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Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 23.08.2007 - 15:11 |  |
Hier verbringt Prinz Karim, der sechsjährige Sohn von Bashkan und Yasmin, einen Großteil seiner Zeit, während sich der Hofstaat auf Mediterranea aufhält. Manche Kinder würden diese Räumlichkeiten, die direkt neben dem Harem der Damen liegen, wohl ein kleines Paradies nennen; für Karim ist die opulente Ausstattung etwas völlig normales.
Das Gemach ist eingeteilt in mehrere Partimente, getrennt durch mit goldenen Ornamenten verzierten und hohen Säulen, sowie Vorhängen, teils aus schwerem, tintenblauem Samt, teils aus leichtem, hellgrünem Musselin.
Gelangt man durch die hohe, zweiflüglige Tür, so gelangt man als erstes in das Spielzimmer des kleinen Prinzen. Vor der Tür kauern stets vier junge Syrierinnen – seine Spielzeugaufräumerinnen. Der Raum selbst besitzt beträchtliche Ausmaße. Wahrscheinlich wäre so manch einer froh, wenn er bloß ein Grundstück dieser Größe sein Eigen nennen dürfte. An der Türschwelle wechselt sich der helle Marmorboden, der fast überall im Palast zu finden ist, mit weichen Teppichen ab. Massen von ihnen, kunstvoll gefertigt und mit herrlichen Mustern übersäht, pflastern den Boden aller Gemächer, die Karim gehören. Spielzeug ohn’ Maß liegt verstreut auf dem Boden oder einsortiert in Regalen, auf bequemen Polsterliegen, unter und auf Tischen und Anrichten. Eine ganze Armee von Holzschiffchen wartet auf einer Platte aquamarinfarbenem, glänzenden Stoffs auf einen gütigen Kapitän. Auf der anderen Seite wartet eine Legion kleiner Holzsoldaten, unterstützt von einem Trupp hölzerner Pferde und ihren Reitern darauf, in die Schlacht zu ziehen. In einer anderen Ecke erhebt sich eine Schar von Stofftieren in allen Variationen und erwartet den Besucher mit glitzernden Knopfaugen. Weiter ab schimmert duftendes Wasser in einem in den Boden eingelassenen und von einem leichten Baldachin überschatteten Marmorbassin. Nahe den hohen Fenstern steht eine kleine Tafel aus poliertem Holz, an der Karim zu essen pflegt.
Vom Spielzimmer gelangt man durch einen schweren Samtvorhang in den Schlafbereich des Prinzen. Hier befindet sich das Himmelbett, ein kleiner Kamin, ein Tischchen mit einer bronzenen Waschschale und kleinen Glaspiolen, gefüllt mit feinem Parfüm.
Geschmückt werden die Gemächer von allerlei bunten Wandteppichen, stuckartigen Ornamenten an den Wänden und der hohen Decke, sowie diversen Statuen an den Torbögen.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
(Alles, was in *...* steht, sagt er auf Persisch!) |
Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 23.08.2007 - 15:53 |  |
[TBC Karims Gemächer]
Nach einigen Minuten gelangten Asim und seine Begleiterin an ihr Ziel. Vor ihnen erhob sich eine wandhohe Flügeltür, die nach oben hin spitz zulief. Sie war nur angelehnt und durch einen kleinen Spalt schimmerte Licht auf den beleuchteten, fensterlosen Flur.
Bevor Asim sich anschickte die Tür zu öffnen, wandte er sich noch mal an Selene. „Noch ein paar Kleinigkeiten. Prinz Karim ist kein gewöhnlicher Junge, denn in seinen Adern fließt königliches Blut. Wenn ich sie ihm vorstelle, so lass ihn dich ansprechen, nicht umgekehrt. Es kann auch gut sein, dass er dich ignoriert, aber das muss dich nicht verwirren. Als andersgläubige Frau musst du sein Vertrauen erringen, indem du respektvoll bist und dich seinen Spielregeln anpasst. Denn, nun, hinter dieser Tür ist er der Herr, es sei denn die Dienerinnen haben Befehle vom Schah oder der Mutter des Knaben oder natürlich die Eltern selber befehlen. Ansonsten ist er ein wohlerzogener und netter Junge und ist von derselben Verspieltheit und Lebendigkeit wie jedes gesunde Kind. Wir werden sehen, wie ihr beiden zurechtkommt. Und wenn alles gut läuft, dann kannst du wiederkommen. Und auch, wenn der Anfang etwas schwierig werden kann, deine Geduld wird sich letztlich doch auszahlen, wenn er dich zu mögen beginnt. Er spricht übrigens gebrochen Latein.“ Damit schloss Asim seine knappe Rede und erwartete das bestätigende Nicken Selenes.
Schließlich öffnete Asim die Tür und betrat nach Selene das Reich des kleinen Prinzen.
Die vier Sklavinnen blickten kurz auf, als die beiden die Räumlichkeiten betraten, entspannten sich aber wieder, als die in dem Mann Asim erkannten. Im Moment schienen sie nichts zu tun zu haben und saßen im Schneidersitz mit dem Rücken an die Wand gelehnt neben der Tür ihren kleinen Herrn.
„Bleib für einen Moment hier stehen.“ Bat Asim die junge Frau und entfernte sich von ihr.
An der Miniaturtafel, die mitt allerlei guten Leckereien gedeckt war, von Fleischbröckchen in einer duftenden Soße über mit Kräutern gebackenes Brot, ein wenig Kuchen und einer flachen Schale süßer Früchte, saß ein kleiner Junge und löffelte brav seinen Teller leer. Umgeben von drei Dienern, die sich dezent im Hintergrund hielten und flankiert von zwei dunkelhäutigen Kindern, die seine persönlichen Spielkameraden waren, nahm der kleine Prinz von Asim kaum Notiz. Dieser näherte sich dem Jungen, verneigte sich tief vor ihm und sprach ein paar Worte Persisch, worauf der kleine Junge seinen Löffel hinlegte und ihn mit hochgezogenen Brauen betrachtete. Zur Tür warf er keinen einzigen Blick. Dann antwortete er Asim ebenfalls etwas auf Persisch und tat eine abwinkende Geste, woraufhin Asim den Rückweg zu Selene antrat.
„Du darfst dich ans andere Ende der Tafel setzten.“ entgegnete Asim.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
(Alles, was in *...* steht, sagt er auf Persisch!) |
Megaera unregistriert
| Erstellt am 25.08.2007 - 15:22 |  |
tbc von: Unterkünfte und Paläste » Bashkans Sarây » Vor den Toren des Sarâys
Megaera versuchte, dem Verwalter in gleichbleibendem Abstand zu folgen, was jedoch durch die Eindrücke, die, bei der Eingangshalle angefangen, auf sie einbrachen, erheblich erschwert wurde. Nun erhielt sie zum ersten Mal wirklich einen Maßstab für die Dimensionen und das Ausmaß dieses Sarâys, der doch nur ein Bruchteil dessen war, was dieser Schah in seiner Heimat besaß. Sie selbst war auch nicht gerade in einem ärmlichen, kleinen Haus aufgewachsen, denn der Hera-Tempel war einer der größten und dank ausreichender Spenden prunkvollsten Tempel der ganzen Insel, ansonsten hätte er ihr Interesse nicht über so lange Zeit fesseln können. Mit den Jahren war er natürlich in Megs Augen geschrumpft und hatte viel von seiner grenzenlos wirkenden Größe verloren. Nun aber, inmitten dieses mächtigen Baus, fühlte sich die Diebin einige Herzschläge lang wieder wie ein kleines Kind, für das es in den marmornen Weiten unendlich viel zu entdecken gab. Angst davor, in den teils einsam liegenden Gängen verloren zu gehen oder sich zu verirren hatte sie bereits früher nie gehabt, nicht zuletzt wegen eines gut entwickelten Orientierungssinnes, dank dem sie immer instinktiv hatte einschätzen können, in welchem Bereich sie gerade verweilte. Außerdem waren Herausforderungen da, um bewältigt zu werden.
Inmitten dieser vielen wertvollen Materialien, die sich um Megaeras Aufmerksamkeit und prüfendes Urteil geradezu zu streiten schienen, lag die eigentliche Herausforderung allerdings darin, nebenbei auch noch bewusst Asims Worten lauschen zu können - und nicht ständig stehen zu bleiben, um abzutasten und zu berühren. Oder einzustecken und mitzunehmen. Natürlich scheiterte es an der Unfähigkeit, ganzes Mobiliar unter ihren Umhang zu schmuggeln, doch allein das grobe, realistische Überschlagen der Werte in ihrem Kopf von Dingen, die sie umgaben, hätte sie fast verzückt aufseufzen lassen. Alleine dieser Marmor! Nur die allerfeinste, teuerste Qualität! Und in welch einer Menge!
Keine Überraschung, dass der Bau dieses Palastes so lange gedauert hatte. Inmitten dieses ganzen Prunks und vertieft in ihre eigenen Zahlen und Berechnungen stellte sich Meg auf einmal eher unerwünscht die Frage, was dieser Schah hier auf Mediterranea eigentlich wollte, persönlich mit seinen Lieblingsfrauen und deren Kindern. Gut, Asim würde sie dies vielleicht in dieser Direktheit nicht fragen können und ein Sechsjähriger interessierte sich wahrscheinlich auch für andere Dinge als die Gründe seines Papas, kurzfristig für ein paar Jahre auf eine Insel zu ziehen. War er natürlich wirklich so neugierig wie der Verwalter angedeutet hatte, so hatte er die Frage des Warum? womöglich vielleicht sogar gestellt, nur hatte man ihm bei der Beantwortung wahrscheinlich irgendwelche einfachen Gründe genannt. Wie dem auch war, unter Umständen hatte Meg ja auch überraschenderweise einmal Glück und der Kleine plapperte doch etwas Brauchbares aus. Selbstredend konnte sie auch Pylades fragen, aber dies wäre vermutlich doch zu auffällig. Dessen siebter Sinn für Schlussfolgerungen war ihr im Hinblick auf einen Diebstahl doch ein wenig zu scharf und ausgeprägt.
