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Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 550 Nachricht senden |
![]() ![]() ![]() Die Chronik der Konditorei Corso Im Jahre 1912 gründete der Konditormeister Ernst Fischer die Corso-Konditorei. Er pachtete vom ehemaligen Hofkonditor Gustav Hausmann das Kaffeehaus "Fürst Reichskanzler" in der Goethestraße/Ecke Brühl und betrieb dort ein Lesecafé mit 200 in- und ausländischen Zeitungen. 1926 eröffnete er ein weiteres Konzert- und Lesecafé am Augustusplatz, dem am 1. August das Café in der Königspassage folgte. Am 4. Dezember 1943 fielen das Konzertcafé Corso und die Konditorei "Fürst Reichskanzler" durch Bombenangriffe in Schutt und Asche. Aber Ernst Fischer ließ sich durch den schweren Schlag nicht in die Knie zwingen und übernahm am 1. Juli 1944 das Café Hennersdorf im Gewandgäßchen. Gleichzeitig pachtete er die in der Brüderstraße betriebene Bäckerei als Produktionsstätte für seine Konditoreiwaren, denen sich ein Café mit Ladengeschäft anschloss. Das Café Hennersdorf ist mit seinem Wiener Ambiente in mehreren Etagen sicher noch manchem Leipziger ein Begriff. Zu den vielen historischen Bauten, die der Ulbricht-Ära zum Opfer fielen, gehörte auch dieser oppositionelle Treffpunkt der Leipziger Intellektuellen und Studenten. Aber auch Werner Fischer, Sohn des Gründers und Konditormeister in Leipzig, gab nicht auf. So gelang es ihm nach vielen Kämpfen 1968 geeignete Räume im Neumarkt zur Errichtung des bestehenden Traditionscafés zu finden. 1972 wurde der Betrieb verstaatlicht. Bald darauf folgte die Trennung und Eingliederung der Konditorei zum Backwarenkombinat und des Cafés zur HO-Gastronom. Mit der Einheit Deutschlands wurde der Wunsch der Familie Fischer Wirklichkeit und das Unternehmen wieder Familienbesitz. Nun führt "Corsoela" die altbewährte Tradition fort. Das Café Corso in Leipzig Brüderstraße 6 04103 Leipzig Quelle Ein paar Jahre ist das jetzt her, dass ich mich verliebt habe. In einen Ort, den ich bis dahin noch nicht kannte. Es passierte in einer Zeit, in der ich mit Vorliebe russische Erzählungen las und mich wegzusehnen begann, anderswohin und in eine andere Zeit. Was die Zeit betraf, war jede Sehnsucht natürlich hoffnungslos, also spekulierte ich auf den Ort, von dem ich nicht mal wusste, wie er aussehen sollte. Ich suchte nicht danach, aber langsam wurde das Gefühl, das man Fernweh nennt, oder vielleicht war es auch Heimweh, größer. Ich war neu in Leipzig. So oft es ging, fuhr ich zwischen Hamburg, von wo ich komme, Leipzig und anderen Orten hin und her, wobei sich Fernweh meist nur in Heimweh verwandelte und umgekehrt. Mein Sehnsuchtsort, das wusste ich nun, musste beides in sich tragen, das Vertraute und das Fremde, damit ich aufhören konnte, auf etwas zu warten. Diesen Zustand wollte ich Zufriedenheit nennen. Ich merkte es nicht sofort. Aber als ich mich im "Café Corso" umzusehen begann, begriff ich, dass ich angekommen war. Mein erster Blick fiel auf die Glasvitrine, in der sich Buttertorten und Petit Fours türmten. Die Gebilde in Rosa und Weiß erinnerten an Kirchturmspitzen in Russland, beim Blick in die Speisekarte stellte ich fest, dass ich zugleich in eine andere Zeit versetzt worden war. Es gab Brühkaffee, und an den Wänden hingen alte Fotos, Frauen darauf mit zurückgebundenem Haar, lachend, im Raum selbst das Lachen der Rentnerinnen, die hier täglich auf einen Schwatz einkehrten, und das dunklere Lachen der Bauarbeiter, die gelegentlich kamen, ihre langen Beine unter den Marmortischchen ausstreckten und Bier zu ihrem Würzfleisch tranken. Und leise hörte ich mich auf einmal selber lachen, dabei hatte niemand einen Witz gemacht. Julia Kandzora Leipzig Jg. 1982, Hattinger Förderpreis 2004 Quelle : Kubischu | |||
Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 550 Nachricht senden |
