SIDI  bahnLinz-Master
   

Status: Offline Registriert seit: 15.11.2005 Beiträge: 2613 Nachricht senden | Erstellt am 15.04.2008 - 09:07 | |
Spektakuläres Urteil
Kündigung von schwulem Bim-Fahrer unwirksam

Ein spektakuläres Urteil hat das Wiener Arbeits- und Sozialgericht (ASG) im Fall eines Straßenbahnfahrers gefällt, der von den Wiener Linien wegen Dienstunfähigkeit gekündigt worden war. Das Gericht stellt in der druckfrischen Entscheidung fest, dass die Kündigung nichtig und unwirksam war. Der 37-jährige Mann war aufgrund seiner Homosexualität am Arbeitsplatz jahrelang gemobbt worden. Dass er in Folge dessen erkrankte, lag laut nicht rechtskräftigem Urteil eindeutig im Mitverschulden der Wiener Linien, weshalb die Kündigung als sittenwidrig aufgehoben wurde. Die Wiener Linien werden diese Entscheidung bekämpfen. "Unserer Meinung nach liegt aufseiten des Arbeitgebers keine Unterlassung der Sorgfaltspflicht vor. Wir werden daher in Berufung gehen", gab Unternehmenssprecher Johann Ehrengruber am Montagnachmittag bekannt.
Dem Urteil zufolge war der Straßenbahner über Jahre hinweg "systematischen Anfeindungen, Schikanen und Belästigungen" ausgesetzt. Der Betroffene war seit 1995 bei den Wiener Linien beschäftigt. Als er 1999 für seinen Lebensgefährten eine sogenannte Angehörigenkarte beantragte, wurde seine Homosexualität rasch zum Gesprächsthema im Kollegenkreis.
Homophobe Parolen auf WC
Und er wurde offensichtlich gemobbt: Das WC im Betriebsbahnhof, in dem er hauptsächlich Dienst versah, wurde mit homophoben Parolen beschmiert. Aus den Reifen seines geparkten Pkw wurde immer wieder Luft ausgelassen, das Fahrzeug selbst einmal mit Buttersäure begossen.
Die Vorgesetzten und Personalvertreter, die der Mann um Hilfe bat, reagierten offensichtlich ungenügend bzw. ablehnend. Als sich der Straßenbahner pragmatisieren lassen wollte, soll ihn etwa der Dienststellenobmann unter vier Augen wissen haben lassen: "Schwuchteln wie di tun ma net pragmatisieren!"
Wiener Linien: "Kein Mobbing"
Die Wiener Linien weisen das zurück: Es habe kein Mobbing stattgefunden. Der Mann habe sich vielmehr Konflikte mit der Kollegenschaft aufgrund seiner "egomanischen Persönlichkeit" selbst zuzuschreiben. Der 37-Jährige habe Kollegen beschimpft und vermeintliche Mobbing-Aktivitäten anderer dazu benützt, um höhere Dienste erlangen zu können, die ihm aufgrund seiner Ausbildung und Fachkenntnisse verwehrt waren.
Richter: "Untaugliche und krass verspätete Maßnahme"
Dieser Darstellung widerspricht allerdings das vorliegende schriftliche Urteil. Demnach hätten es die Wiener Linien unterlassen, gegen das erwiesene Mobbing zeitgerecht "Abhilfemaßnahmen" zu setzen, obwohl die Geschäftsführung und die Magistratsdirektion seit Mitte 2001 von den schwierigen Arbeitsbedingungen des Mannes gewusst hätten. Dem Mann war nahe gelegt worden, sich versetzen zu lassen - laut Richter Andreas Freundorfer eine "untaugliche" und "krass verspätete" Maßnahme.
Die Wiener Linien hätten den betroffenen Mitarbeiter damit "in der demütigenden, seine Persönlichkeitsrechte und seine Menschenwürde verletzenden Weise und überdies gesundheitsschädlichen Arbeitssituation belassen und nach vielen Monaten der Untätigkeit sich darauf beschränkt, die Verantwortung für Abhilfemaßnahmen dem Kläger selbst zuzuschieben".
Ihn dann zu kündigen, nachdem er in Folge seines psychischen Befindens Anfang 2004 drei Monate in den Krankenstand gegangen war, wird im Urteil wörtlich als "Rechtsmissbrauch" bezeichnet.
"Körperlich ungeeignet"
Der Straßenbahnfahrer war mit 31. August 2004 gekündigt worden, wobei auf ein ärztliches Gutachten verwiesen wurde, demzufolge der Mitarbeiter für die Erfüllung seiner Dienstpflichten "körperlich ungeeignet" sei. Der Mann litt zu diesem Zeitpunkt an einem depressiven Belastungssyndrom - den Feststellungen des Gerichts zufolge deshalb, weil die Wiener Linien ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.
Der Arbeitgeber habe "selbst die psychische Erkrankung des Klägers und somit die Dienstunfähigkeit schuldhaft und rechtswidrig verursacht". Daher bestehe das Dienstverhältnis weiter fort. Der von Anwalt Michael Sommer vertretene Straßenbahner bekam vom Arbeitsgericht auch die Verfahrenskosten in Höhe von 17.242 Euro zugesprochen.
Grüner Gemeinderat "schockiert über Homophobie"
Die Wiener Grünen zeigten sich in einer Presseaussendung "schockiert über die Homophobie bei den Wiener Linien". Gemeinderat Marco Schreuder regte ein modernes Diversity-Management mit Sensibilisierungsmaßnahmen, klaren Antidiskriminierungsregelungen und Schulungen an.
Gemeinderätin Ingrid Puller, selbst Straßenbahnfahrerin bei den Wiener Linien, forderte zudem eine Mobbing- und Antidiskriminierungsstelle bei den Wiener Linien: "Mobbing, Demütigungen und Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Herkunft, der sexuellen Orientierung, der Religion oder anderen Gründen sind leider keine Seltenheit."
Quelle: www.krone.at
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Martin  Administrator
     

