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Ciriel 
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...   Erstellt am 26.02.2008 - 13:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Weiter gehts: Es ist wieder Montag und damit Zeit für unsere Leserunde. Dieses Mal beschäftigen wir uns mit "The Bruce Partington-Plans / Die Bruce-Partington-Plane" (1908)
http://www.sherlockian.net/canon/stories/bruc.html

Mycroft ruft seinen Bruder ein zweites Mal zu Hilfe: Die Pläne des Bruce-Partington-U-Bootes sind verschwunden. Das heißt, man hat den Angestellten West mit sieben der zehn Pläne in der Tasche tot an der Bahnlinie aufgefunden. Die drei fehlenden Blätter der technischen Zeichnung sind die wichtigsten, und vor allem diese soll Holmes wiederbeschaffen.
Alles deutet zunächst auf West als Dieb hin. Warum hat er aber sein Mädchen mitten im Nebel stehen lassen und rannte davon? Als dann auch noch wahrscheinlich wird, dass West gar nicht im Zug, in dem man ihn fand, ermordet wurde, beginnt Holmes, echte Zweifel zu hegen....


Arthur Twidle übernimmt wieder die Feder und tritt gekonnt in Pagets Fußstapfen! Besonders gefallen haben mir die drei Bilder "The tall and partly form...", "Do you mean to say..." und "Halloa, Watson, what is this?"

Meine Meinung vorweg: Diese Kurzgeschichten gehört zu den besten, die Conan Doyle geschrieben hat: Spannung, Deduktion, eine gute und größtenteils sehr logische Geschichte. Alles, was man braucht!

Diese ist die zweite Geschichte, in der Mycroft Holmes einen Auftritt hat. Es geht um eine wichtige Angelegenheit der Regierung, und natürlich ist sein Bruder ihm zu helfen, aber wie er selbst sagt "I play the game for the game's own sake", also spielt er um des Spielens willen. Es geht weder um Geld oder irgendwelche Titel, die ihm Mycroft auch anbietet. Doch fangen wir von vorne an...

London ist seit drei Tagen in dichten Nebel gehüllt. Langsam wird Holmes ungeduldig und fängt an, sich zu langweilen. Die ersten Tage konnte er sich noch beschäftigen (u. a. mit einer Aufarbeitung seines Indexes). Jetzt aber ergreift die bekanne Unruhe wieder von ihm Besitz. Wie er später bemerkt, ist er sehr froh, daß ihm sein Bruder einen solch interessanten und rätselhaften Fall unterbreitet. Watson vielleicht auch? Denn so braucht er nicht zu fürchten, das Kokain erhalte erneut seinen ganz eigenen Reiz auf Holmes...

Sydney Johnson, einer der drei Schlüsselverwahrer, ist nach eigener Aussage der letzte, der abends nach Hause geht. Da klingt es doch ein wenig seltsam, daß er meint, er habe nur einen Safeschlüssel und keinen für die beiden Türen (die Eingangs- und die Bürotür). Das heißt, es wäre vielelicht noch vorstellbar, daß die Türschlüssel irgendwo zentral verwahrt werden und er sie nach Gebrauch dort jeden Abend hinterlegt. Laut Klinger gab es so etwas durchaus bei anderen Büros und Verwaltungsgebäuden. Aber abgesehen davon kann ich mir nicht vorstellen, wieso Johnson (der immer als letzter geht!) keinen Schlüssel haben sollte.

Als Holmes den Angestellten der Bahn nach West fragt, fragt er nur nach West und nicht nach noch jemandem, der vielleicht ein Ticket für den gleichen Zug bzw. eventuell sogar für das gleiche Abteil gekauft hat? Vielleicht hätte ihm das Hinweise auf den möglichen Mörder geben können - oder jemanden, der sich verdächtig benahm (West war immerhin so nervös und aufgeregt, daß er kaum sein Wechselgeld einstecken konnte)! Doch vielleicht glaubte Holmes auch, das würde nichts bringen, weil die Leiche auf dem Zugdach gelegen haben mußte und später hinuntergefallen war?

La Rothiére und Oberstein kennen wir namentlich bereits aus "The Second Stain / Der zweite Fleck".
Nach Mycrofts Nachricht ist Holmes sehr gut gelaunt. Er schlägt Wason sogar freundschaftlich auf die Schulter. Ebenso freut es ihn offensichtlich, daß Watson am Ende dem Einbruch bei Oberstein zustimmt. Er war sich wohl nicht ganz sicher. Vielleicht könnte man das als Freude über diesen freundschaftlichen Vertrauensbeweis werten. Immerhin schreibt Watson von einem kurzen Aufblitzen von "Herzenswärme" (tenderness) - das will bei Holmes schon etwas heißen!
In diesem Sinne möchte ich auch den eher lässig hingeworfenen Kommentar über das "verdächtige Subjekt" ("suspicious character") interpretieren. So eine Definition gab es im Police Code von 1904 wirklich. Demnach konnte jemand verhaftet werden, der sich nachts herumtrieb und keinen glaubhaften Grund angeben konnte, warum er z. B. einen Meißel dabei hatte. Holmes' Besorgnis dazu hatte also durchaus ihren Grund!

Warum hatte Oberstein Pierrots Nachrichten aufgehoben? Nachdem er sie beantwortet hatte, brauchte er sie schließlich nicht mehr. Das ganze Haus hat er offensichtlich von verdächtigen Gegenständen und Dokumenten befreit, damit ihm nichts nachzuweisen war (Holmes braucht ja sehr lange, um überhaupt etwas zu finden). Gerade diese kompromittierenden Nachrichten hat er behalten? Klingt mir nicht sehr professionell...

"Für England, Heimat und Schönheit!" (im Original "For England, Home and Beauty!") ist ein traditioneller Trinkspruch (Toast) in der Royal Navy.

In der Nachricht, die Holmes als Pierrot an Oberstein schickt, heißt es unter anderem "same place" (= "gleicher Ort"). Woher wußte er sicher, wo die beiden sich getroffen haben? Es gab keinen gesicherten Hinweis darauf, Holmes konnte im Gegenteil nur vermuten, dass es sich um Obersteins Wohnung handelte. Oder hat Watson irgendetwas vergessen zu erwähnen?
Dazu: Holmes hat Walter nicht erwartet? Wen denn sonst? Einziger möglicher Verdächtiger wäre ansonsten Sydney Johnson. Hatte er eher ihn verdächtigt?

Laut Watson bekam Oberstein 15 Jahre für den Mord. Ausgehend vom damaligen Recht wäre die Todesstrafe wesentlich wahrscheinlicher. Oder hatte Oberstein es geschafft, die Männer des Gerichts zu bestehen oder durch "blackmailing" zu erpressen, um zu erreichen, daß das Urteil gemildert wurde?

Nächste Woche ist Holmes sehr krank und nichts scheint ihm helfen zu können.... Also kommen wir zu "The Dying Detective / Der Detektiv auf dem Sterbebett" (1908).

So, nun begebt Euch auf internationales Parkett - seid aber vorsichtig, wem Ihr vertraut. Abtauchen und Pläne schmieden!





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Wiggins 
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...   Erstellt am 26.02.2008 - 17:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Oberstein die Zeitungsschnipsel aufgehoben hat, sonst aber alles beseitigt hat, was auf ihn hinweisen könnte, finde ich sehr unglaubwürdig.


Es ist schon erstaunlich wie sehr Watsons Gerechtigkeitsempfinden sich wandelt.

In SCAN (1887) hat er nicht die allergeringsten Probleme damit in das Haus von Irene Adler einzubrechen (auch wenn er es später gar nicht tut, aber das konnte er zu dem Zeitpunkt seiner Zusage nicht wissen), während er in BRUC (1895) doch eher dagegen sträubt, obwohl es sich dabei sogar um ein weit weniger wohlhabendes und sogar leerstehendes Haus handelt.

Mann könnte also sagen das Watson in früheren Jahren weitaus draufgängerischer war und sogar wesentlich weniger Wert auf Recht und Gesetz legte.





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Wiggins 
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...   Erstellt am 19.04.2009 - 16:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ciriel schrieb
    Laut Watson bekam Oberstein 15 Jahre für den Mord. Ausgehend vom damaligen Recht wäre die Todesstrafe wesentlich wahrscheinlicher. Oder hatte Oberstein es geschafft, die Männer des Gerichts zu bestehen oder durch "blackmailing" zu erpressen, um zu erreichen, daß das Urteil gemildert wurde?


Oberstein ist ein sehr erfolgreicher Agent. Immerhin wird er, wie Du erwähntest, in Der Zweite Fleck genannt. Dieser Fall spielt 9 Jahre zuvor. Wenn ein Agent so lange tätig ist, muß er schon sehr erfolgreich sein. Denn ansonsten wäre er entweder von der eigenen Regierung als ineffizient abgezogen oder von Mycroft ergriffen worden.
Ich kann mir daher denken das Oberstein wirklich über sehr gute Beziehungen verfügt, vielleicht sogar seine Regierung ein Abkommen mit Mycroft getroffen hat.





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Ciriel 
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...   Erstellt am 19.04.2009 - 16:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit Mycroft? Aber was hätte er wohl Mycroft anzubieten, das Mycroft genügend interessiert hätte? Oder meinst Du, Mycroft ist bestechlich (kam mir eigentlich nie so vor)?





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Wiggins 
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...   Erstellt am 19.04.2009 - 16:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Warum nicht? Mycroft ist immerhin die Regierung. Was könnte Oberstein, oder evtl. eher noch dessen Regierung ihm und damit England anbieten?

Vielleicht die Freilassung von englischen Spionen, ein Abkommen die Kolonien betreffend, vielleicht ist ja sogar das der Grund weswegen Deutschland auf Ceylon zu Gunsten von England verzichtet hat? Bei dieser Idee weiß ich aber gerade nicht, ob es zeitlich hinkommt.

Leider ist die Nationalität von Oberstein ungeklärt.





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rita 
Alec MacDonald
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...   Erstellt am 12.01.2012 - 09:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nur noch 15 Reviews. Und wenn die fertig sind, ist Frühling.

http://rita.1on.de/archives/2038-elemen … -1908.html




allerteuerste 
Dr. John Hamish Watson
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Kommt zeitlich durchaus hin!

Daher noch mal vielen, vielen Dank für Deinen Mühen.





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Skorp17 ...
Athelney Jones
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...   Erstellt am 18.11.2020 - 14:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ciriel schrieb

    Meine Meinung vorweg: Diese Kurzgeschichten gehört zu den besten, die Conan Doyle geschrieben hat: Spannung, Deduktion, eine gute und größtenteils sehr logische Geschichte. Alles, was man braucht!

Das kann man so sehen.

Was ist mit den Plänen den nun wirklich geschehen?
Ich nehme mal an, Oberstein hat die Pläne zwar verschiedenen Stellen angeboten, aber sie wohl noch nicht ausgeliefert, damit sind sie wohl sicher.

Warum war West so aufgeregt?
Die Fahrkarte hat er wohl bei der Verfolgung des Bruders auf dem Weg zu Oberstein benötigt.
Leider wird seine Rehabilitierung etwas kurz behandelt.

Vielleicht hat Oberstein ja einiges verraten, um einer evtl-Todesstrafe zu entgehen.

[Dieser Beitrag wurde am 18.11.2020 - 14:50 von Skorp17 aktualisiert]




InspektorBradstreet ...
Sholto Lestrade
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...   Erstellt am 18.11.2020 - 22:38Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Skorp17 schrieb

    Was ist mit den Plänen den nun wirklich geschehen?
    Ich nehme mal an, Oberstein hat die Pläne zwar verschiedenen Stellen angeboten, aber sie wohl noch nicht ausgeliefert, damit sind sie wohl sicher.


Man muss es nicht nur so annehmen, sondern es steht auch so im Kanon geschrieben. 😉

Skorp17 schrieb

    Die Fahrkarte hat er wohl bei der Verfolgung des Bruders auf dem Weg zu Oberstein benötigt.

    Vielleicht hat Oberstein ja einiges verraten, um einer evtl-Todesstrafe zu entgehen.




Zur damaligen Zeit war ohne Fahrkarte/Bahnsteigkarte kein Aufenthalt in Bahnhöfen, bzw. Bahnsteigen möglich.
Dies wird ebenso, wie Obersteins Verurteilung zu 15 Jahren Haft, in der Geschichte von Doyle erwähnt.
Ich seh da also überhaupt keine Fragezeichen. 🤔





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Skorp17 ...
Athelney Jones
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...   Erstellt am 19.11.2020 - 15:59Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


InspektorBradstreet schrieb

    Man muss es nicht nur so annehmen, sondern es steht auch so im Kanon geschrieben.


Es steht da , dass die Pläne in seinem Koffer gefunden wurden, ob er evtl. bereits Kopien erstellt hat und diese verkauft hat, ist zwar nicht anzunehmen, wird aber nicht geklärt. Andererseits wäre Holmes wohl nicht in den Besitz der Krawattennadel (eigentlich eine ziemlich mickrige Auszeichnung) gelangt, wenn die Pläne nicht sicher wären. Möglicherweise deshalb auch "nur" die 15 Jahre Haft für Oberstein.




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