurück.
Die Jahresabschlussfeier verlief darauf hin sehr lebhaft. Max und Con sahen sich während dieser Feier kurz in die Augen.
`Ich weiß jetzt, was wir mit dem Schloss machen.´ hörte Max seinen Bruder denken.
`So? Was denn?´ Con lächelte in sich hinein.
`Wir werden unseren Geburtstag dort feiern und die ganze Schule ist dazu eingeladen. Onkel Peter hatte die Idee.´ konnte Max seinen Bruder denken hören.
Max sah seinen Bruder verblüfft an.
„Und das erfahre ich erst jetzt?“ fragte er seinen Bruder direkt.
„Wir sind nur für die Tage um unseren Geburtstag herum dort. Es wird bestimmt schön werden. Außerdem ist es dafür groß genug. Herr Thalenberg hat letztens zu Onkel Peter gesagt, dass bereits die Möbel dort hin geschafft werden. Sobald unser Geburtstag vorbei ist, sind wir wieder im Ferienlager.“ erklärte Con seinem Bruder.
„So viel Aufwand, nur wegen unserem Geburtstag?“ fragte Max nach und schüttelte ungläubig den Kopf.
„Er dachte wir würden uns darüber freuen.“ meinte Con beschwichtigend.
„Wenn er glaubt.“ erwiderte Max wenig begeistert.
Am folgenden Morgen packten alle Schüler Adularbergs ihre restlichen Sachen ein. Auch Max und Con verstauten ihre letzten Sachen in ihre Reistrolleys und Schultaschen. Dann gingen sie damit in den großen Aufenthaltsraum. Sie suchten ihre Kater im Tierzimmer unter der Treppe auf. Diese hoben sie hoch und gaben sie behutsam in die Tiertransportkäfige.
„Ja, jetzt geht es wieder nach Hause, Merl.“ sagte Max seufzend zu seinem Kater.
„Wir werden nicht lange im Haus von Onkel Peter bleiben.“ erwiderte Con und sah zu seinem Bruder.
„Der Gedanke daran, dass wir im Schloss unseren Geburtstag feiern und die ganze Schule eingeladen ist...“ versuchte Max deutlich zu machen, doch Con sprach seinen Gedankengang zu Ende: „Das beunruhigt dich, schon klar. Max, Onkel Peter hat es nur gut gemeint.“
„Ja hat er wohl.“ entgegnete Max leise und trug den Käfig aus dem Tierzimmer.
Ein paar Minuten später hatten viele Schüler ihr Reisegepäck in der großen Eingangshalle der Schule verstaut und waren in den Speisesaal gegangen. Das letzte Frühstück auf Adularberg verlief sehr ruhig und leise. Danach machten sich die Schüler auf dem Weg zur Eingangshalle, um mit ihrem Gepäck die Schulbusse aufzusuchen. Als Max und Con mit ihren Freunden bei ihrem Bus angekommen waren, kam Herr Thornberger zu ihnen.
„Max, Con.“ Die Brüder wandten sich um.
„Ist eine große Feier unbedingt notwendig?“ wollte Max von ihm wissen.
„Es ist mal etwas anderes.“ wandte Herr Thornberger ein.
„Fahren wir zuerst ins Lager und dann extra dort hin, um diese große Fete zu veranstalten?“ erkundigte sich Max genauer.
„So war es zumindest gedacht. Onkel Theo war damit einverstanden.“ erklärte Herr Thornberger.
„Wir sehen uns dann auf dem Bahnhof. Gute Fahrt.“ Damit drehte sich Herr Thornberger um und ging davon. Max und Con stiegen in ihren Schulbus ein und setzten sich in eine der mittleren Busreihen.
Während der Fahrt zum kleinen Bahnhof von Adularstätten redeten Max und Con nicht sehr viel. In der Tat war die Fahrt zwischen den beiden sehr schweigsam. Nur Nicole und Julian versuchten sie in lebhafte Gespräche zu verwickeln, was ihnen aber nicht wirklich gelang.
Beim Bahnhof angekommen, holten sich alle Schüler ihr Reisegepäck und machten sich damit auf dem Weg zum Schulzug. Dieser stand bereits beim Bahnsteig und wartete auf die Schüler. Max, Con, Nicole, Julian und ihre weiteren Mitschüler suchten sich ihre richtigen Zugwaggons und bestiegen sie. Wie bei jeder Zugfahrt setzten sich Max, Con, Nicole und Julian an eine Tischgruppe vom Großraumwagen.
„Ihr seit aber nicht sehr gesprächig heute. Was ist los?“ stellte Nicole fest.
„Onkel Peter hat eine Geburtstagsfeier im großen Stil geplant.“ spuckte Con aus.
„Und das gefällt dir nicht, wie?“ bemerkte Julian an Max gewandt. Max schwieg. Er lehnte sich zurück und verdrehte die Augen.
„Diese Geburtstagsfeier muss ja der reinste Hit werden. Wer ist aller eingeladen?“ meinte Nicole und sah die Brüder abwechselnd an.
„Alle.“ erwiderte Max mehr zu sich selbst.
„Alle? Was meinst du mit alle?” fragte Nicole nach.
„Na alle eben.“ meinte Max genervt.
„Die ganze Schule.“ murmelte Con leise vor sich hin. Julian und Nicole sahen ihn verblüfft an.
„Im Ernst?“ fragte Nicole hauchend.
„Oh ja. Zumindest ist es Onkel Peter ernst.“ sagte Con durchatmend.
„Und wo wollt ihr die ganze Schule unterbringen?“ fragte Julian nach.
„Dort wo die Feier geplant ist, nehme ich mal an. Wir wissen nicht, wie lange sich alle dort aufhalten werden. Onkel Peter sagte etwas von um die Tage unseres Geburtstags herum. Also schätze ich mal, er meint jeweils den Tag davor und danach.“ erklärte Con langsam.
„Ich habe jedenfalls die Nase gestrichen voll.“ platzte Max genervt heraus.
„Ich brauche keine Geburtstagsfeier im großen Stil. Von mir aus, braucht erst gar keine statt zu finden.“ Kaum hatte Max ausgesprochen stand er ruckartig von seinem Sitz auf und ging davon. Julian, Nicole und Con sahen Max verdutzt hinterher.
Die Zugfahrt dauerte für Max sehr lange. Der Gedanke an die große Geburtstagsfeier lies ihn nicht zur Ruhe kommen. Er hatte sich auf dem äußeren Gang des Waggons begeben und sah verstohlen aus dem Fenster der Zugtüre. Die Tür zum äußeren Gang ging auf und Con trat zu ihm heraus.
„Warum sagst du Onkel Peter nicht einfach, dass er das ganze abblasen soll?“ fragte Con leise nach. Max hatte ihm nicht zugehört.
`Max, rede mit mir.´
Darauf hin drehte sich Max zu seinem Bruder um.
`Ich will darüber nicht reden.´ erwiderte er stumm.
`Soll ich mit Onkel Peter reden? Vielleicht lässt er die Feier dann sausen.´
Max sah seinen Bruder nun in die Augen.
`Nein. Das würde ihn kränken glaube ich. Immerhin hat er alles schon geplant, wie es scheint. Das können wir ihm nicht antun.´ wandte Max ein und nahm Cons Hand.
Con kam Max näher und lehnte sich an ihm. Es war selten der Fall, dass ich die Brüder so vertraut aneinander lehnten. Beide schwiegen sich nun aus und keine Gedanken füllten ihre Köpfe.
[Dieser Beitrag wurde am 13.03.2008 - 10:37 von TheFab aktualisiert]
Signatur MfG,
TheFab |
TheFab  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2006 Beiträge: 261 Nachricht senden | Erstellt am 15.08.2007 - 00:15 |  |
27. Kapitel:
Nach rund vier Stunden Zugfahrt fuhr der Schulzug im Hamburger Hauptbahnhof ein. Die letzten Schüler stiegen aus dem Zug und gingen mit ihrem Gepäck vom Bahnsteig. Unter ihnen auch Max, Con, Nicole und Julian. Die Brüder verabschiedeten sich von ihren Freunden und machten sich auf dem Weg zur großen Eingangshalle des Bahnhofs.
„Hey ihr.“ kam es plötzlich von hinten. Max und Con drehten sich irritiert um. Rudolf eilte ihnen mit seinem Gepäck nach.
„Ich darf mich euch doch anschließen, oder?“ wollte er wissen.
„Klar, warum auch nicht?“ meinte Con irritiert.
„Das ist gut. Mum sagte, sie würde bei Dad stehen.“ erklärte Rudolf.
„Warum sagst du nicht Mutti und Vati?“ wollte Max von Rolf nun wissen.
„Weil ich die ersten Jahre meines Lebens in den Staaten verbracht habe. Ich bin es nun mal gewohnt, die englischen Ausdrücke zu benutzen.“ wandte Rolf ein. „Ah da drüben sind sie.“
Zu dritt gingen sie auf Peter und Clarissa zu, die in der Tat zusammen auf die Brüder und Rudolf warteten.
„Hallo Mum.“ sagte Rudolf und umarmte seine Mutter sehr herzlich.
Max verdrehte genervt die Augen. Con sah zu Boden.
„Gut, fahren wir.“ sagte Peter nun. "Wir sehen uns.“
Clarissa nickte nur und ging mit Rolf davon.
„Ihr seid zusammen, aber doch getrennt. Das kapier ich einfach nicht.“ bemerkte Max auf einmal, als Clarissa mit ihrem Sohn davon gegangen war.
„Eine Fernbeziehung zu führen ist auch nicht unbedingt einfach, Max.“ legte Peter fest.
„Fehlt nur noch, dass ihr euch verlobt, heiratet und für immer zusammen wohnen wollt.“ kommentierte Con auf einmal.
„Kann es sein, dass euch der Anblick nicht gefällt?“ Peter sah die Brüder prüfend an, doch beide blieben darauf hin schweigsam.
„Ist eine Riesengeburtstagsparty im Schloss denn unbedingt von Nöten?“ wollte Max auf dem Weg zu Peters Wagen wissen.
„Habt ihr etwas dagegen? Ich dachte, auf diese Art und Weise können wir auch gleich die Eröffnung feiern.“
„Aber deswegen muss nicht gleich die ganze Schule eingeladen werden. Ein kleinerer Rahmen tut es doch auch.“ wandte Max ein. Peter seufzte tief.
Sie waren bereits bei seinem Auto angekommen und Peter war eben dabei die Reisetrolleys im Kofferraum zu verstauen.
„Auf wessen Mist ist das gewachsen?“ fragte er schließlich nach.
„Auf meinen.“ gestand Max. „Ich brauche keine Geburtstagsfeier, bei der die ganze Schule Zeuge ist. Außerdem ist das Schloss eine sehr private Angelegenheit, von der nicht gleich die ganze Welt wissen muss.“ platzte Max mit seinen Überlegungen heraus.
Peter wollte Max beschwichtigen, indem er ihm an der Schulter berührte. Dabei kam er auch mit Max Hals in Berührung und erneut hatte er das Gefühl, als würden sich Max innersten Empfindungen und Gedanken ihm offenbaren. Darauf hin nahm er seine Hand von Max weg und seufzte schwer.
„Ich rede mit Onkel Theo. Vielleicht lässt sich noch etwas ändern.“ sagte er leise und schloss den Kofferraum.
`Er ist nicht glücklich darüber.´ hörte Max seinen Bruder denken.
`Und wenn schon.´ erwiderte Max und stieg in den Wagen ein.
Einige Zeit später waren Max, Con und Herr Thornberger im Haus von Peter zurück gekehrt. Max und Con waren eben dabei ein paar ihrer Sachen in ihrem Zimmer zu verstauen. Nun läutete es an der Haustür. Peter ging die Treppe nach unten und öffnete die Tür.
„Hallo ihr beiden.“ sagte er erfreut und ließ Clarissa und Rolf eintreten.
„Die Jungs sind noch oben.“ sagte Peter zu Rolf und ging mit Clarissa in die Küche.
„Hallo.“ sagte Rolf, als er beim Zimmer von Max und Con ankam.
„Hallo.“ sagte Max flüchtig und packte weiter aus.
„Mum kommt auch zu eurer Geburtstagsfeier.” sagte Rolf.
„Schön.“ sagte Max gleichgültig und Schulter zuckend.
„Mum und Dad wollen nur wieder zusammen sein. Warum geht euch das so sehr gegen den Strich?“ schnitt Rolf nun ein anderes Thema an.
„Von mir aus, soll er.“ wandte Max ein.
„Es geht uns nicht gegen den Strich.“ fügte Con hinzu.
„Und was passt euch dann nicht?“
Max und Con sahen sich kurz an.
„Wir wollen nur keine Geburtstagsparty im großen Stil feiern. Das ist alles.“ sagte Max.
„Es wäre nicht nur euer Geburtstag gewesen, der gefeiert werden würde.“ sagte Rolf.
„Mum hat es mir erzählt. Sie sagte, dass wäre die Gelegenheit, um...“
Max verdrehte die Augen.
„Um die Eröffnung des Schlosses zu feiern, schon klar.“ knurrte er nun.
