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FinnBenits
unregistriert

...   Erstellt am 03.04.2006 - 15:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da ich Wochenende meistens nicht on kommen kann, kommt meine FF eben heute!


Lucius Malfoy – Ansichten eines Todessers


Prolog

Was macht einen Zauberer aus?
Sein Erfolg? Seine Freunde? Seine Herkunft? Seine Macht? Seine Träume? Seine Taten?
Manche rätseln über diese Frage ihr ganzes Leben lang. Für andere ist die Antwort schnell und eindeutig.
Das Blut ist der Schlüssel zu allen anderen aufgeführten Dingen. Je reiner das Blut, desto privilegierter ist man.
Doch was kann schon ein einzelner dafür, was sich in seinem Blut mit einander vermischt?
Eine Streitfrage, auf die nie jemand reagieren will.
Egal ob Reinblüter oder Schlammblut, wird man nicht immer irgendetwas auszusetzen haben?
Eine einfache theoretische Fragen, die schon seid Jahrhunderten die Gemüter magischer Menschen erhitzen.
Doch so versessen man auch auf das perfekte Blut ist, irgendwo hat jede Linie ihre Anfänge in muggelgeborenen Menschen. Selbst die verbohrtesten wissen dies, auch wenn sie sich nie ihre unveränderlichen Wurzeln eingestehen würden.
Ich selbst entstammte einer solchen reinen Familie, auch wenn mir die Bedeutung und Ehre, die mir dadurch zuteil wurde, nie viel bedeutete.
Ich wünsche niemandem eine Familie wie die meinige, die für ihre Ideale in den Tod ging.
Doch auch mir erging es nicht wesentlich besser. Zwölf Jahre in Askaban haben einen anderen Menschen aus mir gemacht. Einen Menschen, der manche Dinge mit anderen Augen sah, als er nach langer Zeit wieder den kühlen Wind spürte.
Mein einziges Glück war mein Patenneffe. Doch wie wenig Zeit blieb uns nur? Ich glaube, es waren nur knapp zwei Jahre, doch mein Gedächtnis mag mich auch trügen.
Ich war wohl von meinem plötzlichen Tod am meisten überrascht. Wer rechnet auch schon damit, außer man besitzt die magische Gabe die Zukunft vorherzusehen.
Vielleicht wusste ich am Anfang nicht einmal, dass ich tot bin. So genau erinnere ich mich nicht mehr. Doch ich weiß, dass ich zum ersten Mal wirklich glücklich war. Endlich niemand mehr, der mir sagte, was ich wie zu tun habe. Niemand, der mir befahl, dass ich mich zu verstecken habe.
Erst nach einiger Zeit fielen mir kleine Dinge auf. Ich wusste, was geschehen war. Ich wusste, was gerade geschah. Und ich wusste im groben, was noch geschehen wird. Doch ich wusste nicht, was ich bin.
Weder bin ich ein Geist, noch ein Mensch. Ich bezeichne mich gerne als Schatten, der sich frei bewegen, sich jedoch nie verständlich machen kann.
Ich bin nicht allwissend, dennoch will ich euch etwas erzählen, was ihr vielleicht so noch nie betrachtet habt. Ich kenne nun eine Wahrheit, von der einige wohl leugnen mögen, dass es sie gibt.
Ich könnte euch alles erzählen. Wie es wirklich war, als die Potters starben und Voldemort fiel. Ich könnte euch Reaktionen erzählen, die ihr vielleicht nicht vermutet hättet.
Doch ich werde euch nur einen kleinen Teil der Geschichte liefern. Ich werde das Handeln einer Person versuchen zu erklären, von der ich nie eine besonders gute Meinung hatte. Doch wahrscheinlich ist er die interessanteste Person mit den interessantesten Motiven unter Voldemorts Gefolgsleuten.
Ich zeige euch etwas, was ich selbst nie gedacht hätte. Ich zeige euch jemanden, von dem ich nie geglaubt hätte, dass ich einmal mit ihm sympathisieren würde.
Ich zeige euch die Wahrheit über Lucius Malfoy.
Ich bin Sirius Black.

