kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 30.10.2007 - 21:46 |  |
Kapitel 20 - Hafenstadt Saihyô, Schnee und Berge
Sanft schwebten die ersten kleinen Schneeflocken auf Deck 2 hinab. Je näher das Schiff dem Hafen kam, desto mehr Schneeflocken wurden es.
Der Schnee knirschte unter den Füßen von Oto. Ihr Atem wurde sichtbar und es wurde auch immer kälter.
„Ginta? Wo bist du? Wir legen bald an!“, rief sie über das Deck, doch sie bekam keine Antwort.
Sie stieg die Treppen wieder hinab, um weiter nach ihm zu suchen. Auf den Decks waren nicht mehr viele Personen unterwegs. Es war ja auch nur noch eine Stunde übrig, alles zusammenzupacken und sich fertig zu machen.
Oto lief nun weiter die Gänge entlang.
Nach nicht allzu langer Zeit kam ihr Ryoma entgegen, der auch nach Ginta suchte. Sie standen genau vor dem Lagerraum, indem Ginta schlief.
„Warte mal...“, bat Ryoma, „Hörst du das Schnarchen?“
Oto hörte nun genauer hin und antwortete: „Ja... Ginta?“
Ryoma legte seine Hand auf den Griff der Tür, bewegte sie nach unten und öffnete diese. Das Schnarchen wurde lauter. Oto konnte es nicht fassen. Ginta lag seelenruhig auf dem Boden, mit Myu im Arm und schlief. Doch Ginta war nicht der, der schnarchte, es war Myu.
„Diese zwei...“, kicherte Oto, „Die haben sich echt gern.“
„Das muss man ihnen lassen!“, lachte Ryoma.
Er schlich sich langsam an Ginta heran, beugte sich zu ihm runter brüllte: „Ginta! Wir legen gleich an! Sollen wir ohne dich gehen?“
Dieser sprang sofort auf und hielt sich den Kopf: „Oh nein! Ihr... wollt doch nicht ohne mich... Oto...“, er kam zur Ruhe, „Ryoma? Was macht ihr denn hier?“
„Wir legen gleich ab, Ginta“, antwortete Oto, „Beeil dich... Du musst noch dein Zeug zusammenpacken.“
Ryoma stand da und hielt sich den Bauch vor Lachen. Er fand es anscheinend witzig, wie Ginta auf einmal aufgesprungen war. Er schaute zu Boden, denn dort stand Myu, mit einem wütenden Blick in den Augen. Ryoma wusste sofort, was nun kam und es kam auch. Myu sprang in sein Gesicht und kratze wild darauf herum.
Ginta, Oto und Ryoma hatten ihre Sachen gepackt und waren nun auf dem Weg ans Oberdeck. Der Schnee war schon hoch und es wollte einfach nicht mehr aufhören zu schneien.
„Es ist ganz schön kalt“, meinte Ginta und wickelte sich fester in seinen Umhang.
„Da hast du Recht. Brrrr“, schloss sich Ryoma an.
„Euch macht doch das bisschen Kälte nichts aus!“, sagte Oto mit einem angeberischen Unterton.
„Mir doch nicht!“, plusterte sich Ryoma auf.
„Ich hasse Schnee... und Winter...“, fügte Ginta zu.
„Ich finde es schön, wie die kleinen Schneeflocken vom Himmel fallen und alles, aber auch alles in ein wunderschönes, glänzendes Winterland verwandeln...“, schwärmte Oto.
„Da kann ich mich nicht anschließen“, erwiderte Ginta, „Lasst uns wieder ins untere Deck gehen, mir wird es zu kalt hier...“
Ryoma nickte nur und folgte Ginta die Treppen abwärts.
Oto blieb noch eine Weile stehen und betrachtete den Hafen, den sie bald erreichten. Es würde sicherlich nicht mehr lange brauchen, bis sie endlich anlegten.
Myu starrte gebannt auf den Hafen. Irgendetwas beunruhigte sie.
Auf dem Weg zu ihrer Suite trafen die drei noch auf Relid.
