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Schrotti
unregistriert

...   Erstellt am 14.11.2009 - 16:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


LOSE IT

Das Leben ändert sich, Menschen auch, aber nie die Momente, die man mit ihnen erlebt hat. Und wenn man sich einmal aus den Augen verliert, ist alles möglich, auch das, was man bisher für unmöglich gehalten hat. Und so ist es nun geschehen. Meine damalige Liebe war nun verlobt, glücklich und auf Wolke sieben. Traurig und allein saß ich in unserem damaligen Stammcafé und trank eine Tasse Tee, und hoffte das vergessen zu können, was das Einzige war, was uns noch verband. Ich nippte noch einmal an meinem Tee, bevor ich die Tasse absetzte und die neue Kurzmitteilung las.

Hey Schwesterherz. Wo bist du? Wollten uns alle nachher bei Kenzie treffen. XO Stu

Ich musste schmunzeln. Der Abend war schon länger geplant und natürlich sollte er auch dabei sein. Zum letzten Mal nahm ich einen Schluck vom Tee, danach machte ich mich auf den Weg zu meinem Bruder.
Langsam schlinderte ich die Straße entlang und konnte es nicht verstehen. „ich werde dich vermissen und immer auf dich warten“ waren seine Worte. Und wie man sieht hat er mich schon vor langem aufgegeben. Wie konnte es nur passieren?

Als ich bei meinem Bruder zuhause ankam, begrüßten mich schon seine Frau und mein Neffe Jamie. Stuart war nun 27 und glücklich mit Jenny verheiratet. Und damit ihr Glück noch perfekter wurde, bekam sie vor 3 Jahren einen Sohn. Ich hingegen war fast 5 Jahre jünger als mein Bruder, um genauer zu sein 4 ½ Jahre. Damals, als ich 19 war, verließ ich England für einige Jahre um in Deutschland studieren zu können. Mein Studium dauerte auch insgesamt 4 Jahre, die Zeit, in der nun das Unmögliche möglich wurde. Doch bevor ich nach Deutschland kam lernte ich den schönsten Menschen auf Erden kennen: Lee. Er war schon immer der beste Freund meines Bruders und auch so verstanden wir uns super, trotz des Altersunterschiedes. Als ich noch kleiner war, passten seine Freunde und mein Bruder immer auf mich auf, wir haben immer so viel Mist gebaut. Kurz bevor ich geflogen bin kamen wir uns näher, doch leider war die Zeit zu kurz und er versprach mir zu warten. Ich konnte es mir selber nicht vorstellen, weswegen der Schmerz noch größer wurde. Wir waren auch davor noch nicht zusammen gekommen, da es eigentlich nichts an der Situation geändert hätte. Und nun war ich wieder zurück in England, ohne, dass Lee sich jemals wieder bei mir gemeldet hatte, glücklich, nur ich nicht. „Was wollen wir denn machen?“ fragte ich und starrte Jenny dabei hilflos an, was sie leider nicht bemerkte. Jenny kannte ich leider nicht allzu gut, da Stu sie während meines Auslandsaufenthaltes kennen lernte. „Na ja, Jamie wird nachher zu euren Eltern gebracht. Er bleibt dort für’s Wochenende. Kenzie will ja die Party schmeißen. Es wurde so lange nichts mehr gemacht. Willst du etwa nicht hin?“ „Doch, doch“ entgegnete ich ihr. „Aber?“ fragte sie, als wenn sie wusste, was los war. „Nichts, ich freue mich auch. Hey, ich bin 22! Ich freu mich auf’s feiern“ spielte ich glücklich und schaute Jamie beim spielen zu. „Also, geh mal nach oben und mach dich fertig, hopp, hopp!“ lächelte Jenny Jamie an. Sie nahm ihn an die Hand und begleitete ihn nach oben, wo sie schon mal alles für ihn fertig machte. Ich saß noch alleine im Wohnzimmer und schaute mir die Wohnung an. Überall hangen Fotos von dem Kleinen, allen drei oder auch Hochzeitsfotos von Stu und Jenny. Es ist schade, dass ich so viele schöne Momente verpassen musste. Und dann sah ich zwei alte Fotos von mir und Stu. Ich stand auf und lief zu der Wand, direkt neben einem kleinen Schrank. Auf dem einen Foto waren Stu und ich noch klein. Ich saß bei ihm auf dem Schoß und lachte, weil er mich auskitzelte. Auf dem anderen waren wir schon Jugendliche. Er stand hinter mir und umarmte mich. Plötzlich hörte ich, wie die Tür ins Schloss fiel. „Na, in der Vergangenheit versunken?“ grinste er mir zu und gesellte sich zu mir. „An das Foto kann ich mich gar nicht mehr erinnern“ sagte ich und zeigte auf das Bild, wo wir noch klein waren. „Ja, ich aber. Es war schön“ schwelgte nun auch er in Erinnerungen. „Bist du schon fertig?“. Ich schaute ihn verwirrt an. „Ach, ach so! Nee, ich muss mich noch umziehen. Gib mir zwei Minuten“ lächelte ich und zog mich schnell um. Ich trug einen schwarzen Rock, der ungefähr bis zu den Knien ging, dazu ein beige-farbenes Top. „Man, je älter du wirst, desto besser siehst du aus“ „Dankeschön!“ errötete ich und freute mich riesig über sein Kompliment. Wie gesagt machten wir uns dann auf den Weg zu unseren Eltern, wo wir Jamie absetzten, danach machten wir uns auf den Weg zu Kenzie, der die Party schmiss. Lee war Gott sei Dank noch nicht da. Dafür waren viele andere Leute da. Alte Freunde, die ich nun endlich mal wieder sehen konnte, oder neue Leute, wo ich die Chance hatte, neue Freundschaften zu knüpfen. Das Haus war ziemlich groß und auch Kenzies Partykeller war übertrieben groß. Er hätte daraus eine Disco machen können. Trotz allem waren die Leute im ganzen Haus verteilt. Kleine Häppchen standen auch überall verteilt. „Elena!“. Oh man, wie ich dieses Lächeln vermisste. „MUS!“ kreischte ich fast und umarmte ihn hektisch. Wir standen im Wohnzimmer. „Wie geht es dir? Oh man, es ist so lange her“ lächelte ich verstohlen, was er sich natürlich nicht entgehen ließ. „Ja, das stimmt. Mir geht’s gut. Und dir? Alles okay? Wanderst du nun bald aus?“. Mus lächelte so verdammt süß. „Ach, was!“ „Möchtest du was trinken?“. Ich nickte und er holte schnell Getränke. Nebenbei sah ich Kenzie, wie er zu der Tür lief. Ich drehte mich um und sah Lee mit seiner Verlobten an der Hand, wie sie Kenzie begrüßten und herein kamen. Lee sah mich für einen kurzen Moment an und ich war geschockt. „Elena? Dein Glas“. „Oh, tut mir Leid“ entschuldigte ich mich und nahm direkt einen Schluck. „Wow, du musst aber durstig sein“ „Mhm…“ murmelte ich nur und trank es auf ex aus. „Jen, ich geh mal runter, schauen wer so da ist“ meinte Stu nur und war dann wie vom Erdboden verschlungen, so schnell war er unten. Jenny lächelte nur und schüttelte dabei den Kopf. Wie sie seine Art liebte. „was würde ich nur ohne ihn machen?“ „Wahrscheinlich keine Babys mehr“ grinste Marina. „Ja, wahrscheinlich! Wie läuft’s nun bei dir und Chris?“ „In Arbeit“ schämte sich Marina. „Wieso wirst du denn rot?“. Jenny begann sie zu piesacken. „Ach, du weißt ja“. Chris stand am anderen Ende des Raumes, mit einem Glas in der Hand und unterhielt sich mit einigen Leuten. Marina riskierte einen schüchternen Blick, und wie aus dem Nichts lächelte Chris sie an. Verlegen lächelte sie zurück und drehte sich leicht weg. „Er hat mich angelächelt!“ hibbelte sie vor Freude herum. „Na siehst du, ist ja schon mal ein Anfang!“. „Sie hat gelächelt!“ schwärmte Chris. Lee drehte sich um. „Na dann mal ranhalten, was?“. „Ja, aber du! Krieg du mal lieber deine Hochzeit hin“. Lee nahm einen Schluck vom Bier und grinste. „Ich bin soweit, du aber nicht“. „Apropos: Hast du Elena schon gesehen?“. Lee starrte ihn verwirrt an. „Meinst du Stus Schwester?“. Chris nickte stumm und wartete seine Reaktion ab. „Ja, vorhin, wo ich gekommen bin. Aber jetzt habe ich sie nicht mehr gesehen“. „Ach so“ „Wieso?“ hinterfragte Lee das Ganze mit einer hochgezogenen Augenbraue. Chris riss seine Augen unschuldig auf. „Ich frag nur, beruhig dich“. Der Abend wurde immer später und die Party immer besser. Ich hatte meinen Spaß mit Mus auf der Tanzfläche. Den ganzen Abend lang musste ich auch nicht mit Lee reden, ihn sehen oder an ihn denken, worauf ich mächtig stolz war. „Du tanzt echt gut“ flüsterte Mus mir dann ins Ohr. Ich musste lächeln. „Dieses Kompliment kann ich nur zurückgeben“. Als das Lied zu Ende war, war ich schon ganz außer Puste. „Ist es okay, wenn wir mal ne Pause machen?“ „Klar. Willst du noch was Trinken?“. Ich nickte und setzte mich auf das Sofa, was ein wenig Abseits in der Ecke stand. Ich durchstöberte die Menge und sah plötzlich Lee mit seiner Verlobten tanzen. Und wieder war ich in meinen Gedanken versunken.

What If I Could Turn Back Time Tonight
Play Fighting Games With You
Like We Used To
And You Could Say Its Gonna Be Alright
But These Days Are Gone
I Never Forget It
Cause I Had The Time
Of My Life

Oh Maybe We Were Just
Too Young
Hanging Out
Having Fun
On The Mainstreet
Living It Like We Would Live Forever
But You've Gone Away
Like A Runaway Train
Watching An On That I Miss You Like Crazy
Sometimes
Oh Maybe We Were Just
Too Young
We Were Just Too Young

It Was Always You and Me
Against The World
Breaking Every Rule
That Was To Break
Living In A Film Where A Boy Meets Girl
But You Disappeared Not Saying A Word
Still I Had The Time Of My Life

Oh Maybe We Were Just
Too Young
Hanging Out
Having Fun
On The Mainstream
Living It Like We Would Live Forever
But You've Gone Away
Like A Runaway Train
Watching An On That I Miss You Like Crazy
Sometimes
Oh Baby We Were Just
Too Young
We Were Just Too Young

Tell Me Do You Feel Like I Do
Or Is It Just A Memory

Oh Maybe We Were Just
Too Young
Hanging Out
Having Fun
On The Mainstreet
Living It Like We Would Live Forever
But You've Gone Away
Like A Runaway Train
Watching An On That I Miss You Like Crazy
Sometimes
Oh Maybe We Were Just
Too Young
Hanging Out
Having Fun
On The Mainstreet
Living It Like We Would Live Forever
But You've Gone Away
Like A Runaway Train
Watchin An On That I Miss You Like Crazy
Sometimes
Baby We Were Just Too Young
We Were Just Too Young