„Das wollte ich eigentlich nicht sagen.“ sagte Rolf verdutzt.
„Ach und was dann?“ erkundigte sich Con bei ihm.
„Ihr wisst es noch nicht.“ stellte Rolf fest.
„Was wissen wir noch nicht?“ bohrte Con weiter und stand nun auf.
„Naja. Mum sagte, sie hätte mit Dad gesprochen und beide hätten vor ein paar Wochen ...“ begann Rolf zu erklären. Max konnte nun hören, was Con dachte. Selbst ihn verblüffte diese Erkenntnis.
„Moment mal. Das ist unmöglich. Onkel Peter sagte, er würde sich damit noch Zeit lassen.“ sagte Max zu seinem Bruder.
„Ja sagte er. Aber vielleicht hat er seine Meinung geändert.“ erklärte Con. Max stand auf und ging eilig aus dem Zimmer und an seinem Bruder und Rolf vorbei.
Max war die Treppe nach unten geeilt und steuerte auf die Küche zu.
„Du planst eine Verlobung an unserem Geburtstag?“ fragte Max seinen Paten in lautem Ton. Peter, der eben etwas mit Clarissa geflirtet hatte, sah irritiert zur Tür.
„Beruhige dich. Es ist alles halb so wild.“ erklärte er.
„Aber du hast gesagt...“ brauste Max laut auf.
„Ich habe es mir anders überlegt. Und wenn wir schon im Schloss sind, warum nicht?“ sagte Peter mild lächelnd. Max sah seinen Paten aufgebracht an. Ehe er etwas sagen konnte, tauchten Con und Rolf bei ihm auf.
„Du planst im Ernst eine Verlobung an unserem Geburtstag?“ fragte er seinen Paten mit ruhigerer Stimme als es Max getan hatte.
„Ganz recht. Die Vorbereitungen laufen schon.“ stimmte Peter zu.
„Wie schön dass Rolf davon wusste, und wir nicht.“ fauchte Max ungnädig seinen Paten an.
„Rolf ist...“ wollte Peter erklären. Max lachte hohl.
„Weißt du was? Verzichte auf diese große Veranstaltung einfach! Lass die Geburtstagsfeier sausen und feiere deine Verlobung mit ihr!“ meinte Max nun aufgebracht und laut.
Dann wandte er sich um und ging zur Eingangstür des Hauses.
„War er schon immer so?“ fragte Clarissa und sah Peter irritiert an.
„Ja manchmal.“ gab Peter sanft und seufzend zu.
„Max hätte nur gern eher davon gewusst.“ versuchte Con auf einmal zu vermitteln.
Noch bevor jemand etwas sagen konnte, klingelte es an der Haustür. Rolf wandte sich um, um sie zu öffnen. Herr Thalenberg trat ins Haus und ging direkt zur Küche.
„Dicke Luft?“ fragte er in die Runde. Keiner antwortete.
„Es ist alles so weit vorbereitet.“ erklärte er weiter.
„Entschuldigt ihr uns kurz?“ fragte Peter an Clarissa gewandt.
„Natürlich.“ erwiderte sie und deutete den Jungs an, die beiden Herren kurz allein zu lassen.
„Was ist jetzt wieder los?“ wollte Herr Thalenberg wissen.
„Muss ich dir das wirklich erklären? Du kennst die Jungs doch.“ sagte Peter, der aufgestanden war, um seinen Onkel eine Tasse Kaffee zu servieren.
„Max Temperament, ja?“ stellte Herr Thalenberg belustigst grinsend fest.
„Ja leider. Er möchte keine Geburtstagsfeier im großen Stil. Und schon gar keine Verlobung an diesem Tag.“ gab Peter zu. Sein Onkel nickte verständnisvoll.
„Kann ich verstehen.“
„Aber wir haben alles schon vorbereitet. Die Einladungen sind bereits verteilt und...“ wandte Peter ein.
„Max war schon immer der temperamentvollere von den beiden. Con ist immer schon der zurückhaltendere, ruhigere Teil der Brüder gewesen. Das sind Wesenzüge, die sie voneinander unterscheiden.“ machte Herr Thalenberg deutlich.
„Ja mag sein, das dem so ist. Ich dachte, es wäre eine gute Überraschung gewesen.“ sagte Peter etwas enttäuscht.
Sein Onkel sah ihm ins Gesicht.
„Max mag keine Überraschungen und das weißt du.“ meinte er behutsam. „Wo ist er eigentlich?“
„Weg gegangen.“ meinte Peter seufzend. „Was machen wir jetzt?“ Sein Onkel überlegte kurz.
„Die Verlobung vor verlegen.“ antwortete Theo.
Clarissa kam wieder in die Küche.
„Die Geburtstagsfeier der Jungs fällt in einem etwas kleineren Rahmen aus. Dafür wird die Verlobung am Tag davor im großen Stil gefeiert.“ erklärte Peter seiner Freundin. Clarissa nickte nur einverstanden.
„Du solltest das auch Max sagen.“ schlug Herr Thalenberg vor.
„Werde ich auch tun.“ erwiderte Peter schlicht.
„Weißt du, wo er hin gegangen ist?“ wollte sein Onkel noch wissen, als Peter dabei war die Küche zu verlassen.
„Ich habe da so eine Ahnung.“ meinte Peter und ging aus der Küche.
Max war inzwischen im großen Kaufhaus der Stadt angekommen. Nun war er eben auf dem Weg zum Hotelgasthaus, durch die man in die verborgene Einkaufspassage gelangen konnte. Kaum hielt er kurz vor dem Hotelgasthaus an, hatte Max das Gefühl, dass jemand hinter ihm war.
„Können wir reden?“ fragte die Stimme von Peter. Max wandte sich kurz um.
„Woher hast du gewusst, dass ich hier bin?“ erwiderte er und drehte sich wieder zum Hotelgasthaus um.
„Instinkt.“ entgegnete Peter und öffnete Max die Tür.
„Es gibt nichts mehr zu bereden.“ wandte Max ein und trat ins Hotelgasthaus.
„Doch gibt es.“ Peter führte Max an einem leeren Tisch für zwei Personen.
„Und was sollte das bitteschön sein?“ erkundigte sich Max ungnädig.
„Euer Geburtstag findet in einem kleinerem Rahmen statt. Die Verlobung ist um einen Tag vorverlegt.“ antwortete Peter und sah Max ernst in die Augen.
„Wie schön für dich.“ meinte Max und wollte schon aufstehen.
„Nur weil ich Clarissa eher heiraten möchte, als ich ursprünglich vor hatte, heißt das nicht, dass ich euch deswegen weniger lieben würde.“ versuchte Peter deutlich zu machen.
„Von mir aus, heirate sie.“ entgegnete Max fast schon gleichgültig und stand auf.
Peter nahm Max beim Arm und sagte bittend: „Lass mich es dir wenigstens erklären, in Ordnung?“ Max atmete tief durch.
„Erklären? Was gibt es dabei schon groß zu erklären? Ich will keine Erklärungen für irgendetwas!“ brauste Max auf und sein Ton wurde mit jedem Wort das er sagte lauter.
Peter lies Max Arm los und seufzte schwer. Die anderen Gäste im Hotelgasthaus hatten darauf hin zu ihnen herüber geblickt.
„Max, bitte.“ versuchte es Peter erneut, doch Max hatte keine Lust ihm weiter zu zuhören.
„Nein.“ fauchte er ihn an.
Dann machte Max kehrt und ging auf die Hintertür im hinteren Teil des Gasthauses zu.
Max betrat die Passage, blieb kurz stehen und atmete durch, um sich etwas zu beruhigen. Peter war Max nach gegangen und betrat nun ebenfalls die Passage. Er sah Max vor sich stehen und wollte ihn schon an der Schulter nehmen, doch dann schien sich Max zu verkrampfen.
„Max?“ fragte er nun besorgt und beugte zu ihm hinunter. Max schwankte und drohte hin zu fallen, doch Peter fing ihn auf.
„Max, alles in Ordnung?“ Peter wandte den Blick von Max auf die Länge der Passage. Doch bevor er etwas tun konnte, tauchte Herr Thalenberg mit Clarissa, Rolf und Con bei ihnen auf.
„Was ist los?“ fragte er seinen Onkel.
„Sage mir lieber, was mit Max los ist.“ erwiderte Herr Thalenberg.
„Ich weiß nicht. Er hat sich aufgeregt, wie vorhin auch schon. Und jetzt hat er sich verkrampft und ich weiß nicht...“ erklärte Peter.
Noch bevor Peter zu ende sprechen konnte, verdunkelte sich die Einkaufspassage mit einem Schlag. Alles war stockfinster. Keiner der sich darin aufhielt konnte etwas erkennen. Es war als wäre die reinste Dunkelheit herein gebrochen. Peter, Con, Herr Thalenberg, Clarissa und Rolf blieben wo sie waren und rührten sich nicht. Max wurde von Peter noch immer festgehalten.
Dann am Ende der großen Passage machte sich grelles Licht breit und sorgte dafür dass die Magier in der Passage wieder etwas erkennen konnten. Doch es war kein gewöhnliches Licht. Dieses Licht war anders. Es hatte eine Farbkombination aus Gelb und Weiß. Dieses Licht blendete jedem anwesenden Menschen die Augen und reichte bis zur Eingangstür der Passage zurück.
Auf einmal erschienen menschenhafte Gestalten vor Peter, Herrn Thalenberg, Clarissa, Con und Rolf.
„Das ist...“ wollte Peter sagen, doch seine Stimme war so leise, dass er sich selbst kaum hören konnte.
Diese Gestalten tauchten einfach wie aus dem Nichts auf. Sie machten den Eindruck, als könnte man sie anfassen und doch wirkten sie so fern und unnahbar. Peter blinzelte ungläubig mit seinen Augen. Auch Herr Thalenberg und Clarissa schienen ihre Augen nicht trauen zu können. Ein murmeln und flüstern machte sich in der ganzen Passage breit. Die Gestalten schienen von diesem Licht zu kommen.
„Mutter, Vater...“ hauchte Peter kaum vernehmbar, als er die ersten Gestalten schräg links vor sich sah.
„Maria? Frank? Was...?“ sagte er weiter, als er die Gestalten, die wie Maria und Frank Riedberg aussahen neben den ersten beiden auftauchten. Weitere Gestalten erschienen aus dem Nichts.
Con schien sie auf einmal zu erkennen: „Unsere Vorfahren...“ hauchte er ungläubig und sah verwirrt zu dem leblosen Max in Peters Armen herunter.
Die Gestalten teilten sich auf und gaben einen großen Mittelgang frei. Keiner wagte es sich zu rühren. Nichts als Stille hüllte die Passage nun ein. Ein ausgewachsener Langhaarcollie in Darksalbe schritt langsam auf Peter und den anderen zu. Er setzte sich vor Peter, der den leblosen Max hielt.
„Was geht hier vor?“ fragte Peter den Collie mit ungläubiger Stimme. Der Hund drehte sich um und sah den Gang vor ihm entlang. Eine weitere menschenartige Gestalt tauchte auf. Es hatte das Aussehen von dem jungen Prinzen, der damals gelebt hatte. Der junge Prinz hielt bei dem Collie an und streichelte seinen Kopf.
„Vertrauen.“ sagte der Prinz und sah Peter, Herrn Thalenberg, Clarissa, Con und Rolf der Reihe nach an. Die anderen menschenartige Gestalten sprachen es dem Prinzen nach. Diese Szene verwirrte Peter und alle anderen sehr.
„Glaube.“ kam es vom Prinzen und erneut gaben es die anderen Galten wieder.
„Liebe.“ Auch dieses Wort wurde von den anderen menschenartigen Wesen wiederholt.
„In Liebe kommen wir. In Liebe gehen wir. Vertrauen stärkt uns. Der Glaube hilft uns. Die Liebe ist der Schlüssel. Mit Liebe wird Vertrauen und Glaube möglich.“ sagte die Gestalt des Prinzen.
Er hatte sich zuvor neben den Collie in die Hocke begeben. Die anderen Gestalten nickten einfach nur stumm und zustimmend.
„Was soll das heißen?“ fragte Peter kaum hörbar und offensichtlich einem Zusammenbruch nahe.
„In euch allen steckt weit mehr, als ihr zeigt. In euch steckt so viel Liebe, Wärme und Güte. Ihr habt so viel Vertauen in euch. Das alles lässt euch Unmögliches Möglich machen. Jeder muss seinen Weg finden und diesen auch gehen. Todesfälle sind kein Schicksal. Der Tod ist nicht das Ende der Welt. Tod ist Bestandteil des Lebens. In Liebe werden wir Geschaffen und mit Liebe, Vertrauen und Glaube gehen wir.“ sprach der Prinz weiter.
Peter sah in die Runde der Gestalten und wusste nicht was er davon halten sollte. Sogar Herr Thalenberg schien erstmals keine Worte zu finden. Und Con war noch mehr konfus.
„Ihr zwei.“ sagte der Prinz auf einmal an Con gewandt und deutete mit dem Kopf zu Max in Peters Armen.