Ob er inzwischen auch das Hospital verlassen hatte? Und, wie sie ihn kannte, wieder bis zum Hals in Arbeit steckte? Nicht, dass es bei ihr gerade anders war...
Ein flüchtiges, warmes Lächeln streifte ungesehen ihre Lippen, ehe sie, da sie hinter Asim zurückzufallen drohte, ihre lautlosen Schritte wieder beschleunigte und sich zusammenriss, um sich wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren. Diese hohen, glatten Wände in den Gängen transportierten Geräusche viel zu gut und weit, von den andauernden Dienern und Sklaven, versteckt in Nischen und hinter Vorhängen wie Statuen ganz zu schweigen. Nein, es war definitiv das Beste, gar nicht erst hastig fliehen zu müssen. Bei diesem überirdischen Reichtum konnte es auch wirklich sein, dass der kleine Jadeelefant irgendwo als Heimat einiger Spinnen diente, oder inzwischen nur noch ein angeschlagenes Spielzeug irgendeines der zahlreichen Kinder des Schahs darstellte. Wenigstens empfand Meg diese Vorstellung zunehmend realistischer, je tiefer sie in diesen riesigen Bau vordrang. Vermutlich war das Geschenk der Stadt derart gering im Vergleich mit den übrigen Reichtümern, dass man es kaum wiederfinden konnte. Was ihre Suche nicht erleichtern würde.
Als man das Ziel endlich erreichte, wofür Megaera sich nach der Eingangshalle bereits geistig zu wappnen versuchte, konzentrierte sie sich dann auch notgedrungen (und weil es doch nicht ganz sinnlos war) auf Asims letzte gute Ratschläge, oder besser, Auflagen. Sie versuchte natürlich nach wie vor, aufmerksam und folgsam zuzuhören oder eben diesen Eindruck zu erwecken. Anscheinend würde sie wirklich auf einen Miniaturschah treffen. Sich den Spielregeln eines Sechsjährigen anpassen... Meg mochte es nicht einmal, sich den Regeln eines Erwachsenen anzupassen. Doch Lokis Abschiedsworte hallten noch in ihrem Kopf und so nickte sie artig und verstehend. Damit hatte sich dann wohl auch ihre Frage erledigt, was sie mit diesem Balg überhaupt die ganze Zeit anstellen sollte, wenn doch garantiert für jede seiner Launen und Tätigkeiten vier Diener einspringen konnten. Singen und Märchen erzählen? Besaß dieses Prinzchen nicht seine eigene kleine Theatertruppe, die ihm zur Schlafenszeit eigens für ihn geschriebene Werke vorspielte?
Aber wie dem auch war, wiederkommen musste sie auf alle Fälle, also würde sie sich eben ein paar Stunden darum bemühen, einem sechsjährigen, verwöhnten Prinzen zu gefallen.
Asim betrat also leise den Raum und Meg unterließ den Drang, hinter ihm her durch den Türspalt in die dahinterliegenden Gemächer zu blicken. Stattdessen atmete sie noch einmal tief durch, wie sie es bei einem besonders kniffligen Raubzug zu tun pflegte, und lockerte ihre Muskulatur. Die Kapuze hatte sie inzwischen vom Kopf abgestreift, das in Tücher gewickelte Päckchen trug sie allerdings immer noch, auch wenn es ihr inzwischen mehr als lästig war. Aber Lokis Bezahlung war gut genug gewesen um sich halbwegs sicher sein zu können, dass er sie mit seinem Ratschlag nicht übers Ohr gehauen hatte. Geschenke hatte sie als Kind zumindest auch geliebt, so sehr, dass sie sich selbst zu beschenken pflegte, wenn es sonst niemand tat.
Die Diebin wunderte sich ein wenig, dass man sie zuerst zum Kind und nicht etwa zu dessen Mutter führte, die sie kritisch auf Herz und Nieren prüfte, bevor sie sich unter deren Argusaugen dem hochheiligen Prinzchen nähern durfte. Früher oder später stand ihr auch garantiert noch eine solche Prüfung bevor, aber für den Moment konnte auch sie recht gut darauf verzichten.
Asim kam zurück und mit ihm die gnädige Erlaubnis des Kindes, dass man sich ihm nähern durfte. Selene verneigte sich abermals leicht vor dem Verwalter und warf ihm noch einen dankbaren Blick zu, ehe sie mit der gewohnten trainierten Lautlosigkeit eintrat, in Räumlichkeiten, auf die sie sogar diesmal halbwegs vorbereitet gewesen war. In diesem Palast war einfach alles gigantisch und man konnte jede Vorstellung getrost verdoppeln, um sich einigermaßen der Wahrheit anzunähern. Vermutlich hätte man sämtliche Straßenkinder Mediterraneas mit Spielzeug und Stofftieren nur aus dem Fundus dieses Prinzen eindecken können, wenn man gewollt hätte. Nicht, dass Meg derart soziale und kinderliebende Gedanken hegen würde. Horten und Behalten lag ihr im Blut, nur hatte sie ihre Reichtümer nie derart öffentlich präsentieren können. Meistens hatte sie sie zudem verhökert und nicht gesammelt.
Aber Karim fiel ohnehin alles in den Schoß, weswegen ihm sein Eigentum vermutlich weniger wertvoll erschien als manch anderem. Viel mehr fühlte sich die Diebin auch von den vielen anderen Dienern und Sklaven gestört, die um ihn herumhockten und deren gesamtes Denken sich anscheinend nur um diesen Jungen drehte, den Meg in alter Gewohnheit ebenfalls kaum beachtete, ganz im Gegensatz zu seinen Besitztümern. Kinder nahm die Diebin in der Regel nur dann bewusst wahr, wenn sie so dumm waren und versuchten, sie zu bestehlen. Dann folgte eine Bestrafung und der Übeltäter ging wieder im Meer der Unwichtigkeit unter. Meist mit gebrochenen Fingern. Auch deswegen hatte Loki sich derart köstlich über ihre Idee amüsiert, als Kindermädchen vorsprechen zu wollen. Kinder waren ihr in der Regel derart herzlich egal, dass sie ihnen weder Sympathie noch Antipathie entgegenbrachte. Sie waren ihr einfach nur völlig gleichgültig. Kinder gab es, natürlich, ebenso wie Käfer und Ratten, sie waren ein normales Bild in der Stadt, aber sie fingen erst mit zehn, elf Jahren an, für Meg wirklich zu existieren. Dann, wenn sie etwas von Wert besitzen konnten. Ansonsten teilten sie das Schicksal der Bettler und Sklaven und waren in den Augen einer Diebin wertlos.
Kinder wie Karim waren natürlich eine Ausnahme, aber so eine Ausnahme lief für gewöhnlich auch nicht allein durch die Straßen der Stadt. Meg hielt sich brav so unauffällig wie möglich und begab sich zu dem ihr angewiesenen Platz, ihre Aufmerksamkeit sonstwo, nur nicht bei dem Jungen. Sie hatte ihn auch nicht gegrüßt, weil sie ja darauf warten sollte, dass er sie ansprach. Zudem hatte sie nicht die geringste Ahnung, wie sie ihn hätte grüßen sollen und alle ihr durch den Kopf geisternden Möglichkeiten waren ihr ein wenig lächerlich erschienen. Sie selbst hasste es darüber hinaus auch, beim Essen gestört zu werden, oder, noch schlimmer, angegafft zu werden. So unterließ sie sowohl das eine als auch das andere ruhigen Gewissens und betrachtete ihre Umgebung stattdessen interessiert; mit immerfort klimpernder Münze vor ihrem inneren Auge und einem ruhigen Lächeln auf den Zügen.
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Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 28.08.2007 - 18:49 |  |
Karim
Es sah ganz so aus, als ließe sich der Junge durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Achtsam nichts zu verschütten nahm er jeden Löffel der Gemüsesuppe mit größter Sorgfalt hoch, führte ihn zum Mund und verzehrte ihn lautlos. Dem einen oder anderen mochte dieses Bild ein wenig bizarr erscheinen, jene Szenerie um den kleinen Prinzen, umringt von seinem ‚Gefolge’ und so unglaublich bedacht darauf sein Alter und seine Kindlichkeit überholen zu wollen. Und während er konzentriert aß und der neuen Besucherin keinen einzigen Blick schenkte, wunderten sich seine Spielkameraden doch sehr, denn, nachdem ihr kleiner Herr mit Asim ein paar rasche Worte gewechselt hatte, war Karim ganz still geworden, hatte aufgehört aufgeregt mit ihnen zu plaudern und hatte auch den kleinen Wettbewerb, wer es denn schaffe den Löffel samt Inhalt am höchsten in die Luft zu halten ohne etwas zu verschütten jäh abgebrochen. Nun saßen auch sie still da und sahen Karim schweigend zu, brav an ihrem gekochten Reis naschend.
