kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 24.03.2008 - 14:56 |  |
Kapitel 29 - Sayokos Blut II
Da standen sie nun. Zusammen mit Sayoko in der Mitte eines riesigen Saales, umgeben von lauter Shal. Sayoko fasste es immer noch nicht, dass die anderen sie gefunden hatten und ihr sogar halfen. Sie war doch bisher so kalt zu ihnen gewesen. Sie versuchte ja keine Freundschaften einzugehen. Aber trotzdem war das passiert. Wieso nur? Ein komisches Gefühl machte sich in ihr breit. Es fühlte sich warm an und als ob tausende Dinge in ihr rumkrabbeln würden. War es etwa Liebe?
Nein, das konnte nicht sein.
Sie schaute sich um. Sie sah in die Gesichter von Ginta, Oto, Ryoma und Jumon. Wieder durchfuhr sie dieses Gefühl.
Einerseits hatte sie Angst, aber diese verflog schnell. Andererseits wollte sie dieses Gefühl nie wieder verlieren. Es fühlte sich für sie so unbeschreiblich toll an.
„Danke...“, nuschelte sie.
„Lasst uns beginnen!“, rief Ryoma und strecke seinen Arm provokant nach oben.
Es begann.
Gleich zu Anfang stürmten einige Shal auf Ryoma und Ginta zu und attackierten sie mit Schwertern und Schlagstöcken. Für Ryoma war es wirklich nicht schwer, gegen fünf solche Schwertkämpfer gleichzeitig anzutreten. Seine Bewegungen und die des Schwertes waren eins. Sie bildeten sozusagen eine Einheit.
Ginta bekämpfte andere mit seinem Stab.
Oto blieb in der Mitte und unterstützte alle, so gut es nur ging. Sie warf ein paar Wurfmesser und erledigte einige Shal.
Jumon beschwörte wieder einen seiner Geister, der für ihn kämpfte. Dieser war sehr wendig. Er hatte lange Arme und noch längere Beine. Seine Krallen bohrten sich in viele Körper.
Sayoko war immer noch so fasziniert davon, wie sehr sich diese vier Personen für sie einsetzten. Sie hob ebenfalls ihr Schwert und stürzte sich in das Getümmel.
Besonderst sie bekam viel Unterstützung von Oto. Für einen Moment vergas sie den ganzen Schmerz, den sie durch ihren Vater ertragen hatte. Sie fühlte sich frei. Frei wie der Wind.
Der Kampf ging weiter. Ginta attackierte nun auch mit Windstößen und schleuderte so mehrere Shal gleichzeitig zurück. Der ganze Kampfablauf veränderte sich. Dieser magische Angriff von Ginta machte die Magier der Shal auf ihn aufmerksam. Ginta kletterte wieder auf eine der Fensterbänke und attackierte weiter mit seinen Wind-Attacken. Jumon kämpfte an der Seite des Geistes und Ryoma kümmerte sich nun nur noch um die Nahkämpfer. Kleine Wunden, die alle davon trugen, heilte Oto schnell und so ging der Kampf weiter.
Sayoko tanzte fast durch die Menge der Shal und erledigte einen nach dem anderen.
Die Magier unter den Shal begannen nun Zauber wie Pecubir, eine Art Erdbeben, oder Sorka, eine Donnerklinge, aufzusagen und schwächten die fünf enorm. Ginta und Oto wehrten aber die meisten dieser Attacken mit den entsprechenden Winden oder Wassertürmen ab.
Als ungefähr die Hälfte der Shal auf dem Boden lag, stürmten wieder genauso viele Shal von den Eingängen in den Saal herein.
Ab und zu konnte man ein Lachen von Sayokos Vater, Goyoko, hören. Das spornte Sayoko nur noch mehr an.
Jeder unserer Freunde konnte spüren, welche geballte Kraft sie entwickelte.
Der Kampf hörte nicht auf. Glücklicherweise stoppte der ‚Nachschub’ der Shal.
„Gib dich geschlagen, Sayoko“, sprach ihr Vater. „Du wirst den Tod deiner Mutter niemals rächen! Niemals, hast du verstanden!?“
Er fing wieder an, so verrückt zu lachen und nippte an seinem Wein.
Sayoko blieb stehen. Um ihr herum lag ein Haufen von reglosen Körpern. Sie entwickelte eine immense Aura, die für jeden spürbar wurde.
Die Konzentration aller lag nicht mehr auf dem Kampf, nein, sie blickten alle zu Sayoko. Langsam schritt sie dem Gitter entgegen.
„Wir glauben an dich!“, rief Ginta, der wieder dabei war, Magier auszuschalten.
„Du packst das schon!“, erwiderte Ryoma.
Dabei wussten alle gar nicht, was Sayoko nun vorhatte. Sie krallte sich mit ihren Händen an dem Gitter fest, das darauf hin anfing zu rütteln. Sie bewegte sich nicht großartig, weswegen dies ziemlich komisch aussah. Auf einmal zersprang das Gitter in tausend kleine Teile, die in alle Richtungen flogen.
Ihr langes Haar hing ihr über das Gesicht.
Sie ging weiter die Treppen hoch und stand vor ihrem Vater. Goyoko drückte wild alle Knöpfe seines Throns und versuchte sich auf irgendeine Art zu retten, was jedoch nicht klappte. Sayoko hob ihre Faust und schlug ihren Vater vom seinem Sitz, sodass er auf dem Boden lag.
Wiederholt hob sie ihre Hand und schleuderte nun eine schwarze Energiekugel auf ihn. Wie gelähmt lag er auf dem Boden.
Es herrschte Stille. Alle Shal waren nun von Ginta, Ryoma, Oto und Jumon komplett besiegt worden. Gespannt sahen sie dem Geschehnis zu.
„Böse Seele, wandelst du durch dunkle Pfade?“, sprach Sayoko. „Böse Seele, finde deine Ruh’!“
Sie schlenderte zu ihrem Vater hin, kniete sich neben ihn und zog ihren Dolch aus der Halterung unter ihrem Mantel. „Böse Seele, finde deine Ruh’!“
Tränen der Trauer und auch der Erleichterung kullerten ihr Gesicht hinab. Ein paar davon tropften auf den Körper ihres Vaters.
Mit zitternder Hand rammte sie ihren Dolch in das Herz ihres Vaters.
Die Stille wollte sich nicht legen. Ryoma drückte die weinende Oto an seine Brust. Jumon sah nur zu. Ginta, der sein Amulett in seinen Händen hielt, spürte den Schmerz, den Sayoko durch machen musste. Er verstand sie nun. Er verstand, was sie fühlte, wie sie dachte. Alle vier standen nun beisammen, nachdem Ginta wieder heruntergeklettert war.
Sayoko lag weinend an ihrem Vater. Der durch das Blut beschmutzte Dolch lag in ihrer Hand.
„Mutter...“, flüsterte sie. „Mutter... Ich habe es geschafft. Vater ist nun tot. Er wird niemandem mehr etwas antun... Warum... Warum hast du mir nie geantwortet? Ich habe doch nur die Wahrsagerei gelernt, damit ich einmal mit dir reden kann... Ich... Ich vermisse dich, Mutter...“
„Ginta“, flüsterte Jumon zu Ginta gewandt. „Da... Da ist jemand bei Sayoko...“
„Du meinst... ein Geist?“
„Ja... Ein Geist... Soll ich ihr...?“
„Nein... Lass mich das machen...“
Ginta ging zu ihr und legte sich neben sie. Sayoko blickte ihm direkt in die Augen und brachte kein Wort heraus.
„Sie...“, fing Ginta an. „Sie ist bei dir, in diesem Moment...“
Sayoko machte große Augen.
„Du meinst...?“, fragte sie erwartungsvoll.
Ginta nickte. In diesem Moment drückte sie sich fest an seinen Körper, worauf er rot wie eine Tomate wurde.
„Danke, Ginta...“, nuschelte sie. „Danke für eure Hilfe...“
„Sayoko...“, sprach er weiter. „Würdest du uns die Ehre erweisen und weiter mit uns reisen? Es würde mich und vor allem auch die anderen sicherlich freuen.“ Ginta lächelte sie an.
„Ich werde gern weiter mit euch reisen.“
Beide setzten sich auf.
„Ginta... Uns verbindet etwas Besonderes. Du weißt, wir beide haben dieses eine ‚Abenteuer’ erlebt. Außerdem...“
Sie nahm seine Hand und stach ein kleines Loch mit ihrem Dolch in seinen Zeigefinger. Danach tat sie das Gleiche bei sich. Anschließend drückte sie beide Fingerspitzen aneinander.
„Außerdem haben wir nun eine Blutsfreundschaft.“
Beide sahen so glücklich aus und sie hätten sicherlich auch weiter gegrinst, hätten sie nicht Ryoma, Oto und Jumon unterbrochen.
„Sayoko ist nun ein offizielles Mitglied unserer Gruppe. Sie wird uns weiter mit begleiten“, verkündete Ginta stolz.
„JUHUUUU!“, rief Oto und umarmte Sayoko.
Ryoma und Jumon konnten auch nicht ablassen und ‚gruppenkuschelten’ Sayoko.
Alle beschäftigten sich den Rest des Tages mit der ‚Plünderung’ von Goyokos Besitztümern. Eigentlich schnappte sich Sayoko nur eine Umhängetasche, packte dort ein Foto ihrer Mutter hinein und ein paar andere Dinge wie Kleidung und Accessoires. Außerdem schnappte sie sich noch hunderttausend Kane (die Währung) und sorgte dafür, dass der Rest des Vermögens an Waisenhäuser und Straßenkinder gespendet wurde. Sie musste nur ein paar Papiere ausdrucken und zur Bank bringen. Sicherheitshalber versteckte sie weitere hunderttausend Kane in einer Schatulle im Grab ihrer Mutter, ohne dass es irgendeine Person mitbekam.
In der folgenden Nacht blieben sie noch in einem recht billigen Hotel und wollten sich dann am nächsten Morgen auf dem Weg nach Kisha City machen, in der auf sie der Zug wartete. Dieser würde sie dann recht schnell und bequem nach Mayima bringen.
Signatur

Go Go Go Fina-chan!! Ihr Forum ;D |