„In euch steckt so viel Talent. In euch verbirgt sich so viel Macht und Größe. Verknüpft mit Liebe, Güte, Wärme, Vertrauen und Glaube werdet ihr viel Gutes und Großes vollbringen. Ihr habt alle Macht eurer Ahnen und alle Fähigkeiten eurer engsten Verwandten in euch. Aber die wahre Stärke, die es dazu bringen wird, all diese Dinge zu tun, kommt von euren engsten Vertrauten.“ sagte der Prinz entschieden zu Con.
Dieser starrte ihn fassungslos an.
„Habe keine Angst. Sie sind stets bei dir.“ widmete sich der Prinz an Peter.
„Sie gaben dir viel auf deinem Weg mit. Das ist der Schlüssel mit dem du es schaffen wirst, dass aus diesen beiden das wird, was sie später sein werden. Das was dich aus macht, gibt dir die Kraft, welche die Jungs später brauchen werden, um das zu tun, was sie tun müssen.“ Peter sah dem Prinzen irritiert in die Augen. Er wusste nicht, was er von den Worten halten sollte.
„Deine Eltern und Verwandten sind sehr stolz auf dich. Und dennoch erwartet dich noch viel Arbeit. Nicht die Art von Arbeit, die du kennst. Deine Aufgabe besteht aus weit mehr. Du hilfst ihm, das möglich werden zu lassen, wozu er sich im Moment noch nicht im Stande sieht. Aber das Ergebnis dieser Taten wird sich früher oder später sehr positiv zeigen.“ erklärte der Prinz nun an Herrn Thalenberg selbst weiter.
„Nur weil es Frank gesehen hat, muss dich das nicht beunruhigen. Habe keine Angst vor der Zukunft. Jeder kleine Fortschritt, der in der Gegenwart getan wird, kann die Zukunft beeinflussen. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Die Jungs werden ihren Weg gehen, doch nicht so, wie du es im Moment fürchtest.“ sagte der Prinz an Peter gewandt.
„Die Brüder sind tief miteinander verbunden. Und dennoch sind sie sehr verschieden. Jeder von ihnen wird auf seine Art und Weise große Taten vollbringen. Aber es wird auch sehr einschneidende Erlebnisse geben, die sie unterschiedlich prägen. Bei ihm ganz besonders. Umso wichtiger ist es, dass seine engsten Verwandten, die ihm bisher geblieben sind, ihm noch mehr Liebe und Vertrauen entgegen bringen. Die wird er brauchen, um die Kraft für das zu finden, was ihn erwartet.“ sagte der Prinz weiter.
Mit einem Mal begann der Collie vor ihnen zu leuchten. Er verformte sich zu einem ausgewachsenen Mann. Der Mann war schlank, hatte leuchtend blaue Augen, wie sie der Collie auch schon hatte. Und sein Haar, war wie das Fell des Langhaarcollies braun und leicht gewellt. Peter, Herr Thalenberg und alle anderen anwesenden sahen den Herrn verblüfft an.
„Ihr könnt unsere Zukunft auf die eine oder andere Art und Weise beeinflussen. Er weiß nicht was ihn erwartet und vom dem Großteil, was ihr hier gesehen habt, werdet ihr keine Erinnerung haben. Doch er wird von nichts alledem wissen. Es ist seine Vision und dennoch weiß er nicht, was ihn erwartet.“ sagte der Herr sehr bestimmt. Er legte seine rechte Hand auf Max Kopf.
Kaum kam die Hand mit dem Kopf in Berührung verschwand alles wieder. Die Gestalten verschwanden mit einem Schlag spurlos. Die Passage nahm wieder das Aussehen an, als wäre nichts weiter passiert. Max öffnete die Augen und richtete sich auf. Nur Peter und sein Onkel schienen sich noch daran zu erinnern, was ihnen Max Visionen gezeigt hatte.
„Au mein Kopf.“ sagte Max und sah sich irritiert um.
„Geht es dir gut?“ fragte Con nach.
„Bis auf die dröhnenden Kopfschmerzen, ja.“ antwortete Max und stand auf.
Peter wandte sich zu Clarissa um.
„Geh mit den Jungs in die Eisdiele. Wir kommen gleich nach.“ bat er seine baldige Verlobte.
„Kommt.“ sagte Clarissa zu Rolf, Con und Max. Dann ging sie mit den drei Jungen davon.
„Sie erinnern sich an nichts mehr.“ sagte Peter zu seinem Onkel.
„Ich weiß auch nicht mehr viel. Eigenartige Art und Weise, wie Max diese Vision hatte.“ Peter seufzte tief und senkte seinen Kopf.
„Was hat das zu bedeuten? Was sollte diese Vision uns sagen?“
Herr Thalenberg überlegte.
„Sie gab uns andeutende Hinweise auf die Zukunft.“ stellte er nun fest.
„Was auch immer passiert, Peter. Die anderen erinnern sich nicht mehr. Aber wir beide schon. Und diese Erinnerung sollten wir uns bewahren. Wir müssen unsere Augen offen halten und dafür sorgen, dass Max und Con ihren Weg in ihre Zukunft finden.“ erklärte Herr Thalenberg ernst.
„Ich verstehe diese Worte noch immer nicht. Meine Eltern sind tot. Meine engsten Freunde sind tot.“ sagte Peter, der sich darüber immer noch wunderte.
„Max und Con haben viele Talente und Fähigkeiten ihrer Verwandten und Vorfahren in sich. Das hat der Prinz zumindest gesagt. Und verknüpft mit Liebe, Vertrauen und Glaube, das ihnen mit auf dem Weg gegeben wird, werden sie große Taten vollbringen. Was auch immer diese Taten sein mögen, sie müssen sehr bedeutsam sein.“ versuchte sich Herr Thalenberg zu erklären.
„Er sagte, was Frank damals gesehen hat und in diesem Buch steht, muss nicht unbedingt auf diese Art und Weise wahr werden. Das heißt vermutlich, dass sie sich später anders verhalten werden. Aber wie soll das möglich sein? Bisher sind Franks Visionen immer wahr geworden.“ sagte Peter und warf seinem Onkel einen fragenden Blick zu.
„Vielleicht hat sich dieser Teil der Zukunft geändert, weil wir dazu beigetragen haben.“ überlegte Herr Thalenberg nachdenklich.
„Einschneidende Erlebnisse. Er sagte, Max würde in der Zukunft auch einschneidende Erlebnisse haben, die dazu führen, dass diese Dinge die Brüder anders prägen. Wovon hat er da gesprochen?“ kam es Peter auf einmal.
„Vielleicht wollte er damit sagen, dass Max fallweise andere Erfahrungen macht, als Con. Vielleicht muss Max in der Zukunft weitere Verluste hinnehmen, die Con nicht erleben wird. Oder es könnte bedeuten, dass beide zwei unterschiedliche Verluste ertragen müssen. Das kann man so vielfältig interpretieren.“ schätze Herr Thalenberg die Worte ein.
„Merkwürdige Vision. Ich verstehe nicht, wie es sein konnte, dass wir sie überhaupt mit ansehen. Sie wirkte so echt, so lebendig.“ sagte Peter kopfschüttelnd.
Sein Onkel legte ihm behutsam seinen linken Arm um Peters Schulter.
„Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass sich die Kräfte und Fähigkeiten der Jungs langsam entfalten und stärker werden.“ meinte er sanft. Peter seufzte.
„Ich soll keine Angst vor der Zukunft haben. Aber vielleicht sollte ich es doch haben. Ich habe so das Gefühl, dass mit Max eines Tages etwas passieren wird, das mir noch größere Angst machen wird. Ich weiß nicht woher dieses Gefühl kommt, aber es beängstigt mich.“ sagte Peter ehrfürchtig.
Herr Thalenberg nahm Peter nur noch fester in den Arm.
„Was uns die Vision auch immer damit sagen wollte und welche Hinweise sie uns damit auch immer im Bezug auf die Brüder geben sollte. Es liegt an uns beiden, die Brüder zu den Männern werden zu lassen, die sie werden sollen. Es liegt ganz allein an uns, aus dem Wissen, dass wir haben, das Beste zu machen. Und vielleicht sieht dadurch die Zukunft der Brüder dann auch ganz anders aus.“ sagte Herr Thalenberg zu Peter und versuchte ihm dadurch etwas Mut und Zuversicht zu vermitteln.
Max, Con, Rolf und Clarissa saßen um einen Tisch in der Eisdiele. Alle hatten sich bereits Eisbecher bestellt, die sie inzwischen löffelten. Peter kam mit seinem Onkel nun zu ihnen und setzten sich ebenfalls an den Tisch.
„Was machen deine Kopfschmerzen?“ erkundigte sich Peter bei Max.
„Geht schon.“ sagte Max ohne von seinem Eisbecher aufzusehen. Peter warf Con einen vergewissernden Blick zu. Die Brüder spürten genau, wenn der andere Schmerz empfand und verstanden auch was der andere dachte.
„Sie sind nicht mehr so stark wie vorher. Aber sie sind noch da.“ sagte Con, der wusste, was Peter mit seinem Blick ihm sagen wollte.
„Danke Con.“ meinte Max knurrend.
„Er wollte es wissen.” verteidigte sich sein Bruder.
„Wie wäre es, wenn wir nachher in die Tierhandlung gehen?“ schlug Peter nun vor.
„Wozu?“ fragte Max und sah erstmals von seinem Eisbecher auf, indem er mehr oder weniger herum stocherte.
„Vielleicht finden wir weitere Tiere, die wir mit ins Schloss nehmen können.“ antwortete Peter und sah in die Runde.
„Oh super. Ich wollte schon immer ein Haustier haben.“ sagte Rolf jubelnd.
„Du wirst aus dem Schloss doch hoffentlich keinen Zoo machen.“ vergewisserte sich Clarissa bei Peter.
„Nein, natürlich nicht.“
„Wie wäre es mit ein oder zwei Hunden?“ schlug auf einmal Con vor.
„Warum nicht gleich einen ganzen Bauernhof. Sechs Pferde, Fünf Hühner, Drei Ziegen, Acht Hunde, vier Katzen...“ mischte sich Max grimmig ein.
„So weit wollen wir dann doch nicht gehen.“ sagte Herr Thalenberg belustigt.
„Jul hat zwei Hunde zu Hause. Das hat er uns mal erzählt.“ sagte Con zu seinem Bruder.
„Wenn schon Hunde, dann nur...“ begann Max, doch Peter schien seine Gedanken erraten zu können.
„Collies. Langhaarcollies. Das war Franks Lieblingsrasse. Und Border Collies. Die hatte er auch sehr gerne.“
Max warf ihm einen verblüfften Blick zu.
„Woher wusstest du das nun wieder?“
Peter schmunzelte belustigt. „War nicht schwer zu erraten.“
Nachdem die Eisbecher aufgegessen und bezahlt waren, machten sich Peter, Herr Thalenberg, Clarissa und die drei Jungen auf den Weg zur Tierhandlung. Sie gingen zur großen Box, in dem sich verschiedenste Rassen an Hundewelpen befanden.
„Der Bernhardiner ist vielleicht süß.“ sagte Rolf und deutete auf den Bernhardinerwelpen.
„Ein anderes Mal, Rolf.“ winkte seine Mutter ab.
Max sagte nichts. Und dennoch war sein Blick fast magnetisch an einem kleinem Langhaarcollie geheftet. Der Collie hatte weißes und goldbraunes Fell. Offenbar schien dieser kleine Colliewelpe den Blick von Max bemerkt zu haben. Denn nun richtete er seinen Blick selbst auf Max.
„Da haben sich wohl zwei gefunden.“ stellte Herr Thalenberg lachend fest. Max nahm den kleinen Collie, auf den er bisher nur mit den Augen fixiert war, aus der Box.
Auch Con schien nun seinen Hund zu entdecken. Ganz fasziniert sah er einem kleinem Border Colliewelpen nach. Er war schwarz-weiß. Nun schien auch dieser Welpe zu bemerken, dass er beobachtet wurde. Mit einem kurzen und leisen Gebell wandte sich der Welpe zu Con um. Er betrachtete Con mit aufmerksamen Augen und wedelte nun mit seinem kleinen Schwanz. Con holte diesen Welpen nun auch aus der Box.
„Sind das die Hunde, die ihr haben wollt?“ fragte Peter die Brüder.
„Das beruht auf Gegenseitigkeit. Sie wollen auch bei uns bleiben.“ erwiderte Max. „Nicht wahr, Connar?“
Der kleine Langhaarcolliewelpe bellte kurz erfreut und stupste Max Gesicht mit seiner Schnauze an.
„Ich glaube, Lex sieht das ganz genauso.“ sagte Con auf einmal.
„Lex?“ fragte Max und sah den Welpen in Cons Arm prüfend an.
„Das ist ein Männchen. Und ich finde, die Abkürzung von Alexander passt zu ihm.“ sagte Con ernst.
„Mum, bitte.“ sagte Rudolf, der seine Meinung zu dem Bernhardinerwelpen nicht geändert hatte. Clarissa warf Peter einen fragenden Blick zu.
„Das kann ja ein interessantes Trio werden.“ sagte Peter lachend.
