kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 14.10.2007 - 16:49 |  |
Kapitel 18 - Stürmendes Meer
Ginta und Oto machten nun eine Erkundungstour durch das Schiff. Ryoma und Myu wollten lieber in der Suite bleiben. Der leichte Wellengang machte den beiden zu schaffen.
Der Weg der beiden anderen führte erstmal durch einen Gang, der mit einem roten Teppich ausgelegt war. Seitlich an den Wänden waren goldene Kerzenhalter, die mit allen möglichen Akanthen (Ornamentmotiv des antiken Griechenlands, meist blattförmige Gebilde) und Friesen verziert waren. Dieser Gang führte Ginta und Oto noch an einer Vielzahl von anderen Suiten, Kajüten und Kabinen vorbei. Hektische und beschäftigte Putzfrauen und andere Mitarbeiter kamen den beiden entgegen.
Weiter führte sie ihr Weg durch das Schiff zum nächsten Deck. Deck 5 war das Passagierdeck. Auf dem folgenden Deck 4 waren sämtliche Unterhaltungsräume untergebracht.
Sie gingen die Treppe nach oben und standen in der Mitte einer riesigen Vorhalle, in der viele Sitzmöglichkeiten, Tische und sogar eine Bar vorhanden waren.
„Schau dir das mal an, Ginta! Was für eine riesige Halle!“, sagte Oto, deren Begeisterung man in ihren großen, glitzernden Augen ablesen konnte.
Ginta ging zur Karte, die nicht weit von der Treppe entfernt war und las vor: „Sie sind hier (ein roter Punkt war durch einen Pfeil markiert). Sie stehen inmitten der zweitgrößten Halle des Luxuskreuzers. Auf diesem Deck haben sie viele Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, zusammen mit Freunden im Casino zu sein, oder einfach an der Bar einen genüsslichen Abend zu verbringen. Folgende Sachen finden sie hier: ...“
Ginta zählte die Räume und Aktivitäten nicht mehr auf, sondern schwenkte gleich um, um sich diese Halle genauer anzuschauen.
„Sag mal, Oto... Kommt dir diese Halle nicht bekannt vor?“
„Nicht, dass ich wüsste... Auch wenn ich jetzt genauer hinschaue, erkenne ich nichts, dass ich schon einmal gesehen habe", behauptete sie, kratzte sich am Kopf und schüttelte verneinend den Kopf.
„Mhh... Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein“, endete Ginta.
Da sie noch zu jung für das Casino waren, wendeten sie sich zur Sporthalle. Diese war gefüllt mit vielen Sportgeräten, die schon alle von Gästen besetzt waren. Einige kannte Ginta noch gar nicht, betrachtete sie näher und wunderte sich, wie diese funktionierten.
„Was man damit wohl alles trainieren kann?“, fragte Ginta neugierig.
Kalt entgegnete Oto: „Auf jeden Fall nicht dein Gehirn.“ Sie war wohl nicht sehr davon begeistert und drängte Ginta, so schnell wie möglich weiter zu gehen.
Am Ende der Sporthalle angelangt, wartete die nächste Treppe auf Oto und Ginta.
Etwas genervt ließ Ginta ein Stöhnen los und sagte: „Nicht schon wieder eine Treppe...“
In diesem Moment lief ein Matrose vorbei und hörte dies.
„Warum benutzen Sie nicht den Aufzug?“, schlug er vor und deutete mit seinem Finger auf die rechte Seite des Raumes. Auf dieser Seite war eine rotbraune Tür, die mit goldenen Schnörkeln verziert war.
„Vielen Dank“, murmelte Ginta, doch der Matrose konnte das nicht mehr hören. Zu schnell ging er weiter.
So bewegten sich die beiden in Richtung Aufzug.
„Wer diese Tür wohl gemacht hat? Diese Verzierungen schauen echt schön aus“, wunderte sich Oto, die wieder dieses Glitzern in den Augen hatte.
Eine Sekunde später öffnete sich die Tür und ein paar Menschen verließen den Aufzug. Ginta und Oto stiegen sofort ein und die Tür schloss sich hinter ihnen.
„Man merkt, dass wir bald ablegen“, behauptete Ginta.