Eine der Sklavinnen, ein hübsches Ding mit ebenholzfarbener Haut und von langen Wimpern umkränzten, dunklen Augen, erhob sich von ihrem Platz seitens des Prinzen und warf Selene ein scheues Lächeln zu, bevor sie zum Fenster huschte und die leichten Musselinvorhänge von den raumhohen Fenstern wegzog, sodass mattes Sonnenlicht ungebändigt ins Zimmer zu fallen vermochte. Auch öffnete sie das Fenster einen Spalt breit und ließ so angenehm kühle, frische Luft in den Saal. Bald umwehte ein Hauch von Yasmin- und Orchideenduft die schweigende Runde und ihr kindliches Zentrum.
Nun handelte es sich bei Karim aber nicht nur um einen Prinzen, sondern eben auch um einen Jungen, ein normales Menschenkind. Und deswegen fiel es ihm ungeheuer schwer ruhig zu sitzen und die junge Frau am anderen Ende der kleinen Tafel nicht anzustarren. Natürlich war er furchtbar neugierig und natürlich konnte er es kaum abwarten ihren Namen zu erfahren und sie über Mediterranea auszufragen, bis ihm schließlich der Kopf glühen würde! Nur deswegen schien seine Bedächtigkeit, mit der er still dasaß und jeden Löffel mit größter Sorgfalt zu sich nahm, etwas überzogen und, nun, für welchen sechsjährigen war es schon normal, dass er so still bei Tische saß. Jedes Mal musste er sich beherrschen nicht auszusehen. Sein junger Stolz aber verbot ihm dies strikt, denn schließlich war er ein Prinz, ja sogar der Sohn des Schahs von Persien, eines großen Mannes, den viele achteten und ebenso viele fürchteten. Zumindest hatte ihm das seine Mutter erzählt. Sie erzählte viel und im Grunde hatte sich für Karim, der noch nicht alles davon verstand, eine wichtige Information ergeben: Sein Vater war mächtig und wichtig. Quasi mächtig wichtig. Und er war sein Sohn UND dazu noch ein Mann. UND sein Vater hatte SEINE Mutter am meisten gern. Aaalso: Er selbst musste auch ganz schön toll sein. Und da konnte er es sich doch nicht leisten einer Frau, die weder ihren Vater kannte noch – und das war natürlich auch sehr wesentlich – nicht zu den besten Göttern wo gibt betete, seine Gunst schenken! Außerdem war er wählerisch, ja! Und vielleicht war diese Neue ja unfreundlich, vielleicht sogar richtig blöd!? Wer konnte das schon wissen! Da ging er doch lieber auf Nummer sicher und das war sehr gerissen und klug von ihm, fand er.
Auf diese Weise vergingen die Minuten, bis Karim – auch, wenn es ihm schwer fiel – seinen silbernen Teller bis auf den letzten Tropfen leer gelöffelt hatte und sich für einen kleinen Jungen viel zu sorgfaltig den Mund abgetupft hatte. Kurz warf er einen Blick zu dem großen, schlaksigen Eunuchen hinter sich. Dieser reagierte sofort und entfernte den Teller. Dann tat er eine viel zu herrschaftliche Geste zu der kleinen dunkelhäutigen Sklavin, die sich sofort anschickte aufzustehen, eine Sithar aus irgendeiner Ecke hervorzuholen, sich unweit der Tafel auf einen Haufen bunter Kissen niederzulassen und kurze Zeit später dem Instrument leise Klänge zu entlocken.
Nun endlich stand Karim auf, woraufhin sein ‚Gefolge’, insofern es denn saß, auch aufstand und einige Schritte zurück trat. Der Junge spannte sich und ballte die kleinen Hände zu Fäusten. Eine Sekunde lang schien er einem aufgestellten Brett ähneln zu wollen, dann krauste er die Nase, atmete einmal tief ein und aus und stapfte dann auf Selene zu.
Bei der jungen Frau angekommen blieb er stehen und sah sie ernst an.
„ICH…“ kam es etwas zu laut über seine Lippen; er schien sich kurz erschrocken zu haben, fing sich aber wieder und redete etwas gedämpfter weiter: „sein Shihad Karim Amir Ibn Bashkan Al-Persis!“ Er versuchte seiner Stimme eine besondere Wichtigkeit zu verleihen und ließ seine Worte dann etwas wirken. „Ich wissen wer du seien! Und ich sagen – „ Er stockte und schüttelte kurz, verärgert über sich selbst, den Kopf. „sprechen Latein, also…“ Er schien vergessen zu haben, was er ihr damit sagen wollte und brach den Satz einfach ab, ohne die Miene zu verziehen. „Wie Dein Name?“ fragte er und hob die schwarzen Augenbrauen. Karim war ein hübsches Kind. Er war von normaler Größe und Statur, besaß eine halbdunkle Haut, wie es für Perser üblich war; eine Farbe von Kaffe mit Milch. Sein Haar war schwarz wie Kohle, glatt und reichte ihm bis zum Nacken. Die Augen, so sagte man, habe er von seinem Vater geerbt, denn sie waren von einem dunklen Braun, beseelt von einem Hauch Grün. Umkränzt von langen Wimpern lagen sie unter schwarzen Augenbrauen, die der Prinz nun fragend und fordernd hochgezogen hielt.
Auf eine Antwort wartend stemmte er die Hände in die schmale Hüfte.
Hinter ihm hatten sich seine Spielkameraden erhoben und von der Tafel entfernt. Irgendwo im Hintergrund hatten sie sich in ein Spiel vertieft. Das ‚Gefolge’ hatte sich langsam aufgelöst und ging seinen gewohnten Aufgaben nach. Und auch Asim war geräuschlos durch die Tür verschwunden.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
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Megaera unregistriert
| Erstellt am 30.08.2007 - 10:52 |  |
Hätte sich aus diesem Umstand nicht schließen lassen, dass sie auch mit neunzehn Jahren noch weniger Geduld besaß als ein sechsjähriger Bengel, so wäre Megaera vermutlich nicht einmal die Hälfte der Wartezeit über ruhig am Tisch sitzen geblieben. Nur ihr Stolz hielt sie auf dem ihr zugewiesenen Platz festgebannt und auch dies gelang nicht, ohne einige unauffällige Anzeichen von Ungeduld, wie das lautlose Auftippen der Sandalenspitze auf dem Boden oder das Massieren ihrer Fingerknöchel, verbunden mit stummen Seufzern. Dieses Kind war doch nicht normal! Meg hatte im Alter von sechs für ihr Essen nicht länger gebraucht, als ein ausgehungerter Wolf für ein kleines Lamm. Jenes 'friedlich vereint und entspannt gemeinsam speisen', von dem ihre Erzieherinnen immer zu schwafeln pflegten, war ihr stets ein Graus gewesen, dem man so schnell wie möglich entkommen musste. Gab es doch so viele aufregendere, spannendere Dinge zu tun! Also hatte sie riesige Portionen in sich hinein geschaufelt, hielt sich kaum mit kauen auf und saß selbst während ihres wenig appetitlichen Schlingens keinen Herzschlag lang ruhig und gesittet auf ihrem Stuhl. Am Ende befand sich ungefähr so viel Essen auf ihr wie in ihr und ihre Erzieherinnen hatten ein lustiges Fangenspiel mit ihr begonnen, weil sie sie waschen und umziehen wollten. In all der Aufregung hatte sie sich danach auch meist in eine Ecke des Tempels oder auch gleich in einen der vielen Brunnen übergeben müssen, weil sie natürlich viel zu schnell gegessen hatte. Hach ja, idyllische Kindheit.
Dieses Prinzchen indes schien eine derart stoische Ruhe zu besitzen, dass Meg sich fast schon provoziert fühlte. Ab und an blinzelte sie zu ihm hinüber und fragte sich, ob er hier stumm irgendeinen Wettbewerb begonnen hatte, wer wen am Längsten ignorieren konnte. Und er gab nicht einmal einen winzigen Ton von sich! Kein Schmatzen, kein Schlürfen, ja nicht einmal der Löffel machte ein Geräusch auf dem Teller! Megaeras frühere Essgeräusche hatten immer an eine wildgewordene Wildschweinherde in einem matschigen Gemüseacker erinnert. Ähnlich sah dann anschließend auch ihr Platz aus. Gut, vielleicht war sie wirklich ein Extrem gewesen. Aber wenn sie eines war, dann dieses Balg ihr gegenüber entschieden auch! Dem konnte man beim Kauen ja noch seine Milchzähne raushebeln! Wenn der jede seiner Mahlzeiten so einnahm, würde sie tatsächlich hier übernachten müssen, denn ihre kostbare Zeit schien derweil wie feiner Sand durch ihre Finger zu rieseln.
Bei Cerberus fauligen Zähnen, der isst seinen Teller auch noch leer...
Meg unterdrückte den heftigen Drang, das Gesicht in einer Hand zu vergraben und genervt zu ächzen. Das fehlte ihr gerade noch, da bekam sie sogar den Jungen, den sie sich wünschte, und endete doch mit einer arroganten, sturen, wohlerzogenen, zu Fleisch gewordenen Miniaturausgabe aller Tischregeln, die ihre Erzieherinnen ihr vergeblich hatten einbläuen wollen. War dieser Karim etwa in allem so? Ließ man persische Kinder wirklich schon in dem Alter an der Wasserpfeife nuckeln?
