Holly  die nur nach ihrer eigenen Pfeife tanzt...
   

Status: Offline Registriert seit: 07.12.2005 Beiträge: 887 Nachricht senden | Erstellt am 08.02.2006 - 16:39 |  |
Ich muss heute einfach mal rumjammern, mir gehts Sch... und keiner darf es merken...
Ich fühle mich oft, als ob ich neben mir stehe, mich beobachte und denke: warum machst Du das gerade, warum bist gerade so, als ob ich einem anderen Menschen beim Leben zugucken würde. Diese profunde Unzufriedenheit, immer auf der Hetze nach der Perfektion, die man eh nicht erreichen kann, weil eh nie was gut genug ist, was ich tue. Ich kann auch noch nichteinmal sagen, welche Gefühle bei mir zum FA führen, das ist, als ob das fremdbestimmt wäre...
Ich bin auch oft so, daß ich denke, daß allein durch die Tatsache daß ich 'optisch keinen Vorteil habe' (was für eine Umschreibung) muss ich immer besonders nett, witzig, klug sein. Das ist vor allem so, wenn ich neue Leute treffe. Mir wurde schon oft gesagt, daß ich nach aussen hin immer völlig kontrolliert, distanziert und überlegen wirke, teilweise schon tendenziell überheblich, und auf der anderen Seite auch der Haar-in-der-Suppe-Finder, ich finde immer noch was, was besser sein könnte. Ich muss mir das immer selber bewusst machen, da das auf andere häufig auch überkritisch/ewig meckernd wirkt, auch das Wort 'GeltungsSUCHT' fiel in dem Zusammenhang. Oder zB meinte eine langjährige Freundin von mir mal daß sie immer noch nicht wüsste, wer 'Holly' eigentlich wirklich ist.
Dabei regen mich Leute bei denen ich den Eindruck habe, daß sie nicht 'autentisch' sind, also vorgeben was zu sein, was sie nicht sind, unglaublich auf. Vielleicht, weil ich dieses Geschauspiele selber so gut kenne und durchschaue, weiss nicht, oder weil einem die eigenen Fehler bei anderen immer besonders sauer aufstossen.
Was vor allem erstaunlich ist, mir will immer niemand glauben, daß ich tatsächlich Angst vor Menschen habe im 'vertrauten Rahmen' rede ich zB wie ein Wasserfall. Aber je schlechter es mir innendrin geht, desto mehr 'drehe ich auf', heute war auch schon wieder so ein Tag, ich habe in der Pause das halbe Büro mit Witzchen und Stories unterhalten, dann noch ein Plauderstündchen mit meinen Schülern, auch wieder den Alleinunterhalter gegeben, aber fühle mich innendrin nur müde und erschöpft und würde am liebsten in eine Hütte im Wald ziehen, niemanden sehen etc. Und jedesmal, wenn ich auf Fremde treffe, was mir im Beruf oft passiert, schlafe ich vorher schlecht, bin hypernervös etc. wie passt das eine zum anderen?
An anderer Stelle habe ich mal den 'Tipp' gelesen, daß man, um unguten Gefühlen auf den Grund zu gehen, an den Punkt zurückgehen soll, an dem man zum ersten Mal dieses Gefühl hatte aber
ich kann mir das nicht so richtig vorstellen, wie das gehen soll. Ich kann mich an den 'Anfang' irgendwelcher Gefühle nicht wirklich erinnern, meine Gefühle der Kindheit stellen sich mir nur als ein Wust von neg. Gefühle dar, immer wenn ich denke, ich habe den Punkt getroffen, fällt mir ein früherer Zeitpunkt ein, an dem ich auch schon so gefühlt habe. ZB nicht genug zu funktionieren, nicht gut genug zu sein, ggüber dem, was andere besser, schöner haben, von Elternseite kam ja nie Lob oder sowas, immer nur Vorhaltungen, was der und der schon haben/sind, angefangen bei: guck mal, so sieht ein schön aufgeräumtes Kinderzimmer aus bis zum heutigen Tag, wer schon wieder ein Haus gebaut/ein Kind bekommen hat etc. Scheisse, ich habe ein Abi mit 1.0 und einen Uniabschluss mit 1.0 gemacht und was kam? Nichts, nada, meine Eltern waren weder beim Abiball (was sollen wird denn da?) und auch nicht bei der Diplomfeier (Der Papa ist gerade am tapezieren, wir haben keine Zeit), denn der und der hat ja schon eine tollen Job, wie siehts denn bei Dir aus, und was ist mit Enkeln, denn der und der ist ja schon Opa und Du bist ja jetzt auch schon Ü30, als ich so alt war wie Du.... Aber aus mir wird ja eh nie ein "feines Mädchen", nie ziehe ich Röcke an, oder mach mich mal schick, die Tochter von Soundso, die ist ja immer schick und gepflegt, und das hast Du Dir neu gekauft, da muss man aber eher schlank für sein blahblahblah!!! Ach Mist, bei mir bricht gerade schon wieder das Heulen und Zähneklappern aus, wenn ich mir das alles so vorstelle.
Ist gut jetzt, danke fürs Lesen für die, die bis jetzt durchgehalten haben
Signatur Freier Willen!
Hunde denken sie wären Menschen
Katzen denken sie wären Gott |
Solitude  Vorsicht - Freigeist :-))
    