Kapitel 1 – Nächtlicher Besucher

Unruhig tigerte Lucius Malfoy im Salon von Malfoy Manor auf und ab.
Eine unerklärliche Unruhe hatte ihn aus dem Schlaf gerissen und lies ihn nun nicht wieder in angenehme Träume zurückgleiten.
Wieso war er so nervös?
Er wusste es nicht. Doch bei einem Mann wie ihm, die Beherrschung in Person, war das ein warnendes Zeichen.
Gedämpft hörte er seinen einjährigen Sohn Draco in einem der oberen Stockwerke schreien, doch er kümmerte sich erst gar nicht darum. Seine Frau, Narzissa, würde schon reagieren, auch wenn sie dafür erst einmal das warme Bett verlassen musste.
Tatsächlich verstummte das Geschrei nach kurzer Zeit.
Erleichtert seufzte Lucius und massierte sich die Schläfen.
Das letzte, was er jetzt noch gebrauchen konnte, waren Kopfschmerzen.
Langsam schritt er zu einem kleinen Tischchen an der gegenüberliegenden Wand, auf dem zahlreiche Karaffen und bauchige Flaschen standen.
Mit geübten Handgriffen entstöpselte er eine Karaffe mit bernsteinfarbenem Inhalt und füllte ein Kristallglas einen fingerbreit mit dem süßen Alkohol.
Zu seiner Verwunderung bemerkte er, dass seine Hände leicht zitterten und wütend schob er sie in die Taschen seines Anzuges.
In diesem Moment betrat Narzissa fast lautlos den Salon.
Sie trug einen dunklen Morgenmantel aus Seide. Ihr blondes Haar umrahmte unordentlich ihr schmales Gesicht und ihre großen, blauen Augen schauten ihn müde an.
„Lucius, was machst du hier?“, fragte sie ihn verwirrt und strich sorgfältig eine kleine Falte an dem mit blumenbestickten Ärmel glatt.
„Das geht dich nichts an“, fauchte er ärgerlich.
Er konnte schlecht zugeben, dass er es nicht einmal selbst wusste. Nicht ihr gegenüber. Er wollte sie nicht enttäuschen, hielt sie ihn doch für eine starke Persönlichkeit, auf die sie immer vertrauen konnte.
Energisch griff er sich das Glas und stellte sich mit dem Rücken zu ihr an eines der großen Fenster, die nach Süden und direkt in den prachtvollen Garten des Hauses hinaussahen.
Ein tosender Sturm fegte durch die Büsche und rüttelte an den Fenstern. Unbändiger Regen peitschte gegen das Glas, während über alledem der runde und vollkommene Mond als stummer Zuschauer thronte.
Schweigend stand Lucius da und starrte in die Nacht. Er sah sein eigenes Spiegelbild und wie schon sooft in letzter Zeit war er erschrocken über seine Verwandlung.
Sein Haar war noch genauso lang und weißblond wie immer, doch seine Zügen wirkten nun hart. Die grauen Augen blickten kalt und unerbittlich und selbst in einem Moment wie diesem, in dem er doch eigentlich zufrieden sein sollte, brannte der überhebliche Stolz in seinem Herzen.
Wie hatte er sich doch nur verändert. Er, der doch eigentlich nur seine Familie beschützen wollte, fand nun Gefallen am Morden und Quälen. Wie würde er erst in zehn Jahren sein? Es würde ihn nicht weiter verwundern, wenn er dann nichts mehr fühlen würde. Weder Liebe noch Reue. Das einzig verbliebene wäre dann wohl Hass und sein unüberwindbarer Stolz.
Mit einer Bewegung, die so makellos erschien, als wäre sie tausendfach geprobt worden, wandte er sich wieder Narzissa zu.
