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Minotaurus ...
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...   Erstellt am 10.08.2006 - 23:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Keiner mag mich.


Ich bin sehr beliebt! Nein, nicht sehr beleibt, sondern BELIEBT!
Am Sonntagvormittag werde ich von meinen Mitbürgern und Nachbarn freundlich gegrüßt und man macht mir bereitwillig Platz auf dem Bürgersteig. Die alte Krämerin in dem kleinen Laden gibt sich immer ganz besonders viel Mühe, damit ich wirklich alles bekomme, was ich haben möchte. Oft hat sie dabei schon Kinder oder Jugendliche einfach „übersehen", wenn ich an die Kasse kam, obwohl diese bereits vor mir standen. Das war mir manchmal sogar richtig peinlich.
Oft werde ich zu diversen Pfarrfesten, Eröffnungsfeiern, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Vernissagen von Banken und Künstlergruppen, Christbaumversteigerungen und zu Wahlveranstaltungen der abstrusesten Parteien ganz persönlich eingeladen.
Sowohl der Bürgermeister, als auch der Bankdirektor duzt mich, gerade so, als hätte ich mit ihnen bereits die Schulbank gedrückt oder Schweine gehütet.
Bei Haussammlungen jeglicher Art bin ich immer der Erste, der sich ganz oben in die Liste der ehrenwerten Spender eintragen darf. In diversen Vereinen habe ich viele, gute Freunde und man hat mir nicht zum Erstenmal eine höhere Funktion dort angeboten, ja, sogar schon das Amt des Feuerwehrpräsidenten.

Kein Wunder: Ich bin ein erfolgreicher Geschäftsmann, gutaussehend, witzig, geistreich, nett und charmant, ich verfüge über eine gute Schulbildung und habe mich aus kleinsten Anfängen nach oben gearbeitet. War nie ernsthaft krank oder verliebt, hatte auch gar nicht die Zeit dafür.
Bosheit oder gar Zynismus sind völlig unbekannte Fremdworte für mich.
Meine Angestellten, die Heilige Kirche und Vater Staat habe ich immer gut und pünktlich bezahlt und mir nie etwas Zuschulden kommen lassen. Auch ausschweifendes Nachtleben, Völlerei, unkeusche Gedanken und Lügengeschichten waren mir immer fremd, ich bin also ein angesehener Bürger.

Oft habe ich Gäste zu Besuch, die manchmal bis in die späte Nacht bleiben, obwohl ich frühmorgens wieder raus muß. Aber das macht nichts, ich bewirte sie gerne und habe schon so Manchem das Gästezimmer, sowie am nächsten Morgen ein Frühstück angeboten, wenn die Anzahl der geleerten Weinflaschen am Abend davor zu groß war.

Meine langjährige Lebenspartnerin liebt mich von ganzem Herzen. Als wir uns vor einigen Jahren bei einem klassischen Violinkonzert im Festsaal des alten Schlosses kennenlernten, war es Liebe auf den ersten Blick.
Bei einem Gläschen Wein in der Hoftaverne kamen wir uns etwas näher und auf der gemeinsamen Heimfahrt war sie sehr von der Klimaanlage und dem leisen Motor meines Mercedes beeindruckt, später dann von meinem großen Haus und dem schönen Garten.
Aber nicht nur das, auch mein Pferd hatte sie sofort in ihr gütiges Herz geschlossen.
Ich bin ein Glückspilz, welch eine wundervolle Frau!

Ihren Beruf als Sozialpädagogin hatte sie natürlich sofort aufgegeben, um sich ganz mir widmen zu können, als wir nach kurzer Zeit beschlossen, zusammen durchs weitere Leben zu gehen.
Welcher Mann sonst könnte eine so selbstlose Hingabe von seiner Frau erwarten!
Wie schon gesagt, ich bin ein Glückspilz!
Seitdem komme ich nur noch selten dazu, selbst mal wieder auszureiten. Mein reinrassiger Araberhengst „Pegasus" ist bei ihr in den allerbesten Händen. Er mag sie gerne und kennt mich deshalb kaum noch, aber damit muß ich wohl leben.
Kinder haben wir nicht und im Haushalt gibt es ohnehin nicht viel zu tun für sie, das macht - nach wie vor - meine bisherige Haushälterin. Es ist also völlig unnötig, daß sie sich zuhause langweilt.