Erneut flüchtig die Lippen unter einem stummen Seufzer öffnend ließ die Diebin ihre Blicke unaufdringlich über den Rest des prinzlichen Kommandos wandern. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt eine solche Stille trotz so vieler junger, anwesender Personen miterlebt hatte. Es war wirklich eine andere Welt und Megaera sah sich bereits am Ende des dritten Tages und damit ihrer Leidenszeit frohgemut jubilieren.
Endlich - und für Meg fühlte es sich an wie eine zähe Ewigkeit - gestattete dieser lahme Bengel es, dass man ihm den Teller entfernte und der Blick der Diebin hellte sich sogleich dankbar auf. Die unruhigen Zuckungen ihrer Füße und Finger hätten wahrscheinlich auch nicht mehr allzu lange verborgen werden können und so beruhigt gelang es ihr nun wieder, sich entspannter zu geben. Auch wenn die Geste, die das Prinzchen anschließend verwendete, garantiert von seinem werten Vater geklaut worden war. Trotzdem sah Megaera diesmal großzügig darüber hinweg, hoffte sie doch, dass das Ende ihrer Qualen sich näherte. Eine seiner Dienerinnen begann nun an einem Instrument zu zupfen, das die junge Frau wenigstens in dieser edlen Ausführung noch nie gesehen hatte, aber in den Tavernen achtete sie zumeist ohnehin nicht auf die Musikinstrumente.
Dann endlich stand das Kerlchen auch auf und Megs Schneidezähne senkten sich unwillkürlich auf ihre Unterlippe, als sie den Kleinen so gerade und steif dort stehen sah, als wollte er sich ein Beispiel an einer der marmornen Säulen nehmen. Allerdings würde sie bei einem derart stolzen Kind beim kleinsten Grinsen vermutlich achtkant aus der Tür fliegen, insofern wäre es gesünder, den Reiz zu Lachen oder auch nur belustigt das Gesicht zu verziehen ganz weit fort zu schieben. Dass er auf sie zu marschiert kam, machte ihr Vorhaben nicht einfacher.
Denk an den verfluchten Elefanten und reiß dich zusammen, oder willst du wegen diesem Winzling von der Insel fliegen?!
Interessanterweise klang ihre innere Stimme gerade sehr nach Loki, aber es gelang ihr, sich zusammenzureißen und ebenfalls eine aufrechtere, angespannte Körperhaltung einzunehmen. Wie sollte sie sich jetzt eigentlich verhalten? Verbeugen? Vor einem Sechsjährigen? Megs Stolz wand sich wie eine angestochene Schlange. Kurz zuckte ihr Blick noch einmal zur Tür hinüber, nur um festzustellen, dass der nette Verwalter sich offenbar verdrückt hatte. Ganz allerliebst. Konnte man ausgepeitscht werden, weil man einen Prinzen nicht angemessen begrüßt hatte?
Karim indes war inzwischen angekommen und Megaera konzentrierte sich schleunigst wieder auf ihn, das Päckchen in ihren Händen ein wenig fester umfassend. Wie konnte ein Kind nur derart ernst schauen? Dieser Blick ließ sie hin- und hergerissen zwischen ‚lächerlich‘ und ‚unheimlich‘ verharren. Nun, ein Honigschlecken würde diese Anstellung wohl nicht werden. Da waren ihr die Straßenkinder tausendmal lieber, mit denen wusste sie zumindest angemessen umzugehen.
Megs braungrüne Augen weiteten sich leicht als Karims Stimme in einer Stärke erschallte, als wolle er zu einer versammelten Reiterei sprechen. Bei Ios rosa Euter, wollte der sie etwa in Ehrfurcht erstarren lassen?
Warum kein normales Kind? Weswegen dieser kleine irre Tyrann? Existieren wirklich keine Perser, die nicht wirken, als hätte gerade irgendein verrückter Dämon sie aus seinem rauchenden Maul gespuckt?
Wider Willen verunsichert, aber willentlich durchaus verärgert darüber ließ die Diebin diesen Rattenschwanz von Namen über sich ergehen, nur um im ersten Moment festzustellen, dass Karim-Arim-Irgendwas auch Bashkan hieß. Hatte Loki nicht gemeint, dass der Schah Bashkan hieße? Nun ja, Kinder wurden schließlich gerne nach ihren Eltern benannt und anscheinend war es in diesem Fall genauso. Was es ihr aber nicht erleichterte, sich diesen Wust aus Titeln und Namen wirklich zu merken. So hielt sie sich an Abdul-Majids 'Prinz Karim' fest und hoffte, dass sie diesen Knirps nicht tödlich beleidigte, wenn sie ihn auf diese Art ansprach.
Dann hielt Karim inne und Megaera fragte sich unwillkürlich, was er während dieser Pause erwartete. Beifall, Applaus, Aaaahs und Ooohs? Nun selbst ein wenig steif blieb die Diebin stattdessen ruhig sitzen und erwiderte seinen Blick in einer Art, die er hoffentlich als 'ruhig und freundlich' wahrnehmen würde, während sie hinter dieser gelassenen Fassade diverse schwarze Gedanken zurück in ihre persönliche Büchse der Pandora scheuchte.
Ein Gutes hatte dieses Treffen mit jenem kleinen Ibn-Ich bin soooo wichtig!-Prinzchen aber. Vor dem nächsten Kontakt mit Pylades würde sie entschlossene Maßnahmen ergreifen, die verhinderten, dass aus ein paar Stunden Spaß eine solche Ausgeburt wie diese da vor ihr entsprang. Karim mochte ganz hübsch anzusehen sein (für ein Kind), aber Mosaiken und Bilder waren auch hübsch und die versuchten nicht, mit einem guten Meter Körpergröße hochmütig auf ihren Betrachter herabzublicken.
Auf Megaeras weichen Zügen breitete sich ein sanftes, ja zärtliches Lächeln aus, während sie zeitgleich überlegte, wie angenehm und wohltuend es wohl wäre, diesem Braten das Lieblingsspielzeug zu stehlen und es kichernd im Hafenbecken zu versenken. Er also wissen wer sie seien. Sie hatte keine Ahnung, als was der liebe Adbul-Majid sie angekündigt hatte, glaubte jedoch instinktiv, Bezeichnungen wie 'Lebende Fußbank' oder 'Einheimisches Haustier' als durchaus passend ansehen zu können. Aber sie würde nicht scheitern, nicht wegen einem kleinen, naseweisen Wurm.
Er hatte sie nicht gegrüßt und Megaera verspürte eigentlich nicht die geringste Lust, ihm diese Ehre umgekehrt zuteil werden zu lassen, zumal es nach seiner direkten Frage irgendwie auch nicht mehr zu passen schien. Doch sie konnte sehr wohl Manieren zeigen, wenn sie wollte (oder musste). Und der ganze Umgang mit Lokis geschliffener Zunge musste sich schließlich irgendwann auch einmal auszahlen.
Also kniete sie sich elegant vor den kleinen Gockel, was sie, wie sie innerlich grinsend erkannte, fast mit ihm auf eine Höhe brachte, und verließ sich auf ihren einnehmenden Charme und ihr eigentlich sehr harmloses, liebenswürdiges Äußeres. Und natürlich auf ihre süße, verlogene Zunge.
"Ich entbiete Euch einen angenehmen Morgen, Prinz Karim."
Erbleiche ob meiner feinen Umgangsformen...
"Oh, mein Name... aber Ihr sagtet doch, Ihr wüsstet, wer ich bin..."
Megaera lenkte ihr breites, nachtschwarzes Seelengrinsen in ein äußerlich unschuldiges Schmunzeln um, ehe sie fortfuhr (denn mit Bloßstellen machte man sich hier garantiert keine Freunde):
"Ich heiße Selene, junger Prinz, wie die griechische Göttin des Mondes. Und ich würde mich freuen, wenn ich Euch Mediterranea ein wenig näher bringen könnte, falls Ihr Interesse habt."
Ruhig hielt sie das Päckchen in den Händen auf ihren Oberschenkeln und blickte dem Kleinen offen und freundlich entgegen.
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Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 31.08.2007 - 16:07 |  |
Karim
Der kleine Prinz fand es ungemein anstrengend und es zerrte an seinen Nerven die ganze Zeit so ruhig und starr dazustehen, sodass seine kleinen Zehen in den samtenen Schnabelschuhen, die er trug, nicht stillhalten wollten. Er widerstand tapfer dem Drang vom einen Fuß auf den anderen zu hüpften. Ja, so dachte Karim, er hatte es schon nicht leicht! Am liebsten hätte er laut aufseufzt. Und auch Ungeduld nagte an ihm, begleitet von ungemeiner Neugierde! Ein paar Mal hatte er seinen Vater ja schon beleitet, aber das war doch alles so ganz anders gewesen! Nach Indien waren sie gereist und dort hatte er sich auch sehr wohl gefühlt. Es war so ähnlich wie zuhause. Wie in seiner Heimat regierten auch da die Männer und die Frauen lebten im Harem beieinander, zusammen mit den Kindern. Und obwohl er erst sechs war – und darauf war er ganz besonders stolz – hatte er bei seinem Vater und den Männern bleiben dürfen und den Harem lediglich besucht, ganz genau so wie ein Großer! Hach, das hatte ihn sehr stolz gemacht!
Einen Moment lang hing Karim jenen Gedanken nach, die ihn in der Regel breit grinsen ließen und bei denen, wenn er in ihnen schwelgte, stets den Drang unterdrücken musste, jedem, der grad auch nur zufällig in der Nähe stand, bis ins kleinste Detail, an das er sich zu erinnern vermochte, davon zu erzählen.
