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Minami1991 ...
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...   Erstellt am 10.07.2005 - 19:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich habe letztens ein japanisches Märchen gelesen (wir hatten es in irgendeiner "Märchen aus aller Welt" Sammlung! ^^)

Hier das Märchen (Wen es nicht interessiert, bitte unten weiter lesen)

Der Spatz, dem man die Zunge abschnitt
Ach, es ist lange her, da lebte ein alter Mann und eine alte Frau. Einmal ging der Alte in die Berge, um Brennholz zu schneiden. Auf seinem Weg dorthinaber hängte er das Bündel mit seinem Essen an den Zweig eines Baumes; da kam ein Spatz und fraß seine Mahlzeit auf. Als nun der Alte daran dachte, seinen Imbiss zu essen, und das Bündel öffnen wollte, schlief der Spatz darin. Der Alte fing ihn ein und nahm sich seiner liebevoll an. >>Ochon, Ochon<<, nannte er ihn und zog ihn auf. Einmal nun gab der Alte den Spatz der alten Frau und ging wieder in die Berge, um Brennholz zu schneiden. Es war ein schöner Tag und die Alte kochte gerade Stärkebrei. >>Ich gehe jetzt zum Fluss, um Wäsche zu waschen; halte du inzwischen Wache, dass er von der Nachbarschaft nicht gefressen wird!<<
So sprach sie zu dem Spatzen und machte sich auf den Weg zum Fluss. Der Spatz aber war hungrig und fraß ihern Stärkebrei auf.
Als die Alte zurückkam, forschte sie: >>Ochon, Ochon, was ist mit dem Stärkebrei?<<
Der Spatz aber entgegnete: >>Des Nachbarns Katze hat ihn gefressen!<<
Als die Alte nun die Nachbarskatze daraufhin anschaute, klebte nichts an ihrem Mäulchen, als sie jedoch die Zunge des Spatzen untersuchte, klebte Stärkebrei daran. Da schnitt sie ihm die Zunge ab und jagte ihn fort.
Nach einer Weile kam der Alte aus den Bergen zurück und forschte: >>Was ist mit Ochon?<< Da sagte die Alte: >>Als ich ihm den Stärkebrei in Obhut gab und zum Fluss ging, hat er den Brei gefressen. Darüber bin ich in Zorn geraten und habe ihm die Zunge abgeschnitten.<< Da wurde der alte Mann über die Maßen traurig.

>>Ochon mein Spatz, wohin bist du gegangen?
Spatz dem man die Zunge abgeschnitten hat, wohin bist du gegangen?
Mein Liebling wohin bist du gegangen?<<

Während er so rief, wanderte er lange Zeit und kam schließlich zu einem Rinderwäscher. >>Herr Rinderwäscher, Herr Rinderwäscher! Ist hier der Spatz, dem man die Zunge abgeschnitten hat, nicht zufällig vorbeigekommen?<<
>>Doch! Er ist vorbeigekommen, hinterließ aber die Weisung, die Brühe vom Waschen der Rinder aus der Schale des Vaters dreizehnmal und dreizehnmal aus der Holzschale der Frau zu trinken.<<
Und als der Alte die Brühe vom Waschen der Rinder getrunken hatte, belehrte er ihn: >>Wenn du in diese Richtung Flussabwärts gehst, wirst du zu einem Pferdewäscher kommen.<<

>>Spatz, dem man die Zunge abgeschnitten hat, wohin bist du gegangen?
Ochon, mein Spatz, Wohin bist du gegangen?
Mein Liebling, mein Liebling!<<