Wie stolz war er auf diese Frau. Sie war schön, klug, stolz und genauso reinblütig wie er selbst es war. Wie es jeder in der Zaubererschaft hätte sein sollen. Ja, er spürte immer noch die Liebe zu ihr, auch wenn die heiße Glut nur noch teilweise aufflammte.
Urplötzlich wurde Lucius aus seinen Gedanken gerissen.
Ein lautes, dröhnendes Hämmern an die Eingangstür kündigte von einem nächtlichen Besucher, der wohl ebenfalls nicht in betörenden Träumen schwelgen konnte.
Durch die mächtigen Schutzzauber über das Anwesen konnte niemand ungebeten das Haus betreten. Es sei denn, man öffnete dem Besucher wohlwollend die Türe.
Natürlich war sofort ein emsiges Tapsen zu hören, als sich einer der Hauselfen auf den Weg machte, um zu öffnen.
Durch die nur angelehnte Salontüre konnte Lucius ein schüchternes Piepsen vernehmen, als der Elf dem Gast öffnete und ihn begrüßte. Nur undeutlich vernahm er die Antwort, doch er war sich sicher, dass es sich nur um einen Mann handeln konnte.
Offenbar versuchte der Elf den Mann zu überreden morgen wieder zu kommen, jedoch schien er damit keinen Erfolg zu haben.
Jedoch schien der Besucher auch nicht allzu geduldig, denn ohne Zögern hörte man ihn einen Schockzauber murmeln, als auch schon seine schnellen Schritte auf dem Gang zu hören waren.
Alarmiert zog Lucius nun ebenfalls seinen Zauberstab in dem Glauben, dass sogleich eine ganze Horde Auroren hereingestürmt kam. Und hätte er noch genug Zeit gehabt, hätte er sich wohl auch schützend vor Narzissa gestellt.
Umso überraschter war er, als ein großer, hagerer Mann mit langem, schwarzen Haar, schwarzen Augen und blasser Haut seinen Salon betrat.
„Severus, was willst du hier? Ich denke es war ausgemacht, dass du mit keinem Todesser Kontakt haben sollst, solange du in Hogwarts unterrichtest“, herrschte er ihn in einem plötzlichen Anfall von Ärger an.
Mit einer kurzen Kopfbewegung deutete er ihm an den Mund zu halten.
„Das spielt im Moment keine Rolle mehr“, zischte er und zum wiederholten Male staunte Lucius über die Kälte, die in jeder seiner Gesten zu stecken schien. „Der Dunkle Lord ist fort.“
Verwirrst starrte er Severus an.
„Fort? Was meinst du mit fort?“
Doch innerlich wusste Lucius sofort, was er meinte.
Alles war schief gegangen. Der Dunkle Lord war gefallen. Wie und wobei, das herauszufinden würde wohl eine halbe Ewigkeit dauern, doch nun mussten sich die treuen Gefolgsleute erst einmal selbst schützen. Sich, ihr Leben und ihre Familien.
Schnell warf er Narzissa einen kurzen Blick zu. Diese war mit unnatürlich blassem Gesicht in einem der Lehnsessel zusammengesunken und starrte mit glasigen Augen ins Leere.
Lucius verspürte einen leichten Anflug von Reue. Er hatte sie dazu gedrängt, dass sie sich mit dem Kreis der Todesser beschäftigte und nun schwebte auch sie in großer Gefahr und musste die Tätigkeiten des Ministeriums fürchten, auch wenn sie nie das Dunkle Mal in Betracht gezogen hatte. Doch nichts schmerzte so sehr, wie der Gedanke, seine Frau und den Nachkommen seiner Linie, seinen Sohn Draco, zu verlieren.
In welche gefährlichen Machenschaften hatte er seine Familie nur mit hineingezogen?

