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<Ein Mensch>
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...   Erstellt am 02.10.2008 - 10:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»In Amerika gibt es kein Kaffeehaus, in dem man stundenlang sitzt, und wenn es eins gäbe, wäre es nicht gemütlich, und wenn es gemütlich wäre, wäre es längst pleite.«

Diesen markanten Satz legt Alfred Polgar einem amerikanischen Verleger in den Mund, der sich missmutig mit der Erzählung eines österreichischen Emigranten in den dreißiger Jahren beschäftigt.

Gemütliche Kaffeehäuser österreichischen Zuschnitts gab es sicher wenige in den USA, das heißt aber nicht, daß es keine literarischen Cafes gegeben hätte. Sie waren nur nicht »gemütlich«, was immer man auch in den deutschsprachigen Ländern darunter verstehen mag.

In New York sind in den zwanziger Jahren das Cafe Royal und die Waldorf Cafeteria ausgesprochene Literaten- und Künstlertreffs.

Als Emigranten zu Zehntausenden in die USA kommen, entstehen im traditionellen Künstlerviertel Greenwich Village zunehmend Kaffeehäuser, die sich in Ausstattung und Service kaum von ihren europäischen Vorbildern abheben.

Im Unterschied zu Cafeterias oder coffee-shops werden sie coffee-cafe genannt.

Die bekanntesten sind Cafe Rienzi, Peacock Cafe und Cafe Lime Light.
Kamen dort zuerst nur emigrierte Literaten und Künstler zusammen, so sind diese und andere Cafes von Greenwich Village, die etwas spöttisch Java-spots heißen, inzwischen Treffs für amerikanische Schriftsteller, Verleger, Schauspieler und Filmemacher geworden.




<Ein Mensch>
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...   Erstellt am 03.10.2008 - 11:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


1792 hatte der Wiener Kaffeesieder Martin Wiegand offiziell die Erlaubnis erhalten, seine Gäste musikalisch zu unterhalten.
Die Nachfolgerin setzte diese Tradition fort.
Die Konzerte in ihren zwei Sommercafezelten sorgten für Aufsehen.

Seit 1797 lud der Wirt vom Kaffeehaus Augustini dreimal wöchentlich zur »Harmoniemusik« ein.

Kein Geringerer als Ludwig van Beethoven spielte im Ersten Praterkaffeehaus.
Seine B-Dur-Trio hier die Uraufführung. Gleichzeitig war dies Beethovens letzter öffentlicher Auftritt als Klaviervirtuose im Kaffeehaus.

Wien war nicht der Ort, wo ein Beethoven alle seine Tonstücke im Kaffeehaus aufführen konnte, aber Wien war der Ort in der Welt, wo im Kaffeehaus eine spezielle Musikgattung, die Tanzmusik, zu höchster Blüte heranreifte.

Im Cafe Jüngling an der Donau, ein ausgesprochenes Freimaurerzentrum, spielte ein Streichterzett, das aus Josef Lanner und den Gebrüdern Drahanek bestand.
Als Johann Strauß (Vater) hinzukam, der nicht nur geigte, sondern ebenso wie Lanner Ländler, Quadrillen und vor allem einen Walzer nach dem anderen komponierte, war dies der Beginn der Ära »Wiener Kaffeehausmusik«, die als instrumentale Tanz- und Unterhaltungsmusik im Laufe des 19. Jahrhunderts die ganze Welt eroberte.

http://www.youtube.com/watch?v=6Kp0em6zYRA


http://www.youtube.com/watch?v=EiJqgmmEFYk




Lavida ...



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Beiträge: 3920
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...   Erstellt am 03.10.2008 - 19:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@Ein Mensch vielen Dank für die Kaffeehausmusik und ihre Entstehung. Ich walze schon




<LiteraTour>
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...   Erstellt am 04.10.2008 - 09:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein findiger Berliner Cafetier mit Namen Kemper reiste 1844 nach Wien, um seinem vornehmen und gutsituierten Berliner Publikum eine Abwechslung in das eintönige Geklapper der Kaffeetassen, welche nach hun-derten und aberhunderten jeden Nachmittag zählten«, durch die Herbeischaffung einer Wiener Kapelle zu bieten.

Er brachte eine Musikkapelle mittleren Genres ... aber schon die äußere Aufmachung war, weil neu und seltsam, für die Berliner etwas noch nie Dagewesenes.

Die bärtigen, von der Sonne gebräunten Gesichter, dreißig Mann an der Zahl, wie sie so dasaßen auf einem erhöhten Podium, machten kolossalen Effekt. Sie spielten abwechselnd Militärmusik, Walzer und vor allem hatten sie Musikpiecen, die ununterbrochen in österreichischer Mundart unisono von der Kapelle gesungen, einen Text, der in Kreischen, Jodeln, Hüteschwenken seine Pointe fand.

Nach einer solchen Piece kann man sich den Sturm und den Jubel von Beifall nicht vorstellen.
Man sah mitunter den Musikern auf ihren verblüfften Gesichtern an, daß dieser sie überströmende Beifall sie selbst überraschte, da ja doch in ihrer Heimat ein derartiges Musizieren alltäglich war.

Ganz Berlin wallfahrtete zu den Steiermärkern und nicht nur im Lokal, welches von einem niedrigen Zaun von der Fahrstraße getrennt war, draußen vor demselben standen tausende, die, ohne Obolus entrichtet zu haben, als sogenannte Zaungäste den Konzerten beiwohnten. Das ging bis zum Jahre 1848 vier ganze Sommer hindurch.

Text ist aus dem Archiv der Berliner Zeitung Ausgabe 23.Juni 1878




Anne ...



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...   Erstellt am 05.10.2008 - 08:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Im Cafe Gesswein war der Student Johann Wolf gang Goethe oft zu Gast - angezogen aber weniger von Speis und Trank, als vielmehr von Käthchen Schönkopf, der Tochter des Wirtes.
Von der Freundschaft der jungen Leute blieb eine Erinnerungsstätte im berühmten Cafe am Brühl 21, ungeachtet der Tatsache, dass Goethe eigentlich im Schönkopfschen Haus verkehrte.
Doch das lag nebenan, „d'rnähm", wie der Leipziger sagt.




<EinMensch>
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...   Erstellt am 15.11.2008 - 11:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Niveau der kaffeetrinkenden Zirkel bewegte sich auf unterschiedlicher Höhe.
Gab es solche, bei denen künstlerische Ambitionen (Literatur, Musik) oder Zeitvertreib wie Kartenspiele im Vordergrund standen, so beschäftigte man sich wohl in der Mehrzahl ausschließlich mit dem neusten Stadtklatsch.

Das Anliegen dieser »Kleinsalons« reduzierte sich auf die »gute Stube«, der Ruf des Kränzchens verlor merklich an Ansehen und geriet in die Nähe eines unverbindlichen Zusammenseins von Klatsch- und Kaffeeschwestern.

»Geliebte Kaffeologen«,wie ein schöner bunter Kranz versammelte sich während acht Jahren dieser Kaffeter, dieser liebliche Bund der schreibenden Kaffeeschwestern ... viele hielten sich tapfer als Stammgäste ...Es wohnte diese Heimlichkeit im Kaffeter bis die Zeitereignisse plötzlich auch diesen Kranz zerrissen, ja die Kaffeologen zerschnitten mit weisem Beacht ihn eigenhändig, auf das er nicht berührt werde von dem politischen Getreibe.«
Mag uns dieser Text auch zum Schmunzeln anregen, so verbirgt sich dahinter nichts Geringeres als eine Schriftstellerrunde, der unter anderen Emanuel Geibel, Gisela von Arnim und Jacob Grimm angehörten.




<EinMensch>
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...   Erstellt am 21.11.2008 - 09:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schon vor 1700 wird die Lust auf den Kaffee mit traditionellem Lastervorwurf (Unmäßigkeit, Unverstand, Verschwendung} gleichgesetzt. Besonders Mädchen und Frauen wird solches unterstellt: Als unanständige Lust mit offenen oder verdeckten Hinweisen auf daraus resultierende erotische Ausschweifungen.

Offensichtlich und unzweifelhaft verbindet Kaffee und Erotik eine soziokulturelle Konstante, deren »Sitz im Leben« der öffentliche und private Kaffeegenuss ist.

Die Vorwürfe der relativ anständigen Kaffeelust entstehen in erster Linie aus ökonomischen Erwägungen, die dem bürgerlichen Nützlichkeitsweltbild widersprechen: zusätzliches Feuerholz kostet Geld, Kaffee besitzt keinen Nährwert, durch neumodische Kaffeepausen und -visiten wird Zeit verschwendet.

»... liederliche Weibs-Personen« in privaten Kaffeesalons und öffentlichen Kaffeehäusern Weibliche Cafe-Prostitution wird Betreibern zum Vorwurf gemacht, seitdem es in Europa Kaffeesalons und Kaffeehäuser gibt.

Wohlgemerkt: Zum Vorwurf gemacht. Denn ob es tatsächlich so war, steht auf einem völlig anderen Blatt. Man war damals -wie heute! - durchaus nicht zimperlich, wenn es darum ging, unliebsame Konkurrenz zu beseitigen, und sei es durch Denunziation oder Verleumdung.

Vielleicht auch so in Leipzig, wo 1694 das erste Kaffeehaus am Markt eröffnet wurde. 1695 gibt es drei privilegierte Kaffeeschenken und eine weit größere Anzahl von solchen, die den Kaffeeausschani« ohne Lizenz betreiben.

Dem Rat der Stadt Leipzig sind die »ungebühr lieh eingeführten Tee- und Kaffeeschenken« anfangs ein Dorn im Auge Weniger wegen der Sittlichkeit, sondern weil sie keine Steuern bezahlen.
Da sich in ihnen »verdächtige Weibspersonen« aufhalten sollen, reagiert der Rat der Stadt am 18. 5. 1697:

Die erste deutsche Kaffeehaus Ordnung wird erlassen, in der Unzucht, Üppigkeit und andere Laster im Kaffeehaus bei Strafe verboten werden.




<EinMensch>
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...   Erstellt am 24.01.2009 - 17:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Welch unter Umständen fataler Unterschied. Das Kaffeegetränk als Aphrodisiakum oder Liebestöter?

Beide Behauptungen sind uralt und scheinen die Ausbreitung des Kaffees seit 1500 nahezu zwanghaft zu begleiten.

Es gibt die arabische Legende, daß Mohammed dank Kaffeegenusses »ohne weiteres im Lager der Venus mit vierzig Frauen schlafen konnte«.

Andererseits existiert zeitgleich die persische gegenteilige Variante, die ab 1656 von dem deutschen Orient-Reisenden Adam Olearius verbreitet wird:

»Weil der übermässige Gebrauch dieses Wassers die fleischlichen Lüste vertilget, haben die persischen Dichter folgenden Vers gemacht: >Kajfee, du schwarzes Angesicht/daß man dich doch mag leiden ?/Wo du hin -kommst, muß man da nicht/die Lust und Beischlaf meiden? «

Von vielen späteren Berichterstattern ab- und umgeschrieben, weiter ausgeschmückt oder als Argument herangezogen, geistern diese beiden Behauptungen in Wort und Bild durch die Kulturgeschichte aller kaffeetrinkenden Nationen.

Das auffälligste Beweisstück hängt in Leipzig an einer Hauswand in drei Meter Höhe: Ein Liebesgott ist es, der seit dem Jahr 1720 am Haus Zum Arabischen Coffe Baum dem prächtig aufgeputzten Orientalen die Kaffeeschale kredenzt!




In welcher Absicht, bleibt hintergründig offen.
Bisher konnte jedenfalls keine der Behauptungen bewiesen werden, das heißt, dass Kaffee und Potenz oder Libido in keinem eindeutig beweisbaren Zusammenhang stehen.

Aus welchen aktuellen Gründen auch immer: Kampagneartig wird seit über 300 Jahren von Ärzten, Apothekern oder Instituten entweder das eine oder das andere behauptet.




<EinMensch>
unregistriert

...   Erstellt am 03.02.2009 - 18:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die Vermutung des 17. Jahrhunderts, dass der Kaffee aphrodisiakische Wirkung habe, und der Vorwurf der »unanständigen Kaffeelust« ermöglichen es wohl überhaupt erst, dass sich erotische Literatur - zumindest was im 17./18. Jahrhundert darunter zu verstehen ist - hinter einem Kaffee-Titel verbergen kann.

In London erscheinen zwischen 1680 und 1720 mehr als ein Dutzend »Coffee Jests«, die sich bei näherer Betrachtung als Aneinanderreihung von Kurzgeschichten aus der Londoner Prostituiertenwelt darstellen.

Verleger in Frankreich, Italien oder Deutschland stehen nicht nach.

Im Jahr 1698 wird in Leipzig, wie meistens in solchen Fällen anonym und mit fiktiver Ortsangabe,
»Das Curieuse Caffe-Hauß zu Venedig« herausgegeben, in dem unter anderem die Kurtisanenwelt aufs Korn genommen wird.
Und zu welchen Ausschweifungen es kommt, nach dem Konsum einer Tasse Kaffee und wie dem Schlemmen mit ledigen Personen gefrönt wird.

Dass erotische Literatur noch in unserem Jahrhundert unter einem Kaffee-»Prätext« möglich ist, beweist die 1967 in den USA erschienene Millionenauflage von
»Coffee, Tea or Me?«.
Witzig-freche Memoiren zweier junger amerikanischer Stewardessen, deren Report aus der Luft von der seriösen amerikanischen Literaturkritik am Schreibtisch als »footnote to Human SexualResponse« anerkannt werden musste.




<EinMensch>
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...   Erstellt am 03.02.2009 - 19:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Lassen sich das ganze 18. Jahrhundert hindurch Damen und Herren mit einer Kaffeeporzellanschale in der Hand und im Biedermeier ganze Familien am Kaffeetisch porträtieren, so existieren Kaffee-Frühstücks-Erotika in der Kunst bis heute.

Die Blütezeit des feinsinnig-erotischen Kaffeeporträts allerdings beschränkt sich auf die Jahre unmittelbar vor der Revolution 1789.

Neben dem steifen Hofzeremoniell entwickelt die Aristokratie im 18. Jahrhundert eine informelle Geselligkeit in zurückgezogener, intimer Atmosphäre.

Der Hausherr, meist allerdings die Dame des Hauses, empfangen ihren Besuch im Schlafzimmer, wenn sie noch im Bett liegen.
Den Gästen wird von Dienerinnen oder kleinen Mohrenknaben Kaffee gereicht.
Raffinierte Draperien des mehr oder weniger nackten Oberkörpers gehören zum Pflichtprogramm derartiger Milieudarstellungen, die der voyeuristischen Phantasie jeglicher Couleur breiten Raum lassen. Deren schönste entstehen im Rokoko.




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