mam Moderatorin a.D.
  

Status: Offline Registriert seit: 29.06.2006 Beiträge: 572 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2009 - 12:25 |  |
Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer
Pessimisten sind Egoisten, die meinen, sie hätten ein Anrecht auf alles Unglück dieser Welt. Jeder kennt das Beispiel mit dem halb vollen, bzw. halb leeren Glas. Optimisten freuen sich darüber, dass ihr Glas noch halb voll ist, Pessimisten hingegen ärgern sich darüber, dass ihres schon halb leer ist. Eine Steigerung der Pessimisten ist der Miesepeter. Miesepeter ärgern sich nicht nur darüber, dass das Glas schon halb leer ist, nein, sie verzweifeln regelrecht daran.
Was bringt die Miesepeter dazu, so zu sein wie sie sind? Ist es ein größeres Verlangen nach Anerkennung, Mitleid oder Liebe? Und wenn ja, mit welchem Recht?
Im Leben geht es immer darum, Recht zu haben; das war von Anbeginn der Evolution auf der Erde so. Recht zu haben, bedeutet, der Stärkere zu sein, sich im Leben zu behaupten, um überleben zu können.
Miesepeter sind jedoch zumeist Schwächlinge, die es nur zu gut verstehen, laut genug zu klagen, um ihre Mitmenschen auf sich aufmerksam zu machen, ungeachtet dessen, dass sie von allen Menschen wegen ihrer Meckerei und ihrem Wehgeschrei, ihrem regelrechten Nihilismus, gehasst werden, aber sie haben kein Anrecht auf Mitleid. Sollten sie intelligent genug sein, mitzubekommen, dass sie wegen ihres Verhaltens gehasst werden, vermuten sie sofort eine gegen sie gerichtete Verschwörungstheorie und haben fortan noch mehr Grund zum Heulen.
Das krasseste Beispiel von Rechthaberei ist der Selbstmord. „Ihr tragt die Schuld an meinem Tod und nun seht zu, wie euer Gewissen damit fertig wird.“
19,99 % der Miesepeter kann man als gutmütig und friedfertig einstufen, wobei sich die Waage zwischen männlich und weiblich hält. Sie machen einen auf Mitleidstour, wollen einfach nur etwas Zuspruch haben und etwas mehr Anerkennung bekommen.
Bei diesen Miesepetern würde es ausreichen, wenn man ihnen vor Augen hält, wie gut es ihnen im Vergleich zu machen Anderen geht, sie mal kurz in den Arm nimmt und sie lieb drückt. Dann ist zumindest für die nächsten fünf Minuten ihre Welt wieder hergestellt.
80 % der Miesepeter gehört zu der verhassten Besserwisserfraktion; egozentrische Neurotiker, die von den „Dummen“ ignoriert werden.
Ca. 20 % dieser Besserwisserfraktion besteht aus böswilligen Klatschbasen, deren einzige positive Eigenschaft ihr fetter Hintern darstellt, der sie davor schützt, beim Tratschen aus dem Fenster zu fallen. Die restlichen 80 % (des 80 %igen Anteiles der Miesepeter) sind mit Minderwertigkeitskomplexe beladene, im Leben zu kurz gekommene oder zu früh von der Muttermilch entwöhnte so genannte Männer, wobei ich noch 5 % den Ödipussis zuschreiben möchte.
Ihnen ist nicht mehr zu helfen. Ganz egal, welches positive Argument man ihnen entgegen bringt, sie glauben, immer mit Recht zu motzen.
Der Nachbar meiner Freundin ist das beste Beispiel. Ich weiß nicht einmal mehr, bei welcher Gelegenheit sie mich damals mit ihm bekannt machte.
