Isabelle  Novize


Status: Offline Registriert seit: 27.03.2006 Beiträge: 24 Nachricht senden | Erstellt am 24.04.2006 - 18:17 |  |
Der 1. Kreuzzug (1096-1099)
Schon Papst Gregor VII hatte versucht, die in Palästina lebenden Christen von ihrer heidnischen Umgebung zu befreien. Dies scheiterte jedoch an den Kämpfen des Papstes gegen Heinrich IV, die seine ganze Zeit beanspruchten.
1071 besiegten die Seldschuken (türkischer Volksstamm) den byzantinischen Kaiser Alexios Komnenos bei Manzikert entscheidend. Danach eroberten sie Nicaea und Smyrna, Palästina, Jerusalem (1076 von den Ägyptern), Antiochia (1085). Um der türkischen Gefahr zu widerstehen, bat Alexios den Papst um militärischen Beistand. Im Jahre 1095 erhielt Urban II. die Nachricht und rief auf der Synode von Clermont in einer flammenden Rede zum Kreuzzug gegen die Heiden in Palästina auf. Er versprach die Vergebung der Sünden und die Aussicht auf das ewige Leben den Kreuzfahrern, die unter dem Zeichen des Kreuzes im heiligen Land das Leben lassen sollten. Der Aufruf des Papstes hatte weitreichende Folgen.
Eine Große Anzahl von Rittern schloss sich zusammen, um in den heiligen Krieg gegen die Seldschuken zu ziehen. Unter ihnen befanden sich Gottfried von Boullion, sein Bruder Balduin von Boulogne, Rainmund von Toulouse, der Normanne Bohemund und dessen Neffe Tancred. Sie und ihr Gefolge zogen in Europa getrennt los und vereinigten sich in Konstantinopel.
Kaiser Alexios erkannte schnell , daß dies nicht die Söldnertruppe war, um die er gebeten hatte, sondern daß dieses zusammengewürfelte Heer seinem Staat sehr gefährlich werden konnte. Deshalb gab er ihnen sofort Kampfaufträge gegen die Seldschuken um sie von seiner Hauptstadt fernzuhalten. Die Kreuzfahrer nahmen zuerst Nicaea, Dorylaeon und Antiochia ein, wandten sich dann gen Süden Richtung Jerusalem. 1099 standen sie vor den Toren der heiligen Stadt. Die von den Strapazen der langen Reise und von verlustreichen Kämpfen gezeichneten Ritter begannen mit dem Bau von Belagerungsmaschinen und der sorgfältigen Planung einer schwierige Belagerung nachdem ihr erster Abgriff im Pfeilhagel der Verteidiger ein jähes Ende fand.
Nach Gottesdiensten und Passionen wagten sie den Angriff. Es gelang ihnen eine Bresche in den Mauerring zu schlagen und in die Stadt einzudringen. In Jerusalem richteten die Kreuzfahrer ein entsetzliches Blutbad an. Der Tempel war mit blutüberströmten Leichen übersät.
Nachdem Jerusalem erobert war, wurde das Königreich Jerusalem gegründet. Der erste König sollte Gottfried von Boullion sein. Er lehnte diesen Titel jedoch ab und nannte sich stattdessen "Beschützer des Heiligen Grabes".
Viele Ritter aber strebten nach persönlichem Ruhm und Land zu gewinnen.
So hatten sich Bohemund und Tancred sowie Balduin schon bald vom Hauptteil der Kreuzritter getrennt.
Bohemund errichtete in Antiochia eine eigene Herrschaft und eroberte Gebiete des christlichen Kaisers in Byzanz.
Balduin wurde von Thoros, einem christlichen Armenier, um Hilfe für Edessa gebeten. Darauf zog er dorthin und riss die Herrschaft an sich.