Als er lange zeit gewandert war, kam er zu dem Pferdewäscher. >>Herr Pferdewäscher, Herr Pferdewäscher! Ist hier der Spatz, dem man die Zunge abgeschnitten hat, nicht zufällig vorbeigekommen?
>>Doch! Er ist vorbeigekommen, hinterließ aber die Weisung, die Brühe vom Waschen der Pferde aus der Holzschale des Vaters dreizehnmal und dreizehnmal aus der Schale der Frau zu trinken.<<
Der Alte trank die Brühe vom Waschen der Pferde. Da gab er ihm einen Rat: >>Wenn du in diese Richtung flussabwärts gehst, wirst du zu einem Gemüsewäscher kommen.<<

>>Ochon mein Spatz, wohin bist du gegangen?
Spatz dem man die Zunge abgeschnitten hat, wohin bist du gegangen?
Mein Liebling! Mein Liebling!<<

Als er wiederum lange Zeit gewandert war, kam er zu dem Gemüsewäscher. >>Herr Gemüsewäscher, Herr Gemüsewäscher! Ist hier der Spatz, dem man die Zunge abgewschnitten hat, nicht zufällig vorbeigekommen?<<
>>Doch! Er ist vorbeigekommen, hat aber die Weisung hinterlassen, die Brühe vom Waschend es Gemüses aus der Schale der Frau dreizehnmal und dreizehnmal aus der Schale des Vaters zu trinken.<<
Und als der Alte die Brühe vom Waschen des Gemüses getrunken hatte, belehrte er ihn: >>Wenn du in diese Richtung flussabwärts gehst, ist dort ein dichtes Bambusgestrüpp, und wenn du dorthin kommst, da mäht man, mit einer roten Schürze und einem roten Ärmelschürzband angetan, Reis.<<

>>Spatz dem man die Zunge abgeschnitten hat, wohin bist du gegangen?
Ochon mein Spatz wohin bist du gegangen?
Mein Liebling, mein Liebling!<<

So rief er wieder und wanderte weiter. Nachdem er lange Zeit flussabwärts gegangen war, fand er ein dichtes Bambusgestrüpp, und aös er weiterging, ein Haus. Er klopfte ans Tor, da rief es: >>Ist es Väterchen oder ist es Mütterchen!<<
>>Väterchen ist es, Väterchen!<<
>>Wenn es Väterchen ist, soll es schnell hereinkommen!<< Der Alte ging also hinein und wurde ehrerbietig zu einem festmahl gebeten. Darauf fragte man ihn: >>Väterchen, Väterchen, willst du einen schweren Korb haben, oder willst du einen leichtten Korb haben?<<
>>Wegen meiner Jahre, gebt mir einen Leichten!<<, entgegnete er. Da setzte man ihm einen leichten Korb auf die Schultern und sprach: >>Väterchen, Väterchen, öffne ihn nirgendwo auf dem Weg, sondern gehe nach Hause und öffne ihn da.<< Als der Alte nach Hause zurückgekehrt war und ihn öffnete, war er ganz angefüllt mit großen und kleinen Goldstücken. Da freuten sich die beiden Alten.
Weil aber die Alte eine habgierige Alte war, sprach sie: >>Ich will auch etwas geschenkt bekommen!<< und machte sich auf den Weg. Als sie zu dem Haus des Spatzen kam und an das Tor klopfte, fragte er: >>Ist es Väterchen oder Mütterchen?<<
>>Mütterchen, Mütterchen!<<
>>Wenn es Mütterchen ist, soll sie schnell hereinkommen!<<, sprach er da. Als die Alte aber eintrat, nahm er das Brett vom Abtritt und stellte es ihr als Esstischen hin und nahm Holz von der Hecke und gab es ihr als Essstäbschen und nahm Sand und setzte ihn ihr als gekochten Reis vor. Als daraufhin die Alte sagte, dass sie zurückkehren wolle, fragte er sie: >>Mütterchen, willst du einen schweren Korb, oder willst du einen leichten Korb?<< Da nun die Frau eine habgierige Alte war, sagte sie, er solle ihr einen schweren Korb geben. >>Nimm diesen und gehe ohne nachzuschauen nach Hause!<< Die Alte aber bekam Lust hineinzuschauen und machte ihn hinter der Hecke auf. Da kamen Ottern und Nattern und Tausendfüßler heraus und bissen die Alte zu tode.
Alle sollen wissen, dass es so mit der Habgier geht!


