kazenogaara  Gaisuto no Ginta
     

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 589 Nachricht senden | Erstellt am 21.06.2008 - 23:35 |  |
Spezialkapitel J – Die Geister, die er rief
Leise kroch ein kleiner Junge mit orange-farbenen Haar aus seinem Bett und striff sich einen Pullover über. Er versuchte so leise wie es nur ging aus seinem Zimmer zu schleichen und nach draußen zu kommen. Sanft rieselte der leise Schnee auf die Erde hinab. Im schein des Mondes glitzerte jede einzelne Schneeflocke.
Doch das war es nicht, das ihn hinauslockte, es waren seine Freunde, die sich mit ihm treffen wollten.
„Jumon, da bist du ja“, hörte man eine quietschende Stimme und eine kleine weiße Kugel schwebte auf Jumon hinzu.
„Psst! Du sollst doch etwas leiser sein, meine Eltern schlafen doch noch“, forderte der 7-jährige Junge.
„Jahaa“, flüsterte das Etwas, „Komm mit, die anderen warten schon auf dich“
„Gut gut, zeig mir bitte den Platz, an dem sie mich erwarten!“
Jumon stapfte durch den hohen Schnee und folgte seinem Freund.
Das war sein Freund? Jumon war wirklich ein merkwürdiger Junge. Seine Freunde waren nämlich Geister, die er sehen konnte. Die Bewohner seiner Heimatstadt konnten es gar nicht glauben, als sie den Jungen unter Tags mit der Luft sprechen sahen. Ab und zu formte sich aus der Luft eine komische Gestalt, die man nur in seiner Nähe sehen konnte.
Auch in dieser Nacht schlich sich Jumon unauffällig aus dem Haus um sich mit seinen Freunden zu treffen. Er war der einzige Junge weit und breit, der mit Geistern reden konnte.
Seine Familie beobachtete das schon eine Weile, eher gesagt sein ganzes Leben lang. Darum hatten sie ihm verboten mit diesen Geistern zu reden. Sie hatten nicht nur Angst davor, nein auch die Bewohner beschwerten sich darüber, dass er diese bösen Gestalten ja fern halten sollte.
Er hatte es bisher wirklich nicht leicht. Immer wurde er von seiner Familie weggesperrt. Seine große Schwester wurde natürlich bevorzugt, weil sie... normal war.
Aber was hatten alle gegen ihn? Nur weil er Freunde hatte, die andere für böse hielten?
Das kümmerte ihn jetzt alles nichts. Er wollte einfach wieder mit seinen Freunden Spaß haben.
Weiter durch den Schnee stapfend, erreichte er, immer noch nur mit einem Pyjama und dem Pullover bekleidet, sein Ziel, eine Lichtung in einem Wald nicht weit von seinem Zuhause entfernt.
Die schwebende Kugel flog wild umher, als es einen riesigen alten Mann sah. Man könnte denken, sein Aussehen stammte von einem Comiczeichner: weißer Flauschebart, eine gigantische Wampe und seine Hände erinnerten an riesige fingerlose Handschuhe aus Schnee. Ja, auch sein restlicher Körper schien aus Schnee zu bestehen.
„Schön dich wieder zu sehen, Jumon“, begrüßte er den Jungen der grinsend vor diesem Giganten saß.
„Ich hab dich auch schon vermisst, Yofuyuki“, sagte er und umarmte zur Begrüßung den riesigen Daumen seines Geisterfreundes.
Plötzlich erschienen mehrere Schneemannartige Geister die herumschwebten und sogar Musik spielten.
Jumon genoss es, die Nacht mit seinen singenden und lustigen Freunden zu erleben. Es war wirklich eine tolle Erfahrung die Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen.
„Was gibt es denn Neues?“, erkundigte sich Yofuyuki.
