Lunatik Newbie


Status: Offline Registriert seit: 10.01.2008 Beiträge: 2 Nachricht senden | Erstellt am 10.01.2008 - 21:46 |  |
Grausamkeit
In einer schwarzen Nacht warst du der hellste Stern am Himmel. Du zeigtest mir
den sichren Weg durch diese Dunkelheit. Du führtest mich zurück zum einzig
richtigen, dem Pfad durch meinen eigenen Wald. Du überstrahltest all die
Irrlichter, welch waren geboren in der Finsternis der Nacht. Du warst der Engel
im Land der Dämonen, von welchen ich der Grausamste bin. Meiner verlorenen
Seele gabst du einen neuen Sinn. Entfachtest in meinem Herzen, das schon längst
erfroren im kalten Meer trieb, ein unlöschbares Feuer. Du reichtest mir die
Hand und halfst mir aus dem Abgrund der Erinnerungen. Besänftigtes all die
Schmerzen, die mich seit Jahren unerbittlich quälten. Du fandest ihn, den
Schlüssel zu meinem ewigen Gefängnis und befreitest mich. Ja, so warst du. Ein
reines Geschöpf, so schön von Innen und von Außen.
Deine makellose Haut, die so silbern im Mondschein schimmerte. Deine rosa
Lippen, welche sich so leidenschaftlich auf die meinen legten. Deine edlen
Hände, die mich so kindlich mit sich in die Freiheit zogen. Deine zarten
Füße, die ohne Schuhe auf jungem Gras schritten und sich von einzelnen
Grashalmen kitzeln ließen. Dein klangvolles Lachen, welches die düstere Nacht
durchbrach und sie schöner als den sonnigsten Tag erschienen ließ. Deine
goldenen Locken, die so friedlich mit dem frischen Wind spielten und sich dann
so sanft auf meine Wangen legten. Der unbrechbare Glanz deiner grünen Augen,
der mich sofort in deinen Bann zog. Deine Stimme, die so verführerisch die
grausamsten Dinge dieser Welt mir sagte. Der Blick, mit dem du mich so
wahnsinnig anschautest.
Aber wusstest du denn nicht, was man in ewige Kerker einsperrt? Monster.
Deine Reinheit war deine Schwäche, dein Untergang. Also nahm ich sie dir.
Befleckte dich mit unzähligen schwarzen Federn. Lauschte deinem heißen Atem,
umarmte deinen zitternden Körper.
Ich war geblendet von der scheinbaren Liebe, dass ich die wahre Liebe übersah.
Erst als blutverschmierte Tränen deine Wangen küssten, als ich dein wildes
Herz nicht mehr vernahm und deine Brust sich nicht mehr hob um rettendes Gas in
sich zu lassen, bemerkte ich es. Da, wo es schon längst zu spät war. Da merkte
ich, dass ich dich liebe. Die Zeit blieb stehen, die Nacht wurde grau, mein
Fluch war gebrochen…
Das ist der letzte Brief, den ich dir schreibe, Verzeih.
Ich liebe dich.
Wahnsinn
Wahnsinn – Der Anfang
Halt mich fest.
Lass mich nie mehr los.
Denn ich liebe dich!
Ich will dich!
Meine Seele schreit nach dir!
Mein Körper verlangt nach dir!
Nach deinen zarten Lippen.
Nach deinen traurigen Augen.
Nach deiner kalten Haut.
Nach deinem roten Blut.
Ich kann nicht anders, immerzu muss ich dich beobachten. Immerzu spüre ich den
Wunsch dich in meine Arme zu nehmen, dich sanft in den Schlaf zu wiegen. So fest
zu zudrücken, dass du nie mehr aufwachst. Ich sehe dein engelsgleiches Lächeln
und möchte allen die Augen rausreißen, die es auch bemerken. Ich sehe wie sie
dich mit Handdrücken begrüßen und möchte ihnen die Arme abschlachten. Meins,
nur Meins, sollst du sein!
Wusstest du dass dein Fenster gegenüber meinem ist? Jeden Abend sehe ich dir
beim umziehen zu und kann kaum noch das Verlangen unterdrücken dich mir mit
Gewalt zu nehmen. Wenn ich deine entblößte weiße Haut sehe, verspüre ich den
Wunsch sie mit einem stumpfen Messer aufzuschneiden. Wenn ich deine berauschende
Stimme höre, will ich dir die Kehle aufschlitzen, damit du nicht mehr reden
kannst, damit niemand sonst sie hören kann.
Ich bin nur für dich geboren worden. Alles was ich kann ist nur für dich.
Meine Seele, mein Leib sind nur für dich! Ich habe nur für dich gelernt zu
schreiben, ich habe nur für dich gelernt zu sprechen, ich habe nur für dich
gelernt zu leben! Jeder meiner Atemzüge ist erfüllt von der Liebe zu dir. Mein
Herz schlägt nur, damit du es hören kannst. Ich atme nur, damit du mich
gebrauchen kannst.
Dafür sollst du niemand anderem gehören!
Ich werde dich an mein Bett fesseln und stundenlang deine unerschrockenen Blick
auf mir spüren, sehen, wie deine Haut sich mit kleinen Schweißtröpfchen
verziert. Ich werde warten, bis du alle vergessen hast und nur noch mich
kennst.
Denn ich brauche nur dich!
Ich brauche keine Welt, nur dich!
Ich liebe dich.
Dein Engel.
***
Mein Herz erstarrte. Es war nur eine Zeile, doch sie bedeutete für mich alles.
In diesen wenigen Worten offenbartest du mir all die Wahrheit dieser Welt. Du
zerstörtest all meine Vorstellungen und schufst Neue, schönere.
Ein schwarzes Blatt Papier mit einer roten Schrift drauf: Ich liebe dich auch.
Das war der Anfang vom Ende.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Wahnsinn – Der Moment
Nur für diesen Augenblick habe ich so eifrig gelernt. Nur für diesen Moment
habe ich im Leben mitgespielt. Nur für Heute, den Tag an dem ich dir meine
endlose Liebe beweisen werde. Ich werde die Idylle zerschlagen. Die Welt braucht
keine Menschen, wir brauchen keine Menschen, wir brauchen keine Welt.
Nur du und ich.
Ewig.
Solange es diejenigen gibt, die alles zerstören, kann es keine Ewigkeit geben.
Solange es diese unbrauchbaren Geschöpfe, zu denen wir gehören, gibt, kann
nichts zusammenhalten.
Wir zwei. Wir brauchen keine Welt, sie stört uns.
Wir werden sie zerschlagen.
Wir werden eine Neue schaffen.
Nur für uns zwei.
Unsere Finger verhackten sich. Fest presste ich unsere Hände zusammen. Es war
ganz einfach. Ein einzelner Knopfdruck.
Und alles hatte geendet.
Doch den Moment hatten wir.
Den Moment unendlichen Glücks.
Adieu
Ewigkeit
Du warst mein Licht.
Du gabst mir Kraft.
Du zeigtest mir den Weg.
Es war dunkel, überall herrschte die Finsternis. Ich irrte in meinem Labyrinth,
die Hoffnung längst aufgegeben. Doch dann erschienst du mir und es wurde
plötzlich hell. Die Dunkelheit blieb, doch wo du warst, gab es blendendes
Licht. Du warst für mich wie eine kleine Zufluchtsinsel in all der Fäulnis. So
unerschrocken lächeltest du mich an, so leicht gabst du mir Hoffnung, so
bedienungslos liebtest du mich… Es war wundervoll. So beruhigend, wie das
Rauschen der Wellen in meiner Heimat. So erfrischend, wie der seltene Regen in
meinem Land. So süß, wie mein erster Kuss, oder meine Lieblingsfrüchte. Und
so leidenschaftlich, wie nichts anderes zuvor.
Du zeigtest mir, dass auch ich noch schön sein kann, obwohl ich schon fast ganz
zum Staub zerfallen bin, und zündetest all die Fackeln um mich herum an, bevor
du gingst. Und trotzdem war es finster ohne dich. So einsam und langweilig. So
verlassen. Die Zungen des Höllenfeuers zwitscherten mir ihre geheimen Flüche
zu, die Seelen meiner Sünden flüsterten um mich herum. Verdammten mich,
hassten mich. Mein verfaultes Herz blutete und schrie vor Schmerzen. Ohne dich
konnte ich nicht mehr…
So war meine Freude unbeschreiblich, als du ein zweites Mal vor mir standest. Du
schienst dich verirrt zu haben, doch deine Augen leuchteten so leidenschaftlich
wie schon einmal zuvor. Du hattest mich vergessen nach all der Zeit, doch das
war egal. Denn endlich warst du wieder bei mir. Du würdest meinen endlosen
Fluch versüßen. Und diesmal würdest du für immer bleiben, denn dieses Mal
warst du mit einem Körper gekommen. Fest umarmte ich diesen, schenkte dir einen
weichen Kuss, lauschte gespannt wie dein Herz immer langsamer wurde und
letztendlich ganz stillstand. Band dich in alle Ewigkeiten an mich. Jetzt liegt
dein lebloser Leib neben meinem, jetzt musst du für immer an diesen verdammten
Ort, bei mir, bleiben. Meine kleine strahlende Seele in meiner großen dunklen
Grabkammer.
~~~~~~~~~~~~~~
Auch Mumien können lieben…Oder?
~~~~~~~~~~~~~~
Ja, ich habe dich geliebt. Doch das war bevor meine leuchtende Seele dich in all
deiner Finsternis in den Wahnsinn trieb. Bevor du aufhörtest statt mir nur noch
mein Licht zu sehen. Bevor du deine Seele endgültig an die Dunkelheit verlorst.
Ich zündete all die Fackeln an um mich hinter den hellen Flammen vor dir zu
verstecken und eines Tages konnte ich dann fliehen. War wieder frei.
Doch das Schicksal spielte nur mit mir, wie die Katze mit der Maus, bevor sie
sie auffrisst. Nun war ich wieder hier, doch dieses Mal für immer. Diesmal gibt
es kein Entkommen, keine Rettung für mich. Ich bin in alle Ewigkeiten in der
Verdammnis gefangen…
Aber ich werde diese Ewigkeit nicht mit dir teilen, denn sobald mein Licht
erloschen ist kann ich mich in dem endlosen und dunklen Labyrinth verstecken. Da
würdest du mich auch nach tausenden Jahren nicht finden. Und alles was ich
dafür brauche, dass meine Seele sich so pechschwarz wie die Nacht bei Neumond
färbt, so dunkel wie deine, ist Hass.
~~~~~~~~~~~~
Kann man denjenigen hassen, den man liebt?
~~~~~~~~~~~~
„Der Text auf den Tafeln ist einfach überwältigend! Unglaublich und doch
irgendwie romantisch…“
„Sie sind ein Träumer, Professor. Aber die Geschichte würde erklären wieso
neben der Mumie Überreste einer Leiche zu finden sind… Wahrscheinlich wollte
der Pharao nicht alleine liegen, also hat man irgendjemanden dazugelegt und dann
den Text als Entschuldigung geschrieben.“
„Lass die Scherze. Du weißt genauso wie ich, dass das nicht möglich ist.
Ägypter waren ein sehr traditionsbewusstes Volk! Aber schade für die kleine
Seele… Gibt es denn wirklich kein Entkommen?“
„Wenn man den Märchen glaubt, die hier erzählt werden, brauchen die Seelen
nur einen neuen Körper…“
„Wirklich? Wie…“
„Alles in Ordnung, Professor? Sie sehen blass aus.“
„Alles Bestens. Mir war nur kurz schwindelig. Die stickige Luft hier ist nicht
gut für mich, lass uns gehen.“
„Wie Sie wünschen, Professor. Almar! Wir gehen!“
„Ja! Ich hole nur noch die Wasserflaschen aus der Nebenkammer.“
„Gut, ich warte. Aber mach schnell!“
~
„Wo ist denn der Professor?“
„Schon vorgegangen.“
„Dann lass uns ihn schnell einholen…“
~~~~~~/////////////Ewigkeit//////////////~~~~~~~~~~~
Dreams
-Rotes Blut. Weiße Haut. Schwarzes Haar.-
~Deine Haut, die mich an den weißen Schnee meiner Heimat erinnert. Dein Haar,
welches mich an die kahlen schwarzen Bäume meiner Heimat erinnert. Dein Blut,
welches so rot leuchtet, wie es einst der Mond für mich tat. Diese Wunde, dein
schmerzverzerrtes Gesicht, welches mir zeigt, dass du noch lebst. In jener Nacht
bin ich gestorben – für dich, damit du lebst. Dein Blut schmeckt wie meins,
es fließt meine Kehle herunter, es ist noch warm. Doch wieso schlägt dein Herz
dann plötzlich nicht mehr, wieso öffnest du deine Augen nicht mehr, wieso
hörst du mich nicht mehr? Wieso?~
Schweißgebadet wache ich auf, der Mond scheint silbern auf mein einsames Bett.
