kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 588 Nachricht senden | Erstellt am 14.12.2008 - 17:33 |  |
Kapitel 36 – Der Monat im Med-Dorf ~ Ginta & Shiana
Die Tassen klirrten, als das Tablett von Natoku auf den Tisch gestellt wurde. Mit einer Handbewegung signalisierte der alte Mann den beiden vom Tee zu trinken, den er gerade serviert hatte.
Shiana und Ginta saßen in dem kleinen Häuschen, das plötzlich nicht mehr so klein zu sein schien.
Vor einigen Tagen kamen sie im Med-Dorf an. Sie mussten feststellen, dass Otos Eltern schon verstorben waren und zu alle dem brachte sie dieser Alte dazu, einen Monat in diesem Dorf fest zu sitzen, um zu trainieren. Oto und die anderen willigten überrascht mit ein. Oto brabbelte nur etwas von einem Spezialtraining, aber mehr konnte Ginta darüber auch nicht in Erfahrung bringen.
Er beobachtete Shiana, die still neben ihm saß und am Tee schlürfte. Natoku bestand darauf, dass sie während seines Training unbedingt bei ihm sein musste. Aber dieser Grund blieb Ginta vorerst ein Geheimnis.
Beim genaueren Umsehen im Raum, fiel es Ginta plötzlich ein. Das Haus hatte sich wirklich verändert! Alles war ein wenig größer, und wenn man die Tür in der Küche öffnete, kam man zu einem schönen, sonnigen Hof. Wahrscheinlich war genau das der Trainingsplatz. Außerdem gab es oben für Ginta und Shiana ein gemeinsames Zimmer, mit eigenem Bad.
Natoku erwartete wohl, dass die beiden hier auch noch übernachteten. Nun gut, bei den Hotelpreisen in dieser Stadt, war das ein willkommenes Angebot.
„Also Ginta“, fing Natoku an und setzte sich den Zweien gegenüber, „Ab morgen beginnt das Training für dich. Dich Shiana möchte ich bitten, ihn so gut es geht zu unterstützen.“
„Und wie soll ich das machen?“, fragte sie mit zarter Stimme.
„Das wirst du schon sehen wenn es so weit ist. Also zu dir Ginta, ich habe einen ausgefeilten, gut durchdachten Trainingsplan für dich erstellt...“
„Dürfte ich ihn mal sehen?“, erkundigte sich Ginta neugierig.
„Nein“, antwortete der Alte rasch.
Überrascht sah er seinen Gesprächspartner und neuen Trainer an.
„Und wieso, wenn ich fragen darf?“
„Er ist hier drin“, während er das sagte, tippte er mit seinem Finger auf seine Schläfe.
„Na toll“, seufzte Ginta, „Das kann ja was werden!“
Im nächsten Moment kassierte er auch schon eine Kopfnuss, seines neuen Meisters.
„Deine Reaktionen sind sehr langsam, das notiere ich mir gleich...“, sagte der Alte und brachte das Geschirr zurück in die Küche.
„Ach ja, Shiana“, rief er aus der Küche, „Wenn ich dich noch bitten dürfte uns zu unterstützen in dem du dich um das Essen und die Küche im Allgemeinen kümmerst, ist das in Ordnung?“
Ohne groß Anstalten zu machen, gab sie ein verständliches „Ja“ von sich.
So verging der erste Tag und der letzte an dem sich Shiana und Ginta es sich noch gemütlich machen und sich ausruhen konnten.
Am Abend lagen die beiden sich in ihre Betten. Beide teilten sich ein Zimmer, aber zum Glück gab es zwei Einzelbetten, die jeweils an einem Ende des Zimmers lagen. Die Lage war so schön, dass Shiana und Ginta aus dem Fenster sehen und die Sterne beobachten konnten.
Am nächsten Tag hieß es für Beide schon bei Sonnenaufbruch aufstehen und sich fertig machen. Ginta bekam von Natoku Trainingsklamotten. Gut von Klamotten konnte schlecht die Rede sein, da er nur eine beige Stoffhose tragen durfte. Wohinter da wohl der Sinn steckte?
