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Supernova  Pflegepersonal für Oomph!
           

Status: Offline Registriert seit: 09.11.2004 Beiträge: 13180 Nachricht senden | Erstellt am 15.02.2005 - 02:04 |  |
INTERVIEW mit Dero über WUNSCHKIND
Ängste und Aggressionen
Mit "Wunschkind" hat das Braunschweiger Trio OOMPH! für sein viertes Album mal wieder einen Titel gewählt, der textlich einiges verspricht. Musikalisch sind die Jungs irgendwo zwischen EBM und Metal zuhause und daher vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache. Dennoch traf ich mich eines Abends mit ModernMusic-Promoter Björn und OOMPH!-Sänger Dero beim Mexikaner in Köln, um etwas mehr über diese Band zu erfahren.
Dero, wer oder was ist OOMPH!?
Uns gibt es seit 1990, und OOMPH! ist so das erste ernsthafte Projekt derer, die bei uns den kompositorischen Stamm ausmachen, das heißt Crap und Flux an der Gitarre und meine Wenigkeit. Wir waren zwar schon vor OOMPH! musikalisch aktiv, aber nur in Kellercombos und Garagenbands, nix ernsthaftes also. So Mitte bis Ende der 80er haben wir in diversen New Wave und Punkbands gespielt, alos das, was wir damals, als Teenager, auch selber hörten und gut fanden. Gefunden haben wir uns dann durch Zufall auf einem städtischen Festival, auf dem jeder mit seiner eigenen Combo am Start war. So in einer Bierlaune sind wir dann ins Gespräch gekommen und merkten, daß wir denselben musikalischen Background hatten, und auch so ziemlich dieselbe Vorstellung von der musikalischen Zukunft. Und dann dachten wir: Warum nicht mal was gemeinsames probieren? Wir waren alle sehr vom traditionellen Metal beinflußt. So war meine erste selbstgekaufte Scheibe die "Back In Black" von AC/DC. Mitte der 80er fand ich das jedoch schon unheimlich interessant, was so aus der Elektronik-Szene rüberkam, so fast schon als Gegenbewegung zu diesem Metal-Klischee, was sich gebildet hatte. Ich meine damit, daß es viele Combos gab, denen es wichtiger war, daß ihre Dauerwelle gut saß oder ihre Augen schön geschminkt waren, als daß die Mucke möglichst authentisch ist. Also mehr Schein als Sein. Aber mit Elektronik meine ich jetzt nicht diese Disco-Elektronik, sondern mehr die experimentelle und avantgardistische Elektronik, die zum Beispiel in Deutschland von KRAFTWERK auch schon Ende der 70er zelebriert wurde, oder auch in sehr provokativer Form von DAF Anfang der 80er. Wir alle drei hatten ja eigentlich mit Gitarrenmusik angefangen, fanden aber diesen von der Elektronik-Musik her kommenden Gegensatz faszinierend. Und dann dachten wir uns: Warum sollen wir das nicht verbinden? Nun kam auch dazu, daß damals die Szenen auch sehr abgegrenzt waren. Die Gitarren-Fraktion haßte alles, was mit Elektronik und Tastendrückerei zu tun hatte, und umgekehrt genauso. Ich fragte mich dann auch, warum soll da nicht ein Austausch stattfinden, auch ideologisch? Und als wir uns letztendlich zusammensetzten, hatte sich auch jeder schon den ersten Synthesizer gekauft. Und 'ne E-Gitarre hatte auch jeder. Außer mir, ich kann nämlich keine Gitarre spielen. Und dann haben wir die zwei Richtungen halt verbunden. Unsere erste Scheibe war dann allerdings sehr elektroniklastig, denn damals waren wir noch sehr fasziniert von der Technik und den Möglichkeiten, die man damit hat. Die Gitaren waren da erstmal nebensächlich. Das war dann aber auch bald schon ein wenig ausgereizt. Außerdem wollten wir nicht zu einseitig und steril wirken, sondern auch diesen analogen und stets wandelbaren Effekt der Gitarren mit einbringen. Eine Gitarre klingt nie gleich, jeder Anschlag ist anders, da ist dann auch ein bißchen Zufall mit dabei. Und die reine Elektronik und die Computerarbeit minimieren diesen Zufallseffekt schon genug. Daher kam es auf dem zweiten Album schon wieder zu einer Gleichberechtigung, von der Instrumentierung her, und auf dem dritten fast schon wieder zu einer Überproportionalität der Gitarren. Und dadurch lernen wir asuch immer wieder neue Seiten an uns kennen.
Nun ist es jedoch so, daß eure neue Platte gerade zu einem Zeitpunkt rauskommt, zu dem die Mixtur aus Metal und EBM sehr populär ist. Man denke da nur an DIE KRUPPS und vor allem RAMMSTEIN. Wahrscheinlich werdet ihr Stimmen zu hören bekommen, die sagen: Aha, jetzt machen die auch sowas.
Wir haben allerdings schon 93 mit der "Sperm"-LP ein gleichberechtigtes Verhältnis von Elektronik und Gitarren gehabt. Nun haben uns leider Bands wie die eben genannten marketingtechnisch überholt. Aber wir haben natürlich eine viel längere Geschichte. Solche Vorwürfe können von daher nur von siolchen Leuten kommen, die nur neuere Veröffentlichungen kennen. Selbst das "Defekt"-Album, der direkte Vorgänger der aktuellen Scheibe, kam deutlich früher raus als etwa die RAMMSTEIN-CD. Wir haben also schon einen gewissen Background vorzuweisen. Obwohl uns natürlich bewußt ist, daß wir nicht so bekannt sind wie andere Bands aus dem Bereich. Andererseits ist es allerdings so, daß sich etwa RAMMSTEIN in Interviews auf uns berufen und sagen, ohne OOMPH! wüerde es sie gar nicht geben.
Jetzt mal zur Musik selber. Die klingt ja nun sehr aggressiv und dient wohl auch zur Verarbeitung von Aggressionen. Woher kommen die bei euch?
Das ist sehr vielschichtig. Zum Großteil sind das natürlich irgendwelche Ängste und Aggressionen aus der frühesten Jugend, weil das die prägendsten Jahre sind. Darüberhinaus natürlich auch Einflüsse, die wir alle kennen, etwa, daß es ökologisch den Bach runtergeht, oder daß man politisch immer eine Machtlosigkeit spürt, obwohl wir ja eigentlich in einer Demokratie leben. Das ist so eine Art Resignation, weil man da ja doch keine Chance hat. Und weil wir nicht resignieren wollen, entstehen eben Wut und Aggression, die wir aber auch als Bestandteile unseres Lebens akzeptieren. Und die Musik kann natürlich eine sehr gute Plattform sein, um diese Aggressionen zu filtern und damit klarzukommen. Und sich auch mal mit der Gesellschaft und sich selber auseinanderzusetzen.
Hörst du denn auch selber aggressive Musik?
Zum Teil. Aber ich höre auch viel melodiöse und ruhige Sachen. Ich bin zum Beispiel ein sehr großer Fan von Filmmusik, oder auch klassischer Musik. Generell versuche ich, meinen musikalischen Horizont ziemlich weit zu halten, weil jeder Musiker natürlich auch beeinflußt wird durch die Sachen, die er selber hört. Da kann mir keiner erzählen, daß das nicht so ist, obwohl das viele tun. naja, und dementsprechend viel versuche ich halt zu hören, damit meine Einflüsse möglichst vielseitig sind.
Wobei auf "Wunschkind auffällt, daß die einzigen weniger aggressiven Songs zwei Instrumentals sind. Sind sie das vielleicht deshalb, weil die keine Lust hattest, weniger aggressive Texte zu schreiben?
Nee, die sind von vornherein als Instrumentalstücke geplant gewesen. Wir legen viel Wert darauf, daß eine Platte nicht zu einseitig wird. Auch was die Gesamtstimmung anbelangt. Solche Stimmungs- und Emotionsbreaks sind also schon gewollt. Wir wollen nicht von vorne bis hinten das volle Brett abliefern, weil das in sich auch wieder langweilig wird. Wir wollen vielmehr ein rundes Gesamtbild aufbauen. Übertragen gesprochen: Die ganze Welt und die Gesellschaft besteht ja nicht nur aus Wut, Aggression und Schnelligkeit, sondern es gibt auch ruhige, besinnliche und stille Momente im Leben. Und das wollten wir halt auch in die Musik einfließen lassen
Kann man denn, von den Texten her, die gesamte Platte unter ein bestimmtes Motto stellen?