„Ein Traum?“
***
-Einschlafen – und nie wieder aufwachen.-
~Alles vergessen, keine Träume sehen, nichts hören, über nichts nachdenken.
Nie wieder. Ausschalten, einschlafen und nie wieder aufwachen.
Ich fühle deine kalte Haut. Ich schmecke dein Blut. Ich sehe deine leeren
Augen. Doch wer bist du? Und wer bin ich? Wo bin ich? Was ist passiert? – Ich
bin eingeschlafen, für immer, und habe alles vergessen… Es ist also nur ein
Traum und wenn ich aufwache, bist du nicht mehr neben mir…~
Ein weißer Raum, ein schnelles Piepen. Ich bin endlich aufgewacht aus dem
Alptraum.
***
Wieso weinst du? Wieso flüsterst du „sayonara“? Wieso? Habe ich was falsch
gemacht? Habe ich dich verletzt? Dann tut es mir Leid, unendlich leid. Weine
nicht mehr, ich liebe dich doch! Ich liebe dich! Doch immer noch fließen
Tränen deine Wangen entlang, immer noch formen deine Lippen ein Sayonara. Doch
diesmal folgt ihnen ein „Ai Ni“. Doch wieso dann? Wieso… sind meine Hände
so rot wie Blut? Wieso atmest du nicht mehr? Wieso ist dein Körper so kalt?
Wieso weine ich? ~Es ist nur ein böser Traum! Das muss es sein, ein Alptraum!
Gleich wache ich auf und du lächelst mich wie immer an. Hast du den Wecker
gestellt? Lustig, er kling wie Polizeisirenen…~
_______
„Ai Ni“ bedeutet „Liebe dich.“ auf chinesisch ^^
Hoffnung
Ich weiß, dass es sinnlos war. Und doch hatte ich gehofft. Gehofft, dass Gott
mich erhören würde, dass er mir einen Engel schicken würde, dass er mich
retten würde. Dass die Verdammnis ein Ende haben würde. Doch du hast mir
bewiesen, dass es keinen Gott gibt. Dafür bin ich dir dankbar.
Ich habe dich die ganze Zeit über immer angeschaut, seid der Lehrer mich hinter
dich gesetzt hatte. Ich konnte sehen, wie du verantwortungsbewusst alles auf
sich zu nehmen versuchtest. Wie du die ganze Klasse motivieren wolltest, wie du
alles meistern konntest. Für alle hattest du ein Lächeln übrig, sogar für
mich…
Deine starken Hände beschützten mich vor den Anderen. Deine sanfte Stimme
ließ mich die bissigen Bemerkungen überhören. Und dein warmherziger Blick
brachte mein Herz zum Rasen. Jeden Tag habe ich zu Gott gebetet, ihn gedankt,
dass er mir dich geschickt hatte.
Dank dem Gedanken an dich konnte ich es überstehen. Meinen „Beruf“ in der
Klasse. Ich war nie beliebt, ich weiß, doch von Jahr zu Jahr wurden wir alle
älter… Es hatte einst mit einfachen Schikanen, kleinen Schlägen angefangen.