Shiana band sich auch schon eine Schürze um, und durchstöberte die Küche nach Nahrungsmitteln. Da die Ausbeute ihrer Suchaktion nicht gerade gut ausgefallen war, machte sie sich auf den Weg zum nächsten Markt.
Ginta hatte derweil ein Gespräch mit Natoku über sein Training.
„Unser Ziel, Ginta, ist die Erweckung deiner Fähigkeiten, die tief in dir Schlummern. In letzter Zeit müsstest du eigentlich eigenartige Dinge in dir gespürt haben. Aber anscheinend hast du nicht darauf geachtet...“
„Woher... woher weißt du das?“
„Ich lese in deinen Energiewellen. Sie werden Aros genannt und stecken in jeder Ader und jeder Zelle deines Körpers.“
Ginta hörte aufmerksam zu.
„Ich kann sie lesen, da ich das nicht nur schon seit sehr langer Zeit trainiert habe, sondern auch weil ich die Begabung dazu habe. Weißt du Ginta, in jedem Menschen steckt eine bestimmte Begabung. Nehmen wir zum Beispiel deine Freundin Oto. Ihre Begabung ist es, Menschen zu unterstützen und Verletzte zu versorgen.“
„Aha, ich verstehe“, murmelte Ginta und aus reiner Neugier fragte er, „Und was ist meine Begabung?“
„Da wirst du noch selber drauf kommen“, meinte Natoku und lachte.
„Ich kann noch viel mehr aus dir herauslesen, aber das ist jetzt unwichtig. Dann fangen wir ganz von vorne an. In dir steckt also diese Energie, die im Allgemeinen 'Aros' genannt wird. Sie steckt in jedem Menschen, egal wie groß oder klein, dick oder dünn, jung oder alt, männlich oder weiblich dieser ist. Um jetzt diese Energie aber für Kampftechniken nutzen zu können, bedarft es an Training. Zudem kommt noch hinzu, dass es verschiedene Arten gibt, diese Energie einzusetzen. Wie man sich sicherlich denken kann, muss man diese Energie auch wieder erneuern, wenn sie einmal aufgebraucht ist, nicht wahr?“
„Eh, ja natürlich!“
„Das einfachste Beispiel: wenn du einen Tag lang dich bewegst, hier und da hin läufst, dann verbrauchst du etwas von dieser Energie. Was machst du um wieder an Energie zu gelangen?“
„Ich esse etwas oder lege mich schlafen.“
„Genau! Auf diesen Wegen erlangst du wieder an Energie. Durch das Essen nimmt dein Körper die Energie, die in der Nahrung steckt auf und speichert sie. Beim Schlaf ist das ähnlich. Der Körper ruht sich aus und erlangt von selbst wieder an Energie.“
„Es gibt also zwei verschiedene Arten, an Energie zu gelangen? Einmal eine Aktive, das Schlafen und das Passive, das Essen, sehe ich das richtig?“, fragte Ginta.
„Nicht ganz, nicht ganz.“
„Also gibt es mehr?“
„Ja. Es gibt die verschiedensten Arten wieder an Energie zu kommen, diese zwei sind nur die fundamentalsten. Andere Aktivitäten können die Erneuerung von Aros in deinem Körper beschleunigen. Manche hören Musik um sich zu erholen, andere Pflegen ihren Körper, wiederum andere gehen Schwimmen. Du verstehst?“
„Ja klar! Also könnte man sagen, wenn man seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, erneuert sich Aros im Körper?“
„Das stimmt leider nicht ganz. Es gibt Menschen deren Lieblingsbeschäftigungen sie an Aros kostet. Das ganze ist ein wenig verwirrend. Aros unterteilt sich nämlich in einige Energiestränge. So benutzt du Energie um deinen Körper zu bewegen, Energie um zu Denken, Energie um deine Organe zu versorgen.“
„Ach so ist das, also hab ich verschiedenes Aros in mir?“
„Nein, es ist immer noch eine Art, nämlich deine. Jeder Mensch hat eine andere Textur von Aros in sich. Es ist wie der Fingerabdruck eines Menschen, keinen gibt es zweimal. Diese Stränge sind nur die verschiedenen Aufgaben die das Aros in dir vollzieht.“
Ginta verinnerlichte diese neuen Informationen, die er gerade bekam.
