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Eden Moderatorin Status: Offline Registriert seit: 31.05.2008 Beiträge: 115 Nachricht senden |
Im Rahmen meiner letzten Mündlichen Prüfung musste ich mich ausgiebig mit der Frage, ob man den Tod denken könne, beschäftigen. Dazu gibt es eine Vielzahl philosophischer Meinungen die in beide Richtungen tendieren. Ich werde euch jetzt nach und Nach meine Handouts zu diesem Thema einstellen und bin sehr an eurer Meinung zu den philosophischen Meinungen Interessiert. Wenn ihr etwas nicht versteht, oder ihr Fragen habt, immer her damit^^ Beginnen möchte ich mit der Zusammenfassung eines Essays Bernard Williams, ein Neuzeitlicher Philosoph aus England, der 2003 verstarb. Signatur Alles sagt mir, daß ich kurz davor stehe, eine falsche Entscheidung zu treffen. Aber wer handelt, macht zwangsläufig auch Fehler. Was will die Welt von mir? Daß ich keine Risiken eingehe? Daß ich wieder dahin zurückkehre, wo ich herkomme und nie den Mut aufbringe, ja zum Leben zu sagen? Paulo Coelho, Elf Minuten) | ||||
ichbinich ![]() Administratorin Status: Offline Registriert seit: 20.05.2008 Beiträge: 678 Nachricht senden |
Ich glaube, etwas, was praktisch nicht ist, kann man nicht denken, weil es nicht ist. Der Tod ist ein Ende und bedeutet somit, dass etwas nicht (mehr) ist und somit aufhört, zu sein. Man könnte allerhöchstens das Sterben "denken". Aber wie ist denken in dem Fall überhaupt definiert? Ich glaube, wenn jemand stirbt, ist es für die betreffende Person spätestens dann nicht mehr schlimm, wenn er/sie tot ist. Signatur meine Homepage Warum sollte man Angst vor dem Tod haben? Solange wir sind, ist der Tod nicht da, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr. (Epikur) Wenn das menschliche Gehirn so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen würden. (Zitat aus "Sofies Welt") Alle Menschen sind Ausländer. (Caritas Tirol) Anderen Menschen aus reiner Naivität blind zu vertrauen, ist keine Kunst. Ihre wahre Niederträchtigkeit zu kennen und ihnen zu misstrauen, ist auch keine Kunst. Die Kunst ist, über das wahre, niederträchtige Wesen der Menschen Bescheid zu wissen und ihnen trotzdem zu vertrauen. Vermutlich gibt es uns nur, weil das Nichts schon immer das Bedürfnis hatte, zu etwas zu werden. Dummheit ist kein Mangel an Intelligenz, sondern ein Mangel an Fantasie und an der Fähigkeit, über die eigene Existenz hinauszudenken und größere Zusammenhänge zu erkennen. Intelligenz ist die Fähigkeit, vorauszudenken, zu kombinieren und mehr als nur einen einzigen Aspekt einer Sache zu sehen. ![]() ![]() ![]() | ||||
Melina ![]() Moderatorin Status: Offline Registriert seit: 06.07.2008 Beiträge: 195 Nachricht senden |
Sehr krass... zu fast jedem Spiegelstrich kann man ja eine eigene philosophische Abhandlung schreiben... Signatur Und über kein Ding der Welt weiß ich weniger als über mich. (Hermann Hesse: Siddhartha) | ||||
Eden Moderatorin Status: Offline Registriert seit: 31.05.2008 Beiträge: 115 Nachricht senden |
@ Melina: Das siehst du völlig richtig. Es geht tatsächlich um das denken, nicht das Vorstellen. Dabei wird in den meisten texten sehr grob unterschieden und es gibt zu beidem auch sehr feste Meinungen in der Philosophie. Was den Williams-text, bzw meine Zusammenfassung anbelangt: Ich mag ihn nicht. Natürlich gibt es gute Geschichtspunkte, aber schon alleine die unveränderlichkeit des Charakters erscheint mir unlogisch. Wir verändern uns doch stetig und nur weil wir äußerlich nicht mehr altern muss das innerlicht ebenso sein. Ich gebe dir zwar recht dass es schwer ist sich selber zu ertragen, vor allem wenn man die Ewigkeit hat, aber ich finde seine Schlussfolgerung dürftig. Dem Fazit würde ich jedoch auch zustimmen. Es kann zwar eine begrenzte Zeit sehr spannend sein zu leben aber ewig? Schon alleine wenn ich bedenke dass ich alle Menschen die ich gern habe sterben sehe. Nein danke! Signatur Alles sagt mir, daß ich kurz davor stehe, eine falsche Entscheidung zu treffen. Aber wer handelt, macht zwangsläufig auch Fehler. Was will die Welt von mir? Daß ich keine Risiken eingehe? Daß ich wieder dahin zurückkehre, wo ich herkomme und nie den Mut aufbringe, ja zum Leben zu sagen? Paulo Coelho, Elf Minuten) | ||||
flores sitzt gemütlich im Pelz des Kaninchens... ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.11.2008 Beiträge: 11 Nachricht senden |
Es gehört wohl zum Menschen, sich davor zu fürchten, was er nicht kennen und nicht denken kann. Ich stelle mir vor, dass schon unsere Urururur...ahnen, sich vor Dingen, Gegenden, Tieren, Menschen fürchteten, die ihnen unbekannt waren. Vermutlich war andererseits aber der Antrieb ausgeprägt, Unbekanntes zu erkunden. Hinsichtlich des Todes haben wir keine Möglichkeit ihn kennenzulernen, als ihn zu erleiden. Wir können Sterbende erleben und uns ein Bild vom Sterben machen. Aber der Tod als Ende des Lebens ist unvorstellbar. Dennoch haben Menschen sich Vorstellungen darüber gemacht und dies in Dichtungen wie Märchen, Mythen und Volksstücken zum Ausdruck gebracht. Es gibt auch die Bezeichnung "Gevatter Tod", die mir schon als Kind als freundliche Gestalt erschien. "Gevatter" ist eine Bezeichnung für einen bestimmten männlichen Verwandten, also könnte man denken, der Tod ist jemand der zur Familie der Sterblichen gezählt werden kann. Ein Blick auf meine friedlich 'schlafende' Großmutter hat mir mit 6 Jahren gesagt, dass das mit dem Tod nichts Schlimmes sein kann. Ob der Tod ein 'Tor' zur Unsterblickeit ist, zu einer anderen paradiesischen Welt - wie Religionen mutmaßen - ist gleichfalls nicht zu beantworten. Aber sich immer wieder mit solchen Fragen zu beschäftigen und zu erleben, dass sie immer wieder ohne Antwort bleiben, dass sie nur unsere Phantasie anregen, das ist sicher sinnvoll. Es kann so m.E. integriert werden, was wir nicht kennen und die Angst davor sich verflüchtigen. flores Signatur "Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen." (Rolf Reinhold) | ||||
ichbinich ![]() Administratorin Status: Offline Registriert seit: 20.05.2008 Beiträge: 678 Nachricht senden |
Ich bin nicht ganz deiner Meinung. Ich fürchte mich nämlich überhaupt nicht vor dem Tod. Natürlich kennen wir wahrscheinlich alle diese speziellen Albträume, in denen man panisch vor Angst (Todesangst) davonrennt und das Gefühl hat, nicht voranzukommen. Aber diese Angst, irgendwie "gefasst" und getötet zu werden, ist in meinen Augen nicht wirklich eine Angst vor dem Tod. Es ist einfach Panik. Wenn ich mir in ruhigen Augenblicken vorstelle, wie es wohl sein muss, tot zu sein, habe ich keine Angst davor. Manchmal überlege ich sogar, wie es sich anfühlt, sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden (ansonsten bin ich normal, ich muss nicht in die Psychatrie eingewiesen werden). Bei mir setzt der Überlebenswille eigentlich nur in Augenblicken der Gefahr ein, wenn zum Beispiel ein Auto auf mich zurast und ich gerade noch schnell zur Seite springen kann, etc. Signatur meine Homepage Warum sollte man Angst vor dem Tod haben? Solange wir sind, ist der Tod