Julemaus  Dangerous Allure
       

Status: Offline Registriert seit: 28.01.2008 Beiträge: 2183 Nachricht senden | Erstellt am 03.05.2008 - 23:45 | |
Hey!
Also der Übersicht halber die Aktuellste Version von Kapitel 1 - 9 immer im ersten Post, alles danach auf Seite 9 neue Kapitel aber auch am Ende. 
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Claire & Gabriel
Prolog: Dunkelheit
Als ich verstand, was hier geschah, war ich mir sicher, dass ich sterben würde. Ich würde in diesem alten Turm sterben, mitten in der schönen Altstadt Volterras. Doch plötzlich packte mich von hinten eine schneeweiße Hand und zog mich in die Dunkelheit.
Kapitel 1
Endlich, endlich haben mich meine Eltern alleine verreisen lassen. Ich war so froh endlich einmal aus dem verträumten kleinen Dorf, in dem ich mein Leben lang gelebt habe, heraus zu kommen und etwas von der Welt zu sehen. Wurde auch Zeit, immerhin war ich 17. Nach langem Brüten über dem Atlas und mehreren Besuchen im Reisebüro saß ich schließlich im Flugzeug, an einem Fensterplatz. Eine Italienrundreise schien das Richtige für mich zu sein, viele neue Orte, viele neue Gesichter.
Jetzt wurde ich doch nervös, ich war noch nie länger als eine Woche weg von zu hause und schon gar nicht allein. Neben mir saß ein kleines, sehr niedliches Mädchen, sie schlief. Als wir etwa die Hälfte des Fluges hinter uns hatten, wachte sie jedoch auf und das Grauen begann. Erst schrie sie ihre Mutter an, sie wolle ein Bonbon, kurz darauf wollte sie ihr Malbuch und dann etwas zu trinken. Ich versuchte mich auf die Wolken zu konzentrieren und nach einer Weile schlief ich selbst ein.
Das Flugzeug landete nach einem relativ ruhigen Flug schließlich in Florenz. Da es erst 11 Uhr am Vormittag war beschloss ich den Tag hier zu verbringen und am Abend den Nachtbus nach Volterra zu nehmen. Als erstes wollte ich die Galleria degli Uffizi besichtigen. Das ist die wichtigste Kunstsammlung Italiens und eine der reichsten der Welt. Sie befindet sich in Vasaris majestätischem Uffizi-Palast. Schnell wurde mir klar, dass die riesige Sammlung wirklich zu groß war, um sie auf einmal zu bewältigen. Nach einiger Zeit machte mich mein Magen mit Hilfe eines lauten Knurrens darauf aufmerksam, dass ich seit einiger Zeit keine feste Nahrung mehr zu mir genommen hatte. Also machte ich mich auf den Weg irgendwo zu Mittag zu essen. Danach wollte ich mir die elegante Franziskanerkirche Santa Croce ansehen. Sofort war ich von ihrer Schönheit überwältigt, doch langsam spürte ich die Müdigkeit und die Anstrengung des vielen Laufens in sämtlichen Knochen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle besorgte ich mir ein wenig Proviant für die Fahrt. Nach kurzem Warten stieg ich in den Bus und bald nachdem ich mich gesetzt hatte vielen mir vor Müdigkeit die Augen zu.
Am nächsten Morgen stieg ich in der Innenstadt Volterras wieder aus und machte mich auf die Suche nach einer Touristeninformation, um mir ein paar Broschüren über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen.
Mir stach sofort eine kleine karmesinrote Karte ins Auge, die einen wunderschönen alten Turm zeigte. Es fanden Führungen statt, die nächste um zehn Uhr. Ich beschloss schnell eine Kleinigkeit zu frühstücken und anschließend den Turm zu suchen.
Als ich ihn schließlich kurz vor Führungsbeginn fand, hatten sich bereits etwa 15 Menschen um die unglaublich schöne Führerin versammelt. Sie war so schön, dass ich unmöglich wegschauen konnte.
Sie hatte schneeweiße Haut und ihr langes mahagonifarbenes Haar floss ihr über die Schultern. Ihre Kleidung unterstrich ihre Schönheit nur noch mehr, sie trug einen eng anliegenden schwarzen Rollkragenpullover und einen sehr kurzen, sehr roten Rock. An ihrem ansonsten perfekten Gesicht fielen mir sofort die dunklen Schatten unter ihren violetten Augen auf. Um Punkt zehn Uhr räusperte sie sich kurz und augenblicklich erstarben alle Gespräche.
Sie hob ihre wie Musik klingende Stimme und sagte: "Guten Morgen. Mein Name ist Heidi und ich führe sie heute durch diesen wunderschönen Turm."
Sie öffnete beide Flügel der großen Tür und ging voran. Vor uns lag eine ausladende Treppe, auf die Heidi deutete. "Bitte folgen sie mir. Der Turm wurde, wie der älteste Teil der Stadt zur Zeit der Etrusker errichtet. Die Eingangstür besteht aus sehr haltbarem Lärchenholz ..." So ging es weiter doch ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Stattdessen bewunderte ich das wunderschöne alte Mauerwerk und die Bilder, die entlang der Wendeltreppe angebracht waren. Schließlich gelangten wir in einen großen kreisrunden Raum und auch dazu wusste Heidi eine Menge zu erzählen.
Gegenüber der Treppe befand sich eine unscheinbare Tür, auf die Heidi deutete und sagte wir sollen vorgehen und sie würde folgen. Sie betrat als letzte den schmalen Flur, der sich hinter der Tür befand und schloss diese. Auf einmal überkam mich ein ungutes Gefühl. Auf diesem Gang befanden sich weitere Personen, die ohne Ausnahme leichenblass, wunderschön und rotäugig waren. Einige grüßten Heidi. Als die ersten der Gruppe das Ende des Flurs erreichten wurde die sich dort befindende Tür von innen geöffnet und ein sehr alter Mann lächelte uns freundlich entgegen und sagte "Herzlich Willkommen!". Dann zog er eine Frau
ganz vorne an der Hand und den Raum und ich glaube ihn murmeln gehört zu haben " Sie riechen aber wirklich ganz vorzüglich." Meine ungute Ahnung verstärkte sich, als noch mehr Leute in den Raum gezogen wurden. Dann hörte ich den ersten Schrei.
Kapitel 2
Der alte Mann hatte die Frau getötet, ich sah ihre scheinbar blutleere Leiche in seinen Armen liegen. Panik stieg in mir auf. Ich wollte weglaufen, doch ich konnte keinen Muskel rühren, also sah ich mit schreckgeweiteten Augen zu, wie sich hinter uns blitzschnell eine undurchdringliche Mauer aus blassen, schönen Gestalten bildete. Diese drängte uns immer weiter den Flur entlang. Als ich verstand, was hier geschah, war ich mir sicher, dass ich sterben würde. Ich würde in diesem alten Turm sterben, mitten in der schönen Altstadt Volterras. Doch plötzlich packte mich von hinten eine schneeweiße Hand und zog mich in die Dunkelheit. Die Hand hatte mich um die Taille gepackt und zog mich durch eine weitere Tür in einen Seitengang des Flurs. Mein Verschwinden blieb in dem Chaos aus angsterfüllten Menschen und Schreien völlig unbemerkt.
Eine sanfte, melodische Stimme sagte:" Komm, wir müssen uns beeilen." Bevor ich irgendetwas darauf erwidern konnte hob er mich auf seinen Rücken und rannte los. Ich konnte mich nur festhalten. Mir war klar, dass ich eigentlich überlegen müsste was schlimmer war:
In diesen furchtbaren Raum gezogen zu werden oder hier von dieser Gestalt, von der ich bis her nur die Stimme gehört hatte, entführt zu werden. Doch stattdessen und trotz der Kälte, die von ihm ausging, fühlte ich, wie sich ein warmes Gefühl der Sicherheit in mir ausbreitete. Ich wusste einfach, dass er mir nichts tun würde. Wir rannten durch einen dunklen Tunnel und ich konnte noch nicht mal die Hand vor Augen erkennen. Doch ich fühlte den rauen Stoff der Kleidung, die er trug und ich fühlte seinen harten Körper darunter. Dazu atmete ich den unglaublichen Geruch ein, der von ihm ausging. Zwar fühlte ich mich intuitiv sicher bei ihm, doch ich war trotzdem verwirrt ich hatte schließlich keine Ahnung was hier vor sich ging.
Nach einer Weile nahm der Tunnel eine scharfe Rechtskurve und ich sah ein Licht, auf das wir zu rannten. Jetzt konnte ich mehr sehen.
Und was ich sah machte mich schier sprachlos, noch sprachloser als ich ohnehin schon war. Mein Entführer, oder besser gesagt mein Retter hatte eine Haarfarbe wie sehr helles Karamell und ich konnte es nicht lassen mit den Fingerspitzen vorsichtig sein Haar zu berühren, es war so unglaublich weich. Ich konnte sein Gesicht im Halbprofil erkennen. Seine Haut war weiß, wie Marmor, er hatte eine gerade Nase und volle Lippen. Seine Augen konnte ich nicht erkennen.
Als wir das Ende des Tunnels erreicht hatten, wandte ich den Kopf und sah, dass wir Volterra verlassen hatten. Die große Stadtmauer, die Volterra umgab hatte am Boden ein etwa zweieinhalb Meter großes Loch, das den Ausgang des Tunnels bildete.
