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Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Eine Kultur lebt vor allem in der Mannigfaltigkeit ihrer Berufe. Jeder von ihnen bringt, abgekapselt in seiner Zelle, für sich Gesichtsausdrücke, Kleidung, Sprachen, Haltungen, rührende oder scherzhafte Anekdoten, eine Pädagogik, eine Moral hervor. ![]() Es ist noch früher Morgen, wenn die letzte Ziege zum Melken ansteht. «Anstehen» ist übertrieben, naschen doch die Tiere links und rechts, folgen ihrer Ziegennase bis in die entferntesten Spitzen eines Strauchs, und gäbe es nicht die Pfiffe des Hirten, würde das Melken noch lange dauern. Unter dem mit Binsen geschützten Vordach prasselt ein Feuer. Aus der Hütte raucht es. Ein zweiter Hirte, beugt sich über den Kessel und rührt in gestockter Milch. Später leert er sie in hochwandige Körbe, die auch dem Käse den Namen geben: «Canestrato». ![]() Eine blasse Flüssigkeit rinnt aus dem Geflecht in einen Behälter. Es ist die Molke. Der Hirt giesst sie in einen Kessel, zieht ihn über das Feuer und legt erneut Holz nach. Bevor die Molke siedet, fügt er einen Strahl frischer Milch dazu und einen Tropfen Weinsäure zum Gerinnen. Auf diese ureinfache Art, gestützt auf älteste Bauerntradition, entsteht der Ricotta. ![]() Das Handwerk, wie es die Hirten hier noch ausüben, hat zwar eine in Sizilien verwurzelte, aber verschwindende Tradition. Der zylinderförmige Käse aus den Binsenkörben erreicht die Stadtmärkte immer seltener, denn die europäischen Bestimmungen über Hygiene und Herstellung beginnen auch auf Sizilien zu greifen. Besonders davon betroffen sind der frische handgeschöpfte Ricotta und der Caciocavallo, ein Verwandter des Mozzarella. Die Hirten käsen in der wilden Karstlandschaft der Madonie, wo Stechpalmen- und Eichenwälder das Bild prägen. ![]() In diesen Wäldern tummeln sich die halbwilden Schweine, deren Schinken eine rare Delikatesse abgibt. | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
![]() Als «Orchidee der Liparischen Inseln» werden die blühenden Kapern besungen. Ihre Schönheit mit den langfingerigen Staubfäden stellen sie im Sommer zur Schau. In diesen Monaten ist auch die Ernte der kugeligen grünen Würze, eben der Kapern. Diese sind nicht die Früchte des Strauchs, sondern seine Knospen und sie müssen frühmorgens, bevor die schöne «Orchidee» sich auftut, von Hand abgelesen werden. Denn gute Kapern haben fest geschlossene Köpfe. Ihre Grosse selber sagt weniger aus, als oft behauptet wird. Obwohl es von dieser Gewürzpflanze viele Sorten gibt, verwilderte und wilde, haben alle dieselbe Vorliebe für Wärme und durchsonnte Böden. Es sind Bedingungen, die die sizi-lianischen Vulkaninseln Pantelleria und Salina aufweisen. Pantelleria liegt in Sichtweite vor dem tunesischen Kap Mustafa, also näher an Afrika als an Italien. Salina ist die zweitgrösste der Liparischen Inseln und schwelgt in einer Vegetation, die sie zum Paradies für Botaniker macht. Dass beide Inseln den Boden für legendäre Weine haben, ist bestimmt auch kein Zufall. Kapernsträucher kriechen strubblig über Ackerböden, ranken an Mäuerchen entlang und prangen in jedem Haus. ![]() | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
History of Sicily in one hundred seconds | |||
<Gästin> unregistriert |
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Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Wer Sizilien wirklich kennenlernen will, darf das Landesinnere nicht aussparen. ![]() | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
![]() Luigi Pirandello Der Rauch Kaum kamen die Schwefelarbeiter, keuchend und todmüde, aus der Tiefe ihres »Lochs« nach oben, so war das erste, was ihre Augen suchten, das Grün des fernen Hügels, der im Westen das weite Tal abschloß. Auf dieser Seite sah man nichts als dürre, von dunklem Tuffstein gefleckte, von den Schwefelgruben wie von lauter riesigen Ameisenhaufen durchlöcherte und vom Rauch verbrannte Hänge, auf denen seit langem kein Grashalm mehr wuchs. Auf dem Grün jenes Hügels aber ruhten die entzündeten Augen aus, wenn das Licht nach all den Stunden in der Finsternis drunten schmerzte. All denen, die die Brennöfen mit Rohmineral zu füllen hatten, die das Schmelzen des Schwefels überwachten oder unter den Öfen selbst damit beschäftigt waren, den verbrannten Schwefel aufzufangen, der langsam und zäh wie dicke schwärzliche Ölhefe in die Formen lief, linderte der Anblick des fernen Grüns auch die Atemnot, die Beschwerde des beißenden Rauchs, der sich in der Kehle festsetzte und zu den grausamsten Krämpfen und Erstickungsanfällen führen konnte. Die Trägerjungen warfen die Last von den zerschundenen Schultern, setzten sich auf die Säcke, um ein wenig Atem zu holen, über und über beschmutzt von dem tonhaltigen Grundwasser, das in den Schächten stand und die glitschige, zerbröckelte Treppe des »Lochs« hinabrann; sie kratzten sich den Kopf, und über den glasigen Schwefeldampf hinweg, der, aus den entzündeten Brennöfen aufsteigend, in der Sonne zitterte, schauten sie nach jenem Hügel hin und dachten an das Leben auf dem Land, das für sie ein fröhliches Leben in freier Luft, im Sonnenschein, ohne Gefahr und ohne schwere Mühe war, und beneideten die Bauern. »Die waren glücklich!