„Wieso das denn?“
„Sieh doch. Die ganze Sporthalle war schon mit Gästen gefüllt, und einige weitere Personen sind gerade aus diesem Aufzug ausgestiegen. Es müssten also bald alle Personen an Bord sein“
„Wie lang wir wohl schon auf diesem Schiff sind?“
„Hast du die Uhren in der großen Halle nicht gesehen? Wir sind schon gut 3 Stunden auf diesem Schiff.“
„Tut mir Leid, Ginta, ich war viel zu beschäftigt, die Halle zu betrachten.“
Der Aufzug startete und fuhr eine Etage nach oben, zu Deck 3. Deck 3 war eigentlich nur ein Spazierdeck mit vielen Shops. Ein riesiger Gang führte die beiden vom Heck des Schiffes zum Bug. Beidseitig waren die Wände aus Glas. So konnte man das Meer auf der linken und die Shops auf der rechten Seite sehen.
„Dieses Schiff hat aber echt alles zu bieten!“, rief Oto, deren Begeisterung wohl nicht aufhören wollte.
„Das alles ist auf einem Schiff untergebracht?“
Ginta schlenderte den Gang entlang und sah sich die einzelnen Shops genauer an. Es standen viele Waren zur Auswahl. Es reichte von Uhren über Süßigkeiten, bis hin zu jeglicher Art von Abendgarderobe. Oto jedoch kümmerte sich mehr um das freie Meer. Ginta hatte Recht gehabt, es waren alle Passagiere auf dem Luxuskreuzer und schon seit einer gewissen Zeit war das Schiff auf hoher See unterwegs.
Die Wolken zogen über den Himmel. Möwen versuchten, nach Fischen zu schnappen und die Wellen bewegten das Schiff sanft wie eine Wiege. Dies merkten vor allem Ryoma und Myu, die ja in der Suite geblieben waren.
„Wieder mal ein Moment wo wir zwei alleine sind...“, meinte Ryoma, der einen Blick auf Myu warf. Sie lag auf Gintas Bett und bewegte sich keinen Zentimeter. Siegessicher grinste Ryoma, denn er wusste, dass er diesmal nicht von Myu angegriffen werden würde. Jedoch passierte etwas anderes mit ihm. Plötzlich bekam er ein komisches Gefühl, das von seinem Magen ausging. Schnell rannte er auf das nicht weit entfernte Klo um sich dort zu übergeben. Ryoma wurde wohl seekrank.
Währenddessen kamen die anderen beiden endlich am Ende des Ganges an und nahmen den Aufzug, um auf Deck 2 zu gelangen.
Deck 2 war das Oberdeck. Es ging ein leichter Wind und die beiden konnten viele Gäste entdecken, die an diesem sonnigen Tag die frische Meerluft genossen. Eigentlich gab es nichts Interessantes zu sehen. Es gab ein paar Sitzmöglichkeiten und zentral gab es eine Art Platz. Einige Matrosen liefen hin und her und brachten Tische mit sich, die sie gleich bedeckten. Ein paar andere schmückten diesen Platz mit Girlanden und Lichterketten.
„Komm, Ginta, schauen wir mal, was der Kapitän macht“, schlug Oto vor.
Ginta nickt nur und einen Moment später gingen sie auf die letzte Treppe zu, die zur Brücke, dem Deck 1, führte.
Vorsichtig klopften sie an die dicke Tür und schauten durch das runde Fenster hindurch.
Relid stand am großen Steuer, sah zur Tür hin und winkte den zweien zu. Nun öffnete Ginta die Tür und trat zusammen mit Oto ein.
Voller Freude und Begeisterung schaute sie sich in dem großen Raum um. Ginta fing gleich an, sich mit Relid zu unterhalten, Oto jedoch musste sich die ganzen Apparate anschauen, die man zum Steuern eines Schiffes brauchte.
„Schön, dass ihr hier hoch gefunden habt“, sagte Relid mit einem Lächeln auf dem Gesicht, „Darf ich vorstellen? Das ist Uminoko, meine reizende Gattin.“
Hinter ihm trat seine Frau hervor, die das Baby in den Armen hielt.
„Ich konnte mich vorhin vor lauter Stress gar nicht vorstellen.“
„Was ich noch erzählen wollte...“, fuhr Relid fort, „Heute Abend gibt es eine große Gala. Ich würde euch drei gerne dazu einladen.“
„Wir nehmen natürlich an!“, erwiderte Oto, „Wie romantisch das wohl ist...“
„Aber wir haben gar keine Abendgarderobe...“, erwähnte Ginta beiläufig.