Es ist thematisch als direkte Fortführung des Vorgängeralbums zu sehen. "Defekt" bezog sich auf die Reflexion des Innenlebens und die Defekte, die man so als erwachsener Mensch hat. Ich wollte nach dem Abschluß dieser Thematik auch die Frage stellen, woher das alles kommt. Dabei bin ich sehr schnell zu dem Schluß gekommen, daß es Einflüsse aus der frühesten Kindheit sind, die bewirken, daß man als Erwachsener ein bestimmtes Verhaltensmuster aufweist. Man kann sich sehr schwer von diesen in die Seele eingestanzten Ereignissen seiner frühesten Kindheit lösen. Deshalb fand ich diese zynische Auseinandersetzung mit dem Thema sehr gelungen, genauso wie den Titel "Wunschkind". Ich habe mich dabei natürlich auch gefragt, ob ich selber ein Wunschkind bin. Und daher sehe ich die Texte auch ein bißchen so als Selbstsuche an. Ich wollte nicht einfach irgendwelche Textpassagen bringen, nur um irgendein Klischee zu erfüllen. Und dann stößt man grundsätzlich auf die Kindheit als prägendstes Element des Erwachsenseins. Es ist daher auch irgendwie sehr autobiographisch.
Nun geht es ja auf dem Album nicht nur um Kindheit. Beispiel: "I.N.R.I. vs. Jahwe".
Ich bin zweifelsohne sehr christlich beeinflußt. Das liegt einerseits an unserer Gesellschaft, andererseits daran, daß ich zehn Jahre lang auf eine katholische Schule gegangen bin bzw. gehen mußte. Zum dritten, weil meine Eltern sehr religiös waren und sind. Und da haben wir auch wieder den Faktor Kindheit. Ich würde mich aber heute eher als Atheist bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist das Thema immer noch aktuell und interessant für mich. Ich glaube, daß der Mensch Jesus mal existiert hat. Und ich wollte ihn als schizophrene Person darstellen. Ich stelle ihn mir vor wie die in der Bibel beschriebene Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und heiliger Geist. Das sind dann die drei Persönlichkeiten, die sich im ganz normalen Menschen Jesus manifestiert haben. Ich sehe Jesus irgendwo als Genie an, das aber diese Grenze zum Wahnsinn überschritten hatte und schizophren wurde. Das war so meine Annäherung an das Thema.Und ich finde den Kampf der beiden Persönlichkeiten sehr interessant: der Vater, diese alt-testamentarische Person Jahwe, und der Sohn Jesus, also die neutestamentarische Person I.N.R.I.. Und diese Forderung des Vaters, daß sich der Sohn doch hingeben solle für die Menschheit als Liebesbeweis. Dagegen rebelliert der Sohn, der eigentlich weiterleben möchte und seine Macht, die er rhetorisch und von seiner Ausstrahlung her ganz offensichtlich auf Menschen ausüben konnte, doch lieber weiter ausüben will. Und der resultierende Machtkampf war dann halt sehr interessant für mich.
Nochmal Thema Kindeserfahrungen: Wenn man als Kind negative Erfahrungen macht und Defekte mitbringt, liegt das wohl in erster Linie an der Erziehung. Dann sind aber offensichtlich viele Leute nicht in der Lage, Kinder zu erziehen. Aber wenn alle unfähigen Eltern darauf verzichten würden, Kinder in die Welt zu setzen, wäre es wahrscheinlich ziemlich bald ziemlich leer hier, oder?
Ich glaube an das Gleichgewicht der Dinge in der Welt und in der Gesellschaft und innerhalb der ganzen Physik. Von daher denke ich auch, daß es noch genug Eltern gibt, die in der Lage sind, ihre Kinder verantwortungs- und liebevoll zu erziehen. Genauso viele wie die, die das nicht können. Letztere tun's dann leider trotzdem, wegen mangelnder Bereitschaft, sich selber zu hinterfragen und sich ihre Unfähigkeit einzugestehen. Das bedingt meiner Meinung nach, daß wir so viele Arschlöcher und Kriege auf der Welt haben. Es gibt leider immer noch zu viele Menschen, die ihre eigenen Defekte an ihre Kinder weitergeben.
Im Großen und Ganzen bist du demnach nicht sooo hoffnungslos und angsterfüllt...
Naja, eines der bestimmendsten Gefühle ist nun mal die Angst: Angst vor Krieg, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Oder auch die Partnersuche, die nichts anderes ist als die Angst vor Einsamkeit. Angst zieht sich durch die ganze Gesellschaft.
Hast du denn auch Angst vor dem Alter?
Auf jeden Fall. Ich glaube, die hat jeder irgendwie. Einerseits weiß man ja nie, was aus einem selber wird, andererseits ist man natürlich beeinflußt durch die Werbung mit ihren Jugendidealen, auch wenn man das selber nur ungern akzeptiert. Da wird einem ja fast schon ein faschistoides Menschenbild mit arisch selektierten Schönheitsidealen suggeriert. In der Werbung akzeptiert man eben nur Menschen bis zu einem bestimmten Alter. Dem können wir uns auch gar nicht entziehen, selbst wenn wir uns dessen bewußt sind, weil man täglich damit bombardiert wird. Es sind also Ängste da, die unterbewußt auf einen einwirken. Man versucht zwar, diese zu bekämpfen, wenn man sich ihrer bewußt ist, aber ich bin mir nicht sicher, ob man da wirklich immer in der Lage ist, über den Dingen zu stehen.
Die Musik ist also für die Band neben dem Aggressionsabbau dann wohl auch der Versuch, mit der Angst fertigzuwerden. Auf die Frage, ob man mit der Mucke auch irgendetwas bewirken wolle, antwortet Dero:
Es ist in erster Linie nur für uns selbst. Natürlich ist es ein willkommener Nebeneffekt, wenn jemand aus Gesprächen wie diesem, das du dann ja irgendwo abdruckst, oder aus den Texten irgendwas für sein persönliches Leben herausholen kann. Aber in erster Linie mache ich die Musik nur für mich, und schreibe die Texte nur für mich. Ich setze mich auch nicht hin und sage: Dies oder jenes könnte ein potentieller Hit werden, oder dies oder jenes könnten die Leute gut finden. Ich muß lediglich hundertprozentig mit meinem Produkt zufrieden sein, dann kann es auch den Fans gegenüber glaubwürdig erscheinen und eine gewisse Authentizität beinhalten. Und dann freut es mich natürlich auch, wenn sich die Scheibe gut verkauft.
Ob sie das denn tut, da möchte ich hier mal lieber keine Prophezeiungen abgeben. Tatsache ist, daß sie zumindest für die Leute interessant ist, die mit der Symbiose aus Elektronik und Gitarren was anfangen können. Aber das wißt ihr nach der Lektüre dieses Interviews ja selbst.
Restless
[Dieser Beitrag wurde am 15.02.2005 - 02:05 von Supernova aktualisiert]
[Dieser Beitrag wurde am 15.02.2005 - 02:11 von Supernova aktualisiert]
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Supernova  Pflegepersonal für Oomph!
           

Status: Offline Registriert seit: 09.11.2004 Beiträge: 13180 Nachricht senden | Erstellt am 15.02.2005 - 02:09 |  |
[red) Interview mit Dero in Braunschweiger Zeitung
Oomph!«
Im sechzehnten Jahr ihres Bestehens haben die innovativen Elektro-Metaller Oomph! (live am 5. Mai im Jolly Joker) ihren bisherigen Karrierehöhepunkt erreicht – mit dem Einstieg ihrer Single »Augen auf!« auf Platz vier der deutschen Charts haben sich Dero, Crap und Flux als erfolgreichste Braunschweiger Band überhaupt etabliert, einen derartigen Charterfolg konnte bisher nur Rapper Cappuccino verbuchen. Dabei ist die sehr gradlinige, eingängige Single nur eine Facette des Bandsounds, das am 16. Februar erscheinende komplette Album »Wahrheit oder Pflicht« (Pre-Listening-Party am 7. Februar in der Meier Music Hall) lotet den Bereich zwischen Rock, Metal, EBM, Industrial und immer wieder überraschend poppigen Melodien noch deutlich weiter aus.
Überraschenderweise gebt Ihr alle die Beatles als eine Lieblingsband an. Wie schlägt sich das im Oomph!-Sound nieder?
Wir komponieren ebenfalls sehr songorientiert. Vom ersten Album abgesehen war es uns immer wichtig, klare Refrains zu haben, Hooklines zu schreiben, nicht nur auf Groove und Sounds zu setzen. Der Wunsch, eigene, klare Songs zu schaffen, war von Beginn an unser Hauptantrieb Musik zu machen. Die Beatles waren zudem immer sehr innovativ und haben sich nie nach dem Markt gerichtet. Sie hatten oft auch vertrackte Songs und Soundspielereien wie rückwärts abgespielten Klänge oder Noise-Effekte, die heute noch genutzt werden. Es ist immer wieder sehr faszinierend, ihre Musik zu hören.
Trotzdem seid Ihr vor allem in der Gothic-Szene ziemlich angesagt...