2. Kreuzzug (1147-1149)
Streitigkeiten zwischen Joscelin von Edessa und Raimon von Poitiers nutzte Sultan Atabeg, zur Belagerung von Edessa aus, die sich dann 1144 als erfolgreich erwies. Dieser vernichtende Schlag für die fränkische Streitmacht konnten Atabegs Söhne Saif-et Din Ghazi und Nur ad-Din mit weiteren Eroberungen noch vergrößern. Diese Ereignisse erregten das Abendland zutiefst. Papst Eugen III. rief unverzüglich zu einem neuen Kreuzzug auf. 1146 erklären sich französische Ritterscharen dazu bereit, ihr Kreuz auf sich zu nehmen. Am Ende des Jahres folgte ihnen der deutsche König Konrad III..
Im Jahre 1147 setzten sich die Heere gefolgt von waffenlosen Massen in Bewegung. Als sie durch das byzantinische Reich kamen, plünderten die Deutschen die Provinzen. Dagegen hielten sich die Franzosen ein wenig zurück. In Kleinasien angekommen, schlugen die Kreuzfahrer die weisen Ratschläge des Kaisers und seiner Ratgeber in den Wind und ließen sich in Gefechte mit den Türken verwickeln. Dies bezahlten sie mit schweren Verlusten, so daß nur ein Bruchteil des französischen und klägliche Reste des deutschen Heeres Antiochia und Akkon erreichten. Ein weiterer schwerer Fehler war der Beschluss, Damaskus anzugreifen, der die einzige muslimische Macht, die den Franken wohl gesonnen und ein Feind Nur ad-Dins war. Angesichts dieser Bedrohung, verbündete sich Damaskus mit Atabeg.
Im Jahre 1149 marschierten also die Streitkräfte der Kreuzfahrer und des Königreiches gegen die große syrische Stadt. Unter den Anführern herrschte Zwietracht, es wurde ungeschickt manövriert und nur kleine Scharmützel gewagt. Der nach wenigen Tagen unternommenen Rückzug endete in einer Katastrophe. Die unglaublichen Torheiten der Kreuzfahrer hatten aus ihrem Heereszug ein so tragisches wie kroteskes Abenteuer gemacht. Es vernichtete im ganzen Orient, was das abendländische christliche Europa sich noch an Prestige bewahrt hatte.
Der 3. Kreuzzug (1189-1192)
Obwohl niemand zu einem Kreuzzug aufrief, bildete sich aufgrund der Eroberung Jerusalems (1187) und fast aller Besitzungen im Orient durch Sultan Saladin, in Europa ein neuer Kreuzzug. Kaiser Friedrich Barbarossa, der englische König Richard I. Löwenherz und Philipp-August von Frankreich hefteten sich das Kreuz an.
Der König von Jerusalem, Guido von Lusignan, der bei Hattin gefangen genommen, von Saladin aber freigelassen worden war, belagerte Akkon seit 1189, mit einer für ihn überraschenden Einsicht und Entschlossenheit, mit den wenigen ihm verbliebenen Truppen. Er erhielt Beistand von Pisanischen, genuesischen, venezianischen, dänischen, flämischen und friesischen Schiffen und von Rittern aus Nordfrankreich, die übers Meer herangekommen waren.
Inzwischen hatte das deutsche Heer trotz anfänglichen Widerstrebens des byzantinischen Kaisers Isaak Angelos Osteuropa und den größeren Teil Kleinasiens durchzogen. Da ertrank der Kaiser am10. Juni 1190 im Saleph, und es stellte sich heraus, daß der Zusammenhalt des Heeres allein auf seiner persönlichen Autorität beruht hatte; seine Truppen lösten sich auf, und nur ein geringer Bruchteil fand sich bereit, an der Belagerung von Akkon teilzunehmen; gleichzeitig brandeten heftige Kämpfe gegen Saladin und sein Heer, die die Festung zu entsetzen suchten. Im April 1191 traf endlich der König von Frankreich ein und im Juni zu guter Letzt der englische König, beide zu Schiff. Diese Todfeinde waren in Sizilien aufgehalten worden; Richard hatte Cypern dem Usurpator Isaak Dukas Komnenos abgenommen, der sich dort zum Basileus aufgeworfen hatte. Nun konnten die Operationen energisch vorangetrieben werden, und trotz aller Anstrengungen Saladins kapitulierte die Festung am 12. Juli 1191.