„Darum habe ich euch auch heraufgebeten. Uminoko wird euch einkleiden.“
„Wir haben eine Garderobe für Mitarbeiter, da dürft ihr euch etwas heraussuchen...“
Oto konnte es gar nicht fassen. Einer ihrer größten Träume wurde wahr. Sie durfte auf einem Luxuskreuzer an einer Gala teilnehmen, ein wunderschönes Abendkleid tragen, und der beruhigenden Musik des Meeres lauschen. Ihre Augen glitzerten förmlich und gleich zog sie Ginta mit sich aus dem Raum raus, stürmte die Treppe hinunter und rief: „Wo bleiben Sie!? Wir haben nicht mehr lange Zeit, es ist bald Abend!“
„Oto, wir haben erst Nachmittag...“, murmelte Ginta. Dies hörte Oto aber nicht mehr.
In der Zwischenzeit fragte sich an einem anderen Teil des Schiffes eine junge Frau, wo sie gerade war.
„Es ist so verdammt dunkel... Aber was erhofft man sich, wenn man kein Ticket hat“, lachte sie.
„Aber meiner Meinung nach könnte dieser Lagerraum schon aufgeräumter sein...“
In diesem Moment öffnete sich die Tür und zwei Matrosen betraten den Raum. Sofort versteckte sich die junge Frau hinter einer der Kisten, um nicht entdeckt zu werden.
„Die Chefin meinte, dass hier noch ein paar Tische sein müssten...“, behauptete der etwas größere Matrose.
„Japp, hat sie... Aber wie es scheint, gibt es hier keine...“, meinte der andere und beide verschwanden.
„Puh, noch mal Glück gehabt“, flüsterte sie. „Ich muss jetzt endlich diese Bälger finden! Sie haben mir immer noch nicht mein Geld bezahlt...“, meinte Sayoko mürrisch. So stand sie auf, öffnete die Tür und sah sich um. Da keiner zu sehen war, schlich sie sich den Gang entlang zur nächsten Treppe.
‚Das muss eines der untersten Decks sein... Wenn mich hier jemand findet, bin ich geliefert...’, dachte sie sich. ‚Aber was mache ich hier eigentlich!? Drei Bälgern hinterher jagen, die nicht bezahlt haben? Wie komme ich denn wieder nach Hause!?’ Sie fing schon fast an zu weinen. ‚Tja, das hast du dir selber eingebrockt Sayoko, da kommst du auch selber wieder raus!’
So kam es, dass Sayoko versuchte, sich von Deck zu Deck zu schleichen, ohne bemerkt zu werden, in der Hoffnung, Ginta, Oto und Ryoma endlich zu finden.
Mittlerweile erreichten Oto, Uminoko und Ginta die Garderobe.
„Wenn ich mal fragen darf, wo ist denn der Große in dem roten Kimono?“
„Sie meinen Ryoma?“, fragte Ginta.
„Ich glaube, er ist seekrank“, antwortete Oto, „Er liegt in unserer Suite und ruht sich aus. Ich vermute auch, dass er sie heute auch nicht mehr verlassen wird."
„Also braucht ihr dann nur ein Abendkleid und einen Smoking? Dann nehmen wir doch für dich...“, Uminoko kramte in dem einzigen, riesigen Schrank nach Kleidern, die Oto passen könnten, „...Das hier!“ Sie zog ein dunkelrotes Kleid aus dem Schrank, das am unteren Ende goldene Verzierungen hatte.
„Das ist...“, Oto staunte nur, „wunderschön!“
„Dann geh es doch mal bitte anprobieren, sicher ist sicher. Für dich Ginta... habe ich... das hier.“ Sie holte einen schwarzen Smoking aus dem Schrank.
„Dazu kannst du dieses weiße Hemd tragen. Eine Krawatte brauchst du nicht, oder? Das macht dich nur älter.“
Grinsend nahm er den Smoking entgegen und meinte: „Soll ich es auch sicherheitshalber anprobieren?“
Uminoko nickte nur.
Nach nicht allzu langer Zeit waren die beiden fertig umgezogen. Oto stand bereits vor dem Spiegel und betrachtete sich.
„Das Kleid betont deinen Körper perfekt, du schaust aus wie eine Prinzessin“, bemerkte Uminoko lächelnd.
„Meinen Sie wirklich? Ach... Da fühl ich mich gleich geschmeichelt... Ginta, komm endlich raus und zeig dich!“
„Nein... Ich will nicht!“, hörte man ihn aus seiner Kabine herausrufen.
„Soll ich kommen und dich holen?“
„Nein, Oto, das brauchst du wirklich nicht!“
„Dann komm auf der Stelle raus!“
Die Tür öffnete sich, Ginta trat heraus und sah Oto an. Diese wiederum schaute Ginta an.
„Oto... du... bist wunderschön...“
„Aber du erst, Ginta“, sagte sie und lächelte ihn an.