Allen war es egal, auch den Lehrern, alle übersahen es gekonnt und mir war es
im Grunde auch schon bald egal. Doch als ich vor Schmerzen schon nicht mehr den
Weg nach Hause finden konnte, als ich Wochen im Krankenhaus verbringen musste,
kamen die Lehrer mit ihren Ratschlägen. Ihre Worte waren immer die Selben:
„Dazu gehören immer zwei. Versuch nicht so passiv zu sein, so wirst du von
den Anderen nicht angenommen. Wenn du aktiver sein würdest, würde sich sicher
schnell was ändern.“ Nun, ich habe die Ratschläge befolgt. Ich bin aktiver
geworden. Ich habe ihnen eine andere Möglichkeit gegeben ihre „Energie“,
ihren „Stress“, rauszulassen. Dafür haben sie mich vor den Sturen
beschützt, die noch kindisch genug waren um die Möglichkeit nicht zu nutzen
und lieber bei den alten Methoden blieben. Wenn es darum geht, ist alles andere
doch egal. Sie sagten sogar, ich hätte eigentlich einen schönen Körper. Ich
glaube einer hat sich sogar in mich verliebt. Was hättest du gesagt, wenn du es
gewusst hättest? Hättest du eingegriffen? Hättest du es den Lehrern erzählt?
Wobei einige es sogar wussten… Oder hättest du dich einfach vor mir geekelt?
Hättest du mich immer noch mit deinem scheinbar reinen Lächeln beglückt.
Hättest du einfach nur schuldig deine Augen abgewendet? Ja, wahrscheinlich. Wie
alle anderen auch.
Aber weißt du, es war nicht wirklich schlimm. Nach der Zeit wurde es sogar
angenehm. Viele waren zärtlich… Das was mir die Augen geöffnet hat, war
deine Liebe zu ihr. Ich habe doch alles versucht, ich habe so viel gebetet, ich
habe so viel ertragen, ich habe so viel gehofft. Doch trotzdem wurde mir kein
Glück von Gott geschenkt. Du hast trotzdem sie gewählt. Wieso? Wieso nur? Weil
es keinen Gott gibt. Doch ich habe noch eine letzte Hoffnung. Mein Glück wird
kommen, ich nehme es selbst in die Hand! Auch ich werde frei sein, frei von der
Angst, frei von den Schmerzen, frei von den Demütigungen, frei von dem Leben.
Ein kurzer Augenblick des Glücks, während ich falle… und dann für immer
verschwinde.
Wirst du dann ein letztes Mal für mich lächeln? So sein, wie ich dich immer
gesehen habe, ein einziges Mal? Ich hoffe es…
~~~
Blitzartig ergriffen lodernde Flammen das Papier, löschten die letzten Worte
aus. Zerstörten alle Erinnerungen, nahmen die letzte Hoffnung. Und der
unerbittliche Wind trug die Asche fort mit sich, dahin wo sie niemand mehr sehen
kann. Wo niemand mehr das leise Flüstern mehr hören kann…
„Für so etwas, wie du es bist, lächeln? Wie dumm doch manche Menschen sein
können…“
Immer mit einem Lächeln auf den Lippen, einem gehässigem, auslachendem.
Kälter als Eis.
Grausamer als die Liebe.
Härter als das Leben.
Die Enttäuschung.
Herbstlaub
Die roten Blätter, die grünen und die gelben. So bunt und fröhlich war auch
deine Seele und doch so traurig zu gleich. Ich kann die Tränen nicht vergessen,
die du mir diesen Morgen zeigtest.
Lange betrachte ich das Gelb, bevor es, von mir gelenkt, das Weiß verfärbt.
Ich weiß noch immer nicht, wieso du so geweint hast. Was hat dich so traurig
gemacht? Ich weiß es nicht und für fragen ist es jetzt zu spät. Ich schwinge
meinen Pinsel über das Papier und hinterlasse eine grüne Linie.
An jenem Herbstmorgen konnte ich dich nicht trösten. Stand nutzlos in der
Gegend rum. Den Grund für deine Tränen, den wusste ich sogar, doch ihn
verstehen lag nicht in meiner Macht. Und nun habe ich auch ihn aus meinen
Erinnerungen verbannt. Ich wasche den Pinsel im halbleeren Becher aus und tauche
ihn in eine neue Farbe. Die Farbe, wie das Blut sie hat.