Schon am 2. August schiffte sich der französische König wieder nach Frankreich ein, ließ aber Truppen zurück. Richard dagegen setzte den Feldzug gegen Saladin bis 1192 fort. Es gelang ihm, den größeren Teil der Küste zurückzuerobern, aber außer diesem Küstenstreifen und einigem Gebiet im Hinterland blieben die überseeischen Besitzungen einschließlich Jerusalems in den Händen der Muslime. Eine 1192 zwischen Richard und Saladin abgeschlossene Konvention garantierte den Christen freien Zugang zu den Heiligen Stätten. Aber dem Rest des Königreiches Jerusalem, das in Wirklichkeit ein Königreich Akkon geworden war, fehlte ein König.
Seit dem Tode Sibyllens waren die Rechte Guidos von Lusignan umstritten. Im Jahre 1192 vermählte sich Isabella, die jüngere Schwester Amalrichs I. und Sibyllens und Witwe Konrads von Montferrat, mit dem Grafen der Champagne; er wurde als Heinrich I. König von Jerusalem. Guido hatte von Richard Löwenherz die Insel Cypern erhalten. 1194 folgte ihm sein Bruder Amalrich auf den Thron; er erreichte von Kaiser Heinrich VI. und Papst Coelestin III. die Nachricht, daß seine Lehnsherrschaft zum Königreich erhoben wurde. Da König Heinrich I. im selben Jahr starb, wurde der König von Cypern als Amalrich II. auch König von Jerusalem. Der gefürchtete und zugleich ritterliche Gegner der Christen, der große Saladin, war 1193 in Damaskus gestorben.
Die Reste des lateinischen Orients vermochten noch geraume Zeit, den italienischen Handelsrepubliken ihre Warenlager in der Levante und die Kontrolle im östlichen Mittelmeer zu erhalten: das einzige positive Resultat des Dritten Kreuzzuges.
Der 4. Kreuzzug (1202-1204)
Kurz nach seinem Amtsantritt ruft Papst Innozenz III. im August 1198 zum Kreuzzug auf. Der Kreuzzug sollte wie der erste Kreuzzug ein Unternehmen der Kirche sein. Wie Urban II. demonstrierte Paps Innozenz damit seinen weltlichen Führungsanspruch. Gesandte des Papstes reisen mit Blankovollmachten nach Venedig, um über die Anmietung von Schiffen zu verhandeln. Es kommt zu einer Einigung mit dem Doge Heinrich von Dandolo.
Entgegen öffentlicher Erklärung soll der Kreuzzug nicht nach Palästina, sondern nach Kairo gehen. Es wurde mit 30 000 Kreuzfahrern gerechnet, tatsächlich kamen höchstens 10 000. Beim Kassensturz stellen die Anführer fest, daß sie zahlungsunfähig sind. Der Doge Dandolo ist bereit, die Schulden zu stunden. Bedingung: Die Kreuzfahrer sollen für Venedig Zara erobern. Zara, das früher zu Venedig gehörte, war vor Jahren von Venedig abgefallen und unterstand jetzt dem König von Ungarn. Dandolo (90jährig und blind) wird zum Führer des Kreuzzuges ausgerufen. Trotz Bedenken der Kirche müssen sich die Kreuzfahrer an ihre Verpflichtung halten. So wird die christliche Stadt Zara durch Kreuzritter geplündert und unter den Kreuzfahrern und Venezianern geteilt. Der Papst reagiert darauf mit der Exkommunition des Kreuzheers. Er lässt sich aber von einer Delegation beschwichtigen und erteilt allen Pilgern die Absolution.
