kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 24.08.2008 - 14:04 |  |
Kapitel 32 - Eine wilde Zugfahrt
Der Schaffner pfiff kräftig in seine Pfeife und der Zug fuhr los. Heißer Wasserdampf entwich aus allen möglichen Öffnungen der pechschwarzen Lock. Die Räder bewegten sich und setzten den ganzen Zug in Fahrt. Unter Volldampf verließ der Passagierzug den Bahnhof Kisha Citys.
Ginta, Ryoma, Oto, Sayoko, Jumon und Shiana setzten sich in einen recht leeren Waggon und machten erstmal eine Verschnaufpause.
„Das war lustig“, fing Ryoma an zu lachen.
„Ein toller Kampf, leider ist uns Sara entwischt“, meinte Ginta.
„Zum Glück haben wir noch den Zug erwischt“, lachte nun auch Jumon und die anderen schlossen sich ihm an.
Nur Shiana saß ruhig am Fenster, gegenüber von Ginta, der sie beobachtete. Sie sah aus dem Fenster und betrachtete die schönen schnell vorbeiziehenden Landschaften.
Was war sie doch für eine geheimnisvolle Person.
Ginta fühlte bei ihr etwas komplett anderes, als er es bei seinen Freunden gespürt hatte. Ryoma, Oto, Sayoko und Jumon strahlten etwas Freundliches, etwas Wichtiges für ihn aus, das sie so vertrauenswürdig und freundschaftlich machte. Shiana war aber eine komplett andere Person und auch das Bauchgefühl Gintas war anders. Sein Herz schlug schneller und es wurde ihm ganz warm, jedes mal, wenn sie ihn ansah.
Ihr blaues Haar glänzte im Sonnenlicht. Ihr zartes Äußeres ließ sie vollkommen unschuldig aussehen. War es wirklich die Person, die in Gintas Träumen aufgetaucht war und ihn immer wieder aufgesucht hatte? Es musste so sein, beschloss Ginta.
Aber wie schaffte sie es, in Gintas Kopf zu kommen? Und die wichtigste Frage: Was wollte sie überhaupt von ihm? Was für ein Ziel verfolgte sie?
Fragen, auf die es momentan noch keine Antworten gab.
Jumon und Ryoma bemerkten es zwar nicht, aber Oto und Sayoko sehr wohl. Die beiden brachten die anderen Jungs dazu, mit ihnen in einer Vierergruppe zu sitzen, sodass Ginta und Shiana allein zusammen saßen. Ja, man merkte, dass die zwei etwas Mysteriöses verband, das noch keiner wirklich verstehen konnte.
Es war ein wunderschöner Tag, die Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg zwischen vorbeiziehenden Wolken und die Luft war angenehm warm. Ginta öffnete einen Spalt des Fensters und sofort strömte frische Luft in den Waggon. Shianas Haare flatterten, genauso wie Gintas, in diesem Wind. Von draußen hörte man das Rattern der Räder über die Gleise.
Jumon beschäftigte sich wieder einmal mit einem seiner Bücher, die er sich mitgenommen hatte. In diesem handelte es von einem Geisterclan, der tief in den Höhlen der Berge lebte und dort seine Erfahrungen mit Gaia machte. Es interessierte Jumon anscheinend sehr.
Sayoko unterhielt sich mit Oto. Trotz der Ereignisse auf der Fähre, bei Jumons zu Hause und der eigentlich fehlenden Schulden Otos waren die beiden ziemlich gute Freundinnen geworden. Nun ja, bis auf das Hinzukommen Shianas waren beide die einzigen weiblichen Gruppenmitglieder.
„Wir sollten mal ein Frauengespräch mit Shiana führen“, flüsterte Oto zu Sayoko. „Außerdem will ich etwas mehr über sie erfahren.“
„Eine gar nicht mal so schlechte Idee, das muss ich zugeben“, antwortete ihr Sayoko.
„Wie alt sie wohl ist?“
„Mh... Sie schaut relativ jung aus, oder?“
„Sie könnte in meinem Alter sein“, meinte Oto, die Shiana unauffällig ansah.
„Das stimmt... Ich schätze sie auf sechzehn Jahre ein.“
„Ich schließe mich dir an.“
Während alle ihrer Beschäftigung nachgingen, starrte Ryoma gelangweilt an die Decke.
Plötzlich hörte er Schritte. Als die Schritte lauter wurden, entdeckte er Einwölbungen an manchen Stellen, als ob jemand auf dem Zug laufen würde.
„Ehm, Leute“, fing Ryoma an. „Ich will euch ja nicht beunruhigen, aber...“
„AHHH!!!“, schrie ein kleiner Junge, der gerade in den Waggon gestürmt kam. „Verfolgt sie!“
Der kleine Junge, der eine für ihn zu große Lokführermütze aufhatte, brüllte durch das ganze Abteil und rannte auf zum nächsten.
„Na toll“, seufzte Sayoko. „Da will man einmal pausieren und dann gibt es wieder Ärger! ARGH!“
Sayoko knirschte mit den Zähnen, ballte ihre Faust und sprang aus ihrem gemütlichen Sitz.
Ginta und die anderen standen genervt auf und nahmen die Verfolgung des Jungen auf.
Nachdem sie einige Abteile durchquert hatten, erwischten sie endlich den Jungen, der gerade auf das Dach kletterte.
Sayoko zog ihn an seinem ärmellosen T-Shirt wieder nach unten und blickte ihn böse an.