Jetzt setzte er mich vorsichtig auf dem Boden ab und mein erster Impuls war "Ich will nicht." zu sagen. Ich wollte wirklich nicht, ich wollte nicht hier auf dem weichen Moosboden sitzen, denn hier hatte ich seinen wunderbaren Geruch nicht mehr in der Nase. "Was willst du nicht?" fragt er mit einem leisen Lachen in der Stimme, als hätte er gehört was ich dachte. Als mir klar wurde, dass ich es wohl laut ausgesprochen hatte, errötete ich leicht. Für einen kurzen Moment verkrampfte er sich, aber es war so schnell vorbei, dass ich meiner Wahrnehmung nicht ganz traute. Auch er setzte sich und dann begann er zu erklären: " Mein Name ist Gabriel und ich bin ein Vampir. Du bist mein Schicksal, deswegen habe ich dich gerettet. Die Gestalten im T..." . Ich unterbrach ihn:" Halt du bist ein Vampir? Vampire trinken Blut. Wirst du mich töten?" Panisch überlegte ich ob mich meine Intuition in Gabriels Fall im Stich gelassen hatte und ob er doch Böses im Sinn hatte, doch er sprach schon weiter. "Nein, Claire, wie ich schon sagte, bist du mein Schicksal daher werde ich dich wohl kaum töten. Es tut mir Leid, ich weiß, dass das alles sehr plötzlich kommt, aber wir haben nicht viel Zeit. Wo war ich? Ja, die gestalten im Turm. Das sind die Volturi und bis eben war ich einer von ihnen. Sie sorgen dafür, dass die Vampire auf der ganzen Welt unentdeckt bleiben. Heidi sorgt dafür, dass regelmäßig genügend Menschen zu ihnen kommen. Ich spüre schon lange, dass ich so nicht mehr leben will. Vor einigen Stunden hatte ich eine Vision, ich sah uns beide, wir lebten glücklich bei einer großen Gruppe von Vampiren, die auf eine andere Art leben als die Volturi. Sie ernähren sich von Tierblut. Also wartete ich, bis du bei einer Führung dabei warst. Ich würde dich gerne gehen lassen, obwohl ich weiß, dass wir zusammengehören, aber als Mensch wirst du sterben. Die Volturi wissen, das du gesehen hast, was sie sind. Sie werden nicht zulassen, dass du eventuell ihr Geheimnis verrätst. Deine einzige Chance ist von nun an selbst als Vampir zu leben." Das war eine Menge Information auf einmal und erst nach und nach realisierte ich, was seine Worte für mich bedeuteten: Ich würde meine Eltern und Freunde zu Hause nie wieder sehen.
Ich merkte wie sich Tränen in meinen Augenwinkeln sammelten. "Oh bitte, bitte nicht weinen." Er klang verzweifelt, als könnte er mich unmöglich weinen sehen und nahm mich fest in seine Arme. Eine ganze Weile saßen wir so da, ich weinte still und er schaukelte mich sanft vor und zurück "Schhht, schhhhht, nicht weinen." Das half ein wenig, denn ich hatte das Gefühl, dass mir mit ihm an meiner Seite niemand etwas antun könnte.
Kapitel 3
Als ich meine Augen wieder öffnete, wusste ich zunächst nicht wo ich mich befand und was passiert war. Doch dann fiel mein Blick auf Gabriel, der im Schatten einer großen Linde nicht weit von mir saß. Dann fiel mir der gestrige Tag in all seiner Grausamkeit wieder ein und ich fühlte ein dumpfes Stechen in der Magengegend, als ich an meine Eltern dachte.
Es war die Art meines Körpers Trauer auszudrücken. Auch als ich erst fünf Jahre alt gewesen war und mein geliebter Colliewelpe überfahren wurde, hatte ich wochenlang Bauchschmerzen. Nichts akutes, aber eben jenes stechen, dass ich jetzt empfand.
Ich musste gestern wohl in seinen Armen eingeschlafen sein, denn ich lag auf einer Art Bett aus weichem Moos und Laub.
Er hatte mich mit demselben grob gestrickten Umhang zugedeckt, den er gestern noch selbst getragen hatte. Sein Geruch haftete noch daran. Ich drehte Gabriel den Rücken zu und atmete tief ein. Jetzt setzte ich mich auf und er sah mich an.
"Guten Morgen, Dornröschen. Hast du gut geschlafen?"
"Ja, danke für den Umhang."
"Für dich jederzeit." Antwortete er ohne mit der Wimper zu zucken.
Nachdem Gabriel meine Eltern für eine kurze Weile aus meinen Gedanken vertrieben hatte, kehrten sie nun mit voller Wucht zurück. Ich fragte ihn mit erstaunlich ruhiger Stimme:
"Wie wird man ein Vampir?". Ich wusste dass wir, wenn ich eine Chance haben wollte den Volturi zu entkommen, mit Verwandlung nicht mehr lange warten konnten.
Er sah die Entschlossenheit in meinen Augen und das schien ihn zu ermutigen.
"Die Verwandlung dauert etwa drei Tage und ist äußert schmerzhaft. Ich werde dich beißen müssen." Daraufhin bekam ich doch Angst, aber ich war mich sicher. Was hatte ich auch für eine andere Wahl?
Jetzt trat er aus dem Schatten und es war als hätte das Licht der aufgehenden Sonne jeden Quadratzentimeter seiner marmorweißen Haut in Diamantenstaub getaucht. Ich konnte nur "W-w-wow..." stammeln. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er verwirrt aus doch dann wandte er seinen Blick von mir ab und besah sich seinen Arm. "Ach das... Nun ja, man gewöhnt sich an Alles. Und wenn es dir gefällt, keine Sorge, diesen Specialeffect hat jeder Vampir in der Sonne."
Als er wiederholte, was ich werden würde, traf mich die Wahrheit wie ein Schlag. Ich hatte zwar unterschwellig realisiert was geschehen würde, aber darauf reagierte mein Körper mit Schock. Und dieser ließ jetzt stark nach, ich fühlte wie ich in ein tiefes dunkles Loch fiel. Erinnerungen liefen wie Filme vor meinem inneren Auge ab: Ich bin etwa zehn Jahre alt und gehe mit meinen Eltern spazieren. Wir essen Eis, meine Mutter hält mich an der Hand.
Ich bin 14, es ist mein Geburtstag. Ich sitze mit meinen vier besten Freundinnen in meinem Zimmer und wir hören laute Musik. Ich bin 16 und sitze mit Nathaniel auf einer Parkbank, wir halten Händchen. Das war kurz bevor er wegzog. Jetzt drang alles ganz zu mir durch. Meine Eltern, meine Freunde. Ich hatte alles verloren und gab mein Leben, das heißt, das was davon übrig war, vollständig in Gabriels funkelnde Hände. Mir blieb nichts anderes übrig als ihm zu vertrauen, doch ich spürte, dass er dieses Vertrauen verdiente.
Die Dunkelheit umgab mich immer noch, doch sie wurde schwächer und jetzt drang auch seine schöne, melodische Stimme zu mir durch: "Claire? Claire? Was ist mit dir?".
Er klang angsterfüllt. Ich wollte nicht das er Angst hatte, also schlug ich die Augen auf und antwortete: "Mir ist nur ein bisschen schwarz vor Augen geworden...Kein Grund zur Sorge." Ich lächelte und dann entspannen sich langsam seine Gesichtszüge.
Aber er bewegte sich kein Stück, er umklammerte meine Schultern mit seinen kühlen langen Fingern und sein Gesicht war nur eine Handbreite von meinem entfernt. Ich atmete seinen süßen Duft ein und spürte wie mein Blut unter der Haut pulsierte. So verharrten wir einige Zeit doch irgendwann hörten wir einen Vogel in der Nähe laut aufschreien und er ließ von mir ab, der Bann war gebrochen. Als ich meine Gedanken ein wenig sortiert und mein Puls sich beruhigt hatte sah ich ihn an. "Wir haben nicht viel Zeit, oder? Wo wirst du mich eigentlich verwandeln?" fragte ich ihn bedrückt. "Nein, wir haben nicht viel Zeit." Er seufzte leise, "Der Wald ist an dieser Stelle ziemlich einsam. Ich würde sagen hier."
"Aber du bleibst doch hier?" fragte ich panisch, ich konnte mir nicht vorstellen drei volle Tage ohne ihn zu verbringen. "Natürlich, Claire, ich bleibe bei dir."
Dieses Versprechen beruhigte mich ungemein und da ich wusste, dass noch längeres heraus Zögern die Qualen nicht mindern würde legte ich mich zurück in mein Moosbett.
Gabriels wundervolles Gesicht kam meinem Hals immer näher und ich spürte wie seine kühlen Lippen kurz die weiche Stelle an meinem Hals küssten. Ich bekam für einen Moment eine Gänsehaut am ganzen Körper.
Dann blickte er mir ein letztes mal liebevoll in die Augen und kurz darauf spürte ich, wie seine scharfen Zähne die Stelle durchbohrten, die er zuvor geküsst hatte.