„Hallo, Herr Radke, was für ein herrliches Herbstwetter!“
„Ach geh‘n se doch weg mit dem Wetter! Morgens isses so verdammt kalt, dass man Rheuma und Hämorrhoiden kriegt und ab Mittag isses so warm, dass man sich die Seele aus dem Leib schwitzt.“
„Nun ja, es ist Herbst und immerhin ist das Wetter ideal für eine optimale Weinernte.“
„Was nützt mir ein guter Wein, wenn ich davon die Gischt bekomme? Nach der jetzigen Gesundheitsreform kann ich mir nicht mal mehr leisten, zum Doktor zu gehen. Aber die Politiker! Die haben sich eine goldene Nase dran verdient und die müssen eh nichts beim Doktor bezahlen, diese Schweinehunde! Nehmen alles von uns armen Teufeln und scheffeln ihre Taschen voll! Die gehören doch allesamt aufgehängt! Das Euthanasie-Gesetz gehört wieder eingeführt und bei denen zuerst!“
Obwohl ich ein sehr geduldiger Mensch bin und als Anthroposophin Hochachtung vor allen Lebewesen dieser Welt habe, kann und will ich mich nicht mit so einem Ignoranten auseinandersetzen. Ab und zu kommt auch bei mir der widersinnige Spruch zum tragen: „Ich hasse intolerante Menschen“.
Dieses war nur ein kleines Beispiel der angesprochenen 80%. Kommen wir nun zu den 0.01 % der besserwisserischen Miesepeter, sozusagen den Königen aller Miesepeter, die aufgrund ihres überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten tatsächlich immer Recht haben. Es gibt nur sehr wenige solcher Menschen, denn die meisten der hoch Intelligenten sind eher gutmütiger Art.
Da ich selbst wahnsinnig viele Leute kenne und sich unter allen diesen Leuten nur zwei Menschen mit dieser Eigenschaft befinden, vermute ich, dass der männliche Anteil dieser 0.01% der hoch Intelligenten und (leider) zu Recht klugscheißerischen Besserwisser 99% der Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer ausmacht. Halleluja, was für ein Wort!
Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass ein Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer dieses Ausmaßes nicht ohne die 99%ige Mithilfe von den Menschen überleben könnte, die er hasst.
Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer (mittlerweile liebe ich diese Wortkreierung) kann im Gegensatz zur 80%igen Besserwisserfraktion sein klugscheißerisches Motzen hieb- und stichfest begründen. Allerdings stellt er seine eigene Person dabei auf einen für alle Andere unerreichbar hohen Sockel und lässt niemanden in seine Nähe.
Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer macht sich keine Gedanken darüber, ob er seinen Mitmenschen vor den Kopf stößt, indem er sie wissen lässt, dass sie allesamt niedere Kreaturen und keines Blickes würdig sind.
Hochintelligenzbesserwisserklugscheißer regt sich über alles und jeden auf. Er sitzt vor dem Fernseher und regt sich über jeden Versprecher der Moderatoren auf. Jeder Satz wird pingelig auseinander genommen und bis hin in seine einzelnen Buchstaben zerpflückt und anschließend von ihm wieder richtig zusammengesetzt. Natürlich nicht ohne eine riesige Schimpftirade. Man könnte annehmen, dass er dabei ein gewisses Vergnügen verspürt, wie zum Beispiel die Tratschweiber am Fenster, aber weit gefehlt.
Nein, er steigert sich ohne Rücksicht auf Verluste bis hin zum Herzinfarkt in jede Situation. Und mit was? Mit Recht. Natürlich hat er Recht, aber er sollte dabei die Menschenrechte nicht außer Acht lassen. Die Fähigkeit, Toleranz auszuüben, ist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet.
Wer die größte Macht hat, hat auch gleichzeitig die größte Verantwortung gegenüber den Schwächsten! Es ist beispielsweise verdammt einfach, ein zweijähriges Kind zu verspotten, weil es nicht eloquent mit Messer und Gabel umgehen kann, aber es ist bei Gott nicht einfach, es ihm beizubringen.
Möge uns der Himmel vor solchen Hochintelligenzbesserwisserklugscheißern bewahren und schon gar nicht auf die Idee bringen, alle von mir in dieser Kolumne angegebenen Prozentzahlen nachzurechnen. 
Copyright by Marina Braun. Nachdruck und Vervielfältigungen bedürfen meiner schriftlichen Genehmigung.
Signatur Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen) |