Das würde ich so gar nicht sagen. Wir haben ebenso erfolgreich auf Punk-Festivals zwischen Dritte Wahl und Exploited gespielt, bei Metal-Festivals, bei Rock am Ring, aber natürlich auch beim M’era Luna oder dem Schattenreich-Festival. Wenn wir von der Bühne nur schwarz gekleidete Gothic-Fans sehen würden, wäre das für uns langweilig. Wir finden es gut, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, auch wenn die Offenheit vielleicht manche Szenefans verschreckt, aber damit müssen wir leben.
In der Vergangenheit wart Ihr etwas provokanter in Titeln und Artworks, habt Euch seitdem vom Image immer mehr gemäßigt, während die von Euch beeinflussten Rammstein mit einem kontroversen Image erfolgreich an Euch vorbei gezogen sind...
Der Unterschied zwischen uns und Rammstein ist vor allem, dass wir einen Hintergrund zu unserer Provokation hatten. Als wir zum Beispiel unser zweites Album »Sperm« betitelten und Rammstein in erster Linie provoziert haben um Platten zu verkaufen. Das ist legitim, aber deren Welt ist nicht unsere. Wir würden auch nie mit einem rechten Image spielen. Ich möchte nicht Millionen Platten in Amerika verkaufen, weil ich dort dem Bild eines Deutschen entspreche, der die Schönheitsideale von Leni Riefenstahl 1933 verkörpert. Trotzdem möchte ich Rammstein keine Rechtslastigkeit unterstellen, ich habe sie immer als sehr nette Typen kennen gelernt.
Ihr Weg hat sie auch nach Amerika geführt. Kommt das für Euch nicht in Frage?
Ich sehe dort auf jeden Fall einen Markt für uns. Wir waren ‘93 in Amerika und haben dort diverse Shows gespielt, bei denen Leute unsere Songs mitgesungen haben, was uns extrem überrascht hat, außerdem waren wir mit zwei Songs gleichzeitig in den College-Radio-Charts. Das Problem liegt eher bei den Plattenfirmen – bisher sind unsere Platten dort nur über Import erhältlich. Bands wie Stabbing Westward, Nine Inch Nails oder Marilyn Manson laufen in Amerika noch wesentlich mehr als hier, insofern sollte für Oomph! auch eine Nachfrage bestehen.
Was kann der Hörer von Eurem neuen Album erwarten?
Man wird sich nicht erschrecken, da man uns immer noch als Oomph! erkennt, aber es ist unser rockigstes Album seit langem. Die gesamten Klanggebilde sind wesentlich dreckiger als auf den letzten beiden Alben. Es dürfte aber für jeden etwas dabei sein, es sind sowohl die harten Elemente von »Defekt« oder »Wunschkind« vertreten als auch die leiseren Töne der letzten beiden Alben. Wir haben in zwei Phasen komponiert. Erst getrennt voneinander, dann gemeinsam in Sessions, wobei wir die Instrumente oft getauscht haben und drauflos gespielt haben. Das ist der große Unterschied zu den vorherigen Alben. Das gibt dem Album eine besondere Frische und Rohheit. Das viele Livespielen prägt natürlich auch und wirkt sich auch aufs Songwriting aus. Auch deshalb haben wir vielleicht einen etwas rockigeren Touch bekommen. Auf den Alben davor haben wir versucht, mit bunten Farben epische Bilder zu malen. Diesmal sind wir eher mit groben, kräftigen Strichen zu Werke gegangen und haben mehr Wert auf einen möglichst direkten Ausdruck gelegt. Auch wenn es etwas rougher klingt, es hat auf jeden Fall viel Seele und Menschlichkeit.
Erstmals habt Ihr einen Plattentitel, der aus mehreren Wörtern besteht...
Nach sieben kurzen Schlagworttiteln, die zu unserem Bandnamen und unseren Künstlernamen passten, haben wir diesmal etwas anderes gesucht. Der Titel spiegelt recht gut das Leben und die Gesellschaft wider, weil man immer wieder vor die gleiche Frage gestellt wird, ob man die Wahrheit sagt oder die Flucht in eine Tat wählt, die nicht angenehm sein muss, aber verhindert, dass man etwas von sich preisgeben muss. Außerdem ist er eine Textzeile aus der Single, was auch für einen gewissen Wiedererkennungswert sorgt.
Nehmen die Kinderspielen entnommenen Zeilen wie „Wahrheit oder Pflicht“ oder „Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein“ dem Album nicht ein wenig den Ernst?
Ich finde Kinderspiele durchaus ernst. Viele haben ja auch eine Message, wie „Der Plumpsack geht um“, das Kinder davor warnen soll, mit fremden Menschen wegzugehen. Wir haben uns aber schon häufig mit kindlicher Prägung befasst. Auch schon auf unserem »Wunschkind«-Album wurde deutlich, dass nicht alles lustig und schön ist, was mit Kindheit zu tun hat.
»1000 neue Lügen« klingt ein wenig nach NuMetal. Habt Ihr Bezug zu diesem Genre?
Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten – NuMetal beinhaltet ebenfalls häufig elektronische Elemente und Drumloops und ist ebenfalls im weitesten Sinne moderen Rockmusik wie auch Oomph!. Das sind aber die einzigen Zusammenhänge – wir wollten schon immer neue Sachen schaffen, unsere Musik sollte einzigartig und neu sein und nicht irgendwem hinterher hecheln. Der Song dürfte vor allem Freunde unserer ersten Scheibe ansprechen, weil er sehr monoton durchrockt, auf einen Basslauf konzentriert ist, sehr gradlinig vom Groove und auch textlich Parallelen zu unseren ersten Scheiben enthält, weil er sich mit religiöser Heuchlerei befasst.
Ihr seid mit vielen verschiedenen Bands getourt. An wen hast Du die besten Erinnerungen?
Ganz klar, an Skunk Anansie. Die Europatour mit ihnen ist genau so gelaufen ist, wie es sein sollte. Wir sind am ersten Tag sehr herzlich mit Sekt begrüßt worden und die ganze Tour über haben wir gemeinsam Party gemacht. Zum Gitarristen habe ich bis heute noch Kontakt, wir haben auch das vorletzte Silvester gemeinsam gefeiert und die Sängerin Skin haben wir im vergangenen Jahr wiedergetroffen. Das krasse Gegenteil war die Tour mit HIM. Die Reaktionen auf unsere Shows waren hervorragend, aber die Bandmitglieder haben auf der gesamten Tour kein einziges Wort mit uns gesprochen und sich aufgeführt wie Megastars. Einige Mitglieder von deren Crew kamen sogar immer zu uns in den Bus, weil sie mit denen auch nicht gesprochen haben. Kurz davor hatten wir selbst die finnische Band Suburban Tribe als Vorband. Die waren sehr offen und nett, es kann also nichts mit der finnischen Mentalität zu tun haben. interview: toby schaper foto: Ralph Strathmann
[Dieser Beitrag wurde am 15.02.2005 - 02:11 von Supernova aktualisiert]
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Interview mit Flux in Braunschweiger Zeitung
Kompromisslos an die Spitze Oomph!-Gitarrist Flux äußert sich zum Mega-Erfolg
Nach fünfzehn Jahren sind Oomph! Deutschlands zur Zeit heißeste Rockband. Sowohl ihr Album als auch ihre Nr. 1-Single »Augen auf« wurden vergoldet. Am 5.5. und 20.5. spielen die Braunschweiger im Jolly Joker.
Flux, wie erklärst Du Dir den plötzlichen Megaerfolg nach 15 Jahren Bandgeschichte?
Wir haben diesmal genauer überlegt, was ein Hit tatsächlich braucht. Im Grunde haben wir von August bis Dezember an der Single gearbeitet um sie hundertprozentig auf den Punkt zu bringen. So hart haben wir noch nie an einem Song gearbeitet. »Augen auf« war schon ein kalkulierter Hit mit dem Ziel Top Ten zu gehen. Eine Erwartung, die wir übererfüllt haben, obwohl wir unser härtestes, kompromisslosestes Album seit langem gemacht haben. Wir wollten als Band nicht unsere Identität verlieren. Härte und Wiedererkennungswert schließen sich ja nicht aus.
Wie habt Ihr die vergangenen Wochen persönlich erlebt?
Ziemlich unwirklich, es war eine unglaubliche Flut von Ereignissen, die wie im Zeitraffer ablief. Gerade waren wir in Berlin und haben bei »The Dome« vor 10000 kreischenden Teenies gespielt, die alle den Song mitgesungen haben. Am Tag davor hatten wir eine Autogrammstunde beim Media Markt, zu der 800 Leute gekommen sind, die zwei Stunden anstanden, unseren Song gesungen haben, uns berühren wollten und in Einzelfällen sogar ohnmächtig geworden sind. Das war schon sehr bizarr. Wir mussten mit Security reingeschleust werden, wie im Fernsehen.
