kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 13.10.2009 - 15:57 |  |
Kapitel 44 – Das Mädchen und ihr treuer Begleiter
„Hätte ich das nur gewusst, hätte ich das nur gewusst“, stammelte Sayoko vor sich hin, die durch den Matsch watete.
„Da bist du nicht allein“, beschwerte sich Jumon, der grimmig zu Ginta sah.
„Woher sollte ich wissen, dass der Sumpf so dreckig ist!?“, verteidigte sich Ginta, der Shiana helfend eine Hand reichte.
Sie verzog nur ihr Gesicht.
„Außerdem warst du es doch Sayoko, die keine 3 Tage verschwenden wollte um diesen Sumpf zu durchqueren!“
Sie schnaufte einmal laut aus.
„Was ist so schlimm an dem bisschen Dreck, beim nächsten Regen ist das wieder weg“, meinte Ginta.
„Ja, wenn wir die Kleidung nicht erst gewaschen hätten“, seufzte Jumon.
„Da müssen wir jetzt durch“, meldete sich Shiana auch zu Wort.
Myu schlief wie immer in Gintas Tasche. Es war ihr gerade doch zu anstrengend zu versuchen nicht im Modder unterzugehen.
„Zum Glück gab uns dieser alte Mann diese Karte, mit der wir uns eigentlich gut zurechtfinden müssten“, meinte Jumon und warf noch einmal einen Blick auf die Karte.
„Ob es diese Monster wirklich gibt?“, wunderte sich Sayoko, „Jeder dem wir über den Weg liefen, hat uns gewarnt, das gibt doch einem zu Denken...“
„Bestimmt!“, sagten Ginta und Jumon gleichzeitig.
„Ryoma und ich haben einmal gegen ein behaartes Monster gekämpft, im Wald ganz in der Nähe meiner Heimatstadt...“, erzählte Ginta.
„Und in den Bergen habe ich schon so einige Lebewesen gesehen“, sagte Jumon, „ganz abgesehen von den Geistern.“
„Einige haben fürchterliche Klauen“, meinte Ginta.
„Die anderen haben riesige Augen“, setzte Jumon fort.
„Wieder andere sind total behaart!“
„Oder sind schleimig eklig!“
Die beiden Jungs konnten es nicht verkneifen das ganze pantomimisch darzustellen.
„Hört auf! Ist ja widerlich“, forderte Sayoko, die sich bei diesen Vorstellungen schütteln musste.
„Pass auf Sayoko, nicht dass dich noch was von hinten packt!“, lachte Jumon.
„Jetzt reicht es mein Lieber!“
Sie nahm eine Hand voll Matsch und zielte Jumon direkt ins Gesicht.
Er wurde getroffen, strich sich den Dreck aus dem Gesicht und brüllte: „Hey das ist nicht fair!“
„Und wie fair das ist!“
„Jetzt zeig ich es dir!“
Auch Jumon nahm eine handvoll und bewarf Sayoko, die aber geschickt auswich.
„Hört doch auf“, bat Shiana mit ihrer zärtlichen Stimme.
„Nicht fair“, schmollte Jumon.
Ginta seufzte und lief mit Shiana voraus.
Kurze Zeit darauf erreichten die Vier eine Lichtung.
Auf einer mit Moos bedeckten Fläche ließen sie sich für einen Moment der Ruhe nieder.
Nebel stieg um sie herum auf und tauchte die Umgebung in ein unheimliches Flair.
Bis auf vereinzeltes Knacken von Ästen war es recht still und die Freunde nutzten ihre Pause um etwas zu Essen.
Es blieb ihnen aber leider nichts anderes als etwas Brot zu essen. Feuerholz konnten sie ja nicht sammeln.
Ginta verfiel in Gedanken.
'Nicht mehr lange, dann bekomme ich Antworten auf all meine Fragen.'
Myu kuschelte sich auf seinen Schoß und er fütterte sie mit etwas getrocknetem Fleisch.
Dann wurde er auf Shiana aufmerksam.
'Ihre Haut ist in diesem gedämpften Licht ja noch blasser. Wie schön sie doch aussieht und wie ruhig sie ihr Brot isst. Sie nimmt nur kleine Bissen und kaut ganz unauffällig... Wenn man sie so sieht, könnte man glatt vergessen, dass sie so geheimnisvoll ist. Eigentlich sieht sie aus wie ein normales Mädchen...'
Sayoko biss große Stücke ihres Brotes ab und schlang es nur so herunter, als hätte sie keine Manieren.
'Sayoko... Sie tut immer so als wäre sie die Harte, die Stärkste von uns, aber sie hat bestimmt auch einen weichen Kern, das merk ich doch immer und immer wieder... Ich bin auf jeden Fall dankbar dafür, dass sie mich begleitet, genau wie...'
Er sah Jumon an, der Sayoko böse Blicke zuwarf.
'Warum müssen sie sich immer streiten? Jumon ist der Jüngste, wie er das nur aushält? Nun ja, ich bin ja auch nur ein Jahr älter, das ist keine Frage... Mhhh
Er streichelte Myus Kopf.