„Lass das, Kleiner“, warnte sie den Jungen mit den kurzen braunen Haaren. „Jetzt sind wir da und helfen dir...“
„Da oben!“ Er zeigte mit dem Finger auf das Dach des Waggons.
„Wir kümmern uns darum“, sagte Sayoko zum Abschied, schubste den Jungen zurück ins Abteil und schloss die Tür.
Ginta und Ryoma kletterten zuerst hinauf, danach folgte ihnen Jumon, Oto und Sayoko. Zum Schluss kletterte Shiana noch vorsichtig auf das Dach.
„Haltet euch gut fest! Und seid bitte vorsichtig!“, brüllte Ginta, der vorausging.
Bei dieser Fahrtgeschwindigkeit war es ganz schön windig. Gintas Umhang flatterte wild umher. Die Frisuren der anderen wurden auch ziemlich durcheinander gebracht.
Sayoko grummelte nur.
„Da vorne sind Shal!“, erkannte Ryoma und stürmte nach vorn.
„Was wollen die jetzt schon wieder?“, seufzte Ginta und sah nach hinten, um sicherzugehen, dass es Shiana gut ging.
Zögerlich lief sie voran. Oto half ihr ein wenig, einen festen Stand zu behalten.
Ganz hinten befand sich ein Waggon, der sich farblich von den anderen unterschied. Dort sammelten sich auch acht bis zehn Shal - die genaue Zahl war aus der Entfernung nicht näher bestimmbar.
Wie schon gesagt stürmte Ryoma gerade auf die Gruppe Shal zu. Jumon und Sayoko folgten ihm sofort.
Ginta blieb lieber noch bei Oto und Shiana, um sicherzugehen, dass ihnen auch nichts passieren könnte. Bei Shal wusste man ja nie, wo und wann sie sich versteckten.
Ryoma zückte sein Schwert und stürzte sich auf einige der Shal, die Gintas Gruppe längst bemerkt hatten.
Die meisten Shal waren ebenfalls mit Schwertern bewaffnet, also hatte Ryoma wohl am meisten Spaß. Er stieß zu und führte einen erbitterten Kampf mit seinen Kontrahenten. Sayoko und Jumon machten sich mittlerweile dafür bereit, ihre Beschwörungstechniken anzuwenden. Ein Schneemann und ein einfacher Schatten kamen wie aus dem nichts hervor und kämpften gegen Shal.
Ohne irgendwelche Störungen fuhr der Zug weiter und erreichte langsam eine riesige Holzbrücke.
Besiegte Shal fielen vom Zug und stürzten in ein tiefes Tal. Jetzt blieben nur noch eine Hand voll Shal übrig, die gerade versuchten, ein Dach mit einem Bohrer zu öffnen.
Ginta hatte genug. Er bat die anderen, wieder zurück in den Waggon zu gehen und ihm den Rest zu überlassen. Ginta plante etwas, von denen die anderen momentan noch nichts verstanden.
So verließen sie die Dächer. Doch eine blieb übrig. Shiana stand weiter auf der Leiter und sah Ginta zu.
Zuerst lenkte er die Shal ab. Er provozierte sie mit doofen Sprüchen und wie er es geplant hatte, griffen sie an. In diesem Moment sprang er vom Dach in die Tiefe des Tales.
„GINTA!!!“, schrie Shiana und blickte seitlich dem Zug entlang.
Genau jetzt fuhr der Zug in einen Tunnel hinein und die Shal stieß es vom Dach hinab in den Tod.
„Ginta, du Idiot...“, flüsterte das Mädchen mit den blauen Haaren.
„Wieso bin ich ein Idiot? Ich habe die Shal fertig gemacht“, prustete Ginta, der auf einmal hinter Shiana wieder auftauchte.
„Ginta!“
„Meinst du, ich lass mich so schnell besiegen?“, lachte er. „Es war doch ein so einfacher Plan... Lass uns zurück zu den anderen gehen.“
Beide gingen zurück in das Abteil und wurden von dem Rest der Gruppe schon erwartet.
Ginta erklärte, wie sein Plan ablief.
Mitten in der Unterhaltung stieß der kleine Junge wieder hinzu.
„Hey du! Alte Schramme, ich wollte der Held sein!“, beschwerte er sich und erhob drohend seine Faust gegen Sayoko.
„Willst du mich etwa herausfordern?“, grummelte die sehr genervte Sayoko.
„Hey ihr zwei, das reicht jetzt“, unterbrach Oto den aufkommenden Streit.
„Pöh!“ Der Junge drehte sich um und ging. Der Schaffner kam nun der Gruppe entgegen.
„Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass Poko so viele Probleme gemacht hat und gleichzeitig möchte ich mich auch bedanken, dass Sie uns gerettet haben. Sie haben extrem teure Juwelen gerettet, die sich in dem letzten Waggon befinden.“
„Das haben wir doch gerne gemacht“, meinte Sayoko sarkastisch, doch der Schaffner verstand diesen Sarkasmus nicht und grinste weiter dankend.
„Um was für Juwelen handelt es sich denn dabei?“, erkundigte sich Jumon neugierig, während er gleichzeitig sein Buch weiter las.
„Das sind Juwelen aus extrem seltenem Monderz. Man munkelt, sie hätten eine magische und verführerische Wirkung auf den Träger.“
„Ach so ist das, na dann.“
‚Juwelen... Seltenes Monderz...’, hallte es in Gintas Kopf wieder.
Um was handelte es sich dabei? Ginta merkte schon, dass etwas Eigenartiges an der Sache war. Warum sollten sich die Shal für Juwelen interessieren?
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