kulak 
   

Status: Offline Registriert seit: 24.01.2005 Beiträge: 341 Nachricht senden | Erstellt am 28.10.2005 - 16:36 |  |
Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden. Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, daß sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt. Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, daß sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten. Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut. Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt. Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt. Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr Müller. Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, daß er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewußt, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewußt, es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so. Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren. Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, daß der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen habt, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen. Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wißt ihr, daß der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat. Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, daß es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller. Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle. Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muß ich euch sagen, daß man so etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann laßt doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff "soziale Verantwortung" noch eine Bedeutung hat.
Signatur "Was man hatte merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat..." |
Pawel 

Status: Offline Registriert seit: 03.08.2005 Beiträge: 380 Nachricht senden | Erstellt am 30.10.2005 - 15:37 |  |
Herr Müller-Milch ist ein Geschäftsmann. Er nutzt seine Möglichkeiten im Rahmen geltender Gesetze. Mit allen Vor- und Nachteilen. So wie es derzeit, wenn auch auf einem wesentlich kleineren Level, einige ALG II-Bezieher machen, indem sie so genannte „Bedarfsgemeinschaften“ auflösen und damit einen Anspruch auf Leistungen des Staates erwirken. Auch sie nutzen richtigerweise für sich das geltende Recht. Natürlich wird ein Unternehmer nicht zu seinem Nachteil arbeiten wollen. Sonst ist er recht schnell von der Bildfläche verschwunden. Wie das geht, haben wir leider im „Arbeiter- und Bauernstaat“ erleben müssen, als Geschäftsleute, Bauern, Gewerbetreibende behindert, bekämpft und so viele Existenzen vernichtet wurden. Mit dem Ergebnis der reinen Verwaltung des Mangels.
Man kann über Herrn Müller oder Gleichgestellte denken wie man will, aber Milch, Milchprodukte und andere Waren gibt es heute immer und überall. Die Geschäfte sind übervoll. Und auch für den kleinen Geldbeutel gibt es genügend Angebote. Inwieweit der wahnsinnige Überfluss an Produkten gut ist, will ich nicht beurteilen.
Wie einfach hatten wir es doch damals, eins oder keins, das waren unsere Auswahlmöglichkeiten. Heute heißt es: Was soll ich von den vielen Angeboten nur nehmen? Was die Zahlenspielereien betrifft, so kann man natürlich auch Populismus betreiben.
PS: Es ist üblich, dass Zitate oder irgendwo gefundene Ausarbeitungen mit der Herkunftsquelle versehen werden!
Signatur Vorbereitet sein ist alles! |
Pawel 

Status: Offline Registriert seit: 03.08.2005 Beiträge: 380 Nachricht senden | Erstellt am 31.10.2005 - 13:14 |  |
@ Buschi Marx lesen, da kannste heutzutage nur noch schmunzeln! Da alle meine Bücher von damals noch im Regal stehen, habe ich den heutigen Feiertag genutzt und dort mal nachgelesen. Da steht so was von durch die Geschichte überholtem Unsinn drin. Hier ein Beispiel:
Kommunistisches Manifest, 10 Maßregeln für das Proletariat wie es die Beseitigung der Bourgeoisie vollziehen wird: 1. Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben. 2. Starke Progressivsteuer. 3. Abschaffung des Erbrechts. 4. Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen. 5. Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol. 6. Zentralisation des Transportwesens in den Händen des Staates. 7. Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinschaftlichen Plan. 8. Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau. 9. Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie, Hinwirken auf die allmähliche Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land. 10. Öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder, Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder in ihrer heutigen Form. Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion. Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung der anderen.
Quelle: Revolutionäre deutsche Parteiprogramme, Institut für Marxismus beim ZK der SED, DIETZ VERLAG BERLIN 1964, Seiten 25ff Da steht auch das Programm der SED drin.
Wie es angewendet wurde und was daraus geworden ist mit diesem Parteialleinführungsanspruch ist glücklicherweise Geschichte. Marx war die Theorie und Murks die Praxis! Wie wahr!
Übrigens: Am 1. Dezember 1845 nahm Marx seine Entlassung aus dem preußischen Staatsverband und wurde damit ein so genannter Staatenloser (siehe Microsoft Encarta Enzyklopädie).
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