Ginta stand nun da. Bekleidet mit einem Smoking, alle Knöpfe des Hemdes bis auf die Obersten geschlossen, die Haare gekämmt.
„So kennt man dich ja gar nicht, Ginta!“
„Das ist auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich so was trage...“
„Also, ihr zwei, ich muss mir für heute auch noch etwas zum Anziehen raussuchen und mich fertig machen. Ich hoffe ihr findet den Weg selber zurück.“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verließ Uminoko die Garderobe.
„Ich glaube, wir sollten Ryoma noch Bescheid sagen, dass wir heute Abend auf der Gala sind“, schlug Ginta vor, „Ich werde gleich mal zu ihm gehen.“
„Mach das, Ginta.“
Nun verschwand auch er. Oto wollte nicht allein in der Garderobe zurückbleiben und entschloss sich, noch ein wenig auf dem Oberdeck herumzulaufen. Man merkte, dass es langsam Abend wurde. Die Sonne verschwand allmählich hinter dem Horizont, der rote Himmel wurde langsam in ein tiefes dunkelblau gefärbt und die ersten Sterne waren zu erkennen.
‚Von so einem Moment habe ich schon immer geträumt, Großmutter...’
Nachdem Ginta Ryoma alles über das Vorhaben erzählt hatte, ging er wieder aufs Oberdeck. Ryoma legte sich in das Bett, um sich auszuruhen.
Nach etlichen Treppen und Umwegen, die Sayoko hinter sich brachte, fand sie einen Raum mit der Aufschrift: „Mitarbeiter Garderobe“. Es war nicht abgesperrt, darum ging Sayoko einfach hinein.
‚Die Matrosen die vorhin von der Gala gesprochen haben... Die hatten auch Smokings an... Die beste Tarnung ist also ein Abendoutfit...’
Sie öffnete den einzigen Schrank, der in dem Raum vorhanden war und griff nach dem nächst bestem Kleid. Es war ein schwarzes Satinkleid das sie gleich anzog. Zufälligerweise passte es ihr perfekt. Jetzt musste sie nur noch ihre langen Haare hochstecken, sich schminken und die Tarnung war perfekt.
„Ginta, da bist du ja wieder!“, rief Oto, als sie ihn die Treppe hochgehen sah, „Wie geht es Ryoma?“
„Er hat gesagt, dass es ihm ein wenig besser geht. Ich habe auf dem Weg hier hoch noch nach Schmerztabletten für ihn gefragt.“
„Danke, Ginta.“
Musik ertönte, die Band fing an zu spielen.
„Es fängt an“, meinte Oto, die schon aufgeregt an ihren Kleid zupfte.
Nach dem ersten Lied hielt Relid zusammen mit Uminoko eine Rede, bedankte sich bei Ginta, Oto und Ryoma wegen der Rettung des Kindes, und wünschte allen Gästen viel Spaß am folgenden Abend.
„Oto, darf ich um diesen Tanz bitten?“, bat Ginta, verbeugte sich und nahm Otos Hand. Oto musste daraufhin lachen und meinte nur: „Aber klar doch, Sir Ginta!“
Die beiden gingen auf die Tanzfläche und fingen an, zu der schönen, ruhigen Musik zu tanzen.
Sayoko hatte sich mittlerweile an das Buffet gemacht.
„Das... schmeckt ja richtig klasse! Es ist schon lange her, dass ich so was Köstliches gegessen habe...“
„Auf diesem Schiff ist sicherlich viel zu holen“, sagte eine tiefe Stimme, „Ihr kennt den Plan?“
„Ja!“, antworteten die zwei anderen Personen. Das kleine Boot, auf dem sie fuhren, näherte sich langsam dem großen Luxuskreuzer.
„Ist das nicht ein wenig zu groß für uns?“, fragte die unsichere Stimme.
„Zu groß für andere Piraten, aber nicht für uns!“, meinte die tiefe Stimme und lachte.
„Wir sind nur eine einfache Diebesbande“, erwiderte die letzte Person.
Als das kleine Boot fast die Schiffswand berührte, nahmen die zwei kleineren Personen ein paar lange Enterseile und warfen sie Richtung Reling.
„Ihr habt eure Waffen? Gut... Auf geht’s!“, meinte der Größte der drei mit der tiefen Stimme.
Sie kletterten die Wand empor und standen nun auf dem Oberdeck. Glücklicherweise waren sie am Heck des Schiffes. Die zwei kleineren Personen gingen in Richtung Brücke, die größte Person ging zur Gala, die noch immer stattfand. Die Gäste bekamen von alldem nichts mit, aber es gab noch Ryoma, der aufmerksam wurde. Sie mussten ja extra an der Suite vorbeiklettern.