Hier aber, auf Media… Medati… Madetira… Na, wie auch immer, auf ‚Hier’ war alles anders. Hier trugen die Frauen keine hübschen Schleier und Tücher um den Kopf und jeder Mann konnte sie anstarren. Karim fand das sehr merkwürdig und er war sich nicht wirklich sicher, ob die Frauen überhaupt wussten, dass man das eigentlich nicht tat. Sie mussten auch komische Männer haben. Wären es gute Männer, würden die doch was sagen! Karim hatte auch gehört, dass die Frauen hier Männerarbeit machten. Das fand er auch komisch und war sich ziemlich sicher, dass sie davon irgendwann hässlich werden würden.
Nun soll an dieser Stelle nicht vermittelt werden, der kleine Prinz wäre schier frei von sämtlicher Toleranz und übervoll von absolutistischen Gedanken erzogen worden, nur zählte er noch nicht mehr als sechs der Jahre und so war es bisher noch kein Leichtes ihm die Feinheiten von Staat, Politik, Gesellschaft und Kultur näher zu bringen. Bald würde er seine Mutter und den Harem verlassen und in die Welt der Männer eingeführt werden. Sein Geist war dann formbar und dürstete nach Erziehung und der Gesellschaft derer, die ihn letztlich zu dem machen würden, was er war. Ein möglicher Erbe eines großartigen und gigantischen Reises. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg.
Selenes Name gefiel ihm sehr; umso mehr, weil es ja der Name einer Göttin war.
„Erst zeigen ich, wie wir grüßen…“ Erzauderte, als suche er nach dem richtigen Wort. „Du und ich?“ setzte er nach, im Versuch sich deutlich zu machen. Seine starre Miene war ein wenig von seinen kindlichen Zügen gewichen. Vorsichtig, aber direkt, griff er mit der kleinen Hand nach Selenes Handgelenk und hielt es in Brusthöhe, um danach mit hochkonzentriertem Blick ihre Finger zu einer Lockeren Faust zu formen, sodass zwischen Handfläche und den Fingern ein Hohlraum war und die Daumenspitze zwischen den beiden oberen Gelenken des Zeigefingers lag. Dann hob er ihre Hand und berührte mit ihrem Daumen und Zeigefinger ihre Stirn. „Eins: Da!“ kommentierte er. Dann senkte er ihre Hand an ihre Lippen. „Dann da!“ Schließlich führte er ihre Hand zu ihrer Brust, eben zu jener Stelle, an der ihr Herzschlag am deutlichsten zu spüren war. „Und dann Herz!“ verkündete er. „Und dann du sprechen: a’salam aleikum!“ Dieselbe Gestenfolge wiederholte er an sich selbst. „Aleikum a’salam! Das ich anworten.“ Karims Gesicht hatte einen fröhlichen Ausdruck angenommen und seine Augen funkelten erwartungsvoll. Er gefiel sich in der Rolle als Lehrer. „Das seien persische Gruß! Sehr wichtig!“ Er nickte bedeutungsvoll. „Wie ihr euch grüßen?“ fragte der Kleine, während er auf etwas umständliche Art und Weise auf den niedrigen Tisch kletterte, um sich im Schneidersitz vor Selene zu hocken. Ja, er hatte wohl beschlossen an ihr interessiert zu sein.
Im Hintergrund und jenseits des Rückens der jungen Frau hatte sie die Flügeltür trotz ihrer beachtlichen Masse lautlos geöffnet. Niemand schien dies bemerkt zuhaben, denn weder Karim reagierte, was er doch viel zu sehr mit Selene beschäftigt, noch seine Spielkameraden oder die in die Melodie vertiefte Sitharspielerin bemerkten die Neuankömmlinge. Einer von ihnen war Asim. Er hatte einer zweiten, höher und breiter gewachsenen Gestalt die Tür geöffnet, möglichst ohne verräterische Laute in die gediegene Geräuschkulisse des Gemaches zu entlassen. Die weichen Ledersohlen hinterließen nur Stille auf dem polierten Marmorboden und der nachfolgende Teppich schluckte jedes gebliebene Geräusch vollständig. Asim blieb zwei Schritte hinter der Gestalt zurück. Auf dem Weg von den Pforten des Harems bis hierher hatte Asim seinen Herrn über jedes Details der ‚Neuerwerbung’ für den Sarây und den Prinzen unterrichtet. Natürlich hatte es sich sein Gegenüber nicht nehmen lassen selbst einmal einen Blick auf die zierliche Gestalt Selenes zu werfen und scheinbar verhielt sich Karim kooperativ. Natürlich konnte das von der einen auf die andere Minute umschlagen, so waren Kinder eben und Prinzen waren so allemal. Im Moment jedoch schien Karim sch ganz in eine Unterhaltung mit der jungen Frau vertieft zu haben.
Das Szenario wollte, so entschied die Gestalt, noch nicht durch ihn unterbrochen werden. Und so faltete er die reich beringten Hände hinter seinem Rücken und verharrte im Halbschatten des ersten samtenen Vorhangs.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
(Alles, was in *...* steht, sagt er auf Persisch!) |
Megaera unregistriert
| Erstellt am 01.09.2007 - 17:04 |  |
Megaera ahnte, dass es nicht förderlich für die Wirkung ihres Schauspiels wäre, wenn sie diesen kleinen Bengel zu ihrem neuen Intimfeind erklärte. Von ihrer persönlichen Ehre ganz zu schweigen, die sie mahnend daran erinnerte, dass ein Sechsjähriger sich nicht gut in der Liste ihrer Kontrahenten machte. Vielleicht wäre ihr das alles mit einem anderen Hintergrund auch leichter gefallen. So jedoch stellte sie sich dauernd vor, wieder irgendein Martyrium ertragen zu müssen, nur weil Titus sie dazu zwang. Natürlich konnte alles sehr viel schlimmer sein; ein langweiliges, besserwisserisches Kind war vermutlich einfacher zu ertragen als irgend ein zickiges, verwöhntes Balg, das sich permanent über sie lustig machte. Wobei sie sich noch kein abschließendes Urteil über den Prinzen erlauben konnte, Kinder waren schließlich für ihre Launenhaftigkeit bekannt.
'Hauptsache, das Kind lacht. Wenn es lacht, ist alles in Ordnung. Und falls du dafür gegen eine Säule rennen und dir die Nase brechen musst, solange es lacht, bist du auf dem richtigen Weg.'
Ja, Loki und seine Weisheiten. Aber er hatte insofern recht, dass sie sich notgedrungen auf dieses Spiel würde einlassen müssen. Obwohl Karim sich anscheinend bereits derart seines Standes bewusst war, dass er mit einer Ernsthaftigkeit an die Sache heranging, die ihm jegliches Lachen unterband.
Ein wenig irritiert vernahm Meg schließlich die Absicht dieses Jungen, ihr den typischen persischen Gruß näherbringen zu wollen und entgegen ihres eigentlichen Willens zuckten ihre Finger leicht, als er so direkt nach ihrem Handgelenk griff. Notgedrungen gab sie jedoch nach und gestattete ihm, ihre Hand zu bewegen, dabei aus den Augenwinkeln seine konzentrierte Miene ein wenig skeptisch begutachtend. Es war wirklich unheimlich, wie gut man diesen winzigen Kerl erzogen hatte. Auch Loki hatte versucht, ihr diesen Gruß nahezubringen, war jedoch nur bis zum Mund gekommen, weil er anschließend einem Trinkbecher im Direktflug hatte ausweichen müssen. Megaera mochte solche Belehrungen und Instruktionen nicht, erinnerten sie sie doch auch viel zu sehr an ihre Kindheit im Tempel. Was sie nicht interessierte, dem hörte sie für gewöhnlich einfach nicht zu und die dabei entstehenden Lücken in ihrer Allgemeinbildung störten sie nicht im Geringsten.
Mit einem fliegenden Becher war es nun aber natürlich nicht getan.
"Asalamaleikum", wiederholte sie also brav und verdrängte die Tatsache, dass sie vermutlich ziemlich lächerlich dabei wirkte.
"A-sa-la-ma-lei-kum." Es kam natürlich nicht so fließend elegant wie bei Karim über ihre Lippen, aber er sollte sehen, dass sie sich bemühte. Lokis nächster 'guter' Ratschlag kam ihr in den Sinn.
'Sag einfach das, was du gerne selber hören würdest. Loben und Bestätigen, das hören alle am Liebsten. Und Kinder haben den Vorteil, dass sie nicht so schnell merken, wenn du heuchelst.'