Kapitel 2 – Überraschender Brief

Einige lange und scheinbar endlose Tage vergingen.
Die Zaubererschaft befand sich in einem waren Freudentaumel und selbst eine Muggelzeitung berichtete über unerklärliche Vorfälle, die man jedoch nicht in Verbindung mit Zauberei brachte.
Jeden Tag tauchten neue Meldungen über gefasste Todesser oder angebliche Opfer des Imerpius-Fluches auf. Noch immer wurde irgendwo gekämpft, doch der Widerstand wurde merklich schwächer.
Doch auch wenn sich viele eine Beteiligung der Familie Malfoy an den Taten des Dunklen Lords vorstellen konnte, konnte das Ministerium weder Beweise für diese Anschuldigung finden, noch wagte man es, grundlos eine der reichsten und angesehensten Zaubererfamilien zu beschuldigen, auch wenn man Lucius bereits zu einem Verhör geladen hatte, dass jedoch nichts belastendes hervorbrachte.
Innerlich atmete Lucius erleichtert auf, jedoch wurde er bei jedem weiteren seiner öffentlichen Auftritte scharf beobachtet, als erwarte man nur, dass er sich durch eine unbeherrschte Reaktion verriet.
Niemand hatte bis dahin eine Erklärung für das Verschwinden des Dunklen Lords gefunden, doch den meisten schien es ohnehin egal. Hauptsache sie konnten wieder frei und ohne Ängste durch die Straßen gehen.
Lucius hatte in den endlosen Tagen des Wartens mit keinem der anderen Todesser Kontakt aufgenommen. Was hätte dies auch gebracht?
Nun musste erst einmal wieder ein Anflug von Ruhe und Ordnung einkehren, bevor sie ihren nächsten Schritt planen konnten.
Es war diesmal eine klare Nacht, als er den Brief erhielt. Die Sonne hatte dem jungen Neumond erst vor wenigen Augenblicken ihren Platz am Firmament überlassen, als ein leises, aber vernehmliches Klackern wie ein Peitschenhieb die Stille im Salon durchbrach.
Unwillig hob Lucius den Blick von der neusten Ausgabe des Tagespropheten, den er unter dem warmen Licht eines Kerzenhalters gelesen hatte und bemerkte den großen und edlen Uhu, der fast schon vornehm vor dem Fenster saß.
Augenblicklich dämmerte es ihm, was dieser Vogel zu bedeuten hatte.
Er kannte nur eine Person, die sich so ein außergewöhnliches Tier zu legen würde und diese war immer schon so etwas wie der Liebling des Dunklen Lords gewesen.
Bellatrix Lestrange.
Seufzend erhob sich Lucius aus dem gemütlichen Sessel und öffnete das Fenster.
Der Uhu stieß nur einen schrillen Schrei aus, lies einen schwarzen Umschlag direkt vor seine Füße fallen und verschwand dann gespenstisch leise in der Nacht.
Selbst der Vogel nimmt schon ihre arrogante Verhaltensweise an, dachte er spöttisch und las den Brief vom polierten Parkettboden auf.
In verschnörkelter Schrift und mit silberner Tinte geschrieben leuchtete sein Name auf der Vorderseite des Umschlages. Auf der Rückseite prangte das in Wachs gepresste Wappen der Familie Black zu der sich Bellatrix immer noch zählte, auch wenn sie nun schon seid einiger Zeit mit Rodolphos Lestrange verheiratet war.
Ohne zu zögern brach er das Siegel auf und überflog den Inhalt.
Bellatrix rief eine Versammlung ein, an der alle Todesser teilnehmen sollten. In einer knappen Stunde im ehemaligen Hauptquartier des Dunklen Lords.
„Kaum ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch, was Bellatrix?“, flüsterte er verächtlich und hielt den Brief in die Kerzenflamme bis er zu einem unförmigen Haufen geschwärztes Pergament zusammengeschrumpelt war.
Er hatte Bellatrix Art noch nie sonderlich gut leiden können, auch wenn er zugeben musste, dass sie eine gute Todesserin war.
Schnell schob er den Gedanken von sich. Er musste Vorbereitungen treffen. Vielleicht wurde er ja schon längst vom Ministerium überwacht.
„DOBBY!“, brüllte er laut.
Nur wenige Sekunden vergingen, als der Hauself angelaufen kam. Er trug ein kümmerliches Stück Stoff, was man unter größten Bemühungen noch als altes, grüngemustertes Geschirrtuch erkennen konnte.
„Ihr habt mich gerufen, Meister“, brachte der Elf atemlos hervor und machte eine tiefe Verbeugung, sodass er mit der langen Nase den Boden berührte.
„Hol sofort die Sachen, die ich zur Verwahrung unter dem Boden des Esszimmers gelagert habe“, herrschte er ihn an.
„Wie der Meister befiehlt“, stotterte er mühsam und verbeugte sich wieder.
„SOFORT habe ich gesagt, also beweg dich“, brüllte er erneut.
Wie konnte man solche Wesen nur als zuverlässig betrachten? Verabscheuungswürdig war das einzige, was auch nur annähend auf sie zutraf.
Überstürzt flüchtete der Elf aus dem Salon, bevor Lucius erst richtig in Rage geraten konnte. Dafür betrat Narzissa den Saal, angelockt von seinem Geschrei und mit Draco auf dem Arm.
„Was ist los?“, fragte sie ruhig, doch Lucius bemerkte sofort die aufflackernde Beunruhigung in ihren Augen.
„Nichts“, brachte er mürrisch hervor. Er wollte ihr nicht zu viel erzählen, sodass sie bei einem Verhör wahrheitsgemäß sagen konnte, dass sie von nichts gewusst hatte.
Doch manchmal besaß sie zu seinem Leidwesen die Intuition ihrer Schwester Bellatrix.
„Mach mir nichts vor, Lucius. Weswegen solltest du sonst so einen Aufruhr veranstalten? Gibt es etwa Neuigkeiten bezüglich des Dunklen Lords?“
In ihrer Stimme schwang ein Anflug von Hoffnung mit. Eisig starrte er sie an und schwieg.
Durch die sich ausbreitende Stille hörte man das eilige Tapsen von Dobbys Schritten, als er, so schnell ihn seine kurzen Füße trugen, zurück gerannt kam.
„Eure Kleidung, Meister“, jappste er unterwürfig, wobei er tunlichst den Blickkontakt mied, und reichte Lucius das sorgsam zusammengelegte Kleiderbündel.
Sobald Narzissas Blick darauf fiel, wusste sie Bescheid. Er konnte ihre Angst um ihn förmlich spüren.
„Wenn etwas unvorhergesehnes passiert, weißt du, was zu tun ist“, flüstert er ihr leise zu, küsste sie und Draco auf die Stirn und verlies das Haus, um außerhalb der Schutzzauber zu apparieren.