„Was... war denn das?“, wunderte er sich, öffnete das Fenster und sah nach oben. „Enterhaken? Ein Boot? Was ist denn hier los?“
In diesem Moment vergaß er seine Seekrankheit, zog sich an und rannte so schnell es ging nach oben.
Oben angelangt, musste er erstmal durchatmen.
„Otochen und Ginta...“, er schnaufte heftig, „...sie... sind auf der Gala! Ich muss sie warnen!“
Er rannte weiter, doch als er den Platz endlich erreichte, war es schon zu spät. Der große Typ stand inmitten des Platzes und hielt eine große Waffe gen Himmel. Diese sah aus als wäre sie eine Art Kanone, mit viel Schnickschnack drum rum. Als Ryoma den Kerl sah, stellte er sich gleich an die nächste Wand, um alles genau zu beobachten.
‚Verdammt, ich komme zu spät! Wo... Wo sind Oto und Ginta!?’ Aufmerksam schaute Ryoma durch die Reihen, aber konnte die beiden nicht erkennen.
„Was... Was willst du von uns!?“, schrie Relid, der in der ersten Reihe stand.
„Gebt mir all euer Geld und Schmuck!“, rief der Typ zurück, „Einer meiner Männer sollte gerade das Steuer übernehmen. Der andere wird gleich hier erscheinen.“
‚Die Brücke! Das ist der Ort! Auf geht’s, Ryoma!’
Griffbereit legte er eine Hand auf sein Schwert und rannte in Richtung Brücke, die nicht weit entfernt war. Er machte sich Sorgen um Ginta und Oto, die er nicht gefunden hatte.
Da war sie, die Treppe zur Brücke. Er sprang auf die ersten Stufen hinauf und rannte nach oben, aber es passierte wieder etwas Unerwartetes. In diesem Moment öffnete sich die Tür zur Brücke und ein komisch gekleideter Mann kam heraus.
„Verdammte Scheiße!“, fluchte Ryoma.
„Wer... bist du denn, Schwertkämpfer?“, fragte der Typ. Ryoma sah auf seinem Rücken ein großes, machetenähnliches Schwert.
„Du bist wohl vor Osoro geflüchtet? Hey, Bruder, ich bin hier mal beschäftigt...“, rief er in die Brücke rein und schloss die Tür hinter sich.
„Lasst die Passagiere in Ruhe!“
„Auf keinen Fall!“, warf der Typ zurück und lachte.
Währendessen versuchten Ginta und Oto, so wenig wie möglich aufzufallen.
„Wir müssen eingreifen...“, flüsterte Ginta, ohne bemerkt zu werden.
„Aber er hat eine Kanone... Wie willst du da eingreifen?“
„Ich weiß... Wird schwierig... Er kämpft auf eine lange Distanz, man muss also von Nahem kommen... Ich hab da eine Idee, Oto!“
Ginta beugte sich zu Oto hin und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Daraufhin weiteten sich ihre Augen und sie stotterte: „Nie... Nie... Niemals!“
„Psssssssst! Dir bleibt nichts anderes übrig, Oto! Während du dich um ihn kümmerst, werde ich mich um die Brücke kümmern...“
Nach diesen Worten versuchte er sich durch die dicke Masse unbemerkt zu bewegen.
„Ginta!“, murmelte Oto.
Ihr blieb nichts anderes übrig, sie drängte sich in die erste Reihe und sagte: „Hey... hast du nicht Lust auf mich? Ich steh auf starke Männer...“
Daraufhin ging Osoro auf Oto zu und streichelte ihre Wange. Sie war so angeekelt, dass sie ihm gleich eine Ohrfeige verpasst hätte, aber sie musste sich zusammenreißen, für das Wohl der Passagiere. Sie fasste all ihren Mut zusammen, schluckte ihre Angst runter und führte ihr Schauspiel fort.
Zur selben Zeit in einem anderen Teil des Schiffes bekämpften sich Ryoma und dieser unbekannte Schwertkämpfer.
„Dann fangen wir mal mit dem Kampf an! Darf ich mich vorstellen? Ich bin der große Akanjo! Meines Zeichens Schwertkämpfer...“
„Wer hat dich nach deinem bescheuerten Namen gefragt?“, lachte Ryoma höhnisch.
