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<LiteraTour>
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...   Erstellt am 10.08.2008 - 12:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit oder ohne?

Sie: Nehmen Sie Milch in den Tee?

Er: Danke, nein.

Sie: Zucker?

Er: Danke, nein.

Sie: Als Sie zuletzt hier waren, nahmen Sie Zucker in den Tee.

Er: Ich finde, er schmeckt ohne Zucker besser.

Sie: Schön. — Geben Sie acht, dass Sie immer genau
wissen, wie Ihnen der Tee wirklich am besten
schmeckt. Es ist schwer, das genau zu wissen: man
quält sich damit ab, einen Stil zu linden.
Ich lernte einmal jemand kennen, der unbedingt einen rohen Eidotter im Tee haben musste, unbedingt ...
wenige Tage später ertappte ich mich dabei, dass ich auch einen rohen Eidotter im Tee haben musste, unbedingt.
Es schmeckte mir abscheulich, aber ich trank es.
Ich aß Käsesorten, vor denen ich mich, solange ich mich erinnern konnte, geekelt hatte; ich ekelte mich weiter vor ihnen, aber ich aß sie, weil jener sie aß. — Wissen Sie, wie jener hieß? Es war Otto Sansel.

Er: Der Dichter? Sie haben ihn gekannt?

Sie: Er war der Freund meines Vaters: damals war er
schon über sechzig: weißhaarig, groß,ein schöner
Mann, mit einer dunklen Stimme: der Typ, den man 1913 Schwerenöter genannt und vor dem Mütter ihre Töchter vergeblich gewarnt hätten ... ich trank einen rohen Eidotter im Tee, vier Wochen lang, bis mein Vater mir eines Tages die Tasse mit dem Eidotler vom Teller schlug.
Sie können den Fleck heute noch sehen, wenn Sie wollen: der Teppich liegt jetzt im Bügelzimmer: ein histonschei Teppich ...

Heinrich Böll




Mondnixe
unregistriert

...   Erstellt am 11.08.2008 - 15:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen





Tagtraeumerin
unregistriert

...   Erstellt am 14.08.2008 - 11:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen





Cecilia ...



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...   Erstellt am 30.08.2008 - 11:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»Herein«, sagte Celia.

» Ich habe Ihnen eine schöne, heiße Tasse Tee gebracht«, sagte Miss Carridge.

»Trinken Sie ihn, bevor er gerinnt.«
Aber Miss Carridge strömte einen Geruch aus, an den sich sogar ihre nächsten und teuersten Angehörigen nicht gewöhnt hatten.

Da stand sie, übelriechend und hingerissen von der Betrachtung ihres Tees, der getrunken wurde.

Es war dabei eine Ironie, dass Miss Carridge ganz unnötigerweise ihren Atem beim Anblick der Teetrinkenden Celia anhielt,während Celia ihren wegen des Geruchs der über ihr stehenden Miss Carridge nicht anhalten konnte.

»Hoffentlich mögen Sie das Aroma", sagte Miss Carridge. »Extra feiner Lapsang Souchong"

Sie zog mit der leeren Tasse von dannen, und Celia
schnappte nach dem wohlriechendem Duft ihres Busens.

Samuel Beckett, Murphy




Cecilia ...



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Status: Offline
Registriert seit: 28.06.2007
Beiträge: 426
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...   Erstellt am 03.09.2008 - 10:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Teekunst

Blätter

Mögen sie Falten zeigen
Wie eines Reiters Stiefel,
Zusammengerollt sein
Wie eines Ochsen Wamme.
Mögen sie sich entfalten
Wie Nebel in einer Schlucht,
Feucht und weich werden
Wie von Regen benetzte Erde


Schale

Die blaue Glasur Jade des Südens:
Die perfekte Höhlung Einer Teeschale.
Rühre mit Einem Bambusbesen.
Trinke und spüre die Seele fließen.



Kochen

Blasen entstehen:
Augen von Fischen.
Blasen schwellen:
Kristalle in einem Teich.
Blasen platzen:
Wellen in einem Sturm.


Teehaus

Abseits möge sie liegen,
eine Kate am Strand.
Kein Schwert besudeln diesen Ort der Muße.
Mit Leinenserviette und Bambuskelle
möge ein Schrein sie sein
für das Gewöhnliche, für das Teegespräch für den Teegenuß,
das Wasser am besten aus einer Bergquelle.

SEAN DUNNE

[Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 - 08:20 von Cecilia aktualisiert]




<LiteraTour>
unregistriert

...   Erstellt am 13.09.2008 - 12:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Leute von Erfahrung haben mir versichert, dass ein reines Gewissen den Menschen froh und glücklich mache. Aber ein voller Magen tut das auch, und das ist manchmal billiger und leichter zu beschaffen. Ja, man ist geneigt, zu vergeben und zu vergessen, man ist voll edler und großmütiger GefühJe — nach einer tüchtigen, wohlverdaulichen Mahlzeit.
Es ist etwas recht Sonderbares um diese Herrschaft des Magens über unseren Verstand. Wir können weder arbeiten noch denken, ehe er es uns erlaubt.
Er diktiert unsere Bewegungen und beherrscht unsere Leidenschaften.

Nach Eiern und Speck sagt er uns: »Jetzt arbeite!«
Nach einem Beefsteak und Porter ladet er uns zum Schlafen ein.