„Wie soll er denn heißen?“ fragte Clarissa nachgiebig ihren Sohn.
„Hektor.“ sagte Rudolf bestimmt.
„Und wer kümmert sich dann um die Hunde? Auf die Schule könnt ihr sie kaum mitnehmen.“ meinte Clarissa.
„Das Personal.“ sagte Peter ernst. „Die bleiben nämlich auf dem Schloss.“
„Da haben Sie sich ein gutes Trio ausgesucht.“ sagte nun einer der Verkäufer, als er die Auswahl der Jungen begutachtete.
„Der Collie hier kam vor etwa neun Wochen auf die Welt. Besser gesagt am 25. April.“ Damit war Max Collie gemeint.
„Und der wurde am 21. April geboren.“ erklärte der Verkäufer weiter und deutete auf Cons Bordercollie.
„Und der Bernhardiner ist einer der letzten von seinem Wurf. In seinen Dokumenten steht als Wurftag der 15. April.“
„Wollen Sie alle drei mitnehmen?“ Peter nickte wortlos und folgte dem Verkäufer zum Tresen.
Bevor alle die Tierhandlung wieder verlassen konnten, wurde noch passendes Zubehör für die Hundewelpen besorgt. Darunter befanden sich auch Spielzeug, eigene Hundedecken und Welpenfutter.
„Wir brauchen neue Nahrung für unsere Kater.“ sagte Con und eilte los, um auch das zu besorgen.
Nachdem das Zubehör und die Tiernahrung auch bezahlt war, teilten sich die Erwachsenen alle Tragetaschen auf. Die Taschen waren relativ schwer zu tragen. Max, Con und Rolf hatten ihre neuen tierischen Zeitgenossen an die Leinen genommen. Die Jungs wirkten glücklich über ihre neuen Haustiere. Während alle zusammen durch die Passage in Richtung Hotelgasthaus schlenderten, sahen sich Peter und Clarissa kurz still in die Augen. Schon nach einem kleinen Moment des Anblickens mussten sie sich selbst glücklich und zufrieden anlächeln.
[Dieser Beitrag wurde am 13.03.2008 - 10:59 von TheFab aktualisiert]
Signatur MfG,
TheFab |
TheFab  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2006 Beiträge: 261 Nachricht senden | Erstellt am 15.08.2007 - 00:18 |  |
28. Kapitel:
Peter war mit den Zwillingsbrüdern nach Hause gefahren. Nicole war mit Rudolf selbst nach Hause gefahren. Herr Thalenberg hatte sich schon im Hotelgasthaus von allen verabschiedet. Im Haus von Peter zurück gekehrt, ließen Max und Con ihre neuen Mitbewohner frei umherschnüffeln. Ihre beiden Kater Merlin und Artemis beobachteten die neuen tierischen Bewohner sehr argwöhnisch.
Max und Con selbst gingen in ihr Zimmer hoch. Peter räumte die Sachen für die beiden Hunde aus und verteilte sie im Erdgeschoss des Hauses. Dabei konnte er beobachten, wie die beiden Kater sich langsam an die Hundewelpen heran trauten. Da die Kater vermutlich rochen, dass es sich um zwei Welpen handelte, taten sie den Hunden auch nichts. Dennoch war Peter klar, dass sich die Tiere erst aneinander gewöhnen mussten.
Das erste Wochenende in den Ferien verbrachten Max und Con mit ihrem Paten in dessen Haus. Die beiden Hundewelpen wurden von den Brüdern mehrmals am Tag ausgeführt, damit der Hintergarten nicht für die Notbedürfnisse der Hunde in Beschlag genommen wurde. Die beiden Kater der Brüder schienen sich mit den neuen Artgenossen recht schnell zurecht zu finden.
Am Sonntag beim Abendessen sagte Peter zu den Brüdern: „Morgen fahrt ihr mit dem Bus ins Ferienlager. Ich bringe die Sachen für die Tiere ins Schloss und komme erst später nach. Eure Kater könnt ihr bereits auf das Lager mitnehmen. Onkel Theo wird mit euch am Tag vor eurem Geburtstag in der Früh ins Schloss fahren. Auch die anderen Gäste werden an diesem Tag dort hin fahren. Am Nachmittag findet die Verlobungsfeier statt. Da am nächsten Tag dann eure Geburtstagsfeier statt findet, werden wir alle im Schloss übernachten. Am Tag nach eurem Geburtstag reisen wir wieder ab.“
„Das habt ihr euch ja gut überlegt.“ stellte Max fest.
„Eure Feier findet in einem kleineren Rahmen statt. Das heißt, es sind nur eure Freunde und deren Verwandten eingeladen. Und natürlich auch ein paar Kollegen, die euch kennen. Eventuell noch ein paar weitere Mitschüler von euch. Bei der Verlobungsfeier sind weit mehr Leute eingeladen, wie Freunde und Bekannte von Onkel Theo und mir.“ erläuterte Peter etwas genauer.
„Heißt das, wir ziehen für die Ferien dann generell ins Schloss? Du sagtest, wir würden die Hunde im Schloss lassen.“ erkundigte sich Con.
„Mit der Verlobung wollen Clarissa und ich zusammen ziehen. Natürlich werden wir die meiste Zeit getrennt sein, weil ich auf Adularberg arbeite. Aber die Zeit, die wir nicht mit unserem Beruf verbringen, wollen wir gemeinsam nutzen. Und mit den vielen Tieren würde es in meinem Haus zu klein werden.“ legte Peter fest.
„Also wird das Schloss dann bewohnt, ja?“ wollte Max wissen.
„Ein Teil davon, ja.“ stimmte Peter zu.
„Die meiste Zeit nur von den Angestellten, die das Schloss in Schuss halten werden. Clarissa wird wegen ihrer Arbeit weiterhin in Hamburg wohnen.“
Am folgenden Morgen mussten Max und Con früh aufstehen. Nach dem Frühstück fuhr Peter die Brüder und ihre Kater zum großen Sammelplatz der Stadt. Es war der gleiche Platz wie im vorherigen Jahr. Die schneeweißen Schulbusse standen bereits bereit. Viele in Hamburg und Hamburg Umgebung wohnende Schüler waren mit ihren Verwandten gekommen. Peter hatte die Brüder und deren Kater mit dem Auto gefahren. Ehe er wieder fort fuhr sprach er noch kurz mit seinem Onkel. Max und Con luden derweil ihr Gepäck in ihren Schulbus ein.
Zur geplanten Uhrzeit befanden sich alle Schüler, die ins Ferienlager fahren würden, in ihre Busse. Diese schlossen die Türen und fuhren gleichzeitig vom Sammelplatz davon. Die zurück gebliebenen Verwandten winkten der Busse hinterher.
Während der Fahrt verhielten sich Max und Con relativ schweigsam. Julian und Nicole saßen in der Reihe hinter ihnen.
„Warum seid ihr heute so schweigsam?“ wollte Nicole von ihnen wissen und beugte sich zu ihnen nach vor.
„Nur so.“ erwiderte Max und klang, als hätte er keine Lust auf ein Gespräch.
„Ist es wegen eurem bevorstehenden Geburtstag?“ erkundigte sich nun auch Julian.
„Wir wollen darüber nicht reden.“ machte Max deutlich.
„Außergewöhnlicher Ort zum Feiern. Um welches Schloss handelt es sich denn überhaupt?“ bemerkte Julian nur weiter.
„Könnt ihr aufhören uns zu löchern?“ fauchte Max seine Freunde an.
„Wir sind eingeladen. Und unsere Verwandten auch.“ sagte Nicole ernst.
„Ja, wir dürfen sogar unsere Hunde mitnehmen wenn wir wollen. Das hat Vati gesagt.“ stimmte Julian zu.
„Apropos Hunde. Du hast uns nie gesagt, welche Rassen es sind und wie sie heißen.“ sagte Con und drehte sich auf seinem Sitz zu seinen Freunden um.
„Ich habe ein Bild von ihnen dabei.“ sagte Julian und holte aus seiner Geldbörse ein Bild von den Hunden hervor.
„Wir wohnen in einem Randbezirk von Hamburg. Dort haben wir eigenes Grundstück. Naja. Eigentlich liegt es eine halbe Stunde von Hamburg entfernt. Jedenfalls hat unsere Familie seit Generationen ein kleines Haus. Darin wohnen wir. Das Bild wurde von außen gemacht. Der Linke ist Eddi und der Rechte Hermes.“ erklärte Julian und deutete auf den jeweiligen Hund auf dem Foto.
„Zwei Collies.“ sagte Con überrascht und zeigte das Bild seinem Bruder. Der linke Collie war ein Tricolourrüde und der andere ein dunkelgoldbrauner Rüde.
„Unser Heim ähnelt einem Bauernhof, obwohl es gar keines ist. Wir haben sogar einen kleinen Schuppen. Aber die Hunde können sich frei auf dem Grundstück bewegen und dürfen sogar ins Haus.“ erklärte Julian, als Con ihm das Foto zurück gab.
Nach einer mehrstündigen Busfahrt kamen die Busse auf dem großen Ferienlager von Adularberg an. Die Schüler stiegen aus ihre Busse und holten sich ihr Reisegepäck von den Kofferräumen. Wie schon im letzten Jahr führten die Erzieher ihre Schüler in ihre richtigen Schlafhütten. Max, Con und Julian belegten ihre Schlafhütte wieder mit ihren anderen männlichen Klassenkollegen.
Nachdem sich alle Schüler und Erwachsenen eingerichtet hatten, versammelten sie sich in der großen Haupthütte. Dort aßen sie zu Mittag. Danach konnten die Jungs sich verschiedenste Freizeitbeschäftigungen aussuchen. Max und Con verbrachten den Tag mit ihren engsten Freunden Nicole und Julian. Die Gespräche waren ziemlich belanglos und ohne wirklichen Inhalt, da Max und Con meistens mit den Gedanken wo anders waren.
Als alle Jungs an diesem Abend zu Bett gingen, wusste Con genau, woran Max dachte. Sie lagen wie im Vorjahr auch schon in den Betten nebeneinander.
`Hör auf, darüber so viel nachzudenken. Du kannst es ohnehin nicht mehr ändern.´ konnte Max seinen Bruder denken hören.
`Ich weiß. Aber es beschäftigt mich trotzdem.´ erwiderte Max im Stillen.
`Versuch lieber zu schlafen.´ sendete ihm Con gedanklich zu.
Max schloss seine Augen und versuchte zu schlafen. In der tat schlief er darauf hin sehr schnell ein. In seinem tiefsten Schlaf hatte Max einen Traum. Er hatte dabei das Gefühl, dass dieser Traum die Realität selbst wäre.
So erlebte er die Verlobungsfeier seines Paten. Doch er war nicht wegen der Feier dort, sondern aus einem ganz anderem Grund. Er suchte etwas. Ihm war nicht klar, wonach er suchte. Sein Bruder kam in dem Traum. Er sprach zu ihm, doch Max konnte seine Worte nicht hören. Max bekam Herrn Thalenberg zu sehen.
„In dir steckt mehr als du glaubst. Du kannst es. Also tue es.“ sagte Herr Thalenberg zu ihm. Max war verwirrt. Er wusste nicht was die Worte bedeuteten.
Und dann ganz plötzlich drang eine Horde von Vampiren in den großen Saal des Schlosses ein.
„Du hast es im Blut. Du bist dafür geboren, Junge.“ sagte Herr Thalenberg zu Max und reichte ihm einen Pflock.
„Dazu geboren?“ fragte Max verwirrt und sah irritiert auf den Pflock.
„Max tue etwas!“ sagte jemand zu ihm. Max sah sich um. Es war Julian. Die anwesenden Leute versuchten etwas gegen die vielen Vampire zu unternehmen. Max sah wie Clarissa und Peter sich zu verteidigen versuchten. Dann fielen sie zwei Vampire auf je einen von ihnen über den Rücken an. Max sah, wie einer der Vampire seinem Paten in den Hals biss. Er erschrak, doch der Traum wollte nicht enden.
„Max hilf uns endlich!“ rief ihm Nicole zu, die zusammen mit Julian die Vampire mit Kreuzen fern zu halten versuchten. Max sah wie sein Pate und seine Verlobte zusammen brachen und reglos am Boden liegen blieben. Dann fielen zwei Vampire auf seine Freunde her.
„Was soll das?“ fragte sich Max.
„Es sind die Fähigkeiten deiner Ahnen, Junge. Es ist in dir. Das ist deine Gabe. Die größte Gabe von allen die in dir stecken.“ sagte Herr Thalenberg im Hintergrund. Max sah noch mehr irritiert zu ihm.
„Danach habe ich doch nicht gesucht, oder etwa doch?“ fragte Max ihn.
„Du hast nach deinem Schicksal, deiner Bestimmung gesucht. Du siehst sie hier vor dir. Du musst dich nur trauen und sie annehmen.“ sagte Herr Thalenberg bevor er selbst von einem Vampir in den Hals gebissen wurde.
„Mein Schicksal? Ich habe nach meinem Schicksal gesucht? Was ist nun mein Schicksal? Ich verstehe es nicht.“ sagte Max zu sich und sah sich im Saal um.