Wie fühlt Ihr Euch bei »Top Of the Pops« oder »The Dome« zwischen Superstars und vielen Eintagsfliegen und Plastikprodukten?
Wir haben natürlich schon überlegt, ob wir in solche Shows gehen sollten. Wenn der Rahmen, in dem wir präsentiert werden stimmt, wir Einfluss auf die Lightshow und unsere Darbietung haben und auch andere Rockbands auftreten, geht das für uns in Ordnung. Bei »The Dome« haben auch HIM und Within Temptation gespielt, bei »Top of the Pops« schon Marilyn Manson gesehen. Die »Bravo-Supershow« haben wir abgelehnt, weil uns der Rahmen komplett widerstrebt hat. Wir gehen bewusst in Massen-TV-Shows, um den Kids Rockmusik nahe zu bringen. Wenn sie diese nicht zu sehen bekommen, wird sie irgendwann aussterben, weil der Nachwuchs fehlt. Man muss als Band, die oben in den Charts steht, zeigen, dass es auch andere Sachen als DSDS gibt, nämlich Künstler, die ihre Songs selbst schreiben, selbst produzieren und mehr als Coverversionen im Programm haben. Insofern sehen wir so etwas fast als missionarische Tätigkeit an. Ich finde es auch nicht verwerflich, dass wir jetzt auch junge Fans haben und bewerte die genau so wie ältere. Als ich auf meinem ersten Rockkonzert war, war ich elf und bin ab da zum Fan geworden.
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Entry Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde
Oomph - von AC - DC und Gefühlskälte
An einem jener herrlichen Vorweihnachtsabende, der Schnee prasselte leise gegen mein kleines Fenster, hatte ich das Vergnügen, mit dem vom Grippevirus geschwächten, aber wacker durchhaltenden Herrn Flux, seines Zeichens Mitglied des Trios aus dem Herzen der Republik, ein Gespräch zu führen, das länger wurde als gedacht, was sich auf meiner Telephonrechnung mit Nachdruck bemerkbar machte. So, here we go....
Entry: Kannst Du zunächst einmal erläutern, wie Ihr zum Namen "Oomph!" kamt?
Oomph!!: "Der Name "Oomph!!" entstand bei der Suche nach einem griffigen Namen für unser Demo, er sollte gut aussehen. Dabei stießen wir auf den Namen mit Doppel-O, es gibt nicht viele davon, und da "Oomph!!" griffig klang und so was wie Sex-Appeal bedeutet, war es genau der Richtige."
E.: Warum schreibt Ihr Eure Lieder teils mit Deutschen, teils mit Englischen Texten?
Oomph!!: "Das hängt immer davon ab, wie wir unsere Lieder schreiben, machen, einspielen: Wir sitzen bei einer Jam-Session im Studio zusammen, spielen auf der Gitarre und wenn Dero eine gute Idee kommt, singt er los, mal auf Deutsch und mal auf Englisch, und so bleibt’s. Manchmal hängt das aber auch von der Melodie ab, wenn sie schön rund ist, melodisch u.s.w., dann paßt Englisch von der Sprachmelodie her besser, ist’s eher hart, dann Deutsch."
E.: Aha, Ihr spielt Eure Songs also wie früher bei einer Session im Studio und entwickelt so die Sachen? Oomph!! Oomph!!: "Ja, wir sind ja auch von früher, ich bin mittlerweile schon 28 Jahre (Anm. d. Verf. ein wahrhaft biblisches Alter...), wir haben damals AC-DC gehört und dazu mit dem Tennisschläger Luftgitarre gespielt (Anm. d. Verf. ...this rules). Die Art, wie wir die Lieder einspielen ergibt natürlich auch Unterschiede bei den fertigen Sachen, und bei der "Oomph!!" sind wir ganz anders vorgegangen, als bei der "Defect", denn damals sind wir die Sache eher mit Synthezisern angegangen, jetzt mit Gitarren, was natürlich vollkommen andere Songs und Strukturen ergab..."
E.: Also seht Ihr den Metal-Vorwurf, auch früherer Fans, aus dieser Warte heraus als absurd an?
Oomph!!: "Ja, absolut, denn der Mensch entwickelt sich weiter. Wenn heute Leute zu Konzerten kommen und sich beschweren, daß wir zu wenig altes gespielt haben, verstehe ich das nicht, denn auch als Künstler entwickeln wir uns weiter und vor 4 Jahren warst Du ein anderer Mensch als Heute."
E.: Im Gegensatz zu früher gibt es ja jetzt jede Menge Bands, die so Musik machen wie Ihr, wenn ich da nur an "Rammstein" denke...
Oomph!: "Die speziell habe ich mal vor Jahren auf einem Demo gehört, was ich ganz lustig fand. Um die wird jetzt wirklich viel Wirbel gemacht und sie tauchen in jeder Zeitschrift auf. Beinahe wären sie auch auf unserem Label gelandet, was dann aber doch nicht geklappt hat, schade. Das sie jetzt so hype sind, finde ich gar nicht schlecht, denn sie haben es verdient, außerdem ist das ja auch gut für uns. Auf unserer Tour meinten einige Veranstalter, daß sie gerne mal etwas mit uns und Rammstein machen würden, wir haben nichts dagegen."
E.: Es gab bei der Pitchfork-Tour ja immerhin auch Leute, die extra wegen Rammstein kamen! Wie eng seht Ihr denn diese Kategorie ‘Metal’, ‘Electro’ u.s.w. in Bezug auf Eure Musik?
Oomph!!: "Finden wir gar nicht gut, wenn man in Schubladen gepackt wird, da ist man gleich so eingeengt, hat keine Freiheit, und die wollen wir!"
E.: Was ist denn z. Z., außer AC-DC, Eure Lieblingsmucke, nur Metal oder was?
Oomph!!: "Nein, ich würde jetzt nicht sagen, daß ich jede Sepultura CD habe, obwohl die "Chaos AD." schon genial ist. Ansonsten natürlich Fear Factory..."
E.: ...die jetzt ja suuper in sind...
Oomph!!: "...ja, aber solange es Ihnen nicht so geht wie Machinehead, die ich nie so gut fand wie F.F., die aber auch voll angesagt waren. Natürlich Prong, Klatsch, aber auch Björk, von der wir z.B. alle 3 Ihre beiden Soloalben haben, Massive Attack, also auch mal etwas anderes, und Tricky! Ja, selbst verständlich auch noch Nine Inch Nails, vor allem die CD, auf der sie Ihren Metal definieren, da sind tolle Metal-Gitarren drauf. Der Trent Rasnar ist ein Mensch, der eine Sache wenigstens voll durchzieht, mal Metal, mal was Anderes, nicht so wie z.B. Die Krupps, deren erste Metal-CD ja eher Pop mit harten Gitarren war. Jetzt endlich auf der 3. Metal-CD hat der Jürgen E. es endlich geschafft, das durchzuziehen, so gefallen mir die Gitarren."
E.: Wo sind denn die Samples her, sind das Zufallsfunde oder sucht Ihr gezielt?
Oomph!!: "Wir sind alle Filmfreaks, vor allem Dero, da er in einer Videothek arbeitet. Er schleppt die Samples an, denn sie müssen ja zu der Musik passen. Wir anderen arbeiten sie dann eigentlich nur noch in die Musik ein. Die Natur der Filme ist unterschiedlich, durch einen guten Freund haben wir einen guten Zugriff auf Horror jeglicher Art (hy to Horror-Garden), die Samples von ‘Defekt’ sind aber alle aus einem anderen Film..."
E.: ...alle aus einem Film?
Oomph!: "Jawohl, welcher wird aber nicht verraten, nur soviel: Er zeigt die Welt aus der Sicht eines jungen Menschen, wie er seine Umwelt erlebt."
E.: Alles klar, der geneigte T.V.-Seher wird schon wissen, um welchen Film es sich handelt! Habt Ihr auf Eurer Tour eigentlich auch festgestellt, daß die Leute im Osten mehr mitgehen als die im Westen, die ja nur noch faul und gesättigt in der Ecke rumhängen?
Oomph!!: "Absolut, auch wenn im Westen teilweise wirklich gute Stimmung war, in Ostdeutschland waren die Leute einfach genialer drauf. Bei einem Gig in Frankfurt/M. hat mir ein Kenner erzählt, daß die Besucher nicht nur satt sind, sondern auch einfach viel zu "cool" für eine Regung. Aber das geht ja auch Top-Acts so, denn die Fantastischen 4 klagten neulich in einem Interview über das gleiche Problem, Du siehst: ganz andere Musik, ganz andere Größenordnung, gleiches Problem."
E.: In den Clubs ist auch nicht mehr so viel los...
Oomph!!: "... wahrscheinlich sind Alle auf einem großen Mega-Rave..."
E.: ...oder sie Surfen im Internet...
Oomph!: "...ja, aber nur, wenn Papi nicht zu Hause ist!"