"Ihr sprecht wirklich schon sehr gut Latein, Prinz Karim", lauteten deswegen ihre folgenden, anerkennenden Worte, die sie mit leicht zur Seite geneigtem Kopf und beeindruckt hochgezogenen Augenbrauen an ihn richtete. Dann lächelte sie ein wenig inniger und ergänzte mit einem für sie typischen schelmischen Zwinkern, das anscheinend die Kontrollinstanzen ausgetrickst und sich einfach vorgedrängelt hatte:
"Jedenfalls sehr viel besser, als ich Persisch spreche. Was zugegeben ja auch nicht sonderlich schwer ist." Erst dann bremste sie ihre vorlaute Zunge und hoffte, nicht des Prinzchens dünne Nerven damit belastet zu haben. Eigentlich hatte sie auch sogleich fortfahren und sich Karims nicht ganz einfacher Frage nach den Grußformen Mediterraneas widmen wollen, wäre da nicht dieses feine Kribbeln in ihrer Nackengegend und das hartnäckige Gefühl, beobachtet zu werden. Gut, es befanden sich eine ganze Menge Sklaven und Kinder um sie herum, die zwar zumindest, nach einem knappen Kontrollblick, in ihre eigenen Angelegenheiten vertieft zu sein schienen, aber man konnte sich da nicht sicher sein. Zudem merkte Megaera, dass sie sich sehr unglücklich in Richtung des Jungen gedreht hatte und sich die Eingangstür nun in ihrem Rücken befand. Sie hasste dieses Gefühl, weshalb sie auch normalerweise stets die Sicherheit einer soliden Wand hinter sich bevorzugte. Auffälliges Umdrehen und Hinschauen fiel natürlich aus dem Rahmen, schließlich war auch durch dieses melodiöse Gezupfe kein verdächtiger Laut an ihr Ohr gedrungen, der einen Grund geliefert hätte, auf etwas aufmerksam zu werden.
Gegen ihren Willen merkte die Diebin, dass sie nervös zu werden begann. Sie versuchte sich damit zu beruhigen, dass es vermutlich nur wieder der Verwalter war, der sich lediglich vorhin ein wenig tiefer zurückgezogen hatte und nun wiedergekehrt war. Natürlich ließ man sie nicht ohne Kontrolle einfach so mit einem Prinzen hantieren.
Bei den vier launischen Winden, lasst es nicht seine Mutter sein...
Meg wusste ja schon nicht, wie man mit einem Kind umgehen sollte, was eine Mutter anging, so fühlte sie sich indes vollkommen überfordert. Hera mochte die Göttermutter sein, aber sie hatte auch einiges auf dem Kerbholz, das sie in anderem Licht dastehen ließ wie eine normale Mutter.
Meg verbarg ihr Zögern mit einem leisen Räuspern hinter vorgehaltener Hand und warf dem Jungen, der sich, was sie als deutliche Verbesserung empfand, nun ihr gegenüber auf dem Tisch niedergelassen hatte, einen entschuldigenden Blick zu. Auch sie selbst hätte gerne zu einem Schneidersitz gewechselt, aber Loki hatte ihr eingeschärft, dies tunlichst zu unterlassen. Also blieb sie auf den Knien und hoffte, trotz des Prickelns in ihrem Nacken eine halbwegs sinnvolle Antwort zustande zu bringen.
'Ab und an kannst du durchaus sein, wie du bist. So wie du dich benimmst, erscheinst du oft genug noch selber wie ein Kind.'
"Auf Mediterranea gibt es keinen einheitlichen Gruß, weil hier so viele verschiedene Kulturen leben. Manches vermischt sich auch. Fremde Bürgerliche grüßen sich meistens nur mit einem knappen Nicken. Je nach Respekt verneigt man sich auch mit verschiedenen Gesten. Mit dieser hier zum Beispiel."
Die Diebin legte ihre locker geschlossene, rechte Faust in Herzhöhe auf ihre Brust und neigte den Kopf sowie leicht den Oberkörper.
"Freunde oder Menschen, die sich besser kennen grüßen sich auch gerne auf diese Art."
Da er eben auch keine Berührungsängste gekannt hatte, nahm Megaera sich ausnahmsweise einmal die gleiche, wenn auch etwas vorsichtigere Freiheit heraus, und umfasste seinen schmalen rechten Unterarm sehr sacht mit ihrer Hand, wonach sie mit ihrer anderen seine Hand in die gleiche Position an ihrem Arm dirigierte.
Flüchtig rechnete sie fast damit, aufgrund irgendeiner Regelverletzung möglicherweise nur einen Herzschlag später etwas Spitzes, Scharfes in ihrem Rücken zu spüren, auch deswegen löste sie sich sehr bald wieder vom Prinzen und nahm erneut ihre wenigstens äußerlich ruhige und gelassene Haltung ein, während ihr Lokis letzter Rat wieder durch den Kopf geisterte. Sollte sie es wirklich riskieren, sich so zu verhalten, wie es ihr in Karims Position gefallen würde? Nun gut, den diebischen Charme besaß sie immer und bei den Göttern, Prinz oder nicht, er war ein kleines Kind!
Dessen Mutter dir möglicherweise im Rücken sitzt bemerkte eine warnende Stimme ergänzend in ihrem Kopf, der sie so ganz nicht widersprechen konnte. Allerdings hatte sie nie zu den langen Grüblern gehört.
"Ehm... Freunde denken sich auch manchmal besondere, geheime Grußzeichen aus, die nur sie verstehen.... oder ich, ich mache gerne kleine Geschenke, ab und an..."
Ein wenig zögerlich hob sie das in Tücher gewickelte Bündel in Richtung Karims Schoß und hoffte, dass ihr niemand zutraute, dort drin irgendeine giftige Natter versteckt zu haben. Vielleicht entschied sie sich auch deswegen kurzfristig um und stellte es zunächst lieber auf den Tisch neben ihn, vielleicht wollte er es ja auch gar nicht haben. Und Meg besaß keine wirklich gigantische Erfahrung im Verschenken von Dingen. Sie ließ sich indes sehr gerne beschenken. DASS sie etwas mitnehmen sollte, war Lokis Idee gewesen, das WAS hatte jedoch sie entschieden. Ihr diebischer Freund hatte diese Aufteilung nach der Äußerung ihrer Geschenkewahl sofort bereut und auch sie selbst war sich nun nicht mehr so sicher, dass sie 'das perfekte Geschenk für ein Kind, das schon alles besitzt' gefunden hatte, so wie angekündigt.
"Man muss beim Öffnen nur vorsichtig sein, es ist ein wenig empfindlich..."
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Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 03.09.2007 - 17:50 |  |
Nun, Selene unterlag einem Irrglauben, wenn sie dachte dort hinter ihr, jenseits ihres Rückens, belauerte eine besorgte Mutter das erste Kennen lernen des kleinen Prinzen und seiner neuen Gesellschafterin. Seine Mutter war es mit Nichten, wenn die Gestalt doch auch ebenso wichtig war wie sie, nun, vielleicht war sie sogar noch wichtiger. Und besorgt gab sich die Gestalt auch nicht. Zwar betrachtete er die ganze Szenerie mit scharfen Adleraugen und beobachtete das Treiben dort an der kleinen Tafel ohn’ Unterlass, jedoch war er sich seiner ständigen und unantastbaren Kontrolle sicher. Schon allein deswegen, weil Asim es war, der die junge Frau als würdig erachtet hatte und es sich Asim nicht leisten konnte zu versagen. Vielmehr, und dessen war sich Asim ständig bewusst, würde ihm ein Versagen nicht gestattet werden. Am Ende konnte es ihn noch um sein Wohl bringen und darauf würde es der Verwalter nicht ankommen lassen. Trotzdem hatte die Gestalt es sich nicht nehmen lassen selber einen Blick auf die junge Frau zu werfen, denn Kontrolle war besser als jedes Vertrauen. Besonders, wenn es um einen so kostbaren Schatz wie Karim ging. Er verdiente nur das Beste, denn jetzt, wo er noch völlig und gänzlich Kind sein durfte, sollte ihm nichts versagt werden. Noch früh genug würde er lernen, was Bescheidenheit, Selbstdisziplin und Gehorsam, Tugendhaftigkeit und, ja, Mannhaftigkeit bedeuteten. Noch früh genug würde er unerfülltes Begehren kennen lernen, Einsamkeit und das, was sein Schicksal war, wofür er gezeugt und geboren war. Yasmin, die Erste Frau des Harems, ebenso reich an Schönheit, wie an Klugheit, war es in den Augen abzulesen und immer wenn Karim den Harem verließ wuchs dieser Ausdruck von Sehnsucht und Trauer, die weiß, dass etwas unvermeidlich ist, in ihren diamantenen Seelenspiegeln. Der Strom der Zeit kennt und kannte kein zurück und eben deshalb galt es jede Sekunde auszunutzen, die von der Kindlichkeit noch blieb und jedes Geschenk zu machen, was zu machen möglich war.
Dies waren Gedanken, die in der Gestalt in den Schatten zwiespältige Gefühle hervorriefen. Die Endlichkeit des Lebens konnte sich in jedem Moment zeigen und manchmal überkam es den Menschen wie einen Schauer, der den Rücken überzieht, ein Gefühl, das uns frösteln lässt, einen Eindruck, der das Individuum winzig erscheinen lässt.
Deswegen nutze jede Sekunde, jede Gelegenheit! Und sei es nur die, deinem Sohn jede Erfahrung auf einer außergewöhnlichen Reise möglich zu machen, die gut für ihn sein könnte.
Während nun die Gestalt im Hintergrund ernsteren Gedanken nachhing, konzentrierte sich Karim völlig auf den Moment und auf Selene, die ihm zu berichten begann.
Er war ein wenig überrascht, dass die Bewohner Mediterraneas keinen einheitlichen Gruß kannten und entschloss, dass der König hier wirklich mal was dran ändern sollte. „Merkwürdig! Mutter sagen, wenn grüßen… hm, so… gleich, dann mehr zusammen!“ Er verschränkte die kleinen Finger seiner schlanken Hand ineinander. „So, sehen? Wenn Mutter das… und ich das, dann Perser! Beide! Mh?“ Den kleinen Prinzen fing es allmählich wirklich an zu nerven, dass Selene kein Wort persisch sprach. Er hatte einige Probleme, ihre Worte zu verstehen – natürlich nickte er trotzdem immer wissend – und musste sich anstrengen, wenn Selene die seinen verstehen sollte. Diese Sprache war wirklich kompliziert und sie klang noch nicht einmal schön! (Nun, zugegebenerweise hatte Asim im Auftrag des Schahs extra eine einheimische Frau auch wegen ihrer Sprachkenntnisse gewählt, denn wenn sich Karim sicher sein konnte, dass sie Persisch weder sprach, noch verstand, so war es unumgänglich, dass das Kind versuchte Latein zu sprechen und zu verstehen, um seine Neugierde auf die Insel zu befriedigen. Sein Latein würde sich damit sicher wesentlich verbessern.)
