Jimmy  Öffentliches Ärgernis 

Status: Offline Registriert seit: 03.01.2007 Beiträge: 334 Nachricht senden | Erstellt am 20.03.2008 - 15:00 |  |

http://31575.rapidforum.com
FORTITUDINE!
Schottisches Hochmoor nahe des Kintail Gebirges
Im Jahre des Herrn 1745
Er hörte sie kommen, sie waren schon viel zu dicht hinter ihm. Jeder Schritt schmerzte nun bis in die Rippen und er spürte, wie ihm das Blut klebrig über den Schenkel lief. Die Wolle des dunklen Jagdkilts kratzte an der wunden Haut und bereitete ihm höllische Schmerzen, aber er hatte nicht vor, sich von ihnen erwischen zu lassen.
Dennoch hatten die Hunde seine Spur aufgenommen, beinahe schon spürte er ihren schnaufenden Atem im Genick, während er selbst durch das Unterholz jagte. Wie gut, dass er als Kind so oft hier gewesen war. Er wusste, dass der Fluss bald kommen musste. Noch war es nicht so kalt, dass dieser am Ufer zugefroren war, doch schnitt ihm die kühle Luft über die Wangen, bis ihm Tränen in die Augen traten und er kaum den Blick hatte, sich zu orientieren. War es der Atem seiner Verfolger oder nur sein eigener pfeifender, der ihm in der Lunge schmerzte?
Er hatte den Fluss bald erreicht, dort vorn konnte er bereits die kleine Schlucht ausmachen. Ob er nun stolperte oder rannte, aber er musste ihn erreichen. Einen Moment strauchelte er, ein tief liegender Ast peitschte ihm ins Gesicht und er hörte das Gebell der Hunde nun so nah, als wären sie nur ein paar Schritt von ihm entfernt. Aber das Tal warf Stimmen oft von einer Seite auf die andere, es kam nicht selten vor, dass jemand sich verirrte und dann, von eigenen Schritten geblendet, ins Unglück ging.
For my love's heart brake in twa, when she kenned the Cause's fa',
And she sleeps where there's never nane shall waken.
„Und wandle ich auch im finsteren Tal…“
Es war nicht mehr als ein pfeifendes Keuchen, kaum wirklich als Gebet auszumachen, seine Lunge schien zu zerbersten, aber seine Beine trugen ihn noch. Er war von einer seltsamen Trance befallen, in der er aufhörte, nach dem Knurren der Hunde zu lauschen. Jetzt ging es nur noch darum zu rennen. Und da! Hier war der Fluss. Seine Stiefel traten in sumpfiges Gebiet, ein wenig sank er dankbar darin ein.
Es dauerte nicht lange und das Wasser drang ihm durch das feste Leder. Die langen Schilfe schnitten ihm in die Hand und der Farn, den er durchwanderte, juckte ihm an den nackten Knien. Noch einmal war es von unbändiger Anstrengung, sich durch das moorige Tal zu schlagen, doch irgendwann drangen die Geräusche und Rufe seiner Verfolger wie aus weiter Ferne zu ihm.
Seine Hand fasste einen Ast, der tief in den Fluss hinein ragte. Er schaffte es nicht; er konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Flussbett ziehen. Einen Moment ergriff ihn Panik, tief krallten sich seine Finger in den sumpfigen Hang, aber er rutschte immer wieder mit den Stiefeln ab. Sollte es nun wirklich so enden? Das wertvolle Gut, das er bei sich hatte, durfte nicht in die falschen Hände gelangen, so hatte er es sich geschworen.
Und doch sank er nach einigen Versuchen zurück ins Wasser, das seine Wange eisig umspülte und in kaltes Vergessen hinab zog.
While there's heather on the hill shall my vengeance ne'er be still,
While a bush hides the glint o' a gun, lad;
Wi' the men o' Sergeant Mòr shall I work to pay the score,
Till I wither on the wuddy in the sun, lad!*
„Ich will es sehen.“
„Ich will ihn sehen.“
Sie hatten beinahe gleichzeitig gesprochen und blickten sich nun etwas abschätzend an. Dass sie sich beide wie unschlüssige Bären anbrummten und sich uneins waren, war in den letzten Tagen nicht selten vorgekommen. MacRae wusste, dass MacKenzie nichts unversucht lassen würde, alle jakobitischen Nachrichten zu vernichten – sie aber gleichermaßen zuvor gründlich zu studieren. John MacRae waren diese Neuigkeiten im Moment herzlich gleichgültig, er wollte seinen missratenen Sohn lediglich unter den Lebenden wissen… damit er ihn übers Knie legen konnte.
Da sich der Crofter der Kate, der den Armseligen im Hochmoor gefunden hatte, etwas überfordert sah von den Befehlen der beiden Chiefs, wies John ihn an, MacKenzie das Schriftstück zu zeigen, das sein Sohn bei sich getragen hatte. Es war kaum davon auszugehen, dass der arme Mann es gelesen hatte, da er des Lesens wohl unkundig war.
Er selbst trat in den Raum vor und blieb neben der Pritsche stehen, auf der er gebettet lag. Hohes Fieber schien ihn zu plagen, Schweißperlen standen ihm auf der Stirn und seine Lippen beschrieben lediglich eine schmale Linie. Trotz allem öffnete er die Augen, die von einem seltsamen Schleier überzogen waren.
„Wofür willst du sterben, du dummer Junge? Für einen Traum? So befehle ich dir zu leben.“ Dunkle Haarsträhnen klebten dem Jüngeren am schweißnassen Hals und sein Blick wirkte trüb. Kleine Fieberschübe schüttelten den kräftigen Körper, aber John wusste, dass er seinen Befehl befolgen würde. Er musste.
„Stuart wird kommen“, erklang eine tiefe Stimme von der anderen Seite der Kate.

Eckdaten
- Wir sind ein NC-17 Board.
- Wir spielen im Jahr 1744, noch vor der Ankunft
von Bonnie Prince Charlie.
- Es handelt sich dabei um keine fiktionale Storyline, auch wenn wir von historischen Fakten abweichen werden.
- Unsere Geschichte betrifft den Clan MacRae. Darüber hinaus können auch Schotten anderer Clans, die sich den MacRae anschließen wollen, oder Engländer gespielt werden.
- Jeder hinzukommende Charakter wird in die Plotline integriert, so dass wir die Geschichte zusammen erspielen.
SGURR UARAN!
Werde zu einem Teil schottischer Geschichte!
http://31575.rapidforum.com
*The Bonnie Banks o' Loch Lomond
[Dieser Beitrag wurde am 20.03.2008 - 15:01 von Jimmy aktualisiert]
|