Ich habe mir über das Märchen gedanken gemacht und da ich sowieso schon mal gehört habe, dass japanische Märchen eine besondere Strucktur haben, würde ich diese gerne finden. Dafür bräuchte ich aber noch mehr japanische Märchen! Aber ich lese generell gern Märchen (fragt nicht warum!^^ Ein Tick von Vielen!) und würde sehr gern mehr aus Japan kennen! Also wenn ihr welche auftreiben könnt, bitte schickt sie mir!

Danke schon mal im Voraus^^





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...   Erstellt am 11.07.2005 - 22:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich habe die genaue Bedeutung der japanischen Märchen. Wer dran interessiert ist soll es hier reinschreiben dann kann ich es ja hier reinposten denke ich mal O.o





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Minami1991 ...
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Ja bitte das wäre voll lieb, auch wenn ich die einzige bin!





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hübsches märchen
Erinnert mich ziemlich stark an Frau Holle





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Minami1991 ...
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Nja.....so habe ich das noch gar nicht gesehen XD





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@Minami

Is doch kein Problem ^__^
Ich kann mal schauen ob ich auch
so japanische Märchen auftreiben kann.
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Die Geschichte der japanischen Märchen


Die ersten Aufzeichnungen der ursprünglich mündlich verbreiteten Märchen stammen aus dem 6. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Schrift von China kommend über Korea nach Japan gebracht wurde. Ein Teil der Motive und Themen, die in den Märchen verarbeitet wurden, findet sich ebenfalls im bereits erwähnten Kojiki und im Nihon Shoki. Die älteste japanische Versesammlung ist das aus der Nara - Zeit stammende "Manyo - shu", eine Art Poesieanthologie.

Um 820 entstand das "Nihonkoku gembo zenaku ryoki", das als die älteste Zusammenstellung japanischer buddhistischer Legenden mit stark märchenhaftem Charakter angesehen wird. Der Titel kann mit "Aufzeichnungen über wunderbare und seltsame Begebenheiten bei der Vergeltung von Gut und Böse im diesseitigen Leben im Lande Japan" übersetzt werden.

In älteren Familienchroniken finden sich ebenfalls Märchenstoffe, die darauf abzielen, die höhere Herkunft eines Ahnen der Familie zu belegen (Motto: Ein Gott im Stammbaum macht sich nie schlecht!).

Zwischen 901 und 957 entstand dann das "Taketori monogateri", in dem ältere Märchenmotive aufgegriffen und neu aufgearbeitet wurden. Eins der ältesten namentlich festgehaltenen Märchen ist "Die Bambusprinzessin", entstanden (und aufgeschrieben) um 900 (es handelt vom irdischen Leben der Tochter des Mondgottes). Erste Sammlungen und eine gezielte Erschließung des umfangreichen Materials wurden von Yanagita Kunio (1875 - 1962) durchgeführt; bis heute gibt es in Japan viele Märchensammelbände und "Märchenreihen", unter anderem als Veröffentlichungen in Zeitschriften und/oder Zeitungen.


Die Bedeutung und Charakteristika der Märchen

In Japan ist das Lesen und Erzählen von Märchen ein Teil der strengen Bewahrung der nationalen Tradition und der Pflege der kulturellen Überlieferungen. Die Sammlung der Märchen geschieht durch Folkloristen zum Zweck der Bewahrung, der Belehrung oder der Unterhaltung. Die Märchen vermitteln die tiefe Verbundenheit der Japaner mit den altherkömmlichen Sitten und Gebräuchen und mit der Natur. Im Märchen werden durch Naturverbundenheit, urwüchsigen Humor (zum Beispiel Märchen wie "Der rotzige Gott" oder "Der furzende Wächter", vorbildliche Höflichkeit und vollendete Liebenswürdigkeit die "traditionellen" Eigenschaften der japanischen Mentalität geschildert. Die (oft wiederkehrenden) Motive gehen häufig auf die japanische "Ritterzeit" (das heißt, die Zeit der Samurai) zurück und bauen auf der Mythologie auf.