E.: Worauf bezieht sich eigentlich das "Defect" aus dem Titel Eurer letzten CD, sind das gesellschaftliche Bezüge oder eher persönliche?
Oomph!!: "In diesem Punkt unterscheidet sich die "Sperm" grundsätzlich von der "Defekt". Auf der "Sperm" geht es um den, wenn man so will, gesellschaftlichen Defekt, auf der "Defekt" jedoch um den inneren Defekt im Kopf, hier also der in Devo’s Kopf, deswegen auch der persönliche Text im Lied..."
E.: Und wie sieht es bei Ice-Coffin aus, beschreibt Ihr im Text nur den Ist-Zustand und habt keine Hoffnung auf Änderung der Gefühlskälte im persönlichen Miteinander oder habt Ihr Hoffnung, daß sich noch etwas ändern wird?
Oomph!!. "Devo ist ein Mensch, der die Dinge eher negativ sieht, obwohl er auch sehr sprunghaft ist und er die Dinge morgen schon anders sehen kann wie Heute, aber bei Ice-Coffin sieht er wohl nur schwarz und hat keine Hoffnung."
E.. Wie schaut es denn mit einer neuen Scheibe aus?
Oomph!: "Nach Weihnachten geht es ab ins Studio und dann wird es wohl im April, oder so, was Neues von uns geben. Musikalisch gibt es darauf sicher auch wieder Änderungen, wahrscheinlich mehr Synthies, wir sind aber eh’ offen für Alles, man wird sehen."
E.. Was machen denn etwaige Nebenprojekte, existiert so etwas?
Oomph!!: "Interessiert sind wir schon, wir haben auch von unserem Label freie Hand, das Problem ist nur die Zeit. Wir setzen uns keinem Zwang aus, haben wir z.B. Lust auf echten Hard Core oder was ganz sanftes können wir es trotzdem unter dem Namen Oomph!! laufen lassen, da haben wir freie Hand. Aber wie gesagt, für Nebenprojekte fehlt die Zeit."
E.: Jetzt verrate uns doch noch etwas zu Eure Namen Crap, Flux und Dero. Sind die zufällig entstanden?
Oomph!!: "Wir wollten einfach nicht unter unseren eigentlichen Namen Musik machen, also suchten wir uns jeder einen ‘Künstlernamen’ aus, der aus 4 Buchstaben bestehen sollte..."
E.: ...aha, also die berühmten Fucking 4-Letter-Words?
Oomph!!: "Genau. Und alle Namen haben eine Bedeutung." (Anm. d. Verf. Bitte bemüht Eure Lexikothek zur Lösung dieses Geheimnisses...)
E.: Wie geht es eigentlich Deiner "Goethes Erben"-Bettwäsche, ich hoffe, die Flecken sind wieder rausgegangen? (vergl. Body-Styler No. 6/95)
Oomph!: "Ach, da wußte ich ja gar nichts von, aber abgesehen davon kann ich für diesen sogenannten Underground nur hoffen, daß sie sich selber und das, was sie tun, nicht so ernst nehmen, wie sie es einen glauben machen wollen, wäre sonst schrecklich!"
E.: Wahr gesprochen! Aber nun, zum Abschluß, zu etwas völlig anderen: Was gebt Ihr denn den ENTRY- Lesern für oomphige Vorsätze mit ins neue Jahr?
Oomph!: "Raucht soviel Ihr wollt, trinkt und nehmt andere Drogen, ist mir egal, aber : Eßt kein FLEISCH! Wir sind nämlich alle Vegetarier."
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Supernova  Pflegepersonal für Oomph!
           

Status: Offline Registriert seit: 09.11.2004 Beiträge: 13180 Nachricht senden | Erstellt am 18.04.2005 - 01:28 |  |
Aufgrund der Vielzahl von Anfragen zum Oomph!-day für diejenigen, die nicht da waren, nach und nach ein paar Stimmen von Beteiligten. Den Anfang macht natürlich unser special-guest Dero:
DJ DEMO: Dero, Du warst an einem Tag gleichzeitig auf mehreren events angekündigt: wie war Dein Eindruck und wie hast Du alles unter den Hut bringen können?
DERO: ...ich habe zum glück alles unter einen hut bekommen...es war ein wenig stressig, hat aber trotzdem sehr viel spass gemacht!!! vielen dank an alle, die da waren und besonders an dich!!!
DJ DEMO: Was freut Dich mehr? Eher, daß "alte" Fans nach wie vor Eure Stange halten oder der momentane Erfolg mit gleichzeitigem Medieninteresse?
DERO: ...den derzeitigen erfolg haben wir natürlich zu einem grossteil auch den alten, langjährigen fans zu verdanken, die in den ersten wochen die scheibe gekauft haben, weil wir schon so lange nichts mehr veröffentlicht hatten...darüber sind wir sehr froh und dankbar...vielen dank an euch alle da draussen!!!
DJ DEMO: Warst Du während der langen Promotour irgendwann mal total angenervt von irgendwelchen Fragen, womöglich in Bezug auf "die neue band"?
DERO: ...die meisten interviewpartner waren zum glück relativ gut informiert, sodass die "üblichen verdächtigen" fragen ausblieben...ab und zu hat man natürlich mal den einen oder anderen pappenheimer dabei, der von tuten und blasen keine ahnung hat...aber wenn man den dann erstmal aufgeklärt hat, ist´s umso lustiger...
DJ DEMO: Glaubst Du, daß sich die band trotz ihrer bisherigen fanfreundlichen Bodenständigkeit möglicherweise nun doch verändert?
DERO: ...wir sind nun schon so lange dabei, dass ich nicht glaube, dass uns ein wahrscheinlich kurzfristiger, aber nichtsdestotrotz sehr erfreulicher erfolg von den beinen haut...wir wissen sehr wohl, woher wir kommen und wem wir unsere langjährigen präsenz zu verdabken haben...nämlich unserem treuen fanstammm!!!
DJ DEMO: Welche Erfahrungen nimmst Du aus den Promotagen mit auf die anstehende tour (z. B. daß Flux und Crap mehr in die Bühnenshow integriert werden)? Und wird es aufgrund der megamäßigen Resonanz nun spezielle Nebeneffekte geben die vorab für die tour nicht geplant waren (ich weiß, es wird keine Pyroshow geben)?
DERO: ...die tour ist schon lange vor den promoterminen geplant gewesen, so dass da wohl nichts besonderes mehr miteinfliessen wird, obwohl es natürlich einige überraschungen geben wird...soviel steht fest!!!
DJ DEMO: Welche Veränderungen sind aufgetreten seit der ersten tour in Bezug auf die anstehende tour? Denkt man an frühere Zeiten zurück, wie alles angefangen hat?
DERO: ...wir spielen nun in grösseren hallen, fahren in ordentlichen bussen durch die gegend mit fahrern, die allesamt fahren können und keine drogen nehmen...die hotels sind extrem besser und auch wir sind disziplinierter und einfach besser und präsenter während der show geworden...
DJ DEMO: Insbesondere nochmal zurück zum Oomph!-day in Düren: was war Dein erster Eindruck zu dieser location? Ihr habt dort 1992 eines der ersten Konzerte gegeben...
DERO: ...ich habe die location in düren erst gar nicht wieder erkannt...da hat sich wirklich ´ne menge getan in den letzten 12 jahren...damals war gegenüber noch kein fettes gebäude, sondern ne kleine moschee mit muhezin usw. und der club selber war klein und hatte eher jugendclubflair...mittlerweile hat sich der laden zu ´nem wahren cultclub mit mehrerern etagen gemausert...hut ab!!!
DJ DEMO: Welchen Bezug können Oomph!-Fans nehmen, insbesondere durch eine solche Veranstaltung wie den Oomph!-day?
DERO: ...ich hoffe, dass ich mehr als deutlich demonstriert habe, dass mir nach wie vor die fannähe am wichtigsten ist...
DJ DEMO: Wo soll der Oomph!-day 2005 stattfinden?
DERO: ...von mir aus auf dem mars...hauptsache, dass du ihn wieder veranstaltest!!! vielen dank...gruss...dero!!!
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Supernova  Pflegepersonal für Oomph!
           

Status: Offline Registriert seit: 09.11.2004 Beiträge: 13180 Nachricht senden | Erstellt am 18.04.2005 - 02:29 |  |
 (tsch). Mit einer Mischung aus Elektronik-Samples und harten Gitarrenriffs trieb die Braunschweiger Band Oomph! schon ihr Unwesen als es die heute als Marktführer dieses Genres gefeierten Rammstein noch gar nicht gab. Freilich kam für Dero (Gesang, Drums), Crap (Gitarre, Keyboards) und Flux (Gitarre, Sampling) der Durchbruch dann - sicher nicht ganz zufällig - in einer Zeit, als auch Rammstein schon in aller Munde waren. Seither werden beide Bands häufig in einem Atemzug genannt, obwohl es bei genauerem Betrachten nicht wirklich viele Gemeinsamkeiten gibt. Doch das Schubladen-Denken, gegen das sich die sympathischen Musiker von Oomph! schon immer wehren, dürfte sich mit ihrem mittlerweile siebten Album "Ego" ohnehin erledigt haben.