Da Ägypten ein wichtiger Handelspartner von Venedig ist, ist der Doge an einem Angriff der Kreuzfahrer auf Kairo nicht interessiert. Durch eine List (die Verzögerung der Weiterreise hat knappe Vorräte zur Folge) gelingt es Dandolo den Kreuzzug nach Konstantinopel umzuleiten. Als Angriffsgrund wird ein Erbschaftsstreit um den Titel des byzantinischen Kaisers angegeben. Außerdem erzählt er von dem immensen Reichtum der damaligen größten Stadt der Welt. Er hat die Kreuzfahrer jetzt ganz unter seiner Kontrolle. So wird die Stadt belagert und am 5. Juli 1203 kommt es zum ersten Angriff auf Konstantinopel. Aber erst im April 1204 gelingt es, die Stadt zu erobern. Die Stadt wurde geplündert, die meisten Schätze davon sind heute im Markusdom in Venedig ausgestellt. Am 16. Mai 1204 wird Balduin von Flandern zum ersten Kaiser des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel gekrönt.
Der 5. Kreuzzug
Zu einem friedlichen Unternehmen wurde der 5. Kreuzzug 1228/29 mit dem es Kaiser Friedrich II. ohne militärische Auseinandersetzungen gelang, die christlichen Pilgerstätten zurückgewinnen, wenn auch nur für einem Zeitraum von 15 Jahren. Dabei sah es gar nicht danach aus:
Der erneute Kreuzzug war sehr eng mit der Vormachtstellung in Italien verbunden. Da der Kaiser Friedrich II seine Macht in Italien stärkt, fühlte sich das Papsttum bedroht. Der Papst Honorius möchte seine Macht durch einen Kreuzzug vergrößern. Im Vertrag von San Germano erklärt sich Friedrich bereit im August 1227 zum Kreuzzug aufzubrechen, wenn nicht drohte ihm eine hohe Geldstrafe sowie Kirchenbann. 1225 erwirbt Kaiser Friedrich II durch eine Heirat mit Yolanthe von Brienne, der legitimen Erbin des Königreichs Jerusalem, den Königstitel. Als das Kreuzheer aufbricht, erkrankt Friedrich an Malaria und geht von Bord, um sich auszukurieren. Papst Gregor IX, der Nachfolger von Honorius, hält die Krankheit für einen Vorwand und exkommuniziert den Kaiser ohne Zögern.
Jetzt wurde Jerusalem zu einer Spielfigur im Machtkampf. der Papst untersagt Friedrich, die Kreuzfahrt ohne Absolution anzutreten. Die Kirche hatte Jerusalem verklärt, ein Kaiser, der es erobern würde, hätte seinen Anspruch auf die Weltherrschaft damit gerechtfertigt. Friedrich will das ausnützen und folgt 1228 seinem Heer nach Akkon und erhält deshalb vom Papst einen zweiten Bannfluch. In Akkon wird der Kaiser begeistert empfangen, aber die Templer, die Johanniter, der Patriach, und der Klerus verweigern dem Kaiser jede Unterstützung. So hat er nicht genügend Streitkräfte um Jerusalem militärisch einzunehmen.
Doch 1229 gelingt es Friedrich II, obwohl ihm, durch die Exkommunikation, die nötige Unterstützung fehlt, durch Verhandlungen mit dem Innergeschwächten al-Kamil Jerusalem, Jaffa, Nazareth, Bethlehem und ein Teil Galiläas dem Königreich Jerusalem wieder anzugliedern.
Obwohl Friedrich Jerusalem nach jahrzehntelangem Kampf zurückerobert hatte brach der Klerus nicht in Jubel aus. Im Gegenteil inzwischen rückten päpstliche Truppen gegen Friedrichs Gebiete in Süditalien vor, was ihn zur Rückkehr zwang. Nachdem er die Eindringlinge wieder verjagt hat und von der Bevölkerung als Befreier Jerusalems verherrlicht wird, sieht sich der Papst im Mai 1230 gezwungen, den Bann aufzuheben.
Der 6. Kreuzzug
Doch die Freude über die Befreiung Jerusalem hält nicht lange an. 1244 fällt Jerusalem endgültig. Ein in Damaskus plündernder türkischer Söldnertrupp stürmt überraschend die Heilige Stadt. Es werden mehrere tausend Christen niedergemetzelt.
Nach vierjähriger Vorbereitung startet 1248 der Kreuzzug von Ludwig IX dem Heiligen. Die Truppen überwintern auf Zypern. Ziel der Kreuzfahrer ist erneut Ägypten. Im Juni 1249 gelingt es dem Franzosen Damiette kampflos einzunehmen.
