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Lysias Grieche

Status: Offline Registriert seit: 29.07.2005 Beiträge: 146 Nachricht senden | Erstellt am 20.08.2005 - 16:06 |  |
Lysias war ehrlich beeindruckt von Calins anscheinender Liebenswürdigkeit und er wusste sie zu schätzen. Er nickte leicht.
„Es spricht viel für deinen Herrn, dass Leibeigene freiwillig geblieben sind, wenn die Motive denn guter Natur waren, weil sie ein gutes Leben hatten oder dankbar waren...“ Lysias überlegte einen Augenblick, dann fuhr er fort: „Ich hatte ein gutes Leben, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dann kamen Söldner, dann der Krieg, Kämpfe und schließlich das hier. Ich bin jungfräulich, was das Dasein eines Leibeigenen betrifft.“ Wieder macht er eine kurze Pause. „Zumindest habe ich nie aus den Augen eines Leibeigenen gesehen.“ Wie kann ich diesem Prinzen verdenken, was mein reines Gewissen unwissentlich selber beschmutzt hat.
Dann sah er wieder Calin an. „Unglücklich scheinst du ja auch nicht zu sein.“ bemerkte er.
Allmählich machte sich in Lysias der Drang breit, erfahren zu wollen, wie die Dinge nun standen, warum er erstanden worden war.. Diese Zeichen von Freundlichkeit und Menschlichkeit rissen ihn in diesem Moment aus der geistigen Versenkung der grausamen Monotonie eines Daseins, dass man nur in Geld maß. Man hätte auch sagen können, dass seine Laune in diesem Moment nach so langer Zeit nicht die schlechteste war, was er selber an seiner Plauderhaftigkeit bemerkte und sich selbst wunderte.
Signatur Das Schweigen, unerträglich laut. Ein leeres Bild von Dir belebt kein Bild in mir. Regungslose Erwartung. Wenn die Nacht nicht enden will und der Morgen schon ganz nah, doch zu weit entfernt. Kann man schlafend erwachen? Die Welt kann noch warten, ungestört besteht die Zeit nur aus Narben an mir. Abgesehen vom Vergessen ist nichts, was bleibt. |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 20.08.2005 - 16:39 |  |
Calin

Calin lachte und lehnte sich zurück. Er fuhr mit seinen Fingern durch sein leicht wirres Haar und kratze sich dann am Kinn. "Nein, ich mich nicht beklagen. Ich sehen Länder und fremde Menschen und mein Arbeit tun an Bord was so anfallen und ich haben zwischen Arbeit viel Zeit."
Er nahm sich noch eine Olive und dachte über Lysias kurze Beschreibung seiner Situation nach. Er wußte, daß es für keinen Leibeigenen am Anfang leicht war, er selber hatte noch vor vielen Jahren einem anderen Herren gedient, der weniger menschlich war, als Prinz Nicolai. Aber das stand auf einem anderen Blatt. Er würde Lysias bei seinem neuen Leben so gut er konnte, helfen.
"Ich dich verstehen, es sein nicht leicht zu gewöhnen. Aber du mir glauben, wenn du eingelebt bist, du nicht mehr so viel ... darüber nachdenken?" Er fragte eher, ob er es richtig ausgedrückt hatte, doch nun konnte es Lysias auch falsch verstehen. "Grübeln?"
Und dann wollte er ihm ein wenig von den Menschen an Bord erzählen, doch vorerst ließ er Lysias Zeit, etwas zu sagen.
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Lysias Grieche

Status: Offline Registriert seit: 29.07.2005 Beiträge: 146 Nachricht senden | Erstellt am 20.08.2005 - 17:08 |  |
Nicht mehr darüber nachdenken? Bei den Göttern, wäre die letzten Stunden nicht so verlaufen, wie sie es getan hatten, dann hätte er eh nicht darüber nachgedacht, hätte alles über sich ergehen lassen und wäre in seiner Verkapselung seiner selbst geblieben, wenn sie sich denn nicht vollständig, irgendwann, geschlossen hätte. Lysias hätte wohl zu jedem Herren kommen können, irgendwann wäre die Außenwelt um ihn herum dumpf für ihn geworden, er hätte aufgehört nachzudenken über das, was nicht in seinem Inneren geschah. Wahrscheinlich wäre es sein langsam schleichender, mentaler, wie auch irgendwann physischer Tod gewesen.
„Wahrscheinlich würde ich erst dann wieder anfangen zu denken...“ sagte er mit einer Stimme, in der Selbstironie, freudloses Lachen und etwas Schwermütiges mitklang. „Aber vielleicht...“ sagte er sehr leise, „nein.“ beendete er den Satz für sich. Vielleicht wäre es besser so? Niemals. Leben mit einem halben Herzen, nein, was konnte kein Leben sein. Und ein neues Leben konnte es auch nicht sein. Man hat nur ein Leben, jeder Mensch. Ein neues Leben zu führen hätte geheißen, bei Null anzufangen und die Persönlichkeit wäre dahin gewesen. Denn das Leben prägt einen, und ohne diese Prägung ist man ein Nicht, wenn man behauptet, man würde ein neues Leben beginnen.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 20.08.2005 - 17:26 |  |
Calin