![]() Georg Kintschy, den Besitzer des Schweizerhäuschens im Leipziger Rosental, nannte man auch „König des Vergnügens". In den Dreißiger- und Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts strömten an manchen Tagen bedeutende Menschenmengen zu Kintschy, um essen , frischen Kuchen zu probieren. Berühmt waren auch die Konzerte im Schweizerhäuschen - vor allem wegen der nassen Unterbrechungen. Seit 2001 ist der älteste Leipziger Kaffeegarten nun als „Hacienda Las Casas" wieder geöffnet. Wenn auch die jetzt hier angebotenen Speisen und Getränke nicht mehr sächsisch sind, die Gäste sind es (zumindest überwiegend) noch immer. ![]() „Kintschys Gartenwirtschaft ist unstreitig der freundlichste Ort Leipzigs und wird von Besuchern daher selten leer. Dreimal in der Woche ist mittelmäßiges Conzert. Ein gutes Conzert muß extra bezahlt werden. Daher die Extraconzerte. Mit diesen Extraconzerten gerät Kintschy fast stets mit dem lieben Gott in traurigen Konflikt, welcher gewöhnlich, sobald erster ein solches Conzert im Tageblatt angekündigt hat, mit Donner, Blitz und Regen ankommt. Es ist allemal Zehn gegen Eins zu wetten, jeder im Tageblatt von Kintschy angekündigter Conzerttag ist ein Regentag und wir raten Niemandem, auf diesen Tag eine Landpartie festzusetzen.“ So warnte vor mehr als 150 Jahren der Leipziger Stadtchronist Stolle in einem Beitrag. Glaubt man den Überlieferungen, so hat Kintschy, als es wieder einmal kurz vor Konzertbeginn aus heiterem Himmel zu regnen anfing, mit vorwurfsvoll-zornigem Blick zum Himmel gesehen und mit dem Ausruf: „Da, friss selbst!“ eine Torte nach oben geworfen. Quelle | |||
Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 550 Nachricht senden |
Im "Felis" | |||
Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 550 Nachricht senden |
![]() Seit 1919 wird dieses Café ohne Unterbrechung von Konditorenmeistern bewirtschaftet: Das Café hatte jahrelang eine große kulturelle Bedeutung - von verschiedenen bekannt gewordenen Stammtischen bis hin zu den legendären Chansonabenden. Es ist das letzte echte "Wiener Café" in Leipzig. 1930 ließ Alfred Lutze neben den handverkleidungen, Thonet-Stühlen,Garderobenständern, Eckbänken unter anderem auch die verglaste Veranda bauen. Das Café wurde 1998-2000 umfassend rekonstruiert und ist heute das einzige im Art-Deco Stil erhaltene im mitteldeutschen Raum. ![]() Kristof Magnusson, 31, ist Theaterautor. 2005 erschien sein erster Roman "Zuhause" Ein bezaubernder Populär-Roman aus Island Auf Weihnachten in Reykjavik hat Larus Ludvigsson sich so richtig gefreut. Aber dann kommt alles anders. Kurz vor der Abreise macht sein Freund mit ihm Schluss, das isländische Einwohnermeldeamt erklärt ihn für tot, und Dagur, der sich in Larus verliebt hat, begeht Selbstmord. Dagur, der aus der einflussreichsten Familie Islands stammt, war einer mysteriösen Enthüllung über seine Vorfahren auf der Spur. Larus gelingt es, hinter das Geheimnis um Dagurs Familie zu kommen. Doch dabei wird er selbst mit seiner isländischen Herkunft auf eine Weise konfrontiert, die er sich nie hätte träumen lassen … Quelle und mehr Leseproben ![]() Im "Café Grundmann": Es begann mit einem Foto von Thomas Bernhard, das mir irgendwann während meines Studiums in die Hände fiel. Es zeigte ihn in einem Kaffeehaus, an einem runden Marmortisch, mit einem Stift in der Hand und einer Tasse und einem Wasserglas vor sich; sinnierend, dichtend. Dieser Anblick beeindruckte mich so sehr, dass ich beschloss, ab sofort auch ein Kaffeehausliterat zu sein. Gleich am nächsten Morgen betrat ich das "Café Grundmann". In der Nähe einer tropenholzverkleideten Säule setzte ich mich an einen Tisch, der ebenso klein und rund war wie der von Thomas Bernhard, und breitete meinen gerade begonnenen, sehr vielversprechenden ersten Roman vor mir aus. Bald darauf hatte auch ich einen Stift in der Hand, eine Kaffeetasse und ein Wasserglas vor mir. Und war bereit, im Stile Thomas Bernhards zu sinnieren. Eine Stunde später brachte mir der Kellner bereits einen dritten Kaffee. Auf meinem Romanmanuskript stand