Eins weiß ich noch, das Versprechen, welches ich dir gab. Ein Portrait. Ich
habe dir gesagt, dass ich dich male. Du wolltest nicht vergessen werden. Du
wolltest einfach nur für immer da sein. Doch diese Skizze, dieses Gesicht,
warst das wirklich du? Ich wasche den Becher aus und ziehe meine Jacke an. Heute
soll das Bild abgegeben sein.
Ich gehe langsam durch die Straßen und sehe wie die abgefallenen Blätter von
dem kalten Wind getragen werden. Die Roten, Grünen, Gelben. So prächtig wie
ein Karneval. So schön und bunt und doch so traurig. Es wird kalt, also legen
die Bäume ihr Gewand ab, sie brauchen es nicht mehr… Ja, es ist wieder
Herbst.
Die Weiber, ich höre sie tratschen. Sie sagen ich sei verrückt, weil ich das
Gesicht übermalt habe. Sie tratschen, sie wissen und doch verstehen sie nicht.
Aber ich kann es sehen, dass du lächelst.
„Was hat er nun drüber gemalt?“
„Herbslaub.“
Spaziergang
An einem sonnigen Herbsttag hatte ich sie gesehen. Einen Engel auf Erden.
Während eines Spaziergangs in diesem kleinen Wald, der von dem näher
rückendem Winter stellenweise schon ausgezogen war.
Ich hörte immer noch das Singen der Vögel und ein leises Rascheln verfolgte
mich fast. Ich stieß nach einiger Zeit auf einen kleinen Bach und beobachtete
wie ein Paar feuerrote Blätter der kaum merklichen Strömung nach trieben.
Faszinierend erblickte ich, wie Sonnenstrahlen ins Wasser eintauchten und einen
goldenen Schimmer auf der Oberfläche hinterließen. Ein Blatt so gelb wie die
Sonne löste sich von einem Zweig und sank ruhig gegen Boden. Vom Wind
aufgefangen landete es schließlich auf dem Wasser und schon breiteten sich
schnelle Ringe aus. Ein lautes Rascheln riss meine Aufmerksamkeit an sich und
ich blickte gerade aus. Und da stand sie. Auf der anderen Seite, an einen
dünnen Baumstamm gelehnt. Ihre kleinen Füße auf dem bunten Teppich des
Herbstes. Ihre weiße Haut im Licht glänzend. Ihre zarten Züge durch das
dunkle Baumwollkleid verraten. Sie bemerkte mich. Mit einer weichen Bewegung
winkte sie mir zu, lockte zu sich. Unwillig mich zu widersetzen schritt ich zu
ihr, meine Füße tauchten ins Wasser. Meine Hose war fast gänzlich nass, ich
hätte nie gedacht, dass es so tief sein würde. Doch es war mir egal, ich war
gefangen.
So nah an mir waren ihre blutroten Lippen, ihre blaugrauen Augen, die mich an
den reinen Bach hinter mir erinnerten, ihre goldenen Locken, die mit dem kalten
Wind spielten. So schön und rein wie ein Engel! Ein eiskaltes Lächeln schlich
sich auf ihre Lippen und ein klangvolles Lachen durchbrach die Ruhe des Waldes.
Du warst ein Engel, der gefallen war. Engel haben nichts auf der erde verloren,
also schickte ich dich zurück in den Himmel.
Dein wunderschöner Körper trieb so seelenruhig dahin und schnell breiteten
sich große Ringe aus.
Kapitel 8:
Der verlassene Stuhl
Der Stuhl vor mir, so kalt wie immer. Zuerst kommt die Skizze. Der Stuhl ist
leer, das Model einfach weggerannt. Habe ich was gesagt? Was falsch gemacht? Ich
wollte doch nur malen. Sie wollte mehr, sie wollte Zärtlichkeit. Ich wollte nur
ein Bild, ein Meisterwerk erschaffen.
Zuerst die langen Beine, dann die Lehne und jetzt den Schatten noch dazu.
Ich werde ihn so malen, dass niemand mehr vergisst, den leeren Stuhl in meinem
kleinen Zimmer. So schlicht und einfach. Wieso ist sie nur weggerannt?
Und Jahre später wird sie sehen, in einer Galerie, auf Ehrenplatz die Kunst,
die sie verlassen hat.