Auch er erwiderte meinen Blick. Doch ich konnte nicht mehr, ich schaute weg. Mus war dann auch schon wieder da. „Mus?“ „Hm?“. Er hatte so ein schönes Glänzen in seinen Augen. „Macht’s dir was aus, wenn ich mal kurz nach oben gehe und frische Luft schnappe? Irgendwie geht’s mir nicht so gut, die Luft ist so stickig“. Er nickte nur verständnisvoll. „Soll ich mit hochkommen, falls was sein sollte?“ „Ach, was“ lächelte ich zuversichtlich und ging die Treppen hoch. „Gott sei Dank“ murmelte ich und fand ein stilles Plätzchen in der Küche. Ich nippte an meinem Glas. Gott, ich will nicht wissen, wie viel Alkohol ich schon intus hatte. Plötzlich bemerkte ich nur auf mich zukommende Schritte. Ich hob meinen Kopf leicht an und sah Lee. Na super, nun hatte ich in den Salat. „Elena?“. Ich lächelte gequält und setzte mich wieder aufrecht hin. „Wie geht’s dir?“. Er setzte sich direkt neben mich. „gut, die Luft war nur ein wenig stickig“. Plötzlich begann er wieder so süß zu lachen. „Ja, das stimmt. Hier ist es viel angenehmer“. STOPP! Was ist angenehmer? Die Luft oder das wir zwei hier alleine sind? Oh man, ich glaube der Alkohol hatte seine Wirkung echt nicht verfehlt. Ich entschloss mich meinen Mund zu halten. „Wie war Deutschland?“ „Na ja, was soll ich sagen? Ich fand’s klasse und bereue es gar nicht, dort hingegangen zu sein“. Lee nickte nur und trank sein Bier leer. „Glaube ich dir. Es freut mich, dass es dir gefallen hat und dass du die Möglichkeit hattest“. MOMENT MAL! Das wird ja immer schlimmer! Will er damit sagen, dass er es mir gegönnt hat und mich niemals aufgehalten hätte, weil er mich… glücklich sehen wollte? Also für heute Abend keinen Alkohol mehr, definitiv! Ich blinzelte einige Male mit den Augen, weil mir auf einmal so schummerig wurde. „Ist alles in Ordnung?“. Ich kniff meine Augen zusammen, zählte bis 10 und öffnete sie dann wieder. „Ella?“. Verzweifelt legte er seine Hand auf meine Stirn. Direkt klatschte ich seine Hand weg. Erschüttert und überrascht sah er mich an. „ja, dir geht’s wieder besser“ sagte er mit einem verbissenen Unterton. „ja, tschuldigung, was packst du mich auch an?“ ätzte ich ihn an. „Hallo? Deine Augen…“. Er hielt inne. „Ist ja auch egal“. Die Situation beruhigte sich wieder. „Und? Hast du einen… Freund?“ stockte er ein wenig. JA! Die Frage fiel ihm schwer. Oder ich bilde mir wirklich alles ein? Ich glaube, dass in der Nacht eh alles egal war. „Elena?“. Verdammt, ich dachte zu lange nach. „Ja, na ja“ stotterte ich. „Ich hatte einen, in Deutschland, um genauer zu sein. Doch leider musste ich Deutschland wieder verlassen, da ich mit dem Studium fertig war und dann,… ja, dann war es wie Schnips! Vorbei mit der Beziehung. Aber so eine ähnliche Geschichte kennst du ja, nur, dass er sich noch meldet“ stänkerte ich ihn an und stand auf. „Was soll das denn heißen?“ fragte er genervt. „Willst du mir nun Vorwürfe machen?“ „Ich? Dir?“. Ich brach in lautem Gelächter aus. „Quatsch, wieso sollte ich? Geh mal lieber deine Verlobte suchen“ murrte ich und lief wieder die Treppen runter. Doch plötzlich bemerkte ich nur ein Vibrieren aus meiner Tasche. Ich sah auf den Display. „New Text Message“. Ich schmunzelte und begann zu lesen. „Hey, Ella. Ich konnte nicht anders, als dir zu schreiben. Wie geht es dir? Du fehlst mir, Phil“. Ich hüpfte fast vor Freude in die Luft und schrieb ihm gleich zurück. „Worauf freust du dich denn so?“ fragte auf einmal Lees Verlobte. „Ach, nichts, weiter“ lenkte ich ab. „Suchst du deinen Verlobten?“ fragte ich sie mit einem Hauch von Eifersucht. „Ja, hast du ihn gesehen?“ „Hm, er sitzt in der Küche“ wies ich sie darauf hin und lief wie ausgewechselt nach unten zu den anderen. Ich erzählte direkt Stu davon. „Hey, ist doch super. Will er dich mal besuchen kommen?“. Auf einmal zerbrach meine Welt wieder. „ich… Ich… Wir haben nie darüber gesprochen… Nie so wirklich…“ „Ach, wird er bestimmt machen. Wir lange wart ihr denn zusammen?“ „Fast 2 Jahre“ „wow, na dann dürfte ja nichts schief gehen“ stimmte nun auch Jenny zu. Ich zuckte mit den Schultern und nahm wieder einen Cocktail in die Hand. Das war sowieso schon egal, denn der Kater am nächsten Morgen war schon vor Stunden festgelegt worden.

Am nächsten morgen wachte ich mit dem schlimmsten Kater meines Lebens auf. „Uh, scheiße…“ murmelte ich und zog mir die Decke über den Kopf. Plötzlich kam nun Stu herein gestürmt. „Telefon!“ grinste er. „Los, beeil dich, ist wichtig“. Ich bewegte mich noch so gut wie gar nicht. „Okay, Ella! Ich sage Deutschland, dass England noch pennt…“. Stu konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich das Telefon in der Hand hatte. „Phil?“ fragte ich aufgeregt. „Guten Morgen!“. Es war so schön wieder seine Stimme gehört zu haben. „Habe ich dich etwa geweckt?“ „Ach, was! Gestern war’s nur ne lange Nacht. Wie geht es dir? Was machst du?“ quetschte ich ihn direkt aus. Ich saß lächelnd und voller Freude auf meinem Bett, sodass ich gar nicht bemerkte, wie Stu noch in der Tür stand und sich für mich freute. „Mir geht es gut. Du fehlst mir nur…“ „Du mir auch“ erwiderte ich traurig. Nun sagte keiner von uns beiden was. „Sag mal“ begann ich. „Hm?“ „Wie wäre es denn, wenn du mich mal hier besuchen würdest?“. „Also.. Ich meine… Das wäre wunderbar!“ freute sich Phil. „ich schaue mal eben nach Flügen“. Ich begann zu lachen. „Du sag mal, ist das Anrufen nicht ein wenig teuer?“ „Ach, was! Für dich ist nichts zu teuer“ bekam ich wieder eins seiner süßen Komplimente. „Wenn du willst, kann ich nächste Woche da sein. Habe einen Flug noch erwischt“ „Wow!“. Ich konnte es noch immer nicht fassen. „Und wie lange willst du bleiben? Ich meine… Du musst doch auch arbeiten und deine Freunde, deine Familie“. Nun war Funkstille. „Philip?“ „Ja?“ „Was los?“ „Ich überlege“ lachte er. „Hm, lass dich überraschen!“ meinte er plötzlich. „Okay…“. Ich hörte danach, wie Phil was am tippen war. „Na jut, ich habe den Flug gebucht!“ freute er sich. Ich grinste. „Wann fliegst du?“ „Am Dienstag. Ich fliege um 10.10 Deutsche Zeit los, sprich 9.10 a.m. eure Zeit. Ich schreibe dir ne E-mail, wann du mich abholen kannst!“ „Super“ freute ich mich noch immer und malte mir schon alles mit ihm aus. „Ja, also. Ich muss dann mal wieder“ „Schade. Aber ich freue mich schon, wenn du kommst“. „Ich mich auch. Ich liebe dich“. OH MAN! Ich hätte so vor Freude weinen können. „Ich dich auch. Bye bye“ sagte ich und legte auf. Direkt sprang ich auf mein Bett und hüpfte vor Freude herum. Doch plötzlich machte es RUMPS! Stuart und Jenny kamen nach oben gerannt. Meine Mattratze lag schief im Bett drin, auch ich lag schief darauf. Das einzige, was ich tat, war laut zu lachen. Ich zog die beiden mit. „Oh man, du bist eine!“ grinste Jenny und somit wurden wir immer bessere Freunde. „ja, ich mach dann mal dein Bett wieder heile“ lächelte Stu und zog mich raus. „Danke!“ grinste ich nur und drückte ihm einen Schmatzer auf. Danach machte ich mich fertig und aß Mittag. „Und? Wie lief’s?“ fragte Jenny als wir alleine waren. „Super, er kommt nächste Woche für einige Zeit“. „Ist doch schön! Siehst du, keine Sorgen machen, bevor es soweit ist“ zwinkerte sie mir zu. Ich nickte. „Nachher kommt Michelle vorbei“. Vorerst hörte ich auf zu kauen. „aha. Und wer ist das?“ fragte ich dümmlich. „Lees Verlobte. Sie wollte ihr Kleid aussuchen gehen. Sie wird bestimmt nichts dagegen haben, wenn du mitkommst“ bot Jenny mir an und ich hätte direkt auf’s Klo rennen können. „Also, ich… Eigentlich…“ stammelte ich herum. „kein aber! Du hast ja sowieso nichts zu tun heute!“ lächelte sie lieb. Na das kann ja was werden…
Kurze Zeit später tauchte dann auch Michelle auf. Sie war ganz aufgeregt und begann auch direkt Jenny voll zu labern. Ich zog eine Augenbraue hoch und dann kam sie auch zu mir ins Wohnzimmer. „Ach, dich habe ich gestern schon so halb kennen gelernt“ lächelte sie mir entgegen. Ich nickte nur und versuchte so gut es ging ein freundliches Lächeln auf meine Lippen zu zaubern und fast, aber auch nur fast, hätte es nicht geklappt. „Elena, das ist Michelle. Michelle, Elena“. Sie streckte mir ihre Hand hingegen, was ich natürlich (leider) nicht ablehnen konnte. „Und du willst nachher mitkommen?“. Ob ich will? Ja klar. Ich gehe immer mit der neuen Freundin meines Exs Hochzeitskleider kaufen. Ich habe ja sonst nichts zu tun, dachte ich mir sauer und nickte wieder. „Ja, wenn es keine Umstände…“ „Ach was!“ fiel sie mir ins Wort. Wenn die genauso im Bett ist oder auch bei Lee, na dann Halleluja. Die hört ja gar nicht auf zu reden und wenn ja, dann nur, um dich irgendwie unterbrechen zu können. Ich verdrehte meine Augen und stand auf. „Also, wollen wir los?“ „Ja, ich bin bereit“. Und somit machten wir uns auf den Weg zum Hochzeitsgeschäft. Es waren da echt viele schöne Kleider und auch ich hatte mich direkt in eins verliebt. Jenny und Michelle standen in der Umkleide, um das Kleid richtig zu machen zu können, während ich schon längst mit der Verkäufern vor dem riesen großen Spiegel stand und mich in dem Kleid betrachtete. „Das Kleid steht Ihnen. Es ist sehr schön“. „Dankeschön“ sagte ich und drehte mich einige Male. Es war das schönste Hochzeitskleid, was ich je gesehen hatte. Es war trägerlos und deswegen oben recht eng und der untere Teil war riesengroß. Ich hatte einen Reifenrock darunter, Rüschen und was man sich alles nur vorstellen konnte. Plötzlich kamen Jenny und Michelle dazu. „Wow, Elena! Das steht dir echt gut. Schade, dass du nicht heiratest“ bemitleidete mich Michelle. „Halt die Klappe“ flüsterte ich vor Wut. „Was?“ „Ja, dein Kleid ist aber Klasse!“ lenkte ich ab und machte Platz für sie. „Ja, danke. Ich liebe es“. Doch dieses Kleid war das Hässlichste, was ich je gesehen habe. Aber wahrscheinlich dachte ich es nur, weil sie Lee heiraten würde. Traurig starrte ich auf den Boden. „Wann heiratet ihr eigentlich?“ traute ich mich dann endlich zu fragen. „In 4 Monaten. Wir wollen gerne richtig Sommer haben“ erklärte sie mir und mehr, wobei ich bei dem Rest einfach abschaltete. Nach einigen anderen Anproben entschied sich Michelle für das Kleid, was sie als erstes anprobierte. Danach brachten wir das Kleid weg und trafen uns anschließend mit Stu und Lee im Café Del Sol, wo wir dann auch auf Mus trafen, - sehr zu meinem Verwundern. „Wir dachten mal, wir bringen ihn mit“ grinste Stu. Wir saßen an einem Sechser-Tisch. Links von mir Jenny, ich in der Mitte und rechts Michelle. Und somit saßen auch die Partner vor ihnen. Lee starrte mich dabei ab und zu so komisch an. „Hast du ihnen schon von Phil erzählt?“. Lee wurde hellhörig, genauso wie Mus. „Nein, wer ist das?“ fragte Mus ganz plötzlich. Ich schaute Jenny ein wenig böse an. „Ein Freund, er kommt mich nächste Woche besuchen“. „Na, dann kannst du ihn mir ja mal vorstellen“ grinste Lee fies und schaute mich dementsprechend an. „Er wird garantiert viel zu tun haben, könnte eng werden“ „Passt schon, und wenn’s nachts ist“ „leider sind wir da anderweitig beschäftigt!“ „HEY!“ ging Stu nun dazwischen. Wir stritten uns wie Kleinkinder und vergaßen dabei auch die anderen. „Habt ihr’s nun?“. Wir beide nickten nur stumm und bestellten nun unsere Getränke. „Wir haben ein richtig schönes Kleid gefunden, Schatz“ gab dann auf einmal meine Hassfreundin an. „Schade, dass ich dich jetzt noch nicht drin sehen kann“ grinste Lee plötzlich so verführerisch. Michelle erwiderte den Blick mit ihren Schlafzimmeraugen, wobei ich nur traurig auf die Karte starrte. Mus schien dies bemerkt zu haben, da er ebenfalls traurig ausschaute.

