kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 19.10.2007 - 15:08 |  |
Kapitel 19 - Myus Aufstand
Es war wieder eine unruhige Nacht für Ginta. Er wälzte sich in seinem Bett hin und her, schwitzte und träumte wieder etwas. Dieser Traum war anders als die vorherigen.
In diesem Traum ging er eine Allee entlang. Links und rechts standen riesige Kirschbäume, die in ihrer vollen Blütenpracht standen. Die kleinen Steinchen knirschten unter den Schuhen von Ginta. Ein leichter Wind wehte ihm durch sein Haar.
Unsicher bewegte er sich die Allee entlang, ohne zu wissen, was auf ihn zukommen würde.
‚Wo... wo bin ich hier?’, wunderte er sich.
Der Wind wendete. Plötzlich sah Ginta einen Schatten hinter einem der großen Kirschbäume.
„Wer ist da?“, fragte er, doch der Schatten verschwand.
„Ginta...“, wisperte eine undeutliche Stimme, „Ginta...“
„Wer ist da?“, wiederholte er und sah sich noch einmal gründlich um. Weder sah er eine Person, noch einen Schatten.
Ein weiteres Mal drehte der Wind und Ginta spürte auf einmal eine warme, angenehme Energie.
„Wer...“ Das war sein letztes Wort, bis eine zärtliche Hand ihm einen Finger auf die Lippen setzte.
„Psst...“, flüsterte diese unbekannte Stimme.
Ginta konnte merken, dass es ein Mädchen sein musste. Sie drückte ihren Körper sanft gegen den von Ginta. Ihre Hände strichen seine Brust entlang. Sein Herz klopfte in einem wilden Rhythmus. Er bekam eine richtige Gänsehaut und wusste nicht, was mit ihm geschah. Es fühlte sich ungewohnt und komisch an, aber Ginta wollte nicht, dass es aufhört. Sie fing nun an, ihm etwas in sein Ohr zu flüstern, doch Ginta verstand kein einziges Wort.
In dem nächsten Augenblick kam ihm ein mächtiger Windstoß entgegen, der ihn fast umgeschubst hätte.
Sie war weg. Ginta stand nun wieder allein in dieser Allee und musste zusehen, wie die Kirschbäume all ihre Blüten verloren. Wie in Zeitraffer veränderten sich die Bäume, wie sie es in den verschiedenen Jahreszeiten taten.
Ginta musste sich die Augen reiben. Er sah sich wieder in der Allee um.
Zu seiner Verwunderung lag Schnee und die Bäume waren kahl. Er fror keineswegs, denn die angenehme Energie war immer noch da.
Im nächsten Moment schmolz das ganze Eis und wurde zu Wasser. In dem Wasser schwammen die Blüten der Kirschbäume. Die Sonne ging unter und tauchte alles in ein dunkles orange-rot. Kleine Wellen entstanden und es dauerte nicht lange, da türmte sich das Wasser zu einer riesigen Säule auf.
Diese steuerte direkt auf Ginta zu.
„Was ist los!?“, fragte er erschrocken und sprang aus seinem Bett. Myu die auf ihm lag hatte ihm das Gesicht geschleckt. Enttäuscht lag sie nun auf dem Boden und sah zu, wie Ginta sich beschwerte.
„Myu! Wieso machst du so etwas? Lass mich doch schlafen! Ich hatte eine harte Nacht!“
Ginta gähnte.
„Was ist denn hier los?“, fragte Oto, die gerade aufgewachte.
„Myu hat mich aufgeweckt!“, erklärte Ginta.
„Lass sie doch, du weißt doch, dass sie dich voll verehrt“, sagte Ryoma und flüsterte noch: „Im Gegensatz zu mir...“
Myu rannte aus dem Zimmer.
„Myu!!! Das war nicht so gemeint!“, schrie Ginta noch hinterher. Aber sie war nun weg. Allein auf diesem riesigen Luxuskreuzers unterwegs.