„Also fangen wir mit der ersten 'Lektion' an!“
Natoku stand auf und warf sein Shirt, das er an hatte, in eine Ecke des Hofes.
„Steh auf Ginta. Zuerst wirst du deinen Körper kontrollieren müssen. Also machen wir die folgende Woche Krafttraining für dich, um deinen Körper ein wenig zu stählen.“
Ginta tat, was ihm befohlen wurde, stand auf und wurde sogleich von Natoku blitzschnell angegriffen. Geschickt wich er einigen Schlägen und Tritten aus, doch nicht alle konnte er parieren. Ein kräftiger Schlag traf ihn in seinen Magen und Ginta flog einige Meter nach hinten.
„Man sieht, so grundlegende Dinge würdest du schnell erlernen, doch das ist nicht genug.“
Natoku murmelte unverständliches Zeug vor sich hin und ging Ginta entgegen. Er reichte ihm seine Hand und half dem am Boden liegenden hoch.
Diese Woche wurde hart für Ginta. Natoku nahm ihn richtig ran, zwang ihn dazu im Dauerlauf um die ganze Stadt zu laufen, 100 Runden am Tag. Ginta musste Kisten schleppen, Steine verschieben und solche Dinge. Dazu hatte er Natoku als Gegner, der ziemlich fit war. Es war wirklich nicht leicht für den 15-Jährigen.
Shiana unterstützte ihn so gut es ging, in dem sie das Essen vorbereitete. Sie ließ auch jeden Abend eine heiße Wanne für Ginta ein, so dass er sich ein wenig erholen konnte.
Es waren wirklich höllische Strapazen, die er durchmachte. Diese körperliche Anstrengung, dazu so wenig Schlaf. Aber seine Bemühungen waren nicht umsonst. Er hatte schon etwas an Muskelmasse zugenommen, und seine Reaktionsgeschwindigkeit verbesserte sich enorm. Auch die körperliche Stärke, hatte sich mindestens verdoppelt. Ein sehr zufriedenstellendes Resultat des Trainings.
Nach genau einer Woche beschloss Natoku, dass das Körpertraining nun beendet war. Er konnte Gintas Körper nicht noch mehr vorbereiten.
Am ersten Tag der zweiten Woche, konnte Ginta zur Belohnung einmal ausschlafen. Auch Shiana genoss das, da sie selbst auch nicht so früh aufstehen musste. Doch trotzdem konnte sie nicht so lange schlafen. Noch stundenlang lag sie wach in ihrem Bett und starrte zum Fenster hinaus. Dort ragte ein dicker Ast eines Baumes entgegen und zwitschernde Vögel saßen auf diesem.
Sie drehte sich und schlang sich tiefer in ihre gemütliche Decke hinein. Jetzt konnte sie Ginta direkt anschauen, der halbnackt in seinem Bett lag und schlief.
Jedes mal, wenn sie ihn ansah, kam in ihr so ein komisches Gefühl hoch. Er war ihr so vertraut und glich ihr wie ein Beschützer. Er war keine Vaterrolle für sie, aber sie wusste tief in ihr, dass Ginta etwas besonderes für sie war.
Ein bis zwei Stunden später war auch Ginta wach, hatte längst gefrühstückt und befand sich im kleinen Hof wieder.
Grinsend begrüßte ihn Natoku.
„Guten Morgen Ginta! Na, der Schlaf tat doch gut, nicht wahr?“
„Ja, das tat es wirklich.“
„Deine Energiereserven mussten sich wirklich sehr gut erholt haben in dieser Nacht, hehe“
„Was ist unsere nächste Lektion?“, erkundigte sich Ginta der die letzte Behauptung von Natoku eher überhörte.
