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kazenogaara ...
Gaisuto no Ginta
..................

...

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...   Erstellt am 11.12.2007 - 21:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 23 - Gesundheit!

So machte sich Sayoko nach ihrer kurzen Verschnaufpause wieder auf den Weg. Die Fußspuren, die die drei hinterlassen hatten, waren schon längst wieder verschwunden. Pech für Sayoko. Ihr fiel es dadurch schwerer, eine feste Richtung zu finden.
Genervt biss sie von einem Stück Brot ab, dass sie sich auf dem Schiff hatte mitgehen lassen.
„Hoffentlich...“, mampfte sie, „...finde ich sie bald!“

Vor Jumons Haus waren immer noch Ginta, Jumon und Ryoma. Mittlerweile wurde es auch ihnen zu kalt und sie beschlossen, wieder rein zu gehen. Jumon hatte seinen Schlüssel auf seinem Schreibtisch liegen lassen. Deswegen mussten sie anklopfen, um die Tür öffnen zu lassen. Doch leider, nachdem Ryoma ein paar Mal angeklopft hatte, kam keine Reaktion von den Mädchen, die im Haus warteten.
„Lasst uns doch endlich rein!“, schimpfte Jumon.
Wieder kam keine Reaktion.
„Ogata! Sabî! Das ist nicht witzig!“
„Oto! Bitte!“, rief auch Ginta.
„Los, Myu! Rette Ginta!“, sagte Ryoma, der daraufhin anfing laut zu lachen.
„Ryoma, hör auf mit den Witzen...“, beschwerte sich Ginta.
Jumon stöhnte und lehnte sich mit seinem Rücken gegen die Tür. Genervt fuhr er sich durch sein kurzes Haar.
Ginta und Ryoma sahen erst ihn an, dann blickten sie sich gegenseitig an und zuckten mit der Schulter.
„Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig“, unterbrach Jumon die Stille.
Er schloss seine Augen, faltete die Hände zu einer komischen Form zusammen und flüsterte etwas für Ginta und Ryoma Unverständliches.
Im Zentrum seiner Hände leuchtete es ein wenig und danach hörte Jumon auch schon wieder damit auf. Nun ging er von der Tür weg und wartete.
„Jumon?“, erkundigte sich Ginta, „Was hast du da gerade gemacht?“
„Werdet ihr gleich sehen“, antwortete er stolz.
Wieder sahen sich Ginta und Ryoma verwundert an.
Nach einigen Sekunden Wartezeit rüttelte etwas am Schlüsselloch.
„Das ist doch nicht etwa...?“, wunderte sich Ryoma.
„Doch... Ich habe gerade einen Geist gebeten, die Tür zu öffnen. Gerade hat er den Schlüssel von meinem Schreibtisch geholt und schließt nun diese Tür auf. So verwunderlich?“, grinste Jumon.
„Du hast eine bemerkenswerte Fähigkeit, Jumon...“, bemerkte Ginta und betrachtete weiter das Schlüsselloch.
„Danke!“, antwortete dieser und wurde leicht rot im Gesicht.
Die Tür öffnete sich, Jumon betrat gefolgt von Ginta und Ryoma nun wieder das Haus.
„Sabî! Was sollte das gerade eben?“, ärgerte er sich. Genau in diesem Moment kam Ogata ihm entgegen geflogen: „OOOOOYA-CHAN!!! Die haben mit mir gaaaaaaanz schlimme Dinge gemacht!“
„Nur ruhig, Ogata...“, war seine Antwort. „Was haben die beiden gemacht?“
Ginta setzte sich wieder neben den Schreibtisch auf den Boden. Ryoma ließ sich neben Oto und Sabî auf dem Bett nieder. Eingeschüchtert rutschte er so weit weg von Oto, wie es nur möglich war.
„Du weißt doch“, fing Ogata an, „wie gern Sabî ihren bösen ‚Charme’ spielen lässt!“
Jumon fing an zu lachen: „Doch nicht schon wieder die Geschichte!“
Von Neugier getrieben, wollte Ginta schon fragen, was das für eine ‚Geschichte’ wäre, aber komischerweise ließ er es bleiben. Er war immer noch am Überlegen, denn er fand an Jumon immer mehr interessante Dinge.
„Also gut... Lassen wir das... Wir können froh darüber sein, dass wir draußen nicht eingefroren sind“, gab Jumon lässig von sich und setzte sich wieder an den Schreibtisch.
„Ähm... Jumon?“, fragte Ginta, „Könnten wir heute bei dir übernachten? Ich... würde mich gern noch mehr mit dir unterhalten...“
„Über was denn?“, wollte Jumon wissen.
„Ich möchte mehr über die Geister lernen... Auch will ich dich näher kennen lernen. Du bist eine interessante Person.“
Jumon schaute Ginta an, grinste und kraulte sich verlegen hinterm Kopf. Er wurde auch leicht rot dabei.
„Wenn ihr unbedingt wollt... Sabî, möchtest du auch hier schlafen? Ich könnte ja einen Boten ausschicken...“ Als er das sagte, grinste er Ogata an.
Von dieser Frage total verwundert, antwortete sie: „Na klar! Ogata... würdest du?“
Sie sah ihn wieder so anschmeichelnd an und er konnte einfach nicht widersprechen.
„Ok, ich mache es, aber nur, weil du Sabî bist... Und deine Familie mich und Oya-chan leiden kann!“
Noch grinsend flog er durch die Tür, ließ jedoch, als er draußen war, den Kopf hängen.
Jumon stand in der Zwischenzeit auf und bereitete alles Nötige für den kommenden Abend vor. Das eine Nebenzimmer, so erkannte Ginta, war das Bad. Das andere jedoch war ein fast leer stehendes Zimmer. Aus dem Schrank, der in diesem Zimmer stand, holte Jumon ein paar Decken heraus und legte sie schön sauber auf den Boden. Anscheinend sollte das der Schlafbereich werden.
Jumon beschäftigte sich noch weiter in diesem Nebenzimmer. Währenddessen machte sich Ginta weiterhin Gedanken über Jumon. Oto quatschte mit Sabî und Ryoma sah dem flackernden Feuer im Kamin zu.
Nach einiger Zeit kam dann Ogata wieder zurück und alle sahen ihn mit großen Augen an. Gespannt warteten alle auf eine Antwort von ihm.
Er hob seinen Kopf und sah alle mit großen, glitzernden Augen an.
„JA! Sabî darf diese Nacht hier bleiben! Saaaabî!“, sang er. „Hast du gehört Oya-chan?“
Jumon, der schon längst mit seiner Arbeit fertig war, umarmte ihn fest.
„Daaaaaanke, Ogata!“, bedankte er sich.
„Ach... Das hab ich doch gern gemacht, Oya-chan!“
Oto kramte etwas aus ihrer Tasche und meinte: „Ich habe ziemlichen Hunger, wollt ihr auch was?“
Sie holte Brot, Käse und Schinken aus ihrer Tasche und begann, von allem etwas abzuschneiden. An jeden gab sie etwas ab und biss auch selber kräftig ins Brot.
So verging der Abend recht rasch.
Oto unterhielt sich, wie zuvor auch, die ganze Zeit mit Sabî. Diese erzählte ihr viel über das Dorf und wie die Menschen hier oben, in den eisigen Regionen, lebten. Ginta unterhielt sich wie versprochen mit Jumon. Jumon berichtete ihm alles, was er von Geistern wusste, alles, was er in Büchern darüber las und auch über seine eigenen Erfahrungen.
Er erzählte weiter: „Was könnte ich noch sagen? ... Ach, genau! Ich weiß, dass Geister in verschiedenen Klassen und Kategorien eingeteilt werden. Zuerst die Kategorien. Da gibt es Wasser-, Feuer-, Wind- und Erdgeister, die mit uns auf dieser Welt leben. Zudem gibt es noch ‚Mischgeister’, die sich jeweils aus zwei dieser Kategorien zusammensetzen. Über diese weiß ich leider noch nicht so viel Bescheid.“
Er senkte und hob dann wieder seinen Kopf und fuhr fort: „Die Klassen werden durch die Größe der Geister bestimmt. Die größten Geister, die es gibt, sind von der Stufe 1 und je kleiner die Geister sind, desto größer die Zahl. Eine einfache Logik.“
Er wurde kurz von Ginta unterbrochen: „Und wer hat diese Klassen bestimmt?“
„Gute Frage“, sagte Jumon. „Früher gab es vor dem großen Krieg in den antiken Ländern so genannte ‚Kuchiyose-Meister’, die eng mit Geistern in Verbindung standen und sich näher mit diesen beschäftigten. Diese Menschen sind aber in unserer jetzigen Zeit schon längst ausgestorben. Diese ‚Kuchiyose-Meister’ studierten die Geister gründlich und teilten sie in Kategorien und Klassen auf. In üblichen Bibliotheken sollten eigentlich noch solche alten Schriften vorhanden sein.“
„Du hast einige Bücher in deinem Schrank“, stellte Ginta fest. „Sind davon auch Einige mit alten Schriften?“
„Natürlich... Es ist spannend zu lesen, was diese Meister alles herausgefunden haben. Ich sehe da mehr und mehr Parallelen in unserer jetzigen Welt.“
Jumon konnte nicht stoppen. Er war schon so in Fahrt gekommen und man merkte, wie begeistert er über dieses Thema redete.
„Was meinst du mit Parallelen?“
„Also, Ginta... Das ist so: Die alten Meister haben schon vorhergesehen, wie die Jetzt-Menschen mit Geistern umgehen werden. Sie sahen, dass mehr und mehr Menschen die Geister fürchten würden und erahnten somit, dass die Menschheit eines Tages nichts mehr mit ihnen zu tun haben will... Das beste Beispiel bin ich... Ich wurde aus meinem Dorf verstoßen, nur weil ich die Fähigkeit besitze, mit Geistern zu reden. Sie verstehen einfach nicht, was die Geister eigentlich wollen!“ Er klang nun ein wenig wütender. „Die Geister sehnen sich wieder danach, mit Menschen in einer Gemeinschaft leben zu können! Sie wollen nicht mehr ignoriert werden! Aber die Menschen verschließen einfach nur ihre Augen vor der Wirklichkeit und behaupten, dass Geister böse Kreaturen seien, die die Menschen nachts heimsuchen!“
„Oya-chan...“, sagte Ogata und wischte sich eine Träne aus dem Auge.
Ginta fühlte sich sehr angesprochen. Er hatte ja selbst als kleines Kind panische Angst vor diesem Geist in seinem Zimmer gehabt und beschimpfte es sogar als böses Unwesen. Er, wie auch der Rest der Menschheit, verschloss seine Augen vor dem Wahren. In diesen Momenten spürte er genau, wie viel Willenskraft, Schmerz und Hoffnung in Jumon steckte. Er wurde einfach dieses besondere Gefühl nicht los, dieses, das er einfach nicht beschreiben konnte.
Ginta fasste unauffällig an sein Mal und forderte Jumon mit einer Handbewegung auf, weiter zu reden. Mittlerweile hörten auch Ryoma und Oto gespannt dem Gespräch zwischen Ginta und Jumon zu. Mit ihren Armen den Kopf stützend, saßen sie auf dem Bett und lauschten.
„Ich möchte einfach nicht mehr, dass Geister von Menschen so behandelt werden!“
Dieser Satz legte einen Schalter in Ginta um.
‚... so behandelt werden...’
Vor seinem Auge sah er wieder die Bilder der letzten Momente von Soijitonoma. Er sah, wie die zwei Shal höhnisch lachten. Er sah, wie viele Menschen andere umbrachten. Er sah auch Jumon, wie er allein mit Ogata auf dem Kopf im Schnee stand und weinte.
„Jumon!“, schoss es wie aus einer Kanone aus ihm heraus, „Willst du nicht mit uns reisen? Auf der Reise kannst du sicherlich noch viel mehr lernen, noch viel mehr Geister treffen und du kannst es schaffen, die Menschen davon zu überzeugen, wieder Kontakt mit Geistern aufzunehmen! Oto, Ryoma, Myu und ich sind ziemlich alleine auf der Reise und mich würde es wirklich freuen, wenn du mit uns kommen würdest!“
„Ja, bitte Jumon!“, fing auch Ryoma an.