Die japanischen Märchen werden gekennzeichnet durch eine verhältnismäßig realistische Darstellungsweise, abgesehen davon, daß zum Beispiel sprechende Tiere ein sehr beliebtes Thema sind. Oft sind die Geschichten nur recht kurz, man kann hierfür am Ende dann sogar Begründungen wie diese finden: "Eine Weihe fliegt sehr schnell davon. Sauerampfer bleibt nur einen Augenblick frisch. So geht auch meine Geschichte rasch zu Ende."
Überhaupt gibt es häufig Schlußbemerkungen, eine andere wäre zum Beispiel: "Man soll anderen nichts Böses tun. Das ist es, was ich euch erzählen wollte."

Die Motive der Märchen haben ihren Ursprung teilweise im religiösen Hintergrund, vor allem im Shintôismus und in der in Japan schon sehr alten Naturverehrung.

Dargestellt wird fast immer das einfache, bäuerliche Leben der Japaner, gängige Klischees und Assoziationen mit Japan wie Reis, Fisch, Sake, Tee, Kimono usw. sind zahlreich vertreten. Aufgrund der langjährigen mündlichen Überlieferung der Märchen sind einzelne von ihnen manchmal in vielen, zum Teil stark differierenden Variationen zu finden.

Mit der Zeit glaubte die Märchenforschung einen "Idealtypus" herauskristallisieren zu können (der sich übrigens vom deutschen/europäischen gar nicht so sehr unterscheidet!):
Man beginnt mit der wundersamen und außergewöhnlichen Geburt des Helden, der Held wächst heran, ist natürlich schon als Kind etwas ganz Besonderes, meistert in jungen Jahren lebensbedrohende Schwierigkeiten und Gefahren - sei es durch eigene Klugheit, sei es mit Hilfe von Tieren oder Naturgeistern -, er entdeckt Schätze oder wird reich belohnt, schließlich heiratet er glücklich eine meist ungewöhnlich kluge und/oder überragend schöne Frau...
- allerdings entspricht auch in Japan kaum ein Märchen im Ganzen diesem Idealtypus, meist fehlt das eine oder andere Element, dafür kommen weitere hinzu. Durch ein solches "Heldenepos" wurde jedoch sehr gerne die Herkunft eines Urahnen einer Familie geschildert (frei nach dem Motto: Ein Gott im Stammbaum macht sich immer gut und außerdem enormen Eindruck!).


Die Einteilung der Märchen

Eine deutliche Differenzierung zwischen den japanischen Legenden, Märchen, Sagen, Fabeln usw. ist kaum möglich, und daher werden solche Geschichten meist allgemein unter dem Begriff "Volkserzählungen" zusammengefaßt. Lediglich die japanische Volkskunde unterscheidet zwischen "mukashi banashi" (Geschichten von ehedem) und "densetsu" (Legenden), wobei sich diese Einteilung jedoch weniger auf Form und Inhalt, sondern auf den vermeintlichen Wahrheitsgehalt bezieht. Densetsu berichten von wundersamen Begebenheiten, die dem Volksglauben nach tatsächlich passiert sind (entsprechen somit eher unserem Verständnis nach den Mythen).
Mukashi banashi werden im allgemeinen als erfundene Geschichten angesehen.