Myu rannte den Gang entlang und hüpfte die ersten Stufen hinauf zu Deck 4. Sie stand nun da. Hektische Menschen kamen ihr entgegen. Eine Frau trat ihr sogar fast auf den Schwanz. Instinktiv sprang sie zur Seite, um dem gerade noch auszuweichen.
Nun schnupperte sie ein wenig am Boden entlang, roch aber schließlich nichts Interessantes.
Sich umschauend ging Myu nun auf den Sportbereich zu. Dort herrschte etwas weniger Andrang als in der Vorhalle.
Verschiedene Menschen trainierten dort. Myu konnte durch diese Sporthalle durchlaufen, ohne bemerkt zu werden. Die Geräusche, die in diesem Raum zu hören waren, waren für Myu doch ein wenig unangenehm. Das laute Klacken, das Stöhnen, die Geräusche der ganzen Geräte waren einfach viel zu viel für sie.
So lief Myu gleich der großen Treppe entgegen. Leider war diese Treppe etwas länger als die vorherige. Diese hochzuspringen strengte Myu sehr an. Man merkte, dass sie sich von ihrer Seekrankheit noch nicht richtig erholt hatte.
Oben angekommen, machte sie erstmal eine kurze Pause und legte sich neben die Treppe auf den Boden. Noch war niemand zu sehen, der sie hätte entdecken können. Voller Neugierde, was auf diesem Deck alles war, stand sie nun wieder auf und ging das Promenaden-Deck entlang.
Keine Menschenseele war auf diesem Deck unterwegs, ein Vorteil für Myu, die sich ungestört alle Schaufenster anschauen konnte.
Man hätte fast denken können, dass sie ein Mensch war, so wie sie die Schaufenster ansah.
Auf einmal blieb sie stehen. In dem Schaufenster waren wunderschöne Abendkleider und andere Kleidung zu sehen. Ihre Augen weiteten sich, als sie zu einem weißen Kleid hochsah.
In diesem Moment öffnete sich die Tür dieses Shops und nach einigen Sekunden kamen eine Horde Frauen angerannt, die sich in den Laden drängten. Der Grund war einfach, dass der Besitzer am gestrigen Abend einen Sonderverkauf angekündigt hatte.
Gerade noch schaffte es Myu vor dieser Menge davon zu sprinten, sonst wäre sie sicherlich zerquetscht worden.
Enttäuschung machte sich in ihr breit und sie zog weiter ihre Wege. An der letzten Treppe angelangt, packte sie plötzlich jemand am Nacken. Sie wehrte sich, schlug mir ihren Beinen um sich wie wild. Nach einem Moment merkte sie, dass sie nur hochgehoben wurde, sonst nichts.
Wieder beruhigt sah sie sich diese Person an. Zu ihrer Verwunderung erkannte sie, dass es ein Matrose war.
„So aber nicht, meine Kleine. Das Oberdeck ist nichts für kleine zarte Kätzchen wie dich“, sagte dieser mit einer sanften Stimme.
Das war zuviel. Myu kratzte ihm das Gesicht, sodass er sie fallen lassen musste. Ohne jegliche Zeit zu verschwenden, rannte sie nun das Promenaden-Deck zurück in die Richtung, aus der sie kam.
Als sie die erste Stufe der Treppe erreichte, holte sie kräftig Schwung und sprang die Treppe mit einem Mal hinunter. Während des Aufkommens rutschte Myu aus und schlidderte den Boden entlang.
Nun reichte es ihr! Voller Wut im Bauch rannte sie nun weiter den Gang entlang. Ein paar Leute schrieen noch Sachen wie dies hinterher: „Da ist eine Katze!“, „Wem die wohl gehört?“ oder „Die schaut ja aus, als hätte sie ein Hund gebissen.“
Nach nicht allzu langer Zeit entdeckte sie den Lagerraum. Die Tür stand glücklicherweise offen. (Sayoko hat sie ja offen gelassen ;D)
Langsam schlich sie sich ins Dunkle und legte sich in eine Ecke.