Kapitel 3 – Die Versammlung der Todesser

Nur wenige Momente später tauchte Lucius auf dem dunklen Friedhof in Little Hangleton auf. Ein lauer Wind fuhr zwischen den unzähligen, halb zerfallenen Gräbern hindurch und lies die wenigen, spärlich belaubten Bäume rascheln.
Abweisend sah er sich um. Er hatte nicht das geringste Bedürfnis an einer Zusammenkunft teilzunehmen, die unter den Fittichen von Bellatrix ruhte.
Sein Blick wanderte zu dem großzügigen und beeindruckenden Haus auf dem Hügel. Nicht ein Lichtschimmer war zu erkennen, doch das musste nichts bedeuten.
Langsam machte er sich daran, den von Wildpflanzen überwucherten Pfad hinauf zu erklimmen und verfluchte dabei in Gedanken die Person, die sich zu dieser Zeit diesen Ort ausgesucht hatte, der Apparieren in einem Umkreis von etlichen Meilen unmöglich machte.
Ein wenig außer Atem und mit leicht gerötetem Gesicht stand er schließlich vor dem einst schönen Anwesen und spürte sofort, dass er nicht der erste war. Ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Magie lag über dem Haus und schien jedem ungebetenen Besucher eine stumme Drohung entgegenzuschleudern.
Ohne sich auch nur darum zu kümmern, stieß Lucius das mächtige Eichenportal auf, das ihn immer wieder an das undurchdringbare Portal von Hogwarts erinnerte.
Kaum hatte er die Schwelle des Hauses übertreten kaum einer der bereits anwesenden Todesser aus dem Zimmer zu seiner rechten angelaufen.
Im herrschenden Dämmerlicht erkannte er mühsam Augustus Rockwood.
„Wie viele sind schon da?“, verlangte er zu wissen, ohne den Spion im Ministerium zu begrüßen.
„Alle bis auf Karkaroff, Snape und diese feige Ratte Pettigrew“, erklärte Augustus ohne Umschweife.
Lucius lag schon die Frage auf der Zunge, wieso sich Pettigrew diesen Titel verdient hatte, doch er wurde harsch von einer rauen Frauenstimme unterbrochen, die ihn und Rockwood zurück in den Saal beorderte.
Mit undurchdringlichem Gesichtsausdruck betrat Lucius den Saal und stellte mit einem Anflug von Wut fest, dass außer den genannten wirklich jeder anwesend war. Selbst Mcnair hatte sich loseisen können und da wagten es Karkaroff nicht zu erscheinen? Das Severus fehlte, konnte er unter größter Zügelung seines Ärgers noch verstehen, doch dass sich der verhasste Animagus Pettigrew nicht hertraute, war geradezu eine Schande.
Bellatrix stand wie ein leibhaftiger Todesengel am Kopfende einer langen Tafel, an der die Todesser Platz genommen hatten. Betont langsam lies sich Lucius auf einen der wenigen noch freien Plätze fallen und verschränkte abwartend die Arme.
„Nachdem nun der wahrscheinlich letzte auch endlich eingetroffen ist“, begann Bellatrix und warf ihm einen vernichtenden Blick zu, „können wir mit der Versammlung der Todesser endlich beginnen.“
„Wie wär’s, wenn du uns erst einmal erklären würdest, weswegen wir überhaupt hier sind“, fuhr ihr Antonin Dolohow dazwischen, der als einziger am Kamin lehnte über dem noch ein bereits eingestaubter Kessel hing.
Auch ihn strafte Bellatrix mit einem kalten Blick, da sie sich nun offensichtlich zur Befehlshaberin über die Todesser aufgeschwungen hatte.
„Natürlich wegen des Dunklen Lords, du Idiot“, fauchte sie verärgert und wandte ihm provokativ den Rücken zu.
„Das Verschwinden unseres Meisters ist euch allen kein Rätsel mehr“, begann sie von neuem, wobei man jedoch sofort wieder einige geflüsterte, aber dennoch spöttisch Bemerkungen vernehmen konnte, die Bellatrix geflissentlich ignorierte. „Doch nun wissen wir wahrscheinlich den Grund für diesen Zustand.“
Schlagartig wurde es vollkommen still im Saal, sodass sich auf Bellatrix Zügen ein kaltes Lächeln ausbreitete, als hätte sie mit dieser Reaktion gerechnet.
„Schuld daran ist ein Junge, ein Kind. Der Sohn von James und Lily Potter. Harry Potter, ein Jahr alt und ein Halbblut.“
Einen Moment saßen alle wie geschockt in ihren Stühlen, während die letzten Worte wie ein Donnerschlag nachhallten.
Plötzlich brach Nott am anderen Ende der Tafel in lautem Gelächter aus, wodurch er sofort jeden Blick auf sich lenkte.
„Willst du uns verspotten, Bellatrix?“, brachte er trotz dem amüsierten Funkeln in seinen Augen mit einem Hauch von Ärger hervor. „Willst du den Dunklen Lord verspotten? Glaubst du im Ernst, dass ein Baby dazu fähig wäre? Denk daran, du redest hier über den mächtigsten Magier unserer Zeit.“
Zustimmendes Gemurmel waberte durch den Raum.