„Ich hab wieder mal Hausarrest. Mama hat mich erwischt, als ich mit Ogata gespielt hatte.“
Die kleine weiße Kugel schwebte um Jumons Kopf herum. Bedrückt entschuldigte sich er: „Es tut mir Leid, Jumon. Ich wollte dich wirklich nicht in Schwierigkeiten bringen.“
„Das ist doch schon gut, Ogata. Ist doch nicht deine Schuld. Jetzt mach dir keinen Kopf mehr darüber.“
„Bald werden die Menschen bereit sein, uns zu treffen“, sprach Yofuyuki, „Es braucht nur noch ein wenig Zeit...“
Alle hielten inne, als auf einmal ein großer, weißter Bär, dessen Fell komische Muster trug, auf die Lichtung zugelaufen kam.
„Da bist du ja wieder!“, rief Jumon und rannte auf den Bären zu.
Der wuchtige Bär stämmte sich auf zwei Beine und ließ sich dann in den Schnee fallen.
„Kumonji!“, rief Jumon auf, „Was ist mit dir!?“
„Er blutet!“, erkannte Ogata.
Sofort versammelten sich alle Geister um den verwundeten Bären.
„Das waren wieder diese Wilderer“, hörte man einen Geist behaupten.
„Sie sind wieder gekommen!“, sagten alle aufgebracht.
„Die machen wir jetzt fertig!“, brüllte Jumon und ballte die Faust, „Einige von euch kümmern euch um Kumonji, der Rest folgt mir!“
„Denkst du wirklich, du schaffst das, Jumon?“, fragte Ogata, „DU hast doch noch nicht genug trainiert.“
„Das ist mir egal“, meinte Jumon schon fast weinerlich, „Die haben Kumonji weh getan, das kann ich nicht durchgehen lassen.“
Jumon zog seinen Pullover und seine Pyjamaoberteil aus und krempelte sich die Hosenbeine nach oben.
Halbnackt stapfte er durch den Wald, hinter ihm ein Haufen von Geistern.
Er war in jeder Hinsicht ein besonderer Junge. Auf seinem Rücken und auch auf seinen Armen befanden sich Tatoos, die in der Dunkelheit der Nacht leicht bläulich leuchteten.
Am Ende des Waldes angekommen, wurde Jumon und seine spirituelle Gefolgschaft schon von zwei Wilderern erwartet.
„Verschwindet!“, rief Jumon über den schneebedeckten Platz.
„Was willst du kleiner Jungen denn schon gegen uns tun!?“, gröhlte der etwas größere der Beiden.
„Das wird ein Spaß“, lachte der andere, „Ein kleines Gör will uns wegschicken.
In Jumon sammelte sich die Wut, als er erkannte, dass neben den beiden ein toter Wolf lag.
Es war zu viel für ihn. Erst Kumonji verletzen und dann auch noch einen Wolf umlegen?
Jumon schrie auf.
Plötzlich schien es so, als schwebte er. Doch dann erkannte man, dass sich eine Art Schneehaufen unter seinen Füßen befand, der langsam anfing zu wachsen.
Das Tatoo auf seinem Körper fing an zu leuchten.
Mit einer Handbewegung löste er plötzlich eine Schneewelle, die einer Lawine ähnelte, aus.
Die Wilderer waren so erstaunt darüber, was der kleine für Fähigkeiten hatte, dass sie nur Baff dastehen und voll von dieser Schneewelle erwischt wurden.
Die zwei Männer befreiten sich vom Schnee und standen wieder auf.
„Soll ich noch meine Geisterfreunde bitten, mit euch zu spielen?“, drohte Jumon.
Schon in diesem Moment rannten die beiden Wilderer weg.
„Denen hast dus gezeigt!“, hörte man Ogata rufen.
„Unser Held!“, beglückwünschten ihn noch andere Geister.
„Ich bin stolz auf dich, Jumon“, meinte Yofuyuki, der plötzlich dem orangehaarigen Jungen auftauchte.
„Hoffentlich kommen die nicht wieder“, erwähnte Ogata.
„Yofuyuki“, fing Jumon an, „Kann ich wieder nach Hause? Ich bin so müde und trainieren können wir doch noch morgen Abend, oder?“
„Das geht klar“, meinte der gigantische Schneegeist überrascht und trug Jumon nach Hause.
