jenny 

Status: Offline Registriert seit: 03.09.2005 Beiträge: 60 Nachricht senden | Erstellt am 18.11.2008 - 23:37 | |
Sonderausstellung - Kunst Grenzenlos
Die Ausstellungsreisen der Hanna Bekker vom Rath 1952 - 1967
(24.10.08) Das Stadtmuseum Hofheim am Taunus, Burgstraße 1, zeigt vom 26. Oktober 2008 bis 15. Februar 2009 die Sonderausstellung – Kunst grenzenlos – Die Ausstellungsreisen der Hanna Bekker vom Rath 1952 bis 1967.
„Kunst grenzenlos“ vor fünfzig Jahren war ein fernes Ziel, für das sich Einzelne mit großem Engagement, Mut und Weitblick nach den Erfahrungen von Diktatur und Weltkrieg einsetzten. Persönlicher Einsatz für Ideen von friedlicher Koexistenz und Völker verbindender Verständigung wurde in der Nachkriegszeit von manchen Einzelpersonen erbracht. Nur Wenige befassten sich mit den kulturellen Verlusten für Deutschland, bis zu interkulturellen Dialogen und Trialogen war es noch ein weiter Weg.
Mit über 140 Exponaten von fast 60 Künstlern bietet die Ausstellung einen Ausschnitt der Künstler und Werke, die Hanna Bekker vom Rath (1893 – 1983) als „Botschafterin der Kunst“ auf Ihren Ausstellungsreisen zwischen 1952 und 1967 durch vier Kontinente mit sich führte. In Anlehnung an die Kollektion der Reisen werden überwiegend grafische Arbeiten der genannten Künstler ausgestellt. Die Ausstellung zeigt auch ihre Entdeckungen in den Gastländern und gibt ihren Blick auf das Kunstschaffen bis zu den 1950/1960er Jahren wieder.
Leihgeber der Ausstellung sind das Brücke-Museum Berlin, die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow, das Fritz-Winter-Haus in Ahlen, das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. Stuttgart, das Kunstmuseum Stuttgart/Archiv Baumeister, das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg, der Nachlass Hanna Bekker vom Rath, die Künstler Fridolin Frenzel und Carl-Heinz Kliemann, die Künstlernachlässe Artur Fauser, Louise Rösler, Johanna Schütz-Wolff sowie weitere Leihgeber, die namentlich nicht genannt werden möchten.
Während der 1920er Jahre legte Hanna Bekker vom Rath den Grundstein ihrer späteren Kunstsammlung. Ludwig Meidner, Alexej von Jawlensky, Ewald Mataré, Karl Schmidt-Rottluff und Emy Roeder gehörten ihrem persönlichen Freundeskreis an. Hinzu kamen die Gegenstandslosen wie Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay, Rolf Nesch, HAP Grieshaber, Günter Schulz-Ihlefeldt und Fritz Winter. Während des Dritten Reiches gewährte sie vielen der mit Mal- und Ausstellungsverbot Belegten Zuflucht und Malgelegenheit in ihrem „Blauen Haus“ in Hofheim. Ab 1938 zeigte sie in ihrer Berliner Atelierwohnung heimliche Ausstellungen der als „entartet“ verfemten Künstler. 1947 gründete sie das Frankfurter Kunstkabinett, das sich auch „jungen“ Künstlern öffnete: u.a. Kurt Federlin, Fridolin Frenzel, Gerhard Hintschich, Carl-Heinz Kliemann, Seff Weidl.
Bereits zwischen 1948 und 1952 präsentierte sie ausländische sowie einst deutsche Künstler, die noch im Exil lebten. 1952 reiste Hanna Bekker vom Rath mit 59 Arbeiten von 36 Künstlern nach Brasilien, Uruguay und Argentinien, um deutsche Kunst wieder auf internationaler Bühne zu zeigen. Neben Vertretern der Klassischen Moderne – u.a. Gramatté, Kandinsky, Kaus, Klee, Kollwitz, Marc – stellte sie damals unbekanntere und jüngere Künstler vor: darunter HAP Grieshaber, Johanna Schütz-Wolff. Der große Erfolg bei Besuchern und Presse bewog sie zu weiteren Ausstellungsreisen rund um die Welt.