Es vergingen einige Tage und Michelle schien mich immer mehr zu mögen, da sie sich gerne mit mir treffen wollte. Ablehnen konnte ich natürlich nicht und somit trafen wir uns an einem Donnerstagnachmittag bei ihr zu Hause. Lee war natürlich auch da. „Schön, dass du gekommen bist“ begrüßte sie mich an der Haustür und umarmte mich. „Ach, kein Problem“. Das Haus war riesig und sah gar nicht mal schlecht aus. Lee saß im Wohnzimmer und begrüßte mich noch nicht mal, er schaute mich nur schäbig an. „Ich habe gedacht, wir könnten uns in die Sonne legen“ schlug Michelle vor und kam schon mit den Getränken nach draußen. „Ja, mir egal“. Mir war es wirklich egal. Nun saßen wir im Garten auf zwei Liegen und genossen die Frühlingssonne. „Was ist los?“ fragte sie mich auf einmal. „Nichts? Was soll sein?“ „Na ja, du bist so ruhig gegenüber mir“. Oh Mist! Hatte sie es bemerkt? Hatte Lee ihr etwas gesagt? Oder sogar die anderen? Mir wurde ganz plötzlich heiß und ich suchte nach Ausreden. „sie ist immer so schüchtern am Anfang“ log Lee, der plötzlich hinter Michelle stand und sich auf ihren Schultern abstützte. „Oh, tut mir Leid, ich wollte dir nicht zu nahe treten“. Ich machte eine Handbewegung, die so viel hieß wie: Egal. Verwirrt schaute ich Lee an. Er zuckte nur mit den Schultern und massierte sie ein wenig. Ich legte mich wieder richtig hin und starrte den Himmel an. „Du musst noch nachher zu deiner Mum“ erinnerte Lee seine Verlobte daran. „Oh, ja. Du hast Recht. Mist. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich in ca. 1 ½ Stunden weg bin“. Ich schüttelte nur mit dem Kopf. „Lee kann dich bestimmt so lange her halten, bis ich wieder da bin“. Und ob er das konnte, dachte ich mir und malte mir wieder die schönsten Dinge aus. Danach machte sich Lee wieder vom Acker, sodass wir alleine waren. „Wie ich ihn liebe“ schwärmte sie auf einmal. Ich nahm einen Schluck vom Wasser und nickte hektisch. „ja ja, so ist er“ lächelte ich gequält und stimmte bei allem zu. „Er ist das Beste, was mir je passiert ist. Unter uns gesagt hätte ich nie gedacht, dass mir so was Gutes widerfahren könnte“ gestand sie mir. Langsam bekam ich Schuldgefühle. Wieso trauerte ich ihm hinterher? Seine Verlobte war ja doch nicht so schlecht, wie ich die ganze Zeit dachte. Außerdem liebte sie ihn abgöttisch und unser „Ding“ war eh 4 Jahre her. Wie naiv musste ich sein? „Kennst du auch dieses Gefühl?“. Ich nickte stumm. „Ja, wenn man diese eine Person trifft, die einem so viel bedeutet… Ja, das kenne ich“ gab ich traurig zu und schwelgte noch mal in Erinnerungen. „Ich bin so froh ihn zu haben. Es war auch so romantisch, wie wir zusammen kamen“ lachte sie verliebt. „Echt?“ Sie nickte direkt und erzählte mir die Geschichte. „Wir kannten uns schon länger. Eigentlich müssten wir uns nun schon 6 Jahre kennen“ begann sie. Ich begann nachzurechnen. 6 Jahre… Das heißt, er kannte sie zwei Jahre, kurz bevor ich wegging. „So nach 2 Jahren fing dann das Ganze mit uns an“. Sie lachte immer noch so verliebt. Ich starrte sie fassungslos an. „Wie?“ „na ja, wir waren einmal zusammen picknicken und da sind wir uns näher gekommen“ „Wann war das?“ fragte ich fassungslos. Ich konnte es nicht glauben. „Im Sommer vor 4 Jahren“ erklärte sie und erzählte alle Details. Doch meine Welt zerbrach erneut. Er hatte mich nur benutzt. Benutzt! Er hatte mit ihr rum gemacht, wobei wir… „Entschuldige bitte“ sagte ich und musste die Tränen unterdrücken. „Wo ist das Klo?“ „Wenn du im Wohnzimmer bist rechts und dann immer geradeaus“ antwortete sie und verstand mich in dem Moment nicht. Hektisch lief ich an Lee vorbei, welcher mich genau so komisch anstarrte. Als ich im Badezimmer war setzte ich mich auf den Badewannenrand und hielt meine Hände vors Gesicht. Wie konnte er mir das nur antun? Ich meine… Zwei zur gleichen Zeit. Wieso tat er mir das an? Verwirrt und verletzt ließ ich meinen Tränen ihren Lauf. Irgendwann betätigte ich die Spülung, damit keiner etwas bemerkte. Das Wasser ließ ich etwas länger laufen. Nachdem ich mich dann etwas beruhigt hatte und ich wieder einigermaßen normal aussah kam ich wieder aus dem Badezimmer. „Tschuldige“ murmelte ich nur als ich wieder im Garten war. „Ist ja kein Problem. Du, tut mir wirklich leid, aber nun muss ich los. Kannst ja mit Lee Fernsehen schauen oder so. ich brauche, wenn’s hochkommt, nur 2 Stunden. Bis später“ sagte sie und verließ das Haus. Als ich hörte, dass sie mit dem Auto weg war, war ich erleichtert. Lee kam direkt in den Garten und setzte sich neben mich auf die andere Liege. „Was hast du?“ fragte er und legte seine Hand auf meine Schulter. „Du verlogenes Arschloch“ sagte ich voller Hass und Wut. „Fass mich nicht an!“ schrie ich ihn beinahe an. Zögernd nahm er seine Hand von mir. „Was ist denn los? Was hast du?“. „Das fragst du auch noch? Du hast mich die ganze Zeit verarscht! Das ist los!“ schrie ich ihn endlich an. Meinen Tränen ließ ich freien Lauf. „Ich habe dich nie…! Wovon redest du?“ „Sommer, vor 4 Jahren. Ja, da seid ihr euch ja so richtig Nahe gekommen. DER Sommer, wo ich nach Deutschland gegangen bin, kurz davor, wo sich etwas zwischen uns entwickelte. UND DU? Du fährst zweigleisig!“. Ich stand vor Wut auf und lief ins Wohnzimmer. Am liebsten hätte ich irgendeine Vase genommen und sie auf den Boden geschmissen. Ich ballte meine Fäuste. Lee kam mir direkt hinterher, packte mich an den Handgelenken und wollte mich beruhigen, vergebens. „ELENA!“ schrie er mich dann an. Ich wimmerte noch ein wenig und bekam schlecht Luft, wurde aber dennoch still. „Es ist nicht so, wie es sich anhört“ begann er. Wie ich diese Sprüche hasste. „Du warst so gut wie weg, ich habe mich abgelenkt, damit ich nicht mehr an dich denken musste und vermissen würde“ log er mir dann einen vor. „Ach? Nun nennt man so was Ablenkung?“ regte ich mich auf. „Beruhig dich doch mal wieder! Wir waren noch nicht mal miteinander zusammen!“ entgegnete er mir wütend. Er ließ meine Hände wieder los. Traurig starrte ich ihn an. „Aber es hat sich verdammt noch mal hier drin so angefühlt“ sagte ich ruhig und voller Trauer, legte dabei meine Hand auf sein Herz. Lee fuhr sich durch’s Haar; er wusste nicht, was er tun sollte. Er wollte etwas sagen, aber nichts kam aus seinem Mund. Ich starrte ihn mit meinen verheulten Augen an und schüttelte nur den Kopf. „Ich gehe“ sagte ich leise, schon fast flüsternd. Nun stand Lee ganz alleine da.

I remember the times we spent together
on those drives
We had a million questions
all about our lives
and when we got to New York
everything felt right
I wish you were here with me
tonight

I remember the days we spent together
were not enough
and it used to feel like dreamin'
except we always woke up
Never thought not having you
here now would hurt so much

Tonight I've fallen and I can't get up
I need your loving hands to come and pick me up
And every night I miss you
I can just look up
and know the stars are
holdin' you, holdin' you, holdin' you tonight


I remember the time you told me about when you were eight
And all those things you said that night that just couldn't wait
I remember the car you were last seen in
and the games we would play
All the times we spilled our coffees
and stayed out way too late
I remember the time you sat and told me about your Jesus
and how not to look back even if no one believes us
When it hurt so bad sometimes
not having you here...

