kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 27.02.2009 - 19:36 |  |
Kap37 – Der Monat im Med-Dorf ~ Ryoma ~
Seufzend strich der Schwertkämpfer durch die Gassen der Stadt. Es hätte ja so ein schöner Monat werden können. Er zusammen – und vor allem in trauter Zweisamkeit – mit seiner liebsten Oto. Aber das konnte er jetzt knicken.
Ryoma ging der Anblick Otos, mit ihren großen, glitzernden Augen nicht mehr aus dem Kopf. Er wusste nun, dass diese Augen nicht für ihn bestimmt waren, sondern für diesen abartigen Fischerjungen. Das dachte er sich zumindest. All diese Anstrengungen die er hinter sich brachte, um Oto zu gefallen, wurden alle von Ama zunichte gemacht.
Innerlich schmollte er und trat einen kleinen Stein. Dieser kullerte etwas umher, bis er gegen eine Metallplatte stieß. Ein metallisches Geräusch ertönte und Ryoma wurde darauf aufmerksam. Über den etwas kniehohen Platten, die an eine Hauswand gelehnt waren, entdeckte er bei näherer Betrachtung ein kleines Ladenschild.
„Schwerter & Schwerter“, las Ryoma laut vor und grinste, als er darauf noch ein kleines Schwert mit Augen und Mund sah.
Er öffnete die Tür und betrat den Laden, was sich auch durch das Klingeln einer kleinen Glocke über der Tür bemerkbar machte.
Sofort kam ein mit Narben gezeichneter, junger Mann, nicht älter als 30, aus dem hinteren Teil des Ladens und stellte sich hinter den Tresen. Der Tresen war aus Glas und in ihm Lagen wunderschöne Schwerter.
„Kann ich ihnen behilflich sein?“, fragte dieser.
Ryoma kam ein wenig näher.
„Sie sind ein Schwertkämpfer, mh? Suchen sie ein Schwert, mh? Kein Wunder, sie sind ja auch in einem Schwertladen! Willkommen im 'Schwert & Schwerter'“, laberte der Verkäufer darauf los und kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus.
Genau so ein Aufstehmännchen konnte Ryoma gerade echt nicht gebrauchen.
„Ich schau mich nur um“, meinte er.
„Also wenn sie Hilfe brauchen, ich bin da, jajaja“, der Verkäufer redete ihm eindeutig zu viel.
Ryoma sah sich die anderen Regale an und betrachtete jedes einzelne Schwert. Er fühlte sich etwas beobachtet und traute sich einen Blick zu erhaschen. Der Verkäufer starrte ihn mit einem unheimlichen Grinsen an. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Deswegen konzentrierte er sich wieder auf die Schwerter.
Ryoma kannte sich zwar nicht wirklich gut mit Schwertern aus, doch er erkannte Qualität auf den ersten Blick.
„Ich muss sagen, diese Schwerter sind hervorragend“, lobte er den Verkäufer.
„Die habe ich alle selbst hergestellt“, erwiderte dieser.
„Sie müssen ja von einem sehr gutem Schmied gelernt haben...“, erwiderte Ryoma, der ein wenig Interesse zeigen wollte. Er spielte schon mit dem Gedanken sich eines dieser Schwerter zu kaufen.
„Ja, habe ich. Er ist schon vor einigen Jahren gestorben. Aber das Kämpfen konnte er mir nicht beibringen. Da brauchte es schon jemand anderen. Er hat mich Tag und Nacht trainiert und.. ach, ich will sie nicht stören, mh...“
„Sie glücklicher...“, seufzte Ryoma auf, „Mein Vater brachte mir einige Dinge bei, aber größtenteils erlernte ich mir meine eigenen Techniken von selbst.“
Der Verkäufer kam hinter dem Tresen hervor und stellte sich neben Ryoma an die Vitrine.
„Darf ich mich vorstellen, Kikitori Hanbai.“
Ryoma musste sich ein Lachen verkneifen.
„Ryoma, Ryoma Sakamoto...“
Kikitori hielt inne.
„Sakamoto?“, wiederholte er und sah Ryoma musternd an.
„Kann es sein, dass du der Sohn von Kenma Sakamoto bist?“
„Du kennst den Namen meines Vaters? Ja... ich bin der Sohn meines Vaters, wieso fragst du?“
„Er war es, der mir das Kämpfen mit dem Schwert beigebracht hat.“
In diesem Moment schoss ein komisches Gefühl durch Ryomas Körper.
„Dein Vater... er behandelte mich wie ein Sohn. Es war kurz nachdem mein Meister verstarb. Ich war allein, hier im Laden....“, erzählte er weiter und ging wieder hinter den Tresen und kramte aus einer Schatulle einen Schlüssel. Danach ging er zum Laden, verschloss diesen, drehte das „Open“-Schild um und sah Ryoma an.
„Komm mit nach oben, ich glaube ich habe dir einiges zu erzählen.“
Ryoma folgte ihm still.
Sie gingen die Treppe hoch. Oben befand sich der Wohnbereich. Alles war recht simpel ausgestattet. Keine großartigen Dekorationen schmückten die Wand oder verzierten den Tisch, keine prunkvollen Pflanzen und Blumen schmückten ein Fensterbrett.