„Du...!!!“
Mit einer Hand griff er nach seinem Schwert, zog es heraus und sprang auf Ryoma zu. Der zog ebenfalls sein Schwert heraus und blockte Akanjos Angriff. Ryoma sprang zurück und versuchte, sich von den Angriffen Akanjos zu befreien. Leider schaffte es Ryoma nicht und er blockte einfach weiter die mächtigen Angriffe.
Nervös tippte Sayoko mit ihren Füßen auf den Boden.
‚Auch das noch! Kann dieser doofe Tag nicht endlich zu Ende gehen!? Wenn niemand anderes handelt, dann muss ich es wohl tun! Und diese blöde Kuh regt mich langsam auch auf!’
Sie ballte ihre Fäuste, schubste die Leute vor sich bei Seite, die daraufhin unfreundlich reagierten, und ging direkt auf Osoro zu.
„Kannst du nicht einfach verschwinden!?“, schrie sie und schubste ihn auf den Boden. Zum Pech aller drückte Osoro auf den Abzug seiner Kanone, die dadurch eine Rakete abschoss. Die Rakete hinterließ einen dicken Rauchstreifen, als sie dem Himmel empor flog. So wie etwas dem Himmel empor fliegt, kommt es auch wieder zurück und das tat die Rakete ebenfalls. Mit einem pfeifenden Ton raste sie mit einer enormen Geschwindigkeit Richtung Schiff zurück. Die Rakete schlug direkt an dem Ort ein, wo Ryoma und Akanjo kämpften.
Eine riesige Druckwelle schleuderte die zwei auf den Boden und setzte das halbe Oberdeck in Brand.
„Was... war das denn!?“, fragte sich Ginta, der endlich am Ort des Geschehens ankam, „Oh nein! Nicht auch noch das!!!“
Er hatte leider seinen Stab nicht dabei, also musste er sich auf seine körperlichen Fähigkeiten verlassen. Er stürmte in die bisher unbeschädigte Brücke, um zu sehen, was vor sich ging.
Ein Kerl mit einer komisch, auffälligen Frisur stand am Steuer. In den Ecken saßen die Matrosen gefesselt am Boden und schrien um Hilfe.
„Kehehehehe! Osoro ist ja so ein Idiot! Wieso hat er denn diese Rakete abgefeuert!? Huch... Wer ist denn das?“
„Verschwindet sofort vom Schiff! Lasst die Passagiere in Ruhe!“
„DAS ist bereits zu spät, Kleiner...“, behauptete der Kerl, der mit seinem Messer auf Ginta zeigte, „Du legst es wohl auf einen Kampf aus, kehehehehe!“
„Wenn du das so sagst“, Ginta grinste, zog sein Sakko aus und warf es in die Ecke, „Euch befreie ich gleich!“
Osoro stütze sich auf, schaute Sayoko direkt in die Augen und verpasste ihr eine Ohrfeige. Blitzschnell stürzte sich Oto auf ihn und warf ihn wieder zu Boden.
„Verschwindet! Sucht irgendwo Schutz, das könnte jetzt gefährlich werden!“, schrie sie, während sie ihr schönes Kleid ein wenig kürzte, um sich besser bewegen zu können.
„Du... Du bist das eine Mädchen, Oto!“, warf Sayoko ihr vor.
„Ich war schon immer Oto... Halt... Du bist doch diese eine Wahrsagerin!?“
„Ihr schuldet mir noch Geld!“
„Kümmern wir uns doch erst um den hier...“, schlug Oto vor und blickte auf den Boden.
Komischerweise lag er nicht mehr dort. Beide blickten sich um, wo er denn sein könnte, fanden ihn aber nicht.
„Ihr seid dem Untergang geweiht!“, schrie er.
Sie blickten nach oben, und sahen ihn. Osoro stand auf dem großen Schornstein und zielte direkt mit seiner Kanone auf die beiden.
„Er... Er wird schießen!“, schrie Oto panisch.
„Das hätte ich nun wirklich nie gedacht“, behauptete Sayoko, „Wenn er schießt, dann versuche ich ihn aufzuhalten!“
„Wie willst du das denn schaffen?“
„Keine Angst, Oto, ich habe da besondere Fähigkeiten...“ Sie grinste nur noch und winkte Oto beiseite.
Sayoko schwitze ein wenig und wurde nervös. Sie war unsicher ob sie das wirklich schaffen konnte und ob ihre Fähigkeiten für so was ausreichten.
Von einem Ring aus Feuer umschlossen standen sie sich nun gegenüber. Ryoma wurde ein wenig heiß, aber schwitzte noch lang nicht so viel wie Akanjo.
‚Wenn das so weiter geht, geht das Schiff unter! Ich denke mal, dass alle Passagiere schon in Panik von Gang zu Gang rennen! Ich... muss etwas unternehmen!’