„In der letzten Woche hast du an körperlicher Ausdauer und Kontrolle gearbeitet und das auch recht gut hinter dich gebracht. Jetzt solltest du anfangen zu lernen Aros zu kontrollieren und auf Energien in und um dir zu hören und sie zu spüren. Glaub mir, das Training letzte Woche war ein Klacks im Gegensatz zu dem was auf dich noch zukommt!“, erklärte Natoku und lachte.
'Ein Klacks!? Er hat mich laufen lassen als hätte ich nichts anderes gelernt und schwere Gewichte schleppen lassen! Und das mit dem Felsen vom einen Ende der Stadt zum anderen Schieben will ich da noch nicht mal erwähnen...', dachte sich Ginta, 'Bin ich mal gespannt was er jetzt von mir verlangt.'
Natoku bemerkte wie Ginta nachdachte und führte seine Erklärungen fort: „Ich möchte, dass du meditierst und versuchst in dir und um dir alles wahrzunehmen.“
„Das war es schon?“
„Momentan ja. Voraussetzung ist, dass du hier sitzen bleibst, egal was passiert, ok?“
„Von mir aus“, meinte Ginta ohne groß darüber nachzudenken.
„Ach bevor ich es vergessen, es gibt keine Pausen und du darfst erst aufhören wenn ich es sage, verstanden?“
Natoku stand auf und ging zurück ins Haus. Ginta konnte ihm nur komisch starrend nach gaffen.
Da blieb dem Schüler wohl nichts weiter übrig, als sich auf den Boden zu setzen, seine Augen zu schließen und anfangen zu meditieren.
Er atmete noch ein letztes Mal tief ein und wieder aus, danach beruhigte er seine Atmung und er merkte, wie sein Herz langsamer schlug.
Zuerst versuchte er erstmal seine Gedanken zu lassen und schaffte es sich dem „nichts denken“ zu nähern. Plötzlich spürte er so vieles. Sanft strich der Wind über seine Haut, wurde mehr und mehr stärker. Es war etwas kalt, deswegen stellten sich seine Häärchen auf.
Er nahm das raschelnde Laub der Bäume, die sich im Wind hin und her bewegten war. Sein Gefühl sagte ihm, dass er es richtig mache.
Das Grinsen wollte Ginta schon anfangen, als er plötzlich etwas auf seiner Nasenspitze spürte. Plötzlich wiederholte sich das Gefühl auch auf seiner Hand, und ein drittes mal auf seinem Rücken. Es wurden immer mehr und mehr von diesen kurzen Wahrnehmungen auf seiner Haut, bis er realisierte, dass es nieselte. Die Wassertropfen fielen schon fast rhythmisch vom Himmel und landeten auf ihm. Anfangs war es noch angenehm, wie eine sanfte Dusche, doch es wollte natürlich nicht so bleiben. Der Regen wurde immer stärker bis es aus Strömen goss.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Shiana den Tee für Natoku gemacht und gemerkt dass es regnete. Fragend sah sie den Alten an.
„Mach dir keinen Kopf“, antwortete er, „Er wird nicht krank und es passiert ihm nichts...“
Shiana wollte es nicht ganz glauben, doch sie wollte Ginta nicht in seinem Training unterbrechen, also saß sie sich stillschweigend auf das Sofa, mit dem Blick nach draußen gerichtet.
Ginta hörte jetzt nur noch das Rauschen das ihm umgab und spürte nur noch die kalten und nassen Regentropfen auf seinem Selbst.
Eigentlich wollte er aufstehen und ins Haus, doch er wusste dass er das nicht durfte und dass er das durchziehen musste. Also versuchte er den Regen so gut es ging zu ignorieren und wieder auf sein Innerstes zu hören.
