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Judith7 



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...   Erstellt am 25.10.2012 - 16:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Konzert in der Frauenkirche Dresden

Noch nie vorher war ich in Dresden und wünschte mir immer, wenn ich da schon hinfahre, dann sollte ein Konzert in der Frauenkirche, eine Besichtigung der Altstadt und ein Besuch des Antiken Grünen Gewölbes dabei sein.

Am letzten Wochenende haben wir das nun, zusammen mit Freunden, verwirklicht. Vor langer Zeit hatten wir schon die Konzertkarten und die Karten für das Gewölbe vorbestellt.

Wir hatten uns für das Konzert Aufbruch & Ewigkeit entschieden.
Bamberger Symphoniker,
Bayerische Staatsphilharmonie,
Ruth Ziesak (Sopran)
unter der Leitung von Herbert Blomstedt.

Johann Sebastian Bachs Jauchzet Gott in allen Landen Kantate BWV 51 und

Anton Bruckners Symphonie Nr. 4, Es-Dur "Romantische" standen auf dem Programm.

Nach und nach schreibe ich Euch etwas davon.

Herbert Blomstedt wurde als Sohn schwedischer Eltern 1927 in den USA geboren.
Man mag es kaum glauben, wenn man ihn ansieht, aber er ist heuer 85 geworden - wie auch seine bekannten Kollegen desselben Jahrgangs, Colin Davis und Kurt Masur.

Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Königlichen Konservatorium in Stockholm und an der Universität in Uppsala, dann studierte er Dirigieren an der Juilliard School of Music in New York, zeitgenössische Musik in Darmstadt und Renaissance- und Barockmusik an der Chola Cantorum in Basel. Er arbeitete unter Igor Markevitch in Salzburg und Leonard Bernstein in Tanglewood. Ich finde, das liest sich unglaublich! Sein Schaffensleben ist so lang und vielfältig, ich möchte Euch nicht damitt langweilen, es lässt sich sicher irgendwo nachlesen, falls es interessiert.

Ich habe ihn als Gewandhauskapellmeister in Leipzig kennengelernt. Herbert Blomstedt leitete das Gewandhausorchester von 1998 bis 2005 und bleibt ihm als "Ehrendirigent" weiterhin verbunden.

Ich bin überrascht und erfreut, wie fit er in seinem Alter ist, sowohl körperlich und auch geistig. Ohne Partitur vor sich hat er die ganze Zeit dirigiert und es war ihm keinerlei Anstrengung anzumerken. In federndem Schritt verließ er nach dem Konzert die Bühne (die er natürlich wegen der Aplausstürme mehrmals wieder betreten musste.



Herbert Blomstedt in Lund (2008)

[Dieser Beitrag wurde am 25.10.2012 - 17:21 von Judith7 aktualisiert]




Judith7 



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...   Erstellt am 28.10.2012 - 17:13Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bachs Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen ist eine seiner ungewöhnlichsten Kirchenkantaten, denn er bevorzugte normalerweise eine Mischung, die den Erfordernissen seines Knabenchors an St. Thomas entsprach: Eine Mischung aus Solostimme(n) und vier- bis sechsstimmigem Vokalensemble. Diese nun ist eine von 12 seiner Kantaten für eine Solostimme und Instrumentalbegleitung. Eigentlich eher typisch für die italienische Kantate, wie sie bei Alessandro Scarlatti oder Alessandro Stradella zu finden ist.

Auch der Choralsatz ist ungewöhnlich, mit dem Bachs BWV 51 endet. Meist wird der Schlusschoral von einem Solistenensemble oder vom Chor im mehrstimmigen Vokalsatz vorgetragen. Ein uns als Orgelbearbeitung bekannter Choralsatz hier nun die Instrumente in kontrapunktisch verschränkten Stimmen um die Choralmelodie, die die Solostimme in langen Noten singt.

Der Choralsatz geht in ein jubelndes Halleluja über, von der Trompete begleitet und umschwärmt, der ersten Arie ähnlich, in der der Sopran ebensfalls ein Solistenduo mit der Trompete bildet.