Ich bin wirklich zu beneiden und manchmal geht das schon soweit, daß ich mich sogar schon selbst beneide.
Für alle, die sich jetzt vielleicht etwas wundern werden: Sich selbst zu beneiden ist nämlich die Krone des Erfolges, das absolute „Highlight" sozusagen. Das ist viel geiler als guter Sex!
Liebe, Haß oder Mitleid kriegt man im Leben oft genug geschenkt und manchmal sogar noch nachgetragen, diese billigen Gefühlsregungen sind also nicht allzuviel wert.
Nur blanken Neid gibt es nicht geschenkt, den muß man sich wirklich hart verdienen. Sehr hart sogar!
Blanker Neid ist also viel mehr wert als alle Liebe dieser Welt.
Kann man überhaupt noch einen Menschen lieben, der so denkt wie ich?

Aber zurück zum Thema: Wenn man etwas genauer hinsieht, so könnte man fast meinen: Jeder möchte nur irgendwas von mir haben.
Das ist natürlich purer Unsinn, aber einige Gedanken müssen trotzdem erlaubt sein:

Würde sie mich auch noch lieben, wenn ich nach einem Konkurs krank und arbeitslos wäre, das schöne, große Haus versteigert und vielleicht der Gerichtsvollzieher ständiger Dauergast in unserer bescheidenen Dreizimmerwohnung wäre?
Kein „Pegasus", kein Mercedes, keine Klimaanlage.
Würde mich der Bürgermeister auch dann noch schon von Weitem freundlich begrüßen oder würde er, unauffällig und diskret, die Straßenseite wechseln?
Was wäre mit meinen Geschäftsfreunden, dem Banker, mit den diversen Wahlkandidaten?
Würden mich die Bettler und Haussammler dann überhaupt noch aufsuchen?
Hätte ich dann noch Freunde und Gäste, die zur Abwechslung MIR mal eine Flasche Wein mitbringen würden?
Und würde mich die Krämerin dann noch genauso nett und zuvorkommend bedienen wie bisher?
Gedanken über Gedanken.
Wenn nichts mehr „zu holen" ist, ist man sehr schnell vergessen. Tot, aus!
Ja, die Welt ist schlecht, wollen wir hoffen, daß es nie soweit kommt.

Das einzig Verläßliche auf dieser Welt ist eigentlich nur Kathinka.

Für alle, die es noch nicht wissen: Kathinka ist meine Katze.
Zärtlich streicht sie um meine Beine, reibt ihren Kopf daran und schnurrt dabei behaglich. Aus treuen, grünen Augen sieht sie mich an und blinzelt mir gelegentlich ein wenig zu.
Ein leises Maunzen kommt aus ihrem Mund, gerade so, als möchte sie mir etwas sagen.

Aber sogar bei ihr habe ich manchmal das Gefühl, sie mag mich nur, weil ich ihr täglich frische Milch, zarte Leber und das feinste Whiskas spendiere.





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mam 
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...   Erstellt am 11.08.2006 - 14:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kathinka mag nicht nur dich sondern auch thunesischen Fisch





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...   Erstellt am 11.08.2006 - 15:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


mam schrieb

    Kathinka mag nicht nur dich sondern auch thunesischen Fisch

Thunesischer Fisch!!!

Na klar doch!
Jetzt weiß ich auch, was sie mir die ganze Zeit damit sagen wollte!
Wie konnte ich das nur vergessen?





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mam 
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...   Erstellt am 11.08.2006 - 16:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


das Nachtlicht lässt grüßen *plattlach*





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...   Erstellt am 12.08.2006 - 19:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Chrissi schrieb
    Bin gerade noch am überlegen. Was war da bloß noch mit dem Fisch und dem Nachtlicht????
    Haaaa jetzt weiß ich´s, wollte doch noch jemandem ne E-mail schreiben.

Ich hab auch die ganze Zeit schon überlegt, dann habe ich Kathinka danach gefragt.
Und sie hatte noch folgende Versprechungen vom 17.05. im Gedächtnis:

MBraun schrieb
    Nun ja, der ein oder andere thunesische Fisch wird schon für sie abfallen

    Mit Fische schwenkenden Grüßen
    Marina

Jetzt weiß ich auch, was sie mir schon die ganze Zeit sagen wollte!
Du kannst also Deine E-mail schon schreiben, aber bitte an die richtige Adresse!!!
Aber das kennt man ja von den Weibern: Zuerst große Klappe und dann...?

Mit (immer noch) hungrigen Grüßen: Kathinka





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Gudrun 
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...   Erstellt am 16.08.2006 - 19:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Keiner mag Dich??? Aha. Ja schade, dass Du den Pegasus schon der anderen überlassen hast ... und die Kohle wahrscheinlich auch ...
Mit "WasWundertDichDasDassDichKeinerMagEigentlichFandIchDichSchonSympathischGrüssen", Gudrun





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Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie.
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...   Erstellt am 15.10.2006 - 20:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ach ja, der schöne Pegasus und die gute Kohle... Aber so ist das Leben.
Was soll´s, Deine netten Grüße wiegen all den schnöden Mammon wieder auf.





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