Ginta kam in einen komischen Bewusstseinszustand, in dem er sich selbst nicht richtig zurechtfand. Äußere Geschehnisse konnte er überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Es war, als wäre er in einem Raum, in sich selbst und würde von der Außenwelt nichts mitbekommen. Das war der erste Schritt sein selbst etwas besser kennen zu lernen.
Es war nun wie, als wäre er wieder in diesen Träumen, in denen Shiana ihn gerufen hatte. Ein komisches Gefühl, sich so in sich zu bewegen und sich so zu erforschen. Aber er musste es durchziehen.
Gleitend bewegte er sich durch sein Selbst und fand Energien die er zuvor noch nie so gespürt hatte und sah Farben und Lichter in sich, die er noch nicht zu deuten wagte.
Sie beeinflussten ihn in seinen Gedanken, die Energien, die jede mögliche Farbe an nahmen. Jedes Mal schoss es ihm durch seinen ganzen Körper, wenn er versuchte sich einer Energie zu nähern. Dann ließ dieses Gefühl wieder nach und etwas anderes machte sich in ihm breit. Hin und wieder spürte er auch eine Welle in sich, wie als würde seine Energien etwas anschubsen.
Letztendlich fand er eine Energie in sich, die so gewaltig war, dass er sich kaum traute ihr näher zu kommen. Eine Energie, die gewaltiger hätte nicht sein können.
Was war das bloß? Kam das wirklich von ihm, oder woher hatte dies seinen Ursprung.
Er wusste es noch nicht und würde es die nächste Zeit sicherlich auch nicht ohne viel Aufwand erfahren.
Mutig glitt er dieser Energie entgegen und nahm sie in sich auf.
In diesem Augenblick merkte er, dass sich seine äußerste Wand etwas verschob. Sie dehnte sich aus. Ja! Jetzt merkte er, dass sich seine Aura ausweitete und wieder Signale von Außen zuließ.
Jetzt konnte er sich wieder sehen. Wie er dort saß, auf dem Boden in dem Hof. Plötzlich merkte er viele kleine Dinge, die er so nie hätte gesehen, geschweige denn Gespürt. Er sah vor seinem inneren Auge eine Ameise, die sich ihren Weg um ihn herum bahnte und er weitete seine Aura noch mehr aus. Es erschien ihm noch mehr vor sich. Vögel die über ihn flogen, Pflanzen die zwischen den Pflastersteinen durch wuchsen. Und alles, alles hatte seine eigene Energie.
Ginta spürte sie, er spürte sie deutlich um sich herum. Harmonisch waren sie, die Energien der Tierchen und der Pflanzen. Als wirkten sie zusammen, als wären sie eins.
Er spürte noch etwas. Es passte nicht so ganz in die schöne Harmonie der Umgebung und es wirkte etwas eigenartig, aber doch vertraut auf ihn.
Konzentriert darauf, strengte Ginta sich noch etwas an und fing an sich ein Bild in seinem Inneren
auf zu bauen. Erst war es etwas unscharf, doch mit der Zeit konnte er es immer klarer erkennen. Die Neugier packte und er öffnete seine Augen.
Vor ihm stand Shiana.
„Ginta, ich solle dir sagen, dass du genug meditiert hast.“
„Shiana?“, er sah sich um, es war Tag.
„Du sollst anscheinend fertig sein und ich solle dir das sagen. Das hat mir Natoku aufgetragen“, meinte sie und grinste ihn verlegen an.
„Schon fertig?“, wunderte er sich, „Aber ich hab doch erst angefangen...“
„Das ist vier Tage her“, kicherte Shiana, wohl erfreut über die erstandene Verwirrung in Ginta.
„VIER TAGE!?“, brüllte er.
Shiana nickte, „Vier Tage...“
„Aber... aber...“, versuchte er sich zu rechtfertigen, „Ich habe angefangen etwas zu spüren und dann ging ich in mich und.. dann war ich wieder hier... das konnte doch keine vier Tage dauern!?“
„Doch“, erwiderte Natoku der gerade aus dem Haus schritt, „Ich hatte damit gerechnet, dass du mindestens eine Woche brauchst, du bist recht schnell, das muss man dir lassen.“
„Vier Tage“, murmelte er vor sich hin.