Kapitel 4
Ich konnte spüren wie sich der Schmerz mit jedem Schlag meines Herzens weiter in mir ausbreitete. Das Feuer begann in meinem Hals, kurz darauf fühlte ich das Brennen in jeder Zelle meines Körpers. Ich wünschte mir augenblicklich, dass ich tot wäre und begann zu schreien. Nach einiger Zeit, ich wusste nicht, ob eine Stunde oder ein Tag vergangen war, hörte ich eine leise, schmerzerfüllte Stimme an meinem Ohr. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagte, denn ich hörte, als wäre der Ursprung aller Laute auf der anderen Seite einer stark befahrenen Autobahn. Ich schlug vorsichtig die Augen auf, weil ich wissen wollte wie die Hölle, wo ich mich offenbar befand, live und in Farbe aussah. Aber ich konnte unmöglich in der Hölle sein, denn neben mir kauerte Gabriel und hielt meine Hand. Meine Sicht war durch einen nebeligen Schleier getrübt, doch ich erkannte sein golden schimmerndes Haar und seine mattschwarzen Augen. Das Brennen hatte keineswegs aufgehört, doch ich fühlte wie es sehr langsam begann abzuklingen. Irgendwann begann mein Herz so langsam zu schlagen, dass ich mir für einen Moment sicher war, es hätte bereits ganz aufgehört. Zu diesem Zeitpunkt war das Feuer bereits nur noch ein Glühen und schließlich erlosch es ganz, in diesem Moment tat mein Herz seinen letzten Schlag.
Ich öffnete die Augen und stand auf. Ich nahm meine Umwelt viel klarer auf als vorher. Ich hörte jedes Rascheln der Farne am Boden und jedes Flüstern des Windes in den hohen Baumkronen. Ich hätte die Krallen an den Pfoten eines Hasen, der sich etwa 700 Meter entfernt an einem Löwenzahn gütlich tat, zählen können. Ich sah Gabriel an, er lächelte.
Etwa auf Höhe seines Herzens sah ich einen verschwommenen hellgelb leuchtenden Kreis, und als ich mich darauf konzentrierte trat er klar hervor. Ich wusste instinktiv, was ich hier sah. Nämlich Gabriels Innerstes. Als Mensch hatte ich immer ein gutes Gefühl für das Wesen der Menschen um mich herum, doch jetzt konnte ich es sehen, genauso klar, wie den Baum hinter ihm. Die helle Färbung seines Leuchtens verriet mir, dass er ein guter Mensch, nun ja, ein guter Vampir, war. Durch einen kräftigen Windstoß roch ich, etwa zwei Kilometer nördlich, ein Reh. Der Geruch seines Blutes ließ mich ein unangenehmes Kratzen im Hals spüren. Ohne die Handlung bewusst auszuführen rannte ich zu der Stelle, an der ich das Reh gerochen hatte. Aufgrund meiner Schnelligkeit und Kraft hatte es keine Chance, meine scharfen Zähne trafen zielsicher seine Halsschlagader. Augenblicklich bemerkte ich, wie das Kratzen in meinem Hals nachließ.
"Lässt du mir was übrig?" lachte Gabriel, er stand hinter mir. Ich hatte mich nur auf den Geruch meines Opfers konzentriert und ihn deswegen nicht kommen gehört. Ich spürte wie sich meine Lippen bewegten, doch meine Stimme klang fremd. Ich hatte sie nie so glockenhell und klar vernommen. "Muss das sein?" auch ich lachte.
Nachdem wir das Reh am Ende doch geteilt hatten liefen wir. An keinen bestimmten Ort, sondern einfach im die neu gewonnene Kraft und die Geschwindigkeit zu fühlen. Der Wald flog nur so an uns vorbei und ich fühlte mich freier als jemals zuvor.
Nach einer Weile wurde ich langsamer und schließlich gingen wir nebeneinander her. Mir kam eine Idee: Ich hatte gesehen wie Gabriel Feuerholz gesammelt hat.
Menschen würden wohl durch den Wald gehen und trockene Stöcke suchen,
Gabriel dagegen hob die Hand und brach einen Ast von der Dicke eines Medizinballs mühelos von einer Birke.
"Ich muss mal was ausprobieren..."
Ich sah einen relativ jungen Baum, etwa 15 Meter hoch. Ich hatte eigentlich vor ihn zu entwurzeln, doch ich hatte meine Kraft falsch eingeschätzt und so brach der Stamm an der Stelle die meine Hände umfassten. Gabriel lachte und löste meine Finger sanft von dem Baum, den diese immer noch umfassten. Er stand jetzt hinter und schloss seine Arme um mich. Ich lehnte mich gegen ihn und ich schmiegte meine Wange an seine harte Brust. Ab diesem Moment glaubte ich Gabriel, wenn er sagte ich sei sein Schicksal, ab diesem Moment war ich sicher, dass uns nichts auf der Welt trennen könnte.
Kapitel 5 (Rückblick a la Midnight Sun)
Gabriel:
Als es geschah, befand ich mich in meiner Kammer. Sie ist nicht besonders gemütlich und spärlich eingerichtet. Aber es gab viele Bücher und CDs, etwas anderes brauchte ich auch nicht, bis auf eine kleine Kommode in der sich meine Kleidung befand. Ich stand vor dem großen Bücherregal, denn ich war auf der Suche nach Goethes "Faust". Aus unerfindlichen Gründen stand mir der Sinn nach deutscher Lyrik.
Automatisch schloss ich die Augen und es lief wie ein Film vor meinen Augen ab, ich hatte eine Vision. Ich sah mich bei einem fremden Zirkel. Er war ungewöhnlich groß, sieben Vampire - und ein Mensch. Wie seltsam . Aber das Mädchen war wohl kein Snack, denn die Augen der anderen waren tiefgolden, sie ernährten sich von Tierblut. Auch ließ die Körpersprache der Vampire eher auf Zuneigung, als auf Verlangen nach ihrem Blut schließen. An meiner Seite stand ein wunderschöner Vampir. Natürlich sind Vampire von Natur aus wunderschön, aber sie war in meinen Augen schöner als alle anderen Vampire, die ich je gesehen hatte. Und sie warf mir verliebte Blicke zu, ich konnte mein Glück kaum fassen. Das sollte meine Zukunft sein? Ich dachte mir, dass sie wohl eine Neugeborene war, denn wenn sie mich nicht glücklich anlächelte sah ich die Anstrengung, nicht auf das Mädchen loszugehen, in ihren Augen. Ihre Miene blieb unverändert liebevoll, aber wenn der Wind ihr den Geruch des Blutes in die Nase wehte, zuckte sie kurz zusammen und ihre goldfarbenen Augen verdunkelten sich fast unmerklich. Dann verschwammen die Personen und der Wald, in dem sie sich befanden, bis ich nichts mehr sah und die Augen öffnete.
Ich überlegte fieberhaft, aber ich hatte kaum Anhaltspunkte. Sie war neugeboren, ja und schön wie die Sonne. Letzteres half mir aber nicht nennenswert weiter. Hier bei den Volturi traf man eigentlich nie einen Neugeborenen Vampir, es sei denn jemand ist getötet worden. In diesem Fall wird Ersatz gesucht. Darin bestand auch meine Aufgabe hier: Mich auf die Kämpfe der Volturivampire zu konzentrieren und rechtzeitig Bescheid zu sagen, wenn ich sah, dass wir jemanden verlieren würden. So konnte dafür Sorge getragen werden, dass nirgendwo plötzlich eine Wache oder ähnliches fehlte. Ich wurde aber selten gebraucht, man würde mein Verschwinden erst bemerken, wenn tatsächlich jemand vernichtet wurde und noch kein Ersatz vorhanden war. Ich verließ kaum einmal den Turm, daher war ich mir ziemlich sicher sie hier zu treffen. Aber es gab nur zwei Möglichkeiten, wie sie hier herkommen könnte. Entweder sie würde einen vernichteten Vampir ersetzen, doch da ich das Frühwarnsystem in Person für diesen unwahrscheinlichen Fall war, würde ich das als erster wissen und könnte sie in Sicherheit bringen. Aber wahrscheinlich würde sie einfach an einer der vermeintlichen Turmführungen teilnehmen, von denen bis jetzt noch kein Mensch zurückgekommen war. Ich beschloss mich hinter einer Tür in dem Flur zu verstecken, durch den die Menschen geführt wurden. Also saß ich von da an bei jeder Führung hinter der Tür, die mit einem Tunnel, der auf der anderen Seite der Stadtmauer mündete verbunden war. Bei der ersten Führung um acht Uhr morgens konnte ich den roten Haarschopf Claires, denn das war ihr Name, nicht erkennen. Ich spähte durch das Schlüsselloch bis auch der letzte Mensch im Raum verschwunden war. Solang, wie ich bereits hier lebte, nahm ich die Schreie der Opfer kaum noch war. Doch schon bei der nächsten Führung erkannte ich das verträumte Gesicht und die rot schimmernden Haare. Ich handelte sofort, sonst würde meine Zukunft gleich vollkommen blutleer in dem Raum am Ende des Flurs liegen. Als sie auf Höhe meiner Tür angekommen war, war Aros "Guten Morgen!" Theater schon vorbei und die ersten Opfer bereits im Raum. In dem Moment, als der Schock der Erkenntnis, sie darin hinderte weiter zu gehen öffnete ich meine Tür und zog sie an mich. Im ersten Moment traf mich ihr Geruch wie ein Schlag, denn ich hatte mich mein ganzes Vampirleben lang von Menschenblut ernährt. Aber ich wies genug Willenskraft auf, sie nicht auszusaugen und sagte bloß: "Komm, wir müssen uns beeilen."
