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Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 26.10.2005 - 15:26 |  |
Na ja, wenn man Robespierre als jung bezeichnet... Alle diese Revolutionäre der ersten Stunde stammen so aus den Jahrgängen so um 1745 bis 1758. Es waren also vor ein par Jährchen ausstudierte Ärzte, wie der grausamste von ihnen, Advokaten usw.. Das selbe Phänomen, wenn auch ebenso erklärlich wie eben genanntes bei Bonaparte. Seine Komplizen oder Marschälle stammen alle aus den späten 1760ern, viele direkt aus seinem Geburtsjahr 1769, wie ja auch der Duke of Wellington.
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 26.10.2005 - 19:35 |  |
Na ja du hast schon recht ,soo jung waren die Herren ja nicht mehr. Ich meinte auch eher den Zeitgeist und weniger die prominenten Beispiele...obwohl Saint-Just und Camille Demsoulins waren doch eher jüngeren Datums....
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
Chasseur Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 05.11.2005 Beiträge: 3 Nachricht senden | Erstellt am 06.11.2005 - 15:46 |  |
Salut,
Goethe war 25 Jahre alt, als er den Werther in 4! Wochen schrieb, nachdem er sich innerhalb eines Jahres gleich 2x in Ihm unerreichbare Damen/Mädchen verliebt hatte. Als dann noch ein Bekannter bei einem der Ehemänner (hatte sich aber nicht in eine dieser Damen verliebt) eine Pistole lieh, um sich wegen einer unerwiderten Liebe zu erschießen, was er auch tat, hatte Goethe lt. eigener Aussage einen Stoff, der fertig da war und nur noch aufgeschrieben werden mußte. Natürlich wirkte das alles besonders stark bei einer jüngeren Leserschaft. Von "Selbstmordwelle" zu sprechen, ist etwas weiter hergeholt, es gibt ganz wenige, die sich umbrachten, aber es paßte genau zur Erscheinung des Buches und bescherte den Lesern noch ein wohliges Schaudern. Auf die psychologischen Aspekte gehe ich lieber nicht ein, es wird wohl schon jede/r in diesem Alter seinen Herzschmerz gepflegt haben Weil aber die Leser genauso Sensationsgierig waren wie heute, hatte der arme Goethe bis ins hohe Alter mit Leuten zu tun, die ihn fragten, was denn da nun wirklich geschehen sei. Diese Fragen war er so gänzlich Leid, daß das auch auf seine Meinung über das eigene Frühwerk abfärbte.
Grüße
Chasseur
Signatur "Seien Sie nicht feige Mann ! Lassen Sie mich hinter den Baum!" |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 06.11.2005 - 20:09 |  |
..und wenn man "Lotte in Weimar" glauben schenken darf , hat er seiner Jugendliebe auch kein besonderes Andenken bewahrt.
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
Katja  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 84 Nachricht senden | Erstellt am 09.11.2005 - 19:02 |  |
Ach, das Stürmen und Drängen der Jugend! Wo ist es dahin?:-)))
Ich schließe mich der allgemeinen Meinung an und halte Selbstmord aus Liebeskummer auch nicht für die beste (allerdings meist wenigstens endgültige und den Mitmenschen Streß ersparende ;-)))) Lösung. Die Frage die sich im Zusammenhang mit der Literatur für mich stellt ist die: muß man die Figuren in fiktiven Geschichten in ihrer Menschlichkeit ernst nehmen oder sind sie nur Symbole und fungieren als solche? Dann wäre Werther nur ein abschreckendes Beispiel des pädagogisch gestimmten Goethe oder er hat sich schlicht und einfach seine eigene Todessehnsucht von der Seele geschrieben.
Aber die Tragödie an sich war von der Antike an geradezu pervers "in"- Voyeurismus oder Mitleid? Gerade bei tragischen Liebesgeschichten leidet man doch nur zu gerne mit- unerfüllte Lieben sind die haltbarsten oder meine Lieben?;-))
Signatur Haute Niveau Culturel et Responsabilité |
Elisabeth Ast


