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<LiteraTour>
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...   Erstellt am 12.01.2009 - 22:22Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Für die Vertreter der bildenden Künste wurden die Cafes in Paris nach 1850 von Bedeutung.

Nicht zuletzt verkehrten dort die Künstler aus Europa und Übersee, die als Stipendiaten oder auf Privatkosten in die großstädtische Kunstmetropole gereist kamen.

Das Cafe Molière war täglicher Treffpunkt der Anhänger von Gustave Courbet, der sich vom »Salon« zurückgewiesen sah.
Hier trafen sich Courbet, Fantin-Latour, Manet, Degas und der spätere Präsident der Society of British Artists, der angloamerikanische Maler Whistler.

Im Cafe Guerbois war die dominierende Persönlichkeit Edouard Manet, um den sich in den sechziger Jahren Degas, Monet, Renoir versammelten.
Als Vincent van Gogh nach Paris kommt, ist Manet bereits tot, aber Kaffeehäuser, wo sich impressionistische Maler treffen, gibt es inzwischen im Pariser Malerviertel ein Dutzend.

Cafe de la Nouvelle Athenes und Cafe de l'Ermitage in Montmartre gehören dazu. In letzterem versammeln sich in den siebziger und achtziger Jahren die skandinavischen Impressionisten, sowohl die Uteraten als auch die Maler: Carl Larsson, Bernt Lindholm, Olof Hermelin, Alfred Wahlberg und natürlich August Strindberg.

Das Cafe Aux Deux Magots, seit seiner Gründung 1875 Treffpunkt von Intellektuellen und Literaten aller Schattierungen, ist kurz nach 1900 beliebter Aufenthaltsort von Pablo Picasso und Georges Braques, wo sie den Kubismus aus der Taufe heben.

Ab 1920 wird das Cafe le Dome der bevorzugte Treff der Malerwelt, die die gesamte Ecole de Paris repräsentiert.
1939/40 beginnen die französischen Künstler und Literaten aus dem Dome auszuwandern.
Zwei Gründe führt Jean-Paul Sartre dafür an: Erstens wurde die Metrostation Vavin geschlossen, zweitens war das Dome von Deutschen derart überlaufen, die »so taktlos (waren), ihren Tee und Kaffee selbst mitzubringen und ihn sich vor den Augen der Franzosen zubereiten zu lassen ...

Das Cafe de Flore wird ab 1939 neues Zentrum: Pablo Picasso, Andre Breton und Leon-Paul Fargue ziehen die übrige Kunstwelt nach sich.

1940 arbeiten Sartre und Simone de Beauvoir täglich in diesem Cafe

»-von neun Uhr morgens bis mittag, wenn wir zum Essen gingen. Um zwei Uhr kamen wir zurück und unterhielten uns mit unseren Bekannten bis vier, worauf wir wieder bis acht Uhr arbeiteten. Nach dem Abendessen verabredeten wir uns dann dort mit allerlei Leuten. Dies alles mag sonderbar erscheinen, aber das Flore war sozusagen unsere Wohnung. Selbst wenn Fliegeralarm gegeben wurde, taten wir nur so, als ob wir in den Keller gingen, schlichen uns dann aber in den ersten Stock hinauf und arbeiteten weiter.«

Der französische Schriftsteller Boris Vian, der zur täglichen Runde im Flore gehört, fasst zusammen:

»Wenn es keine Cafes gegeben hätte, würde es keinen Sartre gegeben haben.« Mag dies auch etwas übertrieben anmuten, so wird an vielen Stellen in Sartres Werken deutlich, daß Motive und Begebenheiten aus dem Kaffeehausmilieu die existenzphilosophische Erkenntnis der »Alltäglichkeit des menschlichen Daseins« belegen.




<LiteraTour>
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...   Erstellt am 11.07.2009 - 08:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Die meisten unter denen unserer Zeitgenossen, die mit den schönsten Wappenschildern der Kunst prunken können, sind Bohemiens gewesen",
schrieb 1849 der Bohemien Henri Murger, nach dessen Roman „Scenes de la vie bohe-me" Puccinis „La Boheme" entstand.