Ich hob sie auf meinen Rücken und rannte los.
Insgesamt war es nicht leicht ihrem Blut zu widerstehen, doch mit jeder Minute wurde es einfacher. Als ich ihr erklärte was bereits passiert war, und was passieren würde war ich wohl nicht besonders wortgewandt. Aber wir hatten nicht viel Zeit und ich versuchte es ihr schonend bei zu bringen. Sie begann zu weinen, als ihr klar wurde, dass sie ihre Eltern nie wieder sehen würde. Hätte mein Herz noch geschlagen, in diesem Moment wäre es gebrochen. Ich kannte sie kaum, und wusste auch nicht viel über sie, außer ihrem Namen, Claire, die Leuchtende, wie passend, ja schön wie die Sonne, aber trotz allem liebte ich sie bereits jetzt mehr als mein Leben. Ich hielt sie in den Armen und versuchte sie ein wenig zu trösten. Dabei dachte ich gar nicht mehr an ihr Blut, ich wollte nur dass Claire aufhört zu weinen. Irgendwann schlief sie ein.
Ich beobachtete sie beim Schlafen und hielt sie weiterhin in meinen Armen. Als sie den Kopf bewegte, fiel ihr eine Strähne ihres roten Haares ins Gesicht. Sie sah wunderschön aus, der Mond schien auf ihrer feinen, blassen Haut und ihr Haar schimmerte. Ich atmete ihren ungewöhnlich fruchtigen Duft ein und spürte wie das Kratzen in meinem Hals immer stärker wurde. Schließlich beschloss ich, sie im weichen Moos hinzulegen und sie mit meinem Mantel zuzudecken, damit sie nicht fror. Ich musste sie Wohl oder Übel für eine Weile verlassen um jagen zu gehen. Zwar war es ungewohnt Tierblut zu trinken, aber ich hatte es schon immer als falsch empfunden Menschen zu jagen. Claire war nur der entscheidende Auslöser und mit dem Bild unserer gemeinsamen Zukunft vor Augen fiel mir die Umstellung erstaunlich leicht. Am nächsten Morgen würde ich sie beißen müssen, ich hatte Angst davor. Denn einerseits hasste ich mich dafür, ihr solche Schmerzen zuzufügen und anderseits war ich vielleicht schwächer, als ich dachte. Was wenn ich nicht von ihr ablassen könnte, wenn ich sie töten würde? Ich hatte die Fährte eines Hirsches aufgenommen, doch trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass vor meinem geistigen Auge ein Bild erschien. Ein Bild von Claire, wie sie blutleer auf dem Waldboden lag, mit einer glänzenden, halbmondförmigen Narbe am Hals. Plötzlich wurde mir klar, dass das nicht einfach ein grausames Produkt meiner Fantasie war, sondern dass ich ein Vision hatte. Panik durchzuckte mich, ich ließ sofort von dem Hirsch ab und rannte zurück zu Claire. Sie schlief immer noch tief und fest, aber etwa drei Schritte entfernt saß ein fremder Vampir und beobachtete sie. Seine Augen leuchteten rot.
"Sie gehört mir." sagte ich ruhig, aber nachdrücklich. Er sah mich überrascht an:" Nun, ich sehe kein Namensschild und ich war zuerst hier."
"Ich will nicht kämpfen, aber wir wissen beide, dass ich gewinnen würde. Erkennst du den Umhang nicht? Ich bin ein Volturi. Verschwinde sofort, oder du wirst es bereuen."
Ich bemühte mich, mir die Lüge nicht anmerken zu lassen und es sah aus, als würde es funktionieren. Er stand auf und wich zurück "Verzeih mir, bitte. Ich hätte es erkennen müssen, ich werde selbstverständlich gehen." Er sah enttäuscht aus, doch er warf nur noch einen letzten gierigen Blick auf Claires Hals und verschwand dann im Wald.
Ich legte vorsichtig, um sie nicht zu wecken, ein Ohr an ihre Brust und der regelmäßige Schlag ihres Herzens ließ mich langsam ruhiger werden. Nach einigen Stunden machte ich mich wieder auf die Suche nach dem Hirsch und schließlich brachte ich ihn zur Strecke. Das würde es am nächsten Tag einfacher machen.
Am Morgen, nach einer kurzen Unterhaltung, wurde sie plötzlich ohnmächtig. Ich hatte mehr Angst als jemals zuvor doch sie beruhigte mich: "Mir ist nur ein bisschen schwarz vor Augen geworden...Kein Grund zur Sorge." Sie lächelte und ich entspannte mich, aber ich konnte und wollte sie nicht loslassen. Ich hielt ihre Schultern mit meinen Händen umklammert und mein Gesicht war ihrem sehr nah. Dann hörten wir einen lauten Vogelschrei und ich löste mich von ihr.
Als schließlich der Moment gekommen war, fühlte ich nur tiefe Trauer in mir. Ich würde sie für immer aus ihrem alten Leben reißen und ihr unvorstellbare Schmerzen zufügen. Aber wir hatten keine andere Wahl. Also küsste ich sanft die weiche Stelle an ihrem Hals und dann durchfuhren meine Zähne ihre die Haut über ihrer Halsschlagader.
Ihr Blut schmeckte süß, ähnlich wie ihr Geruch nur besser und intensiver. Für den Bruchteil einer Sekunde gab ich mich dem Geschmack hin, aber dann hatte ich wieder das Bild unserer gemeinsamen Zukunft vor Augen und ich konnte mich von ihr lösen. Ihr Körper zuckte, und sie schrie. Fast die ganze Zeit über. Ich versuchte ihr gut zuzureden, dass bald alles vorbei sein würde. Aber gleichzeitig wusste ich, dass sie mich kaum hören geschweige denn verstehen würde. Und so saß ich bei ihr, hielt ihre Hand. Ihr Herzschlag verlangsamte sich zusehends. Irgendwann erstarb er ganz und mit ihm auch Claires Schreie. Schreie, die mich, dessen war ich mir sicher, meine ganze Existenz lang verfolgen würden. Doch dieser Gedanke wurde rasch verdrängt, denn in diesem Moment schlug Claire die Augen auf. Erst jetzt fielen mir die äußerlichen Veränderungen auf. Sie waren so minimal, dass ich sie vorher gar nicht war genommen hatte. Ihre Haare waren unmerklich länger geworden und fielen ihr jetzt in glänzenden, leuchtend roten Wellen sanft über die Schulter. Ihr Gesicht war einen Hauch schmaler und blasser geworden. Ihre zierliche Gestalt hatte sich, soweit ich das beurteilen konnte, gar nicht verändert. Ihre großen, strahlenden Augen und ihre vollen Lippen ebenso wenig. Bis auf die Farbe, ihre Lippen hatten vorher von Natur aus einen angenehmen Kirschton innegehabt und ihre Augen hatten dunkelgrün einen ungewöhnlichen Kontrast zu ihrem roten Haar gebildet. Jetzt hingegen waren ihre Lippen blass rosa und fast farblos, ihre Augen leuchteten karmesinrot. Trotzdem konnte ich nicht anders, als sie glücklich anzulächeln. Sie hatte einen überraschten Ausdruck auf dem Gesicht, sie musste sich erst mit ihren deutlich verschärften Sinnen vertraut machen. Dann wehte uns mit dem Wind ein Duft entgegen, ein Reh. Gar nicht weit entfernt. Ich sah Claire an, aber sie war bereits weg. Wenige Sekunden später war ich wieder bei ihr. Sie kniete neben dem Reh, es war tot.
"Lässt du mir was übrig?" Ich lachte.
Die nächste Zeit verbrachten wir damit, durch den Wald zu laufen und das Leben zu genießen. Sie kam auf die glorreiche Idee, einen Baum zu entwurzeln. Doch weil sie ihre Kräfte noch nicht vollständig unter Kontrolle hatte zermalmten ihn ihre Hände an der Stelle, an der sie seien Stamm umfasste. Sie sah mich verdutzt an und daraufhin brach ich in Lachen aus. Ich stand hinter ihr und half ihr sich von dem Baum zu lösen, ohne noch mehr Sägespäne zu produzieren. Dann schloss ich zaghaft, weil ich mir nicht sicher war, in wie fern ihre Gefühle bereits meinen entsprachen, meine Arme um sie. Als sie keine Anstalten machte, sich von mir zu lösen entspannte ich mich und genoss den Moment. Sie schmiegte sich an mich und sah so zufrieden aus, ich glaubte sogar, sie leise schnurren zu hören. Meine Haut kribbelte angenehm unter ihrer Berührung. Hätte mein Herz noch geschlagen, jetzt hätte sich mein Puls wohl verdoppelt. In diesem Augenblick hatte ich keinen Zweifel daran, das Richtige getan zu haben.