I sing,
"Tonight I've fallen and I can't get up
I need your loving hands to come and pick me up
And every night I miss you
I can just look up
and know the stars are
holdin' you, holdin' you, holdin' you tonight"

I sing,
"Tonight I've fallen and I can't get up
I need your loving hands to come and pick me up
And every night I miss you
I can just look up
and know the stars are
holdin' you, holdin' you, holdin' you tonight"



Lee stand noch immer perplex im Wohnzimmer und konnte sich immer noch nicht erklären, was gerade geschah. Als er das Lied vom Fernseher hörte, war er noch aufgelöster als vorher. Auf einmal kam auch Michelle wieder durch die Tür. „Hallo, Schatz“ begrüßte sie ihn und schmiss die Schlüssel in eine Schale. „Was ist los? Wo ist Elena?“ fragte sie noch immer fröhlich, bis sie bemerkte, dass etwas nicht mit ihm stimmte. „Ach, sie… Sie musste ganz plötzlich weg“ erklärte er wie weggetreten. „Ist alles in Ordnung?“ „ja, ja. Alles in Ordnung. … In Ordnung“ wiederholte er und fühlte sich machtlos. Währendessen schaltete ich den Fernseher wieder aus… „Never thought not having you here now would hurt so much“ wiederholte ich die Worte des Liedes und begann wieder zu weinen. Ich konnte nicht anders und musste raus. Es war so als hätten mich die Wände zerdrückt. Ich lief einfach raus, irgendwohin, wo ich allein sein konnte. Auch Lee ging einfach so, ohne ein Wort zu sagen. Michelle wurde misstrauisch und rief bei Jenny an. „Lee ist ganz komisch“ begann sie zu erzählen. „Oh wow. Und er ist seitdem so komisch?“ „Ja… Ich habe Angst. Meinst du, es ist etwas zwischen ihnen passiert, was nie hätte passieren sollen?“ fragte Michelle voller Angst und dachte an das Schlimmste. „Ach, quatsch. Meistens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich glaube nicht, dass irgendetwas zwischen ihnen gelaufen ist“. „Na ja, aber sie waren nun wieder alleine. Auf der Party hatten sich die beiden wohl auch unterhalten, da sie aus der Küche kam, da, wo Lee so komisch saß. Und danach war er irgendwie geknickt. Nur sie nicht. Und bevor das geschah, lief sie die Treppen hoch und er hinterher“. Michelle machte sich immer verrückter. „Michelle, beruhige dich bitte wieder. Es läuft nichts zwischen ihnen. Sie sind halt gute Freunde und kennen sich seit früher. Sie haben sich seit 4 Jahren nicht mehr gesehen und sie hatten bestimmt was von früher zu bereden. Er hat sich auch nie bei ihr gemeldet, als sie weg war. Wahrscheinlich ist sie deswegen noch etwas geknickt und sauer auf ihn. Frag ihn doch einfach“ schlug Jenny ihr vor. „Ja, du hast Recht. Danke“ bedankte sich Michelle und legte auf.
„Was war?“ fragte Stu. „Ach, keine Ahnung. Irgendwas war zwischen Lee und deiner Schwester. Michelle denkt, dass irgendwas zwischen ihnen laufen würde. Ich meine, ha, wie absurd ist das denn?“ lachte Jenny und legte ihren Kopf auf Stus Schoß. „ah, ha… ja…“ zögerte er. Weder Jenny noch Michelle, noch irgendwelche anderen von den Blazern wussten wirklich, was zwischen mir und Lee damals lief.
Den Rest der Woche habe ich nicht mehr viel unternommen, außer vielleicht mit Marina, welche ein Date mit Chris hatte. Er brachte sie nach Hause und gab ihr einen Gutenachtkuss. Marina erzählte mir immer und immer wieder davon. Sie wusste auch von der Sache mit Lee und mir und war genauso sauer auf ihn, wie ich. „Weißt du, ich will dir echt nichts Falsches raten. Aber schau mal. Das Ganze ist nun über 4 Jahre her. Irgendwann musst du auch mal loslassen, auch wenn’s schwer fällt. Mittlerweile ist Lee ja auch verlobt und er wird bald heiraten. Er hat auch einen Schritt nach vorne gemacht und seine Vergangenheit hinter sich gelassen. Außerdem kommt dich dein Schnuckelchen am Dienstag besuchen. Freu dich doch“ machte Marina mir Mut. „Ja. Aber weißt du, wie es wehtut irgendwann feststellen zu müssen, dass ein Mensch, den du geliebt hast, dir damals wehgetan hat? Weißt du wie es wehtut, es Jahre später herausfinden zu müssen? Und nun ist er verlobt, was das ganze nicht einfacher macht“. „Du wirst darüber hinweg kommen, glaube mir. Heute ist Sonntag. In zwei Tagen kommt dein Baby! Konzentriere dich lieber darauf, okay?“. Ich nickte mit einem Lächeln. „Schon besser!“ grinste Marina und wir schauten uns gemeinsam noch eine DVD an.

ENDLICH WAR ES SOWEIT! Endlich war Dienstag. Ich stand extra früh auf und machte mich fertig. Ich saß die ganze Zeit vor der Uhr und malte mir aus, wie er in dem Moment gerade einchecken würde, nun los fliegt und dann bei mir ankommt. Als es endlich soweit war bin ich mit Stu, Marina und Jenny zusammen zum Flughafen gefahren und haben auf ihn gewartet. „man, wo bleibt er denn?“ fragte ich und konnte nicht mehr auf einem Platz ruhig stehen bleiben. Stu und Jenny lächelten nur und freuten sich genau so ihn kennen zu lernen wie Marina. Als ich ihn dann auf einmal sah begann ich fast zu schreien. Er kam auf mich zu, ließ die Koffer fallen und umarmte mich. „Ich habe dich so vermisst“ weinte ich fast und es liefen mir tatsächlich einige Tränen die Wangen hinunter. „ich dich auch“ sagte er und wir küssten uns. Es war so schön wieder seine Lippen zu spüren. Als seine Zunge meine traf war es wie ein Feuerwerk. Wir lächelten uns verliebt an, danach stellte ich ihn den anderen vor. „Schön dich kennen zu lernen. Wir haben schon viel von dir gehört“ hielt Stu ihm die Hand ihn. „Ich hoffe ja mal nur Gutes“ grinste Phil und schaute mich dabei an. Danach machten wir uns auf den Weg nach Hause. Stu fuhr, Jenny war auf dem Beifahrer und wir drei quetschten uns auf die Hinterbank. Die ganze Zeit über hielten wir Händchen. „oh man, ihr seid ja noch schlimmer als Chris und ich“ lachte Marina laut los. „Wer ist Chris?“ „Mein Fast-Freund“ grinste Marina verlegen und schaute schüchtern zur Seite. „Einer unserer Freunde. Du wirst sie alle noch kennen lernen, keine Angst“ erklärte ich ihm fröhlich. Stu half ihm dann auch mit den Koffern, während ich ihn durch das Haus herumführte und Jamie, meinen Neffen vorstellte. Danach zeigte ich ihm mein vorübergehendes Zimmer. „Es ist echt toll hier“ schwärmte er. Er stellte seine Koffer vorerst in die Ecke. Ich stand mit dem Rücken zur Tür, drehte den Schlüssel um und ging mit einem verführerischen Lächeln auf ihn zu. Phil grinste nur. Ich umarmte ihn und begann ihn leidenschaftlich zu küssen, als sich unsere Zungen trafen wussten wir, dass wir mehr voneinander wollten. Sanft legte er mich auf’s Bett und lehnte sich über mich, strich mit einer Hand über mein Bein. „Ich will dich“ flüsterte ich und die ersten Anziehsachen fielen. Er küsste an meinem Hals entlang, den Bauch hinunter. Ich lächelte zufrieden und führte ihn wieder nach oben. Als dann die letzten Klamotten fielen platzierte er ein weißes Lacken über seinen Po. Und dann drang er ein. Es war das schönste Gefühl auf Erden. Mit jedem Stoß stöhnte ich immer mehr auf, auch er konnte es nicht mehr unterdrücken. Er schaute mir in die Augen, ich ihm. „ich liebe dich“ flüsterte ich und er lächelte so süß. Dem Höhepunkt erlegen stöhnte auch er immer mehr auf. Seine Bewegungen wurden schneller, leidenschaftlicher. Ich konnte seinen heißen Atem auf meiner Haut spüren. Meine Finger krallten sich in seinem Rücken rein, was ihn noch wilder machte. Es war ein Zeichen für ihn, dass ich ihn wollte. Dann wurde er immer langsamer, küsste mich ein letztes Mal und bleib einige Minuten auf mir liegen. Er hechelte noch ein wenig, legte sich dann neben mich. Ich streichelte ihm die Wange und legte mich ganz nah an ihn dran. „Ich dich auch“ flüsterte er. Phil schlief kurze Zeit später. Ich hingegen tippelte zufrieden aus meinem Zimmer und hüpfte unter die Dusche. Als ich fertig war tippelte ich zurück in mein Zimmer und setzte mich sanft auf das Bett. Ich schaute Philip beim schlafen zu. Er war so verdammt süß. Ich kitzelte ihn ein wenig im Gesicht und er begann zu lächeln. „Schön geschlafen?“ fragte ich und beugte mich über ihn rüber, um ihn küssen zu können. Er lächelte noch immer. „Ja, so gut wie nie zuvor“. Er zog mich über seinen Schoß. Sein Kopf kam mir ein wenig entgegen. Ich schloss meine Augen und wir küssten uns wieder. „Du, ich muss dir was sagen“ begann ich und Philip legte wieder seinen Kopf zurück auf das Kissen. „Schieß los“ grinste er vertrauensvoll. „Also, du wirst ja bald die anderen Jungs noch kennen lernen und alle, die eigentlich so zu der Clique gehören. Und ähm, na ja, da ist ein Junge, mit dem ich gerade nicht allzu gut klar komme“ versuchte ich ihm beizubringen. Er nickte verständnisvoll. „Ist doch nicht schlimm“ „Na ja“ stutzte ich. „Es ist eigentlich etwas komplizierter. Weil, er hatte mich, bevor ich gegangen, ziemlich arg verletzt und sich in den 4 Jahren nicht mehr gemeldet und nun sind wir ziemlich zerstritten. Ich wollte nur, dass du es weißt“ ließ ich ihn wissen und mein Gewissen fühlte sich 50 Kg leichter an. „Ist schon okay. Du musst nichts erklären“ lächelte er und küsste mich noch einmal, bevor er aufstand und duschen ging. Zufrieden saß ich auf dem Bett und starrte aus dem Fenster. Perfekter konnte es doch nicht sein! Ich hatte meinen Schatz wieder, er wusste von Lee, er wusste, was so in etwa geschah, er vertraute mir. Ich ließ mich rückwärts fallen und lächelte noch immer.