nicht da, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr. (Epikur) Wenn das menschliche Gehirn so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen würden. (Zitat aus "Sofies Welt") Alle Menschen sind Ausländer. (Caritas Tirol) Anderen Menschen aus reiner Naivität blind zu vertrauen, ist keine Kunst. Ihre wahre Niederträchtigkeit zu kennen und ihnen zu misstrauen, ist auch keine Kunst. Die Kunst ist, über das wahre, niederträchtige Wesen der Menschen Bescheid zu wissen und ihnen trotzdem zu vertrauen. Vermutlich gibt es uns nur, weil das Nichts schon immer das Bedürfnis hatte, zu etwas zu werden. Dummheit ist kein Mangel an Intelligenz, sondern ein Mangel an Fantasie und an der Fähigkeit, über die eigene Existenz hinauszudenken und größere Zusammenhänge zu erkennen. Intelligenz ist die Fähigkeit, vorauszudenken, zu kombinieren und mehr als nur einen einzigen Aspekt einer Sache zu sehen. ![]() ![]() ![]() | ||||
flores sitzt gemütlich im Pelz des Kaninchens... ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.11.2008 Beiträge: 11 Nachricht senden |
Ja, ich hätte besser schreiben sollen: Es gehört wohl zu den meisten Menschen, sich davor zu fürchten, was sie nicht kennen und nicht denken können. Signatur "Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen." (Rolf Reinhold) | ||||
Eden Moderatorin Status: Offline Registriert seit: 31.05.2008 Beiträge: 115 Nachricht senden |
Dann zähle ich auch zu den meisten Menschen. Mir macht unbekanntes Angst, oder es bereitet mir zumindest ein großes Unwohlsein. Das ist ürbigens auch die in der Philosophie am meisten vertretene Meinung. Aber jetzt stelle ich erst einmal die nächste Zusammenfassung eines Texte ein - Vergleich Freiheit und Tod. Beides wird ontologisch betrachtet. Er spricht von einer ontologischen Inversion - Somit ist der Tod nicht nur eine Tatsache sondern eine Notwenigkeit - somit ging die Philosophie davon aus, dass der Tod zum menschlichen Wesen gehöre. Man muss den Tod hinnehmen und das gilt dann als Freiheit - Solange der Tod nicht überwunden wird ist er bloße Natur und unüberwindbare Grenze allen Lebens - Der Tod wurde in ein existentielles Privileg umgewandelt. - Zitat Marcuse: Von Anfang bis Ende hat die Philosophie diesen seltsamen Masochismus an den Tag gelegt- und auch schon Sadismus, denn die Überhöhung des eigenen Todes schloss die Überhöhung des Todes anderer mit ein - Durch Sokrates wird der Philosoph näher zum Soldaten gerückt, denn beide ergeben sich heroisch dem Tode - Alle Philosophen haben eine idealistische Einstellung zum Tode - Was Sokrates wahre Intention ist, wird nie klar, denn dieses Geheimnis nimmt Platon mit ins Grab. Warum musste Sokrates sterben? - Klar ist, er wertet den Leib ab und somit beginnt das wahre Leben erst nach dem Tod. - Der Geist wird dem Körper entgegen gesetzt und ist dessen Negation - Die Todesvorstellung hat sich immer weiter entwickelt. Im Fordergrund steht nun die Vorstellung vom Tod. - Laut Hegel ist der Tod die Negation vom Negativen oder auch die Auferstehung des Geistes aus seiner Natürlichkeit und unangemessenen Endlichkeit - Diese Tradition endet mit Heidegger, Er schafft eine höchst ermunternde Einstellung zum Tod, welche sich gut im Politischen Bild und den KZs wieder spiegelt - Marcuse versucht nun ein Normalverhalten zum Tode zu entwickeln - Der Tod ist unausweichlich und in den meisten Fällen ein Ereignis voller Schmerz, Schrecken und Gewalttat. Er ist unwillkommen - Ist er doch willkommen muss das Leben noch mühevoller gewesen sein als der Tod - Es gibt Versuche das Leben zu verlängern, welche mehr oder minder scheitern. - Eine positive Reaktion setzt voraus, dass das Leben Zweck an sich selbst ist und nicht Mittel ihrer Subsistenz - Der Tod würde somit keine ontologischen und moralischen Sanktionen mit sich führen, sondern der Tod würde primär eine technische Grenze der menschlichen Freiheit und deren Überwindung würde anerkanntes Ziel - So hat der Einzelne selber die macht über seinen Tod zu entscheiden - Das ist bei unserer Gesellschaft allerdings kritisch, da es zu kollektivem Massenselbstmord oder der Aufhebung aller gesetzte führen könnte - Die Lösung findet sich doch in Platon - Der Tod als notwendiger Eingang in das wirkliche Leben - Wichtig dafür, der ideale Staat. In ihm braucht der Philosoph keine Befreiung durch den Tod, da er in der Wahrheit lebt. Der normale Mensch braucht keine Versöhnung mit dem Tod - So wäre der Tod wieder Naturereignis - Durch das Christentum nimmt der Tod aber wieder eine andere Rolle ein. Die Ideologie des Todes wird zum Instrument der Beherrschung - Angst vor dem Tod trotz Glauben an das Jenseits - Freiheit = Ein leben ohne Angst, doch ist das wünschenswert? - Nein, denn es gibt keinen Sieg über den Tod, er wurde seines Schreckens noch nicht beraubt - Würde die Destruktion der Ideologie des Todes umgeschmissen könnte man mit gutem gewissen ein Feigling sein - So wäre ein neues Realitätsprinzip impliziert, welches das Lustprinzip eher freisetzt als außer Kraft setzt. - Die Verwirklichung solcher Ziele wäre der Zusammenbruch unserer Kultur. Deswegen wurden sie immer so scharf abgelehnt. - Die Einstellung der Gesellschaft zum Tod und dem Nutzen den sie aus ihm ziehen, scheinen die These vom historischen Charakter des Todestriebs zu stärken. - Das natürliche Faktum des Todes wird zur gesellschaftlichen Institution. Keine Herrschaft ist perfekt ohne die Todesdrohung - Die Ideologie des Todes wurde erst zum unentbehrlichen Instrument der Beherrschung, als die christliche Lehre von der Freiheit und Gleichheit des Menschen als Menschen mit den Institutionen der Unfreiheit und Ungerechtigkeit eins geworden ist. - Wichtig die Angst vor dem Tod - Der Tod muss seinem Schrecken beraubt werden - Die Destruktion der Ideologie des Todes würde einen gesellschaftlichen Umschwung schaffen - Wenn man den Tod als Rechtfertigung sieht, wird dem Kampf seiner Überwindung Einhalt geboten. Er ist nicht mehr nur biologische Grenze sondern auch metaphysische. Und diese überwinden zu wollen ist nicht nur töricht sondern auch unmöglich. - Mit dem Tod als existentielle Kategorie bekommt das Leben die Bedeutung, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen; statt gelebt zu werden. Somit wird ein Mittel zum Selbstzweck. - Man soll sich nicht gegen den Tod sperren, ihn nicht fürchten oder aufhalten wollen - Solange wir uns nicht den Tod zu eigen machen sind wir nicht frei, denn die Angst vor ihm macht uns unfrei - Dafür darf der Tod nicht mehr als Negation der Negation gelten - Unsere Kultur schreitet durch den Tod voran (Tod auf dem Schlachtfeld etc) - Die Macht über den Tod ist zugleich Macht über das Leben Signatur Alles sagt mir, daß ich kurz davor stehe, eine falsche Entscheidung zu treffen. Aber wer handelt, macht zwangsläufig auch Fehler. Was will die Welt von mir? Daß ich keine Risiken eingehe? Daß ich wieder dahin zurückkehre, wo ich herkomme und nie den Mut aufbringe, ja zum Leben zu sagen? Paulo Coelho, Elf Minuten) | ||||
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