Nach und nach wurden anwesende Personen gebissen. Unter anderem seine Verwandten und Freunde. Jemand legte ihm eine Hand auf seine rechte Schulter.
„Max.“ hörte Max nun jemanden sagen, dessen Stimme wie seine Klang. Max drehte seinen Kopf und sah in das Gesicht seines Bruders.
„Wir sollten sie vernichten, bevor noch mehr sterben.“ sagte Con.
„Was?“ fragte Max nach.
„Es sind schon zu viele gestorben. Es müssen nicht noch mehr sterben.“ sagte Con und nahm Max den Pflock aus der Hand.
„Con, was...?“ begann Max zu fragen, doch er hielt inne, als er sah, wie sein Bruder mit Leichtigkeit einen Vampir zerstach.
„Begreifst du denn nicht? Das ist unsere Gabe. Die größte Gabe von allen. Wir sind dazu geboren. Wir tragen es in uns.“ sagte Con und reichte Max einen anderen Pflock.
„Nein, das glaube ich nicht. Das kann unmöglich unser Schicksal sein.“ erwiderte Max.
„Nimm es an und hilf mir.“ sagte Con.
Mit einem ruck wachte Max aus dem Schlaf auf. Er saß nun auf seinem Bett und fuhr sich mit den Händen durch das Haar. Er atmete schwer.
„Oh Gott.“ murmelte er leise vor sich hin. „Nicht schon wieder.“
Max stand vom Bett auf und ging zu dem Fenster neben seinem Bett. Das Mondlicht schien durch das Fenster. Max hob seinen linken Arm und versuchte die Uhrzeit von seiner Armbanduhr abzulesen.
„Vier Uhr fünfundzwanzig.“ murmelte er leise. „Viel zu früh.“
So legte er sich wieder in sein Bett zurück. Er versuchte zu schlafen, doch das gelang ihm nicht. Der Traum bereitete ihm viele Gedanken.
Als es Zeit war für alle aufzustehen, war Max der erste, der bereits angezogen die Hütte verlies. Noch immer dachte er über den Traum nach. Doch er wusste nicht so recht, mit wem er darüber reden konnte, ohne für verrückt gehalten zu werden. Max ging zum See und setzte sich auf dem Boden vom Ufer. Nach ein paar Momenten näherten sich Schritte.
„Dich beschäftigen ja schwere Gedanken.“ konnte Max nun Herrn Thalenberg sagen hören. Dieser blieb neben Max stehen und sah ihn prüfend an.
„Schlecht geschlafen, oder warum schweigst du?“ wollte er von Max wissen.
„Ich weiß nicht...“ versuchte Max zu erklären, doch er unterbrach sich selbst.
„Du fragst dich, ob Peter oder ich dazu geeignet wären, um über etwas zu sprechen, was dich beschäftigt.“ setzte Herr Thalenberg langsam fort.
„Gedankenleser sind Sie wohl auch noch...“ seufzte Max leicht abwehrend. Herr Thalenberg schmunzelte amüsiert in sich hinein.
„Es gibt Dinge, die man auf Adularberg erlernen kann. Gedankenlesen ist eine sehr schwere Sache. Es ist so ähnlich wie die Zukunft vorher zusagen. Naja, es sind schon zwei verschiedene Dinge. Aber auch für das Gedankenlesen muss man eine Begabung haben. Man erlernt sie zwar, doch nur wenige Magier werden diese Art von Magie je beherrschen können. Ich hatte ein Talent dafür und konnte es recht schnell erlernen. Vorhin habe ich nicht deine Gedanken gelesen, sondern deine Gefühle. Und das lieber Max ist meine angeborene Fähigkeit.“ erklärte Herr Thalenberg langsam.
„Sie und Onkel Peter...“ begann Max zu sagen, doch Herr Thalenberg unterbrach ihn nun sehr bewusst.
„Wir sind mit euch verwandt. Und wenn wir unter uns sind, könnt ihr mich ruhig duzen. Immerhin bin ich so etwas wie ein Großonkel zu euch. Auch wenn wir diesen Umstand wohl nie genau aufklären können.“
„Mit Vati hätte ich darüber reden können, aber...“ versuchte Max erneut zu erklären. „Das muss ja eine sehr schwerwiegende Angelegenheit sein, die dich beschäftigt.“ stellte Herr Thalenberg fest.
„Kann ich denn mit euch reden? Ich meine es ist sehr persönlich und ich glaube...“ begann Max erneut, doch dann näherten sich erneut Schritte.
„Was ist los mit euch beiden? Wollt ihr heute gar nichts frühstücken?“ Peter war bei ihnen angekommen.
„Doch natürlich. Aber zuerst müssen wir ein privates Gespräch führen.“ erwiderte Herr Thalenberg.
„Worum geht es denn?“ wollte Peter wissen.
Herr Thalenberg wollte ihn schon weg schicken, doch Max war nun aufgestanden und fragte sich, ob er es seinem Paten wirklich sagen sollte. Herr Thalenberg schien nun wirklich seine Gedanken zu lesen und machte darauf hin einen verblüfften Eindruck. Max sah zu seinem Paten.
„Ich glaube, das willst du gar nicht wissen.“ sagte Herr Thalenberg nun doch. Peter nickte nur und ging davon.
„Sie wissen es?“ fragte Max irritiert und sah seinen Direktor fragend an.
„Nur das du dich gefragt hast, ob du Peter von deinem Traum erzählen sollst, in dem es offensichtlich um seine Verlobungsfeier ging. Einzelheiten hast du gedanklich nicht verraten.“ antwortete Herr Thalenberg ernst. Max seufzte tief durch.
„Es ist schwer zu erklären.“
„Noch schwerer wird es sein, gegenüber deinen Freunden dicht zu halten, wenn du ihnen davon nichts erzählen willst. Hat Con den Traum mitgeträumt?“ meinte sein Direktor und schlenderte mit Max langsam zur Haupthütte.
„Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube nicht.“ sagte Max und blieb unsicher stehen. Herr Thalenberg bemerkte die Reaktion sofort.
„Ist es möglich, dass man zu etwas bestimmt sein kann?“ fragte ihn Max auf einmal. Herr Thalenberg wirkte überrascht.
„Wie meinst das mit der Bestimmung genau?“ fragte er deshalb nach.
„Zum Beispiel das Bekämpfen von Vampiren. Kann man dazu bestimmt sein? Ich meine von Geburt an dazu bestimmt, sie zu bekämpfen?“ fragte Max nach. Herr Thalenberg dachte nach.
„Ich bin mir nicht ganz sicher. Man kann sich zwar zu Dämonenjäger ausbilden lassen, die dann für das Magistrat arbeiten. Aber von so genannten geborenen Jägern habe ich noch nie gehört.“ erklärte er langsam und sah Max prüfend an.
„Hat das etwas mit deinem Traum zu tun?“ Max schwieg.
„Ich bin mir nicht sicher.“ sagte Max und ging weiter.
„Hast du von einer Vision geträumt?“ forschte Herr Thalenberg nach.
„Kann sein.“ sagte Max vage.
„Daher diese Anspielung auf deinen Vater.“ stellte sein Direktor fest.
„Max, er ist nicht hier. Peter und ich sind die einzigen von euerer Verwandtschaft, die euch geblieben sind. Es ist nicht leicht, damit klar zu kommen, und das verstehe ich auch. Peter und ich kannten die Fähigkeiten deiner Eltern sehr genau. Und wenn du mir von einem Traum erzählen möchtest, kannst du das gerne tun. Wenn du nicht willst, dass Peter von dem Traum erfährt, dann brauchst du es nur zu sagen. Du weißt noch, was ich das letzte Mal über deinen Traum gesagt habe? Das sie manchmal sehr bedeutungsvoll sind?“
Max schwieg. Es fiel ihm schwer nicht in Panik zu verfallen. Zu sehr belasteten ihn die Gedanken an das was er zu träumen geglaubt hatte.
„Es ist als läge die Last der Welt auf meinen Schultern und ich kann nichts weiter tun, als nur dabei zusehen.“ sagte Max nun mit zittriger Stimme. Herr Thalenberg brauchte keinen Versuch zu unternehmen, um Max Gefühle zu entziffern. Er konnte diese Gefühle und Gedanken nahezu spüren.
„Was hast du geträumt?“ fragte er nach.
„Von der Suche nach meiner Bestimmung, meinem Schicksal. Ich weiß nicht, wie ich zu einem solchen Traum kommen konnte, aber es ist nun mal passiert. Er war ganz in Farbe, ohne Schwarz-weiß wie in den Visionen wie ich sie sonst habe.“ erklärte Max langsam seufzend.
„Und weiter?“ fragte Herr Thalenberg nach.
„Bei der Verlobung von Onkel Peter sind alle getötet worden. Alle bis auf Con und mich. Von Vampiren, die ihnen das Blut ausgesaugt haben. Ich weiß nicht, was nun meine Bestimmung sein soll. Aber vermutlich bin ich schon immer verflucht gewesen. Dazu verdammt worden alles zu verlieren. Freunde, Familie, einfach alles. Aber vielleicht sehe ich das auch falsch und meine Bestimmung soll eigentlich eine ganz andere sein. Das macht mich wahnsinnig.“ platzte Max heraus.
Herr Thalenberg sah Max durchdringend an.
„Ein sehr eigenartiger Traum.“ sagte er schließlich.
„Kam sonst noch etwas darin vor?“ fragte er nach.
„Nur, dass Sie mir angedeutet haben, was meine Bestimmung sei.“ erwiderte Max.
„Ich?“ fragte Herr Thalenberg verblüfft nach und zog die Augenbraun hoch.
„Ja Sie. So als ob Sie genau wüssten, was mich erwartet.“ erwiderte Max.
Beim Frühstück war Max sehr schweigsam. Con versuchte über Gedanken heraus zu bekommen, was in seinem Bruder vorging. Doch er drang einfach nicht durch.
„Max, was hast du?“ fragte Con nun direkt nach.
„Nichts.“ erwiderte Max gedankenverloren.
„Du lügst.“ stellte Con fest.
„Nein, es ist nur...“ versuchte Max zu sagen.
„Du willst darüber nicht reden, schon klar.“ erwiderte Con und bohrte auch nicht weiter nach.
Während sich Con mit seinen Freunden befasste, schottete sich Max ab und dachte immer noch über den Traum nach, den er gehabt hatte. Irgendwoher kam das Gefühl, dass es nicht einfach nur ein Traum gewesen war, den er im Schlaf erlebt hatte. Das machte ihm Angst und bestärkte ihn darin, dass sich eine reale Vision eingeschlichen hatte.
Bereits in den nächsten Tagen versuchte Max eine Lösung zu finden. Er suchte nach einem Weg, wie er verhindern konnte, dass aus dem Traum Realität wurde. Dafür grübelte er die ganzen Tage hindurch nach. Wegen seiner Gedanken, bemerkte er nicht, wie schnell die Zeit bis zu dem Geburtstag der Brüder verging.
Umso überraschter war Max, als Con zu ihm sagte: „Pack deine Sachen zusammen. Wir fahren heute ins Schloss.“
„Das ist heute?“ fragte Max irritiert nach.
„Ja. Heute ist der zwölfte Juli. Nach dem Frühstück fahren wir ab.“ erklärte Con eindringlich.
„Ach du scheiße.“ sagte Max niedergeschlagen.
„Wieso?“ wollte sein Bruder wissen.
„Ach nichts.“ wehrte Max ab und begann seine Sachen zu packen.
„Willst du mir nicht sagen, was los ist?“ Con sah seinen Bruder besorgt an.
„Es ist nichts weiter.“ entgegnete Max und wusste zugleich, dass Con ihm nicht glaubte.
„Hattest du eine Vision?“ fragte Con gedämpft nach.
„Nein.“
„Und wieso bist du dann so nachdenklich?“
„Con, es ist nichts. Hör auf dir Sorgen zu machen.“ meinte Max nun sehr ernst und hatte seine Sachen schneller zusammen gepackt, als er es selbst für möglich gehalten hätte.
Nach dem Frühstück fuhren die Schüler mit den Erwachsenen auf das Schlossgelände von Schloss Tharlenburg.
„Nicki, sieh mal. Das ist doch unmöglich. Es sieht aus, wie die Ruine, die wir besucht haben. Nur ist da keine Ruine mehr.“ sagte Julian. Sogar Nicki sah ungläubig aus dem Busfenster.
„Tatsächlich. Aber vielleicht ist es gar nicht der Ort der Ruine.“ meinte Nicole.
Die Busse hielten vor dem Grundstück des Schlosses an. Schüler und Erwachsene stiegen aus. Clarissa war bereits mit ein paar Angestellten auf dem Schloss anwesend und begrüßte alle Gäste sehr herzlich.
„Max. Con. Schön euch zu sehen.“ sagte sie erfreut und nahm die Brüder begrüßend in den Arm.
„Wo sind Connar und Lex?“ fragte Max nach.
„Im Schloss.“ sagte Clarissa.
„Hallo Mum!“ sagte Rolf und gab seiner Mutter einen begrüßenden Kuss auf die Wange.