'Und Myu, die kleine Faule Katze', kicherte Ginta gedanklich, 'Ach Myu, wenn du wüsstest...'
Ginta sah in ihre Augen und in diesem Moment hörte er doch die Worte „Ach Ginta“ aus ihrem Mund!
Erschrocken weiteten sich seine Augen.
„Das... das kann doch gar nicht wahr sein...“
In diesem Moment sprang die schwarze Katze von Gintas Schoß und machte es sich wieder in der Tasche gemütlich.
Shiana sah Ginta wundernd an, doch er sagte nichts.
Plötzlich krachte es fürchterlich laut.
„Was war denn das!?“, schreckte Sayoko auf.
„Bestimmt ein Monster“, scherzte Jumon, der daraufhin große Augen machte.
Denn hinter den Baumstämmen die aus dem Matsch ragten, hinter den vielen abgestorbenen Ästen und Zweigen in dieser nebligen Lichtung kam eine riesige Silhouette hervor.
Unsere Freunde sprangen auf und griffen nach ihren Waffen.
„Ist das ein Bär?“, wunderte sich Jumon.
„Nein das ist ein Hase!“, rief Sayoko aus.
Beide hatten recht.
Dieses Monster war ein riesiger Bär ähnlicher Hase, auf dessen Schulter ein kleines Mädchen in einem, mit weißen Rüschchen verzierten, schwarz-grünem Kleid saß, das grüne Haare hatte und schmollte.
„Wer seid ihr denn?“, fragte sie Ginta, Shiana, Jumon und Sayoko, die zu Stein erstarrten.
„Ihr seid ja komisch!“, wunderte sie sich, „Kûosa lass mich doch bitte herunter.“
Sogleich nahm dieses Monster das Mädchen und setzte sie auf dem weichen Boden ab.
An den Tatzen des Monsters klebte Blut.
Das kleine Mädchen ging zu Ginta und stupste ihn in den Bauch.
Der einzige Grund, wieso er aus seiner Starre kam, war, dass sein Amulett plötzlich anfing stark zu vibrieren.
Er griff nach seinem Anhänger.
„Wer bist du denn? Mein Name ist Ginta“, stellte er sich vor.
„Ich bin Tsuru!“, lachte das Mädchen und grinste den Weißhaarigen an.
„Was machst du denn hier in diesem Sumpf, so ganz allein?“
Shiana, Sayoko und Jumon starrten abwechselnd Tsuru und das Monster an.
„Ich bin doch gar nicht allein...“, schmollte sie, „siehst du nicht? Kûosa ist an meiner Seite!“
Der Riese hob seine Tatze und winkte Ginta grinsend zu.
„Ja... ja doch!“, stotterte er, „Ich sehe Ku... Ku...“
„Kûosa heißt er! Dummerchen!“
„Kûosa genau. Er ist dein Freund?“
„Ja“, sagte sie ohne zu zögern.
Kûosa, das große Hasenmonster kniete sich neben Gintas Tasche und starrte Myu an. Selbst kniend war das an sich schon bestimmt 3 Meter große Monster groß genug.
„Und kannst du mir sagen, was ihr nun in diesen Wald macht?“
„Ich wohne hier.“
„Hier mit Kûosa?“
„Hier mit Kûosa“, sprach sie Ginta nach.
„Wieso in diesem Sumpf? Wieso nicht bei deinen Eltern?“
„Weil sie mich in den Schumpf geschickt haben.“
„Es heißt Sumpf. Wieso haben sie das gemacht?“
„Das weiß ich nicht...“
Ginta spitzelte im Augenwinkel dem großen Monster hinterher.
Er räusperte sich.
„Was hat da vorhin so einen Lärm gemacht? Warst du das?“
„Japp“
„Und wieso?“
„Da war ein böser Mann hinter Kûosa her! Und Kûosa hat sich gewehrt!“
Zögerlich versteckte sich Sayoko hinter Jumon und zog Shiana mit sich. Jumon konnte sich immer noch nicht bewegen.
„Ein böser Mann? Wie sah der aus?“, erkundigte sich Ginta.
„Der war ganz schwarz und böse! BÖÖÖSEE!!!“, das letzte Wort schrie sie durch den Sumpf.
„Ist gut Tsuru“, beruhigte er sie, kniete sich hin und lag eine Hand auf ihre Schulter, „Warte doch hier mal kurz.“
Ginta ging zu Jumon und den anderen, schob sie ein wenig aus dem Radius, in dem sie von Tsuru gehört werden konnten.
„Hört mal zu Leute...“
„D... da... daa“, stotterte Sayoko und zeigte mit dem Finger zitternd auf das Monster.
„Ja ich weiß“, sagte Ginta, drehte ihren Finger beiseite und erzählte weiter, „Dieses Mädchen wurde wahrscheinlich von einem Shal angegriffen. Das Mädchen ist besonders.“
„Kein Wunder“, warf Jumon ein, „mit so einem Ding an ihrer Seite...“
„Nicht nur das, mein Amulett hat reagiert, wir sollten sie lieber mit auf die Reise nehmen, es ist viel zu unsicher für ein kleines Mädchen hier allein im Sumpf.“
„Da hast du recht Ginta“, stimmte ihm Shiana zu.
