Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 557 Nachricht senden | Erstellt am 20.02.2007 - 16:38 |  |
Halli Hallo alle zusammen,
dies wird ein klitze-kleiner Einstand meinerseits. Ich hoffe sehr, dass euch meine Geschichte gefällt. Ich bin mir zwar nicht wirklich sicher, ob dies die richtige Rubrik für sie ist und ob man über sie lachen kann. Wichtig ist wohl, dass ich es konnte - VIEL später!
--------
Ich wohnte noch nicht lange bei meinem Freund. Das heißt, eigentlich wohnte ich ja noch gar nicht richtig bei ihm. Aber ich dehnte meine Wochenenden bei ihm immer weiter aus und mit jedem Besuch füllten sich seine Schränke ein wenig mehr mit meinen WENIGEN Habseligkeiten…
Als mein Bruder anfing, Pläne zur Übernahme der Herrschaft über das Zimmer zu machen, welches er 14 Jahre lang mit mir teilen musste, wusste ich, dass es an der Zeit war, ganz öffentlich mein Heim zu wechseln. Ich zog bei meinen Eltern aus, bei den Eltern meines Freundes ein und mein Freund fand meine Anhänglichkeit toll. Ob er wohl wusste, was er sich mit mir antat? Muss wohl, denn fünf Jahre später heiratete er mich sogar!
Nun ja… die Freude über meine Anwesenheit in diesem Haushalt wurde nicht von allen weiblichen Wesen geteilt. Für meine Schwiegermutter war ich wohl ganz in Ordnung, aber mein Freund hatte neben mir noch eine weitere Freundin und die beschloss genau ab dem Tag meines Einzugs, ihr Heim vehement gegen mich zu verteidigen. Man musste schließlich deutlich machen, wer die älteren Rechte besaß!
Die Rede ist von einer zotteligen schon recht betagten Hunde-Diva, die ab diesem Tag wirklich keine Gelegenheit mehr ausließ, mir mitzuteilen, dass sie mich nicht leiden konnte. Ich war untröstlich, denn ich fand sie eigentlich sehr süß mit ihren dunkelgrauen, langen Locken und den wachen braunen Knopfaugen.
Nun ja… meistens konnte ich über ihre zickigen Versuche, mich von der Seite meines Freundes zu verdrängen, schmunzelnd hinweg sehen. Auch darüber, dass sie IMMER schon vor mir in seinem Bett war. Sie war ja nicht soooo groß und rollte sich meistens zufrieden am Fußende auf der Bettdecke meines Freundes zusammen.
Problematisch wurde die Sache nur, wenn wir zärtlich zueinander sein wollten. Bei jeder noch so kleinen Berührung, die wir beide austauschten, schnellte ihr Wuschelkopf in die Höhe und interessiert starrte sie uns an. Selbst im Dunkeln spürte ich ihren vorwurfsvollen Blick und wir entwickelten mit der Zeit eine gewisse Unlust, uns im Bett zu lieben. Nun, es gab ja noch viele andere Orte, an denen wir allein sein konnten, aber diese Begebenheiten sollen nicht Thema dieser Geschichte sein.
Es gab Nächte, in denen ich allein in dem großen Bett gelegen hätte, wäre diese Hundedame nicht gewesen, denn trotz dem sie mich immer noch nicht besonders gern mochte, blieb sie auch dann bei mir, wenn mein Freund mal nicht nach Hause kam. Sie ließ es zwar immer noch nicht zu, dass ich sie streichelte, aber wenigstens zeigte sie mir nicht mehr ihre spitzen Zähnchen, wenn ich Anstalten machte, mich in MEIN Bett zu kuscheln.
Wenn ich allein war, schlief ich – wenn überhaupt - sehr unruhig, und manchmal wurde ich mitten in der Nacht wach, beruhigte mich aber schnell wieder, wenn ich ihre leisen Atemzüge hörte und ihren warmen Körper an meinen Füßen spürte. Ja! An meinen Füßen, denn irgendwann verlagerte sie ihren Schlafplatz auf meine Seite des Bettes, den sie schließlich auch dann nicht mehr wechselte, wenn mein Freund wieder mit im Bett lag. Allerdings war ich fest entschlossen, ihr Entgegenkommen nicht zu bemerken. Ich versuchte nicht mehr, sie zu streicheln, aber ich ertappte mich dabei, wie ich sie immer öfter in meine Selbstgespräche einbezog und ihr irgendwann all meine Sorgen und Ängste anvertraute. Sie fand das wohl okay, denn jeden Abend rückte sie einen Zentimeter höher im Bett und dichter an mich heran.
Seit meinem Einzug in dieses Haus hatte ich außerdem noch ein ganz anderes Problem. Spinnen. Es war ja nun nicht so, dass ich noch nie eine Spinne gesehen hatte. Aber diese dicken, fetten Viecher, die in diesem Haus wohnten, waren kein Vergleich zu den langbeinigen Spinnen, die ich kannte und denen ich im Garten oder im Stall einfach aus dem Weg gehen konnte. Mich schüttelte es auch bei deren Anblick, aber ich kam aus dem Kreischen nicht mehr heraus, wenn ich mich mit so einem Biest zur gleichen Zeit in einem Raum befand!