Am nächsten Tag führte ich Philip durch London und zeigte ihm all die Plätze, die ich am meisten liebte, besonders den Platz an der Tower Bridge. Wir verbrachten dort einige Zeit, danach trafen wir uns abends in einem Café, wo er all die anderen kennen lernte. „Also, meinen Bruder und Jenny kennst du ja bereits, das ist Tom, Jay, Olli, Mus, Chris, Kenzie, Lee, Sam und Marcel“ stellte ich ihm zuerst die Jungs vor. „Und das sind Marina und Michelle. Marina ist eine gute Freundin und Michelle Lees Verlobte“ sagte ich ein wenig leise. „Cool!“ grinste Sam. „Und jetzt was Essen!“ grinste er dämlich drein, wobei alle ihn nur blöd anschauten. „Philip, was machst du eigentlich so?“ begann dann Lee mit seiner Fragerei. Ich schaute ihn böse an, doch er ging nicht darauf ein. „Ich habe zusammen mit Elena studiert, arbeite aber im Betrieb meines Vaters“ begann Phil zu erzählen. Danach warf mir Lee diesen hässlichen Blick zu, den, den ich noch nie leiden konnte. Ich hustete einmal extra. „Entschuldigung“ murmelte ich nur und starrte die Karte wieder an. „Und wie lange seid ihr nun zusammen?“ machte Lee dann da weiter, wo er aufgehört hatte. „Seit zwei Jahren“ antwortete Phil stolz und sah mich dabei lächelnd an. „Aha…“ murmelte er nur sauer, während Michelle ihm einen bösen Blick zuwarf. „Entschuldigt mich, ich muss mal eben weg“ sagte ich nur, schob meinen Stuhl beiseite und verschwand auf’s Klo. Ich stand vor dem riesigen Spiegel und starrte mich an. Tief atmete ich ein und aus, doch es brachte nichts. Plötzlich stand Michelle neben mir. Mit verschränkten Armen stand sie vor mir und sah mich voller Wut an. „Was läuft zwischen euch?“ fragte sie eifersüchtig. Ich schaute sie im Spiegel an und runzelte die Stirn. „Was soll zwischen wem laufen?“ „Na zwischen dir und meinem Verlobten!“ begann sie mich anzumeckern. Verdutzt starrte sie an. „Mit dem? Gar nichts! Nicht mal, wenn er der einzige Mann auf der Welt wäre“ murrte ich zurück. Angezickt starrte sie mich an, wich nicht von mir. „Ach ja? Und wieso ist er die ganze Zeit so komisch drauf? Wieso bist du ganz plötzlich am Donnerstag abgehauen? Danach war er so komisch drauf und wie ich gehört habe, du ja auch. Und bei der Party am Freitag, vor einer Woche. Wie kam’s, dass ihr beide in der Küche wart, er dir die Treppen hoch gefolgt und nachdem ich hochkam und nach ihm sah, du mir so glücklich entgegen kamst und er so… so anders war. Was soll das? Lass ihn in Ruhe! Wir wollen bald heiraten, er ist mein Mann!“ erzählte sie fast unter Tränen. Ich drehte mich um und schaute ihr in die Augen. „Es läuft nichts zwischen uns. Von mir aus kannst du ihn behalten. Aber von einem Typ, der zweigleisig fährt, kann man sowieso nicht viel erwarten. Ich wünsche euch noch eine glückliche Ehe!“ knallte ich ihr hinterlistig vor dem Kopf. Perplex stand sie da, folgte mir mit ihren Blicken, bis ich aus dem Bad verschwunden war. Sauer kam ich zurück zum Tisch, wenige Minuten später auch Michelle. Lee wollte seine Hand auf ihre legen, sie jedoch begann wie eine Furie herumzuschreien. „Nimm deine verdammte Hand von mir! Was fällt dir eigentlich ein? Wer ist die andere, huh? SAG SCHON!“ schrie sie ihn an, sodass alle anderen Leute in dem Café sie schon verrückt anstarrten. „Setzt dich wieder hin, wovon redest du eigentlich?“ fragte Lee und versuchte sie zu beruhigen. Sauer starrte er mich an. Michelle sprang sauer auf und sah Lee dementsprechend an. „Arschloch“ murmelte sie nur und verschwand so schnell es ging. „Was hast du ihr erzählt, verdammt?“ starrte Lee mich wütend an. „Die Wahrheit, das, was du nie erzählt oder erwähnt hast!“ motzte ich ihn an. Alle anderen starrten sich nur ratlos an, wussten nicht mehr weiter. Lee stand auf, sah mich an und schüttelte mit dem Kopf. „Nur, weil du mich nicht glücklich sehen kannst“. Ich bekam Tränen in den Augen. „Nur, weil du mich verletzt hast“ korrigierte ich ihn. Langsam bewegte sich Lee Richtung Ausgang und setzte sich auf den Parkplatz. „Hm, ja“ hustete Jay und schaute in die Runde. „Weiß jeder, was er nimmt?“ versuchte er abzulenken. Stuart schaute ihn nur an und schüttelte mit dem Kopf. „Was war das denn?“ fragte Philip und ich schaute ihn traurig an. „Das, wovon ich dir erzählt habe“. Nun schaute er mich verletzt an. „ich glaube, du hast aber einige Details ausgelassen“ verstummte er langsam, stand auf und folgte Lee nach draußen.

„Lee?“ fragte Phil, setzte sich neben ihn hin. „Was willst du denn?“ fragte er traurig, starrte dabei niedergeschlagen auf den Boden. „Was läuft zwischen euch?“ fragte Phil mit einem Hauch von Eifersucht. „Wieso glaubt denn jeder, dass etwas zwischen uns läuft, verdammt?“ wurde Lee wütend, starrte Philip an. „na ja“ „Ach“ unterbrach Lee. „ich hab Scheiße gebaut. Mehr ist nicht zwischen uns“. „Und was?“. Philip fand diese Situation sehr unangenehm. Er wusste, dass Lee ihr Ex war, aber konnte keinen der beiden verstehen. Er machte sich selber Vorwürfe. „Bevor sie nach Deutschland gegangen ist, da fing es an. Ich mochte sie schon länger, traute mich aber nie wirklich ihr das zu zeigen. Ich meine“, er lachte leicht, „ihr Bruder war mein bester Freund“. Danach schüttelte er den Kopf. „Ich hatte Angst, sie war noch so jung. Und dann war sie alt genug, verschwand aber nach Deutschland. Trotzdem begann so was wie eine Beziehung. Ich konnte es nicht ertragen. Ich kannte noch eine alte Freundin, die mir damals auch gefiel, wir nahmen wieder Kontakt auf, trafen uns und kurz bevor sie England verließ, kamen wir uns auch sehr nahe. Ich wollte mich ablenken, es klappte aber nicht. Sie weiß davon, deswegen ist sie sauer auf mich“ erklärte Lee, was Philip doch nicht nachvollziehen konnte. „Und nun bin ich mit meiner alten Freundin verlobt“ flüsterte Lee traurig und starrte die Autos an. Philip schüttelte nur den Kopf. „Ich würde dir so gerne eine mitgeben“ ballte Philip seine Fäuste. „Aber ich werde es ihr zuliebe nicht machen“ zischte er noch immer sauer. Lee starrte Phil an, konnte sogar seine Wut verstehen. „Es tut mir Leid, falls ich eure Beziehung kaputt gemacht haben sollte“, doch Philip war schon längst verschwunden. Im Café war die Situation auch nicht viel besser. Den anderen war das alles ziemlich unangenehm und mir ging es nicht viel besser. Vor allem störte mich, dass Lee es so publik machte und mich dann auch noch als schuldig erklärte… Was kann ich denn dafür, wenn er so einen Mist baut? Ich starrte auf den Tisch und weigerte mich aufzuschauen. Ich bemerkte nur, wie einige zu flüstern begannen. „Elena“ hörte ich nur plötzlich Phil sagen, der neben uns stand. „Ich glaube, du hast mir noch eine Menge zu erzählen“ begann er, wodurch wir an einen ruhigen Ort gingen. Meiner Meinung nach war er zu ruhig… „Wieso hast du mir nicht gesagt, dass er dir etwas bedeutet?“ begann Philip traurig. Es tat mir so unendlich Leid, ihn so zu sehen. Und es schmerzte mir selber, ihn verletzt zu sehen. „Weil…“ stutzte ich. Ich atmete tief ein und aus, blickte ihm ins Gesicht und sagte: „Weißt du, es war alles so verdammt schwer. In Deutschland war alles anders…. Ich meine.., natürlich habe ich an ihn denken müssen, aber du warst so anders und hast mir all diese Gedanken genommen und durch dich ersetzt“. Ich lächelte leicht, „Es war nicht gelogen, als ich sagte, dass ich dich liebte. Ich mag dich immer noch sehr und du bist mir wichtig“ „Du magst mich?“ unterbrach er mich deprimiert. Er stützte seinen Kopf auf den Händen ab, welche sich auf seinen Knien abstützten. „Nein, ich liebe dich“ flüsterte ich so leise, sodass er es kaum verstand. „Es ist einfach nur so kompliziert. Wieder hier zu sein und ihn beinahe täglich sehen zu müssen… das ist einfach nur schrecklich. Aber du bist mir wichtig, außerdem habe ich dir die Geschichte ja indirekt erzählt, und du meintest nur, ich bräuchte nicht weiter reden…“ versuchte ich gute Argumente für eine Versöhnung aufzubringen. Ich wollte ihn wirklich nicht verlieren. Er lächelte sanft, doch das verflog schnell wieder. Ersetzt wurde das Lächeln durch einen müden Blick. „Elena… ich glaube, es ist das Beste, wenn du mit ihm noch mal über alles redest. Die Zeit in Deutschland war wirklich toll und das schönste, was mir bis jetzt passiert ist. Aber vielleicht solltest du erst mit deiner Situation hier klarkommen, bevor du wieder zu mir kommst“. Langsam stand er auf, blickte mich noch nicht mal an. Verständnislos suchte ich nach Worten. „Aber, … Aber! Du kannst doch nicht so einfach gehen, ich meine… von mir, weg von hier und…“. Er legte den Zeigefinger auf meine Lippen. Er küsste mich noch einmal und verschwand dann. Fassungslos, deprimiert und weinend zugleich saß ich noch auf der Parkbank und sah ihn gehen. Das konnte er mir doch nicht antun… Wieso verließ er mich denn? Es lief doch eigentlich gut… Ich meine, er kann doch nicht die Erinnerungen einfach so wegschmeißen…? Da wären wir wieder beim Thema, dass das Unmögliche möglich ist, und dass das einzige die Erinnerungen waren, die uns noch verbanden. Als ich wenige Stunden später nach Hause kam, war sein Koffer schon weg. Er schien abgereist zu sein. Ich sah nur einen kleinen Briefumschlag auf meinem Kopfkissen liegen. Vorsichtig öffnete ich den Brief und begann zu lesen.

Elena,

es tut mir Leid, aber ich bin wieder abgereist. Wahrscheinlich war es das Beste, da du erstmal wieder zu dir finden solltest. Versteh mich bitte nicht falsch, aber… du wirst mir sicherlich fehlen. Wenn du dich entschieden hast, sag mir Bescheid, was wichtiger für dich ist: Eine hoffnungslose Vergangenheit oder eine aufblickende Zukunft.

Leb wohl.
In Liebe,
Phil



Ich weiß nicht warum, aber seine „hoffnungslose Vergangenheit“ hatte mich hart getroffen. Es war wie ein Messer im Rücken. Ich konnte nicht anders als mich zu setzten. Konnte es sein, dass alle wussten, dass es sinnlos war, noch weiter nachzutrauen? Konnte es sein, dass alle Bescheid wussten, nur ich noch nicht?
Es war ruhig. Ich schaute auf mein Handy, aber es gab keine neuen Text Messages. Wahrscheinlich hätte ich ihm schreiben sollen, aber nach dem, was geschah, war es wirklich das Beste Abstand zu nehmen. Langsam lief ich die Treppen hinunter. Doch.. auf einmal, auf halben Weg wurde mir so schwindelig. Ich hielt mich am Geländer fest, aber es war, als wenn es mir wie Butter aus den Händen glitt. Ich starrte auf den Boden, danach wurde alles schwarz.
„Ich finde, wir sollten es unbedingt mal ausprobieren“ lächelte Stu und schloss die Haustür auf. „Ja, finde ich auch“ lachte sie und bemerkte, dass Stu wie eingefroren da stand. „Schatz?“ fragte sie vorsichtig, doch ohne nachzudenken rannte Stu zu mir, hob mich. „Ruf den Krankenwagen! Verdammt ruf ihn endlich“ schrie er Jenny an, die völlig perplex dastand.