Die Kolonisierung Ägyptens scheitert allerdings, weil sich die Vorgänge des Jahres 1221 wiederholen. Das französische Expeditionskorps gerät mit König Ludwig im April 1250 in Gefangenschaft. Als Lösegeld muss er in Zahlung von den Steuereinnahmen von 2 Jahren sowie die Räumung von Damiette einwilligen.
Nachdem er die Befestigung von Akkon, Jaffa und Caesarea ausbauen lässt, geht im 1254 das Geld aus und Ludwig nach Frankreich zurück.
Der 7. Kreuzzug
Der 7. und letzte Kreuzzug hat eine nur eine kurze Geschichte. Führer dieses Kreuzzuges war erneut Ludwig der Heilige. Nachdem der 6. Kreuzzug fehl schlug und Ludwig 1254 ein Teil seiner Truppen zurücklässt, werden diese im Krieg zwischen Venedig und Genua verwickelt. In diesem zwischen 1256-70 immer wieder ausbrechenden Krieg werden die Kreuzfahrer zum Teil auch gegeneinander ausgespielt. Erst durch die Intervention im Jahre 1270 von Ludwig kann der Krieg beendet werden. Danach lässt Ludwig seine Truppen sammeln um zu einem erneuten Kreuzzug aufzubrechen.
Krak des Chevaliers ist eine der bekanntesten Kreuzfahrerburgen.
Sie wurde 1271 von den Mamelucken erobert.
Das Ziel der Kreuzfahrer ist Tunis. Ludwig will Tunis erobern um die Stadt als Truppenstützpunkt im Krieg gegen die Ägypter zu benützen. Während der Belagerung von Tunis bricht jedoch im Lager die Beulenpest aus und eines der ersten Opfer ist der Führer des Kreuzzuges: Ludwig IX. der Heilige. Mit Ludwig stirbt auch der letzte Kreuzzug und die letzte Kreuzzugsbegeisterung in Europa. Damit ist auch das gesamte Unternehmen Kreuzzug gestorben und die letzten Kreuzfahrerstützpunkte werden bald nach und nach angegriffen ohne eine nennenswerte Unterstützung aus Europa zu bekommen. 1291 wird die Kreuzfahrer Hochburg Akkon belagert und am 18. Mai gestürmt. Die verbleibenden Städte und Festungen werden kampflos geräumt. Die Kreuzfahrerstaaten Syrien und Palästina existieren nicht mehr. Knapp 200 Jahre Krieg im und um das Heilige Land haben ein Ende.
Der Kinderkreuzzug
Die Kirche ruft auch nach dem Kreuzzug gegen Byzanz weiter zur Befreiung der heiligen Stätten in Jerusalem auf. Der Appell richtet sich nicht an Kaiser und König, sondern an das Volk. Die Folgen dieses Aufrufes sind verheerend. Dem Ruf des Kreuzes folgen vor allem Jugendliche. Ein Chronist schreibt dazu:
"1212. Zur selben Zeit wurde eine alberne Heerfahrt unternommen von Kindern und törichten Leuten, die ohne einige Überlegung das Zeichen des Kreuzes annahmen, mehr aus Vorwitz als ihres Heiles wegen. Es zogen Kinder beiderlei Geschlechts, Knaben und Mädchen, nicht nur Kleinere, sondern auch Erwachsene, Verheiratete und Jungfrauen mit leerem Geldsack sowohl durch ganz Deutschland als auch durch Teile von Gallien und Burgund. Und von Eltern und Freunden ließen sie sich in keiner Weise abhalten, mit allem Eifer diese Heerfahrt zu machen, so sehr, daß sie hier und dort in Dörfern und auf dem Felde mit Zurücklassung ihres Arbeitsgerätes und dessen, was sie gerade unter den Händen hatten, den Vorüberziehenden sich anschlossen. Und da wir so Ungewöhnlichem oft gerne unsern Glauben schenken, so meinten viele, dies geschehe nicht aus Leichtsinn, sondern auf göttliche Eingebung und aus einer gewissen Frömmigkeit, weshalb sie ihnen auch auf eigene Kosten Lebensmittel und was sie nötig hatten, darreichten. Den Geistlichen aber und andern vernünftigeren Sinnes, welche widersprachen und diesen Zug für eitel und unnütz erklärten, leisteten die Laien heftigen Widerstand; sie behaupteten daher, die Geistlichen seien ungläubig und widersetzten sich diesem Unternehmen mehr aus Neid und Geiz als um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen.