Max und Con beeilten sich ins Schloss zu kommen.
„Wow. Das sieht echt klasse aus.“ stellte Con begeistert fest, als er die große Empfangshalle des Schlosses betrat.
„Ja. Es sieht fast so aus, wie zu früheren Zeiten, als noch...“ meinte Max beeindruckt.
„Also noch was?“ fragte Nicole ernst.
„Nichts. Das war nur so daher geredet.“ erwiderte Max schnell.
„Das glaube ich dir nicht.“ meinte Nicole und sah Max fast schon böse an.
„Hat das Schloss einen Namen?“ fragte Julian, der Nicole beschwichtigend die Hand auf die Schulter legte.
„Doch natürlich.“ meinte Max vage und warf seinem Bruder einen suchenden Blick zu.
„Wir wissen selbst nicht, wie das Anwesen heißt. Wir wissen nur, dass es Onkel Peter für seine Feier und unseren Geburtstag über gemietet hat.“ erklärte Con und hoffte, dass die Worte seine Freunde überzeugt hatten.
„Max. Con. Folgt mir.“ sagte Clarissa, die nun auch das Schloss wieder betreten hatte.
„Wo sind die Angestellten?“ wollte Con von ihr wissen, während sie die große Haupttreppe des Schlosses hoch stiegen.
„Viele Angestellte haben wir nicht.“ wandte Clarissa ein.
„Etwas Küchenpersonal. Ein paar Reinigungs- und Zimmerkräfte. Und zwei bis drei Gärtner.“ sagte Clarissa erklärend.
„Ihr bekommt eine richtige Wohnsuit im Schloss.“ Max und Con sahen sich verblüfft an.
„Wohnsuit?“ fragte Con nach.
„Ja. Peter hat sie für euch ausgesucht.“
Im zweiten oberen Stockwerk gingen sie ein paar Gänge entlang. Dann hielt Clarissa vor einer Doppeltür.
„Eure Hunde dürfen natürlich auch hier rein.“ sagte Clarissa und öffnete die Tür.
Max und Con traten in eine Art Vorraum. Gegenüber der großen Tür war ein großer Wohnraum. Darin befand sich eine Sitzecke mit einem Tisch in der Mitte. Mit dem Wohnraum verbanden sich zwei Nebenräume. Eines sollte als Spiel- und Erholungszimmer dienen. Das andere ähnelte mehr einem Arbeitszimmer, da es einen großen Tisch in der Mitte gab und an der Seite ein paar Regale und Schränke.
An einer Seitenwand vom Vorraum befand sich eine Tür zur eigenen Toilette. Eine Wendeltreppe an der anderen Wand vom Vorraum führte in ein darüber gelegenes Stockwerk, das auch zu der Wohnsuit gehörte. Diese war weiß, mit einem blaugrauen Teppich überzogen und hatte ein goldenes Seitengeländer mit einem verzierenden Muster. Max und Con traten die Treppe nach oben. Gegenüber der Wendeltreppe war ein Badezimmer. Darin befanden sich zwei Waschbecken, eine Dusche und eine Badewanne. Über dem Wohnraum war ein zweiter Wohnraum vorhanden. Die Treppe lag offen und war mit einem Geländer abgesichert, das ebenfalls goldfarben und mit dem gleichen Muster verziert war.
Mit diesem oberen Wohnraum waren Zugänge zu Räumen, die direkt über die unteren Räumen lagen. Darin befand sich je ein Schlafzimmer für einen der Brüder. An diese waren eigene Ankleideräume angeschlossen. In diesen Ankleideräumen waren richtige Schränke aus hellem Naturholz vorhanden. In jedem Schlafzimmer waren ein Himmelbett, Nachttische und eine kleine Sitzecke vorzufinden. Der Wohnraum dazwischen war mit einer Sitzecke und Regalen ausgestattet.
Max und Con hatten sofort Gefallen an der Suit gefunden. Die Möbel sahen sehr edel aus. Dennoch machten sie einen eher schlichten Eindruck. Die Türen waren weiß mit künstlerischen Verziehrungen und goldenen Türschnallen. Die Möbel im Badezimmer und WC-Raum waren weiß. Die meisten Möbel in der Suit waren in einem hellen Naturholz. Die Wohnräume waren mit einer beigen Farbe gestrichen worden. Der Schlafraum links hatte eine hellblaue Wandfarbe. Der Schlafraum rechts war in hellem grün gehalten. In den unteren Räumen waren auch Möbel für die Tiere vorzufinden.
[Dieser Beitrag wurde am 13.03.2008 - 11:46 von TheFab aktualisiert]
Signatur MfG,
TheFab |
TheFab  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2006 Beiträge: 261 Nachricht senden | Erstellt am 15.08.2007 - 00:20 |  |
29. Kapitel:
Nachdem sich die Brüder und alle Gäste vorerst eingerichtet hatten, versammelten sich einige in einem großen Saal im Erdgeschoss des Schlosses. Max jedoch war ziemlich abgelenkt, da er fühlte, dass sich etwas zusammen brauen würde.
Nach dem Mittagessen schlich sich Max heimlich aus dem Schloss. Sein Bruder bekam davon gar nichts mit. Gegen fünf Uhr am Nachmittag begann die Verlobungsfeier im großen Festsaal des Schlosses, das dafür passend dekoriert worden war. Die Gäste amüsierten sich sehr gut. Con fiel nun auf, dass sein Bruder gar nicht da war.
„Wo ist Max?“ wurde er von Julian gefragt.
„Ich weiß es nicht.“ sagte Con ehrlich. Auch Peter und seinem Onkel schienen nun aufzufallen, dass Max gar nicht anwesend war.
„Wo ist Max?“ fragte Peter ernst.
„Keine Ahnung. Vorhin war er noch hier.“ gestand Con.
Max war nach dem Mittagessen zum nahe gelegenem Friedhof gegangen. Nun war es früher Abend und die Sonne war dabei unter zu gehen. Er hatte den Friedhof nach Anzeichen für Vampire gesucht. Je dunkler es wurde, umso unruhiger wurde Max. Dann war die Sonne fast verschwunden und der Himmel bald stockfinster. Max konnte auf seiner Armbanduhr nur mühsam ablesen, dass es bereits Acht Uhr am Abend war. Dann hörte er regende Geräusche aus der Nähe.
Max eilte durch den Friedhof und dem Geräusch entgegen, das er vernommen hatte. Seine Ahnung, dass Vampire aus den Gräbern kamen, bestätigte sich. Mit schnellen Bewegungen bemühte sich Max darauf alle Vampire zu pfählen. Doch je mehr es wurden, umso schwieriger war es für ihn, den Überblick zu behalten. Dann waren es eindeutig zu viele für ihn. So eilte Max zum großen Friedhofstor und klettere eilig darüber.
Währenddessen war die Verlobungsfeier ein guter Erfolg. Max rannte zum Schloss zurück und hoffte darauf, dass ihm kein Vampir gefolgt war. Er betrat eilig den Festsaal.
„Max, da bist du ja endlich. Wo warst du?“ fragte ihn sein Bruder.
„Später.“ sagte Max eilig.
„Was ist los?“ fragte Con leise.
`Con, du musst mir helfen.´ dachte Max nur und reichte seinem Bruder unauffällig einen Pflock in die Hand.
`Ich verstehe nicht...´ begann Con zu denken.
`Ich habe keine Zeit für Erklärungen. Hilf mir einfach.´ dachte Max und sah seinen Bruder eindringlich an.
„Max, was...?“ begann Julian, doch Max drückte ihm schweigend ein kleines Kreuz in die Hand.
„Passt auf euch auf. Unterstützt mich einfach.“ meinte Max zu ihm und gab auch Nicole ein Kreuz in die Hand.
Dann reichte er ihnen je einen Pflock in die Hand.
„Was sollen wir damit?“ fragte Nicole nach.
Peter schien Max Art bemerkt zu haben und kam nun zu ihm.
„Wo um alles in der Welt hast du gesteckt?“ fuhr er Max an.
„Ich...“ begann Max, doch dann schwieg er. Er schien zu spüren, dass nun Gefahr drohte.
„Leute...“ begann Max an seinen Bruder und seine Freunde gewandt. Con sah ihn irritiert und dennoch konzentriert an.
„Ähm, ich habe jetzt keine Zeit für Erklärungen. Pass lieber auf Clarissa und Rolf auf.“ meinte Max an seinen Paten gewandt.
„Das hier ist unser Privatbesitz. Kein Vampir der Welt würde einfach so eindringen.“ wandte Peter ein und ging lässig zu seiner Verlobten zurück.
Ehe er bei Clarissa ankam, krachten blitzartig alle Fenster des großen Festsaals ein und Vampire strömten in den Saal.
„Verteidigt euch.“ sagte Max zu seinen Freunden. Max versuchte sich eilig zu seinem Paten zu kämpfen, indem er die Vampire in seiner Nähe pfählte. Peter und sein Onkel und alle anderen Gäste im Saal waren so sehr erschrocken, dass sie sich einfach nicht bewegen konnten. Ein Vampir wollte Peter von hinten angreifen, doch in letzter Sekunde schaffte es Max ihn zu pfählen.
Herr Thalenberg schien Max Vision ernst genommen zu haben. Er hatte sich auf den unerwarteten Vampirangriff vorbereitet und kämpfte nun selbst gegen ein paar Vampire an.
„Max!“ rief es hinter Max Rücken. Max wandte sich um. Con kämpfte gegen zwei Vampire an. Doch Julian und Nicole hatten Schwierigkeiten diese von sich fern zu halten. Max sprintete hinüber und stach den Vampiren gekonnt von hinten ins Herz.
„Rettung im letzten Moment.“ sagte Julian erleichtert.
Max wandte sich um. Rolf schien total hilflos zu sein, obwohl er im letzten Schuljahr einiges über Vampire erlernt hatte. Peter hatte sich selbst ein paar Pflöcke herbei gezaubert und versuchte zu seinem Sohn durch zu dringen, was jedoch schwerer war, als erwartet.
Max sprintete los. Nach dem dritten großen Schritt sprang er in die Luft. Con, Julian und Nicole sahen ihm verblüfft nach. Es war, als würde Max in der Luft gehen können. Noch nie hatten sie Max so hoch und weit springen sehen. Max landete direkt bei Rolf und erledigte schnell die Vampire um sie herum.
„Wie hast du...?“ begann Rolf irritiert.
„Unwichtig.“ sagte Max nur.
Nach etwa einer halben Stunde waren alle Vampire im Festsaal beseitigt. Niemand im Saal hatte sterben müssen. Darüber war Max sehr erleichtert. Als er sich so umsah, schien er die wahre Bedeutung und Sinn des Traums auf einmal zu verstehen. Wortlos und erleichtert darüber, dass keiner getötet worden war, ging Max langsam aus dem Saal. Herr Thalenberg apparierte direkt vor ihm.
„Dein visionärer Traum ging nur zum Teil in Erfüllung.“ bemerkte er an Max gewandt.
„Ich weiß.“ sagte Max erleichtert.
„Und ich verstehe jetzt, was mir der Traum eigentlich hat sagen wollen.“
Herr Thalenberg sah Max aufmerksam an.
„Es ist weder das eine, noch das andere allein, zu dem ich bestimmt bin. Es ist irgendwie beides gemeinsam.“ begann Max langsam zu erklären.
„Und was genau, willst du damit sagen?“ fragte Herr Thalenberg nach.
„Mein Schicksal ist es, das Schicksal der anderen zu verhindern. Zu verhindern, dass andere Menschen sterben müssen, wenn ihr Zeitpunkt noch nicht gekommen ist. Und meine Bestimmung ist es, Vampire und Dämonen zu bekämpfen. Ich weiß auch nicht wieso, aber vorhin hatte ich das Gefühl, dass ich dazu geboren wäre. Das es etwas ist, dass ich schon immer in mir hatte. So ähnlich wie meine anderen Fähigkeiten. Ich muss mein Schicksal und meine Bestimmung miteinander vereinen, um daraus ein Ganzes zu machen. Diese beiden Dinge zusammen, ergeben den Sinn meines Lebens. Natürlich kann es gefährlich sein. Aber ich glaube, wenn ich erst die tiefere Bedeutung der beiden Dinge erkannt und verstanden habe, dann kann ich noch viel mehr erreichen. Dann werde ich der Lage sein, das Leben der anderen über meins zu stellen. Und ich glaube, wenn ich dazu fähig bin, dann werde ich eines Tages wissen, was im Leben wirklich zählt.“
Herr Thalenberg war beeindruckt und verblüfft zugleich. Statt etwas zu sagen, sah er Max dabei zu, wie dieser sich auf dem Weg zur großen Haupttreppe des Schlosses machte. Herr Thalenberg machte sich Gedanken über Max. Seine Überlegungen und Reaktion beunruhigten ihn sehr. Dennoch ging er in den Festsaal zurück.
Am folgenden Tag fuhren die meisten Gäste wieder ab. Nur Julian, Nicole und ein paar weitere Mitschüler der Brüder, sowie die engsten Freunde von Peter, seinem Onkel und Clarissa waren noch im Schloss anwesend.