Status: Offline Registriert seit: 13.11.2005 Beiträge: 3409 Nachricht senden | Erstellt am 22.04.2008 - 21:34 | |
Eine Frechheit. Mobbing wegen "Schwulness"? Leider traurige Wahrheit, denn viele Leute akzeptieren schwule Leute in ihrer Umgebung überhaupt nicht. Küssen sich wo zwei Männer, dann stehen diese auch gleich einmal im Mittelpunkt. Ich kann über das Verhalten nur den Kopf schütteln. Denn wenn sich ein Mann und eine Frau küssen, schaut auch niemand.
Wie sich die Arbeitskollegen des schwulen Bimfahrers verhalten haben, finde ich nicht korrekt. Das ist schlimmer wie im Kindergarten. Leider sind die Erwachsenen auch genau so blöd wie mit fünf oder sechs Jahren. Weiters klingt für mich die Aussage der WIENER LINIEN nicht sehr glaubwürdig. Der Bimfahrer hat im Betrieb bestimmt von niemanden eine Unterstützung erhalten und das ist bestimmt hart. Und meiner Meinung kann das den WIENER LINIEN egal sein ob der Straßenbahnfahrer auf gleichgeschlechtliche Personen steht oder doch eher auf das andere Geschlecht.
Für so große Betriebe und wo man weiß das es schwule Kollegen gibt und die gibt es überall, auch wenn man es nicht weiß, sollte man ein Solzialbüro einrichten. Genau so wie es das auch in der Uni Linz gibt (Sozialreferat). Meiner Meinung muss man sich anpassen und Schwule dürfen in der heutigen Zeit gar nicht mehr beleidigt oder dergleichen werden. In der heutigen Zeit, wo schwul sein im Fernsehen als "normal" dargestellt wird, sollte sowas in der Gesellschaft eigentlich keine Probleme darstellen.
Wie sagt man so schön, reden ist silber, schweigen ist gold.
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