Kikitori bat ihn, sich auf das Sofa zu setzen. Währenddessen ging er in die Küche und kochte heißes Wasser für den Tee. Außerdem legte er noch ein paar Kekse auf einen Teller und stellte diesen vor Ryoma hin.
Als der Tee fertig war, servierte er diesen.
Ryoma sah sich um. Für eine Person reichte der Platz zum wohnen allemal. Aber es sah alles so verlassen und einsam aus.
Als könnte Kikitori seine Gedanken lesen, sprach er: „Ich bin den ganzen Tag im Laden, außerdem muss ich hinten im Hof ja noch die Schwerter schmieden. Da stören Pflanzen und Dekoartikel nur, sie würden ja doch nur einstauben...“
Ryoma nickte still, nahm sich einen Keks und aß diesen.
Kikitori drehte sich um. Neben dem Sofa stand ein Kästchen und aus einer Schublade kramte er ein Bilderrahmen. In ihm befanden sich zwei zerrissene Photos. Einmal waren er und sein Meister darauf zu sehen und auf dem anderen Kikitori und Ryomas Vater.
Er drückte es Ryoma in die Hand.
'Vater...', dachte er sich.
„Wo war ich vorhin stehen geblieben?“, setzte Kikitori sein Erzählen fort, „Ach ja, genau! Ich hatte niemanden, ich kenne meine Eltern bis heute nicht. Mein Meister hat mich liebevoll aufgenommen und mir seit ich klein war die Kunst des Schwertschmiedens beigebracht. Als mein Meister starb, war ich total verzweifelt. Ich saß tagelang deprimiert im Laden. Gegessen habe ich kaum, ich wusste einfach nicht was ich tun sollte. Und dann, eines Tages, kam dein Vater in den Laden. Er sah sich die Schwerter an. Ich weiß noch, ich hatte damals mein erstes eigenes Schwert fertig gestellt und mein Meister wollte es zum Verkauf anbieten. Dein Vater sah alle Schwerter an, auch die meines Meisters. Aber dafür interessierte er sich nicht. Er hatte ein Schwert ganz besonders im Auge. Es handelte sich um mein Schwert.“
Kikitori machte eine kleine Pause und nippte von seiner Tasse Tee.
„Er lobte mich für dieses tolle Stück Kunst als ich ihm erzählte, dass es mein Werk war. In diesem Moment fühlte ich mich wieder kraftvoll. Er... er hat mir so viel gezeigt und erklärt und dass ich nicht um meinen Meister trauern soll, denn er lebe immer noch weiter, in den Schwertern die er geschmieden hatte und in den Fähigkeiten die er mir beibrachte. Es erfüllte mich wieder voll Enthusiasmus! Ich fühlte mich wie neu geboren. Dein Vater hatte Recht mit dem was er sagte und deswegen hatte ich den Laden übernommen. Und du siehst ja was daraus geworden ist.“
„Du hast gesagt, mein Vater brachte dir das Kämpfen bei...“, fügte Ryoma zwischendurch noch mit ein.
Er fühlte sich von seinem eigenen Vater betrogen.
Wieso nur trainierte er einen fremden Jungen, anstelle sich um seinen eigenen Sohn zu kümmern?
„Ja, das stimmt. Er erzählte mir, dass er hier ein paar Nachforschungen machen musste und deswegen ein wenig länger in der Stadt blieb. Während dieser Zeit brachte er mir eben das Kämpfen mit dem Schwert bei. Er meinte ich solle mich selbst verteidigen können. Er erwähnte noch irgendetwas von irgendwelchen Männern... naja, da hängt wohl mein Erinnerungsvermögen.“
Kikitori kratze sich am Hinterkopf und nahm noch einen Schluck vom Tee.
Ryoma saß da. Auf dem Sofa.
Er starrte in seine Tasse. Schwenkte den Tee ein wenig hin und her.
„Was ist mit dem Schwert passiert, dass meinem Vater so gefiel?“
„Er hat es sich gekauft. Dein Vater ließ sich noch Initialen in den Knauf von mir gravieren. 'RS' Aber ich weiß nicht was das bedeuten sollte. Hat er mir gegenüber auch nie erwähnt.“
„RS...“, murmelte Ryoma vor sich hin.
„HEY!“, schrie Kikitori auf, „Das bedeutet doch bestimmt 'Ryoma Sakamoto'! Er hat an dich gedacht! Und er trägt dich symbolisch mit dir herum. Ist das nicht toll?“
Ryoma nickte nur still.
Es herrschte Ruhe. Nur nicht in Ryoma. Er war so durcheinander. Bisher dachte er sich, sein Vater war ein draufgängerischer, cooler und vorbildhafter – auch nur für Ryoma selbst ein Vorbild - Reisender gewesen, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern.
Seine Vorstellung brachen mit einem Schlag zusammen. Ryoma war nun mehr als enttäuscht.
Plötzlich stand er auf, bedankte sich für den Tee und verschwand. Er lief durch die Straßen der Stadt, das Stadttor suchend. Als er es gefunden hatte, verließ er Yofu-Shiti.
[Dieser Beitrag wurde am 28.02.2009 - 19:11 von kazenogaara aktualisiert]
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