"Stillstand ist mir als Künstler und Mensch ein Fremdwort", fasst Dero die hinter Oomph! und dem neuen Album stehende Philosophie zusammen. "Ego" (ab 9. Juli im Handel) klingt denn auch deutlich optimistischer als die Vorgänger und ist von fast schon poppigen, mitsingbaren Hymnen geprägt. Bestes Beispiel ist die vorab ausgekoppelte Single "Supernova". Das Video rotiert seit Wochen bei MTV und VIVA 2. Die Zeichen, dass Oomph! an den Erfolg ihrer letzten beiden Alben anknüpfen, stehen also gut.
VIVA: Nach Hits wie "Fieber" oder "Das weiße Licht" und den letzten beiden Alben "Unrein" und "Plastik" gibt es in Deutschland wohl kaum jemanden, der Oomph! nicht kennt. Zeit, das Geheimnis des Bandnamens zu lüften!
Flux: Das Wort "oomph" gibt es tatsächlich. Man findet es aber nur noch in alten englischen Wörterbüchern. Es ist ein Ausruf, eine Art Synonym für "Energie geladen", "Sex Appeal" oder "das gewisse Etwas". Heute würde man vielleicht "geil" sagen.
Dero: In einem Dictionary hab ich das Wort mal im Zusammenhang mit Marilyn Monroe gelesen. Passt also ganz gut, oder (lacht)?
VIVA: Bleiben wir bei Wort-Interpretationen. Habt Ihr das neue Album deshalb "Ego" genannt, um auszudrücken, dass Ihr Euch nicht reinreden lasst, Euer eigenes Ding durchzieht?
Flux: Das ist eine sehr gute Interpretation, obwohl wir daran eigentlich nicht gedacht haben. Wir haben "Ego", also "Ich", deshalb gewählt, weil dieses Album viel mehr auf uns selbst als Personen bezogen ist, als der Vorgänger "Plastik", bei dem es in erster Linie um unsere Umwelt und die Gesellschaft um uns herum gegangen ist.
Dero: Ich bin bei den Texten zu "Ego" noch mehr als bisher in mich selbst gegangen. Klar war uns bewusst, dass bei dem Titel auch dieser negative Aspekt - "Egoist - immer ein wenig mitschwingt. Aber so war es nicht gemeint. Im Gegenteil: Ich gehe in den Texten ja auch sehr kritisch mit mir selbst ins Gericht und hinterfrage meine negativen Seiten. Eher selbstkritisch als egoistisch also.
VIVA: Die Texte sind also autobiografisch?
Dero: Ja, autobiografisch sind meine Texte immer irgendwie. Diesmal wird der persönliche Charakter noch dadurch unterstrichen, dass ich mich in der "Ich-Person" ausdrücke. Und wenn man beim Texten ehrlich und ungeschminkt mit sich umgeht, kann man dabei auch immer ein Stückchen über sich selbst lernen.
VIVA: Stichwort "ungeschminkt": Es fällt auf, dass Ihr Euch auf der Bühne natürlich, nahbar und für eine Band Eures Genres erstaunlich freundlich gebt. Ihr schüttelt während des Konzertes die Hände der Fans, plaudert nach den Gigs mit dem Publikum. Dero lächelt die Zuschauer an und bedankt sich artig für den Applaus. Warum seid Ihr nicht so super-cool und böse wie andere?
Flux: Es gibt zwei Arten von Bühnenperformance: Eine ist, man steht da oben und sagt: "Hey, Ich bin Euer Held. Kniet nieder!" und man schaut von oben herab auf sein Publikum. Dann wird man vielleicht entsprechend glorifiziert und noch mehr verehrt, als das bei uns der Fall ist. Doch das war nie unser Ding. Wir haben die zweite Variante gewählt: Uns von Anfang an mit den Fans auf eine Stufe gestellt und gesagt: "Wir sind welche von Euch". Wir wollen gemeinsam mit dem Publikum Spaß haben. Ein Konzert ist für uns nicht Masturbation auf der Bühne, sondern ein Miteinander, ein gemeinschaftliches Erlebnis.
Crap: Wie pflegen einen sehr natürlichen, aber auch intensiven Kontakt zu unseren Fans, mit denen wir über unsere Homepage ja auch kommunizieren. Auch Autogrammstunden und solche Sachen machen wir gerne. Einfach schon deshalb, weil wir doch früher auch mal ganz normale Fans von irgendwelchen Bands waren.
Flux: Und ich würde nicht sagen, dass unser Weg der leichtere oder unprofessionellere ist. Wenn wir den Kontakt zu unseren Fans suchen, dann heißt das ja auch, dass wir uns Kritik anhören. Ich denke mal, es ist einfacher, sich abzuschotten, die Sonnenbrille aufzusetzen und sich von Bodyguards abschirmen zu lassen.
VIVA: Habt Ihr trotzdem mal darüber nachgedacht, Eure Performance und vielleicht auch Euer Image ein wenig zu liften? Schließlich scheint es ja so, dass gerade das Finstere, bis in Diabolische übersteigerte, mit jeder Menge Pyro-Effekten, Lederklamotten und so weiter, gut ankommt ...
Flux: Wir haben ja wesentlich früher als zum Beispiel Rammstein mit dieser Art von Musik angefangen. Wir haben uns 1989 gegründet und 1991 das erste Album veröffentlicht. Seitdem stehen wir für unseren Stil. Es wäre wohl nicht glaubhaft, jetzt zu sagen, wir müssen unser Image verändern. Das könnten unsere Fans sicher nicht nachvollziehen. Und es gibt sehr viele, die schon seit Anfang an dabei sind. Auf sie sind wir besonders stolz, weil sie unsere Basis sind und uns irgendwo ja auch ernähren. Gerade bei Oomph! könnte ich mir das wirklich nicht vorstellen, weil wir ja, denke ich, schon auch für Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit stehen. Ich selbst würde mir dann jedenfalls vorkommen, wie ein Schauspieler, und das ist etwas, das ich nicht will.
VIVA: Ein bisschen etwas hat sich aber bei Oomph! schon verändert: Die neue Platte hört sich positiver und optimistischer an als die Vorgänger. Wie kommt's?
Flux: Da bin ich ganz Deiner Meinung. "Ego" ist unser bisher positivstes Album. Wir haben eben gelernt - und es uns auch zugetraut -, in unserer Musik melancholische und glückliche Gefühle auszudrücken. Aber dafür muss man sich nicht schämen. Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, dass einige Musiker und vor allem die Journalisten meinen, dass coole Rockmusik nur "Hau drauf" bedeuten muss und dass es nichts zählt, wenn man mal andere Emotionen zum Ausdruck bringt.
VIVA: Das Schubladen-Denken ist halt gerade in Deutschland sehr ausgeprägt. Es fällt aber schwer, Euch in eine zu stecken. Ihr habt heuer beispielsweise schon beim Wave Gothik Treffen in Leipzig gespielt. Ist die "schwarze Szene" Euer Zuhause?
Flux: Es ist unser Potenzial, aber auch irgendwie unser Fluch, dass wir mehrere Szenen ansprechen, schwer einzuordnen sind. Wir spielen beim Wave Gothik genauso wie beim Full-Force-Festival, wo ja nur harte Rockacts dabei sind, auch bei Mainstream-Festivals stehen wir auf der Hauptbühne. Oomph! findet also sehr übergreifend statt. Wir selbst würden uns keiner bestimmten Szene zuordnen. Das sieht man schon an unserem eigenen Musikgeschmack: Von Björk über Depeche Mode bis zu AC/DC oder Korn ist alles dabei. Da wir schon etwas reiferen Alters sind (zwischen 31 und 34 Jahre, Red.), haben wir eben schon ein paar Dekaden Musikgeschichte verinnerlicht.
VIVA: Macht das Rockstar-Leben nach zwölf Jahren Bandgeschichte noch Spaß?
Flux: (lacht) Die Drogen nagen schon sehr an der Gesundheit. Nein, ich denke mal, dass wir erstens keine Rockstars sind und wir uns zweitens auch nicht so geben wie Rockstars, geschweige denn so leben, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Natürlich wird auch mal gefeiert. Aber das macht jeder Fabrikarbeiter auch, vielleicht sogar schlimmer als wir. Ich weiß, dass das jetzt ein bisschen langweilig klingen mag, weil sich die Leute ja immer so viel darunter vorstellen. Aber wir genießen das Musikerleben in erster Linie deshalb, weil es uns die Möglichkeit gegeben hat, unser Hobby zum Beruf zu machen. Ja, es ist schon eine angenehme Art zu Leben. Ich möcht's wirklich nicht missen.