„Es galt, vor allem die Lücke wieder schließen zu helfen, die in den letzten zwanzig Jahren die Abwesenheit deutscher Kunst im internationalen Kunstleben mit sich gebracht hatte. ... Wiederholt wurde uns vom Publikum und der Kritik die Notwendigkeit bestätigt, wieder deutsche Kunst dem Publikum vorzustellen und wieder eine kulturelle Brücke zu jenen Ländern aufzubauen.“ Dies schrieb Hanna Bekker vom Rath 1952 im Resümee zu ihrer ersten Ausstellungsreise, die sie mit Unterstützung des Instituts für Auslandsbeziehungen realisiert hatte.
Im Juni 1955 verabschiedete sich Bekker vom Rath für ein Jahr von Deutschland und brach zu ihrer Weltreise auf.
206 Blätter von 88 Künstlern zeigte sie in Kuba, Brasilien, Chile, Peru, Südafrika und Indien. Für den Bildertransport diente ihr ein großer, von ihr bemalter Aluminiumkoffer, der als Diplomatengepäck deklariert war und dessen Ein- und Ausladen in die Flugzeuge sie meist selbst überwachte. Eine Zeit, in der Passagiere noch ohne Sicherheitskontrollen über das Rollfeld zu ihren Maschinen gelangen konnten und auch einer Zeit, in der es nicht nur etwas Besonderes war, überhaupt zu reisen – äußerst ungewöhnlich war es, als Frau eine solche Reise alleine zu unternehmen.
In den Jahren 1957 bis 1967 folgten weitere Ausstellungsreisen, u.a. in die USA, Mexiko, Spanien, Ägypten, Griechenland, Libanon und Marokko.
Publikum und Presse in den bereisten Ländern nahmen regen Anteil an den Ausstellungen. Unterstützung bei ihren oft improvisierten Ausstellungen fand sie vielfach durch deutsches Botschaftspersonal oder durch Vertreter der Kulturinstitute vor Ort.
Für ihr Engagement erhielt Hanna Bekker vom Rath zahlreiche Ehrungen, u.a. 1957 die Goethe-Plakette des Landes Hessen, 1963 die Ehren-Plakette der Stadt Frankfurt am Main und 1964 das Große Bundesverdienstkreuz.
Das Stadtmuseum Hofheim am Taunus würdigt mit der aktuellen Ausstellung ihr Engagement für die Ideen von friedlicher Koexistenz, Völker verbindender Verständigung und einem vereinten Europa zu einer Zeit, da diese Ziele noch utopisch schienen.
Die ausgestellten Künstler: Zu den meisten Künstlern ihrer Galerie hatten sich persönliche Freundschaften entwickelt, von vielen befanden sich wesentliche Werke in der privaten Sammlung Hanna Bekker vom Raths. Dieser Kreis erweiterte sich stetig. Viele der „alten“ Künstlerfreunde wurden nach 1949 wieder an die Kunsthochschulen berufen und Hanna Bekker vom Rath lernte deren Schüler kennen. „Nachwuchs“ entdeckte sie auch auf ihren Besuchen in Kunstvereinen und Museen, die regelmäßig Jahresausstellungen mit jungen Künstlern veranstalteten. Gerade für sie, die nicht die Mittel und Möglichkeiten internationaler Auftritte hatten, waren die Ausstellungsreisen die Chance über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen zu werden.
Künstlerbegegnungen auf den Reisen: Ihre Ausstellungsreisen dienten nicht nur den Ausstellungen selbst, ebenso wichtig war für Hanna Bekker vom Rath alte Verbindungen aufzufrischen – zu emigrierten Künstlern, Kunsthändlern und Sammlern – und neue zu knüpfen.
An den meisten Stationen ihrer ersten Reisen fand sie Exildeutsche vor. In New York z.B. den Kunsthändler Curt Valentin, der 1937 eine Filiale der Galerie Nierendorf gegründet hatte. Er starb 1954 und sie konnte aus seinem Nachlass viele Werke deutscher Expressionisten erwerben, manche davon – Nolde und Rohlfs – wanderten mit um die Welt und gingen später in ihre private Sammlung ein. Auch diese Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen.
Hin- und Rückflug ihrer ersten Reise führten sie über New York. Von hier aus besuchte sie „den berühmten Calder“. Alexander Calder (1898-1976) war gerade von einer Deutschlandrundreise zurückgekehrt, zu der ihn das Auswärtige Amt eingeladen hatte. Nun verabredete sie eine Ausstellung mit ihm im Kunstkabinett, die 1953 zusammen mit Arbeiten von Paul Fontaine gezeigt wurde. Ludwig Meidner kehrte nach Deutschland zurück und fand seinen Wohnsitz in Hofheim am Taunus. In Israel lernte sie Siegfried Shalom Sebba kennen, der sich später ebenfalls in Hofheim niederließ.