Kapitel 6
Die nächste Zeit verging wie im Flug. Ich weiß nicht ob es Wochen, Monate oder Jahre waren, denn die Zeit hatte in meinem Leben jede Bedeutung verloren. Inzwischen begann ich mein Schicksal zu akzeptieren, ich genoss beim Laufen den Wind im Haar und beim Schwimmen die scheinbare Schwerelosigkeit im Wasser.
Gabriel und ich gehörten zusammen, dessen war ich mir absolut sicher. Wenn er mich ansah, kroch mir ein wohliger Schauer den Rücken hinauf und zumeist zauberte es mir ein Lächeln ins Gesicht. Wenn er mich berührte fühlte es sich sanft an, fast wie die Flügel eines Schmetterlings. Und selbst wenn er mir scheinbar zufällig durchs Haar fuhr, erwischte ich mich fast bei einem Schnurren. Ich liebte ihn, wohl fast mehr als mich selbst. Denn ich hatte die dunkle Seite an mir kennen gelernt:
Eines Abends strich ich allein durch den Wald. Ich war nicht hungrig, sondern freute mich einfach an den wunderbaren Farben und Gerüchen. Die Sonne malte bunte Lichtflecken auf die Kronen der Bäume und auf den Boden. Die vielen wilden Blumen leuchteten in den schönsten Farben und dufteten. Es muss wohl Frühling oder vielleicht Frühsommer gewesen sein, alles um mich herum grünte und ein Kirschbaum in der Nähe hing voll rosafarbenen Blüten. So schlenderte ich vor mich hin, und auf einmal hörte ich eine Stimme. Sie hatte mich aus meinem Tagtraum gerissen und ich schlug die Augen auf. Es war ein Mädchen vielleicht 15 oder 16, sie trug Ohrstöpsel und sang laut und ausgelassen ein Lied mit. Ihr Haar hatte die Farbe von flüssiger Vollmilchschokolade, ihr Gesicht war zart gebräunt auf keinen Fall unnatürlich. Ich stand hinter einem Baum, sie konnte mich unmöglich sehen. Ich erkannte die Melodie, doch mir wollte der Titel des Liedes nicht einfallen. Dann bewegte sie zufällig ihre Haare, doch es bewegte genug Luft. Ihr Geruch berauschte mich sosehr, dass ich beinahe sofort auf sie losgegangen wäre. Sie roch ähnlich wie der Kirschbaum, nicht weit entfernt. Nur besser und viel verlockender. Der Durst kratzte in meinem Hals, schlimmer als je zuvor. Ein Tier war damit einfach nicht vergleichbar. Fast verlor ich den Verstand, doch dann spürte ich eine Hand an meinem Rücken und erschrak. Ich drehte mich um und sah in Gabriels traurige Augen. Er atmete nicht, stattdessen sah er mich angsterfüllt an. Bei seinem Anblick kam ich langsam zur Besinnung, auch ich hörte auf zu atmen und es gelang mir mich abzuwenden. Schritt für Schritt entfernten wir uns und als sie uns unmöglich noch sehen konnte begannen wir zu laufen. Ich lief wie um mein Leben.
Irgendwann begann ich wieder zu atmen, wir waren an unserem See angelangt. Er lag tief im Wald und war einfach wie gemacht zum schwimmen. Ich genoss die klare Luft in meinen Lungen, doch jetzt hatte ich das Monster gesehen, dass ich war.
Gabriel war anders, er zeigte kaum mal ein Zeichen von Durst oder ähnlichem. Hätte ich logisch gedacht, wäre mir wohl klar geworden, dass er das Verlangen einfach besser verstecken konnte als ich, aber wer tut das schon, wenn man verliebt ist? Ja, ich liebe Gabriel und ich werde nie vergessen, was er noch an diesem Abend zu mir sagte: "Das war die schlimmste Zeit meines Lebens, Claire, die Zeit, in der ich nicht jede deiner wundervollen Facetten wahrnehmen konnte." Auf meinen verdutzten Blick hin fügte er hinzu: "Dein Geruch, ich habe nicht geatmet." Die ganze Wucht dieser Aussage traf mich erst einige Momente später. Wir lagen am Seeufer und ich beobachtete die Sonne auf seiner Haut. Mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass er meine Gefühle voll erwiderte. Scheinbar in ihrem ganzen Ausmaß. Ich stand auf und kniete mich neben ihn. Er öffnete die Augen und ich kann mich an keinen Augenblick erinnern, in dem er faszinierender ausgesehen hat. Sein karamellfarbenes Haar war noch nass vom schwimmen und einige Strähnen hingen ihm ins Gesicht. Seine Augen leuchteten tief golden und ab und zu rann ein Tropfen Wasser von seinem Haar aus an ihm herab. Diese ganze Herrlichkeit wurde davon unterstrichen, dass jeder Teil seiner marmorfarbenen Haut im Licht der untergehenden Sonne funkelte. Sein Geruch gab mir den Rest, ich konnte und wollte mich nicht länger zurückhalten. Ich beugte mich seinem Gesicht entgegen und an diesem Abend berührten unsere Lippen sich zum ersten Mal.
Kapitel 7
Der erste Kuss war sehr vorsichtig und leicht, der zweite schon weniger, eher forschend. An die weiteren erinnere ich mich nicht mehr genau. Die ganze Nacht verschwimmt, wenn ich versuche, mich genau zu erinnern. Es ist wie ein Meer aus Gefühl und Berührungen.
Irgendwann ging die Sonne auf, wir saßen am Seeufer. Ich summte vor mich hin und hielt die Füße ins angenehm kühle Wasser. Plötzlich spürte ich eine Hand an meiner Schulter und im Bruchteil einer Sekunde später auch Lippen an meinem Hals. "Hey...." seufzte ich leise. Er antwortete mit einem angenehmen Knurren. Unser Umgang mit einander hatte sich drastisch verändert, seit dieser Nacht. Aber er war keineswegs befangen oder ungewohnt, eher wie selbstverständlich, ganz offen und entspannt.
So blieb es auch, unser Wald war wie unser eigener kleiner Planet, der Claire-und-Gabriel-Planet. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr an das Mädchen, es war zwar ein furchtbares Gefühl, doch ich konnte widerstehen, dass wusste ich jetzt.
Im Prinzip mangelte es uns an nicht, wir lebten fast ausschließlich von Luft und Liebe, aber langsam begann ich Dinge zu vermissen. Nicht wie ich meine Eltern und Freunde vermisste, nicht schmerzlich, aber die Philosophie meiner Mutter war immer "Wahres Glück liegt in den kleinen Dingen". Jetzt verstand ich was sie damit meinte. Ich vermisste meine relativ große CD-Sammlung, ich vermisste mein geliebtes Cello und auch Bücher, vor allem Bücher.
Natürlich braucht man diese Dinge nicht unbedingt zum Leben, aber es ist erheblich schöner mit. Ich erzählte Gabriel davon und er empfand genauso, mit dem Unterschied dass er an Stelle von meinem Cello seine Geige vermisste.
Irgendwann begann Gabriel mir nachts Sternbilder zu zeigen und ihre Herkunft zu erklären. Ich hatte mir schon immer gerne Sterne angesehen, wer tat das nicht? Aber ich hatte immer nur Anhäufungen von leuchtenden Punkten auf nachtblauem Himmel gesehen, jetzt dagegen sah ich die Milchstraße, Widder und den kleinen Wagen.
Eines nachts einige Zeit später lagen wir wieder einmal an unserem Seeufer und er zeigte mir
Orion. Er lag auf dem Rücken und ich hatte mich an ihn gekuschelt, wie fast jede Nacht. Ich hörte seine angenehme Stimme und fühlte mich in diesem Moment tief glücklich.
Doch mit einem Mal brach er mitten im Satz ab. Ich erwachte aus meiner Trance sah ihn erschrocken an. Er lag völlig konzentriert da und hatte die Augen geschlossen. Nach einer kurzen Weile, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, öffnete er seine Augen und sah mich beunruhigt an. "Was ist los?" Ich war verwirrt und der sorgenvolle Ausdruck auf seinem Gesicht machte die Sache nicht besser. Er überlegte lange, bevor er antwortete.
"Die Volturi werden bemerken, dass ich geflohen bin. Ich hatte eine Vision. Einer ihrer Männer, Felix, wird vernichtet werden. Sie werden uns suchen." Er senkte den Blick und langsam spürte ich wachsende Angst in mir. "Wann?" brachte ich nur heraus. Ich wusste, dass das irgendwann passieren würde. Trotzdem war ich überrascht, wir würden unseren Wald verlassen müssen. Und wahrscheinlich auch nicht wiederkommen, ich würde ihn vermissen, den See, die Pflanzen, alles. Und wo sollten wir nun überhaupt hin? Dieser Teil des Waldes war fast immer menschenleer, ich wusste nicht, ob ich schon bereit war, näher an Menschen zu leben. "In etwa drei Wochen." antwortete er. "Allein haben wir keine Chance, wir müssen zu dem Zirkel. Die Volturi kennen den 'Vater' der Familie, mit seiner Hilfe können wir sie vielleicht überzeugen uns gehen zu lassen. Es wird nicht leicht Claire, sie leben mit einem Menschen zusammen und werden es wohl kaum gutheißen, wenn einer von uns ihn aussaugt."