Die ersten Tränen konnte sie gerade noch unterdrücken, aber dann wollte es einfach nicht mehr aufhören. Wieso musste das denn ihr passieren? Sie wollte sich doch nur an Ginta kuscheln, aber das ganze endete in einem Kuddelmuddel ihrer Gefühle. Die ganzen Menschen, das war einfach zu viel für sie. Warum wurde sie immer verjagt? Sie war doch einfach nur eine kleine, zärtliche Katze.
„Myu! Myu, wo bist du denn nur?“, rief Ginta durch die Gänge, „Warum finde ich sie denn nicht? Schau mal, ich habe sogar dein Lieblingsfutter mit dabei!“
Ginta machte sich langsam Sorgen. Er wollte nicht, dass Myu etwas zustieß.
„Myu!?“, rief er noch einmal, als er an dem Lagerraum vorbeilief. Das Mal fing plötzlich an, sich bemerkbar zu machen. Ginta wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.
Das Komische war nicht, dass Ginta stehen geblieben war und seine Augen schloss, sondern, dass er plötzlich etwas in sich spürte. Es waren Trauer, Einsamkeit und Verzweiflung. Genau das, was Myu gerade in diesem Moment spürte. Auf einmal waren diese Gefühle weg. Ginta wusste nicht genau, was gerade passiert war, auch nicht, was er als Nächstes tun sollte, aber eine unheimliche Kraft zwang ihn dazu, in diesen Lagerraum zu gehen. Als er Myu auf dem Boden liegen sah, durchfuhr ihn ein schrecklicher Schock. Sie konnte doch nicht tot sein?
Er nahm seine Hand und legte sie auf ihre Brust.
„Bin ich erleichtert... Sie atmet noch...“
Im folgenden Moment drehte sich die schlafende Myu auf die andere Seite und lag auf Gintas Hand. Dieser legte sich dann neben Myu und kuschelte sie an sich.
„Es tut mir Leid, Myu. Ich wollte nicht zu fies zu dir sein...“, entschuldigte er sich und kraulte ihr eine wenig den Bauch.
Leise schnurrte sie und auch Ginta schlief sanft ein.
Währenddessen hielt sich gerade jemand anderes den Kopf.
„Verdammt, was ist passiert?“, fragte Sayoko sich und schaute sich um. Das Zimmer war weiß gestrichen und sah ziemlich steril aus. Musste ja auch steril sein, denn es handelte sich um das Krankenzimmer.
„Mein Kopf... Aua... Was ist... passiert?“, fragte sie sich noch mal und da fiel es ihr plötzlich ein. „Diese Göre... Die, die mir das Geld schuldet! Die hat... Was hat die gemacht?“
„Sie sollten sich ausruhen“, sagte eine Schwester die gerade das Zimmer betrat, „Sie hatten wohl eine schwere Nacht.“
„Ich habe nicht gesoffen, falls sie auf das aufmerksam machen wollen!“, sagte sie wütend und stand auf.
„Ich sagte doch ausruhen!“
Im nächsten Moment fiel Sayoko schon wieder zurück ins Bett.
„Aaaaaaaaaaauaaaaaa!!!“
„Ich hatte ihr doch erst Schmerzmittel verabreicht...“, flüsterte die Schwester. Was sie nicht wusste, war, dass Sayoko alles viel stärker spürte, als andere Menschen.
„Obwohl... Im Bett liegen bleiben und sich pflegen lassen, ist auch gut!“, sagte Sayoko grinsend und nahm einen Schluck aus dem großen Glas Wasser, das neben dem Bett stand.
Überrascht von dem schnellen Sinneswandel sagte die Krankenschwester: „Wie Sie meinen.“
‚Um diese Gören kann ich mich auch noch kümmern, wenn wir am Hafen angelangt sind’, dachte Sayoko.
„Ich hätte dann gerne noch ihren Passagierausweis“, fügte die Schwester hinzu.