Es gibt im Wesentlichen drei große Gruppen von Märchen (die Einteilung erfolgt nach dem Inhalt):

1. Tiermärchen/ Tierverwandlungen
In dieser Art der Märchen vertritt jede Tierart charakteristische Merkmale oder steht als Symbol für bestimmte Dinge, zum Beispiel: Frosch, Kranich und Fuchs bringen Glück; Dachs und Affe gelten als hinterhältig und faul; Katze und Fuchs haben magische Kräfte usw.
Die Tiere können Menschengestalt annehmen und so Einfluß auf das Leben der Menschen nehmen. Dankbare Tiere bringen den armen Bauern oder anderen Helden Schätze und Geschenke, manchmal warnen sie auch oder helfen in Lebensgefahr.

2. Geister-, Dämonen-, Götter- und Zaubermärchen
Am häufigsten sind hier die Dämonenmärchen, in denen die dämonischen Wesen oder Geister mit den Menschen zusammentreffen und auf die eine oder andere Art das Leben dieser Leute beeinflussen. Zu den bekanntesten der Geister und Dämonen gehören der "Kappa", ein Wassergeist in Gestalt eines ungeheuer kräftigen Kleinkindes, der im Wald lebende "Oni", eine Art Teufel, sowie der "Tengu" und der "Yamachichi", beides Berggeister. Meistens besitzen die Dämonen magische Gegenstände, die sie entweder verschenken (das sind dann die "guten Geister" oder die ihnen durch schlaue, listige Bauern abgenommen werden (das sind dann sozusagen die "dummen Geister".

3. Schwank- und Lügenmärchen
Hier stehen entweder solche Leute im Mittelpunkt, die sich durch Klugheit beziehungsweise ihren Verstand aus diversen Miseren retten können, oder aber listige Betrüger und großmäulige Lügenbolde, die meist eine Lektion erteilt bekommen, die sie dann läutert. Eine dritte Möglichkeit ist die, daß einfältige Bauern, dumme Bräute oder Schwiegersöhne die Hauptrolle spielen, die mit Mühe oder durch "wahre Liebe" zum rechten, das heißt zum normalen Leben gebracht werden müssen.


Ein Vergleich mit dem deutschen/europäischen Märchen
Ähnlichkeiten


Das "klassische" deutsche und das japanische Märchen haben mehrere Gemeinsamkeiten, erkennbar an Merkmalen wie den nun folgenden, die natürlich immer mal mehr und mal weniger deutlich zu finden sind.
Zunächst muß man die häufig vertretenen moralischen, belehrenden und tugendhaften Elemente nennen, die zeigen sollen, daß arbeitsame, gottesfürchtige und hilfsbereite Menschen belohnt werden, boshafte, hinterhältige und faule Leute dagegen damit rechnen müssen, bestraft zu werden. Außerdem ist es ein beliebtes und daher auch oft variiertes Thema, daß arme, aber freundliche und hilfsbereite (manchmal alte), meist sehr einfache Bauern auf eine Probe gestellt werden, die sie dann bravourös bestehen und dafür schließlich reich belohnt werden. Man findet sowohl bei uns als auch in Japan Märchen, in denen Ungeheuer (in Form von Drachen, Teufeln oder bösen Geistern) durch tapfere Prinzen (oder durch mutige, arme, attraktive Bauernsöhne) besiegt werden, der Held heiratet danach dementsprechend die - meist gerade errettete - bildhübsche, fleißige und intelligente Bauerntochter (bzw. der Bauernsohn eine Prinzessin). Abgewandelt ist es in einem solchen Märchen auch möglich, daß, falls sich der Prinz ausgesprochen dumm anstellt, ein gewitzter Bauer den Lohn erhält, indem er durch Bauernschläue über den Reichtum und das "blaue Blut" des hochnäsigen Adeligen siegt.