Calin war etwas irritiert. Er verstand Lysias gerade nicht, hörte aber die Schwankungen und Zweifel aus seiner Stimme und sah dessen Mimik. "Verzeih, ich nicht ganz verstehen, wie du meinen. Du mir mögen erklären?"
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Lysias Grieche

Status: Offline Registriert seit: 29.07.2005 Beiträge: 146 Nachricht senden | Erstellt am 20.08.2005 - 19:45 |  |
Schon als jene Worte seine Lippen verlassen hatten, war in ihm die Befürchtung gekeimt, Calin könnte danach fragen. Lysias war unachtsam gewesen, vielleicht war das eine der große Nachteile freudiger Ausgelassenheit: Man verlor den Kopf, man sprach Dinge, die nur zu Schwierigkeiten führen konnten. Obwohl er sich Calins guter Absichten durchaus bewusst war. Calin war es nicht, der etwas falsch gemacht hatte, nein, das war er selbst gewesen.
Der Grieche, scheinbar etwas überrumpelt von jenem Bitten nach Aufklärung, sah einen Moment auf das Mahl, welches zusehends schrumpfe, ließ eine Traube im Mund verschwinden und zwischen seinen Brauen bildete sich eine kleine, steile Falte.
„Es ist so...“ begann er ruhig und suchte innerlich nach Worten. Einer Ausrede. In Wahrheit setzte er viel zu sehr selbst unter plötzlichen Druck. „Ich denke... ich denke, ich sollte dankbar sein, hierher gekommen zu sein. Aber es ist mir seltsam egal, oder zumindest drängt sich mir dieser Gedanke auf.“ Eindrücke sind nur ein dumpfes Pochen in meinem Kopf. „Selbstschutz.“ versuchte er die Kurve zu kriegen. „Ich denke ich habe mich selber stumpf werden lassen. Ich habe nicht nachgedacht, zu wem ich kommen könnte. Ich glaube es wäre mir egal gewesen... oder ist.. oder – ach ich weiß es nicht.“ Selbstschutz, das nahm er als Ausrede. Dass es wirklich so war, daran dachte er keine Sekunde. Er war außer Stande das auch nur im Ansatz zu erkennen.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 20.08.2005 - 19:56 |  |
Calin

Selbstschutz.Calin mußte sich dieses Wort erst ienmal auf der Zunge zergehen lassen. Sich selber schützen müssen vor ... Demütigungen, Schmerz und Angst. Langsam verstand er, oder glaubte er es. Für einen Moment schaute er nach oben. Hörte er da seltsame Geräusche? Schreie ...? Er schmunzelte. Denn er kannte es schon. Sein Herr hatte Damenbesuch und plötzlich mußte Calin husten.
Dann sah er Lysias von unten herauf schelmisch grinsend an. "Verzeih ...." Er nahm schnell ein Schluck Wasser.
Dann wurde er wieder ernster. "Ja, ich glaube zu verstehen, was du meinen. Du nicht frei. Du Sklave. Das sein richtig. Und man reden darüber. Aber ich dir wollen etwas erzählen: Ich dich glauben zu verstehen, aber ich hatten Wahl. Wahl zu sterben oder zu leben. Nicht von Prinz, aber egal. Ich mich haben entschieden zu leben - wenn auch in Diensten. Aber ich leben gerne!" Er lachte herzhaft. "Ich leben gerne, essen gerne und ich mögen mEnschen. Das alles ich nicht erleben, wenn ich hätte anders entschieden ..."
Er sah sein Gegenüber an und er hoffte, daß er nicht weiter fragte.
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Lysias Grieche