Max durchstreifte während des Tages das große Schloss. Dabei entdeckte er viele Räume und Säle, die ihm zuvor nicht aufgefallen waren. Dazu gehörte auch ein etwas kleinerer Saal im zweiten Obergeschoss, der sich in einem etwas anderen Teil des Schlosses befand. Max betrat diesen Raum.
Dieser Raum war mit vielen Gemälden, die an den Wänden hingen geschmückt. Er wusste, dass diese Gemälde kaum Peter oder Clarissa aufgehängt haben konnten. So vermutete Max, dass diese Gemälde mit dem Zauber wieder an ihre ursprüngliche Position gelangt waren, den er und sein Bruder durchgeführt hatten.
Der Junge ging durch den Saal und sah sich die Gemälde an. Eines der Gemälde zog seine große Aufmerksamkeit auf sich. Der Mann auf dem Gemälde sah dem Prinz Alexander von dem Gemälde, das Max und Con damals im unterirdischen geheimen Schlossraum entdeckt hatten, sehr ähnlich. Er nahm an, dass es tatsächlich Prinz Alexander war, auch wenn dieser auf dem Gemälde vor ihm wohl etwas jünger aussah. Links daneben war ebenfalls ein Mann auf einem Gemälde abgebildet. Max erkannte diese Person als den Vater des Prinzen wieder. Auf dem Gemälde rechts des Prinzen war eine Frau zu sehen. Diese Frau sah sehr hübsch aus. Max konnte nur vermuten, dass es die Gattin des Prinzen war: Prinzessin Valerie. Flüchtig sah sich Max die anderen Gemälde an. Doch er konnte sich nicht erklären, um welche Personen es sich dabei handelte.
Unerwartet wurde die Tür zu diesem Saal geöffnet. Ein wenig erschrocken wandte sich Max um.
„Du bist es nur.“ sagte er zu Peter.
„Diese Gemälde waren schon vorhanden, als wir das Schloss eingerichtet haben.“ erklärte dieser und näherte sich Max.
„Dachte ich mir schon.“ erwiderte Max.
„Hast du eine Ahnung, wer auf diesen anderen Gemälden zu sehen ist?“ Peter sah sich die Gemälde an.
„Nein, nicht direkt. Aber ich vermute, es sind die früheren Ahnen von Prinz Alexander.“
„Und wer war dieser Mann dort?“ fragte Max und deutete auf ein Gemälde, das einen Mann zeigte.
„Das kann ich dir nicht sagen.“ meinte Peter.
„Aber er hat große Ähnlichkeit mit Frank.“
„Echt wahr?“ fragte Max ungläubig. Peter nickte bekräftigend.
„Ja, er könnte ihm wie aus dem Gesicht geschnitten sein. Natürlich ohne diesen Schnauzbart.“ legte er fest.
„Diese Frau daneben ist bildhübsch. Sie wirkt in dem Kleid schlicht, aber doch elegant.“ meinte Max auf einmal.
„Vielleicht die Frau des Mannes.“ meinte Peter.
„Ja wahrscheinlich.“ stimmte Max zu.
„Komm, das Essen wartet.“ sagte Peter auf einmal.
Wenig später waren alle im Festsaal des Schlosses versammelt. Max, Con, Peter, Herr Thalenberg, Clarissa, Rolf sowie die weiteren Gäste saßen um den Esstisch und nahmen ihr Abendessen ein. Im Anschluss begann die eigentliche Geburtstagsfeier der Brüder. Es wurde Musik gespielt, geredet und getanzt. Max und Con packten im Verlauf des Abends ihre Geschenke aus, die sie von Freunden und Verwandten bekommen hatten. Ein paar neue Kleidungsstücke waren unter den Geschenken vorhanden.
Max bekam außerdem ein Buch geschenkt, dessen Titel seine Neugier weckte: Traumdeutung und deren Bezug zur Kunst des Wahrsagens.
„Con sieh mal.“ Sein Bruder kam zu ihm herüber.
„Hey, das ist toll. Von wem ist das?“ wollte dieser wissen.
„Onkel Theo.“ sagte Max und ging mit dem Buch zu Peters Onkel.
„Danke.“ sagte er. „Woher hast du es?“
Herr Thalenberg lächelte Max nur an.
„Aus der Buchhandlung. Woher sonst?“ wandte er ein.
„Steht da auch etwas über Visionen drinnen?“ fragte Max nach.
„Das musst du selbst heraus finden.“ wandte Herr Thalenberg ein.
„Aber ich dachte, es gibt kein Buch über Visionen.“ meinte Max nachdenklich.
„Ein spezielles Sachbuch, das sich nur damit beschäftigt nicht. Aber Träume können einen Bezug darauf haben. Das Buch soll euch dabei helfen, diese Träume besser zu verstehen.“
„So wie der Traum über den Vorfall gestern, ja?“ wollte Max wissen.
„Ja, so in etwa.“
„Worum geht es?“ fragte Peter nun nach.
„Nur über dieses Buch hier.“ wandte Max ein und ging zu seinem Bruder zurück.
„Kommt es mir nur so vor, oder geht mir Max schon wieder aus dem Weg?“ fragte Peter bei seinem Onkel nach.
„Er geht dir nicht aus dem Weg. Es gibt nur ein paar Dinge, die er nicht unbedingt mit dir besprechen will.“ wandte Herr Thalenberg ein.
„Und wegen dieser Dinge, kommt er direkt zu dir, ja?“ meinte Peter skeptisch.
„Früher oder später, werden sie deswegen auch zu dir kommen. Nur eben nicht gleich sofort.“ entgegnete sein Onkel.
„Wenn es um die Visionen der Brüder geht…“ versuchte Peter klar zu machen.
„Habe einfach geduld.“ wandte sein Onkel ein.
„Geduld, weswegen?“
„Vorerst wird das Buch Max helfen, seine Träume, die er manchmal hat, besser zu verstehen. In letzter Zeit hatten die beiden öfters Visionen und visionäre Träume. Und sie werden noch mehr werden. Allmählich fangen sie an, sich daran zu gewöhnen und sie zumindest zum Teil zu beherrschen.“
„Und was hat das damit zu tun, dass sie wegen einigen Sachen zu dir kommen, statt zu mir?“ wollte Peter wissen.
„Gar nichts. Aber irgendwann werden sie sich dir auch anvertrauen. Ihnen fehlt einfach der Vater, den sie nicht mehr haben und mit dem sie über diese Dinge hätten reden können. Max wollte dich wegen gestern nicht beunruhigen. Aber irgendwie scheinen manche Visionen die Brüder zu belasten.“
Peter verstand nicht so recht, worauf sein Onkel hinaus wollte. Oder was dieser ihm eigentlich damit sagen wollte.
„Ich weiß, du bist ihr Vormund. Aber einen Vater kannst selbst du nicht ersetzen. Frank hätte sie darin viel besser anleiten können. Habe einfach Geduld. Früher oder später werden sie wegen dieser Dinge auch zu dir kommen.“
„Ich hasse es, wenn du meine Gedanken liest, Onkel.“ sagte Peter nur.
„Mit deinen Gedanken hatte es überhaupt nichts zu tun. Ich sehe dir auch so an, dass du vorhin nicht verstanden hast, was ich dir eigentlich habe sagen wollen.“
„Schon gut.“ meinte Peter nun und wandte sich ab.
Am folgenden Tag fuhren Max, Con, ihre Freunde, Peter und Herr Thalenberg mit Rolf wieder zurück aufs Ferienlager.
„So übel waren die letzten Tage auf dem Schloss gar nicht.“ stellte Con fest.
„Ja, da hast du recht. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.“ stimmte Max zu.
Bereits in den nächsten Tagen nutzte Max seine Freizeit, um das neue Buch über Traumdeutung zu lesen. Sein Bruder dagegen verbrachte viel Zeit mit ihren Freunden Julian und Nicole. Bis zum August war Max mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt. Erst als er das Buch fertig gelesen hatte, begann er mehr mit seinem Bruder und seinen Freunden zusammen zu sein.
Auf diese Weise vergingen die letzten Wochen im Ferienlager relativ zügig. Am dritten Sonntag im August reisten alle Schüler und Erwachsenen wieder ab. Max und Con hatten auch ihre Kater in die eigenen Transportkäfigen untergebracht. Nach dem Frühstück fuhren alle mit die Busse wieder in ihre Heimatstädte zurück.
Die Fahrt hatte relativ lange gedauert. Schließlich hielten die Busse in ihrer letzten Station an. Es war der große Platz in Hamburg. Dort stiegen auch Con und Max mit ihren Katern aus. Nicole, Julian und Rolf gehörten ebenfalls zu den Schülern, die in Hamburg oder dessen Umgebung wohnten. Max und Con verabschiedeten sich von ihren Freunden und machten sich mit Peter auf dem Heimweg.
„Ich bin froh, dass wir für die Schule bereits eingekauft haben.“ sagte Con erleichtert, kaum hatten sie das Haus von Peter betreten.
„Allerdings. Sonst müssten wir noch jetzt einkaufen gehen. Ich hoffe, ihr habt auch wirklich alles was ihr braucht.“ stimmte ihm Peter zu.
„Heuer kommt für uns auch Latein dazu.“ bemerkte nun Max.
„Ihr habt es gewählt?“ fragte Peter etwas verblüfft.
„Während der Ferien. Ich zumindest habe mir noch überlegt, ob ich es wirklich wählen soll. Aber dann habe ich den Bogen ausgefüllt, den wir in der Schule bekommen haben.“ erklärte Max.
„Ich habe es auch gewählt. Ich war mir zuerst auch nicht sicher, ob ich es wählen soll. Aber ich denke, ein Versuch ist es wert. Und wenn es mir zu schwierig wird, oder ich mit dem Zeitplan nicht mehr klar komme, dann lasse ich es im darauf folgenden Jahr einfach sein.“
„Nun, dann müssen wir dafür noch passende Hefte besorgen.“ meinte Peter schließlich.
Die letzten Tage vor Schulbeginn nutzten Max und Con damit, ihr Schulwissen aus dem letzten Jahr ein wenig aufzufrischen.
Am Samstag Nachmittag kam Peter zu ihnen ins Zimmer und sagte: „Denkt daran, die Koffer zu packen. Morgen müssen wir früh los.“ Max und Con schraken zusammen.
„Schon morgen?“ fragte Con, der anscheinend gar nicht mitbekommen hatte, wie schnell die letzten Tage verstrichen waren.
„Ganz recht. Der Zug fährt wie immer um zehn vor Acht Uhr ab.“ machte Peter deutlich.
„Dann sollten wir wirklich anfangen, alles einzupacken.“ meinte Max seufzend und ging los um seinen Koffer auf Rollen zu holen.
Am darauf folgenden morgen, musste Peter gegen sechs Uhr früh noch bei den Jungs ins Zimmer schauen. Wie er vermutet hatte, schliefen sie noch. Nur langsam und etwas verschlafen kamen Max und Con aus ihren Betten.
„Zieht eure Uniformen an.“ meinte Peter.
„Wozu?“ fragte Max, der darauf noch gar keine Lust hatte.
„Weil es bei den Schülern ab dem zweiten Jahrgang seit Jahrhunderten Tradition ist.“ wandte Peter kurz ein und ging davon.
„Wenn er meint.“ sagte Max eher unwillig.
„Und was meinst du? Erwartet uns an Halloween wieder der Schrecken auf Erden?“ versuchte Con seinen Bruder aufzumuntern.
„Nein, ich schätze nicht.“ meinte Max.
„Sicher?“ fragte Con nach.
„Es sei denn, an diesem Tag findet ein Spiel statt, bei dem ich wieder vom Stoßer getroffen werde und in die Tiefe stürze.“ meinte Max und sah seinem Bruder an, dass er entsetzt wirkte.
„Das war nur ein Scherz.“ meinte Max lächelnd.
„Oh, da bin ich aber froh.“ sagte Con erleichtert. „Artemis komme her.“
Der weiße Kater kam artig zu Con und sprang ihm auf die Schulter. Con nahm ihn sanft in die Hände und hievte ihn behutsam in den Transportkäfig.
„Merl!“ rief Max nach seinem eigenen schwarzen Kater.
Nach dem Frühstück stiegen alle in Peters Wagen. Die Koffer waren bereits im Kofferraum verstaut worden. Max und Con verstauten ihre Rucksäcke und Transportkäfige ihrer Kater zu sich hinten auf den Rücksitz. Beide hatten ihre Schuluniform vom letzten Jahr angezogen – allerdings ohne Umhänge und Hüte.
„Habt ihr auch nichts vergessen?“ vergewisserte sich Peter bei den Brüdern.
„Nein, wir haben alles mit.“ versicherte Con.
„Sogar die Sachen für unsere Kater.“ stimmte Max zu.
„Gut, dann können wir getrost zum Bahnhof fahren.“ meinte Peter und startete den Motor.
