MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 21:40 |  |
..irgendwo war schon mal von diesem Gegenstand die Rede und diesen anschaulichen Bericht wollte ich euch nicht vorenthalten:
"Das erste was Madame Recamière mit jeder neu anlagenden Dame vornahm war, das sie sagte: " Voulez vous voir ma chambre à coucher?," sie dann unter dem Arm faßte und nach dem Schlafzimmer führte.
Das ein Schwarm von Herren, jung oder alt, diesem Zuge jedesmal folgte, muß ich dir nicht erst sagen.
Dieses Schlafzimmer mit seinem dranghängenden Bade und Boudoir ist aber auch das eleganteste, das man sehen kann.
Das Schlafzimmer ist sehr geräumig, die Hauptwände sind fast ganz mit hohen breiten Spiegeln aus einem Stücke bekleidet. Die Hinterwand des Zimmers , den Fenstern gegenüber, besteht fast ganz aus einer Spiegelplatte.
Vor dieser steht das ätherische Götterbett; ganz weiß aus aus dem feinsten indischen Zeuge: alles wie hingehaucht.
Das Bettgestell hat eine schöne antike Form uns ist unten herum äußerst reich, doch ohne Überladung mit den feinsten Bronzearbeiten verziert.
Schön geformte antike Gefäße stehen auf dem zwei Tritt hohen Rand des Bettgestells.
Ganz zurück zwei Kandelaber, jeder mit sechs bis acht Wachskerzen bestückt.
Die Krone des Bettes ist fast ganz oben in der äußersten Höhe des Zimmers am Gebälke befestigt, und von dort fallen zu beiden Seiten die köstlichen weißen indischen Vorhänge zu Boden.
Der Hintergrund besteht übrigens aus einem schweren violetten damastenen Vorhang, der von oben bis unten in schönen Falten herunterfällt und an beiden Seiten stark auseinandergeht, um die Spiegelwand so frei zu lassen, das, wenn Frau Recamiere im Bette liegt, man sie vom Scheitel bis zur Zehe im Spiegel wieder sieht...."
aus den Pariser Briefen von Johann Friedrich Reichhardt
[Dieser Beitrag wurde am 06.04.2006 - 21:44 von MadameKaya aktualisiert]
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |