kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 578 Nachricht senden | Erstellt am 06.01.2008 - 17:30 |  |
Kapitel 24 - Kumonji, der Bär
Eine weitere Nacht brach an. Unsere Helden waren jetzt nun schon fast drei Tage bei Jumon. Auch in dieser Nacht übernachtete Sabî bei Jumon und kuschelte sich im Schlaf fest an ihn. Sayoko, Oto und Ryoma schliefen fest. Ginta, dessen Fieber sich auch langsam senkte, konnte diese Nacht nicht schlafen. Er hatte an diesem Tag erfahren, dass Sayoko sie ein Stückchen begleiten wollte. Er hatte dabei so ein mulmiges Gefühl und wusste nicht, was er davon halten sollte. Genauso wie bei Jumon hatte er dieses eigenartige Gefühl, doch bei ihr war es total anders. Ginta konnte es weder beschreiben, noch sich damit auseinandersetzen. Nach Stunden voller Gedanken schlief er dann doch noch ein.
Am nächsten Morgen untersuchte Oto noch die drei Jungs und stellte fest, dass die Erkältung fast komplett verschwunden war. Sie gab ihnen zur Sicherheit noch Medikamente und alle bereiteten sich dann für die Reise vor. Die Vorbereitung dauerte dann doch etwas länger, als alle erwartet hatten. Jumon packte noch schnell einige noch nicht gelesene Bücher ein und dazu noch ein paar alte Schriften der ‚Kuchiyose-Meister’, die für ihn ziemlich wichtig erschienen. Doch eine schwere Entscheidung hatte Jumon noch zu treffen, bevor er seine Reise antrat. Sollte Ogata, der Freund, der jahrelang an seiner Seite gewesen war, wirklich mit auf die Reise gehen? Oder sollte er doch an Sabîs Seite bleiben und sie beschützen, bis Jumon von seiner Reise zurückgekommen war? Sabî würde für einige Zeit allein sein und genau das wollte er nicht. Jumon sollte also Sabî und Ogata verlassen. Er wollte die zwei Personen, die ihm in seinem Leben am wichtigsten waren, aber nicht verlassen.
Jumon überlegte, ob er das wirklich machen sollte. Nachdenkend stand er da und blickte sein Bücherregal an. So viele Erinnerungen, so viele Abenteuer hatte er zusammen mit Ogata erlebt.
An dem Tag, an dem er aus seinem Dorf verstoßen worden war, war Ogata der Erste gewesen, der Jumon Trost gespendet hatte. Ogata war derjenige gewesen, der Jumon tagelang durch die eisigen Berge geleitet und ihm immer wieder Mut gemacht hatte. Ogata war es gewesen, der Jumon sein ganzes Leben über begleitet, ihm Kraft geborgt und immer an ihn geglaubt hatte.
In diesem Moment schwebte der kleine Geist Jumon entgegen und sah sich ihn fragend an. Seine großen Augen glitzerten. In all den Jahren kannte er Jumon langsam schon besser als er selbst. Langsam flog er an Jumons Ohr vorbei und flüsterte ihm ein „Ok“ zu. Total geschockt drehte sich Jumon um und sah zu, wie Ogata Sabî entgegen flog. Er wusste sofort, was sein bester Freund wollte.
„Danke“, flüsterte Jumon zurück.
Oto packte noch schnell die restlichen Medikamente zusammen und half Sabî beim Aufräumen der Bettsachen. Ginta und Ryoma halfen ebenso beim Packen. Nach gut einer Stunde war es dann endlich soweit und alle verließen das Haus. Jumon warf noch einen letzten Blick in sein Haus, sein jahrelanges Zuhause. Er verschloss die Tür und überreichte Sabî den Schlüssel. Ogata, der ja bei ihr blieb, grinste Jumon keck an.
„Hier trennen sich wohl unsere Wege...“, stellte Sabî fest. „Ich wünsche euch eine angenehme Reise und dass euch nichts Schlimmes passiert...“
„Vielen Dank, Sabî“, bedankte sich Oto und näherte sich ihr. Sie flüsterte Sabî noch etwas ins Ohr: „Wir bringen ihn wohlbehalten wieder zurück.“
Auch Ginta und Ryoma bedankten sich noch herzlich bei Sabî und Jumon. Sayoko blieb mal wieder ruhig hinter den zwei Jungs stehen.
Jetzt war Jumon an der Reihe. Diesen Abschied würde er wahrscheinlich nie vergessen. Seinen Kopf hängen lassend strich er durch den Schnee. Als er zu Sabî aufblickte, merkte man, dass er wieder vollkommen rot im Gesicht war.
“Danke... Sabî... Danke, Ogata. Danke, dass ihr all die Jahre für mich da wart. Ihr...“, er wurde sofort von einer großen, warmen Umarmung gestört.
Tränen liefen über sein Gesicht.
Es war leider nicht zu verstehen, was Sabî Jumon zuflüsterte, als sie sich zusammen mit Ogata drückten.
So machten sich Ginta, Oto, Ryoma und deren zwei neue Begleiter, Jumon und Sayoko, auf den Weg über den Shimorita. Ihr Weg führte sie einen verschneiten Pfad entlang bis zu einem großen Wald.
“Das ist der größte und auch letzte Wald, der uns auf dem Weg zur Spitze begegnen wird. Wir erreichen bald die ‚waldlose’ Höhe...“, erklärte Jumon.
„‚Waldlose’ Höhe? Aha, sehr interessant...“, bemerkte Oto.
Die Runde blieb still. Keiner hatte ein passendes Wort parat. Niemand wollte etwas sagen.
Still schritten sie durch den zugeschneiten Wald. Alles war weiß, bis auf die Stämme einiger Bäume. Ab und zu strich mal ein Schneeluchs durch die Büsche und man konnte auch mal einen Schneehasen den Weg kreuzen sehen.
Jumon führte die Gruppe an, denn er kannte den Wald wie seine Westentasche.
Nach einiger Zeit unterbrach ein lauter Schuss die langweilige Stille. Jumon schreckte sofort hoch und sah sich um.
„Was war denn das?“, wunderte sich Ryoma.
„Hörte sich an wie...“, meinte Oto.
„Wie ein Schuss!“, Jumon blickte wütend nach hinten. „Sie jagen schon wieder Kumonji!“
„Wer ist denn Kumonji?“, fragte Ginta.
„Kumonji ist ein Bär, der in diesen Wäldern wohnt. Er wird oft von Wilderern gejagt... Folgt mir!“
In diesem Moment fiel noch ein Schuss. Das verärgerte Jumon noch mehr.
Der Weg, den Jumon einschlug, führte alle quer durch den Wald. Einmal ging es nach rechts, einmal nach links. Mit rasender Geschwindigkeit rannte Jumon voraus. Die anderen hatten schwer mit ihm mitzuhalten.
Langsam kamen sie dem Ziel näher. An einer Lichtung stoppte Jumon und blickte den über 3 Meter großen Bären an. Mit all seiner Kraft wehrte er sich gegen die Wilderer und schlug mit seinen mächtigen Tatzen zu.
„Was macht ihr da!?", schrie Jumon. „Lasst Kumonji in Ruhe!“
Die anderen erreichten nun auch die Lichtung und ihr erster Blick fiel auf den riesigen Bären. Sein Fell war komplett weiß und eigenartige, blaue Linien waren überall auf seinem Körper.
„Das ist Kumonji?“, staunte Sayoko, die sich jetzt doch entschloss, ein wenig zu sprechen.
„Lass uns in Ruhe!“, schrie einer der zwei Männer. „Wir dürfen hier jagen!“
Jumon rannte auf Kumonji zu und überprüfte, ob er verletzt war. Glücklicherweise hatte er sich noch keine Wunde zugezogen.
„Mach dir keine Sorgen mehr, ich übernehme das schon...“, flüsterte er ihm zu und fing schon wieder an, einen seiner Sprüche aufzusagen. Im nächsten Moment erschien auch schon ein riesiger Geist in der Form eines Schneemannes.
Die anderen staunten nur und man konnte sehen, wie geschockt sie da standen.
„Das ist doch nicht wirklich die Macht von Jumon? Der ist ja riesig!“, rief Oto verblüfft.
Der Schneemann war mindestens 5 Meter groß. Sein Unterleib rollte langsam voran. Die Wilderer schossen unaufhörlich auf diesen riesigen Geist, der aus Schnee bestand. Die kleinen Einschusslöcher störten ihn nicht und der Schneemann rollte weiter.
„Lass den Scheiß, Junge!“, rief der etwas kleinere der Zwei.
Sein Partner richtete schon den Lauf des Gewehres auf Jumon und wollte abdrücken. Als er es tat, öffnete der Schneemann-Geist sein Maul und sog Luft in sich ein. Die abgeschossene Kugel wurde von dem Luftsog mitgerissen und Jumon blieb sicher.
Dieser setzte sich auf den Boden und meditierte, so schien es zumindest. Die anderen wussten immer noch nicht, was zu tun war. Die Situation wurde von Jumon perfekt im Griff gehalten.
„Kommt mal einer her und führt Kumonji hier weg?!“, verlangte Jumon und drehte sich kurz um.
Ginta, der total erstaunt von dem Geist und dem Bären war, meldete sich freiwillig und stapfte durch den Schnee. Kumonji lag erschöpft auf dem Boden und keuchte leicht. Er war anscheinend durch den halben Wald gejagt worden.
Ginta näherte sich die letzten Meter nur langsam, so dass der Bär mit dem besonderen Fell sich darauf vorbereiten konnte.
Währenddessen pustete der Schneemann-Geist die gerade erst eingesaugte Luft wieder aus und die zwei Wilderer wurden ein paar Meter weit geschleudert. Der eisige Wind fror zudem ein paar Stellen des Körpers zu, so dass sie sich nicht mehr richtig bewegen konnten. Jumon konzentrierte weiter seine Energie auf den Schneemann-Geist.
Ginta bewegte sich immer näher dem Bären zu, bis er ihn endlich erreichen konnte. Mit seiner warmen Hand streichelte er über die kalte Schnauze des Bären und über seinen Kopf. Erleichtert ließ dieser einen kleinen Seufzer los und versuchte sich aufzurichten. Ginta erschrak daraufhin und trat einen Schritt zurück. Doch er merkte bald, dass Kumonji selber versuchte, zu fliehen. Er feuerte den Bären ein wenig an und wartete darauf, dass dieser sich endlich aufrichtete. Seine blauen Linien glitzerten ein wenig in der Sonne.
Jumon und der Schneemann-Geist kümmerten sich immer noch um die Wilderer. Mit eiskaltem Hauchen versuchten sie, die Wilderer am Boden fest zu frieren, was ihnen dann auch gelang.
Jumon stand auf, streifte sich den Schnee von der Hose und ging zu dem Geist.
„Danke, dass du für mich da warst...“, sagte er und klopfte den Schneemann-Geist auf seinen Unterleib, der darauf verschwand. (XDDD oben kommt er ja nicht hin)
Jumon stapfte durch den Schnee und massierte sich genervt die Schläfen.
„Wann.....“, flüsterte er, woraufhin er lauter wurde, „Wann lernt ihr es endlich mal?“
Er kam den zweien immer näher und als er vor ihnen stand, redete er weiter: „Lasst Kumonji in Ruhe! Er hat euch gar nichts getan!“
Man bemerkte den Zorn in seiner Stimme. Die zwei waren an den Beinen vereist. Sie konnten sich weder wehren, noch fliehen. Ihre Gewehre lagen auch einige Meter von ihnen entfernt.
„Wir werden wieder kommen!“, brüllte einer der beiden. Der andere nickte nur zustimmend.
„Das will ich sehen, wenn ihr hier festgefroren seid!“, wandte Jumon sich ab, ging zu den Gewehren und brach sie über sein Knie entzwei.
Kumonji schaffte es mittlerweile, aufzustehen und schritt in Richtung Wald.
Am Ende der Lichtung blieb Ginta stehen und sah zu, wie Kumonji sich seinen Weg durch den Wald bahnte.
Jumon folgte nun Kumonji ein Stück in den Wald, um noch mal sicher zu gehen, dass es ihm gut ging. Ginta ging wieder zu den anderen und wartete mit ihnen auf Jumon. Nach einigen Minuten kam er wieder aus dem Wald heraus und seufzte vor Erleichterung.
„Ihm geht es gut...“
„Das ist eine gute Neuigkeit“, fand Oto.
„Wir sollten nun weiter...“, meinte Jumon und nahm seinen Rucksack. Ginta und Sayoko sahen sich verwundert an und folgten dann Jumon, der wieder den Weg führte. Es dauerte nicht mehr lange, bis sie endlich am Gipfel wären, behauptete er.
Jumon grübelte noch ein wenig über das Geschehene nach und still führte sie der Weg weiter. Nach einiger Zeit verließen sie dann den Wald und richteten ihr Ziel der Spitze des Shimorita zu. Der noch vor ihnen liegende Weg war nicht mehr allzu lang.
[Dieser Beitrag wurde am 17.01.2008 - 20:24 von kazenogaara aktualisiert]
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