Ich dachte über seine Worte nach und kam zu dem Schluss, dass ich diese Wendung akzeptieren musste. Es war ein Spiel auf Zeit, wenn wir nicht innerhalb von drei Wochen bei dem Zirkel ankommen, werden die Volturi und zwingen wie sie zu leben. Allein schon der Gedanke daran widerte mich an. "Wo befindet sich der Zirkel?" "In den USA, an der nördlichen Westküste. Wir könnten entweder schwimmen, was aber umständlich wäre. Oder wir fliegen, doch erstens haben wir kein Geld und zweitens ist ein Flugzeug voller Menschen, wohl auch unpassend. Ich schlage vor einen Hubschrauber zu nehmen. Ich kann fliegen und auf der anderen Seite der Stadt gibt es einen Hubschrauberlandeplatz..."
Kapitel 8
Wir hatten keine Sachen zu packen, denn eigentlich besaßen wir nichts. Außer den Kleidern, die wir trugen. Bei Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg. Der Wald flog an uns vorüber und ich spürte eine Mischung aus Neugier, Angst und Nervosität. Die Angst führte ich auf die Volturi zurück, die anderen Gefühle aber meine neue Familie.
Irgendwann lichteten sich die Bäume vor mir, und ich erkannte einen quadratischen, umzäunten Platz. Es war ruhig und leichter Geruch nach Benzin lag in der Luft. Ich konnte den fröhlich summenden Mann am Ende des Platzes riechen bevor ich ihn sah. Augenblicklich hörte ich auf zu atmen und auch von Gabriel an meiner Seite hörte ich nichts. Kurz darauf hatte der Mann die an den Platz grenzende Straße erreicht. Er lehnte sich entspannt gegen eine Straßenlaterne und schien auf etwas zu warten. Nach ein paar Minuten kam ein röhrendes Motorengeräusch immer näher. Eine Frau hielt mit quietschenden Reifen ihr Motorrad an und stieg ab. Sie nahm ihren Helm ab und schüttelte ihr Haar. Sie trug eine Sonnenbrille, wäre das hier ein Film, diese Sequenz wäre wohl in Zeitlupe gezeigt worden. Sie sah einfach umwerfend auf. Das Gesicht des Mannes hellte sich auf und er rief freudig: " Ahhh. Bella Annika!" Sie lächelte nur. Mit einem Anflug von Misstrauen sah ich Gabriel verstohlen aus den Augenwinkeln an, aber er sah gar nicht hin. Als ich wieder zu "Bella Annika" und dem Mann sah, saßen beide schon wieder auf dem Motorrad und verschwanden hinter der nächsten Kurve. Erleichtert atmete ich auf.
Gabriel und ich traten aus dem Unterholz und kletterten über den hohen Maschendrahtzaun. Auf der Westseite des Platzes, links von uns, befand sich eine große Halle. Ich nahm an, dass sich die Hubschrauber darin befanden, denn auf dem Platz war weit und breit kein Flugobjekt zu sehen. Wir betraten die Halle und vor uns befanden sich vier alt wirkende Hubschrauber. Gabriel zeigte auf den zweiten von rechts und sagte: " Den nehmen wir. Mach bitte das Tor weit auf, ich sehe ihn mir kurz an." Ich tat wie geheißen und drehte mich dann wieder zu ihm. Er ging um die große Maschine herum und achtete dabei auf Kleinigkeiten, die einem ungeschulten Auge vermutlich verborgen geblieben wären. Gedankenverloren beobachtete ich ihn und dann fragte ich mich, woher er eigentlich fliegen konnte. Und dann bemerkte ich zum ersten Mal, dass ich so gut wie nichts über seine Vergangenheit wusste.
"Erzähl mir alles über dich." Er blickte überrascht auf und sah mich aus großen, goldenen Augen an. "Du weißt doch alles über mich, Liebling. Ich habe vor dir keine Geheimnisse."
"Ich meine dein menschliches Leben. Und wie du überhaupt zu den Volturi gekommen bist. Erzähl 's mir." "Achso... Also gut. Von Anfang an?" "Alles, bei dir immer alles." antwortete ich lächelnd. Währenddessen hatte Gabriel schon den Hubschrauber aus der Halle geschoben. Wir stiegen ein und nach einer Weile begann er zu erzählen.
"Ich wurde am 2. März 1861 in der Nähe von Monroe, Louisiana geboren. Meine Eltern waren sehr gläubig, deshalb nannten sie mich Gabriel, was soviel wie Mann Gottes bedeutete. Mein zweiter Vorname ist Jonathan, nach meinem Vater. Wir hatten eine große Farm, die McLinger Ranch. Ich hatte zwei Geschwister, meine Schwester, Jules und mein Bruder Charles. Jules heiratete 1882 einen ziemlich wohlhabenden Farmer in Texas.
Charles und ich übernahmen unsere Farm und kurz darauf heiratete Charles ein Mädchen namens Rosemary aus dem Nachbarort. Sie wurde schnell schwanger und ich ein langsam wenig überflüssig auf der kleinen Ranch. Deshalb ging ich zu meinem Schwager um ihn zu fragen, ob er Arbeit für mich hätte. Und auch, weil ich meine Schwester unheimlich vermisste. Wir schrieben und zwar Briefe, aber Jules und ich waren immer unzertrennlich gewesen. Aber ich kam nie an, auf halbem Weg wurde ich von einem Mann angesprochen.
Ich wollte ihn schnell abschütteln, damit ich meine reise fortsetzen könnte, aber er hielt mein Schulter fest umklammert. Er zog mich in ein nahe gelegenes Waldstück und bevor ich etwas sagen oder mich währen konnte, hatte ich schon seine Zähne im Hals." An dieser Stelle schob er den Kragen seines Hemdes zurück und deutete auf die feine, halbmondförmige Narbe. Ich kannte diese natürlich, aber er sprach schon weiter. "Der Mann hieß Carlo, und war dabei sich eine Armee aus Neugeborenen aufzubauen um mehr Gebiet für sich zur Jagt zu erkämpfen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie du dir vermutlich denken kannst, hat eine Armee aus Neugeborenen großen Durst und so wurden die Volturi schließlich auf den Krieg aufmerksam. Da sie darauf bedacht sind, die Existenz von Vampiren geheim zu halten, beschlossen sie selbigen zu beenden und hatten dabei eine simple, aber durchaus wirkungsvolle Strategie: Sie vernichteten alle Neugeborenen und ihre "Eltern". Sie wollten auch mich vernichten, aber als sie erkannten worin meine Gabe bestand beschlossen sie, mich stattdessen mitzunehmen. Und so landete ich schließlich bei den Volturi." Ich ließ seine Worte auf mich wirken. "Eins ist mir aber immer noch nicht klar, woher kannst du fliegen?" Er lachte auf. " Ach ich hatte mal so ein Handbuch in der Hand, ich habs überflogen." Ich sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an, denn ich dachte nicht daran, dass mir so ein kleiner Absturz überhaupt nichts anhaben konnte. Er sah mich vergnügt an und sagte mit Südstaatenslang: "Ma'am, machen sich keine Sorgen. Ich hab alles unter Kontrolle." In diesem Moment sackte der Hubschrauber etwa vier Meter ab. Wieder sah ich ihn an, diesmal aber argwöhnisch. "Das war nicht lustig." "Doch, gibs zu." Er lachte und ich stimmte ein. Als wir uns beruhigt hatten sagte er: "Im Ernst, Ma'am, Fliegen lernt man nur beim Fliegen." Jetzt konnte ich mich wirklich nicht mehr zurückhalten und prustete los. "Na, wenn das so ist, Darling..." Ich sah aus dem Fenster und unter mir befanden sich nur tiefblaue Weiten. Die Zeit vergeht schnell, wenn man glücklich ist.
Kapitel 9
Irgendwann wurde das Meer von Land abgelöst und ich sah winzige Häuser und Autos wie Ameisen unter mir. Gedankenverloren beobachtete ich die Wolken und dachte nach. Die Familie lebte mit einem Menschen zusammen. Aber das konnte doch unmöglich ein Dauerzustand sein? Sie würde doch altern. Und wie würden sie überhaupt auf uns reagieren? Ich machte mir Sorgen, und sah zu Gabriel, der sichtlich Spaß am Fliegen hatte. Fasziniert sah ich ihn an und als er meinen Blick bemerkte lächelte er zurück. "Was glaubst du, wie sie reagiere werden?" fragte ich. Er dachte einen Moment nach und sagte dann: "Es gibt nur einen Weg das herauszufinden" Er riss das Steuer herum und ging in einen steilen Sinkflug. "Sind wir schon da?" Ich war überrascht, wenn er so schnell flog, wie würde er dann erst Autofahren? Konnte er überhaupt Autofahren? Ich konnte diesen Gedanken nicht weiter nachhängen, denn jetzt setzten wir auf einem weichen Moosboden auf. Mir war seltsam zumute, dieser Wald sah fast aus wie Gabriels und meiner. Er stieß die Tür auf und stieg aus. Ich tat es ihm gleich. Aus der Dämmerung sahen uns vier goldene Augenpaare neugierig an. Gabriel nahm meine Hand und wollte gerade zum sprechen ansetzen, da hob die kleinste der Vampire die Stimme und sagte: "Ich hab doch gesagt, sie kommen mit einem Hubschrauber. Ihr wolltet mir ja nicht glauben."