Ich weiß zwar nicht wie lange es dauerte, aber ich wachte irgendwann auf. Ich wurde die ganze Zeit angestarrt und das weiße Licht blendete stark, also schloss ich meine Augen wieder…
„Was ist denn genau passiert?“ fragte der Arzt Stu, der noch immer fassungslos vor meinem Bett stand. „Ich weiß es nicht. Ich kam nach Hause und sie lag bewusstlos auf dem Boden“ erklärte er hektisch. „Sagen Sie mir doch endlich, was mit ihr ist“ flehte er schon fast den Arzt an. „Na ja“, begann dieser, „Ich weiß es nicht genau. Wir haben mehrere Untersuchungen vorgenommen. Aber da sie körperlich in Top Form zu sein scheint, wird es entweder Stress oder nur leichte Kreislaufprobleme sein“ erklärte er. Stu atmete erleichtert aus. „Danke“ sagte er nur, woraufhin der Doktor wieder aus dem Zimmer ging. „Bleibst du noch hier?“ fragte Stu Jenny, die Anstalten machte gehen zu wollen. „Eigentlich nicht. Ich muss ja noch Jamie von seinem Freund abholen“ entschuldigte sie sich. Sie gab ihm einen Kuss und verschwand dann auch wieder. Währenddessen waren aber auch Mus, Marina, Jay und Sam da, die ihm Gesellschaft leisteten. „Wie geht’s ihr?“ fragte Mus sehr ruhig, dennoch mit Angst. „Soweit ganz gut. Der Arzt meinte, es könnten entweder Kreislaufprobleme gewesen sein oder Stress. Sie soll sich aber erstmal ausschlafen“. Sam saß direkt neben mir und strich mir leicht über die Wange. „Wie lange muss sie denn hier bleiben?“ wollte nun auch Marina erfahren. „Vielleicht 2 oder 3 Tage. Wenn sonst nichts passiert…“ fügte Stu traurig hinzu. Nachdem dann auch die anderen nach einer Weile gegangen waren, öffnete ich meine Augen. Noch immer sah ich dieses grelle Licht, was mich blendete. Dennoch konnte ich erkennen, dass Stu auf meinem Bett saß. „Stuart?“ sagte ich schon fast mit einer heiseren Stimme. Er blickte fröhlich auf. „Endlich bist du wach.. Wie geht es dir? Ist alles in Ordnung“ begann dann auch direkt seine Fragerei. „Wo bin ich? Was ist passiert?“ fragte ich noch immer mit einer leisen Stimme. „Du bist im Krankenhaus. Als ich nach Hause kam lagst du bewusstlos auf dem Boden“ erklärte er weiter, doch ich hörte nicht mehr zu. Ja, daran konnte ich mich erinnern. Ich lief die Treppen herunter, warum weiß ich auch nicht mehr. Ab da hatte ich eine große Gedächtnislücke. „Wie lange muss ich hier bleiben?“ strengte ich mich an zu fragen. „Vielleicht zwei, drei Tage“. Ich schaute nur zu Seite. „war Lee da?“. Stumm schüttelte Stu seinen Kopf. „Nein, war er nicht. Ich bezweifle, dass die er Bescheid weiß. Außer, die anderen haben ihm was gesagt“. Stu wollte mich trösten, aber ich wollte nicht. „Ist schon okay. Was anderes habe ich nicht erwartet“ murmelte ich, starrte immer noch zur Seite, damit er meine Tränengefüllten Augen nicht sehen musste. „Ich komme dann morgen früh noch mal vorbei, okay?“ sagte er warm. Ich nickte bloß. Er gab mir einen Kuss auf die Wange, sagte noch ein paar Worte und verschwand. In den nächsten Tagen fanden die Ärzte immer noch nichts heraus. Mir wurde nur gesagt, dass es sehr wahrscheinlich Stress war, oder aber auch Kreislaufprobleme. Da auch so nichts mehr passierte, konnte ich früh entlassen werden. Doch zu Hause holte mich der Alltag wieder ein. Die Situation zwischen Lee und seiner Verlobten schien sich auch nur langsam zu verbessern.
Wie ich gehört hatte, hatten die beiden sich viel gestritten und das nur, weil ich ihn nicht glücklich sehen konnte. Was blieb mir anderes übrig, als mir Vorwürfe zu machen? Michelle verzieh ihm nur schwer, da sie das alles nicht verkraften konnte. Dennoch fühlte sie sich besser, da sie diejenige war, für die Lee mich verlassen hatte. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weswegen Lee mich nicht im Krankenhaus besuchte. Ich starrte nachdenklich nach draußen und war mir sicher eine Lösung gefunden zu haben. Eine Lösung, die wohl jeden glücklich machen sollte.

*Der nächste Morgen*
„Ella?“. Stu stand verschlafen in meiner Zimmertür und starrte mich verwirrt an, soweit ihn seine Augen ließen. Ich hielt inne. „Was machst du da? Willst du weg?“. Noch immer gab ich keine Antwort von mir, sondern starrte ihn regungslos an. „Es ist 7 Uhr morgens, wieso packst du denn?“. Je wacher er wurde, desto mehr hinterfragte er und desto mehr wurde aus einer verschlafenen Stimme eine wütende. „Na ja...“ murmelte ich. „Hm?“ hinterfragte Stu mein Gemurmel, da er mich nicht verstand. „Na ja, ich... ich wollte weg“ gestand ich dann und setzte mich auf das Bett. „Hast du eine eigene Wohnung gefunden oder was ist passiert? Du musst dich nicht beeilen, wir haben dir doch angeboten so lange zu bleiben, wie du willst“. Nun setzte auch er sich zu mir. Konsequent starrte ich auf meine Füße. Langsam bemerkte ich auch, wie sich meine Augen mit Tränen füllten. „Hey...“ flüsterte Stu nur und strich mir sanft über den Rücken. Es schien, als hätten wir eine Ewigkeit lang geschwiegen. „Es ist wegen Lee, oder?“. Ich nickte stumm, noch immer konnte ich Stu nicht ansehen. „Kann ich verstehen“, murmelte nun auch er, „Aber... Du kannst mich doch nicht alleine lassen. Was mach ich bloß ohne dich?“ fragte er mit einem Lächeln. Zum ersten Mal sah ich ihn an. „Du hast doch deine Familie“ versuchte ich seine Frage zu beantworten, wobei meine Stimme beim letzten Teil versagte. „Du bist aber auch meine Familie“ widersprach er. Wir umarmten uns. „Wo willst du eigentlich hin?“. Ich zuckte mit den Schultern. Ich wusste es doch selber noch nicht mal. Nach Deutschland konnte ich nicht, da ich Phil mehr als wahrscheinlich über den Weg laufen würde. In eine andere Stadt als München möchte ich auch nicht. In England konnte ich auch nicht bleiben. Lee würde mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, zumal mich alles an ihn erinnern würde. Was tat ich bloß? „Ich weiß es nicht“. Stu schaute mich entgeistert an. „Aber... du.. ich meine,.... du kannst doch nicht weggehen, wenn du noch nicht mal weißt wohin“. Er hatte Recht. Ich konnte nicht einfach so gehen. „Willst du das Ganze nicht noch mal überdenken? Schließlich will ich dich nicht missen müssen, Schwesterherz“ lächelte er sanft. Nun stand auch Jamie in meinem Zimmer. „Tante Ella“ lächelte er mich an. Wie ich Kinder liebte. Sie waren immer gut drauf und kamen immer zu dir, weil sie dich brauchten. Wenn es doch auch nur bei Lee und mir so gewesen wäre. „Tante Ella?“ fragte er, da ich keine Antwort von mir gab. Jamie stellte sich vor mich. Sanft hob ich ihn auf meinen Schoß. „Und der kleine Racker will dich auch nicht vermissen“ fügte Stu hinzu. „Überleg’s dir bitte noch mal“ flüsterte er mir zu, nahm Jamie und verschwand aus dem Zimmer. „Los, wir müssen doch noch frühstücken und dich anziehen“ hörte ich Stu sagen, bevor er meine Tür schloss. Als Stu endlich in der Küche war, traf er auf Jenny, die gerade das Frühstück zubereitete. „Was ist los? Du schaust so komisch“ bemerkte sie und schaute ihn dabei prüfend an. „Es ist wegen Elena“. Stu saß am Küchentisch und stellte die Ellenbogen auf den Tisch ab, wobei er seinen Kopf auf seine Hände stützte. „Es ist halt dumm gelaufen“ war alles, was Jenny sagen konnte. „Schon. Aber verstehen kann ich sie schon. Wir wussten alle nicht, was damals zwischen den beiden war. Wir wussten hinterher nur von Michelle Bescheid. Aber was Lee gemacht hat war auch nicht richtig“ versuchte er mich zu verteidigen. Jen nickte. „Schon“ murmelte sie und fluchte, da ihr Ei fast in der Pfanne verbrannte. „Sie muss aber auch mal loslassen. Das ist ne verdammt große Zeitspanne und sie hat ihn immer noch nicht vergessen. Irgendwas muss da ja auch schief gelaufen sein. Außerdem hatte Lee damit abgeschlossen, nur wegen deiner Schwester kam alles wieder hoch“ „Wenn ich mich scheiden lassen würde, hättest du mich auch einfach so vergessen?“ fragte Stu geschockt, da er einerseits nicht glauben konnte, was sie da sagte. Zwischenzeitlich saß ich auf der Treppe und lauschte. „nein, Schatz, würde ich nicht“ versuchte sie die Situation zu retten. „Wenn du so denkst ja anscheinend schon“ blieb Stu stur. „Stu! Das ist unfair. Ich sage dir nur meine Meinung. Außerdem lassen wir uns nicht scheiden und vermissen würde ich dich immer“. Stille trat ein. „Aber ich finde nur, dass sie daran Schuld ist, dass die Vergangenheit wieder auflebt. Sie hatte zwischenzeitlich einen Freund, Lee hat damit auch abgeschlossen und jemand Neues gefunden, den er bald heiraten wird. Nur sie kann damit nicht abschließen, obwohl sie jemand Neues hatte, den sie ja wegen der ganzen Sache wieder verloren hatte“ versuchte sie zu erklären, was aber vergebens war. Die beiden hatten einfach verschiedene Ansichten. „Lee hat sie aber geliebt. Er wusste, dass sie weggehen würde und hat sich deshalb auf Michelle eingelassen. Sie ist nicht jemand Neues, sie ist die alte Person, wegen der meine Schwester ja auch so sauer und verletzt ist. Was würdest du denn denken, wenn ich Lee wäre, das mit dir gemacht hätte, wie mit meiner Schwester und nun nicht mit dir, sondern mit ner ganz anderen verheiratet wäre?“. Jenny verdrehte nur ihre Augen. „Ja, ist okay“ blieb auch Jenny stur und ging nicht weiter darauf ein. „Wie viele Eier willst du?“ fragte sie trotzig, doch Stu stand einfach nur auf und ging. Schnell rappelte ich mich auf und tat so, als wenn ich die Treppen herunter kam. „na?“ sagte er, als er mich sah. Ich starrte ihn traurig an. „Ihr müsst euch nicht wegen mir streiten“ jammerte ich. „Mach dir keinen Kopf. Möchtest du mit uns frühstücken?“. Ich schüttelte den Kopf. Der Hunger war mir schon lange vergangen. „Nein, ich wollte nur ein wenig durch den Hyde Park, spazieren“. Er nickte nur verständnisvoll, strich mir über den Rücken und sah mir in die Augen. Danach nahm ich meine Jacke und lief raus. Es war mittlerweile schon fast halb 10 und ich lief immer noch draußen herum. Ich setzte mich in der Nähe vom See auf eine Parkbank und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Was sollte ich bloß tun? Phil würde mich nie wieder sehen wollen, das war klar. Lee war sowieso sauer auf mich. Jenny, die so tat, als wäre sie verständnisvoll und eine Freundin entpuppte sich als etwas anderes. Mus war irgendwie auch sauer auf mich, obwohl ich noch nicht ganz verstehen konnte wieso. Die anderen waren von der Sache einfach nur peinlich berührt, demnach war mein Bruder der Einzige, der überhaupt noch zu mir hielt. Ich stöhnte laut auf und starrte den See an. Die Sonne ließ den See so schön glänzen, dass es fast wie ein Märchen aussah. Doch plötzlich bemerkte ich nur schnelle Schritte. Aus meinen Gedanken gerissen starrte ich nach links, da ein Jogger ankam. Er begrüßte mich freundlich mit einem „Guten Morgen“, was ich natürlich erwiderte. Fröhlich joggte er dann an mir vorbei, ohne das ich wusste, wohin überhaupt. Ja, man sah täglich so viele Menschen, man kannte aber nicht ihre Ziele, wohin sie wollten, oder ihre Träume, noch nicht mal einen Hintergrund. Man wusste nicht, wieso sie bestimmte Sachen machten oder was ihr Grund für ihr Verhalten war. Von weitem erkannte ich noch einen Jogger. Je näher er kam, desto sicherer war ich mir, dass es Lee war. Tatsächlich... Lee war auf einmal wenige Meter von mir entfernt. Seine Wangen waren von dem Laufen und der Kälte leicht rötlich gefärbt. Seinen Atem konnte man auch sehen, da es schon recht kalt war. Je näher er auf mich zukam, desto langsamer wurde er. Man sah, wie er sein Gesicht verzog. Plötzlich stand er vor mir. Doch nichts passierte... Er starrte mich an, als hätte er mich nie gesehen, als wäre ich nicht da gewesen. Er starrte durch mich durch, wie Luft. Was hätte ich denn sagen sollen? Los, Lee! Küss mich! Heirate mich, nicht sie! Oder vielleicht: Was schaust du so dumm? Noch nie ein trauriges Mädchen allein auf einer Parkbank sitzen sehen? Doch dann lief Lee weiter, schaute mir nicht mal mehr nach... Doch ich ertappte mich selbst dabei, wie ich ihm hinterher sah. Du bist und du bleibst ein Traum, in den ich mich verliebt’ hab’. Bitte weck’ mich nicht auf, denn du bist so sah und doch so fern. Ja, das passte einfach. So nah und doch so fern. Lustlos schlenderte ich dann endlich weiter zum Parkausgang. Aber was mich dort erwarten sollte, war mehr als überraschend. „Lee?“ fragte ich fassungslos, da er einfach nur da stand und wartete. Er starrte mich hilflos an. Anscheinend wusste er selber nicht, wieso er das tat. „Wir müssen miteinander reden, das geht so nicht weiter. Wir müssen eine Lösung finden“ japste er, da er noch ein wenig außer Puste war. Es schien, als wäre er den letzten Rest nach mir förmlich gerannt. Apropos Lösung. Ich hätte da eine, aber mit der wäre er nicht einverstanden. „Wohl eher ein Kompromiss, als eine Lösung“ korrigierte ich ihn, was er wohl nicht verstand. „Wie auch immer“ ging er nicht weiter darauf ein, „Es kann so trotzdem nicht weiter gehen“ „Ja, und deshalb habe ich auch schon eine Lösung für mich gefunden“ fiel ich ihm selbstbewusst ins Wort. Er staunte, wobei er seine Augenbrauen hochzog. „Du brauchst gar nicht so überrascht gucken. Ich packe“ war alles, was ich sagen musste, um ihn zu verletzten... – hoffte ich zumindest. Ich machte mir doch etwas vor. „Wie du packst?". Er staunte. "ja, du hast schon richtig verstanden" knurrte ich schon fast. "Ja, aber ... Du kannst doch nicht einfach so gehen?" "Doch, ich kann. Und du wirst es eh nicht mehr ändern. Du bist viele Jahre ohne mich ausgekommen, wieso nicht jetzt auch? Oder vielleicht für immer?“, stoppte ich und wartete auf eine Unterbrechung seinerseits. Doch nichts kam. „Jedenfalls... Alles Gute für die Hochzeit in 1 1/2 Monaten. Vielleicht wird es ja besser laufen als bei uns" murmelte ich den letzten Teil und lief an ihm vorbei. Er schaute mir hinterher, er wollte sogar etwas sagen, aber das hatte ihm einfach nur die Sprache verschlagen... genauso wie mir... Jetzt war es publik: ich sollte gehen.