Nicht zufällig lebte Murger im Quartier Latin, das schon seit dem Mittelalter als „Hirn von Paris" galt, wo schon Abälard lehrte und Francois Villon seine Lieder sang - eine Heimstätte der Bohemiens, Studenten und Grisetten.

Sein Stammlokal war die „Brasserie des Martyrs" am Montmartre, wo manch Erlauchter damals buchstäblich den grünen Hügel der Sehnsucht, den Montmartre, „la butte", erklomm.

Am Montmartre hatte Musset - in einer kleinen Kaschemme zwischen Clichy und Pigalle - den Absinth „die grüne Muse" getauft und Baudelaire auf der Rue des Martys seine braune Venus Jeanne Duval kennengelernt.




Auf der „Butte" begann 1889 „Moulin Rouge" ihre Flügel zu drehen. Durch Chat Noir und Moulin Rouge wurde der Märtyrerhügel in den achtziger Jahren zu einem Mekka der Boheme.


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Im Cafe-concert der Belle Epoque:
ein „großer Garten", Girlanden
aus Lichtern, Schauspiele ...und die Frauen von Paris.
Plakat von Georges Meunier, 1895


1881 ließ sich auf der Rue des Martys ein Cabaret artistique, das „fröhliche Kind der elften Muse" nieder, das „Chat Noir" am Fuß des Montmartre.

Im „Chat Noir" war es Programm, politische Ereignisse zu persiflieren, dipersiflieren, die Menschheit zu belehren und ihr ihre Dummheit vorzuhalten;
man wollte dem Mucker die schlechte Laune abgewöhnen, dem Philister die Sonnenseite des Lebens zeigen, dem Hypochonder die heuchlerische Maske abnehmen und um Material für diese literarischen Unterhaltungen . .. lauschen und herumschleichen, wie es nachts die Kater auf den Dächern tun!

Als Wahrzeichen thronte über dem Eingang das Bildnis eines riesigen schwarzen Katers -
rund ein Jahrzehnt später in einem Plakat verewigt von Theophile Steinlen, der 1882 aus der Schweiz nach Paris gekommen war, in elenden Herbergen und unter Brückenbögen schlief und hungerte.




<LiteraTour>
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...   Erstellt am 10.08.2009 - 08:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die Hauptrolle im Chat Noir spielte das Chanson, geboren aus der langen Chansontradition Frankreichs und neu erweckt an diesem musischen Ort - das Lied, ohne das dieses Cabaret nicht Chat Noir gewesen wäre und Paris mit den vielen Cafe-concerts, von den Parisern kurz caf conc' genannt, nicht Paris.

Diese Chansons, naturalistische, zynische, aber auch aufrüttelnd dramatischzarte, sang vor allem „der König des Chansons", Aristide Bruant, damals Star des „Chat Noir" und später seines eigenen Cabarets, Le Mirliton (die Rohrflöte), wo Zola, Alexandre Dumas und Toulouse-Lautrec seine Stammgäste waren.

Zu dem ,einfachen' Volk, aus dem Aristide Bruant selbst kam, fühlte er sich zeitlebens hingezogen, und er besang die Leidenden, die Gestrauchelten und Geschändeten als seine Brüder; er gewann dafür das Herz des Lumpenproletariats einschließlich der Dirnen, Zuhälter und Messerstecher vom Montmartre.

Seine reichen und vornehmen Gäste dagegen behandelte er mit kaum zu überbietender Grobheit, er „beschimpfte die Hohlköpfe, goß seinen Spott über die Prominenten, behandelte Adlige wie Kosaken und duzte Könige" - aber sie ließen es sich gerne gefallen und amüsierten sich, „weil sie meinen, ich machte Spaß" (Bruant).

Zur Interpretin vieler seiner Lieder über Paris hinaus in der Welt wurde die große Diseuse Yvette Guilbert

War Bruant der „König des Chansons", so sie die Königin. Unnachahmlich war ihre Weise der Interpretation, halb Sängerin, halb Schauspielerin.


Le chat noir - Aristide Bruant


Yvette Guilbert : Le Fiacre


Die „Sängerin der Armen": Eugenie Buffet sang nicht nur in den Cafe-concerts,sondern auch auf der Straße und in Hinterhöfen.






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