Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2179 Nachricht senden | Erstellt am 26.07.2009 - 09:40 |  |
Gestern lief im WDR der Zweiteiler
Im Namen des Herrn
mit Heiner Lauterbach in der Hauptrolle. Die Musik hierzu schrieb Konstantin Wecker.
Internetseitig gibt es noch keine Kritik hierzu, somit habe ich die Chance, meinen
eigenen laienhaften Kommentar zum Film zu formulieren.
Die Handlung:
Die Firmenpatriarchin Winnie Hellmann stirbt. Die Söhne Pater Pater Verimund
(Heiner Lauterbach) und sein jüngerer Bruder Frank erben zu gleichen Teilen.
Verimund überschreibt (üblicherweise) seine Anteile seinem Kloster, sein
Bruder Frank sieht für sich die Chance, endlich die Firmenleitung zu übernehmen.
Unterstützung erhält er dabei von dem korrupten Wirtschaftsexperten Pater Albert,
der den Anteil des Klosters verwaltet. Frank wird zum Geschäftsführer gewählt. Um
das Unternehmen vor der Pleite zu retten, sorgt Pater Albert dafür, dass die
Produktion ins kostengünstige Lyanmar verlegt wird. Dort herrschen extreme
Arbeitsbedingungen. Pater Albert, spielsüchtig, gerät unter enormen Druck, als
man seine Schulden eintreiben will.
Schließlich berichten die Medien über die Produktionsverlagerung der Hellmann-Werke.
Nun wird Pater Verimund hellhörig. Gemeinsam mit der Journalistin Susan Singer, der er in
stiller Liebe verbunden ist, reist er nach Asien. Zurück in Deutschland wird er schließlich
vor eine existenzielle Entscheidung gestellt: soll er die Nachfolge des Kloster-Abts antreten
- oder aus Liebe zu Susan der Kirche den Rücken kehren...? mehr... WDR-Fernsehen
Kritik:
Zugegeben, ich war geneigt, spontan den Film in die Kitschschublade zu legen, spätestens
dann, als sich Pater Verimund als Vater von Charlotte entpuppte. Die Mutter des
Kindes, Frau seines Bruders Frank, hatte er geschwängert, als er bereits Priester war.
Dann ließ ich den Film in Gedanken Revue passieren und er gefiel mir zusehends besser.
Heiner Lauterbach verkörperte Pater Verimund überzeugend als einen lebenserfahrenen,
weltoffenen und sensiblen Geistlichen, der sich letztendlich für die Macht innerhalb der
Kirche als Abtnachfolger, aber dennoch nicht gegen die Liebe entscheidet (Dornenvögel?).
Der Film "Im Namen des Herrn" umriss brisante Themen im Spannungsfeld von Wirtschaft,
Kirche, Familie und Liebe. Da geht es um skrupellose Wirtschaftsbosse, schamlose
Ausnutzung von Frauen- und Kinderarbeit in Asien, Spielsucht und Doppelmoral, Familien-
streitigkeiten und deren Konsequenzen und um Herzensangelegenheiten.
Alle Bereiche waren extrem herausgearbeitet: Die Spielsucht von Pater Albert, die
Doppelmoral der Kirche, die Persönlichkeitsstrukturen innerhalb der Industriellenfamilie
Hellmann - extrem und doch realistisch (kitschig?)
Die schauspielerischen Leistungen waren allesamt beachtlich. Herausragend für mich waren
Lauterbach und Jennifer Nitsch als kritische Journalistin im Widerstreit ihrer
Gefühle. Sehr schön die Filmmusik von Konstantin Wecker.
Fazit:
Ein sehenswerter, spannungsgeladener und schauspielerisch hochkarätiger Film, der
brisante Themen zwar etwas überzogen (schließlich braucht er ja auch Unterhaltungswert),
aber dennoch realistisch präsentierte. Ein Film, der zum Nachdenken anregt.
Mein persönliches Prädikat: Sehr empfehlenswert.
[Dieser Beitrag wurde am 26.07.2009 - 09:58 von Romi aktualisiert]
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