Die Sache mit dem Geheimgruß aber ließ den Jungen aufhorchen. Hier wurde er ganz aufgeregt und begann zu plappern: „Wir in Persien auch… wir auch denken Worte aus und reden und keiner können hören wir meinen!“ Begeistern strahlte er Selene an, als hätten beide gerade etwas Fantastisches herausgefunden und wippte im Schneidersitz leicht hin und her. Dann fügte er ganz eifrig hinzu: „Wir uns auch geheim Gruß denken, ja? Ja? Und.. und geheim Namen!“ Karims Stimme ging in einen Flüsterton über und er grinste Selene verschwörerisch zu. Ja, das würde ein Spaß werden! Keiner würde sie verstehen! Nur ER und SIE würden begreifen und dann würden sie sich freuen! Der kleine Perser kicherte. „Du mir geben Namen, ich Dir geben! Muss nachdenken, andern Tag ich Dir sagen, ja? Und Du auch!“
Im Hintergrund atmete Asim innerlich auf. Anscheinend hatte sich der Prinz dafür entschieden die Mediterranerin zu mögen. Wunderbar, das machte alles um ein vielfaches leichter. Nun hoffte der Perser, Karim verlöre nicht irgendwann das Interesse und vor allem die Geduld. Bisher sah alles ganz rosig aus, aber er wusste nur zu gut, dass Kinder so unberechenbar waren die Wüstenstürme zur Winterzeit.
Und sein Vater? Lautlos trat Asim etwas näher zu seinem Herren, als wolle er besser sehen können, doch in Wahrheit wollte er nur einen Blick auf die Miene des Schahs werfen. Ah, gut! Auf des Schahs Gesicht lag ein leichtes Lächeln, seine Haltung war entspannt. Puh! Alles sehr positiv, alles wunderbar, versuchte sich Asim zu beruhigen.
Unterdessen hatten Selenes Worte die Augen des jungen Prinzen noch mehr zum strahlen gebracht. Auch, wenn es für ihn wohl lange nicht mehr so besonders war wie für andere Kinder, Geschenke zu bekommen – dies hier war ja etwas ganz besonderes! Mit wie viel Spielzeug und Plunder seine Gemächer auch voll gestopft waren und wie viele Juwelen und Goldschätze sich auch in seinen Schatzkammern befanden… dieses Päckchen musste etwas verbergen, das es – hoffentlich – in Persien nicht so einfach zu kriegen war. Es war sicher etwas Billiges, aber trotzdem konnte Karim damit zuhause angeben und dabei noch die Geschichte von seiner großen Reise nach Medainetarea erzählen! Die anderen würden blass werden vor Neid, was Karim eine außerordentlich perfide Freude bereitete.
Und so nahm er das Päckchen ganz vorsichtig hoch und begutachtete es von allen Seien, bevor er begann die Überraschung aus seiner Verpackung zu schälen.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
(Alles, was in *...* steht, sagt er auf Persisch!) |
Megaera unregistriert
| Erstellt am 04.09.2007 - 18:38 |  |
Das lief doch eigentlich alles ziemlich gut. Megaeras übliches Selbstbewusstsein kam mit weiten Schritten zurückgeeilt und nahm stolz seinen früheren Platz wieder ein. Weswegen hatte Loki überhaupt solche Bedenken gehabt? Anscheinend war sie ein Naturtalent. Kinder waren aber nun einmal auch sehr einfach gestrickt. Und dieses Prinzchen hier besaß rein gar nichts von dem natürlichen, zurückhaltenden Misstrauen eines Straßenkindes. Kein Wunder, vermutlich hatte man ihm noch nie sein mühselig gestohlenes oder erbetteltes Mittagessen aus der Hand geschlagen oder ihn auch nur böswillig belogen. Er durfte völlig Kind sein und hatte sich deren normale Naivität und Unbedarftheit samt und sonders erhalten. Nein, vermutlich war es niemals eine wirkliche Herausforderung gewesen, einen solch verwöhnten abgebrochenen Meter zu unterhalten.
Megs ausgeprägtes Ego gönnte sich ein siegessicheres, besonders glänzend poliertes, arrogantes Lächeln und zuckte lässig mit den Schultern. Entweder man konnte Kinder um den Finger wickeln, oder eben nicht. Lokis Ratschläge mochten ihr hier und da ein ganz klein wenig geholfen haben, aber am Ende war es einzig ihr zu verdanken, dass Karim von Augenblick zu Augenblick breiter strahlte. Wäre doch alles, was sie in diesem Sarây zu erledigen hatte, so einfach, wie mit einem Sechsjährigen Spaß zu haben. Vermutlich käme der Jadeelefant dann schon im nächsten Moment zur Tür herein gelaufen.
Apropos Tür. Das unangenehme Kribbeln an Megs Nackenwirbeln hatte immer noch nicht nachgelassen, allerdings hatte sich bislang auch noch kein plötzlicher, stechender Schmerz hinzugesellt. Auch dies konnte man als gutes Zeichen deuten, wie sie durch ihr Leben bereits gelernt hatte. Wer auch immer dort stand und sie kontrollierte, schien von Karims zunehmender Fröhlichkeit überzeugt zu sein. Jaja, Hauptsache, das Kind lachte...
Sich innerlich locker zurücklehnend und siegessicher, das Ding im Sack zu haben, betrachtete Selene weiterhin mit einer gewissen nötigen Aufmerksamkeit ihr auf dem Tisch hockendes Gegenüber, um dessen Artikulationsversuche zu verstehen. Es wunderte sie nicht, dass er Probleme hatte. Latein war schließlich auch eine selten abartige Sprache. Besonders, weil die Römer sie sprachen und die Diebin Römer momentan nicht riechen konnte. Sie hätte sich auch lieber auf Griechisch unterhalten, doch das verstand der kleine Knirps sehr wahrscheinlich überhaupt nicht. Und da auch schon Abdul-Majid mit lateinischen Phrasen auf der Zunge auf sie zugetreten war, hatte sie notgedrungen ebenfalls dieses abgehackte Kauderwelsch sprechen müssen. Vermutlich war der Hintergedanke dieses ganzen Szenarios, Karim auf 'spielerisch-zwingendem' Wege das Lateinische näher zu bringen. Diese reizende Methode kannte sie nur zu gut aus ihrer eigenen Kindheit. Also weshalb sollte sie die einzige sein, die unter einer derartigen Erziehungsmethode litt?
Verstehend nickte die junge Frau nach Karims Erklärungsversuchen den Sinn eines einheitlichen persischen Grußes betreffend und warf nur kurz und aushelfend das Wort
"Verbunden."
ein. Ohne besserwisserisch zu wirken. Dafür hasste sie Besserwissereien selber viel zu sehr.
Als sie seine Begeisterung aufgrund der geheimen Begrüßungen sah, verstärkte sich ihr Lächeln jedoch instinktiv zu einem fröhlichen Grinsen. Anscheinend gab es doch einige gemeinsame Leidenschaften. Offenbar musste man nur die normalen kindlichen Bedürfnisse und Spiele aufgreifen und verstärken, um später einen vorzüglichen Dieb erschaffen zu können. Oder vielleicht waren sie und all ihre Kollegen im Grunde nur Kinder geblieben, die auf geheime, verbotene Spiele standen und es mochten, andere mit ihren Fähigkeiten zu überflügeln oder auszutricksen. Eine interessante Theorie. Die zumindest bei ihr recht zutreffend war, schließlich sah sie viele Dinge in ihrem Leben als Spiel an. Und sie hasste es, zu verlieren.
"Geheime Namen sind eine großartige Idee!" entgegnete sie deswegen auch begeistert und nickte ebenfalls.
"Ich sammele Spitznamen und geheime Namen, musst d... müsst Ihr wissen. Und dann müssen wir auch schwören, dass wir nie jemandem etwas davon sagen", fügte sie nun ebenfalls sehr leise flüsternd hinzu und erwiderte sein Grinsen mit einem ebenso verschwörerisch geheimnisvollen Zwinkern.
So einen Geheimnisse liebenden Knirps konnte man zu allerlei nützlichen Dingen anstiften... wenn nicht gerade jemand hinter ihnen an der Tür stand und sie beobachtete. Aber ansonsten schadete es sicherlich nicht, des Schahs kleinen Liebling auf seiner Seite zu wissen. Man würde doch sicherlich nicht seine zarten Nerven verletzen wollen, in dem man seiner neuen Lieblingsentdeckung die Hände abschlug...
"Gut, ich denke mir dann auch einen Namen aus und sage ihn di... Euch morgen."