„Ah, ihr seid wohl auf dem Weg zu eurer Suite, richtig? Wir legen ja auch schon bald an. Ihr solltet euch fertig machen“, merkte er an.
„Ja, das haben wir auch schon bemerkt, der Hafen ist schon zu sehen“, meinte Ginta.
„Sagen Sie mal, wie heißt denn der Hafen?“, erkundigte sich Oto.
„Dieser Hafen heißt Saihyô. Eine nette Stadt, bekannt für die schönen Schneelandschaften und den Berg, der hinter der Stadt zu sehen ist.“
„Stimmt... Ich habe den auch gesehen, leider nur schwach. Durch den Schneefall kann man ihn leider nicht so gut erkennen“, berichtete Oto.
„Ich möchte euch noch mal danken... Ihr habt meinen Sohn gerettet und mein Schiff davor bewahrt, unterzugehen... Ich... Wie kann ich euch danken?“
„Sie...“, wollte Ryoma sagen, aber er wurde von Ginta unterbrochen: „Sie haben uns doch kostenlos mitgenommen. Das ist Dank genug...“ Er kramte in seiner Tasche herum, seufzte und sah bedrückt zu Boden.
„Ginta... Was...?“, wunderte sich Oto.
„Wir haben kein Geld mehr!“, schluchzte er.
Daraufhin suchten Oto und Ryoma auch ihre Rucksäcke durch und sahen ebenfalls bedrückt zu Boden.
„Wir können uns nichts mehr zu essen kaufen!“, beschwerte sich Ryoma.
„Ich kann mir auch keine wärmere Kleidung kaufen! Ich... erfrier doch“, jammerte Ginta.
„Mein Vorrat an Antibiotika und Verbänden neigt sich auch dem Ende“, schloss sich Oto an.
Verzweiflung machte sich bei den dreien breit, aber Relid hatte eine Idee.
„Das mit dem kostenlos rüberschiffen... Ach, das ist doch kein Vergleich zu dem, was ihr gemacht habt! Ryoma, du gehst mal schnell in die Küche und lässt dir vom Lagerchef genug Nahrungsmittel mitgeben. Oto, du gehst zur Schwester und holst dir das, was du brauchst. Wir müssen in dieser Stadt sowieso wieder neu aufladen. Ginta, komm mit mir in die Garderobe...“
Ein Lichtblick tat sich für die drei in diesem Moment auf. Kein einziger Moment wurde verschwendet und sie machten sich sofort auf den Weg. Ryoma auf den direkten Weg in die Küche, Oto stattete der Schiffsschwester einen Besuch ab und Ginta, gefolgt von Myu, ging zusammen mit Relid zur Garderobe.
Ryoma bekam so viele Lebensmittel, dass die drei sich damit locker einen ganzen Monat lang durchschlagen können.
Oto packte ihre Tasche voller Medikamente und Verbände und bekam von der Schwester sogar ein Buch geschenkt, in der alle Wirkstoffe von Medikamenten aufgelistet waren.
Ginta unterhielt sich noch ein wenig mit Relid über den neuen Kontinent und über das, was er darüber wusste. Er erfuhr, dass Ruterion ein riesiger Kontinent war, der für ihn voller Überraschungen sein sollte. Er solle auch aufpassen, welche Menschen er träfe. Nicht alle seien so, wie sie zu sein schienen.
Ginta konnte gar nichts mehr überraschen, nach dem, was ihm schon alles widerfahren war. All die Menschen, denen Leid zugefügt worden war. Was war das Ziel der Shal? Ginta wusste es noch nicht.
Endlich kamen sie bei der Garderobe an und Relid zeigte ihm gleich versteckt, hinter den Anzügen, einige Klamotten, die schon ziemlich alt aussahen.
„Also... Ähm...“, Relid kratzte sich den Hinterkopf, „Wenn du sie einige Zeit lang getragen hast, dann sehen sie wieder wie neu aus.“
‚Häh? Also, diese Logik ist... komisch...’, dachte sich Ginta. Er war aber doch dankbar, warme Kleidung zu bekommen.