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 231 Nachricht senden | Erstellt am 10.11.2005 - 08:09 |  |
bevor ich zu Goethe komme , dieses hier : Selbstmord ist in der christlichen Tradition verpönt- als Eingriff in das göttliche Wirken über Leben und Tod. Und so pervers wie es ist ,ein letzer Akt des eigenen Willens des Individuums,sich gegen eine Außenwelt zu behaupten ,die es ihm verweigert, nach seiner Natur zu existieren. Ein Voyeur wird sich wenig Gedanken machen , wie man den mit Todesgedanken Schwangeren davon überzeugen kann , daß das Menschsein noch lebenswert ist. Voyeurismus erziehlt sein Kribbeln aus dem Effekt , daß es ein anderer ist,der leidet-Der Voyeur selber bleibt unbehelligt. Eine Tendenz zum Voyeurismus ist eine üble Chose, wenn ihr mich fragt und ein Zeichen für eine egoistische und oberflächliche Welt.
soviel dazu- Goethes Motivationen , den Werther zu schreiben , waren sicher viele- eine davon, möglicherweise die ,seinen eigenen Liebeskummer zu bewältigen. Erlaubte Beziehungen zwischen Menschen waren bestimmt durch finanzielle und soziale Aspekte. Gefühle nur und ausschließlich in diesem Rahmen erlaubt- Ich denke für Johann Wolfgang war es revolutionär, Liebe gegen alle Konventionen zu leben-
Der große Erfolg des Werther zeigte , wie aktuell das Thema gewesen ist ....
Signatur der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht ..... |
eva  Der Blätter zwey


Status: Offline Registriert seit: 05.12.2005 Beiträge: 36 Nachricht senden | Erstellt am 05.12.2005 - 12:11 |  |
Aphorismus von ich-weiß-leider-nicht-mehr-wem(20.Jh)
Ein Selbstmörder will nur ein Kapitel überspringen -dabei klappt er das ganze Buch zu.
Passt doch als literarischer Vergleich gut zur Literaturdiskussion.
Abgesehen davon, was Elisabeth zum letzten Aufbegehren des freien Willens geschrieben hat, und abgesehen davon, daß sicher jeder in seinem buch Kapitel kennt, die er nicht lesenswert fand, hat Una so recht!
Stellt euch die Situation doch aus der anderen Sicht vor: Jemand, der mit der Androhung der Beendigung seines Lebens Eure Liebe oder wenigstens die Duldung der seinen erzwingen will?
Alles revoltiert gegen diese Zumutung, es ist kein bißchen besser als Zwang mit vogehaltener Waffe. Es ist die fast schlimmste Stelle in Buddenbrocks, in der Antonie auf diese Drohung hin aufgibt..
Wem dieses Bild nicht stark genug ist: wie, wenn zwei verschiedene Sinnsucher dieselbe Person als Objekt auserkoren, sich beide umzubringen drohen bei Nichterhörung? Ist es jetzt Pflicht der (des) zufällig Erwählten, über Leben und Tod zu entscheiden? Es ist eine feige und unverschämte Zumutung, jemanden anders zum Sinn und zum Zweck seines Lebens zu machen. Diese Verantwortung übersteigt menschliches Maß, die von keinem Menschen verlangt werden darf.
Und da, Elisabeth, verliert auch der Selbstmord als Akt des freien Willens seinen Sinn: wenn die Verantwortung dafür nicht mehr selbst übernommen, sondern einem anderen Menschen angelastet wird.
Das war aber sääähr äääärnst.. Eva
Signatur Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit sind uns ein Buch mit sieben Siegeln. Was Ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln. (Faust zu seinem Famulus) |
Elisabeth Ast


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 231 Nachricht senden | Erstellt am 05.12.2005 - 14:36 |  |
einsehr ernstes Thema !!!
bin d'accord mit Dir Eva- Selbstmord ist nur vermeintlich ein Akt des Freien Willens !!!! Das Beispiel ,daß Du anführst ist sehr plausibel !!!!
Werde versuchen ,mal in die Physis zurückzukehren: ..... naja, sogut wie der alte Immanuel kann ich nicht formulieren ,nee ...
Kant schreibt daß es kaum möglich ist , einen objektiven Eindruck der Welt zu bekommen, da wir alles durch die Brille des individuellen Verstandes filtern - Es ist nicht möglich , diesen Verstand auszuschalten , da jeder Einzelne andere Erfahrungen gemacht hat- wie seht ihr das ?
Signatur der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht ..... |
Suzette  Zweig


Status: Offline Registriert seit: 26.10.2005 Beiträge: 164 Nachricht senden | Erstellt am 05.12.2005 - 15:39 |  |
Uih, jetzt sind wir ja mitten in der Philosophie gelandet. Da würde es sich glatt lohnen einen neuen Thread aufzumachen. Bin zwar kein großer Kantkenner und Philosophieliebhaber, aber grundsätzlich würde ich der Position eines kaum objektiven zustimmen. Ich persönlich habe mich eher mit der Wissenschaftstheorie in den Geisteswissenschaften beschäftigt und da ist es einer der "banalsten" Grundsätze, dass es im Grunde keine wirklich objektive Erkenntnis gibt, sondern wir immer von der Zeit, in der wir leben, geprägt sind und damit auch unsere Sicht auf die Dinge.
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Elisabeth Ast


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 231 Nachricht senden | Erstellt am 05.12.2005 - 16:22 |  |
hast recht ! in der Gesprächsrunde geht es weiter ,- )))
Signatur der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht ..... |