"Du musst zugeben, es klang ein wenig merkwürdig, Alice, aber lasst sie uns doch erstmal begrüßen. Hallo, mein Name ist Carlisle. Willkommen." Ich sah zu Gabriel, er war genauso überrascht wie ich. "Ähm, Hallo." Brachte er heraus. "Mein heiße Gabriel und das ist Claire", er deutete auf mich. "Wissen wir, wissen wir, kommt doch erstmal mit rein. Wir zeigen euch euer Zimmer." Das Augenpaar hinter Alice trat aus dem Schatten und ich erkannte, dass das der dazugehörige Vampir groß war und blond, er sah fast ein wenig aus wie Gabriel. Ich sah ihm in die Augen und bemerkte wie ich mich augenblicklich ruhig und geborgen fühlte. Er lächelte und sagte:" Hallo, ich bin Jasper und das hier", er deutete auf die hünenhafte, muskelbepackte Gestalt neben sich, "ist Emmett." Emmett hob die Hand und auch er sah mich freundlich an. "Los, lass uns gehen. Ich will ihnen endlich ihr Zimmer zeigen. ich hab mir solche Mühe beim einrichten gegeben." Alice nahm ungeduldig meine Hand und zog mich einen schmalen Pfad aus dem Wald hinaus entlang. Ich stolperte hinter ihr her. "Woher wusstest du überhaupt, dass wir kommen? Hast du auch Visionen?" "Ja, hab ich. Du etwa auch?" "Nein, ich nicht, aber Gabriel." "Achso, nun gut. Lass uns drinnen weiterreden, ja? Die anderen warten schon..." Am Ende des Pfades befand sich ein wunderschönes, alt aussehendes Fachwerkhaus. Es war weiß gestrichen und vielleicht etwa 100 Jahre alt. Kurz bevor wir die große Eingangstür erreichten wurde diese von innen aufgerissen. Eine junge, schöne Frau stand in der Tür und kam auf und zu. Sie umarmte zuerst mich und dann Gabriel. "Endlich seid ihr da." Instinktiv konzentrierte ich mich auf den leuchtenden Kreis auf Höhe ihres Herzens. Er trat klar hervor und leuchte strahlend hell, wie alle in der Familie Cullen. Ich las den Namen vom Schild neben der Tür:
Hier wohnen:
Carlisle
Esme
Emmett
Rosalie
Jasper
Alice
Edward
Gabriel
und Claire Cullen
Willkommen
Ich war gerührt, alle Sorgen waren verschwunden. Hier würde es uns gut gehen. Wir betraten das Haus und an einem großen, schönen Holztisch saßen zwei weitere Personen. Sie traten auf uns zu und stellten sich als Edward und Rosalie vor. Das ganze Haus und seine Bewohner wirkten sofort freundlich und ich fühlte mich geborgen. Carlisle deutete auf den Tisch und sagte: "Nun erzählt erstmal." Wir setzten und ich begann zu erzählen. Von meiner Italienrundreise, von dem Turm, von Gabriel. Er ergänzte meine Worte und berichtete von seinen Visionen. Die Familie hörte uns gespannt zu, offenbar kannten sie nur wenige Fakten aus Alices Visionen. "Drei Wochen also" sagte Carlisle nach einer Weile. Ein betretenes Schweigen trat ein und wurde erst nach einigen Minuten unterbrochen, als Jasper mit Gabriel ein Gespräch über Musik anfing. Es ging um Johnny Cash, June Carter und Jerry Lee Lewis. Offenbar hatten sie einen ähnlichen Musikgeschmack, denn Gabriel war sofort Feuer und Flamme für dieses Thema. Ich vermutete, dass er dankbar für jede Ablenkung war. Er ließ sich Jaspers CD-Sammlung zeigen und Alice hielt er jetzt wohl nicht mehr aus, sie nahm erneut meine Hand und führte mich durch eine weitere Tür zu einem kleinen Anbau.
Sie stieß die Tür auf und sagte." Willkommen in eurem neuen Reich." Ich brachte nur ein "Wow" heraus. Ich befand mich in einem großen, hell gehaltenen Raum. Er war sehr groß. An der Westseite, mir gegenüber stand ein großes, wunderschönes Doppelbett. Es war schlicht gehalten, aber am Kopf- und am Fußteil befanden sich kleine, geschwungene Verzierungen. An den vier Ecken befanden sich Holzstangen, die in etwa zwei Meter Höhe ein Viereck bildeten. Da der Raum ein Anbau war, waren in drei Seiten des Raumes Fenster eingelassen, eine Wand, die Südseite, war komplett verglast. Zu beiden Seiten des Bettes befanden sich kleine Nachttische, die aus demselben Holz wie das Bett gefertigt waren. Die ganze Rechte Seite des Raumes war von einer riesigen Regalwand bedeckt. Mit drei großen Ausparungen für Fenster. In dem Regal befanden sich bereits ein paar Bücher und CDs aber es war keineswegs voll. Auch eine große, teuer aussehende Stereoanlage und einige Boxen waren darin zu finden. Am Fuß des Regals stand eine wunderschöne Geige, und daneben, ich konnte meinen Augen kaum trauen, ein Cello. Als mein Blick darauf fiel, fiel ich Alice spontan um den Hals. "Woher weißt du...?" Sie lachte, "Aus meiner Vision. ich hab euch hier spielen sehen." Ich drückte sie noch mal, "Danke" Sofort ging ich auf das Instrument zu und meine Finger kribbelten. Als hätten sie das Spielen vermisst wie eine schöne Geliebte. ich begann zu spielen, mein Lieblingsstück, Claire de Lune. Daher hatte ich auch meinen Namen, es war das Lieblingsstück meiner Mutter. Nach kurzer Zeit standen sämtliche Cullens inklusive Gabriel in der Tür, doch er blieb nicht dort. Wie ich nahm er sofort seine Geige zur hand und begann mit zuspielen. Irgendwann hörte ich aus dem Hauptraum ein leises Klavierspiel und die Töne verflochten sich mit den anderen. ich weiß nicht, wie lange das so ging, ich versank im Meer der Musik.
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Viel Spaß & LG Jule
[Dieser Beitrag wurde am 08.06.2008 - 19:55 von Julemaus aktualisiert]
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Status: Offline Registriert seit: 28.01.2008 Beiträge: 2183 Nachricht senden | Erstellt am 04.05.2008 - 21:30 | |
Also hier das 1. Kapitel überarbeitet und die erste Version des 2. Kapitels
Prolog: Dunkelheit
Als ich verstand, was hier geschah, war ich mir sicher, dass ich sterben würde. Ich würde in diesem alten Turm sterben, mitten in der schönen Altstadt Volterras. Doch plötzlich packte mich von hinten eine schneeweiße Hand und zog mich in die Dunkelheit.
Kapitel 1
Endlich, endlich haben mich meine Eltern alleine verreisen lassen. Ich war so froh endlich einmal aus dem verträumten kleinen Dorf, in dem ich mein Leben lang gelebt habe, heraus zu kommen und etwas von der Welt zu sehen. Wurde auch Zeit, immerhin war ich 17. Nach langem Brüten über dem Atlas und mehreren Besuchen im Reisebüro saß ich schließlich im Flugzeug, an einem Fensterplatz. Eine Italienrundreise schien das Richtige für mich zu sein, viele neue Orte, viele neue Gesichter.
Jetzt wurde ich doch nervös, ich war noch nie länger als eine Woche weg von zu hause und schon gar nicht allein. Neben mir saß ein kleines, sehr niedliches Mädchen, sie schlief. Als wir etwa die Hälfte des Fluges hinter uns hatten, wachte sie jedoch auf und das Grauen begann. Erst schrie sie ihre Mutter an, sie wolle ein Bonbon, kurz darauf wollte sie ihr Malbuch und dann etwas zu trinken. Ich versuchte mich auf die Wolken zu konzentrieren und nach einer Weile schlief ich selbst ein.
Das Flugzeug landete nach einem relativ ruhigen Flug schließlich in Florenz. Da es erst 11 Uhr am Vormittag war beschloss ich den Tag hier zu verbringen und am Abend den Nachtbus nach Volterra zu nehmen. Als erstes wollte ich die Galleria degli Uffizi besichtigen. Das ist die wichtigste Kunstsammlung Italiens und eine der reichsten der Welt. Sie befindet sich in Vasaris majestätischem Uffizi-Palast. Schnell wurde mir klar, dass die riesige Sammlung wirklich zu groß war, um sie auf einmal zu bewältigen. Nach einiger Zeit machte mich mein Magen mit Hilfe eines lauten Knurrens darauf aufmerksam, dass ich seit einiger Zeit keine feste Nahrung mehr zu mir genommen hatte. Also machte ich mich auf den Weg irgendwo zu Mittag zu essen. Danach wollte ich mir die elegante Franziskanerkirche Santa Croce ansehen. Sofort war ich von ihrer Schönheit überwältigt, doch langsam spürte ich die Müdigkeit und die Anstrengung des vielen Laufens in allen Knochen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle besorgte ich mir ein wenig Proviant für die Fahrt. Nach kurzem Warten stieg ich in den Bus und bald nachdem ich mich gesetzt hatte vielen mir vor Müdigkeit die Augen zu.