Relid gab ihm eine lange, beige Hose und dazu eine winterliche, weiße Jacke (schaut so ähnlich aus, wie eine Snowboardjacke), die er gleich anprobierte. Sie passte ihm wie angegossen.
„Ich bin früher durch die Länder gereist. Eines Tages fand ich mein Interesse an der See. Ich gab meine Reisen an Land auf und arbeitete als Matrose. Diese Kleidung hab ich seitdem nicht mehr getragen. Sie... Sie erinnert mich an schöne Zeiten. Sie bringt dir sicherlich Glück“, erzählte Relid.
„Danke, Relid. Ich bin Ihnen sehr dankbar... Sie wird mich nie vergessen lassen, was für einen netten Menschen ich hier getroffen habe“, antwortete Ginta.
Nach einer Weile lag das Schiff schon an seinem Pier. Die meisten Passagiere waren schon von Bord gegangen. Ginta, der Myu auf der Schulter hatte, Oto und Ryoma gingen langsam die Brücke hinunter und gelangten wieder auf festen Boden. Hektisch gingen Matrosen hin und her und beluden das Schiff aufs Neue.
Sie sahen noch ein letztes Mal zum Schiff empor und sahen, wie Relid und seine Frau ihnen winkten. Sie winkten zurück und gingen in Richtung Stadt weiter.
Ginta fühlte sich in den neuen Sachen viel wohler, denn die Kälte konnte ihm jetzt nichts mehr ausmachen. Grinsend sah er Ryoma an, der sichtlich fror.
„Jetzt reicht’s...“, meinte dieser, wühlte in seiner Tasche herum und zog einen langen Mantel hervor. Der Mantel war (im Kimono-Stil) weiß und hatte am unteren Rand ein blaues Muster. Er kuschelte sich tief in seinen Mantel und murmelte: „Jetzt ist es besser.“
Oto lachte nur, denn sie trug ja ein langes Kleid und eine Jacke, weswegen sie nicht fror.
„Oto, wie sieht es aus? Welche Route zum Medizin-Dorf ist die Schnellste?“, erkundigte sich Ginta.
„Also, ich hab mir schon auf dem Schiff Gedanken darüber gemacht. Es ist so, dass wir erstmal diesen Berg überqueren müssen. Wenn wir wieder am Fuße des Berges sind, sollten wir Richtung Nord-Nord-West. Dann gibt es nur noch sechs Städte zu durchqueren und wir sind im Med-Dorf“
„So einfach?“, wunderte sich Ryoma.
„JA!“, freute sich Oto, „Bald werde ich mein Ziel erreichen!“
„Dann... werden wir wohl nicht mehr lange zusammen durchs Land reisen?“, grübelte Ginta und blickte bedrückt zu Boden.
„Ach Ginta...“, sie nahm ihn in den Arm, wobei er rot wurde, „Keine Sorge, ich werde dich sicherlich wieder treffen! Man begegnet jedem Menschen zweimal im Leben, hast du das gewusst?“
Er sah ihr in die Augen. Sie waren nicht voller Freude, nein, er erkannte Trauer in ihnen.
‚Das kann doch nicht stimmen. Ich sehe meine Eltern auch kein zweites Mal oder Oba-san... ‚, dachte er.
Ryoma klopfte ihm auf die Schulter und meinte: „Kommt, wir sollten weiter...“
Sie gingen weiter die Hauptstraße entlang. Ginta machte sich immer noch Gedanken darüber.
Gähnend wachte Sayoko auf, setzte sich hin und überlegte, wo sie war. Sie rieb ihre Augen und stand auf.
„Wo... bin ich hier noch mal?“ Sie schaute sich um.
Verschlafen blickte sie in den leeren Raum, wo nur ihre Tasche und das Bett waren.