„Ich hab deine Entwicklung verfolgt...“, erzählte Natoku, „Du warst in dir und hast gelernt deine Umgebung ebenfalls wahrzunehmen. Nur war deine Wahrnehmungsreaktion und das Zeitgefüge nicht gleich. Es ist noch so, dass du etwas mehr Zeit brauchst um etwas wahrzunehmen als es in der Jetzt-Zeit passiert. Shiana sitzt zum Beispiel schon seit dem Sonnenaufgang vor dir.“
„Oh, so ist das...“
„Du hast auch deine Energien, also die verschieden Ströme von Aros in dir entdeckt. Du müsstest jetzt locker in der Lage sein dein Aros besser zu kontrollieren. Was auch schon der dritte Schritt in deinem Training darstellt. Die Kontrolle und Benutzung von Aros innerhalb und außerhalb deines Körpers.“
„Außerhalb?“, wunderte sich Ginta.
„Ja, in dem du Aros materialisierst.“
Natoku setzte sich auf den Boden vor Ginta, nahm seine Hände und erklärte weiter.“
„Was meinst du, wieso wir unsere Hände für die meisten Aktivitäten benutzen?“
„Weil das eines der Körperteile ist, mit denen man...“, Ginta musste nachdenken.
„Mit denen man?“, wiederholte Natoku.
„Mit denen man einfach am Finger fertigsten ist?“, antwortete Ginta.
Der Alte musste lachen.
„In den Händen steckt sehr große Technologie. Das Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Aros ist dort höchst entwickelt. Die Finger und die Handflächen bilden zusammen ein Meisterwerk deines Körpers.“
„Stimmt“, fasste Ginta zusammen, „Man schreibt mit den Fingern, man isst, man kann Dinge benutzen, Dinge herstellen, und all das nur mit unseren Händen.“
„Es kommt noch mehr dazu. In den Händen stecken große und viele Rezeptoren, die fühlen. Es gibt so viele Beschäftigungen und auch Berufe in denen es höchst wichtig ist, seine Hände unter der größten Kontrolle zu haben. Und das will ich dir auch beibringen.“
Es war wieder einmal ein wunderschöner Tag. Die Sonne schien und es gab keine Spuren von dem letzten Regenfall. Ginta sollte gerade beigebracht bekommen, das Aros innerhalb und außerhalb seines Körpers zu kontrollieren.
„Ginta ich möchte, dass du dich erinnerst, was du in letzter Zeit erlebt hast im Bezug auf deinen Körper. Gibt es irgendetwas dass dir aufgefallen ist?“
Ginta grübelte nach.
„Ja!“, fiel es ihm plötzlich ein, „In den Kämpfen die ich bisher voll stritten habe, konnte ich einige neue Dinge spüren. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich in der Lage war Druckwellen von mir zu geben. Einige Male ist es auch passiert, dass meine Hände komisch geleuchtet haben...“
Natoku sah seinen Schüler sehr interessiert an.
„Gut, dann fange ich mal an alles zu erklären. Die Druckwellen haben mit dem Aros in dir zu tun. Du hast dein Aros materialisiert, in Form von Luft, die sich dann druckwellenartig bewegt hat. Das ist bisher noch eine simple Form der Materialisierung. Die neuartigen Energien in dir, hatte ich in den letzten Tagen nicht gespürt, also kann es nur an etwas gelegen haben, was in deiner näheren Umgebung passierte.“
Natoku nahm ein Schluck aus einer Wasserflasche, die Shiana gerade brachte.