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Ego  Stationsschwester
            

Status: Offline Registriert seit: 22.12.2004 Beiträge: 14231 Nachricht senden | Erstellt am 03.09.2006 - 20:13 |  |
"Wir eiern in Richtung Mittelalter"
Darf man Gott als Popstar besingen? Ein Interview mit Dero von der Band Oomph!
Am 18. Mai beginnt die Wolfsburger Gothic-Band Oomph! ihre Tournee in Braunschweigs Jolly Joker. Doch schon Wochen vor dem Konzert (Karten in unseren Geschäftsstellen) hatten die Elektro-Rocker Dero, Flux und Crap viel Ärger am Hals. Ihr neues Lied "Gott ist ein Popstar" wurde als religiös anstößig empfunden. Harald Likus sprach darüber mit dem Sänger und Texter Dero.
Als kleine süße Einstiegs-Frage: Was ist denn nun Gott?
Tja, Gott ist etwas Spezielles. Für einige ist er ein Hirngespinst, für andere das Wichtigste. Es ist ein dehnbarer Begriff, würde ich sagen.
Natürlich wollte ich mit der Frage auf den Ärger hinaus, den Euch das Lied "Gott ist ein Popstar" eingebracht hat. Haben Sie es bereut, den Text geschrieben zu haben, oder stimmt die Regel, dass nichts günstiger ist als ein Skandälchen?
Ich bereue den Text gar nicht. Provokation ist legitim. Ich finde die künstliche Erregung bedenklich. Der christliche Kulturkreis scheint irgendwie rückwärts in Richtung Mittelalter zu eiern.
Wo kommt all die Angst her? Ich dachte, wir sind eine laizistisch aufgeklärte Gesellschaft. Ich stelle aber fest, dass es bei uns immer puritanischer, immer amerikanischer zugeht. Ja, genau das ist diese Doppelzüngigkeit aus Amerika: einerseits jede Menge Sex und Gewalt im Fernsehen, andererseits hypersensibel, wenn’s um Religion geht.
Da passt die "Echo"-Ausladung des für seine Sittenstrenge berühmten Senders RTL ganz gut, oder?
Ja, das ist der Gipfel. Unser Auftritt dort war zwei Wochen lang geplant worden, vierzig Tänzerinnen waren engagiert. Die Begründung der Absage nehme ich den RTL-Leuten nicht ab. "Gott ist ein Popstar" ist nämlich eine deutliche Kritik an "Deutschland sucht den Superstar" und dem ganzen Casting-Getue. Dass uns deshalb ungebührliches Verhalten gegenüber der Kirche vorgehalten wird, ist lächerlich.
Aber der Ärger hat geholfen, das Lied bekannt zu machen, oder?
Naja. Zunächst kriegten wir Morddrohungen von ein paar fundamentalen Christen. Dann kam der der Radio-Boykott. Ich möchte das betonen: Die öffentlich-rechtlichen Sender spielen uns nicht mehr, das ist hart. Da finde ich's beachtlich, dass das Album "Glaube Liebe Tod" von null auf fünf eingestiegen ist – nicht deswegen, sondern trotzdem.
Solch eine Geschichte kann Ärger ins Bandgefüge bringen. Könnte sich auch bei Euch so etwas entwickeln wie der legendäre Knatsch bei Depeche Mode oder den Ramones?
Nein, ich glaube nicht. Natürlich gibt es auch bei uns mal Reibereien, wir haben keinen Boss. Aber uns ist immer klar, welch ein Glück es bedeutet, unser Hobby zum Beruf machen zu dürfen und nicht morgens ins Büro zu gehen oder in der Fertigungsstraße zu stehen – ohne solche Berufe herabwürdigen zu wollen.
Ihr beginnt die Tournee im Jolly Joker. Spielen dabei eigene jugendliche Erinnerungen eine Rolle?
Na klar. Mit 15 bin ich da zum ersten Mal gewesen. Da wurde die Musik gespielt, die ich hören wollte: Sisters of Mercy, Soft Cell, The Cure... Entsprechend froh bin ich, jetzt dort auf der Bühne zu stehen.
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Ego  Stationsschwester
            

Status: Offline Registriert seit: 22.12.2004 Beiträge: 14231 Nachricht senden | Erstellt am 03.09.2006 - 20:16 |  |
DarkShadow schrieb
Metalview interviewt Dero!!
Claudia: Was können "wir" von eurem nächsten Album erwarten bzw. wie wird der Stil aussehen?
Dero: Es wird wieder deutlich mehr Ecken und Kanten haben und härter zur Sache gehen. Auch wird es wieder mehr textlichen Zündstoff geben. Darüberhinaus wird es wieder sehr viele Überraschungsmomente geben... Wir bleiben uns auch in diesem Punkt weiterhin treu: Stillstand wäre Tod! Sich selbst und andere ständig zu kopieren überlassen wir nach wie vor anderen Bands.
Claudia: Wie viel Songs werden es auf das neue Album schaffen?
Dero: Das steht noch nicht fest, aber es werden in jedem Falle die Besten sein!!!
Claudia: Gibt es schon einen Song der in die engere Auswahl für die erste Single kommt?
Dero: Es gibt mehrere Songs, die sich hierfür anbieten würden. Letztendlich wird darüber aber erst nach Fertigstellung der Produktion entschieden.
Claudia: Gibt es schon konkrete Termine für die Veröffentlichungen der nächsten CD’s?
Dero: Nein. Wir hoffen aber, das Album oder zumindest die neue Single noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. Da wir ja immer noch alles selbst machen, d.h. Songwriting, Aufnahmen, Produktion und Mischung sind wir natürlich länger involviert als solche Bands, die nur die Songs (oder dies auch nur teilweise) schreiben und dann die gesamten Songs an einen Produzenten geben... Deshalb hat gut Ding bei uns nach wie vor etwas mehr Weile als bei anderen. Aber dafür ist es dann halt zu 100 Prozent unser eigenes Baby!!!
Claudia: Wann startet eure nächste Tour und wo seid ihr zu sehen?
Dero: Wir werden im Sommer einige exclusive Festivals spielen und erst wieder zum neuen Album auf Headlinertour kommen... Ich denke, dass wir so ähnlich wie beim letzten mal touren werden... Also quer durch Europa mit Schwerpunkt Deutschland.
Claudia: Gibt’s schon geplante Vorbands für die Tour?
Dero: Das steht noch nicht fest. Es gibt aber mehrere Anfragen. Vorbands sollten sich für meinen Geschmack sehr stark vom Headliner unterscheiden. Nur dann ist es auch für die Zuschauer abwechselungsreich, deshalb nehme ich gerne Bands mit Frontfrauen mit.
Claudia: Werdet ihr beim nächsten Oomph!-Day dabei sein?
Dero: Ich werde wieder mal mit von der Partie sein in Aachen. Ich war ja schon diverse Male dabei und es hat jedes mal einen Riesenspass gemacht.
Claudia: Was konkret sind eure Zukunftspläne, und wie seht ihr euch in der Zukunft?
Dero: Ich finde, man sollte nicht allzu weit in die Zukunft planen, da diese so ungewiss ist, dass man sowieso viel von dem, was man sich vornimmt, nicht durchsetzen kann, weil so unendlich viele Faktoren dein Schicksal mitbestimmen, dass du nur sehr bedingt auf dieses eingreifen kannst. Ich konzentriere mich lieber auf die Gegenwart, denn nur auf diese habe ich direkten Zugriff.
Claudia: Gibt es Pläne für irgendwelche Nebenprojekte? oder konzentriert Ihr euch nur auf OOMPH!?
Dero: Wir konzentrieren uns nach wie vor 110prozentig auf Oomph!
Claudia: Habt ihr so einen riesen Hype um euch erwartet, als die Single „Augen auf“ veröffentlicht wurde?
Dero: Natürlich nicht. Wir waren selbst völlig überrascht und überwältigt, denn eine Nummer 1 schreibt nun wirklich nicht jeder und auch nicht alle Tage. Zumal wir von der grossen Virgin zum kleineren Label Gun wechselten, waren wir erstenmal glücklich wieder einen kompetenten Partner zu haben, der unserer autarken Arbeitweisen voll und ganz vertraut. Selbst Gun hatten nicht mit einem derartigen Durchbruch gerechnet. Zum Glück sind alle, auch die Leute bei Gun, sehr relaxt was das neue Album anbelangt. Keiner erwartet einen ähnlichen Singlehit wie "Augen auf!". Deshalb können wir relativ gelassen in die Zukunft blicken, was Oomph! anbelangt...