„Ich... bin noch auf dem Schiff!“, brüllte sie und sah durch das Fenster in diesem Raum. „Wir sind ja schon da! Oh, nein! Alle sind sicherlich schon von Bord gegangen!“
Sie packte ihre Tasche, warf sie sich über die Schulter und riss die Tür mit aller Kraft auf. Blitzschnell sauste sie die Gänge entlang, durch die Tür und dann über die Brücke. Die Leute, die ihr entgegen kamen, wurden fast umgeschubst, ein Matrose beschwerte sich sogar. Sie lief nun der Stadt entgegen und fragte sich, ob diese nicht etwas zu groß wäre, um dort nach drei Personen zu suchen.
Sie sah sich entmutigt um und blickte auf die Hauptstraße, die ein wenig bergauf ging. Als sie genauer hinsah, erkannte sie wirklich drei Personen, die so wie Oto, Ginta und Ryoma aussahen. Zu ihrem Glück waren sie das auch. Wieder mit Mut erfüllt, rannte sie nun die Straße hinauf und sah, wie die drei in ein kleines Gebäude rein gingen.
Es war eine Touristeninformationsstelle. Oto wollte sich informieren, welcher Weg über die Berge der Beste wäre.
„Also, der Sicherste wäre...“, fing die dort zuständige Person an zu erklären, „Nach dieser Stadt, kommt ein Pass, namens Toge Michi. Er wird oft von Händlern oder Bewohnern der Dörfer, die auf dem Berg liegen, genutzt. Daraufhin kommt ihr an den Fuß des Berges, der liebevoll von unseren Mitmenschen Shimorita genannt wird. Passt bitte auf, gelegentlich kommt es zu Schneestürmen. Ihr könnt in den Dörfern Unterschlupf finden, die Menschen dort oben sind eigentlich ziemlich nett.“
Gelegentlich machte er kleine Pausen und schlürfte an seinem heißen Kaffee. Oto notierte sich alles auf einen kleinen Notizblock.
„Das Sicherste ist, den Pfad zur Spitze zu nehmen“, fuhr er fort, „Ist zwar ein bisschen umständlich, aber für euch jungen Reisenden stellt das sicherlich kein Problem dar. Nun gut, wenn ihr an der Spitze angelangt seit, dann ist der folgende Weg einfacher. Ihr geht den Pfad weiter bergab und kommt am Fuße des Berges wieder an. Der restliche Weg ist ausgeschildert.“
„Vielen Dank für diese ausführliche Wegbeschreibung“, bedankte sich Oto und sie verließ zusammen mit Ginta und Ryoma das Gebäude.
Gemütlich gingen die drei zum Stadttor, um diese Stadt zu verlassen.
Sayoko hingegen steckte gerade wo anders fest. Sie hatte nicht richtig nachgeschaut, in welches Gebäude die drei gegangen waren und ging selber in das Falsche. Sie stand inmitten einer kleinen Halle, in der lauter komisch gekleidete Menschen standen und sich unterhielten. Sie wollte nicht wissen, was das war und verließ dieses Gebäude wieder so schnell wie es ging. Leider hielt noch ein Mann in einem Kuh-Kostüm sie auf und versuchte, sie anzumachen.
„Lass mich in Ruhe! Ich will nichts von dir!“, schrie sie ihn an.
„Ab´er nain, ab´er nain. So lassé isch nischt mit mir ümgähen!“, sagte dieser mit einem komisch klingenden Akzent.
Sayoko reichte es. Sie wollte doch nur ihr Geld haben, aber nein, was musste sie alles durchmachen! Sie wusste selbst nicht einmal, wieso sie den drei Gören hinterherlief.
Sie ballte ihre Faust und schlug ihm in die Magengegend.
„So, das hast du jetzt davon! Wehe, du belästigst mich noch einmal!“, betonte sie. Wütend verließ sie nun dieses Gebäude und sah sich um. Sie lies ihren Kopf hängen.
„Nicht schon wieder!“, meinte sie und schlenderte die Straße weiter hinauf, „Jetzt sind die schon wieder weg...“
[Dieser Beitrag wurde am 30.10.2007 - 21:48 von kazenogaara aktualisiert]
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