„RUHE!“, rief Bellatrix wütend und funkelte dann den Unruhestifter an. „Ich bin mir dessen völlig bewusst, doch sollten wir nicht ganz außer Acht lassen, dass der Dunkle Lord niemals die Idee gehabt hätte, die Potters, zwei der engsten Vertrauten von Dumbledore, zu töten, wenn nicht einer von uns ihm diesen Vorschlag unterbreitet hätte.“
„Und wer soll das gewesen sein? Denk daran, du beschuldigst gerade einen aus unseren eigenen Reihen, Schuld am Verschwinden unseres Meisters zu sein“, ertönte es in der Nähe von Nott, ohne dass Lucius genau erkennen konnte, um wen es sich handelte.
„Peter Pettigrew“, stieß Rodolphos, Bellatrix Ehemann, neben ihr hervor und ballte die Faust. „Diese kleine Ratte hat uns alle verraten oder warum glaubt ihr, ist er hier nicht aufgetaucht? Weil er feige ist. Er ist nicht würdig, das Dunkle Mal zu tragen.“
Verächtlich spuckte er auf den Boden.
„Und was gedenkt ihr deswegen zu tun?“, mischte sich nun Lucius ein, der bisher scheinbar teilnahmslos auf seinem Platz gesessen und den unterschiedlichen Vorwürfen gelauscht hatte.
„Was schon? Wir werden ihn finden und töten“, meinte Bellatrix und runzelte über soviel Fantasielosigkeit nur leicht die Stirn.
Lucius musste sich sehr anstrengen um es nicht Nott nach zu tun und ebenfalls zu lachen.
„Du unterschätzt diesen Dummkopf ein wenig. Er ist sich seiner Schuld schon längst bewusst, sonst wäre er ja wohl jetzt hier, würde naiv vor sich hinstarren und bedeutungslosen Unsinn schwafeln. Der ist sicher schon längst über alle Berge und verkriecht sich bei seinen langschwänzigen Freunden in irgendeinem Loch. Außerdem hält ihn doch sowieso schon der größte Teil der Zaubererschaft für tot, nachdem er sich mit deinem wehrten Cousin ein Duell auf offener Straße geliefert hat.“
Mit einer Spur von Hohn musterte er Bellatrix, die während seiner Worte immer wütender zu werden schien. Jeder seiner Punkte schien ihr nur allzu vertraut, doch offensichtlich hatte sie sich darüber noch keine detaillierten Gedanken gemacht.
„Nun, wenn du so gut Bescheid weißt, kannst du uns doch sicher einen Rat aus deiner unerschöpflichen Weisheit geben“, spottete sie aggressiv.
Lucius legte leicht den Kopf schief, sodass eine blonde Haarsträhne leicht über seine Schulter fiel. Er kannte Bellatrix gut genug um zu wissen, dass sie ihn jetzt bei auch nur einem falschen Wort sofort ins offene Messer laufen lies. Er hatte sie in Frage gestellt und darauf reagierte sie zumeist höchst allergisch. Eine weitere Sache, die sie mit ihrer Schwester gemeinsam hatte.
Er schwieg eine scheinbar endlose Zeit bis er endlich sprach.
„Wir sollten nichts tun und abwarten bis sich die Aufregung gelegt hat. Sollten wir jetzt noch einmal aktiv werden, würde man uns sofort als Todesser entlarven und wir können alle für den Rest unseres Lebens in Askaban sitzen und darauf warten, dass wir wie Flubberwürmer vor uns dahinvegetieren.“
Auf seinen Vorschlag hin breitete sich sofort eine lautstarke Diskussion an der Tafel aus, bei der Lucius zu seiner Freude feststellte, dass ein großer Teil seiner Idee zustimmte. Doch Bellatrix war der Meinung, dass nur ihre Einfälle zu verwirklichen waren.
„RUHE!“, brüllte sie erneut durch den Saal und schlagartig kehrte wieder eine Totenstille ein. „Wir werden nicht stillschweigend herumsitzen und diesen ganzen Haufen Schlammblüter ihrer Wege gehen lassen. Das hätte der Dunkle Lord nicht zugelassen und ich werde das ebenfalls nicht zulassen.“
Sie schwieg eindrucksvoll und sah alle reihum an, wobei ihr arroganter Blick besonders lange an Lucius hängen blieb.
„Wenn du dieser Meinung bist, Lucius, dann vertrittst du nicht die Vorstellungen der Todesser.“
Dieser Vorwurf traf ihn schmerzhafter als der Cruciatus-Fluch. Er sollte nicht hinter den Vorstellungen der Todesser stehen? Hatte er dem Dunklen Lord falsche Informationen geliefert oder Pettigrew?
Doch eine kleine Stimme in seinem Kopf gab Bellatrix recht. Er hatte sich den Todessern zwar aus freiem Willen angeschlossen, doch er war in erste Linie immer besorgt um seine Familie. Der Dunkle Lord und die Todesser kamen erst an zweiter Stelle. War diese Reihenfolge für einen Reinblüter wie ihn vielleicht falsch?
Lucius schwieg verwirrt vor sich hin. Dieser Gedanke machte ihn so nachdenklich wie schon lange etwas nicht mehr. Waren die Veränderungen, die er in letzter Zeit in seinem Charakter bemerkt hatte, vielleicht die richtige Richtung auf dem Weg der Dunkelheit und der Todesser?