„Zuletzt fehlt noch das Geheimnis mit deiner leuchtenden Hand. Das ist schon eine höherstufige Form der Materialisierung deines Aros, wobei das eine spezielle Form ist. Um genauer zu sein, handelt es sich hierbei um eine Technik die dein Vorfahre entwickelt hat. Er nannte sie Genkioken.“
„Genkioken?“
„Ja, das Genkioken. Er konzentrierte sein Aros in seinen Händen und erzeugte somit eine Flamme.“
„Eine Flamme? Er konnte einfach so Feuer aus seinen Händen bekommen?“
„Es war kein Feuer. Es war sein Aros, das sich mit der Luft verband und sich als Flamme materialisierte.“
„Was konnte er damit machen?“, fragte Ginta neugierig, der schon alles um sich herum vergaß und sich total auf das Gespräch konzentrierte.
„Er hatte spezielle Techniken, die er selbst entwickelt hatte, deswegen gibt es kaum Aufzeichnungen darüber. Selbst seinen engsten Freunden und Kameraden verriet er nichts über seine Techniken.“
„Wollte er das Risiko ausschließen, dass ihn jemand kopieren konnte?“
„Er wollte, dass keiner die Schwachpunkte in seiner Technik kennen lernt.“, erklärte der Alte, „Deswegen kann ich dir auch nicht viel über diese Technik beibringen. Ach, bevor ich es vergesse...“
„Ja?“
„Es gibt bestimmte Stufen von Genkioken. Normalerweise beginnt man damit das Aros in seinen Fingerspitzen zu materialisieren, das wäre die erste Stufe. Dann kommt die ganze Hand dran, die zweite Stufe. Eine leuchtende Hand ist der Beweis, dass du es schon auf die dritte Stufe geschafft hast, was mich ziemlich irritiert.“
„Wieso denn?“
„Gaara schaffte es nicht von Anfang an auf die dritte Stufe. Er brauchte hartes und langes Training um die ersten zwei Stufen hinter sich zu bringen.“
„Gibt es auch mehr als diese 3 Stufen?“
„Ja“, antwortete Natoku knapp, „Bis zu 5 Stufen. Aber man sagt sich, dass Stufe 4 sehr gefährlich sei. Man würde körperliche Verletzungen von sich tragen...“
„Und bei Stufe 5?“
„...“
Stille.
„Und was passiert bei Stufe 5??“, wiederholte sich Ginta.
„Stufe 5 würde der Körper nicht überleben...“
Ginta riss seine Augen auf.
Man solle diese Stufe nicht überleben? Was war das für eine gefährliche Technik, die einen mit dem Tod bestraft.
„Deswegen ist es wichtig, Ginta, dass du das Genkioken zu beherrschen lernst, denn eine nicht vorhandene Kontrolle weckt großes Risiko... Du willst dich doch nicht selber umbringen, oder?“
Wild schüttelte er mit dem Kopf.
„Nein! Auf keinen Fall!!!“
„Gut, dann fangen wir an das Aros außerhalb deines Körpers zu materialisieren.“
Der neue Trainingsabschnitt begann, und Natoku zeigte und lehrte ihm die nächsten Tage, wie er sein Aros kontrollieren konnte. Bald konnte Ginta seine Druckwellen kontrollieren und weiterentwickeln.
Das Training war hart. Tagsüber lehrte ihn Natoku die wichtigsten Dinge über die Kontrolle seiner Energien und nachts forschte er heimlich an seinem Genkioken weiter.
Shiana stand ihm in dieser Zeit immer beiseite und unterstützte sie so gut sie konnte. Sie ermutigte ihn und umsorgte ihn mit Essen. In Zeiten in denen sie nichts zu tun hatte, verschwand sie in die Bücherei und las einige Bücher. Dort traf sie auch ab und zu mal Jumon, der Nachforschungen betrieb.
Eine weitere Woche verstrich und Ginta kam seinem Trainingsziel immer näher.
Es blieben noch einige Tage der letzten Woche übrig, als Natoku Ginta auf sein letztes Trainingsabschnitt ansprach.
