witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 3069 Nachricht senden | Erstellt am 29.01.2009 - 01:45 |  |
Beim durchstoebern des www bin ich auf folgenden recht interessanten Text gestossen und gedenke das ganze vor Ort nocheinmal genauer unter die Lupe zu nehmen :
Auszüge aus: "Loccum" von Konrad Droste von den Seiten 48 bis 50:
Im Stiftsgebiet Loccum fielen im 17.Jahrhundert 33 Menschen den Hexenprozessen zum Opfer.
Davon 6 aus Loccum, 3 aus Münchehagen und 9 aus Wiedensahl. Die Herkunft der anderen bleibt unbekannt. Die meisten Verurteilten wurden auf dem "Rosenbraken" verbrannt, einem Flurstück zwischen Klosterforst und Bundesstraße 441, nachdem man zuvor mit ihnen die "Wasserprobe" durchgeführt hatte. Sie bestand darin, daß die Angeklagte dreimal in einen Teich geworfen wurde, zweimal gebunden und einmal ungebunden. Schwamm sie jedesmal oben, so galt sie als schuldig und wurde der Tortur zur Erpressung des Geständnisses unterzogen.
In der Loccumer Überlieferung gilt der kleine Teich am Hang oberhalb von Bachteich und Fulde als sogenannter Hexenteich, an dem die Wasserproben vermeintlich stattfanden. Daß diese Prozedur an irgendeinem Loccumer Gewässer vorgenommen wurde, ist aktenkundig, nicht jedoch der Ort.
Der ehemalige Loccumer Konventual - Studiendirektor und spätere Landesbischof Horst Hirschler schrieb in seinem Buch "Geschichten aus dem Kloster Loccum": "Die hochgesteigerte Hexenfurcht des Mittelalters ist leider zu einem wesentlichen Teil dem Verhalten der Offiziellen jener Zeit zuzuschreiben: Der Kirche, den Landesherren und den Juristen." Der Hauptwortführer der "Dämonologen" hierzulande war der Wiedensahler Pastor (1622-1638) Heinrich Rimphoff, der von der Hexerei als Realität überzeugt war. In seinem Buch "Drachenkönig" eifert er gegen die "Hexen-Patronen, höllischen Wölfe und Spießgesellen des Teufels", die nicht einverstanden waren mit der Verbrennung der Hexen. Rimphoffs Drachenkönig wurde 1647 in Rinteln erstmalig gedruckt. Im gleichen Ort saß jene juristische Fakultät, bei der auch das Kloster Loccum seine Gutachten zu den Hexenprozessen einzuholen hatte.
Aber auch ein Lichtblick gibt es zur gleichen Zeit. Im Jahre 1631 erschien wiederum in Rinteln, aber noch anonym, eine mutige Streitschrift des Jesuitenpaters Friedrich von Spee gegen die fragwürdige juristische Praxis bei den Hexenprozessen. Mit seiner "Cautio Criminalis oder rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse" gab er den Anstoß zu einer Neubesinnung.
Sie vermochte jedoch noch 1660 nicht die Urteilsfindung für die Wiedensahlerin Gese Köllars zu beeinflussen. Ihr Schicksal wurde im Stiftsgebiet am bekanntesten. Auf Betreiben ihres Nachbarn Kurt Wilkenings hatte man sie 1659 der "Hexerey und Zauberey" bezichtigt. Am 1.September 1659 erhob die Wiedensahler Gemeinde Anklage beim Loccumer Stiftsgericht. Ein langwieriger Prozeß folgt, in dessen Verlauf Gese Köllars zunächste standhaft die ihr zur Last gelegte "Schuld" abstreitet. Sogar die Rintelner juristische Fakultät gelangt zum allgemeinen Erstaunen zu der Ansicht, "dass die zwar der Zauberey sehr verdächtig, aber nicht überführt sei" und schlägt Verweisung aus dem Stiftsgebiet vor.
Doch wieder sind es die Wiedensahler, die mit erneuten Anschuldigungen das Stiftsgericht zur Wiederaufnahme des Prozesses zwingen. Am Ende der Torturen erlahmt der Widerstand dieser geschundenen Frau, die schließlich unter Tränen aussagt "sie sei eine wahrhafte und wirkliche Hexe gewesen." Der Prozeß endet mit dem Todesurteil, das am 2.6.1660 vollzogen wird. Noch im letzten Augenblick hatte Herzog Georg Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg auf bitten vom Abt Kotzebue die "Begnadigung" vom Feuertod zur Enthauptung mit dem Schwert und nachmaligen Verbrennen verfügt.
Nach ihrem Tode zwang das Gericht die Verwandten, für die verwaisten Kinder der Gerichteten zu sorgen, ihr Eigentum wurde nach damaligem Recht zur Bezahlung der Gerichtskosten verkauft. Mit dem Namen Gese Köllars bleibt eine der letzten Hexenprozesse des Loccumer Stiftsgerichtes verbunden. Frauen aus Rehburg-Loccum und Wiedensahl haben 1987 das Schicksal der Gese Köllars zum Anlaß genommen, sich mit der Rolle der Frau und den Hexenverfolgungen auseinanderzusetzen. Dabei wurde es als besonders positiv bewertet, daß die Evangelische Heimvolkshochschule in Loccum damals das Thema aufgriff und sich dieser dunklen Seite der beginnenden Neuzeit selbstkritisch stellte. Damals wollte die Loccumer Frauengruppe am Jahrestag der Anklage gegen Gese Köllars mit der Erinnerung an sie und ihre Leiden auch ein Zeichen der Versöhnung setzen.
Die Absicht der Versöhnung verfolgte 1985 die Frankfurter Künstlerin Eva-Gesine Wegner mit ihrem Versuch, den kleinen Teich in der Nähe des neuen Friedhofs als Mittelpunkt einer Gedenkstätte für "die vielen bekannt und unbekannten getöteten Frauen" während der Hexenverfolgungen zu gestalten. Dort, so war es die Vorstellung der Künstlerin, könnte die von ihr als Geschenk angebotene Plastik "Die Segnende" stehen. Gegen diesen Wunsch macht Abt Eduard Lohse erhebliche Bedenken geltend und teilte der Künstlerin abschließend mit, "daß das Kloster jener Frauen und Männer, die der Hexenjagd der damaligen Zeit zum Opfer gefallen sind, auf die einzig mögliche Weise gedacht hat, nämlich so, daß der Aufsatz von Herrn Hirschler in den "Geschichten aus dem Kloster Loccum" abgedruckt wurde. Was damals wirklich geschehen ist, welche Zusammenhänge da bestanden, wie differenziert man von Richtern, der Dorfbevölkerung und der Sachverständigen reden muß. Das läßt sich nur in einem sorgfältigen Aufsatz beschreiben, aber nicht mit einem Denkmal darstellen." Auch die Vorstellung der Künstlerin, entweder im kommunalen Bereich oder auf einem anderen Gelände der Loccumer kirchlichen Einrichtungen mit einem Denkmal an die Opfer der Loccumer Hexenverfolgungen erinnern zu können, wurde nach längeren Diskussionen in den betroffenen Gremien ablehnend beschieden. Somit lehnte das Kloster Loccum eine Installation im Klosterforst mit Hinweis auf drohenden "Bodenmystizismus" ab. Zur Information: Seit dem April 1986 erinnert in Gelnhausen bei Frankfurt (erstmalig in der Bundesrepublik) gegenüber dem dortigen Hexenturm ein von der Künstlerin geschaffenes Mahnmal an die Leiden jener Menschen, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen.

Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |