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<LiteraTour> unregistriert |
Nicht jedes Lokal, in dem man Kaffee bestellen kann, ist auch ein Kaffeehaus. In Wien ist vielmehr sehr genau festgeschrieben, was in einem Kaffeehaus serviert werden darf und was nicht. An manchen Stellen sind diese Regeln allerdings schwer zu interpretieren. Im Jahr 1999 gab es jedenfalls in Wien 2.635 »Kaffeelokale« in insgesamt sechs verschiedenen Kategorien. ![]() | |||
<LiteraTour> unregistriert |
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang der Donaumonarchie suchte die Wiener Künstlerszene verzweifelt nach einem neuen Stammkaffeehaus. | |||
Anne ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 538 Nachricht senden |
![]() gestorben am 25. Februar 1930 in Wien Anna Sacher entstammte einer Wiener Fleischhauerfamilie. Sie heiratete 1880 Eduard Sacher, den Besitzer eines Gastlokals. Nach dem Tod ihres Mannes führte sie das zu einem Hotel umgebaute "Sacher" mit größtem Erfolg. Es wurde bald zum Treffpunkt der Hocharistokratie und der vornehmen Wiener und eutopäischen Gesellschaft. Frau Sacher war ein stadtbekanntes Original. Ihr Markenzeichen war eine dicke Zigarre. ![]() Anna Sacher Zigarre ![]() ![]() ![]() Impressionen vom Cafe Sacher | |||
Angela ![]() Status: Offline Registriert seit: 01.01.2008 Beiträge: 523 Nachricht senden |
![]() Die Sachertorte ist ein Symbol Wiens genauso wie die »schöne blaue Donau« oder der Stephansdom. Man kann die berühmte Schokoladentorte zwar in jeder Bäckerei der Stadt kaufen, um die Bezeichnung »Original Sacher-Torte« aber wurde jahrelang erbittert gekämpft. Sie war sogar Gegenstand eines Aufsehen erregenden Gerichtsstreits zwischen den Konkurrenten Demel und Sacher. Am Anfang der Geschichte steht Klemens Fürst von Metternich, einer der Hauptakteure des Wiener Kongresses und obendrein kein Kind von Traurigkeit. Er wusste genau, was er wollte, und bekam es auch meistens. Als er 1832 ein großes Fest gab, wies er seinen Leibkoch an, zu diesem Anlass eine neue Torte zu kreieren. Der Fürst wollte seine Gäste überraschen, und dies nicht mit einer neuen leichten, sahnigschaumigen, »weiblichen« Torte, wie sie zu dieser Zeit so beliebt waren. Vielmehr wollte er eine trockenere, kompaktere, eher »männliche« Torte servieren. Der Koch konnte den extravaganten Wünschen seines Fürsten allerdings nicht nachkommen, denn er erkrankte plötzlich. So musste der 16-jährige Franz Sacher, zweiter Lehrling in der Metternichschen Küche, schnell für seinen Meister einspringen. Schokolade hat, verglichen mit anderen Backzutaten, einen sehr starken, aggressiven, »männlichen« Geschmack, deshalb wählte Sacher sie als Grundlage seines Kuchens. Frische, fruchtige Aprikosenkonfitüre schien ihm dazu das passende Gegenstück zu sein. (Über 100 Jahre später sollte die Frage, wo genau der junge Sacher die Konfitüre aufgetragen hatte, der Hauptstreitpunkt der beiden konkurrierenden Bäckermeister werden.) Eine Schokoladen-Schichttorte war durchaus nichts Neues, die feste, glänzende Schokoladenglasur, die Sacher verwendete, hatte es dagegen noch nie gegeben. Die neue Torte war die Sensation auf Metternichs Fest, und Prinz Pal Antal Esterhäzy holte Franz Sacher sofort als Konditor an den ungarischen Hof nach Budapest, wo die Sachertorte ebenfalls wie eine Bombe einschlug. Sacher kehrte jedoch bald nach Wien zurück, um eine Stelle im renommierten Haus Dehne (später Demel) anzutreten, der Hofzuckerbäckerei des Kaisers. Von dort aus avancierte die Sachertorte bald zum erklärten Lieblingsgebäck der Wiener. Interessant und aufschlussreich ist allerdings, dass im Pressematerial des Hotels Sacher, das sich mit der Entstehungsgeschichte der Torte beschäftigt, Franz Sachers Zeit im Cafe Dehne mit keinem Wort erwähnt wird. Mit seinen Ersparnissen eröffnete Sacher schließlich selbst einen kleinen schmucken Lebensmittelladen in der Nähe des Stephansdoms; sein berühmtes Rezept nahm er natürlich mit. Aber auch im Cafe Dehne wurde die Torte als einträglichste Spezialität des Hauses weiter verkauft, auch nachdem Christoph Demel das Cafe 1857 gekauft und umbenannt hatte. Eduard Sacher, Franz' Sohn, stieg wie sein Vater in die Lebensmittelbranche ein und absolvierte seine Lehrzeit in London und Paris. Zurück in Wien eröffnete er ein Restaurant in der Nähe der neu gebauten Ringstraße. Sein Haus fand rasch großen Zuspruch - vielleicht wegen der kleinen, gemütlichen Speisezimmer, die den perfekten Rahmen für exklusive und doch intime Diners boten. 1876 zog Eduard Sacher mit seinem Restaurant in ein größeres, repräsentatives Haus hinter der neuen Staatsoper um, wo er in den oberen Stockwerken zusätzlich ein Hotel eröffnete. Eduards ehrgeizige, Zigarren rauchende Witwe Anna Sacher führte das Haus nach seinem Tod mit starker Hand und machte es allmählich zu einem der berühmtesten Hotels der Welt. Ihm zu Ehren wurden Walzer, Lieder und Operetten komponiert, die alle einen Hauch der unvergleichlichen Eleganz dieses Hauses einzufangen versuchten. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Wiener Geschäftsleute hart kämpfen, um angesichts der am Boden liegenden Wirtschaft Österreichs ihren Platz zu behaupten. Alles, was einem Unternehmen ein positives Image und höheren Marktanteil verschaffen konnte, war mehr als willkommen. Vor diesem Hintergrund beschlossen die Besitzer des Hotels Sacher, die Familien Gürtler und Silier, das Cafe Demel zu verklagen und sich so das Recht zu erstreiten, ihre Torte als »Original« bezeichnen zu dürfen. Nach sieben langen Jahren, in denen hitzige Debatten geführt, Akten gewälzt und alte Rezepte studiert worden waren, wurden die Kläger mit dem Recht belohnt, künftig die Bezeichnung »Original Sacher-Torte« führen zu dürfen. Jedes Stück dieses Originals trägt seitdem ein rundes Schokoladensiegel. Das Gericht entschied, dass laut Franz Sachers Originalrezept die Torte in der Mitte durchgeschnitten und mit Marillenglasur bestrichen werden sollte. Zusätzlich wurde sie noch mit Marillenglasur überzogen. In der demelschen Version wird die Torte nur mit der Glasur überzogen, die Schicht in der Mitte fällt weg. Die Originaltorte trägt also seitdem die Bezeichnung »Sacher-Torte« und darf nur im Hotel Sacher verkauft werden. Eine »Sachertorte« dagegen ist eine Torte, die lediglich im sacherschen Stil zubereitet wurde. Das Originalrezepl des Hotels Sacher ist natürlich streng geheim und wird sogar in einem Safe unter Verschluss gehalten. Es heißt allerdings, dass einige ehemalige Angestellte des Hotels es in den mageren Nachkriegsjahren unerlaubt entwendet und veröffentlicht haben. In der Bäckerei Sacher werden jährlich etwa 300 000 Sacher-Torten gebacken, am Tag sind das also ca. 800 Stück. Hauptsaison ist natürlich die Weihnachtszeit, denn dann werden besonders viele Torten auch per Post bestellt. Die 14 Bäcker verbrauchen jedes Jahr über 1,2 Millionen Eier. ![]() SACHERTORTE Für eine Springform von 26 cm Diese elegante Komposition aus verschiedensten Schokoladenschichten ist zweifellos die berühmteste aller klassischen Kaffeehaustorten. Ein Löffel Schlagobers gehört unbedingt dazu und rundet das kulinarische Erlebnis ab. Die Vorlage für dieses Rezept stammt aus dem »Großen Sacher-Backbuch«. Die einzelnen Teigschichten sehen selten ganz perfekt und gleichmäßig aus, denn beim Backen können leicht große Luftblasen entstehen, so dass die Teigoberfläche stellenweise löchrig wird. In diesem Fall vermischen Sie einfach einige Teigreste mit etwas Marillenglasur und »verspachteln« die Löcher mit Hilfe eines dünnen Teigspatels. FÜR DEN TEIG 125 g zartbittere Schokolade, fein gerieben 125 g kühle Butter 150 g Puderzucker 6 große Eier, getrennt, zimmerwarm Mark von I Vanilleschote 100 g Zucker 150 g Mehl FÜR DIE GLASUREN 200 g Marillenglasur warm 1 kleine Portion Schokoladenglasur Schlagobers) zum Servieren Zubereitung 1. Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Seitenränder der Springform gut einfetten, den Boden mit rund zugeschnittenem Backpapier auslegen und die Form mit Mehl ausstäuben. Überschüssiges Mehl abklopfen. 2. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen. Den Topf vom Herd ziehen und die Schokolade etwas abkühlen lassen, dabei häufig umrühren. 3. Die Butter mit dem Handrührgerät auf der mittleren Stufe etwa 1 Minute cremig rühren. Auf kleinster Stufe den Puderzucker unterrühren. Dann die Butter mit dem Zucker nochmals etwa 2 Minuten auf höchster Stufe rühren, bis sie hell und schaumig ist. Nach und nach die Eigelbe zugeben, dann die geschmolzene Schokolade und das Vanillemark untermischen. 4. Das Eiweiß mit dem Zucker schlagen, dabei darauf achten, dass der Eischnee nicht zu steif wird. Etwa ein Viertel des Eischnees in die Scho koladenmasse rühren, den Rest so unterheben, dass kleine weiße Tupfen in der Schokoladen masse sichtbar bleiben. Das Mehl in zwei Por tionen darüber sieben und mit einem großen Schneebesen unterheben. 5. Den Teig gleichmäßig in die Form füllen und auf der mittleren Schiene des Backofens etwa 45 Minuten backen. Garprobe machen. Den Ku chen aus dem Backofen nehmen und 10 Minuten abkühlen lassen. Die Seiten der Springform ent fernen, den Kuchen auf ein Kuchengitter stürzen und das Backpapier abziehen. Den Kuchen um drehen und auf dem Kuchengitter völlig erkalten lassen. 6. Mit einem Zackenmesser die oberste Schicht des Kuchens abschneiden, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Den Kuchen einmal durchschneiden. Eine Kuchenhälfte mit der Schnittfläche nach oben auf eine Tortenunterlage setzen und mit Marillenglasur bestreichen. Die zweite Hälfte darauf setzen und den ganzen Kuchen mit der restlichen Marillenglasur über ziehen. Die Glasur erkalten lassen, damit sie gleichmäßig und fest wird. 7. Den Kuchen auf ein Kuchengitter setzen. Die Schokoladenglasur zubereiten. (Sie muss immer frisch gemacht und noch warm verarbeitet werden.) Die warme Glasur über den Kuchen gießen und mit einem Spatel verstreichen. Dabei darauf achten, dass die Glasur den ganzen Kuchen gleichmäßig überzieht. Die Glasur etwas trocknen lassen, dann den Kuchen auf eine Ser vierplatte setzen und mindestens 1 Stunde kühl stellen, damit die Glasur fest wird. Den Kuchen etwa 1 Stunde vor dem Servieren aus dem Kühl schrank nehmen. 8. Zum Servieren ein scharfes Messer in heißes Wasser tauchen, den Kuchen damit anschneiden und jedes Stück mit einem Löffel Schlagobers servieren. | |||
Angela ![]() Status: Offline Registriert seit: 01.01.2008 Beiträge: 523 Nachricht senden |
Ein besonderes Vergnügen ist es, einmal mit der Trambahn aus Wien hinaus in das Stammhaus der Bäckerei Oberlaa zu fahren. ![]() Bildquelle | |||
<EinMensch> unregistriert |
Im Jahre 1849 bereicherte zum ersten Mal ein Einrichtungsgegenstand ein Kaffeehaus in Wien, der fortan prägend für Kaffeehaus-Einrichtungen werden sollte und nicht unwesentlich zur Ausbreitung des sogenannten Wiener Kaffeehauses beitrug: der Thonetstuhl. ![]() ![]() Gemeinsam mit den Marmortischen wird der Thonetstuhl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für Kaffeehauseinrichtungen in ganz Europa, Nord- und Südamerika -man kann sagen, für alle kaffeetrinkenden Nationen - eine Art verbindliches, öffentliches Design: bequem, transportabel und schön. Nachdem das Daumsche Kaffeehaus in Wien 1849 komplett mit aus gebogenem Holz hergestellten Stühlen ausgestattet war und im selben Jahr Michael Thonet noch 400 Stühle für ein Budapester Hotel zu liefern hatte, stand dem Siegeszug der Thonets in das Gastgewerbe der Welt nichts mehr entgegen. Die Erfolge auf den Weltausstellungen beförderten den baldigen Export der Stühle nach Frankreich, England und nach Übersee. Das Unternehmen florierte, und die Nachfrage stieg: 1896 waren vom Stuhl Nr. 14 schon 40 Millionen Stück exportiert worden! Für jeden Typ von Kaffeehaus, ob es einfach oder Luxusklasse war, erwiesen sich Bugholzsessel und -stuhle als hervorragend geeignet. A Adolf Loos verwendete 1899 bei der Einrichtung des Cafe Museum (Wien), das wegen seiner sachlichen Modernität im krassen Widerspruch zum eklektizistischen Geschmack jener Jahre stand, ebenfalls Thonetstühle, von denen er meinte, »dass es seit Aischylos nichts Klassischeres mehr gegeben hat«. ![]() Der Thonetstuhl und seine Nachahmungen bilden das typische Detail, das ein kleinstädtisches Kaffeehaus in der Slowakei oder ein griechisches oder portugiesisches Dorfcafe mit dem Cafe Sperl (Wien), dem Cafe Einstein (Berlin), dem Zürich (Barcelona) oder dem San Marco (Triest) verbindet. Originalstühle vom Stammvater der Firma stehen allerdings in keinem der großen Traditionshäuser, auf diesen kann man - wenn man Glück hat - nur noch in entlegenen Städten und Gemeinden Böhmens, Mährens, der Slowakei und in den Berghütten des gesamten Karpatenbereichs sitzen. | |||
Romi ![]() Status: Online Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2116 Nachricht senden |
![]() Leselust: John Irving | |||
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