Gnaarf Triefauge der Entfesselte
      

Status: Offline Registriert seit: 13.06.2004 Beiträge: 539 Nachricht senden | Erstellt am 22.03.2007 - 20:48 |  |
Es gab furchtbar schlechtes Wetter. Um nicht zu sagen deprimierend feuchtkalt. Einen Tag nachdem meine Freundin angekommen ist. Also:
Departed - Unter Feinden: Ist von Scorsese und mit Leo DiCaprio, Matt Damon und Jack Nickolson. Erstere solide, letzterer gewohnt genial. Es geht um die State Police Massachusetts, das FBI und das organisierte Verbrechen. Jede Partei hat in jeder Spione und alle schweben die ganze Zeit in Gefahr entdeckt und getötet zu werden. Das ist unheimlich spannend und mit vielen Schimpfwörtern garniert. Thematisiert wird Vertrauen, Loyalität, Machtgier und der übliche Kram. Die Qualität des Films liegt wohl in der tollen Inszenierung und dem manchmal cineastisch-ironischen Augenzwinkern. (Sehr) Gut gemachte Unterhaltung.
8/10
The Prestige: Zwei Trickkünstler gegen Ende des 19. Jahrhunderts versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Ein sehr düster gehaltener Film im schmuddeligen London. Es geht um die (recht satanische) Hingabe, mit der die beiden Protagonisten ihr Lebensziel verwirklichen wollen, der beste Magier zu sein. Sehr viele Wendungen, sehr düster, gute Charakterstudien, ziemlich spannend. Plus jetzt weiß ich auch wer Scarlett Johnson ist. Vielleicht einen Hauch zu dick aufgetragen und wenn man die Augen zu macht, sieht man weiße Tiger, aber muss man trotzdem gesehen haben, denke ich.
7/10
Delicatessen: Ist von 1991 und Jean-Pierre Jeunet, dem Amélie Regisseur. Man hat so das Gefühl, man betrachte ein Frühwerk. So einen kleinen surrealistischen Drogentrip mit charmanter Liebe zum Detail. Teils die gleiche Besetzung wie bei Amélie, nur ohne Toutou. Story: Postapokalypse und einsames Haus am Stadtrand. Ein Metzger schaltet Mieteranzeigen und schlachtet Hausbewohner, die er für Mais, die offizielle Währung, verkauft. Im Untergrund harren die vegetarischen Troglodysten mit großen Scheinwerfern auf der Stirn. Der Protagonist, ein Künstler, zieht ein und interagiert mit den eigenwilligen Hausbewohnern. Der Wahnsinn ist gut, überzeugt aber nicht in allen Konstruktionen. Vielleicht mal nach ner halben Flasche Absinth probieren.
6/10
Der Kaufmann von Venedig: Shakespeare Verfilmung von 2004 mit Al Pacino und Jeremy Irons. Leider das Stück nicht gelesen. Gute Optik, hervorragender Al Pacino als Shylock, der Jude. Story: Bester Freund des Kaufmanns Antonio (Irons) braucht Geld, welches dieser trotz Reichtum ihm gerade nicht leihen kann. Antonio bittet den von ihm verachteten Juden Shylock um das Geld und bekommt es. Unterpfand: Wenn er das Geld in drei Monaten nicht zurückzahlt, darf der Jude ein halbes Kilo Fleisch aus dem Kerl schneiden. Sollte vielleicht sehen, wer das Stück gelesen hat.
-/10
The Straight Story: Ist von 1999 und David Lynch. Wems jetzt gruselt oder wem das Wasser im Munde zusammenläuft, der wird überrascht. Keine Postmoderne, kein narrativer Kabelsalat, no offensive content. Verfilmt wird eine wahre Begebenheit: Ein alter Mann aus Iowa möchte seinen Bruder wiedersehen, mit dem er sich vor 10 Jahren zerstritten hat. Weil er kein Auto mehr fahren und sich kaum mehr bewegen kann, tritt er die sechswöchige Reise auf seinem Rasenmäher an, an dem er einen Anhänger befestigt. Unterwegs trifft er allerhand Leute, Amerika eben (vielleicht doch mit einem Hauch Lynch). Aber eigentlich geht es um die letzte Reise eines alten Mannes. Gespielt wird Straight von Richard Farnsworth, der unter starken Schmerzen drehte und wegen Krebs einige Monate später verstarb. Ein wirklich sonderbarer und bewegender Film, der ganz sicher zu den besten gehört, die ich je gesehen habe.
10/10
Aviator: Wieder Scorsese und wieder Leo DiCaprio, dazu Cate Blanchett und Kate Beckingsale. Der fast drei Stunden lange Film befasst sich mit der historischen Person Howard Hughes, Hollywood Produzent, Industriemagnat, leidenschaftlicher Flieger und Frauenheld. Manko: Psychisch gestört und Waschzwang. Genau darum gehts: Erfolg, Perfektion, Glamour vs. Absturz, Wahnsinn und Shizophrenie. DiCaprio spielt wirklich gut, das ganze ist trotz Megaüberlänge fesselnd erzählt und mit vielen guten Ideen versehen. Gut gelöstes Ende.
8/10
Das Leben der Anderen: Ein deutscher Film mit Oscar, wer sagts denn! Wahrscheinlich haben ihn die meisten schon gesehen. Es geht um das Innenleben eines anfangs stark linientreuen Stasiagenten, der sich während der Bespitzelung eines Künstlers langsam verändert. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass es in diesem Film um die DDR oder irgendeine Form der Aufarbeitung geht. Es geht eher um eine zeitlosere Geschichte von Menschen, Macht, Gewissen und so fort. Ich war vor allem beeindruckt von Ulrich Mühe in der Hauptrolle. Einfach sagenhaft wie dieser Mann seine Emotionen nach außen schauspielert. Ganz großes Kino eben.
10/10
Ach ja: Falls jemand Wer früher stirbt, ist länger tot noch nicht gesehen hat: Sollte man auch auf jeden Fall nachholen. Mein Vertrauen in das Medium Film wurde in dieser Woche auf jeden Fall wieder komplett hergestellt.
Signatur "Wenn ich ans Mathestudium denke, stelle ich mir eine Schüssel Kartoffelsalat vor." (meditativer Aphorismus über das Studieren im Ausland; Baltikum, neuzeitlich) |
SCCH][Agrajag Triefauge der Entfesselte
      