Im Garten setzte er den Jungen ab, der wieder durch das Fenster in sein Zimmer und dann in sein Bett stieg.
„Du bist etwas besonderes“, flüsterte der Riese, kurz nachdem Jumon eingeschlafen war, „Wahre deine Kräfte...“
Am nächsten Morgen wurde Jumon sanft von Sonnenstrahlen, die durch sein Fenster schienen, geweckt. Er stand auf und erwartete wieder mal den Standardvortrag seiner Eltern.
Sie wussten, dass er sich nachts rausschlich um sich mit seinen Geisterfreunden zu treffen. Und dafür gab es jedes Mal Ärger.
Es war immer das Gleiche: „Wo warst du die Nacht schon wieder? Hast du dich mit diesen Monstern getroffen?“, usw.
Ja, er hatte langsam die Schnauze voll.
Seine Eltern schrieen ihn ja nur noch an und verlängerten seinen Hausarrest. So auch diesen Morgen.
Weinend saß er in seinem Zimmer und machte sich Gedanken.
„Ich verschwinde von Zuhause“, sprach er eher zu sich selbst, „Hier hat mich eh keiner lieb. DA bin ich lieber bei meinen Freunden.“
Er packte sich all seine Bücher in eine Tasche, stopfte seine Kleidung noch hinein und kletterte aus dem Fenster.
Sofort ging er zu der Lichtung und wartete auf Ogatas erscheinen.
„Ogata! Ogata! Wo bist du?”, rief er umher während er im Schnee saß.
„BUAH!“, piepste eine Stimme hinter Jumon, die ihn anscheinend erschrecken wollte.
„Haha, das ist wirklich lustig!“, lachte der Junge.
„Och manno, nie schaffe ich es, dich zu erschrecken!“, schmollte die kleine weiße Kugel.
„Du wirst es nie schaffen... Wo sind Yofuyuki und die anderen?“
„Die sind im Wald unterwegs und kümmern sich noch ein wenig um Kumonji. Ihn hats glücklicherweise nicht zu hart erwischt.“
„Das beruhigt mich.“
„Mich ebenfalls...“
„Du, Ogata...“
„Was ist denn Jumon?“
„Ich bin jetzt von Zuhause weggelaufen... Ich habe keine Lust mehr auf meine Eltern und schon gar nicht auf meine große Schwester!!“
„Das ist doch eine super Neuigkeit! Das müssen wir sofort Yofuyuki erzählen! Komm mit.“
Ogata flog davon und Jumon folgte ihm sofort.
An einem kleinen Hang angekommen, trafen sie auf Yofuyuki, der gerade Kumonji behandelte. Jumon und Ogata erzählten Yofuyuki von der anscheinenden guten Neuigkeit.
Der weiße Riese machte sich wohl mehrere Gedanken über das abhauen von Zuhause.
„Dann müssen wir dir nun ein hier ein Zuhause bauen, meinst du, du schaffst das?“
„Ja sicher doch!“, meinte Jumon enthusiastisch, „Mit eurer Hilfe schaffe ich das sicherlich.“
Und sie schafften es wirklich. Nach nur wenigen Tagen stand ein kleines Häuschen am Hang für Jumon zur Verfügung.
Seine Eltern suchten nach ihn, doch wirklich zurückhaben wollten sie ihn sicherlich nicht. Das, genauso wie die Verbannung aus der Stadt, wovon Jumon später von seiner besten Freundin Sabî gehört hatte, wunderten ihn nicht. Es war ihm einfach egal geworden.
Von Personen die ihn nicht leiden konnten, wollte er erst gar nichts mehr hören.
Wichtig für ihn war jetzt nur noch sein neues Leben.
Täglich trainierte er mit Yofuyuki, redete mit Sabî, die ihm immer etwas zu Essen brachte und las. Jumon war wirklich eine Leseratte.
Er konnte sich glücklich schätzen, Sabî als Freundin zu haben. Ihre Familie war die einzige, die geheim noch zu ihm hielt und ihn unterstützte.
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