Ihm blieb nichts anderes übrig, als Akanjo zu besiegen und danach das Feuer zu löschen. Ryoma spürte plötzlich eine Menge an Energie in sich, er konnte einfach nur gewinnen.
„Mach dich bereit zu sterben! Mein Name wird der letzte sein, den du je gehört hast!“, rief Ryoma siegessicher.
„Das hättest du wohl gerne! Ha... ha... hahahahaha!“
Ohne zu Blinzeln nahm Ryoma sein Schwert fest in die Hand und rannte direkt auf Akanjo los. Er gewann mehr und mehr an Kraft und auf einmal fing sein Schwert an zu brennen. Wie konnte denn das sein?
Vor lauter Heldengefühle bemerkte das Ryoma gar nicht, er rannte einfach weiter auf ihn zu. Akanjo hob noch sein Schwert, doch Ryoma war ihm zuvorgekommen. Er schaffte es, mit seinem Schwert zuerst zu zustechen. Der Sieg war sicher. Akanjo fiel auf den Boden, hielt sich die verwundete Brust und presste seine letzten Worte raus: „Wie... heißt... du... Schwertkämpfer?“
Ryoma wandte sich von ihm ab und meinte stöhnend: „Herr des Schwertes, Ryoma Sakamoto...“
Man hörte in diesem Moment nur noch das knisternde Feuer, dass mehr und mehr an Fläche gewann.
„Jetzt muss ich mich um den Brand kümmern!“
Er hatte seinen Kraftschub verloren, schnaufte ein wenig, und bewegte sich nun den Flammen entgegen. Sein Schwert leuchtete immer noch ein wenig und komischerweise gingen die Flammen zurück, als das Schwert in deren Nähe war.
‚Was... ist das?’
Ryoma versuchte es weiter. Wieder nahm er das Schwert, hob es den Flammen entgegen und schon wurden sie weniger.
„Das ist ja mal krass!“, rief er laut dem Himmel entgegen, „So, und nun den Rest des Brandes!“
Der Typ bewegte sich auf Ginta zu. Langsam nahm er sein Messer zum Mund und leckte es ab. Ginta wusste nicht, ob dieser Typ ein vollkommener Psychopath war oder einfach nur verrückt.
„Wenn du es so haben willst!“, warnte Ginta.
Das Mal fing wieder an, sich bemerkbar zu machen. Es brannte. Ginta konzentrierte seine Kräfte und versuchte seine vorhandene Energie richtig zu nutzen. So wie das Schicksal es wollte, leuchteten seine Hände wieder blau auf und durchströmten seinen Körper mit einer immensen Kraft.
Schlag auf Schlag überschlugen sich die nächsten Ereignisse. Ohne jegliche unnötige Worte zu verlieren, sprintete Ginta auf seinen Gegner zu. Er spürte keine Wut, keinen Hass, noch nicht mal irgendwelche anderen Gefühle in sich. Er wusste einfach, dass er das hinter sich bringen musste. Irgendetwas musste das gewesen sein, das ihm totale Sicherheit schenkte.
Die Bewegungen der beiden konnte man mit Choreographien vergleichen. Jeder wich geschickt den Angriffen des anderen aus.
„Wie... heißt du? Du kämpfst gut!“, fragte der Unbekannte schnaufend.
„Verrate mir... erst deinen Namen!“, erwiderte Ginta keuchend.
„Jeder nennt mich... Chudoku!“
„Was für ein blöder Name!“
Darauf reagierte Chudoku sofort, er schmiss sich auf den Boden und attackierte Ginta von dort aus. Besser gesagt, er bewarf ihn mit seinem Messer. Ginta schaffte es gerade noch hochzuspringen und der Attacke auszuweichen.
Nun hieß es Mann gegen Mann. Keiner hatte eine Waffe und es schien, als ob Ginta klar im Vorteil war. Leider dachte er das auch und wog sich auf die sichere Seite. Unvorhersehbarerweise griff Chudoku in seine Hosentasche und holte etwas Kleines, Rundes heraus, das er sofort auf den Boden schmiss.
Es war eine Rauchbombe!
Dicke Rauchschwaden machten sich in dem Raum breit, Ginta konnte gar nichts mehr erkennen. Das Einzige, was er hörte, war die Stimme von Chudoku: „Du wirst mich nie finden! Keheheheh!“
Das brauchte Ginta auch gar nicht. Er streckte seine Arme in die Luft, konzentrierte sich und war in der Lage etwas zu spüren. Jedes Mal, wenn er sich durch den Raum bewegte, bewegte sich auch die Luft mit. Genau das konnte Ginta spüren.