Nach einer Tasse Tee (NB. zwei Löffel Tee auf eine Tasse, aber nur drei Almuten ziehen lassen) sagt er zum Verstand:

»Jetzt erhebe dich und zeige, was du kannst! Nun sei beredt, voll tiefer Gedanken und zärtlich! Schau mit klarem Auge in die Natur und in das Leben! Breite die Flügel deiner schnellen Eingebungen aus und schwebe wie ein göttlicher Geist über der unter dir rollenden Welt; schweife dahin zwischen dem Heer der flammenden Sterne bis an die Tore der Ewigkeit!«

Jerome K. Jerome




<LiteraTour>
unregistriert

...   Erstellt am 22.09.2008 - 12:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»ALLES IM HAUSE WAR STRENG GEREGELT:
TEE UND ZUCKER WURDEN GETRENNT VERWAHRT,
DOCH BRÜHTE MAN DEN TEE GEMEINSAM AUF,
UND JEDES MAL FRAGTE DER GROSSVATER BESORGT:
,HALT, WARTE MAL - WIE VIEL HIAST DU HINEINGEFÜGT?'
ER SCHÜTTETE DIE TEEBLÄTTFR AUF DIE FLACHE HAND, ZÄHLTE SIE GEWISSHAFT NACH UND MEINTE:
,DEIN TEE IST FEINER ALS DER MEINE; ICH BRAUCHE ALSO NICI IT SOVIEL ZU NFHMEN, ER IST JA ERGIEBIQER, GROSSRLÄTTRIQER.'
ER ACHTETE GENAUESTENS DARAUF, DASS DIE GROSSMUTTER IHM UND SICH SELBST GLEICHSTARKEN TEE EINGOSS UND SIE GLEICH VIELE TASSEN TRANKEN.«

Maksim Gorkij, »Meine Kindheit« (1913)




Tagtraeumerin
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...   Erstellt am 25.09.2008 - 13:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Jüngst war ich bei Baron Alfred de Rothschild zu Gast in seinem Stadtpalais am Seamore Place. Frühmorgens erschien ein livrierter Diener in meinem Schlafzimmer mit einem riesigen Servierwagen und fragte:
'Wünschen Sie Tee oder einen frischen Pfirsich, Sir?'
Ich wählte Tee, und sofort kam die nächste Frage:
'Chinesischen, indischen oder Ceylon, Sir?'
Ich nahm indischen, und sofort ging es weiter:
'Mit Zitrone, Rahm oder Milch, Sir?'
Ich entschied mich für Milch, und nun wurde ich nach der Rinderrasse gefragt:
'Jersey, Herford oder Shorthorn, Sir?'
Nie hat mir eine Tasse Tee köstlcher geschmeckt, hier war ich wirklich Seine Majestät, der Gast."

Cecil Rhodes




Romi ...



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Beiträge: 2176
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...   Erstellt am 26.09.2008 - 08:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Zusammenfassung:

Tee trinken ist ein Zeremoniell
Tee trinken hat Stil
Für eine Teestunde brauche ich Zeit
Tee trinken entspannt
TeeZeit schafft gute Gespräche
Als Teegast bin ich Majestät
Teetrinken hat also etwas Aristokratisches
Gemeinsames Teezubereiten steht nicht unter Konkurrenz,sondern genießt Indeividualität.

It's Teatime...der TeeBeutel gehört ins Büro.

Ich freue mich auf die nächste Teestunde.




Cecilia ...



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Status: Offline
Registriert seit: 28.06.2007
Beiträge: 426
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...   Erstellt am 06.11.2008 - 07:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


(...) Murphys Fourpenny-Mittagessen war ein Ritual, das durch keinerlei Grundregeln der Ernährung verfälscht wurde.
Er ging Schritt für Schritt am Staket entlang, bis er eine Filiale der Lebensmitteleinkaufsgesellschaft, die er suchte, erreichte. Das Gefühl der Sitzfläche eines Stuhls, die mit seinem sich niederlassenden Hintern schließlich zusammentraf, war so herrlich, daß er sich sofort wieder erhob und sich von neuem hinsetzte, ganz langsam und mit äußerster Konzentration.

Solche Zärtlichkeiten wurden Murphy nicht so oft zuteil, als daß er es sich leisten konnte, ihnen gleichgültig zu begegnen. Das zweite Hinsetzen war jedoch eine große Enttäuschung.

Die Kellnerin stand vor ihm und wirkte so geistesabwesend, daß er sich nicht berechtigt fühlte, sich selbst als ein Element ihrer Situation zu betrachten. Als er sah, daß sie sich nicht rührte, sagte er schließlich:

»Bringen Sie mir«, in dem Ton eines Schulmeisters, der fest vorhat, die Spezialität des Hauses für die ganze Ausflugsgesellschaft zu bestellen.

Er hielt nach diesem vorbereitenden Signal inne, um die Vor-Peri-ode zu Ende gehen zu lassen, diese erste der drei Reaktionsphasen gemäß der Külpe-Doktrin, während der die Antwortqualen am heftigsten sind.
Dann übte er den eigentlichen Reiz aus.

»Eine Tasse Tee und eine Packung Kekse.«

Für Twopence Tee und für Twopence Kekse,
ein ausgewogenes Mahl.

Als ob sie plötzlich die große magische Kraft oder gar die chirurgische Eigenschaft bemerkte, murmelte die Kellnerin, bevor sie wieder in die Strudel des Hochbetriebs geriet:
»Nenn mich Vera, Liebling.« Es war keine Zärtlichkeit.

Samuel Beckett
EIN AUSGEWOGENES MAHL




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