„Sag mal spinnst du? Du verlierst ja jetzt völlig den Verstand!“ schrie mich Stu sauer an. Von ihm ließ ich mich aber nicht beirren und packte meine letzten Sachen auch noch in den Koffer. „Sei leise! Du hast ja keine Ahnung!“ schrie ich zurück und gab mein Bestes, nicht zu weinen. „Wo willst du überhaupt hin? Du kennst keinen einzigen Menschen in irgendeinem Land! DU setzte deine ganze Familie und deine Freunde hier auf’s Spiel, lässt sie dumm im Regen stehen und erwartest auch noch Verständnis von uns?“ zickte er weiter. Jenny stand auch schon in der Tür. Sie schien sauer gewesen zu sein, da Stu ziemlich laut wurde. „könnt ihr euch auch mal wie normale Menschen unterhalten?“ funkte sie sauer dazwischen. Ich warf ihr nur einen bösen Blick zu, kümmerte mich schon gar nicht mehr über eine Ordnung in meinem Koffer und schmiss alles kreuz und quer rein. „Halt dich raus“ zischte Stu und schenkte mir wieder seine böse Aufmerksamkeit. Sie verdrehte nur die Augen und knallte die Tür hinter sich zu. „Meine Güte! Du bist alt genug um zu wissen, dass man nicht wegen jedem Scheiß abhaut! Stell dich doch einfach mal deinen verdammten Problemen! Von wegen, du bist alt genug und weißt was du tust. Anscheinend bist du kein bisschen älter geworden! Hast wohl dein Hirn im Sommer bei Lee gelassen!!“. Ich hatte die Nase voll. AAH! Ich hasse Stu! Wieso tut er mir das an?? „Ich renne ganz und gar nicht von meinen Problemen weg, du neunmalkluger Möchtegern Psychiater!“. Er sah mich mit funkelnden Augen an. Nein, nicht, weil er gleich weinen musste, sondern vor Wut. „Weißt du was?! DANN SIEH ZU! Und wehe, du kommst auch nur irgendwann angeschissen und meinst, ich helfe dir! NICHTS DA! Wenn du meinst, so mit uns umgehen zu müssen.. BITTE! Wie du willst. Hau ab, ich will dich hier nie wieder sehen!“ schrie er mich das letzte Mal an, zeigte mit seinem Finger auf die Tür. Noch einmal warf ich ihm einen bösen Blick zu, bevor ich den Reißverschluss von meinem Koffer zuzog. Genervt schnappte ich ihn mir und zog ihn sauer hinter mir her, bis ich unten vor der Haustür stand, mir die Jacke angezogen hatte und mit voller Wucht das Haus verließ. Doch nun war die Situation anders. Perplex stand Stu in meinem Zimmer, schaute sich um und stellte fest, dass ich wirklich weg war. Er packte sich an die Stirn, drehte sich noch einige Male um, bevor er aus dem Zimmer nach unten zu Jenny lief. Doch die war stocksauer. „Was hast du denn?“ fragte Stu, der ihre Reaktion nicht verstand, vor allem aber vergaß, dass er sie so angeschrieen hatte. „Was bildest du dir eigentlich ein?“ begann sie mit einem verbissenen Unterton. Stuart warf die Hände unschuldig in die Luft. Mit einem Fragezeichen im Gesicht starrte er sie an. „Du meinst, hier die ganze herum schreien zu können? FEIN! Dann geh auf die Straße! Da kannst du so viel schreien, wie du willst! Außerdem hast du unseren Sohn vom Mittagsschlaf geweckt, du Oberschlauer!“ zickte sie ihn weiter an. Stu stand nur da, senkte seinen Kopf schuldbewusst und murmelte ein „Es tut mir Leid“. Jenny war immer noch sauer, wusste aber dennoch, dass seine Entschuldigung ernst gemeint war. Sie klang immer noch etwas gereizt als sie fragte, was denn nun die Situation mit ihm und Stu ergeben hatte. „Sie geht. Keine Ahnung wohin. Ist mir auch egal“. Gleichgültig setzte er sich auf die Couch und zappte herum.

[Dieser Beitrag wurde am 04.12.2009 - 1




Schrotti
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...   Erstellt am 04.12.2009 - 14:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„Sie ist dir nicht egal… Wenn sie es wäre, hättest du nicht so einen Aufstand gemacht. Ich würde auch nicht wollen, wenn mein Bruder einfach so gehen würde“ gestand sie und nahm ihn tröstend in ihre Arme. Stuart offenbarte zum ersten Mal seine Tränen, die nach und nach über seine Wangen kullerten. „Sie wird dich garantiert nicht im Stich lassen, da bin ich mir sicher“ flüsterte Jenny ihm liebevoll ins Ohr. Noch immer saßen sie Arm in Arm auf der Couch und spendeten sich Trost. Nach einem Moment der Stille kam Jenny eine Idee. „Weißt du was? Vielleicht könnten wir ja…“

In der Zwischenzeit nahm ich mir sauer ein Taxi. „Zum Flughafen bitte“ sagte ich noch immer etwas gereizt. „Sie scheinen ja fröhlich zu sein“. Ich stieg hinten ein und starrte nach vorne. „An Ihrer Stelle würde ich nicht so sarkastisch sein“ ermahnte ich ihn. Ich konnte durch den Rückspiegel sehen, wie er mich einen Moment lang lächelnd anschaute. Danach verschwand es wieder. „Wissen Sie… Ich weiß zwar nicht worum es geht. Aber so ein Abschied ist nicht gerade schön. Hinterher passieren irgendwelche Sachen, die nicht passieren sollten oder Sie bereuen Dinge, die sie sagten. Irgendwann werden Sie wieder einander brauchen“. Ich starrte genervt aus dem Fenster. War der so was wie ein Schutzbefohlener oder was? Ich nahm noch einmal tief Luft und schaute ihn wieder an. „Hören Sie. Alles, was ich will, ist zum Flughafen gefahren zu werden. Ist das so schwer?“ meckerte ich schon fast, dennoch mit einem sanften Ton. Er nickte nur. „Ja, Ma’am. Ich meinte ja nur. Es ist nicht immer schön, sich so auf Wiedersehen zu sagen. Ich erlebe einiges in diesem Beruf“. Ich murmelte ein paar Schimpfwörter vor mich hin bis ich endlich Ruhe gab. Gelassen starrte ich die ganze Fahrt über aus dem Fenster. Ich betrachtete die Umgebung und konnte ruhig in Gedanken England noch mal Lebewohl sagen. Nach mehr als 45 Minuten waren wir endlich da. Er stieg aus, holte den Koffer aus dem Kofferraum und lächelte mich wieder an. Mit eingeschränkten Armen stand ich neben ihm. „So, Ma’am. Ich wünsche einen guten Flug“. „Danke“ lächelte ich verkniffen. Er merkte bestimmt, dass mir sein Gerede auf den Geist ging und somit auch, dass mein Lächeln nur aufgesetzt war. Ich war da. Endlich realisierte ich, dass ich nur noch einen kleinen Schritt von einem neuen Leben entfernt war. Ich schloss die Augen für einen Moment und lief anschließend rein. Langsam schlenderte ich zu einem Schalter, um mir ein Flugticket zu kaufen. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ fragte mich die nette Dame in diesem komischen Fluggesellschaftskostüm. Es war dunkelblau und sah eher wie ein Matrosenoutift aus als alles andere. „Ich hätte gerne so schnell wie möglich einen Flug nach Deutschland“. Anhand meiner Stimme bemerkte man, dass es dringend war. „Heute noch“ fügte ich hinzu.