Bemerkenswert sind schließlich jene Künstler – unabhängig von ihrer Nationalität oder Herkunft – die Hanna Bekker vom Rath auf ihren Reisen entdeckte. Manche sind heute zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten, ihre Namen und Arbeiten wieder in Erinnerung zu rufen, ist ein weiteres Anliegen der Ausstellung „Kunst grenzenlos“.
Hanna Bekker vom Rath verstand ihre Ausstellungsreisen nicht als Einbahnstraße sondern als gegenseitigen Austausch. Nach ihrer Rückkehr fanden u.a. folgende Künstler Ausstellungsmöglichkeit im Kunstkabinett: Max Beckmann (Exil USA), Francis Bott (Exil Schweiz), Heinrich M. Davringhausen, Benno Elkan (Exil in England), Else Meidner (Exil in London), Rolf Nesch (Exil in Norwegen) und Hans Platschek (lebte in Uruguay)

oder wurden mit Einzelwerken präsentiert: Isidor Aschheim – Israel, Alberto Giacometti – Schweiz, Renato Guttuso – Italien, Manuel Rivera und Luis Saez – Spanien. Viele der Künstler besuchten sie in Hofheim, wie die „Kirche in Hofheim“ des Italieners Luigi Coppa beispielhaft belegt.
Von ihren Reisen brachte Hanna Bekker vom Rath auch manches Kunstwerk aus dem Bereich der Volkskunst mit. Diese anonymen Objekte stellen die Verbindung her zwischen den Werken „ihrer“ Künstler und dem Thema der Ausstellungsreisen.
Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, den 26. Oktober 2008 um 11.15 Uhr.
Es sprechen Stadtrat Wolfgang Winckler, Ralf Zgraja, Frankfurter Sparkasse und Museumsleiterin Dr. Eva Scheid.
Die Kuratorin der Ausstellung, Marian Stein-Steinfeld, referiert zum Ausstellungsthema.
Lateinamerikanische Harfenmusik der Gruppe „DelArpa“ umrahmt musikalisch die Eröffnungsveranstaltung.
Ein Katalog (268 Seiten, 18,00 €, ISBN 978-3-933735-37-9) begleitet die Ausstellung.
Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus - Stadtmuseum/Stadtarchiv -
in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V., Kunstverein Hofheim und dem US-Konsulat Frankfurt. (aa)
Signatur ich lebe in gerne Uruguay |
fatmita  Einwanderungs-Expertin
      

Status: Offline Registriert seit: 24.08.2006 Beiträge: 1645 Nachricht senden | Erstellt am 18.11.2008 - 23:47 | |
Eine kleine Ergaenzung:
Wikipedia uber das Leben von Hans Platschek
Er hat auch Buecher geschrieben:
Quelle luise Rinser Verlag
Eine Rezension von Kathrin Bosien
Kunst, Kitsch und Kommerz
Hans Platschek: Die Dummheit in der Malerei
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1998, 172 S.
Wer ist der Dumme? Der Künstler, der Fischgräten anmalt? Der Galerist, der diese zur Schau stellt? Der Kritiker, der in den angemalten Fischgräten den „Weltsinn“ entdeckt? Der Kunstfreund, der für viel Geld derartige Kunstwerke erwirbt? Wer hier ein Buch nur über „dumme Bilder“ erwartet, sieht sich getäuscht. Hans Platschek, Maler, Essayist und Kritiker, faßt den Kreis der Adressaten seiner Polemik sehr weit. Weiter noch als Hanns Eisler, dessen Bemerkungen „Über die Dummheit in der Musik“ Anregungen, nicht nur für den Titel des vorliegenden Bandes, lieferten. Fand Eisler die Dummheit vor allem bei jenen Interpreten und Zuhörern, die die Deutung eines Werkes an die Stelle der originalen Schöpfung stellen, so findet Platschek sie bei allen vor, die mit der Kunst umgehen. Und das sind neben den Künstlern auch Kunstkritiker, Kunsthändler, Kunstliebhaber oder der ganz normale Betrachter von Kunstwerken.
