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Paula ...



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Registriert seit: 23.04.2008
Beiträge: 1342
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...   Erstellt am 02.07.2008 - 23:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gestern hatte ich einen Termin mit einem Unternehmensberater in seinem Büro.
Das Gespräch effektiv und freundlich. Und doch fühlte ich mich unwohl.
Der Raum strahlte eine Unpersönlichkeit, ja eine Kälte aus.
Weiße Wände, schwarzes Mobiliar, Chrom und Glas, wenn auch von den besten Designer wie Le Corbusier, Eileen Gray und Wagenfeld. Möbel und Lampen alles im Bauhausstil. Diese karge Schlichtheit hatte null Atmosphäre.
Während ich meinen Blick durch den Raum wandern ließ, fiel mir auf dem Highboard ein Indianer aus Holz geschnitzt auf.

Der Unternehmensberater war meinem Blick gefolgt und sagte lächelnd: „Ich weiß, Stilbruch, aber ich kann mich nicht von ihmr trennen. Ich habe ihn aus Oklahoma mitgebracht, nach meinem Studium in USA.

Dieser Kitsch machte den Raum mit einem Mal persönlich, und mir fiel ein, was ich schon alles mitgebracht hatte, obwohl es nicht zu meiner Einrichtung passte.

Kitsch, von dem ich mich so schwer trennen kann. Ich weiss, er offenbart eine Schwäche und macht den Wunsch nach Romantik offenkundig.
Kitsch schafft in einem sterilem Raum Atmosphäre, ja, ich wage sogar zu behaupten, Kitsch macht menschlich, in dieser so perfekt gestylten Welt.




<besucherin>
unregistriert

...   Erstellt am 03.07.2008 - 07:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ich würde nicht alles unbedingt als kitsch abstempeln.

sicher, eine beleuchtete gondel aus 100% plastik auf ein fernseher ist gewöhnungs bedürftig, ebenso der röhrende hirsch oder mit der gitarre schmachtende sinti-roma dame.

es gibt erinnerungs stücke, die eventuell im auge eines fremden betrachters kitschig sind.

meine küche in ein frühere wohnung......der besucher ist entweder der luft weggeblieben, und er hat an meine geistige gesundheit gezweifelt, oder er bekam ein lachanfall.

neben alle moderne errungenschaften, was eine küche benötigt, hing von der decke elliot........eine quitschbunte drache, gebastelt aus verschieden schachteln von mein sohn in kindergarten.....ein gemälde, die ich auf den flohmarkt fand, war an tür befestigt........kinder auf die brücke, mit schutzengel......usw. usw.
ich hab dort schlicht mein spieltrieb ausgelebt.

und witzige weise, jede party verlagerte sich kurz oder lang in diese eingenwillige raum, wo nichtmal die stühle gleich waren.
die waren ebenfalls flohmarkt findlinge, die ich dann aufgearbeitet habe.

für mich persönlich mag ich keine so perfekt durchgestylte räume.
ein raum muss mit mir leben.




WordPerfekt 



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Registriert seit: 09.03.2007
Beiträge: 687
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...   Erstellt am 03.07.2008 - 11:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wer glaubt, dass Kitsch Frauensache ist, den muss ich enttäuschen. Ich finde Kitsch oder Nippes gehören in unseren Alltag. Es ist mühsam im Urlaub oder auf dem Flohmarkt etwas zu finden, was noch niemand hat. Das Sammeln macht einen Heidenspass.
Und hat man wie ich erst einmal ein ganzes Regal mit Kitsch gefüllt, wundert sich die Familie und der Besuch nicht mehr, sondern zollen einem Respekt.
Ich sammel Leuchttürme und Flaschenschiffe.





Signatur
Der menschliche Geist gleicht einem Fallschirm;
er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.

Franscis Picabia

wortundbild
unregistriert

...   Erstellt am 03.07.2008 - 16:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da frag ich mich: WAS IST KITSCH?

Leuchttürme und Flaschenschiffe?
von Kindern Gebasteltes und Gemaltes?
usw usw

Kitsch wird vieles doch erst im Auge des Betrachters und manches vielleicnt nur deshalb weil er nicht versteht, was hinter dem Bild, dem Gegenstand steht?




Angela ...