Als Sayoko das hörte, verschluckte sie sich an dem Wasser und sagte laut hustend: „Der muss wohl von Bord gefallen sein, nach dem Vorfall gestern Abend!“
„Wenn das so ist...“
‚Noch mal Glück gehabt, Sayoko...’ Seelenruhig schlürfte sie an ihrem Wasser weiter.
„... dann muss ich wohl in der Rezeption nachfragen.“
Wieder verschluckte Sayoko sich.
„Ach...“, fing sie nervös an, „Ich habe den Ausweis gestern doch in meinem Zimmer liegen lassen.“
„Dann sagen Sie mir die Nummer, ich hole ihn.“ Die Schwester blieb hartnäckig dran.
„Aber ohne einen Schlüssel kommen Sie nicht hinein! Den habe ich nämlich über Bord fallen lassen, aus Versehen versteht sich.“
„Das ist kein Problem. Zu jedem Zimmer gibt es einen Zweitschlüssel.“
„Nein, zu meinem nicht... Ich habe nachgefragt, weil... Weil ich meinem Freund den zweiten geben wollte!“, behauptete Sayoko, die langsam ins Schwitzen kam. Wenn das so weiter ging, fielen ihr bald keine Lügen mehr ein.
„Dann kann der schiffseigene Hausmeister bestimmt einen Zweitschlüssel machen.“
‚Kann die nicht endlich aufhören!?’ Innerlich raste Sayoko schon vor Wut.
„Ich habe gehört, dass er krank sei und nicht aushelfen kann“, log Sayoko, um sich zu schützen.
„Aber...“, widersprach die Schwester, bis sie durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen wurde.
Der Hausmeister trat ein und wurde von der Schwester in Empfang genommen.
„Ich habe hier Ihr Mikroskop, das ich reparieren sollte“, sagte der Hausmeister.
Sayoko konnte nur noch verdutzt schauen und wartete, bis die Schwester abgelenkt war. Unauffällig packte sie ihre Sachen und verschwand, als die Schwester gerade in den Nebenraum ging, um dort das Mikroskop zu verstauen. Als sie zurückkam, wunderte sie sich, wo Sayoko geblieben war.
‚Das ist ja noch mal gut gegangen’, dachte sich Sayoko, die aber nun unter Verfolgungswahn litt.
‚Wenn die mich findet, bin ich dran... Nun brauch ich ein neues Versteck.’
Als sie den Gang entlang lief, um sich ein neues Versteck zu suchen, kamen ihr zwei Matrosen entgegen, die sich über die Ankunftszeit unterhielten.
„Morgen früh sollten wir in Saihyô ankommen“, behauptete der eine.
„Wirklich? Ich dachte, dass wir heute Abend ankommen“, erwiderte der andere.
„Ja, aber durch den Vorfall von gestern hat sich das Ganze zeitlich etwas verschoben. Einer der drei hat ja das Steuer übernommen. Laut Aussagen von den Leuten der Brücke hat er die Route etwas nach Nord-Westen verschoben und wie du weißt, liegt Saihyô südlich.“
„Ja, stimmt...“
Über was sie sich noch unterhielten, konnte Sayoko nicht mehr verstehen.
‚Saihyô also. Das ist doch diese Stadt, mit dem vereisten Hafen, oder? Mmh... Das muss sie gewesen sein... Hoffe, dieses Schiff ist mit einem Eisbrecher ausgerüstet.’
Ihr Weg führte sie an einem leeren Raum mit einem Bett vorbei, der natürlich nicht unbeachtet blieb. Neugierig ging sie in das Zimmer und schloss mit dem Riegel von innen ab.
„Glück gehabt, Sayoko, der Tag ist voller Überraschungen...“, sie legte sich in das Bett und schlief ein. Die Kopfschmerzen machten ihr immer noch zu schaffen.
Signatur

Go Go Go Fina-chan!! Ihr Forum ;D |