Ein paar Wochen nach der Versammlung saß Lucius in Gedanken versunken in seiner Bibliothek und starrte abwesend aus dem Fenster. Noch immer spukte ihm Bellatrix Vorwurf im Kopf herum und lies ihn schlecht schlafen.
Unbewusst tippte sein rechte Zeigefinger auf einen Artikel im neusten Tagespropheten, der noch eindrucksvoll mit einigen Bildern ausgeschmückt worden war.
Bellatrix, Rodolphos, Augustus, Antonin, Barty Crouch... Alle in Askaban gelandet, wie ich es gesagt habe. Allesamt Narren, aber sie wollten ja nicht hören, dachte er verbittert.
Er verspürte einen Hauch von Genugtuung, dass er schlauer als sie gewesen war, doch er war sich nur allzu bewusst, dass er nun einer der letzten Todesser war, die noch frei herumliefen.
Es würde sicherlich wieder eine Zeit kommen in der sie ihre alte Macht zurück erlangen und ihr Werk beenden würden, doch bis dahin konnte eine Menge Zeit vergehen.
Seufzend strich Lucius über die Bilder der Verurteilten, über die der Autor des Artikels nicht unbedingt ein Blatt vor den Mund nahm.
Diese Zeit konnte er ja auch zu seinem Vorteil nutzen. Er konnte Bellatrix Vorwurf widerlegen. Sollte sie Askaban je wieder verlassen, würde sie einen Lucius Malfoy vorfinden, der nichts mehr mit dem jungen, fast noch naiven Mann aus vergangenen Tagen zu tun hatte.
Sie würde jemanden sehen, der voll und ganz hinter den Überzeugungen des reinen Blutes stand. Doch Lucius würde auch gleichzeitig beginnen seine eigene Zukunft zu sichern. Er würde einen perfekten Nachfolger für sich ausbilden und dann würde die Familie Malfoy unvergesslich werden. Durch den Ruhm und die Ehre, die er und sein Nachfolger anhäufen und vermehren würden. Lucius und Draco Malfoy.