Zuletzt möchte ich eine sehr auffallende Gemeinsamkeit erwähnen, die man bei zwei Ländern, die derart weit auseinanderliegen wie Deutschland und Japan, eigentlich nicht erwarten kann: In der Märchenwelt beider Länder werden sehr oft feste Einleitungs- und Schlußformeln verwendet. Dem deutschen "Es war einmal" entspricht das japanische "Mukashi zutto mukashi no omukashi", was sinngemäß mit "Vor langer, langer Zeit, es ist schon lange, lange her" übersetzt werden kann. Die bei uns häufig anzutreffende Floskel "...und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" wird in Japan durch "Sorekiri, sore" oder "Mukashi koppori" ausgedrückt (durch derartige Formeln wird im japanischen Märchen das glückliche Ende verstärkt). Möglicherweise ist einer der Gründe für die Existenz dieser Einleitungs- und Abschlußformeln in beiden Ländern die frühere mündliche Erzähltradition der Märchen.

Unterschiede
Die japanischen Märchen weisen eindeutig eine um einiges stärkere Verbundenheit mit der Religion und dem Glauben auf. Sie sind geprägt durch andere Traditionen, andere Naturdarstellungen, andere Lebensweise - was sicherlich in der anderen Kultur und Entwicklung begründet ist - und durch andere Tiere und Nahrungsmittel. Die traditionellen japanischen Eigenschaften wie Bescheidenheit und Höflichkeit, sowie die Betonung der Harmonie im menschlichen Zusammenleben finden sich derart verständlicherweise auch in erster Linie in diesen Märchen und kaum bei uns. Wie bereits weiter oben erwähnt, sind die japanischen Erzählungen gerne kurz und knapp gehalten und es gibt längere, kompliziert verwobene Handlungsstränge, die hier in Deutschland häufig sind, dort nur in Ausnahmefällen. Außerdem werden in den Geschichten die Naturereignisse, die in Japan das Leben stark beeinflussen, verarbeitet. Katastrophen wie Vulkanausbrüche, Flutwellen und Erdbeben werden meist auf das Wirken der Götter oder Dämonen zurückgeführt.
Insgesamt gesehen enthält die japanische Märchenwelt weniger der hier üblichen "Angstmachmärchen" mit bösen Hexen, Zauberern, Stiefmüttern usw. Ein Grund für das nahezu vollständige Fehlen dieses Märchentypus könnte wiederum das starke Bestreben der Japaner sein, alles mit sich selbst im Einklang, und das heißt harmonisch, darzustellen.

Zusammengefaßt läßt sich spekulieren, daß die oben genannten Unterschiede wahrscheinlich auf den ganz eigenen Zügen gründen, die im japanischen Märchen aufgrund ihrer besonderen historischen Entwicklung (im Zusammenhang mit den Mythen) und dem spezifischen gesellschaftlichen Hintergrund entstanden sind.





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...   Erstellt am 13.07.2005 - 19:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Vielen vielen dank, das war sehr nett! Habe nur im Moment keine Zeit es zu lesen! ich kopiere mir das auf WORD und lese es später!

VIELEN DANK!^^





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...   Erstellt am 07.09.2005 - 19:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


wirklich sehr interessant...

lieb, dass du dir die Zeit genommen hast, das so ausführlich zu schreiben.

Wo hast du diese Ausführungen denn gefunden? Ich hatte nämlich vor einiger Zeit sowas gesucht...





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...   Erstellt am 07.09.2005 - 19:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich kenne auch ein schönes japanisches Märchen, dass ich euch gerne erzählen möchte:

Ein Fischerehepaar hatte einen Sohn mit Namen Urashimataro, was soviel bedeutet wie "Sohn der Meeresinsel". Er war sehr fleißig und fing so viele Fische wie sonst niemand im Dorf, weil er sich auch an Stellen wagte, wo das Meer unruhiger war als anderswo.
Eines Morgens fand er beim Netze einholen unter seinem Fang auch eine kleine sehr hübsche Schildkröte.
Urashimataro freute sich und setzte das Tierchen in einen Holzbottich mit Wasser, als die Schildkröte auf einmal anfing zu reden. Sie bat so flehentlich um seine Freiheit, dass Urashimataro nicht zögerte, sie wieder ins Meer zu setzen.