Diese lästige Sache mit dem 'Ihren' störte sie langsam, besonders weil er sie duzte und sie es nicht einmal sonderlich gewohnt war, formelle Anreden zu benutzen. Pylades hatte sie von Anfang an geduzt, was er jedoch vermutlich auf die unüblichen Umstände geschoben hatte, dass er vor ihr auf der Breiten Straße vergiftet in seinem Blute lag und kurz vorher in ihre Arme gesunken war. Eine Art Brüderschaft trinken unter erschwerten Bedingungen. Aber es war einfach nur aufgrund ihrer üblichen Art gewesen. Schon als Kind hatte sie sich diese sogenannte 'Respektlosigkeit' bei jeder Gelegenheit erlaubt und es war ihr in ihrem Rebellentum herzlich einerlei, wen sie da gerade beleidigte. Auf Rang und Namen hatte sie noch nie viel gegeben. Dass sie sich nun zusammenriss war eben Teil ihres Plans zugunsten eines höheren Zieles, nämlich Titus mächtig kräftig in den Arsch zu treten.
Dieser süße Anblick in ihrer Phantasie entschädigte sie für so manches und brachte sie dazu, sich ernsthaft zu konzentrieren.
Lächelnd betrachtete die Diebin, wie umsichtig Karim sich nun daran machte, die Stoffbande von dem etwa zweifaustgroßen, tönernen Behältnis zu schälen. Kein Vergleich zu ihrer früheren Art und Weise, Dinge auszupacken. Allzu viel hatte sie ohnehin nie geschenkt bekommen, besonders nicht, seit sie das Klauen für sich entdeckt hatte. Achja, schöne Erinnerungen...
Noch eine letzte Lage dünnes Tuch trennte die dunkle Öffnung des Tonbehälters von Karims abwickelnden Fingern, als Megaera sacht ihre Hand darauf legte und so (gemeinerweise wie sie sehr wohl wusste) den Fluss des Auspackens unterbrach. Mit gespielt ernster Stimme suchte sie den Blick des Jungen und sprach mit ebenfalls geheimnisvoll-souveräner Stimme:
"Du musst jetzt wirklich sehr vorsichtig sein. Du hast bis jetzt einen sehr mutigen und sicheren Eindruck gemacht. Aber du wirst jetzt noch einmal ganz viel Mut brauchen. Würde ich es dir jedoch nicht zutrauen, hätte ich es dir nicht geschenkt."
Wie eine Art Echo auf ihre leise Warnung drang ein noch recht zögerliches, aber deutliches Zirpen und Fiepsen aus dem Behältnis, offenbar eine Reaktion auf den stärker gewordenen Lichteinfall. Meg indes zog ihre Hand langsam wieder zurück, ohne Karim aus den Augen zu lassen, obwohl sich bereits wieder der Schatten eines sanften Lächelns auf ihren Zügen zeigte. Es war nun wirklich kein Ungeheuer in dem kleinen Topf, nur ein noch sehr junger Gecko, kaum so lang wie ihr kleiner Finger. So ein kleines lustiges Vieh war eben ihr erster Gedanke gewesen, als Loki meinte, sie solle ein Geschenk mitnehmen. Mit acht Jahren hatte sie sich eines auf dem Markt gekauft.... für einen besonders hübschen Ring mit einem eingefassten Mondstein, der natürlich nicht ihr gehört hatte, und für den sie eigentlich einen halben Stall Geckos hätte verlangen können. Aber auch sie war damals eben noch klein gewesen. Und auf ein Donnerwetter mehr oder weniger war es ihr dann auch nicht mehr angekommen.

Gecko Tarentola mauritanica
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Bashkan König der Sassaniden

Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 94 Nachricht senden | Erstellt am 04.09.2007 - 19:45 |  |
Karim hielt sofort inne, als Selene seine weniger ausgeklügelte Auspackprozedur unterbrach, die darin bestand eher an jeder Seite und Ecke zu zupfen, als nach adäquaten Kanten im undurchsichtigen Stoff zu suchen. Aber immerhin führte diese etwas ungelenkte Methode nicht dazu, dass das Geschenk in ungehemmter Neugier hin und her geschleudert wurde. Vielmehr lockerte sich die Verpackung langsam, sodass Karim den Stoff letztlich abstreifen und ihn als zerknülltes Bündel zu Boden fallen lassen konnte. Nun saß er da, das Tongefäß auf seinem Schoß, und hob den gebannten Blick zu Selene. Während sie ihn eingehend warnte, formten seine Lippen ein ‚o’ und seine Augen wurden immer größer! Ja, aber natürlich war er mutig! Sehr mutig sogar! „Ich viel Mut!“ erzählte er mit einem triumphierenden Grinsen. „Ich Vater begleiten in Wüste! Viel Gefahr! Ich wie ein…„ ihm schien ein Wort zu fehlen – „na, groß und schwarz!“ Er breitete seine Arme zu beiden Seiten so weit aus, wie er konnte. „Groß! Wie großes Katze von Vater!“ Natürlich meinte er damit die Panther seines Vaters, an die man ihn zwar noch nie wirklich – und vor allem nicht allein – gelassen hatte, aber dass sein Vater die Tiere unter Kontrolle halten konnte, und dass sein Vater eben SEIN Vater war, reichten dem Jungen, um seinen schier angeborenen Mut bewiesen zu sehen. Zwar wusste er noch nicht genau, wie sein Vater seinen Beitrag dazu geleistet hatte, dass er später als ganz kleines Baby – darauf wurde er übrigens nicht gerne hingewiesen – aus seiner Mutter ‚gekommen’ war, aber: Seine Kinderfrau hatte ihm einst erklärt, dass sein Vater ein Stückchen des Besten, was er war, seiner Mama geschenkt hatte und deswegen ähnelte er seinem Vater so. Hm, Karim hegte ja den leisen Verdacht, dass seine Kinderfrau ganz fies geschwindelt hatte, aber völlig sicher war er sich da noch nicht. Dies war eines der großen Mysterien, denen es noch galt nachzugehen.
Nachdem der kleine Prinz seinen Mut also lauthals bezeugt hatte, widmete er sich wieder ganz und gar der kleinen Tongefäß vor sich. Wieder betrachtete er den Behälter von alles Seiten und verbog sich dabei zu schier allen Seiten, mit dem kleinen Popo immer an derselben stelle bleibend. Dabei kaute er auf der Spitze seines linken Zeigefingers und legte die Stirn und an in Falten. Dann wieder lauschte er angestrengt und immer, wenn er einen leisen Mucks aus dem Tongefäß vernahm grinste er verschwörerisch.
Das Gefäß zu öffnen, das traute sich der Kleine wohl nicht auf Anhieb. Dann aber griff er mit beiden Händchen nach dem Deckel, presste die Lippen aufeinander und lugte durch den kleinen Spalt, der sich ergab, als er den Deckel vorsichtig anhob.
Als er erkannte, welch kleiner Kerl da seiner Befreiung harrte atmete er tief ein und entließ ein überraschtes, gehauchtes ‚Oooooooh!’. Schnell klappte er den Deckel wieder zu und strahlte Selene an wie ein Hönigkuchenpferd im Wunderland! „Das“ gluckste er und hob den Deckel wieder etwas an, um den winzigen Gecko eingehend zu betrchten, „sein wie klein Dachen… ahm… Drache, wie klein und keine Flüge! In Wüste viel so kleine Tiere! Ich versuchen fangen, aber nicht kann! Lange, laaaange! Und ich nie bekommen kleinen Tier! Jetzt hier!“ Karim plapperte drauf los und öffnete den Spalt nun gen Selene, damit sie den Gecko auch betrachten konnte. „Sieh Du?“ Natürlich sah sie ihn, aber Karim war so, ja, stolz, dass er der jungen Frau den Kleinen unbedingt noch mal zeigen musste. Vorsichtig steckte er einen schlanken, kurzen Zeigefinger in das Innere des Tongefäßes und stupste den Gecko mit kindlicher Behutsamkeit, so als wäre er aus Glas, an. Der Gecko machte eine plötzliche Bewegung, Karim erschrak und schloss das Gefäß ganz schnell wieder. Er kicherte. „Du mir toll geschenk, jetz’ ich nicht mehr muss fangen!“ Selbstredend gab es gerade in der Wüste tausende von Tieren dieser Art, doch bis jetzt war es dem kleinen Jungen, verflixt noch mal, einfach nicht gelungen einen zu fangen. Und jetzt, ja JETZT hatte er einen! „Ich haben kleine Tier aus Zahn von… von… eh…“ Seine Stirn legte sich für einen Moment in Falten, dann gab er es auf. Diese blöde Sprache regte ihn langsam wirklich auf. *Elefant!* sagte er schließlich auf Persisch. *E-le-fant!*
Vorsichtig rutschte er rückwärts und ließ das Gefäß vor Selene auf dem Tischen stehen. Während er sich zu seiner Armee kleiner geschnitzter Tierchen wandte, die auf einem Regal nahe dem Fenster in Reih und Glied standen, fügte er ungeduldig hinzu: „Großen Tier… grau, mit groooße zwei Ohr!“ Irgendwo zwischen einer Herde hölzerner Kamele und einer kleinen Familie marmorner Flusspferde mit dicken Bäuchen und Stummelbeinen fischte der aufgeregte Junge einen Elfenbeinelefanten hervor.
Doch bevor er seinen Rückweg antrat, stieß er ein plötzliches, begeistertes *Vater!* aus. In all seiner Geschäftigkeit hatte er Bashkan, der eine Weile still und beobachtend dagestanden hatte, gar nicht bemerkt.
Signatur "So schwer wie die Freiheit, so leicht ist der Zaun, der sie hält!"
(Alles, was in *...* steht, sagt er auf Persisch!) |