Er konzentrierte sich weiter, sammelte all seine Kraft und in seinen Händen entwickelte sich eine kleine Energiekugel.
Chudoku bewegte sich nun von hinten auf Ginta zu, dieser jedoch drehte sich blitzschnell um und drückte ihm diese Energiekugel gegen die Brust. Mit einem Schlag wurde Chudoku gegen die Tür geschleudert, die dadurch komplett zerstört wurde.
Das Mal hörte auf zu brennen, Gintas Körper beruhigte sich wieder. Erleichtert ging er zu den Matrosen, band sie los und verließ die Brücke. Die Matrosen kümmerten sich gleich wieder um die wertvollen Messgeräte und um das Steuern.
„Warum... „, wunderte sich Ginta, „...gibt es so viele Menschen auf der Welt, die etwas Böses machen?“ Er streifte sich den Dreck von der Hose und zog sein Sakko wieder an.
Osoro brauchte nur seinen Zeigefinger nach hinten drücken um eine weitere Rakete abzufeuern. Oto und Sayoko waren sich sicher, dass es gleich geschehen musste. Die Spannung lag förmlich in der Luft, die vorhandene Nervosität hatte kein Ende. In jeder Sekunde konnte er so eine Rakete abfeuern.
Sayoko machte sich bereit, indem sie Energie sammelte. Oto stand nur fassungslos daneben und wartete ab.
Das Rauschen des Meeres wurde immer lauter und lauter. Oto spürte etwas Merkwürdiges, was sich auf das Schiff zu bewegte.
Eine große Welle schlug gegen eine Seite des Schiffes und brachte es zum Schwanken. Es schwankte so heftig, dass Sayoko hinfiel. Auch Osoro rutschte vom Schornstein und drückte aus Versehen auf den Abzug. Eine Rakete schoss wieder heraus und ihr Ziel war Oto!
Osoro fiel direkt in die Tiefen des Meeres. Man vernahm nur noch ein Platschen und das war es mit ihm.
Die Zeit verlangsamte sich, Oto konnte die Rakete in ihrem Flug gut erkennen. Ihr schossen auf einmal Bilder ihrer Großmutter durch den Kopf, Bilder von Ginta, Ryoma und Myu. Sie sah auch all die Personen, die sie bisher auf ihren Reisen kennen gelernt hatten.
Sie bekam keine Luft mehr. Ihr Herz schien stehen geblieben zu sein.
Sie musste jetzt all ihren Mut sammeln, sich zusammenreißen. Irgendwie musste sie es doch schaffen, diese verdammte Rakete aufzuhalten!
Oto fing an zu weinen. Es musste doch einen Weg geben!
Wie in Zeitlupe näherte sich die Rakete Oto. Sie wollte schreien, konnte aber nicht, da ihr die Stimme wegblieb.
Sie kam immer näher, immer näher, und Oto wurde immer mutloser und verzweifelter.
Nun war es soweit, die Rakete war kurz vor der Berührung mit Oto, doch diese bekam plötzlich einen mächtigen Kraftschub, schwebte empor und schickte eine riesige Menge an Wasser gegen die Rakete. Diese wurde daraufhin in die entgegen gesetzte Richtung ins Meer geschleudert.
Oto konnte es nicht glauben. Sie hatte es geschafft!
Ihr wurde nun alles klar. Das war die Prophezeiung die sie von Sayoko erhalten hatte.
Sanft glitt sie wieder zu Boden.
Alles war gerettet. Kein Feuer mehr auf dem Schiff, alle Passagiere waren heil, und nichts war zerstört. (Ja gut, die Tür zur Brücke wurde ein wenig verbeult, aber was soll’s.)
Ginta und Ryoma machten sich schon Sorgen um Oto, der es aber letztendlich gut ging. Die beiden trafen nun auf sie und erzählten sich vom Geschehenen. In diesem Moment kam Relid die Treppe hoch gestürmt und wollte sich nach der Lage erkundigen.
Als er von der guten Botschaft hörte, war er erleichtert und erzählte davon, dass auch den ganzen Passagieren nichts passiert war. Abermals bedankte er sich herzlich bei den dreien und kümmerte sich nun noch um andere Dinge.
Die Sterne glitzerten heller denn je in dieser Nacht. Ginta, Oto und Ryoma zogen sich in ihre Suite zurück und schliefen ein. Keiner von ihnen hatte an einem Tag so viele neue Kampferfahrungen gesammelt an diesem.
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