Am nächsten Morgen stieg ich in der Innenstadt Volterras wieder aus und machte mich auf die Suche nach einer Touristeninformation, um mir ein paar Broschüren über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten von Volterra anzusehen.
Mir stach sofort eine kleine karmesinrote Karte ins Auge, die einen wunderschönen alten Turm zeigte. Es fanden Führungen statt, die nächste um zehn Uhr. Ich beschloss schnell eine Kleinigkeit zu frühstücken und anschließend den Turm zu suchen.
Als ich ihn schließlich kurz vor Führungsbeginn fand, hatten sich bereits etwa 15 Menschen um die unglaublich schöne Führerin versammelt. Sie war so schön, dass ich unmöglich wegschauen konnte. Sie hatte schneeweiße Haut und ihr langes mahagonifarbenes Haar floss ihr über die Schultern. Ihre Kleidung unterstrich ihre Schönheit nur noch mehr, sie trug einen eng anliegenden schwarzen Rollkragenpullover und einen sehr kurzen, sehr roten Rock. An ihrem ansonsten perfekten Gesicht fielen mir sofort die dunklen Schatten unter ihren violetten Augen auf. Um Punkt zehn Uhr räusperte sie sich kurz und augenblicklich erstarben alle Gespräche.
Sie hob ihre wie Musik klingende Stimme und sagte: "Guten Morgen. Mein Name ist Heidi und ich führe sie heute durch diesen wunderschönen Turm." Sie öffnete beide Flügel der großen Tür und ging voran. Vor uns lag eine ausladende Treppe, auf die Heidi deutete. "Bitte folgen sie mir. Der Turm wurde, wie der älteste Teil der Stadt zur Zeit der Etrusker errichtet. Die Eingangstür besteht aus sehr haltbarem Lärchenholz ..." So ging es weiter doch ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Stattdessen bewunderte ich das wunderschöne alte Mauerwerk und die Bilder, die entlang der Wendeltreppe angebracht waren. Schließlich gelangten wir in einen großen kreisrunden Raum und auch dazu wusste Heidi eine Menge zu erzählen.
Gegenüber der Treppe befand sich eine unscheinbare Tür, auf die Heidi deutete und sagte wir sollen vorgehen und sie würde folgen. Sie betrat als letzte den schmalen Flur, der sich hinter der Tür befand und schloss diese. Auf einmal überkam mich ein ungutes Gefühl. Auf diesem Gang befanden sich weitere Personen, die ohne Ausnahme leichenblass, wunderschön und rotäugig waren. Einige grüßten Heidi. Als die ersten der Gruppe das Ende des Flurs erreichten wurde die sich dort befindende Tür von innen geöffnet und ein sehr alter Mann lächelte uns freundlich entgegen und sagte "Herzlich Willkommen!". Dann zog er eine Frau
ganz vorne an der Hand und den Raum und ich glaube ihn murmeln gehört zu haben " Sie riechen aber wirklich ganz vorzüglich." Meine ungute Ahnung verstärkte sich, als noch mehr Leute in den Raum gezogen wurden. Dann hörte ich den ersten Schrei.
Kapitel 2
Der alte Mann hatte die Frau getötet, ich sah ihre scheinbar blutleere Leiche in seinen Armen liegen. Panik stieg in mir auf. Ich wollte weglaufen, doch ich konnte keinen Muskel rühren, also sah ich mit schreckgeweiteten Augen zu, wie sich hinter uns blitzschnell eine undurchdringliche Mauer aus blassen, schönen Gestalten bildete. Diese drängte uns immer weiter den Flur entlang. Als ich verstand, was hier geschah, war ich mir sicher, dass ich sterben würde. Ich würde in diesem alten Turm sterben, mitten in der schönen Altstadt Volterras. Doch plötzlich packte mich von hinten eine schneeweiße Hand und zog mich in die Dunkelheit. Die Hand hatte mich um die Taille gepackt und zog mich durch eine weitere Tür in einen Seitengang des Flurs. Mein Verschwinden blieb in dem Chaos aus angsterfüllten Menschen und Schreien völlig unbemerkt.
Eine sanfte, melodische Stimme sagte:" Komm, wir müssen uns beeilen." Bevor ich irgendetwas darauf erwidern konnte hob er mich auf seinen Rücken und rannte los. Ich konnte mich nur festhalten. Mir war klar, dass ich eigentlich überlegen müsste was schlimmer war:
In diesen furchtbaren Raum gezogen zu werden oder hier von dieser Gestalt, von der ich bis her nur die Stimme gehört hatte, entführt zu werden. Doch stattdessen und trotz der Kälte, die von ihm ausging, fühlte ich, wie sich ein warmes Gefühl der Sicherheit in mir ausbreitete. Ich wusste einfach, dass er mir nichts tun würde. Wir rannten durch einen dunklen Tunnel und ich konnte noch nicht mal die Hand vor Augen erkennen. Doch ich fühlte den rauen Stoff der Kleidung, die er trug und ich fühlte seinen harten Körper darunter. Dazu atmete ich den unglaublichen Geruch ein, der von ihm ausging. Zwar fühlte ich mich intuitiv sicher bei ihm, doch ich war trotzdem verwirrt ich hatte schließlich keine Ahnung was hier vor sich ging.
Nach einer Weile nahm der Tunnel eine scharfe Rechtskurve und ich sah ein Licht, auf das wir zu rannten. Jetzt konnte ich mehr sehen. Und was ich sah machte mich schier sprachlos, noch sprachloser als ich ohnehin schon war. Mein Entführer, oder besser gesagt mein Retter hatte eine Haarfarbe wie sehr helles Karamell und ich konnte es nicht lassen mit den Fingerspitzen vorsichtig sein Haar zu berühren, es war so unglaublich weich. Ich konnte sein Gesicht im Halbprofil erkennen. Seine Haut war weiß, wie Marmor, er hatte eine gerade Nase und volle Lippen. Seine Augen konnte ich nicht erkennen.
Als wir das Ende des Tunnels erreicht hatten, wandte ich den Kopf und sah, dass wir Volterra verlassen hatten. Die große Stadtmauer, die Volterra umgab hatte am Boden ein etwa zweieinhalb Meter großes Loch, das den Ausgang des Tunnels bildete. Jetzt setzte er mich vorsichtig auf dem Boden ab und mein erster Impuls war "Ich will nicht." zu sagen. Ich wollte wirklich nicht, ich wollte nicht hier auf dem weichen Moosboden sitzen, denn hier hatte ich seinen wunderbaren Geruch nicht mehr in der Nase. "Was willst du nicht?" fragt er mit einem leisen Lachen in der Stimme, als hätte er gehört was ich dachte. Als mir klar wurde, dass ich es wohl laut ausgesprochen hatte, errötete ich leicht. Für einen kurzen Moment verkrampfte er sich, aber es war so schnell vorbei, dass ich meiner Wahrnehmung nicht ganz traute. Auch er setzte sich und dann begann er zu erklären: " Mein Name ist Gabriel und ich bin ein Vampir. Du bist mein Schicksal, deswegen habe ich dich gerettet. Die Gestalten im T..." . Ich unterbrach ihn:" Halt du bist ein Vampir? Vampire trinken Blut. Wirst du mich töten?" Panisch überlegte ich ob mich meine Intuition in Gabriels Fall im Stich gelassen hatte und ob er doch Böses im Sinn hatte, doch er sprach schon weiter. "Nein, Claire, wie ich schon sagte, bist du mein Schicksal daher werde ich dich wohl kaum töten. Wo war ich? Ja, die gestalten im Turm. Das sind die Volturi und bis eben war ich einer von ihnen. Sie sorgen dafür, dass die Vampire auf der ganzen Welt unentdeckt bleiben. Heidi sorgt dafür, dass regelmäßig genügend Menschen zu ihnen kommen. Ich spüre schon lange, dass ich so nicht mehr leben will. Vor einigen Stunden hatte ich eine Vision, ich sah uns beide, wir lebten glücklich bei einer großen Gruppe von Vampiren, die auf eine andere Art leben als die Volturi. Sie ernähren sich von Tierblut. Also wartete ich, bis du bei einer Führung dabei warst. Ich würde dich gerne gehen lassen, obwohl ich weiß, dass wir zusammengehören, aber als Mensch wirst du sterben. Die Volturi wissen, das du gesehen hast, was sie sind. Sie werden nicht zulassen, dass du eventuell ihr Geheimnis verrätst. Deine einzige Chance ist von nun an selbst als Vampir zu leben." Das war eine Menge Information auf einmal und erst nach und nach realisierte ich, was seine Worte für mich bedeuteten: Ich würde meine Eltern und Freunde zu Hause nie wieder sehen.
Ich merkte wie sich Tränen in meinen Augenwinkeln bildeten. "Oh bitte, bitte nicht weinen." Er klang verzweifelt, als könnte er mich unmöglich weinen sehen und hielt mich fest in seinen Armen. Eine ganze Weile saßen wir so da, ich weinte still und er schaukelte mich sanft vor und zurück "Schhht, schhhhht, nicht weinen." Das half ein wenig, denn da war eine Vertrautheit zwischen uns, als würden wir uns schon Jahre lang kennen.
Wie gesagt für Kommentare und Verbesserungsvorschläge wäre ich dankbar
LG Jule 
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