Epilog

Lucius Malfoy...
Ist euch nun klar, weswegen er so ist wie er ist? Nicht die größenwahnsinnigen Ideale eines fehlgeleiteten Mannes. Nur der Stolz eines reinblütigen Menschen vermischt mit den angreifenden Worten einer Rivalin.
Solltet ihr je jemandem wie ihn begegnen, dann betrachtet nicht nur den äußeren Schein, den sie um alles auf der Welt aufrecht erhalten wollen, denn oft liegt erst hinter der Fassade der wahre Wert. Oft tun sich erst dort die richtigen Ansichten auf und zeigen, wonach der Mensch sich richtet.
Dies war der Teil der Geschichte, den ich euch erzählen wollte.
Ich weiß nicht, ob ihr mir glaubt.
Ich weiß nicht, ob euch die Art, wie ich versuchte habe euch das Geschehene zu vermitteln, gefallen hat.
Doch ich hoffe, dass ihr das wesentliche im Gedächtnis behaltet, denn manchmal ist auf den ersten Blick nichts so, wie es vielleicht zu sein scheint.
Ich danke euch, dass ihr das vielleicht langweiligen Geschwätz eines Schattens gelesen habt.
Wer weiß, was das Schicksal mir nun noch zu bieten hat. Und vielleicht sehen wir uns irgendwann einmal wieder. Auch wenn ihr mich dann wahrscheinlich nicht bemerken werdet, werde ich dennoch über euch wachen.
Denn ihr kennt nun die wahre Geschichte über Lucius Malfoy.

[Dieser Beitrag wurde am 03.04.2006 - 15:28 von FinnBenits aktualisiert]





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