Status: Offline Registriert seit: 30.06.2004 Beiträge: 555 Nachricht senden | Erstellt am 27.03.2007 - 14:57 |  |
Von denen allen kenne ich nur den Aviator. Den fand ich durchaus ansehbar, wobei ja bekannt ist, dass ich mir Filme wegen Cate Blanchett ansehe. Ich fand allerdings, dass er sich in seiner Länge etwas verliert. Ist so ähnlich wie mit "Ray", den ich im gleichen Zeitraum gesehen habe, sicher auch ein toller Film aber der Zuschauer zeigt Ermüdungserscheinungen und der Film erklärt nicht so ganz, wieso es ihn eigentlich geben muss.
Also kriegt der Aviator von mir nur 7.
Signatur Dass Gott, oder was es ist, durch das Vergnügen im Beischlaf den Menschen zur Fortpflanzung gezogen hat, ist doch bei Kants höchstem Prinzip der Moral auch zu bedenken.
--Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher |
SCCH][Agrajag Triefauge der Entfesselte
      

Status: Offline Registriert seit: 30.06.2004 Beiträge: 555 Nachricht senden | Erstellt am 27.03.2007 - 14:58 |  |
Von denen allen kenne ich nur den Aviator. Den fand ich durchaus ansehbar, wobei ja bekannt ist, dass ich mir Filme wegen Cate Blanchett ansehe. Ich fand allerdings, dass er sich in seiner Länge etwas verliert. Ist so ähnlich wie mit "Ray", den ich im gleichen Zeitraum gesehen habe, sicher auch ein toller Film aber der Zuschauer zeigt Ermüdungserscheinungen und der Film erklärt nicht so ganz, wieso es ihn eigentlich geben muss.
Also kriegt der Aviator von mir nur 7.
Signatur Dass Gott, oder was es ist, durch das Vergnügen im Beischlaf den Menschen zur Fortpflanzung gezogen hat, ist doch bei Kants höchstem Prinzip der Moral auch zu bedenken.
--Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher |