kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 15.11.2007 - 18:05 |  |
Kapitel 21 - Endloser Schneefall - am Fuße des Shimorita
Es schneite ununterbrochen weiter. Ginta, Oto und Ryoma kamen der Schlucht immer näher. Die drei konnten den Eingang der Schlucht schon entdecken.
„Da drüben! Da ist der Eingang“, meinte Oto begeistert.
Merklich wurde es immer kälter und Myu kuschelte sich noch tiefer in die Tasche von Ginta, der sich selbst tiefer in seine Jacke mummelte.
„Dir ist doch nicht etwa kalt?!“, fragte Ryoma spöttisch und sah verliebt zu Oto, die aber begeistert durch diese schöne Schneelandschaft wandelte.
Dabei schubste Ryoma Ginta ein wenig, der lief aber gerade auf einer kleinen Eisfläche und rutschte daraufhin aus. Direkt mit dem Gesicht landete er im Schnee, Myu ebenfalls.
Total genervt stand er auf und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Es sah fast so aus, als würde dieser auf seinem Gesicht sublimieren, so wütend war Ginta in diesem Moment.
„Ryoma!? Was soll das!?“, brüllte er rum, so dass der Schnee von den Bäumen fiel.
„Hey, bleib ruhig, Ginta... Es ist doch nur Schnee... Wunderschöner Schnee...“, liebäugelte Ryoma Oto.
„Das ist nicht lustig! Du weißt, dass ich Schnee hasse... Mein Gesicht ist jetzt eiskalt!“
Was Ryoma nicht wusste, war, dass Myu auch aus ihrer schönen, warmen Tasche gefallen und direkt im Schnee gelandet war. Ebenfalls wütend sprang sie auf einmal auf Ryomas Gesicht und kratzte wild drauf rum, bis Ginta sie am Nacken packte und wieder in die gemütliche Tasche legte.
„Warum muss mir das immer passieren!?“, heulte Ryoma, der seine neue erworbenen Kratzer genau untersuchte.
Oto bekam von alldem nichts mit, denn sie beobachtete die bezaubernden Schneeflocken, die Stück für Stück dem Himmel entglitten.
Nach wenigen Minuten stiller Wanderung durch diese Schneelandschaft kamen sie endlich am Eingang der Schlucht an. Auf einem Schild stand geschrieben: „Toge Michi, Pfad zum Berg Shimorita. Vorsicht, es können jederzeit Blizzards oder andere Schneestürme entstehen. Informieren Sie sich gründlich, bevor sie den Toge Michi betreten!“
Erstaunt sahen alle drei auf dieses Schild, blickten sich dann gegenseitig an und zuckten mit den Schultern.
„Auf geht’s... Brrr...“, stöhnte Ginta.
„Los, Otochen! Auf geht’s“, grinste Ryoma und lächelte auch Ginta an, der sich daraufhin beleidigt abwandte.
„Das wird so super! Der ganze Schnee und ein Berg! Ein riesiger schöner, schneebedeckter Berg! Ach, Ginta, ich finde es so cool, dass du mich mit auf diese Reise genommen hast!“ Oto war schon kurz davor, Ginta zu umarmen, dieser räusperte sich aber nur einmal und lief stur weiter.
‚Je schneller wir diesen Berg überqueren, desto schneller ist der Schnee weg...’, dachte er sich.
„Hey, Ginta! Warte doch!“, rief Ryoma hinterher.
So bahnten sich die drei nun den Weg durch den Toge Michi. Es wollte einfach nicht zu schneien aufhören, was Oto nichts ausmachte, doch umso mehr dafür Ginta. Ryoma versuchte wieder, sich an Oto ranzuschmeißen, wobei er weniger Erfolg hatte.
Der Weg durch den Toge Michi war ziemlich anstrengend. Schmale Wege, riesige Felsbrocken und der starke Schneefall erschwerten den dreien die Reise. Oto kramte noch mal die Karte aus ihrer Tasche, um zu überprüfen, wie lang der Weg bis zum Shimorita noch war. Langsam wurde es auch ihr ein wenig zu kalt.
„Es ist nicht mehr weit, höchstens eine halbe Stunde Fußmarsch...“, erklärte sie.
Ginta grummelte.
„Gut“, murmelte Ryoma.
Dieser Weg schien wirklich lang. Die Kurven und Abzweigungen, die manchmal kamen, sorgten für keine Abwechslung, auch nicht die Schneehasen und -füchse die hier und da einmal durch die verschneite Schlucht schlichen.
Still und ohne jegliche Worte zu verlieren, stapften Ginta, Oto und Ryoma durch die Schlucht, mit der Hoffnung, endlich diesen Berg zu erreichen.
In der Zwischenzeit erfuhr auch Sayoko über den Plan der drei und folgte ihnen sofort. Fest in ihren langen, schwarzen Mantel eingewickelt, bahnte auch sie sich ihren Weg durch den hohen Schnee.
‚Wenn ich diese Gören erwische...’, dachte sie, ‚...werden die mir den dreifachen Preis abdrücken! Warum verfolge ich sie eigentlich? Den kleinen Betrag, den die mir schulden, bringt es doch nicht... Aber jetzt ist es schon zu spät... Das Risiko, auf einer Fähre zurück nach Vernezye entdeckt zu werden, ist zu hoch...’
Ihr Magen gab ein tiefes und langes Geräusch von sich.
‚Nicht auch noch das! Ich hätte am Abendbuffet mehr essen sollen... Das hast du nun davon, Sayoko.’
Verzweifelt kaute sie nun auf ihrem Kragen herum.
Die Frage, warum sie nicht wieder zurückreiste, war wirklich schwer, anscheinend unlösbar für sie. Früher hätte sie sich einfach in irgendeinen abgelegenen Raum geschlichen und wäre als blinder Passagier mitgereist. Das hatte sie ja schon einmal geschafft. Aber nun fehlte ihr der Mut dazu. Zudem lenkten Ginta, Oto und Ryoma sie zu sehr ab.
‚Hier war ich doch schon mal’, wunderte sie sich, ‚Aber... Das ist schon lange her... Ironie des Schicksals, dass ich genau diesen Weg zurückgehe, wie vor Jahren...’
„Da... Da... ist das das Ende!?“, fragte Ginta.
Oto sah noch mal auf ihrer Karte nach: „Hmm... Das ist das Ende!“
„Beeilt euch!“, rief Ginta und rannte drauf los.
„Warte doch, Ginta!“, schrie Ryoma ihm hinterher und folgte ihm.
„Jungs...“, säuselte Oto.
Endlich hatten sie die Schlucht durchquert und standen inmitten eines Pfades, der zur Bergspitze führen sollte. Leider war der Schneefall auch dort zu dicht, um auf die Spitze sehen zu können. Selbst den Pfad erkannten sie nur bis einige hundert Meter vor sich.
„Los, los, los! Kommt, ich will jetzt unbedingt auf die Spitze des Berges!“, log Ginta, der vor Energie nur so strotzte.
„Wieso so begeistert?“, hakte Oto nach.
„Das wirst du dann sehen, wenn wir oben sind“, grinste er und stapfte weiter durch den Schnee.
Ryoma und Oto sahen sich verwundert an und folgten ihm.
In die Fußspuren, die Ginta hinterließ, passte Oto perfekt rein, es war sogar noch ein wenig Platz übrig. Ryoma jedoch vergrößerte diese Spuren mit seinen Füßen. Leider verschwanden diese Spuren schon nach einigen Minuten im Schnee, somit hatte es Sayoko etwas schwerer, ihnen zu folgen. Aber dies störte sie scheinbar nicht.
Gelangweilt ging sie durch die schneebedeckten Wege des Passes. Nicht einmal die Tiere, die ab und zu einmal vorbeihuschten, konnten sie aufmuntern. Sie war ja dafür auch viel zu abgelenkt.
‚Was mache ich nur immer falsch in meinem Leben? Ich konnte doch damals nichts dafür... Er... Er war einfach zu brutal zu mir gewesen. Wäre das nicht geschehen, hätte ich nicht mein restliches Leben auf der Straße verbracht... Jetzt mich wieder meiner Heimat zu nähern... Ich will nicht daran denken...’
Nach einiger Zeit der Wanderung kamen schon die ersten Beschwerden.
„Wann sind wir endlich daaa?“, stocherte Ryoma rum.
„Ich habe dir doch schon tausendmal gesagt, dass, wenn wir das nächste Dorf erreichen, wir eine Pause einlegen werden!“ Man merkte, dass Oto langsam wütend wurde.
Ginta hingegen schlenderte still weiter den eisigen Pfad hinauf.
„Aber es ist so kalt! Außerdem schwitze ich so...“, nervte Ryoma weiter rum.
„Jetzt benimm dich nicht wie ein kleines Kind!“, fauchte Oto Ryoma an.
Dieser wurde darauf still und bewegte sich zu Ginta, der sich etwas weiter vorne befand.
Es schien für Oto so, als würden die zwei immer schneller laufen. Was auch stimmte.
„Hey!? Lasst mich nicht zurück!!!“, brüllte sie nach vorne.
Ginta sah sich nach ihr um und antwortete: „Dort oben ist ein Haus! Da brennt Licht! Beeil dich, Oto!“
„Ein Haus?“, wunderte sie sich und rannte los.
Je näher sie den Jungs kam, desto klarer wurde es. Dort oben war wirklich ein kleines Häuschen, in dem Licht brannte. Schnaufend und keuchend rannten die drei dem Häuschen entgegen und als sie ankamen, fing ein großes, erleichtertes Stöhnen an.
„Endlich ein warmes Haus!“, gab Ginta von sich und klopfte gegen die Holztür.
Auch Oto und Ryoma freuten sich darüber, endlich ein Haus erreicht zu haben.
Als keine Antwort kam und Ginta noch mal, aber etwas fester an die Tür klopfte, ging diese auf.
„Du hast sie kaputt gemacht!“, warf Ryoma ihm gleich vor.
„Ach was...“, meinte Oto und öffnete die Tür weiter. „Jemand zu Hause?“
Wieder kam keine Antwort.
„Mir ist kalt... Gehen wir rein. Der Besitzer dieses Hauses wird sicherlich bald kommen“, bemerkte Oto zuversichtlich.
Die anderen beiden nickten nur und traten ein.
Vor ihnen lag ein kleines Zimmer mit Bett, Schreibtisch, einem Kamin und einem riesigen Regal, das bis auf den letzten Platz voll gestopft mit aller Art Bücher war.
Es gab noch zwei kleine Nebenzimmer, in die unsere Helden aber nicht reinschauten. Sie saßen auf dem Boden vor dem Kamin, trockneten ihre Kleidung, die durch den Schnee nass geworden war und wärmten sich an dem schönen Kaminfeuer. Leider loderte es nicht mehr allzu stark, deswegen legte Ryoma noch ein paar Holzscheite nach. Entspannt und neugierig ging Ryoma durchs Zimmer und sah sich alles an. Offenbar besaß der Besitzer des Hauses wenige Dinge, bis auf die Bücher, die Ryoma jedoch nicht interessierten.
„Wer hier wohl wohnt?“, fragte sich Oto.
„Ich denke mal, ein begeisterter Leser!“, antwortete Ginta prompt.
Jetzt fehlte nur noch ein heißes Getränk und die Situation wäre perfekt gewesen. Gemütlich streckte sich Ginta und gähnte leicht.
„Du bist doch nicht schon müde? Ich hätte gedacht, du wolltest so schnell wie möglich zur Spitze?“, lachte Oto.
„Es lief halt ein wenig anders als geplant. Ich wusste ja gar nicht, dass wir so schnell auf einen Unterschlupf treffen.“ Ginta machte es sich auf dem Boden gemütlich.
Als Ryoma an der Tür vorbeilief, hörte er Schritte die von draußen kommen.
„Psst, seid mal leise“, flüstere Ryoma.
Ginta und Oto, die ohnehin schon leise waren, sahen ihn nur überrascht an.
Der Schlüssel wurde ins Schloss gesteckt und es klimperte ein wenig.
„Das muss wohl der Besitzer des Hauses sein...“, flüstere Ryoma weiter.
Er bückte sich und versuchte, durch das Schlüsselloch zu schauen. Doch das wurde ihm zum Verhängnis, denn plötzlich wurde die Tür aufgerissen und gegen Ryomas Gesicht geschlagen, der daraufhin nach hinten torkelte.
„Was ist denn hier los!?“, brüllte ein fremde Stimme.
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