„Willst du nicht auch mit, Sabî?“, fragte Oto.
„Die meisten Dorfbewohner wollen dich ja eh nicht, also was soll’s? Komm mit uns, wir mögen dich!“ Mit all seiner Kraft wollte Ginta Jumon davon überzeugen, mitzukommen.
Dieser jedoch ließ seinen Kopf hängen. Für einen Moment dachten alle, dass er „Nein“ sagen würde, aber es kam nicht so, wie alle erwarteten.
Er hob seinen Kopf und die ersten Tränen kullerten über sein Gesicht.
„Ich würde zu gerne mit euch mitgehen!“, schrie er fast, „Aber... Sabî... Was ist mit dir?“
Es hätte ihr das Herz zerreißen können. Zum einen vor Trauer, da Jumon ja vorhatte, von hier zu verschwinden, zum anderen vor Freude, da sie Jumon noch nie so glücklich gesehen hatte.
„J... J... Jumon...“, stotterte sie.
Oto erkannte sofort was kam und gab Ryoma und Ginta komische Handzeichen, die die beiden erst verstanden, als Oto ins Nebenzimmer verschwand. Als die drei von der Bildfläche verschwunden waren, kam alles raus.
Sabî stotterte weiter: „J... J... Jumon... Ich...“
„Sabî, was ist denn?“, fragte er verwirrt.
Auch sie fing an zu weinen: „Jumon... Ich... liebe dich!“
Das war ein heftiger Schock für Jumon. In diesem Moment erwärmte sich sein Herz und er fühlte sich total leicht. Sein Kopf errötete und er wusste nicht, was er zu sagen hatte.
„Warum hast du das nicht früher gesagt?“, war das Einzige, was ihm einfiel.
„Ich möchte, dass du glücklich bist, ich möchte, dass du in die Welt hinausgehst! Ich bleibe hier und wache über deinen Schatz...“, antwortete sie und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Pure Kraft und Hoffnung konnte man in ihren Augen sehen.
„Eines Tages kommst du wieder zurück und ich warte hier auf dich! In der Zwischenzeit werde ich ganz Shimedashi davon überzeugen, dass du kein schlechter Mensch bist! Wenn du wiederkommst, wirst du der glücklichste Mann auf der ganzen Welt sein!“
„Sabî...“ Jumon wurde förmlich von ihrer geballten Willenskraft erschlagen.
Oto konnte es nicht lassen und spitzelte durch einen kleinen Spalt in der Tür. Ginta und Ryoma machten ironischerweise mit und hörten gespannt dem Gespräch zu.
„Sabî“, flüsterte er und kam ihr näher. „Danke, dass du dies alles für mich tust...“
„Ju...“ Sie konnte nicht zu Ende reden, denn in diesem Moment berührten Jumons Lippen ihre sanft.
Beide hörten das leise Atmen des anderen, spürten die warmen, weichen Lippen des anderen und fuhren sich gegenseitig durchs Haar. In diesem endlos erscheinenden Atemzug passierte für die zwei so viel.
Oto musste sich bemühen, Ogata nicht dazu zu bringen, dies mit anzusehen.
Sie küssten sich weiter, wollten gar nicht mehr aufhören damit. Dieses warme, wohlige Gefühl durchströmte beider Körper.
Als Jumon sich hinlegte, erkannte Oto sofort die Situation. Die Liebesberaterin in Spe schloss sofort leise die Tür und meinte: „Das... ist nicht für unsere Augen bestimmt.“
Dabei kicherte sie und legte sich auf ihre Decke.
Ginta und Ryoma sahen sie sehr verwundert an und setzten sich still auf den Boden. Ohne ein Wort zu verlieren stimmten sie Oto auf eine gewisse Weise zu.
In der Zwischenzeit hatte sich Jumon schon auf den Rücken gelegt. Gesteuert von der Liebe der beiden konnten sie nicht mehr aufhören, sich zu küssen. Ihre Zunge strich langsam über seine Lippen und wurde dann von seiner Zunge aufgehalten. Das Spiel von Lippen, Zunge und zärtlichen Streicheleinheiten wiederholte sich immer und immer wieder.
Die anderen drei machten es sich schon mal gemütlich und schliefen sanft ein. Der Weg bisher war schon recht anstrengend gewesen. Außerdem wollten sie Sabî und Jumon nicht bei ihrer Tätigkeit stören.
Oto überlegte sich die ganze Zeit vor dem Einschlafen, was die zwei wohl machten. Ryoma schlief sofort ein und merkte im Schlaf nicht, dass er mit Myu kuschelte, die wohl neben dem Falschen einschlief. Ginta ging die ganze Zeit die Geschichte mit dem Geist in seinem Zimmer durch den Kopf. Was war das für ein Geist gewesen? Was hatte er von Ginta gewollt? War er immer noch in dem alten Haus? Diese Gedanken hielten ihn noch für einige Zeit wach.

Ginta streifte durch den Wald. Ein kleiner Weg führt ihn letztendlich an einen verschneiten Abhang. Auf einem Felsen, der dort war, saß ein Mädchen mit langen Haaren. Der Mond, der schien, tauchte den ganzen Schnee in ein leuchtendes weiß. Er setzte sich neben das Mädchen auf den großen Felsen. Es sprach nicht, sah ihn nicht mal an, nein, es bemerkte ihn sogar nicht.
Ein angenehm warmer Wind wehte, Ginta bekam aus irgendeinem Grund Herzklopfen. Er brachte es einfach nicht zustande, dem Mädchen ins Gesicht zu sehen.
Die Hand des Mädchens bewegte sich langsam seiner entgegen und berührte sie dann. Behutsam streichelte sie ihm über seine Finger und seinen Handrücken.
Ginta wurde heiß und kalt gleichzeitig, alle möglichen Gefühle schossen durch sein Herz. Wie geschockt saß er steif da und brachte kein Wort heraus. Das Einzige, was ihm übrig blieb, war, den wundervollen Vollmond anzustarren.
Doch plötzlich verformte sich der Vollmond und der Kopf von Ogata war zu erkennen, der keck Ginta angrinste. Auch das Mädchen verschwand; die Bäume und der Schnee ebenso. Im nächsten Moment sah sich Ginta in dem Schlafraum sitzend. Ogata grinste ihn an und meinte: „Du hast aber interessante Träume!“
„Du... warst in meinem Traum?“, erkundigte sich Ginta und gähnte herzhaft. Er sah aus dem Fenster und merkte, dass es noch mitten in der Nacht war.
„Japp... War ich! Geister lernen schon seit Anbeginn der Zeit so mit Menschen zu kommunizieren...“
„Dann...“, murmelte Ginta, „Ist dieses Mädchen... vielleicht der Geist aus meinem Zimmer?“
Ogata hatte dazu nichts zu sagen und grinste einfach weiter.
Nach so einem Traum konnte Ginta einfach nicht weiterschlafen. Er bemerkte, dass es zog. Also stand er auf, um herauszufinden, warum dies so war.
Als er sich der Tür näherte, kam er an Ryoma und Oto vorbei, auch an Jumon und Sabî, die miteinander noch im Schlaf kuschelten.
Er öffnete die Tür und bemerkte, dass die Eingangstür offen stand. Er musste an Jumons Bett vorbei, schloss die Tür und auf dem Rückweg hörte er etwas schnarchen.
Er bemerkte nicht, dass in Jumons Bett eine fremde Person schlief, kümmerte sich nicht weiter darum und legte sich wieder Schlafen.

Am nächsten Morgen wachte Oto als Erste auf. Sie ging gleich nach draußen, um ein wenig frische und auch eiskalte Luft zu schnappen. Aber als sie an Jumons Bett vorbeiging, merkte sie, dass dort jemand schlief. Sie erkannte erst nicht, wer das war, zog die Decke vorsichtig weg und stupste auf dem Hinterkopf dieser Person rum. Da diese daraufhin nicht aufwachte, ging Oto trotzdem erst mal nach draußen. Dort genoss sie nicht nur die frische Luft, sondern holte auch etwas Schnee herein. Immer noch ohne zu wissen, wer das war, formte sie den Schnee zu einer Kugel und betrat dann wieder das Zimmer.
Vorsichtig schlich sie um das Bett herum und wartete auf den richtigen Moment. Wie ein Panther, der auf der Lauer war, duckte sie sich.
Als sich die Person umdrehte sprang sie auf und warf ihr den Schneeball direkt ins Gesicht, worauf die Person aufschreckte und brüllte: „Wer, verdammt, hat mich geweckt!?“
Wütend strich sich die Frau mit langen rosa Haaren den Schnee aus dem Gesicht. Oto riss ihre Augen weit auf: „D... D... Du bist das!? Die Wahrsagerin!? D... Du warst doch auch auf dem Kreuzer!“
„Da hab ich ja genau die Richtige erwischt!“, erwiderte Sayoko. „Wo bleibt mein Geld?“
Die Tür ging auf und Sabî trat aus dem Zimmer. Sie rieb sich ihre Augen und fragte verschlafen: „Was schreit ihr hier denn so rum?“
Sabî realisierte noch gar nicht, dass Sayoko im Raum war.
„Gib mir jetzt endlich mein Geld, Kleines!“, maulte Sayoko Oto an.
„Aber das hab ich Ihnen doch schon gezahlt!“, verteidigte sie sich.
„Sieze mich nicht! So alt bin ich gar nicht!“
„Ich hatte Ihnen das Geld doch auf den Tisch gelegt, als wir gingen! Haben Sie das nicht gesehen? Es muss wohl heruntergefallen sein...“, überlegte sie.
„Ich habe das Geld nicht bekommen! Das ist Fakt, Kleines!“
„Jetzt beruhigt euch erstmal!“, warf sich Sabî dazwischen. „Erstens: Wer sind Sie!? Zweitens: Seid leiser! Die Jungs sind erkältet!!! Habt ihr sie nicht Niesen hören!? Außerdem haben alle hohes Fieber!“
„Gut, dass ich Med-Nin in Ausbildung bin!“, prahlte Oto mit geschwellter Brust.
„Med-Nin?“, wunderte sich Sabî.
„Ja, das erkläre ich dir später!“ Sie wandte sich nun zu Sayoko. „Wie heißt du überhaupt? Nun ja, bleib doch erst mal hier, ich kümmere mich um die Jungs.“
„Ich? Hier bleiben? Aber... Wollt ihr mich nicht rauswerfen?“, fragte Sayoko erstaunt.
„Rauswerfen, wieso denn? Draußen ist es eisig kalt...“, erklärte Sabî.
„Ähm... Aber... Ich?“ Sie war so geschockt, sie setzte sich nur noch auf den Boden und wartete. „Ich bleib solange hier, bis ich mein Geld bekomme, basta!“
Keiner der beiden anderen Mädchen schenkte ihr noch Beachtung. Oto und auch Sabî hatten in diesem Moment einfach Wichtigeres zu tun. Oto, als angehende Med-Nin, bereitete alles Nötige vor, um diese Erkältung aus der Welt zu schaffen.

Mittlerweile waren Ginta, Ryoma und Jumon schon wach. Ogata spielte mit Myu ein wenig Fangen.
„Otoooooochen! Komm her! Ich brauch deine Zuneigung! Ich bin krank!“, hörte man als Erstes von Ryoma, als Oto das Zimmer betrat.
„Ruh du dich lieber aus!“, erwiderte sie eiskalt und kümmerte sich erst mal um Jumon. Sie entnahm dem Thermometer die Temperatur aller und legte dann kalte Waschlappen aus, da ja alle etwas Fieber hatten.
Oto gab ihnen noch Anweisungen, dass sie liegen bleiben und zu schlafen versuchen sollten. Später würde sie noch Essen bringen.
Nachdem das alles geschafft war, machten es sich Oto und Sabî im vorderen Raum gemütlich.
Sayoko saß stur auf dem Boden und starrte Oto an. Sabî las ein wenig in dem Buch, das Jumon ihr gestern vorgestellt hatte und auch Oto schmökerte die Bücher von Jumon durch.
Eine eigenartige Stille war anwesend. Man hörte gelegentlich Husten oder Niesen aus dem Raum nebenan. Oto ging auch mal ab und zu hinein, schaute nach, wie es den Jungs ging und wechselte die Waschlappen aus. Danach gab sie sich wieder dem Lesen hin.
Nach einiger Zeit machte sich Sayokos Magen plötzlich bemerkbar, der die Stille total aus ihrem Lauf brachte. Oto grinste schelmisch, legte ihr Buch beiseite und sagte so zu Sabî: „Du, Sabî, kannst du mich nach Shimedashi mitnehmen? Ich würde gerne einige Besorgungen machen...“
„Na klar, kann ich dich mitnehmen, dann kann ich auch gleich bei meinen Eltern vorbei... Ich glaube, es wäre gut, wenn ich noch eine Nacht hier übernachte...“
„Oh ja! Ich brauch unbedingt deine Hilfe!“ Als Oto das sagte, sah sie zu Sayoko rüber. „Willst du nicht auch mit kommen?“
Sayoko sah sie grimmig an und meinte: „Wer passt dann auf die drei Jungs auf, wenn ihr weg seid?“
„Das hab ich gar nicht bedacht...“, merkte Oto an. „Würdest du das übernehmen?“
Sayoko nickte und starrte weiter in die Leere. Man hätte denken können, dass sie die Luft umbringen wollte, so angespannt war ihr Blick.
So machten sich Oto und Sabî auf den Weg nach Shimedashi. Sie unterhielten sich über Jumon und über Shimedashi, Jumons Bücher und etliche andere Dinge. Bevor sie jedoch in ein paar Läden gingen, um ein wenig rumzuschmökern, gingen sie noch bei Sabîs Familie vorbei. Herzlich wurden die beiden von ihrer Mutter willkommen geheißen und tranken einen Tee zum aufwärmen. Ihr Vater war bei der Arbeit. Nach einer halben Stunde voller netter, kleiner Unterhaltungen liefen sie dann weiter.
Sayoko, die ja in Jumons Haus zurückgeblieben war, durchsuchte ein wenig dessen Bücherregal. Sie fand einige für sie hoch interessante Bücher über Hellsehen in Verbindung mit Geistern und Bücher ‚schwarzer Magie’. Verwundert blätterte sie diese ein wenig durch und fand am Ende doch leider nichts Interessantes.
Immer mal wieder wurde sie vom lauten Schnarchen der Jungs gestört, die immer noch schliefen. Sayoko blieb wohl nichts anderes übrig, als ab und zu die Waschlappen auszutauschen, einmal auszuwringen und wieder mit kaltem Wasser anzufeuchten. Sie war eine Person, die ihre Versprechen hielt.
„Was mache ich hier eigentlich?“, fragte sie sich, während sie vor dem Kamin saß. „Jetzt... wo ich hier bin... kann ich ja eigentlich auch gleich an diesem Ort vorbeischauen... Aber... Wie beseitige ich mein Problem mit ihm? Die Gören! Die werden mir helfen können... Da bin ich mir sicher...“
Sie grinste vor sich hin und plante etwas.
Nach einiger Zeit kamen dann auch wieder Oto und Sabî mit vollen Taschen zurück. Oto schaute gleich nach Jumon, Ryoma und Ginta, die friedlich in ihre Decke eingekuschelt waren und schliefen. Sabî beobachtete Sayoko genauer, sie hatte wohl Angst, dass sie etwas angestellt hatte.
Oto setzte sich neben Sayoko an den Kamin und packte Brettchen aus, auf der sie dann einige Zutaten darauf legte. Sie schnitt ein wenig Gemüse klein und bereitete in einem Kessel eine Brühe vor.
Sabî hatte sich in der Zwischenzeit in das andere Zimmer geschlichen und legte sich verliebt neben Jumon. Sie blickte ihm direkt in sein Gesicht, dabei wurde sie sogar ein wenig rot.
‚Wie süß er aussieht, wenn er schläft...’, dachte sie sich und streichelte ihm über seine Wange.
Bei Oto und Sayoko war es still. Man hörte nur den Kessel, der über dem Kamin hing, köcheln und das Messer auf dem Brett rumhacken. Oto bereitete noch andere Zutaten vor.
„Oto...“, meinte Sayoko.
„Ja? Was gibt es denn?“
„Ihr wollt doch den Shimorita überqueren, seh ich das richtig?“
„Ja... Das machen wir in der Tat, und weiter?“
„Ich... würde euch gerne ein Stückchen begleiten, ich habe etwas Wichtiges zu erledigen... Und... Alleine Reisen macht keinen Spaß.“
Oto merkte nicht, dass Sayoko sie anlog und antwortete: „Warum nicht? Ich habe absolut nichts dagegen! Und ich denke, die Jungs haben auch kein Problem damit.“
„Dann reisen wir also gemeinsam? Das find ich toll!“ Sayoko zwang sich ein falsches Lächeln auf die Lippen. Glücklicherweise hatte sie schon genug Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt, damit dieses Lächeln nicht von einem Richtigen zu unterscheiden war.
„Dürfte ich mich dann erstmal vorstellen?“, fragte Sayoko. „Sayoko Fusai... Du bist Oto Kitamuki, stimmt’s?“
„Ja, da hast du Recht, Sayoko“, grinste Oto, doch bevor sie weiter sprechen konnte, wurde sie schon wieder unterbrochen.
„Ich hoffe, meine Weissagung hat dir geholfen... Ich wusste selbst nicht einmal, dass ich selber darin vorkommen würde...“
„Wie meinst du das? Du... denkst doch wohl nicht an...?“, erwiderte Oto.
„‚Du wirst bald etwas Enormes tun, was niemand von dir erwartet... Nass... Es wird sehr nass... Danach wird dir eine große Menge danken!’ Das waren meine Worte... Du weißt doch wohl, was ich damit meine?“
„Nein... Vor lauter Begeisterung, endlich mal über ein großes Meer zu fahren, hab ich daran gar nicht gedacht! Außerdem dachte ich, dass dieser Vorfall mit Relid und seinem Sohn, die Vorhersagung wäre... Da hab ich mich wohl geirrt?“
„Ich sehe schon, du hast das total falsch interpretiert, Kleine...“ Sayoko fasste sich an die Stirn und ließ einen kleinen Seufzer los.
„Wie war es denn gemeint? Sie sagten, dass Sie ebenfalls dabei waren...“
„Hör auf mich zu siezen! Das habe ich schon einmal gesagt!“ Brummig sah sie Oto an. „Die Ereignisse auf dem Schiff! Mit sehr nass ist das Wasser gemeint... Eine große Menge wird dir danken, das sind die Passagiere, die dir für deinen Einsatz gedankt haben. Du hast doch diesen einen hässlichen Typen über Bord geschmissen, stimmt’s?“
„Ach, das meinst du! Wenn ich mir es recht überlege... Dann...“
„... ist das alles wahr, was ich von mir gegeben habe“, beendete Sayoko ihren Satz und sprach weiter: „Ich bin keine Hochstaplerin, die solche Fähigkeiten nur vortäuscht, so wie andere...“
Oto saß stumm da, starrte sie an und schnitt weiter am Gemüse.
„Genau... So ist es...“, brachte sie aus sich gerade noch heraus. „Ich glaube, das Essen ist bald fertig... Würdest du die Jungs wecken?“
„Ich glaube, das sind wir schon...“, sagte Ginta, der gerade aus dem anderen Zimmer kam. „Danke, Oto, dass du uns Essen gemacht hast!“
Ginta grinste, setzte sich zu Oto neben den Kamin und begrüßte Sayoko, die ihn daraufhin verwundert ansah.
Im nächsten Moment kam auch Sabî: „Ich habe den Jungs alles erzählt, eure Unterhaltung war ja nicht zu überhören“ Und sie verschwand wieder.
Oto teilte allen etwas von der Suppe aus. Den restlichen Abend verbrachten unsere Freunde damit, sich noch auszuruhen, der Tag war doch anstrengend gewesen.





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