Status: Offline Registriert seit: 29.07.2005 Beiträge: 146 Nachricht senden | Erstellt am 21.08.2005 - 17:32 |  |
Lysias hörte sich die Worte Calins ruhig an und sinnte einen Moment über sie nach. Calin hatte sich entschieden? Zwischen dem Tod und einem Leben in den Diensten anderer Menschen. Jeder Leibeigene konnte sich zu jeder Zeit die Wahl geben, ob er nun sterben oder leben wolle. Er hatte es erlebt. Damals auf dem Gut der Familie. So muss erwähnt werden, dass die Familie die Sklaven stets recht gut behandelte, sehr viel humaner als es andere Herren getan haben. Sie hatten es recht gut und Aufstände hatte es tatsächlich, bis auf ein paar schwarze Schafe, noch nie gegeben. Allerdings war Lysias in den letzten Monaten Zweifel daran gekommen, ob jener eine wirklich ein schwarzes Schaf war. Der Dunkelhäutige hatte es beendet, sein Leben in Leibeigenschaft, mit dem Werkzeug für die Feldarbeit. Warum hatte man nie erfahren können, doch sogar die anderen Sklaven zeigten Bestürzung und Unverständnis. Und so hat man ständig die Wahl, aber ein selbst erwählter Tod war feige, so war es Lysias immer vorgekommen, vielleicht war das ein Grund, warum er noch immer lebte.
Er leerte den Becher wein und aß die letzten Reste des Fladenbrotes, riss kleine Stücke davon ab und schob sie sich in den Mund.
„Du lebst gern? Das möchte ich nicht anzweifeln. Es ist ein gutes Zeichen, nun, ein mehr oder weniger gutes Zeichen, wenn ein Leibeigener die Gedanken an ein Leben der Selbstbestimmung aufgibt – falls du das getan hast.“
Hatte er das auch getan? Ja. Aber es hatte ihm nicht genützt und ihm kein Seelenheil gebracht sich damit abzufinden, nicht mehr sein eigener Herr zu sein. Ohne es zu merken hatte er eine viel zu große Gleichgültigkeit und unterschwellige Angst entwickelt.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 21.08.2005 - 19:41 |  |
Calin

Calin sah Lysias nun ein wenig enttäuscht an. "Du nicht verstehen. Du mich wohl sogar verachten? Weil ich gernen leben, trotz Sklave? Ich haben ein Stück Selbstbestimmung. Aber ich haben nicht viel Wahl, wenn du meinen das. Warum ich sollen flüchten, leben in Höhlen, in Verstecken. Es gehen mir hier besser, als wenn ..."
Er verstummte und blickte zu Boden. Dann sagte er leise: "Wenn du möchten ich fragen bei Prinz nach, ob er sprechen dich wollen ..."
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Lysias Grieche

Status: Offline Registriert seit: 29.07.2005 Beiträge: 146 Nachricht senden | Erstellt am 21.08.2005 - 21:37 |  |
Lysias nahm die Enttäuschung wahr, welche sich in Calins Gesicht spiegelte. Ihn verachten? Nein, er verachtete ihn nicht. Warum sollte er das auch tun? Nur, weil der Sklave hier bei seinem Herrn glücklich war? War das Damian damals nicht auch gewesen? War er nicht auch freiwillig auf dem Gut geblieben, damit sie sich einander nah sein konnten? Das hatte Lysias genossen, aber vielleicht hatte er sich nie die nötigen Gedanken gemacht und aus den Augen Damians hatte versucht zu sehen. Ebenso wenig wie aus denen Calins, und er fühlte ein leises Gefühl der Reue, ein Gefühl, dass er lang nicht mehr wahrgenommen hatte.
Mit einer fließenden Geste hob er eine Hand, als beschwichtige er die Wellen eines Missverständnisses und sah Calin direkt an. „Ich wollte dich nicht kränken... Es scheint, als habe ich die Sensibilität eingebüßt, das tut mir Leid. Es ist gut, dass du dich wohl fühlst, das ist dein gutes Recht...“ Vielleicht bist du einfach zu missmutig, gar hoffnungslos, Lysias. dachte er still und ein ungutes Gefühl überkam ihn, als er sich seiner fehlenden Sensibilität, die er früher einmal besessen hatte, bewusst wurde.
Vielleicht war es auch gut, das Gespräch – für dieses mal – hier zu beenden und so nickte er leicht auf Calins Frage hin und gab ein gedämpftes „Ja...“ von sich, „frag’ ihn ruhig...“ Lysias wurde still.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 23.08.2005 - 14:52 |  |
Calin

Calin lächelte wieder ein wenig. War er gekränkt, fragte sich der junge Sklave dann. Nein, nicht wirklich. Und dann lachte er: "Ach, es sein schon gut. Auch du dir nicht machen zuviel Sorgen. Ich gehen fragen. Und du dich ausruhen, wenn du mögen. Ich sein bald zurück!"
Calin stand auf und zwinkerte Lysias nun fröhlich zu. Er räumte ein paar Sachen von dem Essen weg, in dessen Schüsseln nichts mehr war. Den Rest ließ er stehen. Und dann verließ er die Koje und brachte die Sache in die Kombüse. Danach machte er sich auf den Weg zu Nicolai.
TBC: Nicolais Zelt
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