„Also müssen wir uns auch noch um dieses Balg und dieses über proportionierte Ding kümmern?“, seufzte Sayoko.
„Es wäre wohl besser so. Wir können ja auf unserer Reise irgendwo einen geeigneten Ort für sie finden, wo sie jemand aufnimmt...“
„Das ist das mindeste was wir tun können“, fügte Jumon bei.
„Na gut“, gab auch Sayoko nach.
„Tsuru!“, rief Ginta die Kleine, die mit der Katze spielte und sich plötzlich so erschreckte, dass sie auf Gintas Schwert fiel.
In diesem Moment blitzte es so grell auf, dass unsere Freunde für einen Moment nichts mehr sehen konnten.
„Tsuru!“
Ginta rannte auf sie zu.
„Ist dir etwas passiert?“
„Nein...“, sagte sie und blickte auf den Boden, „Hupps! Das wollte ich nicht, das wollte ich nicht!“
„Was denn?“, wunderte sich Ginta und sah auf den Boden.
Und da lag es. Sein Schwert das auf einmal kein Schwert mehr war. Es sah eher so aus wie ein langer Stab mit Klinge am Ende – ein Kesobou.
„Wie... wie hast du das gemacht?“
„Weißt du, manchmal wenn ich mich ganz doll erschrecke, oder Angst habe, dann passiert das... Dann werden zwei Dinge die ich angefasst habe zu einem... das ist mit Kûosa auch passiert...“
Ginta bekam kein Wort heraus.
„Wie mit Kûosa auch?“, fragte Jumon der dem Ganzen zugehört hatte.
„Ich war mit meinem Stoffhasen Kûosa im Sumpf... und dann kam ein riesengroßer Bär! Der wollte mich Fressen! Und dann sind der Bär und Kûosa eins geworden...“
„Eins? Sie hat wohl die Fähigkeiten Sachen zu fusionieren..“
„Fuschineren?“
„Fusionieren, kleine Tsuru, Fusionieren...“
„Dann wurde wohl nicht Kûosa sondern sie von den Shal gesucht“, stellte Ginta fest, „wegen ihrer Fähigkeit?“
„Wahrscheinlich“, antwortete Sayoko die sich langsam mit Shiana näher herkommen traute.
„Ein Grund sie erst recht zu beschützen. Ich will nicht, dass ihr was von den Shal angetan wird“, sagte Ginta und hob seine neue Waffe auf, „Und mit diesem Ding werd ich mich nun zurechtfinden müssen.“
Er entdeckte schnell, dass man diese Waffe kompakt auseinander- und wieder zusammenklappen konnte.
Dabei sah er Kûosa an. Sein Blick verriet schon was er dachte: 'Mit dir muss ich mich auch zurechtfinden müssen.'
Er ging zu dem Hasenmonster und streichelte seinen Kopf, worauf es anfing zu grinsen.
„Schön dich kennenzulernen Kûosa, ich bin Ginta. Das sind Shiana, Sayoko und Jumon.“
Kûosa konnte keine Laute von sich geben, also gab er seiner Freude in einem Grinsen kund.
„Tsuru“, Ginta wand sich wieder zu dem kleinen grünhaarigen Mädchen, „Willst du uns nicht begleiten? Das wird sicher spaßig, außerdem bist du dann nicht so allein!“
„Okay“, lachte sie und warf sich um Kûosas Hals, „Kûosa, Kûosa, wir haben Freunde!“
Sie saß sich wieder auf seine Schulter und kicherte.
„Willkommen in unsere Team“, begrüßte sie Jumon.
„Willkommen“, grinste Shiana und streichelte den sanften Riesen.
Sayoko nickte nur mit ihrem Kopf, sichtlich angestrengt von der reinen Vorstellung sich jetzt auch noch um ein kleines Mädchen kümmern zu müssen.
Nun packten unsere Freunde ihre Sachen und machten sich bereit, weiter durch den matschigen Sumpf zu wandern um doch endlich das Ende zu erreichen.
Kûosa war so stark um Tsuru und die leichte Shiana auf seinen Schultern zu tragen.
Was für ein Komfort.
„Sag mal Tsuru, wie alt bist du denn?“, fragte Ginta, der über einen Ast der im Dreck lag stieg.
„Ich bin 8 Jahre alt“, sagte sie, „Hatte erst Geburtstag.“
„8 Jahre alt, so so“, stellte er fest.
Dann herrschte wieder Stille, mal abgesehen von dem Summen, das Tsuru von sich gab und dem Knacken der Äste und Zweige und den widerlichen Matschgeräuschen.
Letztendlich brauchten sie, in Begleitung einer neuen Mitstreiterin und einem Hasenmonster bis zum frühen Abend um den Sumpf zu durchqueren. Am Rande dieses modrigen Areals bauten sie ihr Lager auf und aßen am Lagerfeuer.
Monstern sind ihnen keinen begegnet, außer dem freundlich scheinenden Kûosa.
Es brauchte wohl noch etwas Zeit, sich an ihn zu gewöhnen.
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