ein Stück hausgemachte Marzipantorte, die ich aß, während ich zusah, wie sich das Grundmann allmählich füllte: Seniorinnen kamen, markierten mit Einkaufstaschen ihre Lieblingsplätze und schritten zur Kuchentheke; Freiberufler ließen sich mit ihren Laptops in der Nähe der Steckdosen nieder. Von einer gepolsterten Bank, auf der zwei Freundinnen Platz genommen hatten, hörte ich den Satz: "Ich hätte gern ein Glas Sekt." Mein gerade begonnener, vielversprechender Roman war inzwischen unter einer Zeitung verschwunden, deren Lektüre ich erst unterbrach, als eine Studentengruppe sämtliche Einzeltische um mich herum zu einer Mittagstafel zusammenschob. Plötzlich hingen überall Allwetterjacken und Rucksäcke, Zigaretten wurden angezündet, Worte wie "Penne mit Wintergemüse", "kleine Apfelschorle" flogen an mir vorbei Richtung Kellnerin. Doch sie blieben nicht lange. Schon bald brachte die Kellnerin die Tische wieder in eine ordentliche Reihe. Auf jede Tischplatte, genau in die Mitte, stellte sie einen Zuckerstreuer und einen Aschenbecher. Ich holte mein vielversprechendes Romanmanuskript unter der Zeitung hervor, nahm den Stift zur Hand. Gerade wollte ich endlich anfangen mit dem Sinnieren und Dichten, da hörte ich erneut den Satz: "Ich hätte gern ein Glas Sekt" - diesmal war ich es, der ihn aussprach. Café Grundmann, August-Bebel-Straße 2, 04275 Leipzig, www.cafe-grundmann.de | |||
Epikur ![]() Status: Offline Registriert seit: 04.02.2007 Beiträge: 481 Nachricht senden |
Anne, Du machst mit den Kaffeehäusern eine sehr gute Werbung für deine Heimatstadt Leipzig | |||
Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 550 Nachricht senden |
Im "Café Neubau": ![]() Im "Café Neubau" schrieb ich einmal : Schnee, den ein Mädchen auf einem Teller fängt; stundenlang jagte das blonde Mädchen den Flocken hinterher mit dem Teller in der Hand, bis sich der Schnee darauf türmte und die Mädchenwangen glühten, ein stolzes Mädchen zeigte uns die Beute, schmierte Schnee aufs Brot, trank die dickflüssigste Schokolade der Welt dazu. Im Café Neubau schrieb ich einmal: Trügerischer Frühling, der die dunkelblauen Blumen in Sicherheit wiegt, dann aber eiskalt mit Frost zuschlägt; die dunkelblauen zitternden Köpfe vor der breiten Fensterfront - ich wollte ihnen Mützen falten, knetete an der Wahrheitsseite der "taz" herum, aber ich bin ein miserabler Handwerker, oder: Aus Wahrheit lässt sich keine Kunst machen. Ging man nah mit dem Ohr an die Blüten, konnte man sie aufstoßen hören. Da war es aber bereits April, und auf der Wiese vor dem Café verglichen Fotografie-Studentinnen ihr Talent. Im Café Neubau schrieb ich einmal: Asphalt, der ein Fußfetischist ist. Die Schönheitsklinik gegenüber schickte kleiner gewordene Nasen auf Stöckelschuhen über den Asphalt. Aus dem Park nebenan besprangen ihn Fußbälle, ihnen folgten Kindergrößen. Zwei Kunstlehrstätten belieferten ihn mit der Leipziger Schule, wir alle bestellten Kirschsaftschorle: vierzig Kirschsaftschorlen für Lippen in Reparatur, für Neo Rauch, für Schriftsteller- Lehrlinge. Wir bestellten laue Nächte, manchmal auch einen Sommermorgen tanzender Füße auf dem Asphalt vor dem Café, in dem ich einmal einen halben Roman schrieb. Im Café Neubau schrieb ich im Herbst am Tisch Nr. 7 eine Erzählung über Lisas Vorliebe für Averna mit Milch; auf dem Dach über der Piazza del Campo in Siena warteten Lisa und ich, dass uns der Averna ausging oder der Herbst und eine Art Liebe kamen. Wir schliefen miteinander auf dem Dach, stritten über Verantwortung und die gesündeste Schlafposition für das Baby in den ersten Monaten. Jetzt, Jahre später, sitze ich am Tisch Nr. 7 und schreibe Lisa, die es nie gegeben hat, eine letzte Postkarte: "Sitze in meinem Café", schreibe ich, "trinke deinen Averna ohne Milch und warte auf eine nächste Jahreszeit." Café Neubau, Karl-Tauchnitz-Str. 9-11, 04107 Leipzig, www.gfzk-online.de Video Cafe Neubau | |||
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