Der Band enthält Essays aus den Jahren 1966 bis 1984, die in so unterschiedlichen Publikationen wie dem „Merkur“ oder der DDR-Zeitschrift „Bildende Kunst“ veröffentlicht wurden. Ist die Dummheit als Gegner einmal ausgemacht, variieren die Schauplätze, auf denen Platschek gegen sie anficht. Da ist zunächst die Malerei im Dritten Reich, bewertet schon mit dem Titel als „Kunst in Uniform“. Des weiteren die Leserbriefseiten der Zeitungen, wo ihm „Der gehorsame Kunstfreund“ begegnet. Die Kunstmärkte des Westens, auf denen „Congo“ und auch „Der Mann mit dem Hut“ Furore machten. In „Congo“ geht der Autor auf Malereien und Zeichnungen ein, die der Jungschimpanse Congo 1957 in London schuf und die sich zur Überraschung seiner Betreuer zu erstaunlich hohen Preisen verkauften. Platschek resümiert: „Wer heute Congos Arbeiten zu Gesicht bekommt, wird, wüßte er nicht, daß sie von einem Affen stammen, unverzüglich an einen besonders heftigen Maler denken. Die Parallele zur informellen Malerei bietet sich von allein an, und nicht zufällig taucht der Gedanke auf, ob das wissenschaftliche Experiment nicht entweder die Malerei parodiert oder gar überboten hat.“ In „Der Mann mit dem Hut“ stellt Platschek nicht nur heraus, daß er Joseph Beuys für völlig überschätzt und für einen „Metaphysiker im Supermarkt“ hält, sondern polemisiert auch gegen die nicht nur von Beuys propagierte Auffassung, wonach alles Kunst und jeder ein Künstler sei.
Was die Lektüre so anregend macht, ist nicht nur Platscheks pointierte und oft recht bissige Schreibweise. Er scheut sich zudem nicht, auch die Arbeiten und Ansichten berühmter, etablierter Künstler zu zerpflücken. Hans Platschek entzieht sich einer schnellen Einordnung, indem er die gängigen einseitigen Schuldzuweisungen meidet. So sieht er die Kunst gefährdet, sowohl von den „kleinbürgerlichen Maßgaben des noch immer gesunden Volksempfindens ebenso wie von deren Gegenteil, den das ,Niedrige‘ verachtenden Mystifikationen der angeblich Eingeweihten, von der Phraseologie der Kunstkritik und deren kunstfernen Indoktrinationen, von dem auf Ware und Images fixierten Kunstmarkt und auch ... von mancher Kunst selbst“, wie Lothar Romain in seinem Vorwort darstellt.
In ein Gruselkabinett der deutschen Sprache führt Platschek mit seinem Essay über Kunstkritik „Phrasenmüll und Inserate“. Vielleicht sei es ein Irrtum, so der Autor, wenn man darauf bestehe, von der Kunstkritik etwas über Bilder und Plastiken zu erfahren. Womöglich seien diese nur Anlaß für die freie Formulierung? Entsprechend fallen auch die von ihm genannten Schulfälle aus. Da zitiert er beispielsweise aus einem Beitrag über einen Maler: „Die Entwicklung Baumeisters war überzeugend, sie geriet immer mehr auf die Seite des Universellen und Sinnbildlichen, der Weltschöpfung und des Weltsinnes, und die letzten einfachen Zeichen beinhalten, wie die des chinesischen I Ging, den Menschen vor dem Unendlichen, das Sein und das Schicksal.“ Wozu soll sich der Betrachter da noch von Bild zu Bild schleppen, wenn er solche Interpretationen liest. Das Universelle, der Weltsinn und das Schicksal, so folgert Platschek, ersparen allerdings Arbeit. Obwohl die Kritiker, auf die der Beitrag von 1966 namentlich zielt, heute vergessen sind, bleibt er doch sehr zeitgemäß. Wahrscheinlich weil jene Kunstinterpreten Nachfolger gefunden haben, „jene Lyriker, die in den Ausstellungskatalogen von Gott und der Welt, nur nicht vom Ausgestellten reden“. Daß nun aber der „Phrasenmüll hilfloser Kritiker“ die Malerei mehr gefährdet als beispielsweise die Literatur, mag angesichts der Auslassungen bestimmter Germanisten und Literaturwissenschaftler bezweifelt werden.
Signatur Ich bin Hamburgerin und Betriebwirt |