Jahre vergingen, und eines Tages wurde Urashimataro auf dem Meer von einem Sturm überracht und weit hinausgetrieben. Sein kleines Boot konnte den Wellen nicht standhalten und sank. Da sah Urashimataro eine große Schildkröte auf sich zuschwimmen, die also sprach: "Ich bin die Schildkröte, der du vor Jahren die Freiheit geschenkt hast, heute ist der Tag gekommen, wo ich mich dir erkenntlich zeigen und meine Schuld abtragen kann. Setz dich auf meinen Rücken, und ich trage dich, wohin du willst."

Als aber Urashimataro auf dem Rücken der Schildkröte Platz genommen hatte, machte sie ihm den Vorschlag, ihm zuerst einmal die Wunder des Meeres zu zeigen, die noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hatte.
Urashimataro willigte ein, und die Schildkröte tauchte mit ihm zum Meeresgrund, geradewegs zum Palast des Meeresgottes. Sie stellte sich ihm vor als Dienerin der Prinzessin Otohime, die ihm noch für die Rettung ihrer Lieblingsdienerin danken wollte.

Kaum aber hatten sich die Prinzessin und Urashimataro erblickt, verliebten sie sich auch schon ineinander und Otohime fragte, ob er denn nicht bei ihr auf dem Meeresgrunde bleiben wolle. Der Lohn dafür wäre ewige Jugend und Schönheit. Urashimataro willigte ein und sie lebten einige Zeit glücklich miteinander.

Aber immer häufiger wurde Urashimataro traurig, er dachte an seine alten Eltern, wie sehr sie ihn wohl vermissen und vielleicht schon für tot halten mussten. Otohime verstand seine Sehnsucht und beauftragte ihre Dienerin, Urashimataro wieder nach Hause zu bringen. Sie übergab ihm ein kleines Kästchen und bat ihn, dieses Kästchen gut zu bewahren und niemals zu öffnen, nur so könne er wieder zu ihr zurückkehren. Urashimataro versprach es und die Schildkröte brachte ihn zum Strand seines Dorfes.

Als Urashimataro aber den Strand hinaufging, kam ihm alles so merkwürdig verändert vor: kein Haus, kein Mensch war ihm bekannt. Er lief zum Haus seiner Eltern, doch dort wohnten fremde Leute, die ihm keine Auskunft geben konnten.
In seiner Verzweiflung lief er auf den Friedhof, und dort fand er auch richtig die Gräber seiner Eltern, sie waren einige Jahre nach seinem Verschwinden gestorben. Aber er fand auch neuere Gräber, und als Urashimataro nachrechnete, mussten es wohl 300 Jahre gewesen sein, die er auf dem Meeresgrund verbracht hatte.

Schaudernd und verzweifelt lief er hinunter zum Strand. Fast mechanisch öffnete er das Kästchen der Otohime. Ein purpurner Nebel stieg daraus hervor und hüllte ihn ein. Verwundert beobachtete Urashimataro, wie seine Hände, sein ganzer Körper zu altern begann. Die Jahre holten ihn ein, er sank in sich zusammen. Den herbeigelaufenen Dorfbewohnern erzählte Urashimataro seine Geschichte, bevor der Tod ihn erlöste.

Die Schildkröte, gekommen war, ihn wieder zu holen, fand nur noch seine Überreste. Sie kehrte zurück in den Meerespalast, wo Otohime bittere Tränen um ihren geliebten Mann weinte. Die Tränen der Otohime aber verwandelten sich in Perlen und werden bis heute in den Muscheln vor Japans Küste gefunden.



[Dieser Beitrag wurde am 07.09.2005 - 19:30 von sakurahime aktualisiert]





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...   Erstellt am 08.09.2005 - 05:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


das märchen kenne ich ^^
Aber ich finde es total schön ^-^





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