Die Frage stellt sich: Mit welchem Solisten führte Bach damals diese Kantate auf? Die Solostimme ist extrem virtuos, zu schwierig für einen Knabensopran. Frauen duften bekannterweise zu Bachs Zeiten nicht in der Kirche singen. Hat Bach dieses Werk für ein besonders begabtes Mitglied des Thomanerchores geschrieben. Im 18. Jahrhundert setzte der Stimmbruch erst mit 16 oder 17 Jahren ein. Ein begabter Knabe, bereits gut ausgebildet in diesem Alter, hätte solch anspruchsvollen Solopart vielleicht meistern können.
War es vielleicht für den Kastraten Giovanni Bindi geschrieben? Er kam 1730 an die sächsische Hofoper in Dresden. Allerdings ist die Kantate BWV 51 leider undatiert, also kann die Frage nach dem Solisten der Erstaufführung wohl nicht abschließend beantwortet werden.
Was fest steht ist, daß die Kantate für den Gottesdienst des 15. Sonntags nach Trinitatis bestimmt war, konnte aber laut Bachs handschriftlichem Vermerk "et In ogni Tempo" (auch bei jeder anderen Gelegenheit) erklingen.

Für mich war es an diesem Abend schwierig, die Kantate so ganz zu genießen. Ich konnte sie fast nicht wiedererkennen, weiß nicht genau, ob es an der prächtigen Stimme von Ruth Ziesak lag, die ich lieber in Opernarien hören möchte oder an der akustischen Porblematik der Frauenkirche. Bei einer Kirchenkantate ist mir Text und Musik gleich wichtig. Jedes Wort sollte verstanden werden, was an diesem Abend leider nicht der Fall war. Auch haben sich Orchester und Stimme so verschränkt, daß die menschliche Stimme für mich nicht deutlich genug als solche zu erkennen war, obwohl sie die "Oberhoheit" bei Kantaten haben muss.

Hier eine Kostprobe der Kantate, bei der ich den Text gut verstehen kann:


J.S.Bach. Cantata No.51, "Jauchzet Gott in allen Landen", BWV 51




ippiz
unregistriert

...   Erstellt am 30.10.2012 - 10:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Was die Akustik betrifft, so sind manche Gotteshäuser halt für die Lithurgie gebaut, nicht für musikalische Aufführungen. Dennoch gibt es hier - wahrscheinlich eher zufällig - ein paar Glücksfälle. Einer davon ist die Heiliggeistkirche in Heidelberg. Sie hat ein ganz ausgezeichnetes Klangverhalten.

Voriges Jahr war ich dort in einem Konzert eines kleinen Norwegischen Vokalensembles, Nordic Voices, das Zeitgenössische und Alte Musik miteinander verknüpfte.

Sie waren von der Akustik der Kirche so begeistert, dass sie gar nicht aufförten, Zugaben zu geben. Man sah ihren Gesichtern buchstäblich die Freude an, in diesem Raum zu singen.

Es war ein wundervolles Erlebnis, als die fünf (glaube ich) Sänger und Sängerinnen sich ganz zum Schluss in der gesamten Kirche verteilten und mit Obertonklängen eine gar mystische Stimmung schufen, die selbst den letzten Kritiker Zeitgenössischer Musik zum erstummen und erstaunen brachten.

Darüber hinaus machte ich wieder einmal die Erfahrung, dass manchmal eine kleine Gruppe von Musikern ausreicht, einen wunderbaren Abend zu schaffen. Dass es nicht immer das große Orchester mich Chor oder gar Chören sein muss ...




[Dieser Beitrag wurde am 30.10.2012 - 10:32 von ippiz aktualisiert]




Judith7 



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...   Erstellt am 30.10.2012 - 12:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da hast Du unbedingt recht, ippiz. Ich stelle mir das äußerst schwierig vor, sich im Raum einer Kirche zu verteilen und dann "gemeinsam" und zusammen zu singen, weil man oft die andern gar nicht zeitlich hören kann. Aber wenn das geklappt hat, dann war das sicher für die Sänger und die Zuhörer ein unglaubliches Erlebnis.

Wir haben mal in einer relativ kleinen Chorbesetzung den Gottesdienst im Französichen Dom begleitet und haben im Vorfeld festgestellt, daß wir uns zwischen Orgel und Emporegeländer klemmen mussten, um von dem Hall nicht erschlagen zu werden.

Dagegen haben wir in einer Waldenser Kirche in Torre Pellice ein Quartett gesungen und unsere Stimmen füllten die Kirche mühelos, glasklar, daß es eine Freude für alle war.





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