Status: Offline Registriert seit: 12.11.2005 Beiträge: 884 Nachricht senden | Erstellt am 08.02.2006 - 17:04 |  |
Ach Holly  An vielen Punkten ähneln sich die Geschichten von Esssüchtigen.
Da sind die Eltern, denen es nie recht zu machen war, die mit Anerkennung und Zuneigung mehr als geizig waren, die auch Höchstleistungen nur mit der Frage nach der nächsten Höchstleistung beantwortet haben.
Da sind die Bestrebungen, das eigene Ich (das ja als mangelhaft empfunden wird) nach Außen zu verbergen...besonders witzig und eloquent, besonders hilfsbereit und für andere angenehm zu sein. Der Pausenclown lenkt vom eigentlichen Unglücklichsein ab. Nach außen keine Schwäche zeigen, immer stark sein, niemand in das Innerste schauen lassen.
Das nach außen aufgebaute Bild aufrechtzuerhalten kann ungeheuer kraftzehrend sein...und kommt zu dem vorhandenen inneren Druck noch dazu. Ein schier unbezwinglicher Spagat, dessen Anspannung sich dann eben in einem FA löst.
Deswegen ist es so ungeheuer befreiend (natürlich auch schwer, diesen Schritt zu gehen...aber letztlich eben befreiend) sich in Therapie diesen Druck endlich nehmen lassen können... Jemand an sich heranzulassen, Dein Innerstes zu zeigen und die Erfahrung zu machen, dass der andere nicht entsetzt wegläuft, sondern außer Empathie auch noch ehrlich empfundene Sympathie und Zuneigung für den Teil in Dir empfindet, den Du immer so ängstlich verbergen wolltest ist ein Erlebnis, das ich kaum in Worte fassen kann. Seit ich es hatte, kann ich die Liebe meines Lebensgefährten erst wirklich annehmen und spüren. Ich kann dieser Liebe erst jetzt vertrauen, weil ich noch vor einem Jahr in meinem tiefsten Inneren überzeugt war, ich sei "nicht liebenswert".
Und ich kann mich jetzt vernünftig ernähren, Gewicht loslassen, weil ich mich selber liebe und weiß, dass ich es Wert bin geliebt zu werden. Und weil der Weg eines Essgestörten auch so verlaufen kann, deswegen ist es wichtig, es immer wieder zu sagen: Es lohnt sich jede Anstrengung, den schweren Weg aus der Essstörung zu gehen, weil am Ende ein selbstbestimmtes Leben wartet, in dem man erfährt wie wertvoll und liebenswert man ist. Und es ist traurig für jeden, der sich mit weniger bescheidet.
Liebe Holly, Du legst den Finger in die Wunde und thematisierst die Hintergründe Deiner Probleme. Das ist ein wichtiger Schritt! Sich der Aufarbeitung dieser Dinge zu stellen ist imho immer besser in Therapie. Hast Du da Unterstützung?
 Soli
Signatur Der Weg zu mir selbst war der schwerste, den ich je gegangen bin aber auch der lohnendste, weil er mich auch zu Dir geführt hat.
(von mir für Dich ) |
Holly  die nur nach ihrer eigenen Pfeife tanzt...
   

Status: Offline Registriert seit: 07.12.2005 Beiträge: 887 Nachricht senden | Erstellt am 09.02.2006 - 11:33 |  |
Ja genau, lass sie halt 

Ich finde es viel wichtiger für Kinder, daß sie eine fröhliche, liebevolle Mutter haben, die sich um sie kümmert, auch mal fünfe gerade sein lässt und den Kindern zeigt, daß der 'äussere Anschein' nicht im mindesten so wichtig ist, wie das vielleicht von anderen versucht wird aufzupropfen.
Mein Tip: wenn sie das nächste Mal bei Dir ist und rummäkelt, daß die Wohnung nicht klinisch rein, antibakteriell desinfiziert ist (was ich bei Kindern ohnehin nicht sinnvoll finde im Bezug auf den Aufbau eines funktionierenden Immunsystems und überhaupt züchtet man sich so lediglich irgendwelche resistenten Keime ran) sag doch: 'ach Schwiegermutter, bei Dir ist immer alles so toll aufgeräumt und sauber, ich krieg das nicht hin, zeig mir das doch (noch)mal' und das immer wieder, so macht sie Dir die Wohnung sauber und Du hast Deine Ruhe, weil Du ja guten Willen zeigst.
Aber was meine Vermutung eher ist, daß sie eh nur irgendwas zu meckern sucht, und selbst wenn Du plötzlich zu Stepford-Frau wirst, wird sie was anderes finden. Das ist so bei so Leuten, aus irgendeinem Grund, sei es persönliche Unzufriedenheit, Langeweile, die machen andere klein um sich selber ein bisschen größer zu fühlen.
Signatur Freier Willen!
Hunde denken sie wären Menschen
Katzen denken sie wären Gott |