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Registriert seit: 01.01.2008
Beiträge: 557
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...   Erstellt am 03.07.2008 - 18:38Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Was willst du mit dem ganzen Tineff ? fragt mein Mann jedes Mal, wenn ich einen gewissen Glanz in den Augen bei einem Trödelhändler oder in einem Souvenierladen bekomme.

Eigentlich müsste ich kuriert sein von all diesem
Nippes, habe ich bei der Haushaltsauflösung meiner Tante so geflucht über den ganzen Kram den sie hatte, und wir nun entsorgen mussten, weil niemand es geschenkt haben wollte.

Eigentlich ja, aber mich hindert es nicht, weiter meinen Schnickschnack zu kaufen, und mich daran zu erfreuen, weil in jedem Kitsch eine kleine Geschichte mit so vielen Erinnerung steckt.




HollyvanMekeren 



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Registriert seit: 28.05.2007
Beiträge: 117
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...   Erstellt am 23.07.2009 - 16:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ist es nicht angenehm, an den Ständen mit Krimskrams von gestern vorbeizuschlendern, die Utensilien unserer Großmütter und Vorväter zu begutachten und hin und wieder einen Fund zu tun, ein wackeliges Bilderrähmchen, das sich angeblich mühelos kleben lässt, ein hübscher Silberlöffel hier, ein wohlgeformtes Kännchen dort - man kann sich doch nicht nur mit modernen Sachen umgeben!

Es tut mit leid, aber ich muß auch diesmal ungnädig werden. Natürlich werde ich mich wie immer hüten, Argumente gegen die Trödelei vorzubringen.

Dass die abgewetztesten Polohemden von den schicksten Typen verkauft und gekauft werden stört mich nicht.

Dass die verbeultesten Schuhcremedosen schon 20 Euro kosten, dass ein Zigarrenreklameschild aus Email mit originaler Absplitterung so teuer ist wie ein Flug von München nach London und zurück, läßt mich kalt, das erschüttert immer nur die Leute, denen die freie Marktwirtschaft heilig ist.

Das alles spricht noch nicht gegen die Gier nach Krempel und Klamotten von dazumal.

Verdächtiger ist schon die Tatsache, dass der topfite Floh- und Trödelmarktbesucher nicht nur nach Omas Sachen Ausschau hält, sondern zunehmend seinen eigenen Abfall sucht.

Was er beim Aufräumen oder beim Umzug vor zwölf Jahren endgültig dem Sperrmüll preisgab, hier leuchtet es ihm nun als Kostbarkeit entgegen.

Das achtlos weggeworfene kleine Briefmarkenalbum,
die Margarine-Sammelbilder werden mit einem Mal zum Objekt der nostalgischen Begierde.

Und ein Pärchen entdeckt voll Rührung das kleinbürgerliche Küchenbüfett, das man gleich nach der Hochzeit für 20 Mark bei einem Nachlass-Gebrauchtwarenhändler erstanden und später wieder auf den Müll geworfen hatte.

Nun wird den Vorbesitzern ganz weh ums Herz beim Anblick des vertrauten Stücks, dessen Preis gerade von sechs- auf fünfhundert Euro heruntergehandelt wird, weil die Tür des Brotfachs fehlt.

Verwirrt von den vielen Formen sucht der geplagte Kunde auf dem Flohmarkt Trost.
Hier findet er Halt bei der Erinnerung an seine eigene Vergangenheit.
Erst wenn sein Zeug zum Trödel wurde, erkennt er plötzlich dessen Wert.
Unachtsamkeit und das Unvermögen, rechtzeitig den Reiz der Dinge zu erkennen machten ihn nun zum Wühler in fremden Kramkisten und Wäschekörben, wo die kitschigen Erinnerungstassen von einst ebenso ihren Absatz finden.
Der Gipfel des Traditionsdiebstahls ist zweifellos der Kauf eines fremden alten Familienfotoalbums.

Der alte Krempel ist nicht mehr das, was er früher einmal war. Die Trödelmärkte sind weniger ein Ort der Weiterverwertung, wo man jenseits aller Moden einen stabilen Schraubenzieher, einen intakten Teekessel und einen tollen russischen Roman findet, sondern ein Umschlagplatz der Flüchtigkeit, ein Ort der Untreue zu den Dingen.





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