„Ginta, ich bin stolz auf dich.“, fing der Alte an zu reden, „Du hast in dieser Zeit gelernt, deinen Körper zu kontrollieren, deine Energien zu spüren und zu gebrauchen und das beides in einer sehr guten Kombination gemeistert. Deine Entwicklung läuft schneller als ich es anfangs erwartet hatte.“
„Vielen dank“, bedankte sich Ginta, „War aber trotzdem kein Zuckerschlecken.“
„Das weiß ich. Aber leider kommst du um die nächste Aufgabe nicht herum. Klar hast du sehr große Vorteile, wenn du dich weiterentwickelst, deinen Körper und dein Aros perfekt unter Kontrolle hast, aber was bringt dir das viel auf deinen Reisen, wenn du in einem Team agieren musst?“
„Stimmt“, bemerkte Ginta niedergeschlagen, „Das habe ich in letzter Zeit total aus den Augen verloren...“
„Im Team zu kämpfen ist eines der wichtigsten Dinge, die du meistern musst. Vor allem weil du doch die Verantwortung für deine Freunde hast, oder?“
Natoku wendete seinen Blick und sah Shiana an, die gerade die Blumen goss.
Ginta wurde leicht rot.
„Aber sicher doch, nichts ist mir wichtiger als meine Freunde zu beschützen!“
Hatte er das gerade wirklich gesagt? War der Grund, wieso er bei diesem Training mitmachte nicht der, gegen die Shal anzukommen? Oder änderten sich seine Absichten nun, wegen dieser einen Person? Kein Wunder, warum Natoku am Anfang des Trainings darauf bestand, dass sie bei ihm sei um ihm zu unterstützen. Es war nicht der Grund dass Ginta das nicht allein schaffen würde. Nein! Es war aus dem Grund, dass Ginta seine Absichten änderte und seine Rachegelüste verminderte.
„Da ich deine Freunde nicht kenne, kann ich dir mal wieder nichts besonderes beibringen, außer dir zu zeigen wie du deine Energie mit einer anderen Person vereinst...“
„Sie meinen eine Art Combo-Angriff?“
„Auch“, meinte Natoku, „Es dient nicht nur einem Gemeinsamen Angriff, nein, durch diese Kombination eurer Energien kann man noch viel mehr Dinge machen!“
„Wie schaffe ich das?“, fragte Ginta.
„Ihr müsst euch gegenseitig öffnen...“, antwortete Natoku und rief Shiana. Sie kam sofort und sah den Alten Mann fragend an.
„Shiana, jetzt ist es soweit“, sagte er.
Nachdem Shiana nickte, ging er ins Haus und ließ die Zwei allein.
„Natoku hat mir schon vor einiger Zeit erklärt, wie wir jetzt trainieren müssen, vertrau mir einfach, okay?“
Ginta nickte und starrte sie an, wohl erstaunt darüber dass sie in diesem „Plan“ schon eingeweiht wurde.
Jetzt standen sich beide gegenüber. Shiana streckte ihren Arm aus und öffnete ihre Handfläche. Ginta legte seine Hand auf ihre.
Er erinnerte sich an die Worte Natokus: „Ihr müsst euch gegenseitig öffnen...“
Das versuchte er. Erst konzentrierte Ginta in dem Zentrum seines Körpers und ließ sie dann gleichmäßig verteilen. Er öffnete all seine Energieressourcen und übertrug auch ein Teil seiner Energie auf Shiana. Sie schaffte es auch sich komplett zu öffnen.
So tauschten beide ihre Energien aus.
Anscheinend gefiel es beiden, denn nicht nur die schönen, warmen Energieströme beruhigten sie nein auch das Bewusstsein das gemeinsam zu teilen und zu erleben. Ein tolles Gefühl, dachte Ginta und Shiana kicherte. Sie musste es wohl auch gedacht haben.
Jetzt konnten sie sogar schon beider Gedanken lesen.
Sie verharrten noch eine Weile so, bis Ginta abbrechen musste.
„Das strengt ganz schön an, sich so zu konzentrieren, nicht wahr?“
Shiana nickte wieder.
In den nächsten Tagen versuchten sie es erneut und es klappte immer besser, sich so zu vereinen.
Somit war Gintas Training abgeschlossen.
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