Es war bereits zwanzig Minuten vor Acht Uhr morgens, als Peter seinen Wagen auf dem Parkplatz vor dem Bahnhofsgebäude parkte. Wenige Minuten später hatten Max und Con ihr Gepäck auf einen Gepäckkarren geladen und machten sich mit Peter auf dem Weg zu Bahnsteig 7a. Der Schulzug stand bereits bereit. Einige Schüler waren dabei in den Zug zu steigen. Peter begleitete die Brüder zu ihrem richtigen Waggon und half mit, das Gepäck in den Zug zu bekommen.
„Hi Dad.“ kam es von einem Sitz in der Nähe. Max und Con nahmen sich wieder Plätze bei einer Sitzgruppe des Großraumwagen. Peter lächelte nur mild, als er zu Rolf hinüber sah.
„Hallo Rolf.“
Kaum hatte er dabei geholfen, den Brüdern die Koffer auf die Ablage zu hieven, verließ er den Großraumwagen, um aus den Zug zu steigen. Auf dem Bahnsteig traf er auf seine Verlobte, Clarissa, die ihren Sohn ebenfalls zum Bahnhof gefahren hatte.
Julian und Nicole hatten sich wie sonst auch zu Con und Max bei der Sitzgruppe nieder gelassen. Während sich Con mit ihren Freunden unterhielt, wirkte Max eher gedankenverloren und nachdenklich.
Als der Zug nach einigen Stunden auf dem kleinem Bahnhof von Adularstätten anhielt, stiegen alle Schüler aus und machten sich auf dem Weg zu ihre Busse. Die neuen Schüler wurden von den Vertrauensschülern zu ihrem richtigen Bus geführt.
„Jetzt sind wir im dritten Jahrgang und zählen zu den bereits erfahrenen Schülern.“ bemerkte Nicki als sie ihren Koffer im Kofferraum ihres Busses verstaute.
„So erfahren sind wir auch noch nicht.“ wehrte Julian ab und folgte Nicki in den Bus. Con warf einen Seitenblick zu seinem Bruder.
„Du hast wieder diesen komischen Gesichtsausdruck. Was ist nur los mit dir?“
„Ach nichts…“ versuchte Max seinen Bruder abzuschütteln.
„Mach mir nichts vor. Zuerst im Sommer und jetzt auch noch. Irgendwas beschäftigt dich, das kann ich fast schon fühlen.“ versuchte Con bei seinem Bruder durchzudringen, doch Max gab ihm keine Antwort mehr.
Etwa eine Stunde später waren Max und Con mit ihren anderen Mitschülern auf Adularberg angekommen. Bevor sie ihr Gepäck in ihren Wohnturm hoch trugen, stellten sie diese bei der Sammelstelle in der Nähe des Eingangs ab und gingen zum Speisesaal. Dort setzten sich die Schüler auf ihre richtigen Tischplätze. Die Schüler mussten nun auf das Eintreffen der neuen Schüler warten.
„Seht mal, Herr Thornberger ist auch schon da.“ sagte Nicole zu ihren Freunden.
„Toll.“ sagte Max wenig interessiert.
Es brauchte auch nicht mehr lange und Herr Martens, der stellvertretende Direktor führte alle neuen Schüler des ersten Jahrgangs in den Saal. Ein anderer Lehrer stellte den Hocker mit dem Zuteilungsgerät vor dem Tisch der Lehrkräfte. Nachdem Herr Martens erklärt hatte, wie das Zuteilungsverfahren ging, konnte auch schon begonnen werden.
Wie jedes Jahr wurden die Namen nach dem Alphabet vorgelesen. Nach Ostrot kamen etwa sieben Jungen und sieben Mädchen. In Westgrün waren es acht Jungen und sieben Mädchen. Nordblau bekam acht Mädchen und neun Jungen und Südgelb erhielt neun Mädchen und acht Jungen.
Nach dem alle neuen Schüler ihren künftigen Wohntürmen zugeteilt worden waren, sollte eigentlich das Mittagessen gestartet werden, doch stattdessen trat Herr Thalenberg vor um noch kurz etwas zu sagen.
Nachdem er alle Schüler und Kollegen kurz begrüßt hatte, sagte er weiter: „Das Kollegium und ich hatten für das heurige Schuljahr eine Idee. Doch um diese zu verwirklichen, musste ein Antrag beim Schulrat eingereicht werden. Vor wenigen Tagen erhielt ich die Antwort. Somit darf ich euch allen verkünden, dass im heurigen Herbst von Anfang Oktober bis Ende November die magischen Projektwochen statt finden werden. Ihr alle dürft euch so richtig ausprobieren. Tut das was ihr schon immer tun wolltet. Sei es magisch oder nicht. Probiert euch an Zauber oder an etwas anderem. Natürlich kann es auch mit Musik oder Sport oder sonst etwas zu tun haben. Und wer möchte, darf seine neu gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse am letzten Sonntag im November der ganzen Schule vorführen. Während dieser magischen Projektwochen ist allen Schülern die Verwendung von Magie auch in der Freizeit gestattet. Diese Projektwochen sollen euch dabei helfen zu erkennen, wo eure magischen und nichtmagischen Grenzen liegen. Ich hoffe, dass es für jeden einzelnen sehr lehrreiche und erkenntnisvolle Erfahrungen werden und jeder von euch dazu lernt.“
Bei diesen Worten horchten sogar Max und Con auf.
„Magische Projektwochen.“ meinte Con nachdenklich.
„Onkel Peter wird uns doch wieder daran hindern uns auszuprobieren.“ meinte Max skeptisch.
„Aber das ist doch das was wir schon immer wollten. Die Möglichkeit haben unsere Grenzen selbst heraus zu finden.“ wandte Con ein.
„Ja mag sein, aber ich traue dem Ganzen noch nicht.“
Nach dem Mittagessen nahmen sich alle Schüler ihr Gepäck und gingen zu ihre Wohntürme hoch. Einige Zeit später hatten auch Max und Con ausgepackt. Alle Schüler schienen sich schon auf den Start der neuen Projektwochen zu freuen. Doch Max wirkte weiterhin sehr nachdenklich. Statt sich weiter mit dem bisher erlernten Stoff zu befassen hatte er sich auf die Fensterbank im Gemeinschaftsraum nieder gelassen und sah aus dem Fenster.
„Darf ich fragen was dich so beschäftigt?“ kam es auf einmal von einem erwachsenen.
„Nein.“ wandte Max ein, obwohl er der Person gar nicht richtig zugehört hatte.
„Die Projektwochen sind doch genau das, was ihr schon immer wolltet. Jetzt habt ihr Gelegenheit dazu.“ Max hörte auf gedankenverloren durchs Fenster zu sehen und wandte seinen Blick direkt seinem Paten zu.
„Toll, nur das du uns doch wieder daran hindern werden wirst, weil du glaubst…“ meinte Max eher missgestimmt. „Nein, werde ich nicht.“ versicherte Peter und hatte damit Max das Wort abgeschnitten. „Ich weiß, dass ihr euch schon immer ausprobieren wolltet. Onkel Theo hat diesen Vorschlag den anderen Kollegen entgegen gebracht und einen Antrag beim Schulrat gestellt. Die haben diesen Antrag bewilligt und werden sich am Ende der Projektwochen die Vorführungen der Schüler ebenfalls mit ansehen.“ erklärte Peter schlicht.
„Ich dachte, du wolltest nicht, dass wir uns mit Dingen beschäftigen, die deiner Meinung nach zu hoch für uns ist.“ „Da wusste ich noch nicht, wie groß die Macht ist, die in euch steckt. Ich hatte früher bedenken, weil ich noch nicht so viel damit zu hattet. Und ich wollte nicht, dass ihr etwas tut, wozu ihr vielleicht nicht in der Lage seid. Ich bin da um auf euch aufzupassen. Aber jetzt da ihr doch schon einiges über Magie gelernt habt, denke ich, seit ihr durchaus in der Lage euch an Dinge heran zu wagen, die euch neue Erfahrungen und Erkenntnisse bringen könnten. Du glaubst ich hätte kein Vertrauen in euch. Aber das habe ich, auch wenn früher etwas skeptisch war und eure Fähigkeiten selbst noch nicht so richtig einschätzen konnte.“ legte Peter ernsthaft fest. Max war total überrascht.
„Diese Clarissa tut dir richtig gut, was?“ „Das hat nichts mit Clarissa zu tun.“ wandte Peter ein. „Doch hat es. In gewisser Weise schon. Jetzt da du weißt, dass du selbst einen Sohn hast…“ „Nur weil ich einen Sohn habe, heißt das noch lange nicht…“ „Schon gut. Du brauchst nicht so tun, als wäre das total unwichtig. Wir sind nur deine Patenkinder und daran wird sich nie etwas ändern. Du kannst unseren Vater nicht ersetzen, auch wenn es Dinge gibt, die lieber mit ihm besprochen hätte.“ Peter war nun selbst verblüfft. Irgendwie wusste er, dass er Max nicht zu berühren brauchte, um zu wissen, dass er eben einen Punkt ausgesprochen hatte, der dem Jungen ziemlich beschäftigte. „Hat das etwas mit den Dingen im Sommer zu tun?“ wollte er daher wissen. „Nein, nicht unbedingt.“ wich Max aus und ging davon.
Als die Schüler von Max und Cons Klasse ihren Stundenplan für die erste Woche erhielten, sah dieser etwas anders aus als bisher. Das hing damit zusammen, dass auch das Wahlfach Latein hinzu kam. „Dienstag und Freitag haben wir am Nachmittag je eine Stunde Latein.“ stellte Con fest. „Ihr habt das Fach auch gewählt?“ fragte Nicole nach. „Ja. Wie viele haben es gewählt?“ wollte Max wissen. „Ich glaube vier Jungen und drei Mädchen aus unserer Klasse.“ versuchte Nicole abzuschätzen. „Doch eine ganze Menge.“ meinte Julian.
[Dieser Beitrag wurde am 13.03.2008 - 12:22 von TheFab aktualisiert]
Signatur MfG,
TheFab |
TheFab  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2006 Beiträge: 261 Nachricht senden | Erstellt am 15.08.2007 - 00:22 |  |
30. Kapitel:
Am darauf folgenden Morgen beeilten sich die Schüler nach dem Frühstück in die Klassen zu kommen.
„Wir müssen in den Brausaal.“ sagte Nicole zu ihren Freunden.
„Das der Tag mit Zaubertranklehre los geht ist echt verrückt.“ meinte Max.
„Noch dazu weil wir mit Dietrich und seiner Klasse zusammen sind.“ stimmte Julian zu.
Kaum waren alle Schüler in der Klasse versammelt klingelte es zur Stunde. Professor Hartmann trat in die Klasse. Ohne große Erklärungen abzugeben verteilte er die bereits vorbereiteten Wiederholungstests aus, um den Lehrstoff des Faches aus dem vergangenem Schuljahr abzufragen. Die Schüler nahmen sich nur ihr Schreibzeug zur Hand und begannen den Bogen auszufüllen.
Max und Con hatten in den ersten fünfzehn Minuten keine großen Probleme den Test auszufüllen, da sie in den letzten beiden Jahren relativ gute Schüler in diesem Fach waren.
Doch kaum hatte Max zur nächsten Seite umgeblättert huschte ihm unerwartet ein ganz anderer Gedanke in den Kopf, der überhaupt nichts mit dem Fach zu tun hatte. Max versuchte durch Kopfschütteln diesen Gedanken los zu werden.
Er ging zur nächsten Frage über. So sehr er sich auch bemühte, die Konzentration auf den Test zu halten, drängten sich ihm die Gedanken, die nichts damit zu tun hatten einfach dazwischen. Ohne es mitbekommen zu haben, schrieb er bei manchen Fragen Antworten hin, die gar nichts mit der Frage zu tun hatten. Schließlich war die Zeit um und Professor Hartmann sammelte die Testbögen ein. Als er Max Test nahm, sah er sich diesen kurz durch.
„So stark abgelenkt waren Sie?“ fragte er nur, ging jedoch weiter ohne darauf näher einzugehen.
Für die restlichen zweieinhalb Stunden sollten die Schüler einen komplett neuen Zaubertrank zubereiten. Max versuchte seine volle Konzentration wieder darauf zu lenken. Das gelang ihm auch einiger maßen. Doch kaum war die dritte Stunde in dem Fach gekommen, drängten sich ihm wieder Gedanken vom Unterbewusstsein ihm auf, die ihm die Konzentration nahmen. Max versuchte diese Gedanken zu verdrängen. Dann ging es so weit, dass er glaubte Bilder im Trank zu sehen, die eigentlich gar nicht vorhanden sein sollten. Durch umrühren versuchte Max diese Bilder zu entfernen. Als ihm das nicht gelang, rieb er sich die Augen und schloss sie öfters für ein paar wenige Sekunden.
Con bekam das deutlich mit und so fragte er: „Was hast du?“
„Ich weiß nicht.“ sagte Max.
Da seine Konzentration komplett weg war, tat er ungewollt eine falsche Zutat in den Trank. Diese führte dazu, dass dicker Rauch aufstieg und der Trank überquoll. Erschrocken holte Max seine Sachen von seinem Platz weg. Professor Hartmann war zu ihm geeilt und beseitigte den Schaden.
„Was um alles in der Welt ist heute nur los mit Ihnen, Riedberg?“ fr |