_____________
Anleitung zum Uhrenlesen
Wir leben schon so lange zeitlos auf dieser Welt. Wir kennen weder Wochen noch
Minuten. Wir kommen nie zu spät, oder zu früh, aber auch nie zu rechter
Stunde. Ihr fragt wieso? Die Uhr zu lesen haben wir verlernt!
Doch eines Tages sah ich ein Wunder. Der Himmel teilte sich in zwei und Gott
erschien, ein Gott der Zeit. Er sagte, die Zeit dürfe nicht stehen, also war er
bereit uns zu erklären, was eine Uhr nun zeigte.
Sein Monolog: „Seht her! Die Uhr hat ein Zifferblatt, darauf sind zwölf
Zahlen und jede Menge Striche zwischendurch. Die kleinen Striche sind Minuten,
die großen mit den Nummern sind die Stunden. Noch hat die Uhr drei Zeiger. Der
schnellste für die Sekunden, der mittlere und lange für die Minuten und der
kurze, dicke und langsame zeigt die Stunden…“
Er hat gelehrt, gelehrt, gelehrt. Und nun tragen wir alle wieder Uhren. Doch
eine Antwort brauche ich noch: Wir haben Uhren, aber keine Zeit. Wir kommen zu
früh, oder zu spät, wir schimpfen oder werden bestraft. Wir sind in Eile,
finden keine Ruh. Und nun die frage: Wozu?
_____________
Die Münze
Eine Münze glänzt im Licht. Jemand hat sie wohl verloren. Meine Rettung in der
Not, meine kleine Stütze. Dankbar auf die Knie fallend hebe ich das Stück
Metall. Es ist heiß und menschnenleer, doch nun habe ich die Münze. Mit neuer
Hoffnung in der Hand suche ich die Zelle. Das Telephon erreicht, die Münze
hineingeworfen...
Stumm
Stumm. Stumm stand ich da und ließ es geschehen. Stumm war es in meiner Seele.
Es machte keinen Spaß mehr. Sinn hatte es noch nie gemacht. Wir waren nur
Freunde. Gute freunde. Aber unser Verhalten war oft sehr missverständlich für
andere. Wir waren nicht zusammen. Irgendwie hatte das Ganze Spaß gemacht.
Warum? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht, weil es missverstanden wurde. Wegen
den verachtenden, missmutigen und belustigten Blicken. Wegen der Möglichkeit
anders zu sein, ohne dabei gegen eigene Prinzipe zu verstoßen. Vielleicht auch
wegen der Wärme, des Gefühls nicht allein zu sein. Vielleicht einfach aus
langweile.
Aber an jenem Abend wurde es stumm. Es war mir auf einmal egal.
Tage zogen an mir vorbei und alles schien wie immer. Bis auf mein aufgesetztes
Lächeln. Weitere Zeit verging, ohne auf mich und meine Gefühle, auf uns, oder
auf die Menschheit zu achten. Eine Woche, zwei. Ich weiß es nicht. Es ist egal.
Ich weiß auch nicht mehr das Thema unseres Gesprächs, oder ob es überhaupt
was mit meiner Veränderung zu tun hatte. Aber auf einmal empfind ich es als
falsch. Wir waren nicht zusammen, aber trotzdem verhielten wir uns als ob.
Warum? Es war falsch. Ich empfind nur noch dumpfen Hass und ekelte mich sogar.
Die Erinnerungen an gemeinsame Zeit verfolgten mich in meinen Albträumen,
raubten den Schlaf. Was war passiert? Was war der Auslöser? Vielleicht eine
Vorahnung.
Ich sonderte mich von dir ab und das zu Recht, wie es sich herausstellte. Bei
jeder deiner Berührungen spürte ich, wie schwer mein Magen und wie stumm meine
Sinne waren. Und mein Herz zog sich unter stechendem Schmerz zusammen. Also wich
ich dir aus. Und mit jedem tag ging unsere Freundschaft immer mehr zu Bruch.
Dann kam der Schicksalstag, an dem du mir deine Liebe gestandest.
Ich blieb stumm.
Signatur ~~~I'm the only one doing it with you. That's why I love it~~~~
"...Asami..." |