„Hast du ihn angerufen?“ fragte Jenny aufgeregt. „Ja, habe ich. Er wusste, dass sie weg wollte. Aber anscheinend keiner wann und wohin“ berichtete Stu von dem Gespräch. Jenny stöhnte. „Fährt er hin?“. Stu nickte. „Er ist schon längst auf dem Weg“ war alles, was er noch dazu sagte. Er starrte Jenny hilflos an. „Es wird wieder“ beruhigte sie ihn. Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

Währenddessen hatte ich einen Flug bekommen. Doch leider erst einen in 3 Stunden. Ich schlenderte ein wenig herum, sah mir die Geschäfte an. Und je länger ich warten musste, desto unsicherer wurde ich, ob das Ganze richtig war. Ich starrte eine Frau an, die auch noch auf einen Flug zu warten schien. Sie war in einen der vielen Beauty Läden gelaufen und schaute sich das Makeup an. Ich bemerkte, wie sie etwas zu bedrücken schien. Die ganze Zeit über starrte sie leer durch den Laden. Sie rang mit sich in Gedanken, das sah man. Sogar ein Blinder konnte es sehen. „Noch 2 Stunden“ murmelte ich und starrte auf die Uhr. Wenigstens konnte ich schon einchecken. Langsam schlenderte ich wieder Richtung Haupteingang. Je näher ich zum Eincheck-Schalter kam, desto mulmiger wurde mein Gefühl. Tu es nicht. Du wirst es bereuen. Überlege es dir noch mal, sagte die Stimme in meinem Kopf. Ich war einfach verwirrt. Es waren nur noch 5 Leute vor mir. Ich schniefte ein wenig und schaute auf die Uhr. Noch 1 ¾ Stunde. „Elena!“ rief plötzlich jemand. Ich schaute zur Seite, aber keiner war zu sehen. Wahrscheinlich war doch nur jemand anders gemeint. Endlich ging es voran. Nur noch 4 vor mir. „Elena!“ hörte ich erneut, diesmal kam es sogar näher. Plötzlich war eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich erschrocken um und sah in Lees blaue Augen. Er war leicht aus der Puste, als sei er die ganze Zeit etwas gerannt. „Lee…“, sagte ich perplex, „Was machst du denn hier?“. Er lächelte zunächst lieb, dann etwas autoritär. „Versuchen, dich davon abzuhalten“. Inzwischen standen wir voreinander. Was tat er da? Die ganze Zeit hatte er sich einen Dreck um mich gekümmert,… Verständlich! Und nun wollte er nicht, dass ich ging? Ich drehte mich wieder um. Nun waren es nur noch 2 vor mir. „Elena, tu’s nicht. Du kannst nicht gehen“ flehte er mich schon fast an. Seine Stimme wurde wacklig, er hielt mich sogar am Handgelenk fest. Nur noch eine Person. „Nein, ich muss“ begann ich fast zu flüstern. „Was habe ich denn zu verlieren?“ warf ich ihm vor. Er legte seine Hände an meinem Kinn, hob den Kopf leicht an und flüsterte „Das“. Unsere Lippen trafen sich und es war wie ein Feuerwerk im Körper. Es war genau das, was ich seit langem vermisst habe… Wie ich mich sogar danach sehnte. Als sich unsere Lippen wieder voneinander lösten schien es so, als sie die ganze Welt stehen geblieben. Es war einfach nur unglaublich. „Miss? Möchten Sie nun einchecken?“ fragte mich die Frau am Schalter. Lee schaute mich mit einem Lächeln an, genau so wie ich die Frau. „nein, ich glaube, dass brauche ich nicht mehr“. Er nahm mich an die Hand und liefen gemeinsam zum Auto. Wie selbstverständlich nahm er den Koffer und hob ihn in den Kofferraum. Ich stand jedoch noch immer an der Beifahrertür angelehnt am Auto. Lee kam zu mir rum und schaute mich lächelnd an. „Was ist?“ fragte er. Ich schaute ihm direkt in die Augen, lächelte wehleidig und ließ es dann wieder verschwinden. „Ich kann das alles einfach noch nicht glauben“. Es klang schon fast fassungslos. Wieder lächelte Lee, kam mit seinem Kopf etwas vor. Nun trennten unsere Lippen nur noch wenige Zentimeter. Wir küssten uns noch mal. Ich schloss meine Augen und war wieder in dieser Traumwelt. Seine Zunge massierte sanft meiner; wir waren wieder vereint. „Jetzt glaube ich es“ lächelte ich. Er nahm mich wieder an die Hand und schaute mir tief in die Augen. „Was ist mit Michelle?“. Zunächst antwortete Lee nicht. Plötzlich ließ er meine Hand los und lief zur Fahrerseite rüber. Deprimiert setzte er sich ins Auto und startete die Zündung. Schnell setzte ich mich zu ihm rein, schnallte mich an, doch er fuhr schon los. „Was willst du mit ihr machen? Die Situation wird sich doch so überhaupt nicht ändern!“ warf ich ihm traurig vor. Wir hielten an einer Ampel. „Es ist schwierig, verstehst du? Sie weiß noch nicht mal, dass ich hier bin“ gab er dann zu. Schockiert schaute ich ihn an, doch schon wenige Sekunden später wandte ich meinen Blick von ihm ab. „Na ja, ich wäre auch nicht gerade glücklich, wenn mein Verlobter mich einfach so sitzen lassen würde“. Ich starrte noch immer aus dem Fenster. Es war eine ziemlich verzwickte Situation. Ich spielte langsam wieder mit dem Gedanken Lee einfach zu vergessen. Irgendwie schien es nicht anders gehen zu können. Er konnte doch nicht einfach seine Verlobte für mich in den Wind schießen, ich meine… Na gut, gönnen würde ich es ihr natürlich, weil er ja einerseits das Gleiche mit mir gemacht hat, aber trotzdem. Oh man, ich war irgendwie zu lieb für diese Welt. Während ich über alles nachdachte, hatte Lee immer noch nichts gesagt. „Du liebst sie, stimmt’s?“. Natürlich tat er das. Er konnte doch nicht einfach irgendjemanden heiraten, den er nicht liebte. Mir fiel auf, dass ich ihn Sachen fragte, ohne seine Antwort abzuwarten und mir alles schon im Kopf ausmalte. Wieso antwortet er denn die ganze Zeit nicht? Total vertieft fuhr er Auto. Ich räusperte mich. Sie war wahrscheinlich nur anfangs eine Ablenkung, doch dann war ich nicht da und er hatte freie Bahn für eine neue Liebe. Er liebte sie, das stand einfach fest. „Wieso sagst du denn nichts, hm?“. Ich versuchte lieb und verständnisvoll zu klingen, dafür gab ich echt mein Bestes. Anscheinend klappte es auch, da Lee endlich wieder ein Wort sagte. „Natürlich liebe ich sie“ antwortete er endlich. Klar tat er das! Wie ich es mir schon dachte. Vielleicht sollte ich den Rest meines Lebens als Hellseherin in irgendeinem Zirkus arbeiten. Ich malte mir schon aus, wie ich lange Schwarze Haare hatte, ein lila Tuch auf dem Kopf trug, eine große Warze auf der Nase saß und ich grässlich kicherte. Wuah, der Gedanke war schrecklich. Schnell stellte ich mir irgendeine schöne Szenerie vor. „Es ist kompliziert, ja“ stimmte er zu. Wow! Konnte er langsam meine Gedanken lesen? Wahrscheinlich wollte ich alles ins Lächerliche ziehen, damit mir dieses Gespräch nicht zu schwer fiel. Ich zählte noch einmal ruhig bis 10 und schaute ihn an, legte dabei meine Hand auf seine. Schlagartig schaute er mich mit einem traurigen Lächeln an. „Ich weiß nicht, was ich machen soll“ gestand er verzweifelt. „Ich aber“. Er lächelte diesmal ernsthaft, als wenn ich die perfekte Lösung für das Problem gehabt hätte. „Vielleicht sollst du sie einfach heiraten…“ begann ich. Lees Lächeln verschwand abrupt. „Weißt du, die ganzen Jahre klappte es ohne einander. Und ja, es war wirklich ein Fehler von mir zu erwarten, dass es wie früher sein könnte. Ich habe richtig Mist gebaut, glaub mir, richtig großen. Ich habe eure Beziehung auf den Kopf gestellt. Und wegen was? Wegen irgendeinem pubertären Hirngespinst“ ich lachte leicht, es klang schon fast ironisch. „Ich möchte auch nicht, dass du sie wegen mir verlässt. Wenn du sie liebst, liebst du sie. Glaub mir, es ist sehr wahrscheinlich das Beste“. Für ihn war es auf jeden Fall das Beste, dachte ich mir. Ich wollte nicht als totaler Depp dastehen und ich glaube, man musste auch mal ein guter Verlier sein, selbst wenn es so was bedeutete. Es kam mir auch wieder Stu in den Sinn, weil wir uns so arg gestritten hatten. Bei ihm musste ich mich auch noch entschuldigen. Wir waren auch nur noch 15 Minuten von Zuhause entfernt. „Danke“. Lee schaute mich noch mal an. „Nichts zu danken. Wenigstens wanderst du jetzt nicht mehr aus“. Wir lächelten beide. Als wir in der Einfahrt standen wurde es ganz still um uns. „Es bedeutet mir viel, dass du hier geblieben bist“ „Ja, mir auch“. Ich lehnte mich noch ein letztes Mal zu ihm rüber und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Einen Moment lang schien es komisch gewesen sein, das lag wirklich so in der Luft, aber dennoch stieg ich aus und holte meinen Koffer. Lee stieg auch aus und half mir damit bis zur Tür. Lee dachte die ganze Fahrt über nach. Wahrscheinlich führte er auch einen Kampf in Gedanken mit sich selbst, versuchte den besten Weg zu finden, um ihn gehen zu können. Ja, wahrscheinlich hatte er sogar den Kampf verloren. „Und wehe ich werde nicht zu der Hochzeit eingeladen“ lachte ich unter Tränen. Lee bekam auch Tränen in den Augen, das Blau seiner Augen glänzte so schön. Mit dem Finger wischte er mir dennoch meine weg. „Keine Angst. Du wirst die erste sein, die eine Einladung bekommt“. Mit dem Ärmel wischte ich mir noch mal das Nasse von den Augen weg. Ich holte tief Luft. Das war wieder einer dieser merkwürdigen Momente, wo niemand etwas sagte und alles still war. Lee lief langsam zurück zum Auto. Ich hingegen stand nun wieder vor Stu. Alles geschah ohne Worte, wir fielen uns einfach in die Arme. Nun hieß es nur noch einmal stark zu sein, nur noch das eine Mal für die Hochzeit. Danach konnte ich endlich loslassen.

E N D E





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