Eines Abends, ich war wieder einmal allein, wurde ich auf einen Schatten aufmerksam, der sich im flackernden Licht des Fernsehers über die Dielung bewegte. Ich starrte angestrengt auf den Fußboden und mein Herz setzte schon aus, bevor ich überhaupt erkennen konnte, was da entlang krabbelte. Als ich diese riesengroße, fette Spinne dann eindeutig identifizierte, rastete ich aus. Ich schrie so laut, dass die Hündin ganz verstört zusammen zuckte. Ehe sie sich vor meinen strampelnden Beinen in Sicherheit bringen konnte, hatte ich sie schon vom Bett geschubst. Sie rappelte sich auf, hockte dann völlig verständnislos auf dem Boden und blickte vorwurfsvoll zu mir hoch.
Mein Herz raste und ich bekam Schweißausbrüche. Was sollte ich jetzt nur tun? Nie im Leben würde ich mir mein Zimmer mit einem Wesen teilen, das mehr als vier Beine besaß!
Mit in die Decke gekrallten Händen überlegte ich immer noch krampfhaft, als die Tür aufgerissen wurde und meine Schwiegermutter im Nachthemd auf der Schwelle stand. Ich verkniff mir einen weiteren Schrei.
„Was ist denn hier los?“
Ich deutete mit großen Augen auf die Spinne und die Augen meiner Schwiegermutter und die der Hündin folgten meinem zitternden Finger.
Der Blick meiner Schwiegermutter sprach Bände als sie das Licht anschaltete, mit zwei Schritten bei dem Ungeheuer war, es aufhob und mit einem vernichtenden Blick in meine Richtung nach draußen trug.
Das Viech war weg und ich war meiner Schwiegermutter unendlich dankbar, aber es dauerte ziemlich lange, ehe ich mich etwas beruhigte und es auch irgendwann übers Herz brachte, das Licht auszuknipsen und noch länger, ehe ich endlich einschlief.
Mitten in der Nacht wurde ich wach. Während ich zum Lichtschalter tastete, überlegte ich, was mich aufgeweckt hatte. War es das Gefühl, beobachtet werden? Oder war es eher das warme Fellknäuel auf meinem Bauch, welches mir eine gewisse Atemnot bescherte? Wahrscheinlich beides und ich grinste ein bisschen in mich hinein. Madame schien mich ja wirklich schon ins Herz geschlossen zu haben, wenn sie auf einmal so auf Körperkontakt aus war.
In der Zwischenzeit hatte ich den Lichtschalter gefunden und das Zimmer wurde in einen warmen Lichtschein getaucht. Ich sah lächelnd hinunter auf meinen Bauch und direkt in die dunklen Kulleraugen der Hündin. Aufmerksam sah sie mich an, mit schief gelegtem Kopf und gespitzten Ohren.
„He“ sagte ich zu ihr. „Wo liegt dein Problem? Musst du mal raus?“ Ich seufzte. Das hatte sie eigentlich noch nie getan. Ich rang mit mir, aufzustehen und die Hündin hinauszulassen, die immer noch auf mir lag und mir tief in die Augen sah. Mein Blick wanderte nach oben, weil ich aus dem Augenwinkel bemerkte, dass sich etwas über ihr bewegte…
Ich erstarrte… bewegte nur meine Augen nach oben. DAS WAR DOCH JETZT NICHT WAHR???? Oh Gott! Warum ich??? Knapp fünfzig Zentimeter über uns hin ein riesiges, schwarzes Ungetüm und war im Begriff, sich zu uns zu gesellen.
Es erübrigt sich wohl, zu erwähnen, dass ich nicht mal in der Lage war, dieses Monster zu zerquetschen… ich konnte dieses Geräusch des zerplatzenden Körpers genauso wenig ertragen, wie den bloßen Anblick einer Spinne. Warum ich trotzdem eine geschlagene Stunde vor dem Bett stand und der Hündin neidisch beim Schlafen zusah und der Spinne faszinierend beim Spaziergang auf meiner Bettdecke, ist mir bis heute ein Rätsel.
Irgendwann tappte ich ins Schlafzimmer meiner Schwiegereltern und holte meine Schwiegermutter zu Hilfe und ich glaube nicht, dass sie mich in diesem Augenblick sonderlich mochte. Sie rettete mich aber auch dieses Mal… schätzungsweise einzig aus dem Grund, weil sie fürchtete, ansonsten ihr Bett mit mir teilen zu müssen.
Ein Gutes hatte diese Horrornacht. Die Diva und ich, wir wurden Freundinnen… sehr enge Freundinnen, und nun rollte mein Freund mit den Augen, wenn er ins Bett kam und ihm zwei Augenpaare erwartungsvoll entgegen sahen…
Tja… so ist das Leben. ;o)
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
 |