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Ego  Stationsschwester
            

Status: Offline Registriert seit: 22.12.2004 Beiträge: 14231 Nachricht senden | Erstellt am 03.09.2006 - 20:18 |  |
Supernova schrieb
The most serious interview with Dero (25.02.2005)
Neue_Gott: If you remember, last year you told me that you have taken a part in a genetic experiment…and there’re 143 clone-kids like a living evidence… You decided to keep one of them for yourself… How’s he? What are you doing together in your free time?
Dero: I've eaten all of them actually...I didn't feel that it was against my vegetarianism... because somehow I've eaten myself...like eating you own fingernails or something :D
Neue_Gott: Is that true that you’re always in a wig? And what is the real colour of your hair? :D
Dero: My real hair color is the one you see...I do not dye my hair, darling!!!
Neue_Gott: Why do you like make-up so much? And what’s the label of your eye-liner?:D
Dero: I thought you'd know that it's all permanent make-up...so I don't need that faggot-shit!!!
Neue_Gott: Are you going to set out your overcoat from the video “augen auf!” in ebay ? And are there any things that you can sell out to your fans?
Dero: No! I've thrown out of ebay last time while trying to sell the rest of my clones...
Neue_Gott: Were there any situations, when the saliva was running out of your mouth when you saw sappy tasty beefsteak??? :D
Dero: Yes...The last time when I went to a zoo...but not 'cause I wanted to eat the beef... (if you know what I mean???...knick-knack!!!) :D
Neue_Gott: Could you tell us the simple recipe of a one of your favourites vegetarian dishes?
Dero: Take three original dutch tulips, piss on them (only your own piss is allowed when you are a REAL vegi!) and finally let your cat (which is also vegetarian, of course) crap on it! Taste it!!! It's great!!! :D
Neue_Gott: Who is the master of your house: you or your cats? Do you fight against them? :D
Dero: Of course they are the masters and I'm their unworthy slave!!! Didn't you know that they're all dressed up in black leather??? You have to try their incredible domina-clutch!
Neue_Gott: How often do you fight with crap when you’re recording a new album? And on whose side is Flux? or maybe he’s a fair judge?
Dero: How did you know that Flux never ever fights??? Are you his personal groupie??? You're absolutely right: he's the one to calm down the situation between 2 blockheads!!! 
Neue_Gott: Can you imagine the concert devoting to 50 years in Oomph!? How could it be?
Dero: It will be fantastic!!! masses of fat old people on wheel-chairs on stage and in front of it!!! Wheel-chair-stage-diving will be the ultimate sport for the old-indie-generation!!! After the gig we will eat tons of viagra and...of course nothing will happen...so concerning this point we won't change at all... :D
Neue_Gott: With whom did you like to take a shower: with Ville Valo or with Britney Spears? And why? :D
Dero: Exactly this way: first the finish stallion (äh...felon) and then the all-american silicon-barbie!!!
Neue_Gott: If you’ll get suggest to be photographed naked in a magazine such as “Playgirl”, would you agree?
Dero: Oh...Well...I already did it!!! Haven't you seen it??? Okay...I know...it was sold out in a few seconds...of course mainly to transsexual nuns!!! 
Neue_Gott: Imagine that you was invited to the birthday party by Björk… What present will you make?
Dero: I would dance for her to "night fever" from the "bee gees" butt-naked!!! :D
Neue_Gott: Can you remember the funniest situation in your life? And in OOMPH!-life?
Dero: There was a situation when flux was whipped by a domina in stockholm back in 1994... but he didn't want it at all actually...but unfortunately for him fortunately for crap and me he was too drunk to fight against it...somehow it was kinda like in "Beavis and Butthead"...there's a really rare oomph!-comic about that thing...
Neue_Gott: After what case did you feel yourself adult and when did it happen?
Dero: I haven't felt that way, yet...fortunately!!! 
Neue_Gott: After WoP release the army of your fans filled up with “groupies” , your look is more important for them than your music… so are you happy for this fact?
Dero: Oh...for me it's exactly the same!!! Do you know "the silence of the lambs"?... "I would fuck myself!" :D To be serious again: I don't think that there's people who listen to music that they don't like just because of the look of the one's to perform that shit... The younger ones are pretty much fixed on the look of people...but what did you expect? They're young and infected by the fashism of fashion-industries...
Neue_Gott: Have you ever been someone’s fan? If yes, then whose fan? And have you ever got crazy about somebody?
Dero: Hmmm...well, I liked Depeche Mode, the Cure and the Sisters of Mercy and so on a lot when I was a teenager but I did not scream when I saw them live... I just freaked out like I do on stage nowadays...
Neue_Gott: With what band would you like to play friendly match if you had a chance to? And what kind of sport would it be?
Dero: I would like to play football against "Him"...'cause I know they would loose definitely!!! :D
Neue_Gott: Five things that you correlate with Russia?
Dero: Vodka, Stalin, Lenin, sex for sale and the red place in Moscow! Of course, there are much more things for me to mention but it was just allowed to tell five...
Thanx Dero for having fun!)))
Gratitude to AK for help 
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Ego  Stationsschwester
            

Status: Offline Registriert seit: 22.12.2004 Beiträge: 14231 Nachricht senden | Erstellt am 03.09.2006 - 20:22 |  |
Ego schrieb
Interview mit Dero von Oomph!
09/2001
Peter:
Mir ist aufgefallen, dass ihr eine sehr deutschsprachige Setlist habt. Ist das bewusst so gewählt? Oder schreibt Ihr auf deutsch einfach die besseren Songs?
Dero:
Vielleicht sind die einfach am live-tauglichsten. Es ist ja schon so, dass Du darauf achtest, dass auf der Setlist die Songs stehen, die live am meisten abgehen. Und es ist womöglich tatsächlich so, dass die deutschen Songs live-kompatibler sind, was dann auch die Setlist erklärt.
Die englischen Songs sind eher so die sphärischen, die ein OOMPH!-Album abwechslungsreich machen und live soll es halt zur Sache gehen. Klar braucht man auf der Bühne mal so den ein oder anderen ruhigen Song zum Luft holen und dann wieder einen Abgehblock, aber es soll halt live Party gemacht werden.
Peter:
So viele Songs zum ausruhen, waren da gestern nicht dabei. Von den beiden à-Capella-Songs am Ende mal abgesehen.
Machst Du da eigentlich gezielt Konditionstraining vor einer Tour? Du springst immerhin jeden Abend die ganzen 80 Minuten über die Bühne.
Dero:
Es ist schon so, dass man auch privat Sport macht. Ich jogge auch zu Hause, mache Fitness, schwimme ab und zu. Man bereitet sich da schon auf eine Tour vor.
Dann habe ich noch den Vorteil, dass ich kein Raucher bin und somit wohl ein größeres Lungenvolumen als ein Raucher habe. Zudem habe ich mittlerweile auch eine ganz gute Atem- und Gesangstechnik, die es mir schon erlaubt die Action auf der Bühne mit dem Gesang zu kombinieren.
Peter:
Eure Live-Show ist wesentlich metallischer als Eure letzten Alben. Logisch mit zwei Gitarren und einer echten Rhythmus-Fraktion. Aber es wurde zu "Ego" ein wenig kritisiert, dass ihr zahmer geworden seit.
Dero:
Es ist halt so, dass man beim siebten Album versucht neue musikalische und emotionale Türen in dir zu entdecken, die man auch öffnen kann. Gerade wenn man wie wir den Anspruch hat, sich nie selbst zu kopieren. Wir haben halt das wütende, etwas aggressivere schon 5-6 Alben vorher ausgelebt und wir wollten jetzt auch mal andere Emotionen zulassen. Wir sind halt nicht nur wütend und nur aggressiv in unserem Leben. Wenn du aber ehrlich deine Musik vermitteln willst, musst du auch diese anderen Momente zulassen und dann müssen wir auch musikalisch reflektieren, dass wir auch mal traurig, machtlos, melancholisch und still sein können. Ich glaube dieser Verlust vor dem Zugeben dieser Emotionen hat den Oomph!-Sound vielschichtiger und mehrdimensionaler gemacht.
Peter:
Kommen wir zu meiner – als Onlineredakteur – Pflichtabschlussfrage. Was haltet Ihr von Online-Magazinen?
Dero:
Das ist natürlich sehr gut. Wir haben ja auch eine eigene Page (http://www.oomph.de) mit Forum, wo sich die Fans austauschen.
Ich denke, dass dem Medium Internet definitiv die Zukunft gehört, aber trotz alledem werden die Printmedien parallel dazu Bestand haben.
Peter:
Im Prinzip war es das dann auch schon. (lacht)
Gibt es noch irgendwas, was ihr sagen wollt?
Dero:
Also ich möchte auf diesem Weg bedanken bei all den Fans, die uns schon seit unserer ersten CD kennen, verfolgen und mit uns mitgewachsen sind, die all die Stilveränderungen mit durchlebt und akzeptiert haben und uns heute immer noch hören.
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Signatur

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