Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 24.03.2006 - 09:03 |  |
Ich denke bei Libertins eigentlich eher an Männer wie Valmont. Dass der Begriff auf Frauen auch passen könnte kam mir noch nicht. Das Buch "Gefährliche Liebschaften" (nicht der Roman) zeigt schöne Beispiele des Zeitalters der Libertins, das für mich in der Régence begann und mit der Revolution endete. Meiner Meinung nach ist das Libertin(un)wesen eine franz. Besonderheit, obwohl man auch beim Trenck (ein anderer Thread) Ansätze davon finden kann.
Eine klare Deffinition wird es wohl nie geben, am ehesten eine zeitliche Eingrenzung.
Na Rousseau erscheint mir nicht ein Libertin zu sein, eher schon Voltaire.
Als richtige Libertins würde ich den Duc d'Orléans (Philippe Egalité in der Rev.) und Talleyrand bezeichnen.
Ah ja von diesen "Swingerclubs" des 18.Jh. steht auch was in genanntem Buch. Es ist schön mit stimmungsvollen Texten und Bildern versehen, auch wenn nicht ganz wissenschaftlich.
Die Betrachtung dieser Libertins finde ich in einem Empireforum ganz angebracht, weil die Libertins doch auch den Gentlemen mitgeformt haben, wie mir erscheint.
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
Catherine  Zweig


Status: Offline Registriert seit: 03.01.2006 Beiträge: 194 Nachricht senden | Erstellt am 31.03.2006 - 14:09 |  |
Find ich grad recht passend:
Aus
„Der Schönheit Malerin....Erinnerungen der Elisabeth Vigée-Le Brun“
Porträt von M. de Landeron, von ihm selbst verfasst und der Rolle des „Dorlange“ in dem Lustspiel „Die Luftschlösser“ angefügt.
Mein Bildnis will ich malen, mir nur zum Vergnügen,
Und ähnlich soll es werden, ganz, in allen Zügen.
Wird ich auch wirklich recht und weise handeln? Nein!
Doch wenn’s auch töricht ist, es wird doch lustig sein!
Schon von Natur zum Leichtsinn, wie Geschwätz geboren
Hab´ ich´s im Leben durch Gebrauch niemals verloren.
„Nur oberflächlich, sag´ ich, doch mit einem Wort,
Nie gründlich, gleit ich über alles flüchtig fort.
Vertrauensvoll und gut bin ich nur gar zu sehr,
Drum wurd´ ich oft getäuscht, mich drückt das nicht zu schwer.
Warum? Ich lieb´s, mich gehen zu lassen. Wohl erwogen:
Bin wen´ger gern ich ein Betrüger als betrogen.
Die Ehr´ und Freundschaft lieb ich mehr noch als mein Leben
Und hab für diese Götter alles hingegeben.
Leichtsinnig von Charakter, kann mir niemand rauben
Das Glück, an gar nichts zu verzweifeln, noch den Glauben,
Daß immer mir ein Mittel zu Gebote steht,
Wenn´s einmal nicht so ganz nach meinen Wünschen geht.
Und stürzt mit Macht das Unglück über mich herein,
Und sollte gift´ger Schmerz damit verbunden sein,
So kommt zu mir der Traum, die Hoffnung, stets bereit,
Im Herzen mir zu walten statt der Wirklichkeit.
Ich bin geschaffen lieb zu haben das Geschlecht,
Das nur der blinde Neid verurteilt ohne Recht.
Verteid´gen mich dagegen tu ich nicht. Die Triebe
Bekämpf´ ich einmal nicht. Ich liebe, ja ich liebe
Die Weiber heut wie morgen hier auf Erden,
Und sollte ich die Beute auch des Wahnsinns werden.
Was sind und gelten wir denn ohne dies Geschlecht?
Man hat mich flatterhaft gescholten, und mit Recht.
Und bin ich auch, gesteh´ ich´s, töricht mehr als weise,
So ist mein Geist wie auch mein Leib stets auf der Reise
Und irrt umher in neuen Plänen, Liebeleien,
Davon kann ich mein leben lang mich nicht befreien.
Man schilt, ich wäre vielen Frauen gleich gewogen,
gäb vor, ich liebte sie; dann wären sie betrogen.
O Nein! Ich glaube fest in jeder dieser Frauen
In voller Lieb´ mein hohes Ideal zu schauen.
Die echte Liebe hab´ ich zweimal wohl gekannt,
Bin bis zur Raserei in sie hineingerannt.
Doch klag ich nur mein Schicksal an. Mir wurde klar
Daß gar zu schwer, gesteh´ ich´s, die Versuchung war.
Die Qualen, irr ich nicht, den Vorteil überragen.
Die Fesseln Hymens hab ein Lustrum ich getragen;
Drei Jahre lebte ich, wie´s nur ein Leichtfuß kann,
Man hieltmich später für´nen guten Ehemann.
Empfänglich ich, die Frau ein Engel von Gemüt,
Was war der Grund? Es lag mir im Geblüt!
Mich machte der Genuß der Frauengunst nicht trunken,
Und wenn das Unheil kam, nicht bin ich drin versunken.
Ich habe oft gekämpft, bin viel gereist auf Erden,
Weil mir´s Bedürfnis war, dadurch erregt zu werden,
Und ohne Überlegung hab´ ich´s unternommen.
Den Ruhm suchte ich nicht mehr als Vorteil zu bekommen.
In Wahrheit hab´ ich´s nur zum eitlen Geck gebracht,
Ich war es nicht; man hat mich dazu gemacht.
Kann ich beständig sein bei Abenteuersucht
Selbst jetzt, und später in der Zeiten Flucht?
Gewiß, ich bin der beste Freund und Ehemann,
Wenn ich nur meiner Bummelwut recht frönen kann,
Und würde gern den Ruf als solchen mir bewahren,
Nur müsste ich dabei die ganze Welt befahren, (...)
Diese Schilderung von M. Langeron passt auf viele junge Leute des französischen Hofes ur Zeit der Revolution. Bei den meisten von ihnen vereint sich etwas Unbesonnenheit mit Freimut und Tapferkeit und einer gewissen Anmut des Geistes, die, man muss es sagen, vollständig verschwunden ist, seitdem wie so grundgelehrt und nüchtern geworden sind.
Mehr ist im Buch leider dazu nicht enthalten.
Signatur "Ich were erstickt, wenn ich dieses nicht gesagt hätte" Liselotte von der Pfalz |
Venator Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 10.12.2005 Beiträge: 7 Nachricht senden | Erstellt am 05.04.2006 - 15:38 |  |
Aha, alsoist ein Libertin ein Mensch, der mit Wollust an dem Aste sägt, auf dem er sitzt.
Dazu neigen gewöhnlich Menschen, denen es so gut geht, daß sie für jeden Unfug, diesen je größer, desto besser, Zeit haben.
Grüße
Venator
Signatur "Ein mit Gold beladener Esel erstürmt jede Festung". |