Da aber kein Unternehmen, das unvernünftiger- rund unüberlegterweise begonnen wird, gut endet, so verbreitete und zerstreute sich diese törichte Menge, in Italien angekommen, in größere und kleinere Städte, und viele von ihnen wurden von den Bewohnern des Landes als Knechte und Mägde zurückbehalten. Andere sollen ans Meer gekommen sein, wo sie von den Schiffern und Seeleuten getäuscht und nach entlegenen Weltgegenden übergefahren wurden. Die übrigen gelangten nach Rom; aber als sie sahen, dass sie ohne obrigkeitliche Unterstützung keinen Erfolg haben konnten, erkannten sie endlich ihre Bemühungen als albern und vergeblich, wurden aber vom Kreuzgelübde durchaus nicht losgesprochen, mit Ausnahme der Knaben, welche die Jahre der Einsicht noch nicht erreicht hatten, und jener, die das Alter niederbeugte. Also getäuscht und verwirrt, traten sie den Rückweg an, und die, welche vorher in Scharen und Streithaufen und immer unter Absingung des Celeuma1 (Gesang, den die Seeleute bei günstiger Fahrt anstimmen) die Lande zu durchziehen pflegten, kehrten jetzt einzeln und im stillen, barfuss und hungernd zurück und wurden allen zum Gelächter."
Was sind die Auswirkungen der Kreuzzüge?
Das von den Kreuzfahrern geschwächte Byzanz kann seine bisherige Pufferfunktion gegen den Islam nicht aufrechterhalten:
1329 erobern die osmanischen Türken Nikäa und weitere Städte folgen
1453 gelingt es Sultan Mehmed II Konstantinopel zu erobern
1529 stehen die Türken vor Wien und das osmanische Reich erstreckt sich von Ägypten bis Ungarn. Es ist jetzt ungefähr so groß, wie das byzantinische Reich vor dem ersten Kreuzzug.
Die Einheit des Islams wurde durch die Kreuzzüge gestärkt. So können z. B. die anfänglichen großen Erfolge der Kreuzfahrer mit relativ wenig Aufwand, in den späteren Jahren nicht wiederholt werden. Es bildet sich eine gemeinsame Opposition gegen das Abendland. Dieser "heilige Krieg" der Moslems spielt bis heute in manchen fundamentalistischen Staaten (z.B. Iran) noch eine wichtige Rolle.
Die 200 Jahre Krieg im "Heiligen Land" haben seine Folgen. Das einst blühende syrisch-palästinensische Gebiet wurde durch die ständigen Gefechte zwischen Christen und Moslems vollständig ruiniert.
Nicht nur im Bereich der Medizin konnten die Christen viel von den morgenländischen Ärzten lernen. Auch die moslemischen Gelehrten waren den des Abendlandes überlegen (z.B. Mathematik).
Das Kennen lernen von islamischen Gütern (z.B. Gewürze) hat einen verstärkten Handel mit den Türken zu folge.
Nicht zuletzt dadurch wurde Venedig zu der Handelsmacht im Mittelmeerraum. Aber vor allem durch die Einnahmen die aus den Überfahrten der Kreuzfahrer resultierten, ermöglichten den Venezianern zu expandieren. Aber auch die politische Macht nahm zu. Teilweise durch die Unterstützung der Kreuzfahrer (siehe 4. Kreuzzug) wurden die Besitztümer Venedigs größer.
Die Machtzunahme der Kirche auf der politischen Ebene. So konnte die Kirche mit den Aufrufen zu Kreuzzügen die sonst so (vor allem durch Erbfolge) zerstrittene Christenheit zu einen.
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