« Kurz, der ferne Hügel war für sie alle so etwas wie ein Traumland. Von dort kam das Öl für ihre Lampen, die nur mühsam die dichte Finsternis der Grube erhellten; von dort das Brot, jenes kernige, schwarze Brot, das sie den ganzen Tag lang der viehischen Anstrengung widerstehen ließ; von dort der Wein, ihre einzige Erholung am Abend, der Wein, der ihnen Mut und Kraft gab, jenes verfluchte Leben auszuhalten, wenn man es überhaupt Leben nennen konnte, was sie da drunten unter der Erde wie lauter geschäftige Tote führten. Die Bauern des Hügels dagegen spuckten aus, wenn sie auf jene Hänge des Talgrunds blickten: »Puh!« Das dort war ihr Feind: der Rauch, der alles verwüstete. Und wenn der Wind von drüben kam und den erstickenden Gestank des verbrannten Schwefels herübertrug, dann betrachteten sie besorgt ihre Bäume und verwünschten heimlich jene Narren, die nicht davon ablassen wollten, ihrem Glück das Grab zu schaufeln, die, nicht zufrieden, das ganze Tal verwüstet zu haben, als seien sie neidisch auf dieses einzige Fleckchen Grün, mit ihren Spitzhacken und Brennöfen auch noch in ihr Land einbrechen wollten. Alle behaupteten in der Tat, auch unter dem Hügel müsse Schwefel vorkommen. Jene Kämme aus Kieselkalkstein, und weiter unten das Auswitterungsgeröll zeigten es deutlich; und die Bergbauingenieure hatten das Gerücht mehrfach bestätigt. Aber die Eigentümer des Landes hatten, obwohl sie ständig mit großzügigen Angeboten überlaufen wurden, niemals den Grund verpachten wollen, sondern nicht einmal aus Neugier der Versuchung nachgegeben, eine kleine Probe aufs Exempel zu machen. Dort lagen ihre Felder unter der Sonne hingebreitet, und alle konnten sie sehen: zwar kamen schlechte Jahre, aber die guten brachten dann den Ausgleich; die Schwefelgrube hingegen war ein finsteres Loch, und wehe, wenn man hineingeriet! Das Gewisse für das Ungewisse hinzugeben, das wäre ein rechter Narrenstreich gewesen. Diese Erwägungen, die jeder Eigentümer des Hügels ständig im Sinn des andern befestigte, sollten wie eine Verpflichtung für alle sein, gemeinsam der Versuchung zu widerstehen; denn sie wußten nur zu gut, wenn einer nachgäbe und sich eine Schwefelgrube in ihrer Mitte auftäte, dann würden alle in Mitleidenschaft gezogen; und hätte erst einmal die Zerstörung ihren Anfang genommen, so würden bald sich neue Höllenschlünde öffnen und in ein paar Jahren alle Bäume und alle Pflanzen tot sein, vergiftet vom Rauch; und dann ade, Grün des Landes! ![]() Luigi Pirandello *1867 † 1936 Nobelpreis für Literatur 1934 "Für die kühne und geistvolle Erneuerung des italienischen Dramas und Theaters". Quelle | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Die Fastenzeit war für uns eine Zeit der traurigen Gesichter. Um uns herum war alles mit dem Leiden und dem Tod von Jesu beschäftigt. Besonders in der Karwoche, wurde fast ununterbrochen der Rosenkranz gebetet. Wir Kinder sollten den Leidensdruck Jesu spüren und nachempfinden. ![]() Ende des 18. Jahrhunderts gab es allein in Palermo mehr als achtzig Klöster, von denen die meisten ihre eigene Kirche hatten. Und alle diese Kirchen hatten ihren Ruhealtar und waren prachtvoll geschmückt. Nach einem jahrhundertealten und noch heute bestehenden Brauch wurde der Schlüssel einem Jungen anvertraut, der ihn bis zum Ostersamstag in Verwahrung hatte. Kirchen und sakrale Einrichtungen Kunst in Palermo Webcam Palermo [Dieser Beitrag wurde am 05.04.2009 - 10:18 von Eliane aktualisiert] | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Das vielleicht typischste sizilianische Gericht aus Nudeln und Fisch heisst | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Milva | |||
Eliane ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden |
Aus einzig und allein sizilianischen und daher unerklärlichen Gründen wurde der Karfreitag, ein Tag der Trauer und frommer Andacht, zum Anlass, die Kinder zu verkleiden. | |||
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